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Full text of "Riemann Musiklexikon 11teA 1929"

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HUGO RIEMANNS 

MUSIK 
LEXIKON 



ELFTE AUFLAGE 

BEARBEITET VON 

ALFRED EINSTEIN 



tfe 



19 2 9 
MAX HESSES VERLAG /BERLIN 



Alle Reclite vorbehalten 
Copyright 1929 by Max Hesses Verlag, Berlin 



Druck von Frankenstein & Wagner in Leipzig 
Einband von Prof. Dr. Emil Preetorius 



Aus dem Vorwort 

zur ersten Auflage. 

Uas vorliegende Musik-Lexikon soil in erster Linie dem Musiker und Musikfreunde 
kurze und biindige Aufschliisse geben iiber Lebenszeit, Schicksale und Ver- 
dienste von Komponisten, Virtuosen und Lehrern seiner Kunst, iiber die Geschichte 
und den gegenwartigen Stand der Kunst selbst sowie ihrer Theorie und der musi- 
kalischen Instrumente. Nach Moglichkeit ist die relative Ausdehnung der Artikel in 
Einklang gebracht worden mit der Bedeutung ihres Inhalts. In der Auswahl der 
Artikel war eine gewisse Beschrankung durch Raumrucksichten geboten; der Gefahr 
einer Inhaltlosigkeit der Artikel wegen zu groBer Anzahl derselben war nur auf diese 
Weise zu begegnen. Die GemeinfaBlichkeit ist bei der Darstellung als strenges 
Gesetz im Auge behalten worden; doch glaubte der Verfasser darin nicht so weit 
gehen zu diirfen, daB schlieBlich selbst der nur praktisch gebildete Orchestermusiker 
in den theoretischen und historischen Artikeln nicht mehr fande, als er selbst weiB. 
So wie das Buch ist, wird es auch dem hoher gebildeten Musiker und dem Manne der 
Musikwissenschaft Interesse abgewinnen und dem strebsamen Kunstjiinger mancherlei 
Anregung geben. Der Versuch, auch fur altere Epochen der Musikgeschichte Interesse 
und Verstandnis in weiteren Kreisen zu wecken, kann gewiB im Hinblick auf die eine 
immer breitere Basis gewinnenden Versuche der Wiederbelebung von Werken des 
16. und 17. Jahrhunderts nur Billigung linden. Die Lehre vom musikalischen Satz 
(Harmonielehre, Kontrapunkt, Komposition) konnte nur in allgemeinen Umrissen 
und hinsichtlich einzelner hervortretenden Spezialfragen Aufnahme finden; wer der 
Kompositionslehre wirklich nahertreten will, wird sich Belehrung nicht aus einem 
Lexikon holen, sondern sich an die systematischen Lehrbucher halten. Ebenso konnte 
die Geschichte nur in tabellarischer Form und einigen knappen Spezialartikeln gegeben 
werden. Die Aufgabe des Lexikons ist, fur solche Gebiete die gute Literatur nach- 
zuweisen; dieser Gesichtspunkt wurde durchweg festgehalten, auch fiir die Biographien. 
Auch eine moglichst vollstandige Aufzahlung der Werke der Komponisten wurde ver- 
sucht; wenn auch hier Raumrucksichten eine ziemlich enge Schranke zogen, so wird 
man doch mehr finden als in anderen Buchern gleichen Umfangs. So hofft denn dieses 
neue Nachschlagebuch in mancher Beziehung eine wirkliche Liicke auszufiillen und 
dadurch seine Daseinsberechtigung nachzuweisen. 

Die biographischen Daten lebender Tonkiinstler stiitzen sich zumeist auf originale, 
direkt eingeholte Informationen ; leider blieb jedoch auch manche Anfrage unbeant- 
wortet. Von den Mannern, welche zur Erlangung biographischer Notizen dem Heraus- 
geber behilflich waren, seien mit besonderer Anerkennung genannt: Dr. Hans von 
Biilow in Meiningen, Mathis Lussy in Paris, Wjatscheslaw Rossolowski 
in Petersburg, Martin Roder in Mailand (spater in Berlin), Fr. Florimo 
in Neapel, Ad. Berwin in Rom, Richard Hoi in Utrecht, Ed. Gregoir in Ant- 
werpen.W. F. G. Nicolai im Haag, E.Dannreuther in London und Dr. L.Damrosch 
in Neuyork. 

Hamburg, im Januar 1882. 



IV Vorwort. 



Vorwort zur achten Auflage. 

1 rotz abermaliger starken Erhohung der Auflage tritt doch schon nach kaum 
vier Jahren die Notwendigkeit an mich heran, das Musik-Lexikon wieder neu durch- 
zuarbeiten. Bei den rapiden Fortschritten, welche die musikalische Geschichtsforschung 
zufolge des schnell anwachsenden Stabes akademisch geschulter Arbeiter macht, 
wachsen aber die Schwierigkeiten einer solchen Bearbeitung immer mehr, so daB ich 
AnlaB nehmen muB, gleich zu Beginn des Drucks der neuen Auflage die Bitte aus- 
zusprechen, mir erganzende Beitrage aller Art, Korrekturen von Fehlern der siebenten 
Auflage, aber auch Ergebnisse eigenen Forschens, die vielleicht an entlegenen, meiner 
Beachtung schwerer zuganglichen Stellen publiziert worden sind, rechtzeitig mit- 
zuteilen, ehe es fiir die neue Auflage zu spat ist. Denn erfahrungsgemaB bemerkt 
nur ein sehr kleiner Teil der Benutzer des Buchs den Nachtrag; fast alles, was der 
Nachtrag der siebenten Auflage enthalt, ist von den verschiedensten Seiten als 
fehlend reklamiert worden, und ich habe deshalb den dringenden Wunsch, diesmal 
im Nachtrage moglichst nur das nachtraglich Geschehene zu bringen (Todesfalle, 
Erscheinen wichtiger neuer Werke). Meines aufrichtigen Dankes diirfen alle versichert 
sein, welche zur Erreichung dieses Zieles die Hand bieten. 

Wie schon in der siebenten Auflage ist auch in der achten das Format erheblich 
vergroBert worden, urn ohne weiteres Anschwellen und ohne allzu grofie Abstriche die 
Beibehaltung der Einbandigkeit zu ermoglichen. Der mehrfach ausgesprochenen 
Bitte der Zerlegung des Lexikons in einen sachlichen und einen biographischen Teil 
gebe ich aus mannigfachen Griinden keine Folge. Gerade das bunte Geraisch von Bio- 
graphien und orientierenden kleinen Abhandlungen hat sich zu sehr als nutzbringend 
und anregend erwiesen, als daB ich es aufgeben konnte. Gar mancher wird beim Auf- 
suchen eines biographischen Details zufallig auf einen solchen Spezialartikel aufmerk- 
sam und weiB mir deshalb fiir die Anordnung Dank. Es wiirde aber eine Scheidung 
sogar auf formale Schwierigkeiten stoBen und z. B. die Verweisung der kleinen histori- 
schen Ubersichten in den nichtbiographischen Teil Unbequemlichkeiten fiir den Be- 
nutzer bedingen. Ich bitte also herzlich, es mir nicht iibelzunehmen, wenn ich dies- 
beziigliche Wiinsche auch von mir sehr hoch eingeschatzter Freunde und Berater nicht 
beriicksichtige. Das Musik-Lexikon soil ein „Handbuch" sein und bleiben. 

Der neuen Auflage kommt auBer der 1910 beendeten zweiten Auflage von Groves 
Dictionary of Music and Musicians (redigiert von J. A. Fuller-Maitland) auch das 1912 
begonnene Erscheinen von Tobias Norlinds schwedischem Allmant Musik-Lexikon 
(Stockholm) zugute. Es versteht sich von selbst, daB derartige Lexika eins vom 
anderen ubernehmen, was ihnen aufnehmenswert erscheint. Norlinds Lexikon stiitzt 
sich vielfach auf das meine, bringt aber ausgiebig Neues iiber skandinavische Musiker, 
was ich als Gegenleistung mit Dank in Empfang nehme und im Auszuge beriicksichtige. 
Vielfach sind mir Daten meines Lexikons nach der ersten Auflage des Groveschen 
Werkes als unrichtig moniert worden, die inzwischen bereits das Supplement der 
ersten Auflage und die zweite Auflage des Groveschen Werkes ^according Riemann" 
berichtigen. Dazu mochte ich allgemein bemerken, daB in der Mehrzahl solcher 
Divergenzen das abweichende Datum sich auch in einer der fruheren Auflagen meines 
Buches finden wird, aber auf Grund besonderer und gut verbiirgter Reklamationen 
geandert wurde. Leider gibt es aber auch einige ganz hoffnungslose Falle einander 
widersprechender angeblich genauen Datierungen (z. B. Clementis Geburtsdatum). 
Die immer mehr gesteigerte Aktivitat auf dem Gebiete der Musikwissenschaf t, besonders 
dem der Musikgeschichte, macht selbst bei nur fiinf Jahren Abstand der neuen Auf- 
lage von der vorausgehenden (7. Auflage 1909) doch eine starke VergroBerung sehr 
vieler Artikel unerlaBlich und die Herstellung einer Stereotypausgabe zur Unmoglich- 
keit; wohlweislich ist aber eine solche von vornherein fiir dieses Lexikon ausgeschlossen 
worden. Der mehrfach ausgesprochene Wunsch, statt neuer Auflagen Supplemente 



Vorwort. V 

mit den Verbesserungen und Nachtragen zu bringen, kann daher vom Verfasser nicht 
beriicksichtigt werden ; das Buch wiirde damit den Charakter eines bequem benutzbaren 
Nachschlagebuchs verlieren. 

Jede neue Auflage zwingt zu neuen Kiirzungen bzw. zur Streichung entbehrlich 
gewordener Artikel friiherer Auflagen, um dem Buche die handliche Einbandigkeit 
zu bewahren. Gar manche Bitte um Beriicksichtigung in der neuen Auflage muBte 
aus diesem Grunde unerfiillt bleiben. Der Verfasser bittet, darin keinen Mangel an 
Wertschatzung zu erblicken; aber die Gefahr, daB ein biographisches Tonkiinstler- 
lexikon in ein Musiker-AdreBbuch ausartet, ist groBer, als der Fernstehende ahnt! 
Der vornehmste Zweck des Buches ist nach wie vor eine moglichst zuverlassige Orien- 
tierung iiber bedeutende Leistungen auf dem Gebiet der Komposition einerseits und 
der musikwissenschaftlichen Forschung andrerseits, und nur in sehr beschranktem 
MaBe kann daher die verdienstliche Tatigkeit der reproduzierenden Kiinstler (Ge- 
sangs- und Instrumentalvirtuosen, Dirigenten) und der Musiklehrer gewiirdigt werden. 

Trotz des besten Willens und fleiBiger Arbeit ist doch die vollstandige Losung 
der Aufgaben eines Buches wie des Musik-Lexikons fur den einzelnen eine Unmoglich- 
keit, und mit herzlichem Dank bestatigt der Verfasser immer wieder die selbstlose 
Bereitwilligkeit, mit welcher eine groBe Zahl von wohlwollenden Freunden seines 
Buches Beitrage aller Art in Menge geliefert hatten, Druckfehlerkorrekturen, Er- 
ganzungen biographischer Daten, Hinweise auf bedeutendere Neuerscheinungen, 
Friichte eigenen Nachdenkens usw. usw. Zu ganz besonderem Danke bin ich Herrn 
Dr. Alfred HeuB in Gaschwitz bei Leipzig verpflichtet, der mir bei der Druck- 
legung der 8. Auflage fortgesetzt hilfreiche Hand leistete, desgleichen Herrn Dr. Alfred 
Einstein in Miinchen, der bei der ersten Korrektur noch manches hochwertvolle 
Detail beisteuerte, ferner Oberbaurat Franz Stieger in Wien, dessen iiberaus wert- 
volle Sammlung von die Operngeschichte angehenden Notizen dem Lexikon wieder 
reiche Ausbeute zufuhrte, und weiter einer Anzahl hochgeschatzter Kollegen, die syste- 
matisch alles zusammengetragen hatten, was ihnen in der 7. Auflage aufgestoBen war, 
so Dr. Karl Mennicke in Liegnitz, Dr. Alfred Ebert in Koln, GeorgKinsky 
in Koln, Dr. Karl Weinmann in Regensburg, Hofkapellmeister Peter Raabe 
in Weimar, Prof. Dr. Arnold Schering in Leipzig, Dr. Hans Joachim Moser 
in Berlin, Hofstiftskaplan Otto Ursprung in Munchen, Karl Walter in Monta- 
baur, Geh. Sanitatsrat Georg Fischer in Hannover, meinem Assistenten Dr. Wili- 
bald Gurlitt, den leider der Krieg mir zu friih ins Ausland entfuhrte, Professor 
K. E. Richard Miiller in Dresden usw., noch gar manchen andern, den ich um Ver- 
zeihung bitte, daB ich ihn nicht speziell namhaft mache. Einige Namen (Ad. Barth, 
E. Euting, W. Nelle) wird man unter von ihnen beigesteuerten Artikeln gezeichnet 
finden. Audi fur die vorliegende 8. Auflage sind solche Verbesserungen bereits in 
groBer Zahl schon wieder eingegangen. 

Leipzig, Ende 1915. 

Prof. Dr. Hugo Riemann. 



VI Vorwort. 

Vorwort zur elften Auflage. 

Zum ersten Male habe ich gegen Hugo Riemanns oft geauBerten Willen verstoBen, 
indem ich sein Lexikon in zwei Bande geteilt und dadurch die Handlichkeit des Werkes 
vielleicht verringert habe. Wer aber naher zusieht, wird bemerken, daB der groBere 
Umfang und damit die Notwendigkeit der Teilung des Buches durch die Sache geboten 
war. So sehr ich mich bemuht habe, ,,historisch" gewordene Artikel, meist Lebensdaten 
uns vollig entfremdeter Musiker aus der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts, aus- 
zumerzen, so ist der Stoff fur alle Gebiete, die ein solches Werk behandeln muB, doch 
so stark angeschwollen, daB mit dem Prinzip der Einbandigkeit nicht mehr auszukommen 
war. Das Buch nahert sich mit der Teilung scheinbar den vielbandigen Lexika etwa 
der Art von Grove, die sich fur die Biographien der groBen Meister und fiir bestimmte 
Probleme ganze Abhandlungen leisten konnen. Dennoch glaube ich gerade an den 
Richtlinien festgehalten zu haben, wie Riemann sie im Vorwort zur ersten Auflage 
formuliert hat. Die Verteilung des Stoffes ist so gleichmaBig, als sie ohne Gefahr 
der Uniformitat sein kann; freilich ist die Quantitat der einem Komponisten gewid- 
meten Zeilenzahl nicht immer ein MaBstab fiir seine Qualitat, zumal da ich von Rie- 
manns Absicht nicht abweichen wollte, gerade bei den neueren Komponisten eine 
moglichst vollstandige Werkliste zu bieten. Es widerspricht lexikalischen Forderungen, 
hier zu knausern: wer Information sucht, sucht genaue Information. Es versteht 
sich von selbst, daB ich fiir die neueste Zeit meine Bearbeitung von A. Eaglefield Hull's 
Dictionary of Modern Music and Musicians (1926) verwertet habe, nicht ohne in (bis 
auf wenige Ausnahmen) jedem Falle zu andern und zu erganzen. Ich bin dabei (eben- 
falls bis auf wenige Ausnahmen) von alien Lebenden, die ich anging, in einem Umfang 
unterstiitzt worden, fiir den ich nicht genug Dank sagen kann. Die Erweiterung des 
Lexikons erstreckt sich jedoch ziemlich gleichmaBig auf Artikel aus alien Gebieten und 
alien Epochen. Es sind nicht bloB in der Gegenwart neue Fragen, deren Erorterung nicht 
zu umgehen war, aufgetaucht, auch fiir eine Reihe von Epochen der Musikgeschichte 
hat der Stoff sich bereichert und unsere Anschauung sich gewandelt. In vielen Fallen 
(ich muB es sagen) sind die Anderungen Ergebnis eigener Forschung; in alien habe ich 
Wert auf sorgfaltigsten Literaturnachweis gelegt, sei es in Biichern oder Zeitschriften. 
Nicht bloB aus Pietat, sondern aus innerster Uberzeugung habe ich Riemanns 
Anschauungen und Formulierungen in Fragen der Harmonik, Rhythmik und Metrik 
unangetastet gelassen. Der harmonische Dualismus scheint mir keineswegs widerlegt 
und ist durch physische und physiologische Tatsachen iiberhaupt nicht widerlegbar. 
Auch Riemanns Rhythmuslehre ist zwar angegriffen, aber in ihrem Wesentlichen 
nichts weniger als erschuttert worden. Die Zusatze, die die Entwicklung zur soge- 
nannten ,,Neuen Musik" notwendig machte, sind durchweg in einer rein darstellenden, 
sozusagen historischen Form gegeben. 

Ich will nicht leugnen, daB ich das Werk Riemanns mir trotzdem sehr stark zu 
eigen gemacht habe : ich muBte es, wenn es in seinem Sinne lebendig bleiben sollte. 
Mein einziger Zweck war, so viel an rein sachlicher Information zu geben, als auf engstem 
Raum zu geben moglich ist. Alle Wiinsche dabei zu erfiillen, ist unmoglich. Es geht 
z. B. nicht an, alle Vortragsbezeichnungen zu erklaren, die in der musikalischen Literatur 
vorkommen; zumal nach der Entthronung des Italienischen als musikalischer Welt- 
sprache. Allein Liszts oder Debussys Wortschatz wiirde ein kleines Worterbuch fiillen. 
Nicht jeder sucht im Lexikon dasselbe, und oft ist der Beniitzer und Beurteiler ein- 
seitiger als der Autor und Bearbeiter. Im Urteil glaube ich mich sparsam und 
,,objektiv" verhalten und so ziemlich alles vermieden zu haben, was — wie heiBt es 
doch? — nicht „lexikographischer Stil" ist. Personlich bedaure ich, daB unsere Zeit 
uns zwingt, dies Prinzip zu wahren. Es waren schonere Zeiten, als Rousseau in seinem 
Dictionnaire von der Academie Royale de Musique noch sagen durfte: de toutes les 
Academies du monde c'est assuriment celle qui fait le plus le bruit. 

Ich verzichte, auf die vielen kleineren Fragen einzugehen, die im Gang der Neu- 
gestaltung sich aufgedrangt haben. Ich verzichte den Ubergang von Fraktur zur An- 



Vorwort. VII 

tiqua, zu begriinden; er spricht fur sich selbst. Aussprechen mochte ich nur, daB ich 
den orthographischen Richtlinien, die am iiberzeugendsten Dr. H. Moller fur russische 
Eigennamen aufgestellt hat, aus auBeren und inneren Griinden nicht folgen konnte. 
Es ist bedauerlich, aber nicht allzu wesentlich, daB wir dieseNamen nicht mit den feinsten 
Nuancen wiedergeben, nachdem wir seit Jahrzehnten den Namen Patjomkin ruhig - 
und ohne Storung Potemkin schreiben und sprechen. Die russischen Geburtsdaten 
sind alle neuen Stils. Um einige Geduld muB ich den Beniitzer fur diese Auflage noch 
bei der Suche nach Namen wie de Fevin, le Sueur, de la Rue u. dgl. bitten. Verweise 
sind meist vorhanden; aber konsequent eingeordnet sind sie noch immer nicht. Der- 
artiger Inkonsequenzen wird man manchmal inne erst bei der Korrektur, die sich 
diesmal iiber anderthalb Jahre hinzog. Dringend bitte ich, aus dem Nachtrag wenigstens 
die notwendigsten Verbesserungen von Druckversehen einzutragen; ebenso dringend, 
mir wirkliche Liicken und Irrtumer mitzuteilen. 

Es bleibt mir iibrig, die lange Reihe der freundlichen Heifer zu nennen, die mich 
bei meiner Arbeit unterstiitzt haben. An erster Stelle stent Herr Hugo So£nik in 
Danzig, dem ich nicht nur eine Fiille von Hinweisen, Anregungen und Verbesserungen 
verdanke, u. a. auch die Abfassung der Artikel iiber die ja bereits historisch gewordenen 
„modernen" Tanze, sondern der auch den groBten Teil der ersten undletzten Korrektur 
sorgfaltig mitgelesen hat. Ihm zunachst Herr Maurice Cauchie (Paris) und Herr 
Jose Subira. (Madrid), die beide samtliche Artikel „ihrer" Lander kontrolliert haben, 
desgleichen Dr. A. Rimsky-Korssakow (Leningrad), dem als Vorsitzenden einer 
Kommission ich eine Erneuerung und Erganzung der russischen Artikel verdanke ■ — 
vermittelt durch den alten Freund des Lexikons, Dr. Oskar v. Riesemann. Bei der 
Korrektur der zweiten Halfte der Neuauflage habe ich mich der Hilfe — einer wahr- 
haft produktiven Hilfe — von Herrn Dr. Karl Gerstberger zu erfreuen gehabt. 
Die Artikel der einzelnen Nationen sind meist von Konnationalen iiberpriift worden : 
vvenn ich ihnen im folgenden meinen Dank abstatte, dann mit der Bemerkung, daB 
keiner von ihnen fiir die endgiiltige Fassung von Landsleuten verantwortlich ge- 
macht werden kann: Dr. K. P. Bernet Kempers (Holland), Toivo Haapanen (Finn- 
land), Patrik Vretblad (Schweden), Dr. Knud Jeppesen (Danemark), Dr. Eugen 
Zador (Ungarn), Prof. Dr. Josef Mantuani (Slowenien, Kroatien, Serbien), Helmuth 
Arro (Estland), Prof. Dr. Adolf Chybinski (Polen), Dr. 0. M. Sandvik (Norwegen), 
Luiz de Freitas Branco (Portugal), Bruno Weigl (Tschechien), Dr. Philaret 
Kolessaund Jos. Zaleskyi (Ukraine). Fiir ganze Artikelgruppen oder einzelne Ar- 
tikel bin ich besonders verpflichtet Herrn Dr. Jacques Handschin (Zurich), Herrn 
Dr. Egon Wellesz (Wien), Herrn Dr. Robert Lachmann (Berlin), Herrn Dr. Otto 
Ursprung (Miinchen), Herrn Heinz Quint (Wien), Herrn Dr. Georg Kinsky 
(Kohl), Herrn Dr. Paul Mies (Koln), Herrn Dr. Willi Kahl (Koln), Herrn Prof. Dr. 
Th. W. Werner (Hannover) Herrn Dr. Ludwig Landshoff (Berlin), Herrn Oberbau- 
rat a. D. Franz Stieger (Ladendorf), Herrn J.-G. Prod'homme (Paris), Mr. Ernest 
Closson (Briissel), Herrn Dr. Josef Zuth (Wien), Herrn Prof. Johannes Schreyer 
(Dresden), Herrn Ernst C. Krohn (Saint Louis) usw. usw. 

Aus der Fiille lexikalischer Arbeiten, die zwischen der 10. und dieser Auflage er- 
schienen sind, nenne ich einige mit besonderem Dank: das Kurzgefasste Tonkiinstler- 
lexikon (12. Aufl.) von Prof. Dr. Wilhelm Altmann, das eine Reihe sorgfaltig eruierter 
Daten bot, das Historisch-Biographische Musiker- Lex ikon der Schweiz von Ernst 
Refardt, ein Erzeugnis hingebender und selbstandiger Arbeit, und die dritte 
Auflage von Groves Dictionary of Music and Musicians, vor allem fiir die authenti- 
schen englischen Artikel, endlich das Handbuch der Laute und Gitarre von Josef Zuth. 

Zum SchluBe mochte ich nicht versaumen zu sagen, daB mir von Max Hesses 
Verlag und seinem Inhaber, Prof. Dr. Hans Krill, jede denkbare Erleichterung der 
Arbeit erwiesen worden ist. 

Berlin W 30, am 11. November 1928 
Heilbronner StraBe 6. Alfred Einstein. 



Zur Aussprache-Bezeichnung. 

seb ist das weiche sch der Italiener (gi = dsehi), Franzosen (gi = sebi) und Englander 

(ge = dsefae). 
chh ist das Larte gaumige ch, das von den Spaniern (friiher vielfach mit x [griech.], jetzt 

fast nur noch mit j geschrieben) auch vor hellen Vokalen li, e) so gesprochen wird wie 

im Deutschen nach dunklen, z. B. Krach. 
d8 ist das weiche dB der Englander (the = 'dfii). 
a ist ein dunkles, mehr wie o klingendes a. 

aij, aij, oij fordern den franzosischen son mouille (verschleift) . 
ang, ang, ong fordern die franzosische nasale Aussprache. 
oi, oa, ua fordern schnelle Verbindung der beiden Vokale. 



Abkiirzungen. 

Um Raum zu sparen, sind in den Angaben iiber die Besetzung der.Werke eine Anzahl 

allgemein iiblicher Abkiirzungen gebraucht worden, die f fir alle Falle hier angemerkt seien : 

op. = opus; o. op. — ohne Opuszahl. 

u. a. = und anderes, oder, je nach dem Sinn, unter anderem. 

s. v. w. = so viel wie. 

B. = Basso, B. c. = Basso continuo, B. g. = Basso generale. 

V. = Violino, Via. = Viola (Bratsche), Vc. = Violoncello, Vne. = Violone. 

Fl. = Flote(n), Ob. = Oboe(n), Pf. = Pianoforte, Kl. = Klavier. 

v. = voci, vocum (Stimmen), z. B. 8 v. = a 8 voci (8 vocum). 

st. = -stimmig, z. B. 8st. = 8stimmig. 

' = FuB (8', 16') bei Orgelstimmen. 

MCh. = Mannerchor, FrCh. = Frauenchor. 

MG. = Musikgeschichte. 

Ex. = Exemplar. 

Besonders seien noch genannt die Abkiirzungen: 

Mus. Doc. = Doktor der Musik (engl.). 

Mus. Doc. Cantab. = Doktor der Musik zu Cambridge. 

Mus. Doc. Dunelm. == Doktor der Musik zu Durham. 

Mus. Doc. Oxon. = Doktor der Musik zu Oxford. 

R.C.M. = Royal College of Music in London. 

R.A.M. = Royal Academy of Music in London. 

A. M. = Artium Magister. 

F. R. C. O. = Fellow of the Royal College of Organists. 

O. S. B. = Ordinis Sancti Benedicti, Mitglied des Benediktinerordens. 

S. J. = Societatis Jesu, Mitglied des Jesuitenordens. 

Allg. DMV. = Allgemeiner Deutscher Musikverein. 

TKF. = Tonkiinstlerfest. 

GMD. = Generalmusikdirektor. 

AMZtg. = Allgemeine Musikalische Zeitung. ATL. = Altes Tonkunstler-Lexikon (Gerber). 
NTL. = Neues Tonkunstler-Lexikon (Gerber). IMG. = Internationale Musik-Gesell- 
schaft. Monatsh. f. MG. = Monatshefte fur Musikgeschichte. Zeitschr. f. MW. = 
Zeitschrift fur Musikwissenschaft. Archiv f. MW. = Archiv fur Musikwissenschaft. 
TKL. =* Tonkiinstlerlexikon. Vierteljahrsschr. f. MW. = Vierteljahrsschriitf fir Musik- 
wissenschaft. N. Zeitschr. f . M. = Neue Zeitschrift f fir Mtisik. DdT. = Denkmaler 
deutscher Tonkunst. DTB. = Denkmaler der Tonkunst in Bayern. DTO\ = Denk- 
maler der Tonkunst in Osterreich. Bibl. = Bibliothek. K. R. Musik-Ges. = Kaiser- 
lich Russische Musikgesellschaft. GV. = Gesangverein. MS. = Mezzosopran. 
Ms. = Manuskript. Mss. = Manuskripte. Part. = Partitur. Kl.-A. = Klavier-Aus- 
zug. Instr. = Instrumente. 

Alphabetische Ordnung. 

Die gefarbten Vokale (Umlaute) a, 6, u sind ebenso wie die wirklichen Diphthonge 
oe (Boetius), ae (Traetta), ue (Duett), auch das hollandische ae, oe, ui bezuglich beider 
Buchstaben streng alphabetisch behandelt; also z. B. Bohm gleich Boehm. Namen mit de„ 
d', della, del, van u. dgl. sind je nach Gewohnung mit und ohne Berficksichtigung der Vor- 
silbe eingestellt (De Lange, Deswert unter D, aber d'Albert, d'Alquen unter A, van Maldere 
unter M, Vanderstraeten unter V usw.). 



X 'frrf fi^A ScLL^-txA : /v>t?_ kiJLc^+, 



A (Ton- Name). In der heutigen, immer 
von c aus neue Oktavlagen unterscheidenden 
Ordnung (vgl. die Tabelle Art. Linien- 
system) ist der Anfangsbuchstabe des Alpha- 
bets an die sechste Stelle geriickt (c d e f 
g a h); als diese Art der Buchstabenton- 
schrift (s. d.) aufkam (im 9. Jahrhundert 
oder noch friiher), stand dagegen A zu An- 
fang der Reihe: ABCDEFG (anfanglich 
auch weiter bis P). Der Buchstabe H ist 
in diese Reihe eigentlich nur durch eine 
Verwechslung gekommen (Drucktype f) fur 
fc|). Bei den romanischen Volkern hat der 
der Solmisation (s. d.) entstammende Zu- 
satzname La den Buchstaben verdrangt. 
Vgl. Art. B, Grundskala und Schlilssel. 

(Stimmton.) Schon bei den alten 
Griechen war der unserem (klein) a ent- 
sprechende Ton derjenige, welcher beim 
Stimmen der Kithara zum Ausgangspunkt 
genommen wurde (vgl. Riemann, Handb. 
der MG. I, 1, 2. Aufl., im Register unter 
Hormasia); die a-Saite wurde niemals urn- 
gestimmt. Jetzt wird im Orchester all- 
gemein nach dem eingestrichenen a (a 1 ) 
gestimmt. In Deutschland und Frankreich 
haben auch die Stimmgabeln, nach denen 
die Klaviere gestimmt werden, die Tonhohe 
des a 1 (oder a 2 ), wahrend sie in England 
noch vielfach c 2 geben. Vgl. Kammerton. 

(Akkordbezeichnung.) In theoreti- 
schen Werken (seit Gottfried Weber) 
werden auch Buchstaben mit der Bedeutung 
von Akkorden gebraucht; dann bedeutet 
A den A dur-Akkord, a den A ?wo//-Akkord 
usw. In der auf dem Gegensatz von Dur 
und Moll aufgebauten dualistischen Har- 
moniebezeichnung (von Oettingen, Riemann) 
bedeutet a-\- oder auch nur a den A dur- 
Akkord und °a den Mollakkord unter a 
(D »wo//-Akkord) ; vermittelnde Theoretiker 
(Marschner, Schreyer, Krehl) bezeichnen 
aber mit °a den A moll-Akkord. Vgl. Klang- 
schliissel. 

(Altere Tonartbezeichnung.) Der 
Buchstabe A mit einem beigeschriebenen 
Kreuz zur Bezeichnung der Tonart (z. B. 
Sinfonia ex Ajt) bedeutete friiher A dur; 
im Gegensatz dazu bedeutete ab oder a\> 
A moll. Noch bis uber die Mitte des 18. 
Jahrh. bezeichnete man die Tonarten in 
dieser Weise, also: Fit = Fdur, £b oder £[> 
= E moll, Dh oder D\> = D moll, D# 
= D dur usw. Dagegen bedeutet in alteren 
theoretischen Werken (z. B. bei Werck- 
meister) A dur den Ton a und A moll den 
Ton as (als groBe bzw. kleine Terz von F). 

Riemann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



A als Marke auf einem Stimmbuch ist 
s. v. w. Altus (C = Cantus, T= Tenor, 
B = Bassus, V = Quintus [Zahl 5] oder 
Vagans [s. d.]). 

Aachen. Vgl. A. Fritz, Theater und 
Musik in A. seit dem Beginn der preuji. 
Herrschaft 1. Teil (1902, in Bd. 24 der 
Zeitschr. des Aachener Geschichtsvereins) ; 
derselbe, 2. Teil 1924, ibid. Bd. 26; 
derselbe, Th. u. Musik in A. z. Z. der 
franz. Herrschaft (ibid. Bd. 23, 1901) ; R. 
Bornewasser, Gregoriushaus in A. Ein 
Beitrag zur Gesch. der Kirchenmusik im 
Erzbistum Coin (1906); Alfons Fritz, Fest- 
schrift aus Anlafi des ioojdhr. Bestehens 
des Stddt. Gesangvereins A. (1921). S. auch 
Rheinland. 

Aaron s. Aron. 
«^fAavik (spr. avik), Juhan, *i884 in 
Nordlivland, absolvierte das Petersburger 
Konservatorium, wurde 191 1 Dirigent des 
,,Wanemuine"-Sinfonieorchesters und ver- 
schiedener Gesangvereine, spater Direktor 
des Dorpater Konservatoriums, seit 1925 
in Reval Dirigent der „Estonia". Er 
schrieb eine groBere Anzahl Chorlieder 
a cappella, Klavierlieder, eine Kantate 
Heimatland fur Chor und Orchester, eine 
Klaviersonate C moll. 

Abaco, Evaristo Felice dall', * 12. 
Juli 1675 zu Verona, | 12. Juli 1742 zu 
Miinchen, um 1696 — 1701 in Modena, wurde 
1704 als Kammermusiker (Cellist) am Hofe 
zu Miinchen angestellt, von wo ihn Kurfurst 
Max Emanuel nach der unglucklichen Wen- 
dung des Spanischen Erbfolgekrieges in 
sein Refugium Briissel nachkommen lieB. 
Dort wurde er nominell und 1714 nach Ruck- 
kehr des Hofes nach Miinchen definitiv 
zum Kammerkonzertmeister und kurfurst- 
lichen Rat ernannt, in welcher Stellung er 
bis zu seinem Tode blieb. A.s Werke, 
erschienen etwa zwischen 1705 u. 1725, 
reprasentieren vielleicht am reinsten den 
adeligen Typus der zu voller Reife gelangten 
italienischen Kammermusik des 17. — 18. 
Jahrhunderts und iiberragen selbst die 
Werke Corellis an Starke des Ausdrucks 
und immanenter Logik. Die einzelnen Satze 
haben zum Teil eine erhebliche Ausdehnung 
und zeigen den formalen Aufbau bereits 
wesentlich fortentwickelt, ohne jedoch den 
altklassischen Stil cCune teneur, d. h. eines 
einheitlichen Affektgebietes, zu verlassen 
Werke: op. 1: 12 Violinsonaten mit BaB 
op. 2: 10 vierst. Kirchenkonzerte; op. 3 
je 6 Kirchen- und Kammersonaten a 3 

1 



Abaco — Abbreviaturen. 



op. 4: 12 Violinsonaten mit BaB (auch in 
einem Arrangement fur Musette, Flote und 
Oboe mit Be. von Chedeville (s. d.) heraus- 
gegeben); op. 5: 6 siebenst. Concerti (4 
Violinen, Viola, Fagott oder Violoncello, 
Basso continuo) ; op. 6 : Violinkonzerte. Eine 
reiche Auswahl aus op. 1 — 4 nebst einer 
umfassenden biographischen Studie von Ad. 
Sandberger enthalt Jahrg. I der DTB. 
(1900), eine zweite Auswahl Jahrg. IX, 1. 
Zwei Triosonaten gab H. Riemann im 
Collegium musicum, eine dritte (G moll) 
schon 1895 bei Augener heraus; drei Violin- 
sonaten, bearb. von J. Salmon 1921 (Ricordi). 

Abaco, Joseph Clemens Ferdinand, Sohn 
von Ev. Felice dall' A., * 1709 in Briissel, 
trat 1729 als Violoncellist in die kurkol- 
nische Kapelle zu Bonn und wurde 1738 
dort Direktor der Kammermusik und kur- 
fiirstlicher Rat. Um 1765 ging er zuriick 
nach Verona, dem Stammsitz der Familie, 
wo er im Juni 1805, 96jahrig, starb. 29 
Cellosonaten mit Be. (wohl autograph, im 
British Museum zu London) und eine dram. 
Kantate sind handschriftlich erhalten. 

Abbatini, Antonio Maria, Komponist 
der romischen Schule, * 1597 oder 1598 
u. f 1679 zu Tiferno (Citta di Castello), 
wurde 1626 in Rom Kapellmeister am 
Lateran, in der Folge an del Gesu, S. Lorenzo 
in Damaso, S. Maria Maggiore und zuletzt 
an N. D. di Loreto. A. schrieb viel kirch- 
liche Werke, zum Teil fur eine groBe Zahl 
von Stimmen ; in Druck erschienen 6 Biicher 
Sacre canzoni (das 6. Buch 1653 2 — 5 v.), 
eine i6st. Messe (1627) und je eine Antiphon 
fur 12 Basse und fur 12 Tenore (1677, aus 
einem 1661 in S. Maria sopra Minerva 
aufgefuhrten nicht gedruckten Werke fur 
8 Chore) und eine dramatische Kantate 
II pianto di Rodomonte (Orvieto 1633). 
Handschr. erhalten sind die fur die Friih- 
geschichte des dramma per musica wichtigen 
Opern Dal male il bene (Rom 1654 mit Marco 
Marazzoli, Text von Kardinal Rospigliosi 
[nachmals Papst Clemens IX.]), historisch 
wichtig als eine der allerersten komischen 
Opern; vgl. H. Goldschmidt, Studien z. 
Gesch. der Oper I), J one (1666) und La 
comica del cielo (= La Baltasara, Rom 1668). 
A. unterstiitzte Athanasius Kircher bei Ab- 
fassung der Musurgia. Vgl. F. Coradini, 
A. M. A., Gio. Apolloni, Lodov. Cenci 
(Arezzo 1922). 

Abbetmeyer, Theo, * 21. Sept. 1869, 
Rektor in Hannover, Verf. der Schriften: 
Rich.-Wagner-Studien (1916); Das Faust- 
problem — heute (1921); Zur Errichtung 
einer Stddt. Musikbibliothek in Hannover 
(1912); Das Gralsreich als Streiter wider den 
Untergang des Abendlandes (1926); Beet- 
hoven, Ein Hymnus (1927). 

Abbey (spr. abbe), John, beruhmter 
Orgelbauer, * 22. Dez. 1785 in Whilton, 
f 19. Febr. 1859 in Versailles, ging 1826 
zu Erard nach Paris und machte sich dort 
1830 selbstandig; er fuhrte als erster die 
pneumatische Mechanik Barkers in Frank- 
reich ein. 



Abblasen (von Choralen oder andern ge- t 
tragenen Tonsatzen) war friiher der Ter- 
minus fur die offiziellen Musiken der Stadt- 
pfeifer von der Plattform des Rathaus- 
turmes herab (z. B. Petzold 1670). Vgl. Plafi. 

Abbreviaturen (Abkiirzungen) sind so- 
wohl in der Notenschrift selbst als in den 
beigefiigten Vortragsbezeichnungen in grofler 
Zahl iiblich. Die gewohnlichsten A. der 
Notenschrift sind: 1) Die Anwendung 
des Wiederholungszeichens (s. Reprise, [Da] 
Capo und [Dal] Segno) fur das voile noch- 
malige Ausschreiben einer Anzahl Takte 
oder eines ganzen Teils; auch wird statt 
dessen (besonders in handschrif tlicher Musik) 
bei Wiederholung weniger Takte die Be- 
zeichnung bis oder due volte (,,zweimal") 
angewandt. — 2) Bei Wiederholungen des- 
selben Tons in kurzen Notenwerten die 
Anwendung von Noten langerer Geltung 
mit Andeutung, in welche Notengattung sie 
aufgelost werden: 



(Viertel) (Achtel) (Sechzehntel) 

3) Der schnelle Wechsel zweier Tone, an- 
gezeigt durch Schreibung beider Noten mit 
dem vollen Gesamtwerte, aber mit Quer- 
balken, die die Werte der Auflosung an- 
deuten (vgl. Brillen-Basse) : 




(Achtel) (Sechzehntel) 



4) In Orchester- oder Chorstimmen bei 
Vorkommen einer groBeren Anzahl von 
Takten Pause die Beischrift der Zahl iiber 
schragen Balken (a) anstatt der friiher, 
besonders in der taktstrichlosen Mensural- 
musik des 15. — 17. Jahrh., ublichen genauen 
Aufzeichnung der Pausenwerte (6) : \ 



m 



a) 



^^ 



E&EE 



10 



sy 



5) Das Oktavzeichen zur Vermeidung der 
vielen Hilfslinien fur sehr hohe oder sehr 
tiefe Noten. 6) Die Bezeichnung c. &va .... 
(iiber oder unter einzelnen Noten auch 
bloB 8), d. h. con (coll') ottava oder con 
ottava bassa anstatt ausgeschriebener Ok- 
taven. Seltener ist i$ma (alta oder bassa) 
fur die Versetzung um 2 Oktaven. — 
7) In Partituren (besonders handschrif t- 
lichen), wenn verschiedene Instrumente das- 
selbe zu spielen haben, die Anweisung col 
basso (,,mit dem BaB", d. h. dieselben 
Noten wie dieser), col violino, anstatt daB 
nochmals dieselben Noten geschrieben wer- 
den. Ahnlich wurde friiher wohl in Klavier- 
sachen, wenn beide Hande dieselben Pas- 
sagen in verschiedener Oktavlage spielen 
sollten, nur der Part der einen Hand ausge- 
schrieben und der der andern, nachdem durch 
wenige Noten die Entfernung der Hande von- 
einander festgestellt war, mit all' unisono 
oder einfach unisono bezeichnet. — 8) In 
alterer Musik fur die Fortsetzung einer Form 



ABC — Abendroth. 



der Akkordbrechung die Beischrift arpeggio 
oder segue, simile, come sopra u. dgl. : 




segtie 



Auch die Zeichen fur die Dynamik, 
Triller, Doppelschlag, Mordent usw. sind 
A. der . Notehschrift. Vgl. Verzierungen 
und Zeichen. — Die Abkiirzungen der Vor- 
tragsbezeichnungen und Namen der In- 
strumente sind an ihrer Stelle besonders 
aufgefiihrt, z. B. B. c. (Basso continuo) 
unter B ; in. s. (manu sinistra) unter M usw. 
ABC, musikalisches, s. Buchstabenton- 
schrift. Vgl. Alphabetische Gitarren-Tabu- 
latur. 

A-b-c-dieren nennt man das Singen der 
Tone mit Aussprache ihrer Buchstaben- 
namen, welches in Deutschland seit Jahr- 
hunderten im Elementar-Gesangunterricht 
statt des bei den romanischen Volkern 
gebrauchlichen Solmisierens (Solfeggierens) 
iiblich ist. Vgl. Solmisation. 

AbdelKadir(Abdolkadir, Abdu'lqadir), 
arab. Musikschriftsteller des 14. Jahrh., ist 
der Verfasser von drei erhaltenen Schrif ten : 
Der Sammler der Melodien, Die Zwecke der 
Melodien in der Komposition der Tone und 
Ma fie und Der Schatz der Melodien in der 
Wissenschaft der musikalischen Zyklen. Vgl. 
Kiesewetter, Die Musik der Araber (1842), 
S. 33; s. auch Vierteljahrsschr. f. MW, II, 
354. Vgl. Araber und Perser. 

Abeille (spr. abaij), J. Ch. Ludwig, 
* 20. Febr. 1761 zu Bayreuth, f 2. Marz 1838 
als Konzertmeister und Hoforganist in 
Stuttgart; war ein vortrefflicher Klavier- 
und Orgelspieler und fruchtbarer Komponist 
(Singspiele, eine Oper fur Stuttgart Amor 
und Psyche, Lieder, Klaviersachen) ; auch 
Mitherausgeber von Musikalische Monats- 
schrift (1784) und Musikal. Potpourri (1790). 
Einige Lieder A.s hat A. Bopp veroffent- 
licht ■ (Ein Liederbuch aus Schwaben, Tu- 
bingen 1918^. Vgl. K. Haring, Fiinf 
schwdbische Liederkomponisten: A., Eiden- 
benz, Dieter, Schwegler, Christmann (Tii- 
binger Dissertation 1924). 

Abel, Christian Ferdinand, um 1715 
bis 1737 Gambist am Hofe zu Kothen 
(J. S. Bach schrieb wahrscheinlich fur ihn 
seine Cello- [Gamben-JSuiten). 

Abel, Clamor Heinrich, in Westfalen 
geboren, 1665 herzogl. Kammermusikus zu 
Hannover, gab 1674 — 1677 drei Teile Kam- 
mersonaten (Tanzsuiten mit Praludium 
oder Sonatina als 1. Satz) heraus: Erstlinge 
musikalischer Blumen, die 1687 zusammen 
als 3 Opera musica neu aufgelegt wurden. 
Abel,Karl Friedrich, Bruder vonLeop. 
August A., * 1725 zu Kothen, f 20. Junii787 
zu London ; der letzte Gambenvirtuose und 
ein seinerzeit hochangesehener Komponist, 
Schiiler Joh. Seb. Bachs an der Thomas- 
schule zu Leipzig, 1746 — 1758 Mitglied der 
Dresdner Hofkapelle, danach auf Konzert- 
reisen, seit 1759 in London, wo er Kammer- 



musikus der Konigin Charlotte wurde und 
mit Joh. Christ. Bach 1765 —82 an der Spitze 
der Abonnementskonzerte ( Bach- Abel-Con- 
certs) stand. Mit Bachs Tode (1782) gingen 
die Konzerte ein. A. reiste nun wieder 
einige Jahre als Virtuose, lieC sich aber dann 
wieder in London nieder. Von seinen Kom- 
positionen sind zahlreiche Sinfonien, in 
denen er sich dem Stile der Mannheimer an- 
schlieBt (op. 1 [6 a 4], 4, 7, 10, 14, 17 [je 
■6 a 8], auch eine Sinfonia concertante a 12), 
Klavierkonzerte, Streichquartette, Trio- 
sonaten und Klaviersonaten, auch Violin- 
sonaten mit obligatem Klavierfo^. 5, 13, 18), 
in Druck erschienen. Eine Sinfonie A.s (mit 
Klarinetten !), die Mozart 1764 in London 
kopiert hat, ist irrtumlich unter die Werke 
Mozarts geraten (Kochel, Verz. 18). Auch 
A.s Klavier-Ensemblewerke schlieBen sich 
dem Stil der Mannheimer Schule an, sind 
aber kraftiger und im Satz voller. Vgl. die 
J. B. Cramers Ausgabe seiner Adagios 
(1820) beigefiigte Biographie A.s (von Bur- 
ney). 

Abel, Leop. August, Sohn von Christian 
Ferd. A., * 1717 zu Kothen, f 25 . Aug. 1794 
zu Ludwigslust, vortrefflicher Violinist, auch 
Komponist fur sein Instrument (leichte 
Etuden), Schuler von Franz Benda, wirkte 
in denOrchestern zu Braunschweig, Sonders- 
hausen (1758), Berlin (Kapelle des Mark- 
grafen von Brandenburg - Schwedt 1766) 
und Schwerin (1769). 

Abel,Ludwig, * 14. Jan. 1834 zuEckarts- 
berga (Thiir.), f 13. Aug. 1895 zu Pasing bei 
Miinchen, erhielt seine Ausbildung zu Wei- 
mar und Leipzig (Ferd. David), war bis 
1866 Konzertmeister in Basel, wurde 1867 
Konzertmeister zu Miinchen und war lange 
eine Hauptlehrkraft (fur Violine, Partitur- 
spiel usw.) der dortigen Kgl. Musikschule. 
A. veroffentlichte Violinkompositionen, auch 
eine Violinschule. 

Abendroth, Hermann, namhafter Dili- 
gent, * 19. Jan. 1883 zu Frankfurt a. M., 
nach Absolvierung des Gymnasiums Buch- 
handler, dann in Miinchen Schuler von Lud- 
wig Thuille und Anna Langenhan-Hirzel, 
I 9Q3 — 04 Dirigent des Orchestervereins in 
Miinchen, 1905 — n Kapellmeister des Ver- 
eins der Musikfreunde in Liibeck und 1 . Ka- 
pellmeister am Stadttheater, 191 1 stadti- 
scher Musikdirektor in Essen a. d. Ruhr, 
191 5 stadtischer Musikdirektor und Direktor 
des Konservatoriums zu Koln (Nachfolger 
Fritz Steinbachs); 1918 Stadtischer General- 
musikdirektor, 1919 Professor. 1922 Leiter 
des Niederrhein. Musikfestes, 1922/23 auch 
Dirigent der Sinfoniekonzerte der 'Berliner 
Staatsoper; in Koln ferner Dirig. der Con- 
zert-Gesellschaft und der Musikalischen Ge- 
sellschaft. 

Abendroth, Irene, Koloratursangerin, 
* 14. Juli 1872 zu Lemberg, Schulerin von 
Frau Prof. Wilczek, seit 1889 in Wien, Riga, 
Miinchen, wieder in Wien, und (bis 1909) in 
Dresden tatig. Seit 1900 mit Thorn. Thaller, 
Edler v. Draga verheiratet, lebt sie heute in 
Weidling bei Wien. 

1* 



Aber — Abraham. 



Aber, Adolf, * 28. Jan. 1893 zu Apolda, 
absolvierte 191 1 das Realgymnasium zu 
Weimar und studierte dann in Berlin 
Musik und Musikwissenschaft (Kretzschmar, 
Stumpf, Fleischer, Friedlaender, Wolf, Riehl 
und Meinecke), promovierte zum Dr. phil. 
mit der Arbeit Die Pfhge der Musik unter 
den Wettinern und wettinischen Ernestinem ; 
von den A nfangen bis zur A uflosung der Wei- 
marer Hofkapelle 1662 (gedr. 1921); 1913 
wurde er Assistent Kretzschmars am irra- 
sikhistorischen Seminar; seit Januar 1918 
ist er Musikreferent der Leipziger Neuesten 
Nachrichten. Von anderen Arbeiten sind 
verof fentlicht : Das musikalische Studienheft 
des Wittenberger Studenten Georg Donal (um 
1543J (Sammelb. d. IMG. XV, 1913), Stu- 
dien zu J . S. Backs Klavierkonzerten (Bach- 
Jahrbuch), Beitrdge zur Geschichte d. Musik 
in Thiiringen (Thur. Kalender), Handbuch 
der Musikliteratur (1922); Die Musikinstru- 
mente und ihre Sprache (1924), Die Musik 
im Schauspiel, Geschichtliches und Asthe- 
tisches (1926), sowie zahlreiche Artikel in 
Musikzeitschriften. 

Abert, Hermann, Sohn von J. J. A., her- 
vorragender Musikforscher, * 25. Marz 1871 
und f 13. Aug. 1927 zu Stuttgart, war Schiiler 
seines Vaters und des Konservatoriums 
zu Stuttgart. Nach Absolvierung des Gym- 
nasiums studierte er 1890 — 95 klass. Phi- 
lologie, machte 1896 das Staatsexamen 
und promovierte 1897 in Tubingen zum 
Dr. phil. Wahrend der nachsten vier Jahre 
widmete er sich an der Berliner Univer- 
sitat dem Studium der Musikwissenschaft 
und veroffentlichte 1899 die wertvolle 
Schrift Die Lehre vom Ethos in der griech. 
Musik. 1902 habilitierte er sich mit der 
Studie Die dsthetischen Grundsdtze der mittel- 
allerlichen Melodiebildung als Dozent fur 
Musikwissenschaft an der Universitat Halle 
a. S. und wurde 1909 zum ordentl. Honorar- 
professor ernannt, 191 3 auch Direktor eines 
musikwissenschaftlichen Instituts, 1918 or- 
dentl. Professor, erhielt 1919 einen Ruf als 
Nachfolger Wolfrums an die Universitat 
Heidelberg, folgte aber 1920 einem solchen 
als Nachfolger Hugo Riemanns in Leipzig; 
seit 1923 war er Nachfolger Kretzschmars 
an der Univ. Berlin. Aufier mehreren ge- 
diegenen historischen Spezialstudien in den 
Sammelb. der IMG., in der ZfMVV. und im 
AfMW., in den Mozarteums- Mitteilungen, 
in den von ihm hrs. Gluck- und Mozart- 
Jahrbiichern schrieb er noch eine Biographie 
Schumanns (1903 [1910, 1917]), Die Mu- 
sikanschauung des Mittelalters und ihre 
Grundlagen (Halle a. S. 1905), Die drama- 
lische Musik am Hofe Herzog Karl Eugens 
von Wurttemberg (EBlingen 1905), Nic. 
Jommelli als Opernkomponist (Halle a. S. 
1908), Geschichte der Robert- Franz- Sing- 
akademie zu Halle (Halle a. S. 1908), Nic. 
Piccinni als Buffo-Komponist (Jahrb. d. 
Musikbibl. Peters 1913), die Biographie sei- 
nes Vaters Joh. Jos. Abert (1916), Goethe und 
die Musik (1922); 1920/21 erschien seine 
durchgreifende, als volli'g neue Arbeit zu 



wertende Umarbeitung der Mozart-Biogra- 
phie von Otto Jahn (2 Bde.). 1927 zeich- 
nete er als Hrsg. eines I llustrierten Mu- 
siklexikons. A. gab heraus: Jommellis Oper 
Fetonte [1769] (DdT. Bd. 32/33); ausge- 
wahlte Ballette von Florian Deller und 
I. I. Rudolph (das. Bd. 43/44); Carlo Palla- 
vicinos Gerusalemme liberata [1687] (das. 
Bd. 48/49), Glucks Nozze d'Ercole e d'Ebe 
[1747] '(DTB. 1914) undOrfeo [1762] (DTO. 
1914), und Pergolesis La serva padrona 
[Neapel 1733] (Miinchen, Wunderhorn-Ver- 
lag), Webers Freischiltz, Mozarts Figaro, 
Glucks Iphigenie in\ Tauris (alle drei Eulen- 
burg). •'■'*« I 

Abert, Johann Joseph, * 20. Sept. 1832 
zu Kochowitz in Bohmen, f 1. April 1915 in 
Stuttgart, erhielt seine musikalische Ausbil- 
dung als Chorknabe zu Gastorf und als Schii- 
ler von Hrabe und Kittl am Prager Kon- 
servatorium. 1853 wurde er als Kontra- 
bassist in die Stuttgarter Hofkapelle auf- 
genommen und erhielt 1867 nach Eckerts 
Weggang die Hofkapellmeisterstelle. Seit. 
Herbst 1888 lebte er im Ruhestand in 
Stuttgart. A.s C moll-Sinlome (1852) und 
Fruhlingssinfonie (C-dur, 1894), seine pro- 
grammatische Sinfonie Kolumbus (1864), so- 
wie seine Opern Anna von Landskron (1858), 
Konig Enzio (1862), Astorga (1866, auch 
mit franz. Text von V. Wilder gedruckt), 
Ekkehard (Berlin 187S), Die Almohaden 
(Leipzig 1890), fernerOuverturen, Quartette, 
Lieder, seine Orchesterbearbeitungen Bach- 
scher Fugen (G moll und G dur) usw. haben 
seinem Namen einst einen guten Klang ge- 
macht. Seine Biographie schrieb sein Sohn 
Hermann A. (s. d.). 

Abgesang s. Strophe. 

Abingdon, Henry, * um 1425, j 1. Sept. 
1497 als Succentor an der Kathedrale zu 
Wells, ein Amt, das er seit 1447 bekleidete, 
1463 Bacc. der Musik in Cambridge, 1465 
Master of the Children der Kgl. Kapelle 
(der erste in diesem Amt). Kompositionen 
von ihm sind nicht erhalten. Vgl. J. Pu lver, 
A Biogr. Diet, of Old Engl. Music (1927). 

Abo. Vgl. Otto Andersson. Joh. Jos. 
Pippingskold och musiklivet i Abo 1808 — 27 
(Helsingfors 1921); derselbe, Abo Under- 
rattelser och musiken 1824 — 72 (Festschrift 
Genom ett sekel, 1924). 

Abos (Avos, d'Avossa), Name zweier 
ungefahr gleichzeitigen italienischen Opern- 
komponisten — 1) Girolamo, der 1742 — 58 
fur Neapel, Venedig, Florenz, Rom, Ancona, 
Turin und Wien 15 Opern auf Texte von 
Zeno, Metastasio, Palomba, Pariati, Frugoni 
u. a. komponierte. — 2) Giuseppe, eigent- 
lich Gius. d ; Avossa, noch 1793 in Neapel 
lebend, der 1757 — 64 fur Neapel 3 kom. 
Opern auf Texte von Palomba schrieb, eine 
weitere 1744 fur Venedig, auch als Kirchen- 
komponist (Messen) angesehen und Lehrer 
am Konservatorium zu Neapel war. 

Abraham, Max s. Peters. 

Abraham, Otto,Ton-Psychologe, *3i.Mai 
1872 und | 24. Jan. 1926 zu Berlin, studierte 



Abrahamsen — Absolute Musik. 



o- 



dort Medizin und Naturwissenschaften, pro- 
movierte 1894 zum Dr. med., war seit 1896 
Assistent Stumpfs am Berliner Psycholo- 
logischen Institut und verwaltete mit E. v. 
Hornbostel dessen Phonogrammarchiv. Ar- 
beiten: Wahrnehmung kiirzester Tone und 
Gerdusche (mit L. J. Briihl, Zeitschr. f. 
Psychologie u. Physiol., 1898), Vber die 
maximale Geschwindigkeit von Tonfolgen (mit 
K. Ludolf Schafer, 1899 das.), Vber das 
Abklingen von Tonempfindungen (1899 das.), 
Studien iiber Vnterbrechungsione (mit K. L. 
Schafer 1900 — 04 im Archiv f. d. ges. 
Physiologie), Das absolute Tonbewufltsein 
(Sammelb. d. IMG. III. 1, und VIII. 3), 
Studien iiber das Tonsystem und die Musik 
der Japaner (Sammelb. der IMG. IV. 2, 
1904), Phonographierte tiirkische Melodien 
und Vber die Bedeutung des Phonographen 
fur die vergleichende Musikwissenschaft, Pho- 
nographierte indische Melodien (samtlich 1904 
mit E. v. Hornbostel), Phonographierte 
Indianermelodien aus Britisch-Columbia (mit 
E. v. Hornbostel 1905 in der Festschrift 
fur Boas), Vber die Harmonisierbarkeit exo- 
tischer Melodien (mit E. v. Hornbostel in 
Sammelb. d. IMG. VII [1906]), Formanaly- 
sen an siamesischen Or Chester stiicken (AfMW. 
II. 2, 1920), Ctiao t'ien tze = Eine chine- 
sische Notation und ihre Ausfiihrungen 
(id. I. 4, 1919). 

Abrahamsen, Erik, * 9. April 1893 in 
Jutland, 1910 — 13 Schiiler von Otto Mailing 
am Konservatorium zu Kopenhagen, stu- 
dierte 1910 — 17 an der Kopenhagener Univ. 
Musikwissenschaft und 1921/22 noch bei 
Peter Wagner in Freiburg (Schw.), 1914 
bis 1924 Organist an der Lutherkirche, 
18 — 21 Leiter der Musikabteilung der Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen, seit 1924 Do- 
zent an der Kopenhagener Universitat fur 
Musikwissenschaft und -geschichte, 1926 
ord. Professor. Er schrieb: Liturgisk Musik 
i den danske Kirke efter reformationen (1919), 
Elements romans et allemands dans le Chant 
gregorien et la Chanson populaire en Dane- 
mark (Diss., Freiburg i. d. Schw. 1923; eine 
Arbeit, die den von H. Laub [s. d.] zuerst 
nachgewiesenen Beziehungen zwischen 
mittelalterl. danischen Volksmelodien und 
dem gregor. Gesang weiter nachgeht); Den 
musikalske Komposition (1927). 
- Abrahamson, Werner Hans Friedrich, 
* 10. April 1744 zu Schleswig, f 22. Sept. 
1812 zu Kopenhagen, Artilleriehauptmann 
und Lehrer an der Kriegsschule, gab mit 
Rahbek und Nyerup eine Sammlung alter 
danischer Gesange heraus (Danske Viser fra 
Middelalderen, 1812 — 14, 5 Hefte). 

Abranyi, Emil sen., * 1. Jan. 1851, 
I 20. Mai 1920, hervorragender Dichter, 
gleichzeitig der erfolgreichste Opernlibret- 
tist Ungarns und Verfasser der Textbucher 
zu Toldy (Michalovich), Ninon (Stojanovits) 
usw., ferner zu den Bflhnenwerken seines 
Sohries Emil A. jun. In seiner Ubertragung 
gelangen noch heute die wichtigsten fremden 
Opern, wie Tristan, Carmen, Hansel und 
Gretel, Verkaufte Braut usw. in Budapest 



zur Auffiihrung. Seine Gattin, Margarete 
A.-Wein, * 19. Dez. 1864, Biihnensangerin, 
wirkte in Budapest an der Kgl. Ungar. Oper 
und an der Landesmusikakademie. 

Abranyi, Emil, Sohn des gleichnamigen 
Dichters, * 22. Sept. 1882 in Budapest, 1907 
Hofkapellmeister in Hannover, 191 1 Kgl. 
Opernkapellmeister in Budapest, 1919 kurze 
Zeit Direktor der Budapester Nationaloper, 
seit 1921 Direktor des Budapester Stadt. 
Theaters (Volksoper), seit 1922 Leiter des 
von ihm gegriindeten Bud. Sinfonischen 
Orchesters; komponierte die ungarischen 
Opern A Kodkirdly (Der Nebelkonig, Buda- 
pest 1903), Monna Vanna (Text von seinem 
Vater, das. 1907), Paolo und Francesca (das. 
1912), Don Kijot? (das. 1917) und Ave 
Maria (Einakter, das. 1922). 

Abranyi, Korn el, * 15. Okt, 1822 zu Szent 
Gyorgy-Abrany, f 20. Dez. 1903 in Buda- 
pest, Schiiler Chopins, Kalkbrenners, Hale- 
vys und spiiter Jos. Fischhofs, griindete i860 
mit Michael Mosonyi und Julius Roszavolgyi 
die erste ungarische Musikzeitschrift Zenes- 
zeli Lapok, die er bis 1876 redigierte; ferner 
schrieb er eine Biographie Michael Mosonyis 
(1881), das Programmbuch zur Beethoven- 
feier (Pest 1870), eine Harmonielehre (1874, 
erweitert 1881), eine Musik-Asthetik (Die 
Eigenschaften des ungarischen Liedes und der 
Musik, 1. Bd. 1877), Allgemeine Musik- 
geschichte (1886) und eine groBe Anzahl Uber- 
setzungen von Operntexten. A. war seit 
1875 Professor an der Landesmusikakademie 
zu Pest. 

Abranyi- Varnay, Rosa, Gattin von Emil 
A. jun., *io. Junt 1885 zu Budapest, studierte 
Gesang beiForsten in Wien und FrauBohme- 
Kohler in Leipzig; wirkte als Opernsangerin 
in Graz, Koln und Hannover, und ist heute 
Ges.-Prof. an der M.hochschule in Budapest. 

Absolute Musik (d. h. Musik an sich, 
ohne Beziehung zu andern Kunsten oder zu 
irgendwelchen auBer ihr liegenden Vor- 
stellungsobjekten) im Gegensatz zur malen- 
den oder darstellenden oder Programm-Musik, 
d.'h. zu der Musik, die etwas Bestimmtes 
ausdriicken soil (vgl. Tonmalerei). Die 
Musik tritt, wenn sie zur Symbolik, d. h. 
zur absichtlichen Erweckung bestimmter 
Ideenassoziationen oder zur stilisierten Nach- 
ahmung von Gerauschen oder auch von Ein- 
drucken auf dem Gebiete anderer Sinne 
greift, aus ihrem eigensten Gebiet heraus 
und in das der Poesie oder darstellenden 
Kunst iiber. Wenn die Poesie durch kon- 
ventionelle Formeln (die Worte) Vorstellun- 
gen in der Phantasie weckt und verkettet, 
und wenn die darstellende Kunst in der 
Nachbildung der sichtbaren Formen der 
Erscheinungswelt ihr Wesen hat, so ist da- 
gegen die Musik selbst unmittelbarer Aus- 
druck der Empfindung und setzt sich ohne 
Vermittlung des Verstandes beim Spieler und 
Horer wieder in Empfindung umj Die auf 
Erweckung bestimmter Begleitvorstellungen 
(Assoziationen) ausgehende darstellende 
Musik begibt sich eines Teiles dieser un- 
mittelbaren Wirkungen, um dagegen kom- 



Absolutes Ohr — Accompagnato. 



plexivere mittelbare einzutauschen; ob sie 
dabei gewinnt oder verliert, ist strittig. 
Vgl. Asthetik. 

Absolutes Ohr (absolutes Gehor, ab- 
soluter Tonsinn) heiBt die gesteigerte 
Empfindlichkeit fiir absolute Tonhohe, 
welche das sofortige Erkennen der Hohen- 
lage des Einzeltones ermoglicht. Das a. O. 
ist keineswegs alien guten Musikern eigen 
(Schumann und Wagner sollen es nicht be- 
sessen haben), aber bei Orchestermusikern, 
wohl infolge des steten Einstimmens der 
Instrumente, sehr haufig zu finden. An und 
fur sich ist es durchaus kein Sympton star- 
kerer musikalischer Begabung und kann so- 
gar der theoretischen Bildung starke Hinder- 
nisse in den Weg stellen, z. B. das Transpo- 
nieren sehr erschweren. Da die absolute Ton- 
hohe nur eine von vielen Eigenschaften der 
Tone ist und die relative Tonhohe fiir das 
kunstlerische musikalische Gestalten eine 
viel hohere Bedeutung erlangt, so tut man 
gut, das a. O. nicht zu iiberschatzen. Doch 
fehlt ausgesprochener musikalischer Be- 
gabung das a. O. nur selten. Vgl. ubrigens 
Tongeddchtnis und Transponieren. Vgl. 
O. Abraham, Das absolute Tonbewufltsein 
(Sammelb. d. I. M. G. Ill I und VIII 3), Fel. 
Auerbach, Das absulute Tonbewujitsein 
(das. VIII [1907]) und H. Riemann, Ton- 
hohenbewuptsein und Intervallsinn (Zeitschr. 
d. IMG. XIII 8, gegen Geza Revesz) ; 
J. Kobelt, Das Dauergeddchtnis fiir abso- 
lute Tonhohen (AfMW. 1920). 

Abt, Alfred, Sohn von Franz A., * 2 5. Mai 
1855 zu Braunschweig, f 29. April 1888 in 
Genf, war Theaterkapellmeister zu Rudol- 
stadt, Kiel, Rostock usw. 

Abt, Franz, * 22. Dez. 1819 zu Eilen- 
burg, |3i.Marzi88s in Wiesbaden, be- 
suchte die Thomasschule in Leipzig und 
wandte sich vom Studium der Theologie 
der Musik zu. 1841 wurde er Hofmusik- 
direktor zu Bernburg, ging noch im sel- 
ben Jahre als Dirigent der Allgemeinen 
Musikgesellschaft nach Zurich, wo er auch 
Musikdirektor am Aktien-Theater wurde, 
folgte aber 1852 einem Ruf als Hof kapell- 
meister nach Braunschweig, wo er bis zu 
seiner Pensionierung 1882 blieb. 1891 wurde 
ihm dort ein Denkmal errichtet. Die letzten 
Jahre lebte er zu Wiesbaden. Abts Lieder 
und Mannerquartette stehen der Faktur 
nach durchaus nicht hoch, zeigen aber viel- 
fach eine fliefiende melodische Erfindung 
und waren sehr beliebt. Einzelne sind Volks- 
lieder geworden (Wenn die Schwalben heim- 
wdrts ziehn, Gute Nacht, du mein herziges 
Kind usw.); unter den Chorliedern sind 
einige von hoherer Schonheit (Die stille 
Wasserrose). Vgl. F.A. (Zurich 1886, 
74. Neujahrsstiick der Allg. M. G. [Pfarrer 
Weber]; B. Rost, Vom Meister des volks- 
tiitnl. deutschen Liedes F. A . (1924). 

Abzug s. Artikulation. 

a cappella (ital.), im Kapellstil, d. h. fiir 
Singstimmen allein, ohne jede Instrumental- 
begleitung (vgl. aber Kapelle). 

Accelerando (ital., spr. attsch-), beschleu- 



nigend, schneller werdend, allmahlich (nicht 
mit einem Male) schneller. Vgl. Vortrags- 
bezeichnungen. 

Accent s. Akzent. 

Accentus ist in der Lehre vom Gregoriani- 
schen Gesange (s. d.) der Gegensatz von 
Concentus, namlich der mehr nur rezitierende 
(psalmodierende) eintonige Kollekten-, Epi- 
storal-, Evangelien- und Lektionston. Der 
A. halt fiir lange Silbenfolgen eine mittlere 
Tonlage (Cursus, Repercussa, Dominante) 
fest und zeichnet nur die Interpunktionen 
des Textes durch Hebungen (Komma) oder 
Senkungen (Punkt) des Tonfalls aus. Der A . 
ist nur eine Stilisierung des Sprechvortrags, 
und zwar in noch hoherem Grade als das 
um 1600 aufkommende dramatische Rezita- 
tiv. Neben der Interpunktion sind fiir den| O 
A. auch die sprachlichen Akzente fiir die\ . 
Tongebung mafigebend. Irrig ist die An- 
nahme, da6 der A. alter sei als wirklicher 
Gesang. 

Acciaccatura (ital., spr. attscha-,Zusam- 
menschlag), eine veraltete Verzierungbeim 
Orgel- und Klavierspiel, die im gleichzeitigen 
Anschlage der sofort wieder losgelassenen 
kleinen Untersekunde mit einem Akkord- 
tone bestand. Der franzosische Name dieser 
Verzierung ist Pince etouffe (erstickter Mor- 
dent). Die A . gehorte zu den beliebten Zu- 
taten der Organisten und Cembalisten und 
wurde nur selten vorgeschrieben, einstimmig 
durch eine kleine Note mit durchstrichenem 
Hals (a), im Akkord durch einen schragen 
Strich (b): 

a) 



i 



35 



^^ 



(Ausfiihrang) 




: yy=)F 



(Ausfuhrung-) 



Letzteres Zeichen wird aber seit dem 1 8. Jahr- 
hundert auch fiir Arpeggio (s. d.) angewandt. 
Der Name A. wird heute auch gleichbedeu- 
dend mit Appoggiatura, speziell fiir den 
kurzen Vorschlag gebraucht. 

Accompagnamento, Accompagnement s. 

Akkompagnement. 

Accompagnato (ital., spr. -panja-), be- 
gleitet, das mit ausgearbeiteter Begleitung 
versehene Rezitativ der alteren Oper im 
Gegensatz zum Seccorezitativ, das nur 
einen bezifferten Bafl hat. Die ersten Opern 
kennen iiberhaupt keine andere Art der Be- 
gleitung des Sologesangs als die durch den 
GeneralbaB angedeutete, und das erste Bei- 
spiel des A . im 4. Akt von Monteverdis Orfeo 
(1607) steht zunachst ganz vereinzelt da. 
Erst mehr als dreiBig Jahre spater fiihren 
die Venezianer (Cavalli) das A . (ausgehaltene 
Streicherharmonien) fiir Ombra-Szenen 
(Geistererscheinungen) ein; das Vorbild war 
auch hier vermutlich Monteverdis welt- 
liches Oratorium II Combattimento di Tan- 
credi e Clorinda (1624). Nur Heinrich Schutz 
laBt bereits 1623 (in der Auferstehungs- 
Historie) den Evangelisten mit ausgehal- 
tenen Streicher-Akkorden rezitieren. Noch 



Accord — Adagio. 



zu Ende des 17. Jahrhunderts ist aber das 
(ausgearbeitete) A. selten. Angesichts der 
Variabilitat der Besetzung des Fundaments 
und der praktischen Ausfiihrung des Basso 
continue muB freilich in Frage gestellt wer- 
den, ob nicht das Akkompagnement der 
Ombraszenen und auch das bei Schiitz nur 
die Vorschrift der Beschrankung auf den 
Streichklang bedeutet. Spater, wo das 
trockene Cembalo als alleiniger Trager der 
Begleitung des Seccorezitativs selbstver- 
standlich ist (nach der Mitte des 17. Jahr- 
hunderts), ist dagegen bestimmt das A. als 
eine Bereicherung zu definieren. Vgl. Akkom- 
pagnement. 

Accord (franz., ital. Accordo, engl. Chord), 
Akkord (s. d.) 

Accord parfait (ital. Accordo perfetto, engl. 
Common chord) s. v. w. konsonanter Drei- 
klang (Dur- oder Mollakkord). Vgl. Scorda- 
tura. 

Accrescendo (ital., spr. -kresch-), s. cre- 
scendo. 

Achenbach, Max, s. Alvary. 

Achron, Joseph, Komp. und Geiger, 
* i.Mai 1886 zu Losdseje (Gouv. Suwalki), 
in Warschau erzogen, wo er bei Michalo- 
witsch und dann bei Lotto Geigenunterricht 
erhielt; 1899 — 1904 Schiiler L. Auers am 
Petersburger Kons., dann (1904 — 07) kon- 
zertierender Kunstler, mit dem Sitz in 
Berlin. 1907 — 10 machte A. hauptsachlich 
autodidaktische Kompositionsstudien, war 
1913 — 16 Leiter der V.- und Kammermusik- 
klasse der Musikschule der ehemaligen Kais. 
Russ. Musikgesellschaft in Charkow, 1916 
bis 18 in der russ. Armee; 1921 Leiter der 
kurzlebigen Meisterklasse f. V. und Kammer- 
musik des Kunstlerbundes in Petersburg; 
1922 — 24 meist in Berlin, seit 1925 in New 
York. Mit Gnjessin, Krein, Milner u.a. strebt 
A. eine hebraisch-nationale Kunstmusik an. 
Schrieb : Orch.- undChorwerke ; Chromatisches 
Streichquartett, op. 26; 2 Sonaten f. Kl. u. V '.; 
Stiicke f.V. u. Kl. oder Orch. (2 Suiten op. 21 
und 22) ; 4 Tableaux Fantastiques = 3. Suite 
op. 23; Suite Bizarre op. 41; Suite f. Bldser- 
ensemble op. 64; Violinkonzert op. 60; Stim- 
mungen op. 32 und 36; Stiicke fur Vc. und 
Kl. oder Orch.; Sinf. Variationen f. Kl. op. 
3g; Lieder op. 52 — 55; Biihnenmusiken; im 
ganzen fiber 60 opera und 50 Bearbei- 
tungen. — Buch : Grundlagen der Violin- und 
Bogentechnik (Auszug erschienen im M.wiss. 
Sammelbuch des russ. Staatsverlags). 

Achscharumow, Demetrius Wladimiro- 
witsch, * 20. Sept. 1864 in Odessa, f wah- 
rend der Revolutionsperiode, in Odessa Vio- 
linsphuler von KraBnokutzki, von Leop. 
Auer in Petersburg und J. Dont in Wien, 
wo er auch Kompositionsschuler von Rob. 
Fuchs war, reiste seit 1890 als Violinvirtuos 
und war seit 1898 in Poltawa Dirigent der 
Sinfoniekonzerte sowie Leiter einer 1899 
begriindeten Abteilung der Kais. Russ. 
Musikgesellschaft. 

Achtel (^ oder in Gruppen mit gemein- 
samen Querstrichen: M), der achte Teil 



einer Taktnote. Der alte Name des Achtels 
ist Fusa, eine alte, aber noch im 17. Jahr- 

hundert haufige Gestalt h neben dem 

als h geschriebenen Viertel (scherzweise 

[altertumelnd] noch bei Couperin). Die 
Achtelpause hat die Gestalt •/, alt ~ |; 
daneben bestand im 15. bis 17. Jahrhundert 
die dem Achtel mit weiGem Notenkopf ent- 
sprechende p. 

Achtelik, Josef, Prof., * 7. April 1881 zu 
Bauerwitz O/S., in einem hollandischen In- 
ternat erzogen, 1901 — 06 Schiiler des Kons. 
in Koln (Wullner, Steinbach, Klauwell, 
Kleffel, Baufinern); hierauf Direktor der 
Philh. Gesellschaft in Wiltz (Luxemburg), 
Km. an den Stadttheatern in Koln, Glogau 
und Leipzig ; je.tzt in Leipzig als Chordirigent, 
Musiklehrer, Musikschriftsteller und musik- 
theoretischer Forscher. Schrieb: Weih- 
nachtsmarchen Peterchens Mondfahrt (Leip- 
zig 191 2); Buch: Der Naturklang als Wurzel 
alter Harmonien — eine dsthetische Musih- 
theorie (1922). 4C£ K ^2t 

Acht-Fufi (8',) s. FuBton. 

Acireale (spr. atschi-). Vgl. Z. Musmeci, 
Del culto della musica in A. (2. Aufl. 1911). 

Ackt£, Aino, Opernsopran, * 23. April 
1876 in Helsingfors, Schulerin des Pariser 
Konservatoriums, betrat 1897 ^ s Mar- 
garethe die Biihne der <JroBen Oper, der 
sie bis 1904 angehorte, vielfach auf in- 
ternationalen Gastspielreisen hauptsachlich 
in den Rollen der Margarethe, Salome, 
Nedda. 1901 verheiratet mit dem Senator 
Heikki Renvall, 1909 mit dem Verkehrs- 
minister B. Jalander in Helsingfors. Schrieb : 
Minnen och fantasier (Stockh. 1917); Er- 
innerungen I. (deutsch u. finnisch, 1925). 

Acuta (Scharf), eine gemischte Stimme 
der Orgel, die in der Regel eine Teiz hat 
und kleiner als Mixtur ist, d. h. mit hoheren 
Tonen anfangt (drei- bis funffach zu i 3 / 5 
und 1 FuB). 

Adagio (spr. adadscho), eine der altesten 
Tempobezeichnungen, die schon zu Anfang 
des 17. Jahrh. aufkommt; a. bedeutet im 
Italienischen ,,bequem, behaglich", hat aber 
fur die Musik im Laufe der Zeit die Be- 
deutung von langsam, ja sehr langsam 
(doch nicht so langsam wie largo) erhalten, 
besonders in Deutschland, wahrend in 
Italien infolge des Wortsinnes auch heute 
noch A . mehr dem gleichkommt, was wir 
unter Andante verstehen. In der alt- 
klassischen Musik, z. B. bei Handel, be- 
deutet A. eine Verlangsamung von Largo. 
Die Bezeichnung A. kommt sowohl inner- 
halb eines Tonstucks fur wenige Noten wie 
auch zu Anfang eines Satzes als Tempo- 
bestimmung fur dessen ganze Dauer vor, 
so daB man jetzt gewohnlich unter einem 
A . auch einen ganzen Satz einer Sonate, 
Sinfonie oder eines Quartetts usw. versteht. 
Gewohnlich ist das A. der zweite Satz, 
doch sind Ausnahmen nicht selten (9. Sin- 
fonie von Beethoven und seither offer); 
man nennt einen solchen Satz auch dann 



Adaiewsky — Adam de la Halle. 



ein A., wenn er einen bewegtern Teil (an- 
dante, piu mosso u. dgl.) enthalt. Der 
Superlativ adagissimo, ,,auBerst langsam", 
ist selten. Die Diminutivform Adagietto 
bedeutet: ziemlich langsam, d. h. nicht so 
langsam wie a. ; als tjberschrift kennzeichnet 
sie gewohnlich ein langsames Satzchen von 
kurzer Dauer (kleines A.). Vgl. Tempo. 

Adaiewsky, Ella (von Schultz), * 10. Febr. 
1846 zu Petersburg, j 29. Juli 1926 in Bonn, 
erst Klavierschulerin von Adolf Henselt, nach 
mehrjahrigen Konzerttouren noch 1862 — 66 
von Rubinstein, Zaremba, Dreyschock una 
Faminzin am Petersburger Konservatorium, 
ging 1882 nach Italien, wo sie Volkslieder 
sammelte (Tanzlieder der Resianer), lebte 
langere Zeit in Venedig, seit 1909 bei Neu- 
wied am Rhein. Ihr theoretisches und 
kompositorisches Interesse gait der antiken 
Musik und dem Folklore. In der RMI. 
schrieb sie: La Berceuse Populaire (I, 1894; 
II, 1895; IV, 1897); Les Chants de VE-glise 
Grecque Orientate (VIII, 1901); Anciennes 
Melodies et Chansons populaires d'ltalie 
(XVI, XVIII); Du Chant populaire de la 
Bohime (XVI); Quelques chants tatares 
(XXVIII). Musikalische Werke: A-cap- 
pella-Chore fur die russische Kirche; eine 
iaktigeOper, Lieder, Duette; Sonate Grec- 
que fur Klavier und Klarinette, komponiert 
1880, gedruckt 1913; Schonheitszauber — 
Serenade fur Klavier im Asklepiadeischen 
Metrum (1913); 24 Praludien fur Gesang 
und Klavier (1912); Horaz. Ode fiir Mezzo- 
sopran und Bariton mit Klavier (1915); 
Griechischer Chortanz und Hymne an die 
Muse Kalliope fiir Alt- Solo und FrCh. (1915); 
die 4aktige russische Volksoper Die M or gen- 
rote der Freiheit (188 1), Klavierstucke, 
vokale Kammermusik u. a. 

Adalid y Gurrea, Marcel del, span. 
Komponist, *26. Aug. 1826 zu Corufia (Ga- 
lizien), f i6.0kt. 1881 auf seinem Landsitz 
zu Gongora(Galizien), Schuler vonMoscheles 
in London und kurze Zeit von Chopin in 
Paris, veroffentlichte drei Sammlungen ga- 
lizischer Volkslieder, sowie Klavierstucke 
eigener Komposition (Enfantillages). Eine 
nach dem Urteil Pedrells an Schonheiten 
reiche Oper Inese e Bianca (ital. Text von 
Lanzieres de Themines) hinterlieB er im 
Manuskript. 

Adam, Adolphe Charles, Sohn von 
Louis A., gefeierter Opernkomponist, * 24. 
Juli 1803 und f 3. Mai 1856 zu Paris; sollte 
eigentlich Gelehrter werden, zeigte aber dazu 
wenig Neigung und Ausdauer. 18 17 wurde er 
ins Konservatorium aufgenommen, arbeitete 
aber nachlassig und fliichtig, bis Boieldieu 
ihn in seine Kompositionsklasse nahm, da 
er sein Talent fiir Melodie entdeckte. 1825 
erhielt er den 2. Rompreis. Nachdem er sich 
durch allerhand Klavierstucke, Transkrip- 
tionen, Lieder usw. bekanntgemacht, brachte 
er 1829 seine erste einaktige Oper: Pierre et 
Catherine in der Opera comique zur Auf- 
fiihrung; der Erfolg ermutigte ihn, so dafi 
schnell eine Reihe von 13 weitern Werken 
folgte, bis er 1836 mit dem Postilion von 



Lonjumeau glanzend durchschlug. 1844 
wurde er Mitglied des Instituts. Ein Kon- 
flikt mit dem Direktor der Komischen Oper 
bewog 1846 A. selbst Opernunternehmer zu 
werden (Theatre national, 1847); die Re- 
volution von 1848 ruinierte seine Finanzen, 
und nun wandte er sich wieder ausschlieBlich 
der Komposition zu. Nach dem Tode seines 
Vaters (1848) wurde er Kompositionspro- 
fessor am Konservatorium. Von seinen 53 
Biihnenwerken seien noch hervorgehoben 
die Opern: An fiddle berger, La rose de 
Peronne, Le roi d'Yvetot, Giralda, La poupee 
de Nuremberg, Le toreador (1849, in neuer 
Bearbeitung von F. Rumpel, Berlin, Kom. 
Op. 1911, gedruckt 1913), Si fetais roi 
(in der Bearbeitung von Paul Wolff noch 
heute auf der deutschen Biihne lebendig), 
sowie die Ballette: Giselle, Le Corsaire usw. 
Wenn aucli keins von Adams Werken als 
klassisch bezeichnet werden kann, so sichern 
doch die rhythmische Grazie und der melo- 
dische Reichtum zum mindesten einem 
Teile von ihnen noch einige Fortdauer. 
Seine Neuinstrumentierung von Gretrys 
Richard Cceur de Lion (1841) fand Wagners 
Mifibilligung (Blechharmonie). Gesammelte 
Aufsatze A.s erschienen als Souvenirs d'un 
musicien (1. Bd. 1857 [1871] mit Auto- 
biographic, 2. Bd. [Derniers souvenirs 
usw.] 1859 [1871]). Vgl. auchHalevy, 
Notice sur la vie et les ouvrages de A. A. 
(Paris 1859) und A. Pougin, A. A. (1877). 

Adam, franzosischer ( ?) Komponist der 
ersten Halfte des 15. Jahrhunderts, von 
dem einige Chansons in dem Oxforder Cod. 
Can. 213 enthalten sind (abgedruckt bei 
Stainer, Dufay and his Contemporaries). 

Adam, Jean, Bratschist, um 1756 — 82 
Ballettkomponist am Hofe zu Dresden, 
I 14. Sept. 1784, gab heraus: Recueil d'airs 
a danser, executes sur le theatre de Dresde 
(Kl.-A. 1756), schrieb auch Oboekonzerte, 
Klavierkonzerte, 6 Streichquartette und 
Sinfonien (eine in Breitkopfs Raccolta). 

Adam, Louis (Johann Ludwig), * 3. Dez. 
1758 zu Miittersholtz(ElsaB), einer deutschen 
Familie entstammend, f 8. (nicht n.) April 
1848 in Paris; Vater von Adolphe A., ein 
vorziiglicher Musiker, der Bach und Handel 
griindlich studierte, 1797 — 1842 Professor 
des Klavierspiels am Pariser Konservato- 
rium, Lehrer von Kalkbrenner, Herold u. a. ; 
Verfasser einer angesehenen Methode des 
Klavierspiels (1802; deutsch von C. Czerny 
1826; voraus ging eine mit Lachnith her- 
ausgegebene Methode ou principe general de 
doigter p. le pf. 1798), auch hat er Klavier- 
sonaten, Variationen usw. veroffentlicht. 

Adam de la Halle (Hale), mit dem Bei- 
namen le Bossu d' 'Arras ('der Buckelige 
von Arras), * um 1220 zu Arras, t 1287 in 
Neapel; genialer Dichter und Komponist 
(Trouvere), dessen Werke uns erhalten und 
1872 von Coussemaker mit (nicht einwand- 
freier) TJbertragung in moderne Notierung 
herausgegeben wurden (QLuvres computes 
du trouve're A . de la H. etc.). Das wichtigste 
ist das Jeu de Robin et de Marion, cine Art 



Adam de St. Victor — Adelburg. 



komischer Oper (Liederspiel [natiirlich nur 
einfache Melodien ohne jede Begleitung], 
wahrscheinlich mit Benutzung volkstiim- 
licher Lieder; mit Klavierbegleitung [!] 
von J.-B.-Th. Weckerlin herausgegeben, 
zwei Lieder auch von W. Tappert [1874]; 
eine kurze Bearbeitung von R. Fiege 
wurde 1884 i m Berliner Tonkiinstlerverein 
aufgefiihrt, eine freie Einrichtung von J. 
Tiersot 1896 in Paris und Arras). A. schrieb 
noch mehrere Jeux (Jeu d'Adam, Jeu du 
pelerin u. a.) und viele Chansons und im 
Organalstil komponierte dreistimmige Ron- 
deaux und Motets. Die Chansons und/«w*sind 
mit Choralnote notiert, die Rondeaux und 
Motets mensural. Ein Neudruck der 16 Ron- 
deaux findet sich bei Fr. Gennrich, Ron- 
deaux, Virelais und Balladen (I, 1921). Vgl. 
L. Bahlsen, A. de la H.s Dramen (1885); 
Henry Guy, Essay sur la vie et les ceuvres 
litteraires d'A. de la H. (1899); J. Tiersot, 
Sur le Jeu de Robin et Marion (1899); A. 
Guesnon, Une idition allemande des chan- 
sons d'A . de la H. (Paris 1900) und E. Lang- 
lois, Lejeu de Robin et de Marion (Paris 1896 
mit Faksimile und Kommentar) und Le jeu 
de la feuillee (1911); F. Helfenbein, Die 
Sprache des Trouvire A. de la H. (191 1). 

Adam de St.Victor, Dich terkomponist von 
Sequenzen im 12. Jahrhundert zu Paris, der 
die Form der Sequenzen derjenigen der 
Hymnen anglich (lauter gleichgebaute Stro- 
phen). Die neue Form machte die Se- 
quenzen popular und fuhrte zu massen- 
hafter Vermehrung ihrer Zahl, weshalb das 
Tridentiner Konzil 1568 gegen sie einschritt. 
Vgl. Aubry und Misset, Les proses d'A. 
de St. V. (Paris 1900). 

Adam von Fulda (wahrscheinlichBenedik- 
tinermonch), einer der bedeutendsten deut- 
schen Komponisten der zweiten Halfte des 
15. Jahrhunderts, auch Verfasser eines 
wertvollen, von Gerbert im 3. Bande der 
Scriptores (s.d.) abgedruckten musik-theore- 
tischen Traktats (1490), lebte um 1490 an 
einem suddeutschen Fiirstenhofe, wahr- 
scheinlich dem des Bischofs von Passau, 
sowie in der Benediktinerabtei Vornbach; 
auch in Wurzburg und Augsburg sind 
Spuren seines Aufenthaltes nachweisbar. 
Gediegene, in der Mehrzahl Hvmnen- oder 
Antiphonenmelodien kontrapunktierende 
Kompositionen Adams in Handschriften 
der Berliner und Leipziger Bibliothek (vgl. 
Kirchenmusikalisches Jahrbuch 1897 [H. 
Riemann] und 1902 [W. Niemann]). 

Adamberger, Valentin, gefeierter Te- 
norist, *6. Juli 1743 zu Miinchen, t 24. Aug. 
1804 in Wien, Schiiler von Valesi, feierte 
in Italien Triumphe als Adamonti, trat 
auch in London auf und wurde 1780 an die 
Wiener Hofoper engagiert, 1789 auch Hof- 
kapellsanger. Mozart schrieb fur ihn den 
Belmonte in der Entfuhrung und einige 
Konzertarien. Seine Tochter Antonie 
(Schauspielerin) war mit Theod. Korner 
verlobt und heiratete spater den Archao- 
logen v. Arneth. Sie sang 1810 die Klar- 
chenlieder bei der Erstauffuhrung von 



Beethovens Egmont-Musik. Vgl. F. Laten- 
dorf, Liedes- und Liebesgriifie von Antonie 
A. [aus Korners Nachlafl, 1885], R. Mu- 
siol, Th. Korner und seine Beziehungen 
zur Musik (1893); H. Zimmer, Th. 
Korners Braut. Ein Lebens- und Charakter- 
bild (1910). 

Adamonti, s. Adamberger. 

Adamowski, Josef, poln. Violoncellist, 
* 4. Juli 1862 in Warschau, Schiiler des 
Warschauer und Moskauer Konservato- 
riums, seit 1889 in Amerika (Boston) als 
Cellist, Lehrer u. Mitglied des A.-Quartetts 
u. A.-Trios wirkend; verheiratet mit der 
Pianistin Ant. Szumowska. 

Adamowski, Tymoteusz, Bruder von 
Josef A., poln. Violinist, * 24. Marz 1858 
in Warschau, Schiiler von Massart in Paris, 
seit 1879 in Amerika (Boston) als Violinist, 
Lehrer, Dirigent u. Mitglied des A.-Quartetts 
u. A.-Trios wirkend. 

Adamus, Henryk, poln. Violoncellist u. 
Komp., * 19. Febr. 1880, Schiiler des War- 
schauer Kons., dann von Krehl und Klengel 
in Leipzig. Erst Solist im Warschauer 
Philh. u.Opern-Orchester, wurde er Direktor 
der M.gesellschaft zu Kalisch, endlich Leiter 
desOpernchors zu Warschau. Werke: 2 0pern. 
beide in Warschau aufgef. : Sumienie (Das 
Gewissen, 1918J; Rey w Babinie (kom. 
Oper, die zum Helden den ersten poln. 
Dichter hat, 1922); 2 sinf. Dichtungen; 
Feierliche Ouvertiire; einige kurzere Instru- 
mentalstucke. 

Addison (spr. addis'n), John, engl. Kom- 
ponist, * ca. 1755 und f 30. Jan. 1844 
in London, fuhrte ein bewegtes Leben als 
Violoncellist und Kapellmeister ( in Dublin), 
Manufakturist in der Baumwollenbranche 
(Manchester), Musikalienhandler (mit Mi- 
chael Kelly in London) und schlieBlich als 
Komponist, KontrabaBspieler und Gesang- 
lehrer. Seine Frau (MiOWillems) war eine 
geschatzte Opernsangerin. Addisons Sing- 
spiele waren ihrer Zeit (1805 — 18) beliebt; 
er schrieb auch eine Gesanglehre: Singing 
Practically Treated in a Series of Instructions 
(1836). 6 Triosonaten A.s op. 1 erschienen 
bereits 1772. 

Addison (spr. addis'n) Robert Brydges, 
Komponist * 1854 zu Dorchester (Oxford), 
Schiiler Macfarrens an der Kgl. Musikakade- 
mie, 1882 Lehrer fur Harmonie und Kompo- 
sition an derselben Anstalt, 1892 Lehrer fur 
Kunstgesang am Trinity-College of Music 
(als solcher sehr erfolgreich), geschatzter 
Liederkomponist, schrieb auch Orchester- 
werke (Sinfonie, Konzertallegro fur Or- 
chester), Klavierstiicke, Violinstiicke, Kinder- 
lieder und kirchliche Sachen. 

Adelburg, August, Ritter von, Vio- 
linist, * 1. Nov. 1830 zu Konstantinopel, 
t (geisteskrank) 20. Okt. 1873 in Wien; 
war fur die diplomatische Laufbahn be- 
stimmt, wurde aber schon 1850 — 54 Schiiler 
Mayseders, der ihn zum hervorragenden 
Violinvirtuosen ausbildete. In den 60 er 
Jahren erregte A. durch die GroCe seines 
Tons Aufsehen. Er komponierte wertvolle 



10 



Ademollo — Adler. 



Etiiden, Sonaten und Konzerte fiir Violine, 
Streichquartette usw., sowie drei Opern: 
Zriny (1868 in Budapest), Wallenstein und 
Martinuzzi, auch veroffentlichte er eine 
Kritik von Liszts Schrift uber die Musik 
der Zigeuner (1859). 

Ademollo, Alessandro, verdienter ita- 
lienischer Forscher zur Operngeschichte, 
* 1826 zu Florenz, j 22. Juni 1891 zu Rom, 
schrieb: / primi fasti delta musica italiana 
a Parigi [1645 — 1662] (Mailand 1884); 
I primi fasti del teatro di via della Pergola 
a Firenze [1657 — 1661] (Mailand 1885); 
I teatri di Roma nel secolo decimo settimo 
(Rom 1888); Le cantanti italiane celebri 
del secolo XVIII": Vitloria Tesi, Margherita 
Salicola (Nuova Antologia vol. 22 — 23, 
i88g); I Basile alia corte di Mantova 
[1603 — 1628] (Giornale Ligustico XI, Genua 
1885); La bell' Adriana a Milano [161 1] 
(Mailand 1885); La Leonora di Milton e di 
Clemente IX (Mailand 1885 [La Leonora 
ist die Tochter der Adriana Basile]); La 
bell' Adriana ed altre virtuose del suo tempo 
alia corte di Mantova (Citta di Castello 1888). 

Adiaphon (adiaphonon, griech. das Un- 
verstimmbare), 1) ein 1820 von dem Uhr- 
macher Schuster in Wien erfundenes, der 
Harmonika ahnliches Tasteninstrument. — 
2) das Gabelklavier, von Fischer und 
Fritzsch in Leipzig erfunden, 1882 paten- 
tiert, mit abgestimmten Stimmgabeln statt 
der Saiten. Vgl. Celesta, auch Clagget. 

Adler, Agnes Charlotte Dagmar, * 19. 
Febr. 1865 zu Kopenhagen, Tochter des 
Cellisten Car] Hansen und Schwester von 
Emil Robert Hansen, ausgezeichnete da- 
nische Pianistin, Schulerin von Edmund 
Neupert und des Kgl. Konservatoriums 
(Edward Helsted, J. P. E. Hartmann, Gade), 
1892 Gattin des Kaufmanns Siegfried A., 
seit 1900 Lehrerin fiir Klavier und En- 
semblespiel am Kopenhagener Konserva- 
torium. 

Adler, Guido, bedeutender Musikfor- 
scher, Fiihrer der Wiener musikwissenschaft- 
lichen Schule, * 1. Nov. 1855 zu Eiben- 
schiitz (Mahren) als Sohn eines Arztes, 
nach dessen friihem Tode (1856) die Mutter 
nach Iglau ubersiedelte, absolvierte 1874 zu 
Wien das akademische Gymnasium, dessen 
Schiilerchor er zeitweilig dirigierte, und 
zugleich das Konservatorium, an dem er 
Schuler von Bruckner (mit Mottl und Hugo 
Wolf Begriinder des Akademischen Wagner- 
vereins) und Dessoff war, bezog die Uni- 
versitat, promovierte 1878 zum Dr. juris, 
1880 zum Dr. phil. (Dissertation: Die 
historischen Grundklassen der christlichen 
abendldndischen Musik bis 1600, abgedruckt 
in der Allg. M. Z. 1880, Nr. 44—47) und 
habilitierte sich i882» an der Wiener Uni- 
versitat als Privatdozent fiir Musikwissen- 
schaft. 1882 ging er als Delegierter zum 
internationalen liturgischen KongreB nach 
Arezzo, uber den er ausfuhrlich berichtete. 
1884 begriindete er mit Chrysander und 
Spitta die Vierteljahrsschrift fur Musik- 
wissenschaft (s. d.), deren Eroffnungsaufsatz 



er schrieb (Umfang, Metkode und Ziel der 
Musikwissenschaft), wurde 1885 a. o. Pro- 
fessor der Musikwissenschaft an der deut- 
schen Universitat zu Prag, war als Nach- 
folger Ed. Hanslicks 1898 bis 1927 Prof, 
der Musikwissenschaft an der Wiener Uni- 
versitat und begriindete als solcher ein 
Musikhistorisches Institut. Bei der Inter- 
nationalen Ausstellung fiir Musik und 
Theater zu Wien 1892 fuhrte Adler den 
Vorsitz des Komitees der historischen Ab- 
teilung und verfaBte den Fachkatalog. 
1892 — 93 gab er eine Auswahl der musi- 
kalischen Werke der Kaiser Ferdinand III., 
Leopold I. und Josef I. heraus (2 Bde.) 
und leitete die Herausgabe der Denkmdler 
der Tonkunst in Osterreich (s. d.), deren 
Redaktion und historische Einleitungen er 
zum Teil selbst besorgte. Die Bande der 
DTO, die A. herausgab, sind im einzelnen 
folgende: M. A. Cesti, II porno d'oro fill, 2 
u. IV, 2); G. Muffat, Componimenti per 
il cembalo (III, 3); Froberger, Orgel- und 
Klavierwerke I, II und III (IV, 1, VI, 2 
und X, 2); H. Biber, Violinsonaten 1681 
(V, 2); Trienter Codices I und II (VII und 
XI, 1, zusammen mit O. Roller): J. J. Fux, 
Instrumentalwerke I (IX, 2); O. Benevoli, 
Festmesse und Hymnus (X, 1); Trienter 
Codices III (XIX, 1; zusammen mit O. 
Roller, Loew und Schegar); A. Draghi, 
Kirchenwerke (XXIII, 1); Biber, Schmel- 
zer und Kerll, Messen (XXV, 1); G. 
Muffat, 12 Toccaten und 72 Versetl 
(XXIX, 2); Straus, Biber, Kerll, drei 
Requiem (XXX, 1). Seit 1913 gibt er 
Studien zur Musikwissenschaft als Bei- 
hefte derosterreichischenDenkmalerheraus, 
die wertvolle Beitrage von ihm enthalten. 
AuBerdem schrieb er: Studie zur Geschichie 
der Harmonie (Habilitationsschrift, in den 
Sitzungsber. d. Wiener kaiserl. Akad. der 
Wissensch., phil.-hist. Kl. 1881); Die Wie- 
derholung und Nachahmung in der Mehr- 
stimmigkeit (Vierteljahrsschrift f. MW. II, 
271 ff. 1886); Ein Satz eines unbekannten 
Beethovenschen Klavierkonzeris (das. IV, 
451 ff.); Die musikalischen Autographen 
und revidierten Abschriften Beethovens im 
Besitze von A . Artaria (Wien 1890); Richard 
Wagner (Vorlesungen 1904, 2.Aufli922; 
auch franzosisch in Ubersetzung von L. 
Laloy), Josef Haydn (Festrede 1909), Uber 
Textunterlegung in den Trienter Codices (1909 
in der Riemann-Festschrift), Der Slil in der 
Musik (1. Bd. 1912); Gustav Mahler (1914 
in Bettelheims Biogr. Jahrbuch, 1916 auch 
separat) ; Methode der Musikgeschichte (1909) ; 
Handbuch der Musikgeschichte (1924, mit 
einer Reihe von Mitarbeitern). 

Adler, Vincent, Pianist und Komponist, 
* 3. April 1826 zu Raab (Ungarn), t4.Januar 
1871 in Genf, Schuler seines Sclrwagers 
Franz Erkel in Budapest, ging zur Fort- 
setzung seiner Studien nach Wien, machte 
dann von Paris aus, wo er sich mit Wagner, 
Biilow, Ernst, Lalo u. a. befreundete, zahl- 
reiche Konzertreisen und liefi sich schlieBlich 
in Genf nieder, wo er sechs Jahre Lehrer 



Adlgasser — Aeoline. 



11 



am Konservatorium war. Als Komponist 
trat er mit wertvollen Klavier-Etiiden und 
brillanten Salonstiicken auf. Sein Sohn 
Georg, * 22. Nov. 1863 zu Paris, Schiiler 
des Vaters sowie B. Roths, Raffs und Bil- 
lows, war Lehrer am Raff- Konservatorium 
in Frankfurt a.M. 

Adlgasser (Adelgasser), Anton Cajetan, 
* 3. April 1728 zu Innzell bei Traunstein 
(Bayern), "j" 21. Dez. 1777 in Salzburg (an 
der Orgel, SchlagfluB), Schiiler von J.E. 
Eberlin, war seit 175 1 erster Domorganist 
in Salzburg. Seine kirchlichen Komposi- 
tionen waren sehr geschatzt. Der junge 
Mozart, Michael Haydn und A. komponier- 
ten jeder einen Akt des Schuldramas Die 
Schuldigkeit des ersten Gebots (1767). 

ad libitum (lat. ,,nach Belieben"), 1) als 
Vortragsbezeichnung s. v. w. frei im Tempo, 
scheinbar ohne Takt (Gegensatz: a battuta). 
— 2) Als Charakteristik von Instrumenten 
als Teilen eines Emsemble s. v. w. nicht un- 
bedingt notig, evtl. entbehrlich (Gegensatz: 
,,obligat"). Viele Sinfonien der Zeit um 
1750 haben zwei Horner ad lib., desgleichen 
die Erstlinge der Klavier-Ensemblemusik 
(Filtz, Schobert, Edelmann, Eichner usw.) 
eine Violine oder Violine und Cello ad lib. 
Vgl. den Themat. Katalog der Mannheimer 
Kammermusik i. d. DTB. Bd. XV und XVI 
(H. Riemann). 

Adlung (Adelung), Jakob, * 14. Jan. 
1699 in Bindersleben bei Erfurt, | 5 . Juli 
1762 in Erfurt; studierte in Erfurt und Jena 
Philologieund Theologie, trieb aber daneben 
ernstliche musikalische Studien, so dafi er 
1727 als stadtischer Organist und 1741 als 
Gymnasialprofessor zu Erfurt angestellt 
wurde und als geschatzter Musiklehrer 
wirkte. A. hat drei fur die Musikgeschichte 
wertvolle Werke geschrieben: Anleitung zu 
der musikalischen Gelahrtheit (1758 mit Vor- 
rede von Joh. Ernst Bach; 2.Aufl. 1783, 
besorgt von Joh. Ad. Hiller); Musica me- 
chanica organoedi (1768) und Musikalisches 
Siebengestirn (1768, letztere beiden von L. 
Albrecht herausgegeben). A.s Autobio- 
graphic s. in Marpurgs Krit. Brief en II, 451. 

Adriaensen(Hadrianius), Emanuel, * 
zu Antwerpen, gab dort bei Phalese zwei 
Werke in Lautentabulatur heraus: Pratum 
musicum (zum Teil fur 2 — 4 Lauten, 1584 
[1600]) und Novum pratum musicum (1592). 

Adriano di Bologna s. Banchieri. 

Adufe (arab.), Schellentrommel, Tam- 
burin. 

Agidius de Murino, Musiktheoretiker um 
1400, dessen Traktat iiber die Mensural- 
musik (bei Coussemaker Script., Bd. 3) 
wichtige Notizen iiber die formale Anlage 
der alteren Liedkompositionen enthalt. 

Agypten,das Land einer uralten, weit iiber 
die altgriechische Bliiteperiode zuriickrei- 
chenden Kultur, scheint auch auf' dem Ge- 
biete der musikalischen Kunst schon weit 
vorgeschritten gewesen zu sein, als Europa 
noch im Zustande volliger Barbarei war. 
Zwar ist weder irgendein Uberrest agyp- 
tischer Musik noch ein theoretisGher Trak- 



tat auf uns gekommen, wohl aber weisen die 
altesten Felsengraber Abbildungen musi- 
kalischer Instrumente auf, die aufs hochste 
iiberraschen miissen. Wir finden da neben 
Instrumenten, die der griechischen Kithara 
iihnlich, aber in agyptischer Weise verziert 
sind, harfenartige Instrumente von primi- 
tivster bis zu hochst kunstvoller Konstruk- 
tion und geschmackvoller Arbeit; die Harfen 
sind sehr groB (fiber Manneshohe) und haben 
eine grofie Anzahl Saiten. Harfen solchen 
Baus sind aber im Altertum, soviel bekannt, 
bei keinem andern Volke als den Israeliten 
im Gebrauch gewesen, welche sie hochst- 
wahrscheinlich in A. kennenlernten. Fast 
noch frappanter ist das Vorkommen lauten- 
artiger Instrumente auf diesen Abbildungen, 
Instrumente mit langen Halsen (Griffbrett) 
und rundem oder geschweiftem Schallkorper 
mit Schallochern oder ohne solche; solche 
Instrumente, auf denen man Tone verschie- 
dener Hohe durch Verkiirzung der Saiten er- 
zielt, wurden den Griechen jedenfalls durch 
die Agypter bekannt (Nabla, Pandura), blie- 
ben aber fast unbeachtet und treten erst bei 
den Persern, resp. den Arabern nach der 
Eroberung Persiens als Favoritinstrumente 
hervor (7. Jahrh.). Der altagyptische Name 
der Harfe ist bjn't, in mifiverstandener spa- 
terer Form Tebuni, der der Laute ist un- 
bekannt. Die Blasinstrumente der Agypter 
waren hauptsachlich gerade Floten (Mam 
oder Mem), auch Doppelfloten, gerade Trom- 
peten, auBerdem hatten sie zahlreiche 
Schlag- und Klapperinstrumente; das viel- 
genannte Sistrum war kein Musikinstru- 
ment, sondern wurde beim Kultus ange- 
wandt, um die Aufmerksamkeit auf die 
heilige Handlung zu lenken. Vgl. G. Villo- 
teau, Description de I'Jigypte (deutsch von 
Michaelis 1821); Kiesewetter, Die Musik 
derneuern Griechen usw ., S.41 ff.; Ambros, 
Geschichte der Musik, Bd. 1, S. 137 ff. und 
Curt Sachs i. d. Kretzschmar- Festschrift 
(1918); derselbe, Die Tonkunst der alten 
Agypter (AfMW. II, 1; 1920); derselbe, 
Die Musikinstrumente des alten Agyptens 
(hrsg. v. d. Staatsmuseen), Berlin 1920; 
derselbe, Altagyptische Musikinstrumente 
(hrsg. v. d. Vorderasiatischen Gesellschaft), 
Berlin 1920 (Vortrag). Nach Sachs kannte 
das Alte Reich an Instrumenten nur Harfe, 
Langsflote, Doppel-Klarinette, Klappern; 
das Mittlere Reich brachte dazu Trommeln 
und Sistren. Das Neue Reich erhielt aus 
Asien Doppeloboen, Trompeten, Winkel- 
harfen, Leiern, Lauten, Ranmentrommeln ; 
der asiatische EinfluB veranderte den stillen 
und urtiimlichen, sakralen Charakter der 
Musik des Alten Reichs zu dem orgiastischen, 
sinnlichen des Neuen. Namen: Saiteninstru- 
mente bin, Blasinstrumente ma. Bei den 
christlichen Agyptern, den Kopten (s. 
Koptische Musik) entstand urns Jahr 1000 
eine reiche volkstumliche Poesie, die zum 
groBen Teil von der religiosen abhangig war 
und eine letzte Bliite der Musik zur Folge 
hatte. 
Aeoline,Aeolodion, Aeolodikon, Klav- 



12 



Aeo'lisch — AEVIA. 



aoline, i) s. v. w. Harmonium (s. d.). — 
2) Orgelstimmen ahnlicher Konstruktion, 
d. h. Zungenstimmen ohne Aufsatze oder 
mit ganz kleinen Aufsatzen, die daher einen 
sehr zarten Klang haben und besonders fiir 
Echowerke zur Anwendung kommen (meist 
mit Jalousieschweller). Die ersten Versuche 
der Einfiihrung freischwingender Zungen in 
der Orgel machten der Orgelbauer Kirsnik 
in Petersburg (um 1780), sowie Abt Vogler 
in seinem Orchestrion (1791). Heute wird die 
Ae. haufiger als Labialstimme gebaut. 

Aeolisch s. Kirchentone und Griechische 
Musik. 

Aeolklavier s. Anemochord. 

Aeolsharfe (Windharfe, Wetterharfe, 
Geisterharf e) ist ein langer schmaler Re- 
sonanzkasten mit oder ohne Schalloch, fiber 
den eine (beliebig groBe) Anzahl im Einklang 
gestimmter Darmsaiten gespannt ist; die 
Saiten miissen von verschiedener Dicke 
sein, so daB fiir jede ein anderer Spannungs- 
grad zur Erreichung derselben Tonhohe er- 
forderlich ist, doch darf keine sehr stark ge- 
spannt sein. Strafft ein Luftzug die Saiten, 
so fangen sie an zu tonen, und zwar machen 
sie infolge des verschiedenen Spannungs- 
grades verschiedenartige Partialschwingun- 
gen, doch natiirlich immer nur Tone gebend, 
die der Obertonreihe des gemeinschaftlichen 
Grund tones angehoren. Der Klang ist von 
marchenhafter, zauberischer Wirkung, da 
je nach der Starke des Windes die Akkorde 
vom zartesten Pianissimo zum rauschenden 
Forte anschwellen und wieder verhallen. 
Die A. ist alt; als Erfinder bzw. Verbesserer 
werden genannt der heil. Dunstan (10. Jahr- 
hundert), Athanasius Kircher (17. Jahrh.), 
Pope (1792) und H.Chr. Koch (ca. 1800). 
Vgl. Dalberg, Die Aeolsharfe (1801); G. 
Fr. Lichtenberg, Vermischte Schriften, 
6. Bd. (Gottingen 1845) un< 3 J. G. Kast- 
ncr, Vharpe d'Eole (1856). 

Aequal (lat. aequalis ,,gleich"), s.v.w. acht- 
fiiBig (s. FuBton), d. h. von ,,normaler" Ton- 
hohe, eine Bezeichnung fiir Orgelstimmen, 
die auf Taste grofi C den Ton groB C geben; 
z. B. Aequalprinzipal. Vgl. auch Gleiche 
Stimmen (Voces aequales). Uber Beetho- 
vens Aequale fiir 4 Posaunen vgl. Beethoven. 

Aerophon s. Harmonium. 

Aerophor oder Tonbinde-Apparat, ein 
von dem Schweriner Hofmusiker Samuels 
konstruierter Hilfsapparat, der vermittels 
eines mit dem FuBe regierten kleinen Blase- 
balgs und eines neben dem Mundstiick eines 
Blasinstruments in den Mund gefuhrten 
Schlauches ermoglicht. den Ton in bcliebiger 
Dauerauszuhalten,da derA.dieLiicken fiillt, 
welche sonst das Atmen bedingt. Der Apparat 
ist patentiert (D. R. P., 1912) und hat den 
Beifall der Blaser, Komponisten (R. StrauB, 
Alpensinfonie) und Dirigenten gefunden. 

Aesthetik, musikalische, ist die spe- 
kulative Theorie der Musik im Gegensatz 
sowohl zu der fiir die Praxis berechneten 
Musiktheorie im engern Sinne (Harmonie- 
lehre, Kontrapunkt, Kompositionslehre), als 
auch zu der naturwissenschaftlichen Unter- 



suchung der Klangerscheinungen und Ge- 
horsempfindungen (Akustik und Physiologie 
des Horens). Die musikalische A. ist ein 
Teil der allgemeinen A. oder Kunstphilo- 
sophie und hat zur Aufgabe die Ergriindung 
des spezifischen Wesens der musika- 
lischen Kunstwirkungen, d. h. sie hat 
zu untersuchen, — 1) worm die elementare 
Gewalt der Melodik, Dynamik und Agogik 
iiber unsere Seele besteht (Musik als Aus- 
druck, als Mitteilung, als Wille), — 
2) das Musikalisch-Schone zu definieren, 
d. h. die Gesetze der Ordnung und Einheit- 
lichkeit aufzuweisen, durch welche die 
Musik Gestaltung, Form annimmt (Harmo- 
nik und Rhythmik), deren Verhaltnisse 
der Geist anschauend genieBt (Musik als 
Vorstellung) und — 3) die Fahigkeit der 
Musik zu wiirdigen, bestimmte Assozia- 
tionen zu wecken und, sei es allein oder 
unterstiitzt durch andere Kiinste, zu cha- 
rakterisieren, illustrieren, darzustel- 
len, d. h. die Empfindungsvorgange aus der 
Seele des Komponisten bzw. des Horers oder 
Spielers in die eines vorgestellten Subjekts 
zu verlegen (Musik als vorgestellter 
Wille). Vgl. hieriiber Riemann, Kate- 
chismus der Musikasthetik und Die Ele- 
mente der musikalischen Aesthetik (1900, 
franzos. von Humbert 1906, ital. 1914), so- 
wie Charles Lalo, Esquisse d'une esthetique 
musicale scientifique (Paris 1908). Grund- 
legendes Material einer musikalischen Asthe- 
tik in dem hier skizzierten Sinne lieferten vor 
alien J. J. Engel, J. G. Herder, Schopen- 
hauer, Herbart, Lotze, Fechner, Wundt, Th. 
Lipps, J . Volkelt, Konrad Lange, M. Dessoir, 
auch Hanslick, G. Engel, Helmholtz, Stumpf, 
Hostinsky, Hausegger, H. Siebeck, Walla- 
schek, H. Ehrlich, Arthur Seidl, M. Stei- 
nitzer, Paul Moos, Hugo Goldschmidt, Fr. 
Marschner, K. Grunsky, Ben. Croce (Este- 
tica come scienza deW espressione e linguistica 
generate, teoria e storia, 4. Aufl. Bari 1912), 
Max Deri, Versuch einer psychologischen 
Kunstlehre (Stuttgart 1912, aus Zeitschr. f. 
Asthetik u. allg. Kunstwissenschaft) ; E. 
Meumann, Einfiihrung in die Asthetik der 
Gegenwart (2. Aufl. Leipzig 1912), E. Clos- 
son u. a. (vgl. die Biographien). Vgl. auch 
Tonpsy chologie . 

Athiopische Kirchenmusik. Obwohl von 
der A. K. nur sparliche Reste in HSS. vor- 
liegen, darf man vom 7. Jahrhundert an 
eine Bliite des Hymnengesangs in Athio- 
pien annehmen; Zeugnisse finden sich im 
Liederbuch der A. Kirche, dem Deggud und 
in den Marienliedern Wedddse M&rj&m (Lob- 
preisung Marias). Die Gesangbiicher ent- 
halten in schwarzen und roten Zeichen iiber 
dem Text, also in einer Art Neumenschrift, 
Anweisungen fiir den Vortrag. Als Vater 
der A. K. gilt der heilige Jared. der die drei 
Musikmodi, geiz, ezel und arardy erfunden ha- 
ben soil. Vgl. Egon We lies z, Studien 
zur A. K. Oriens Christianus, edd. A. Baum- 
stark, 1920). 

AEVlA oder Aevia, aeuia ist in den No- 
tierungen des Gregorianischen Gesangs Ab- 



Afanassiew — Agazzari. 



13 



kiirzung des Wortes Alleluja (mit Aus- 
lassung der Konsonanten). 

Afanassiew, Nikolai Jakowlewitsch, Vio- 
linist und Komponist, * 1821 in Tobolsk, 
t 3. Juni 1898 in Petersburg, erhielt seine 
musikalische Ausbildung von seinem Vater. 
A. schrieb Streichquartette (darunter das 
i860 preisgekronte Die Wolga und ein 
hebrdisches inCis moll), Quintette, ein Oktett, 
Lieder, Klavierstiicke, Stiicke fur Violine, 
eins fur die Viola d 'amour, die preisgekronte 
Kantate Das Gastmahl Peters des GrofSen 
(Text von Puschkin) und mehrere Opern 
(Arnalat Bek). Auch gab er eine Sammlung 
groBrussischer Volkslieder heraus. Sinfo- 
nien und Oratorien blieben Manuskript. 

Affektenlehre, einfluBreiche musikasthe- 
tische Theorie des 18. Jahrhunderts, die die 
Wirkung der Musik mit der Nachahmung 
und in der Erregung von Affekten begrun- 
dete und auf dieser Begriindung musika- 
lisches Urteil und Kompositionslehre auf- 
baute. Vgl. H. Kretzschmar, Peters-Jahr- 
buch 191 1 undi9i2; H. Abert, Wort und Ton 
im 18. Jahrhundert (AfMW. V, 1); H. Gold- 
schmidt, Die Musikdslhetik des 18. Jahr- 
hunderts (191 5), dazu Schering, Zeitschr. f. 
MW. I, 298; auch Margarethe Kramer, Bei- 
trdge zu einer Gesch. des Affektbegriffes in der 
Musik von 1550 — xyoo (Diss. Halle 1924). 

AffernijUgo, *i. Januan87i zu Florenz, 
in Florenz, Frankfurt a. M. und Leipzig ge- 
bildet, in Annaberg tatig, dann als Dir. am 
Verein der Musikfreunde in Liibeck, wo er 
mit seiner Frau, der engl. Geigerin Mary 
Bramner (* 2. Mai 1872) Kammermusik- 
konzerte veranstaltete, 1901 in Bad Harz- 
burg, 1905 Nachf. Liistners als Dir. der Kur- 
kapelle in Wiesbaden, kehrte 1914 nach 
Italien zuriick und lebt jetzt in Florenz. 
Schrieb : Oper Potemkin an der Donau (Anna- 
berg 1897); Klavierstiicke, Lieder. 

Affetto (ital.), Gemiitsbewegung ; con a., 
affettuoso, gemiitvoll, mit viel Ausdruck 
(und freiem Vortrag). In Buonamentes 
Sonaten vom Jahre 1636 kornmt der Aus- 
druck ,affetti 1 ' als Vortragsbezeichnung vor, 
wahrscheinlich im Sinne von tremolo. B.Ma- 
rini nennt sein op. 1 (1617), in welchem zu- 
erst das tremolo vorgeschrieben ist, Affetti 
musicali. 

Affrettando (ital.), beschleunigend, s. v. 
w. stringendo; affrettato, beschleunigt, s. v. 
w. piu mosso. 

Afrika. Die afrikanische Musik benutzt 
als Tonleiter hauptsachlich noch die penta- 
tonische Scala, die allerdings durch Inter- 
valle kleinster GroBe getriibt ist — vermut- 
lich machen sich hierEinfliissedes arabischen 
Tonsystems geltend. Das meist heterophone 
Musizieren der Afrikaner ist vor allem 
rhythmisch aufs feinste belebt, dieses 
Raffinement in der Bearbeitung von Trom- 
meln u. a. Larminstrumenten hat im Togo- 
gebiet sogar zur Ausbildung einer Trommel- 
sprache gefiihrt. Im ganzen hat Musik in A. 
noch die uralte Bedeutung des Magischen, 
Kultischen; auch das Instrumentarium hat 
noch die altesten Typen, den Musikbogen, 



die Handharfe, das Xylophon in seiner pri- 
mitivsten Form bewahrt. Vgl. J. Tier sot, 
La musique a Madagascar (Menestrel 1902) ; 
derselbe, La musique dans le continent afri- 
cain (ib. 1903); derselbe, La musique au 
Dahomey (ib. 1903); M. Hartmann, Lieder 
der libyschen Wuste (Leipzig 1900); B.An- 
ckermann, Die afrikanischen Musikin- 
strumente (1903); E. M. v. Hornbostel, 
Phonographierte tunesische Melodien (Sam- 
melb. der IMG. 1906); derselbe, Wanyam- 
wesi-Gesdnge ( Anthropos IV, 1909) ; derselbe, 
Phonographierte Melodien aus Madagaskar 
und Indonesien (1909); derselbe, Ruanda- 
Gesdnge, in: Czekanowski, Wiss. Ergebnisse 
der Dtsch. Zentral-Afrika-Exped. 1907/8 
VI/i, 1917; J. C. E. Falls, Beduinen- Lieder 
der libyschen Wilste (Kairo 1909); Bela 
Bart ok, Die Volksmusih der Araber von 
Biskra und Umgebung (Zeitschr. f. MW. II, 
1920); Rob. Lachmann, Die Musik in 
den tunisischen Stddten (AfMW. V, 2; 1923); 
G. Pesenti, Canti e ritmi arabici, somalici e 
suaheli (1910); W. Heinitz, Uber die Musik 
der Somali (Zeitschr. f. MW. II, 1920); der- 
selbe, Musikinstrumente und Phonogramme 
des Ost-Mbamlandes in Fr. und M. P. Thor- 
becke: Im Hochland von Mittelkamerun (Ab- 
handlungen des Hamburger Kolonialinst. 41 , 
1919); derselbe, Analyse eines abessinischen 
Harfenliedes (Festschrift Meinhof, 1927); J. 
Rouanet, La musique arabe en Algerie (Soc. 
int. Mus. 1905/06); M.-Th. de Lens, Sur le 
chant des moueddin et sur les chants chez les 
femmes d Meknds (Rev. de musicologie Nov. 
1924). Vgl. Agypten, Athiopische Kirchen- 
musik. tJber die sogen. Negro Folk Songs 
vgl. Amerika. 

XAfzelius, Arvid August, * 6. Mai 1785 
zu Hornborga (Westgotland), 1 25. Sept. 
1871 als Pfarrer zu Enkoping in Schweden, 
gabmitE. G. Geijer eine Sammlung schwe- 
discher Volkslieder mit Melodien heraus: 
Svenska folkvisor (1814 — 17, Neuausgabe von 
R.Bergstrom und L. Hoij er 1880) und mit 
Erik Drake Afsked af Svenska Folksharpan 
(1848), ferner Traditioner af Svenska Folks- 
dansar (1814 — 15). Vgl. A. J.Arvidson, 
Svenska Fomsanger (1834 — 42, 3 Bde.). X- 

Agazzari, Agostino, * 2. Dezember 1578 
und I 10. April 1640 zu Siena, um 1608 
Kapellmeister des deutschen Kollegs zu 
Rom, wo er 1606 durch die in wenigen Tagen 
fertiggestellte Komposition des Dramma pa- 
storale Eumelio fur das Seminario Romano 
Aufsehen gemacht hatte (eine der allerersten 
Opern iiberhaupt), doch spater wieder.in 
Siena, ist besonders angesehen wegen seiner 
kirchlichen Kompositionen : 4 Biicher Sac- 
rae cantiones 2 — 8 v. (1602 — 06, wiederholt 
aufgelegt), 6 Vesperpsalmen 3 v. und 1 Kom- 
pletorium 4 v. (1609), 8 st. Psalmen und 
Magnificat (1611), Sertum roseum 1 — 4. v. 
(1611), Celeste aurora 3 — 5 v. (1620), Dialo- 
gici concentus 6 — 8 v. (1613), Eucharislicum 
melos (1625), Sacrae laudes (1603), Litaniae 
B.M.V. 4 — 8 v. (1639), gab auch 1 Buch 6 st. 
und je 2 Biicher 5 st. und 3 st. Madrigale 
heraus. A. ist einer der ersten, welche uber 



14/ 



) 



Agelaos von Tegea — Agostini. 



die Ausfiihrung der GeneralbaBbezifferung 
Anweisungen gaben (Del suonare sopra il 
basso con tutti stromenti et uso loro nel con- 
serto, Siena 1608, auch in seinen Sacrae can- 
tiones lib. 2 1608 u. m.); auch schrieb er La 
musica ecclssiastica (1638). 

Agelaos von Tegea war nach Pausanias' 
Bericht im musikalischen Agon der Pythi- 
schen Spiele 554 v. Chr. (8. Pythiade) der 
erste Sieger als Virtuose auf der Kithara 
ohne Gesang (Kitharista). 

Agende (lat. agenda, was getan werden soil) 
heifien die Vorschriften fiir Reihenfolge und 
spezielle Gestaltung der gottesdienstlichen 
Handlungen besonders der evangelischen 
Kirche, wie sie fiir die katholische Kirche 
das Rituale bestimmt. Naheres s. in den 
beziigl. Schriften von Liliencron, Kretzsch- 
mar (1894), Rietschel, Anton, Smend, 
Spitta u. a. 

Agghazy, Carolus, * 30. Oktober 1855 in 
Budapest, Schiiler von Anton Bruckner, 
Rob. Volkmann und Liszt, konzertierte 
1882 — 88 als Pianist, war sodann Lehrer am 
Sternschen und Kullakschen Konservato- 
rium zu Berlin und Professor am Nationalkon- 
servatorium zu Budapest. A. trat als Kom- 
ponist mit ungarisch gefarbten Klavier- und 
Kammermusikwerken hervor, auch mit einer 
Oper Maritta und der Kantate Rdkoczy. 

[d'JAgincourt (spr. daschangkur), Fran- 
cois, * zu Rouen, 1714 Organist der Kgl. 
Kapelle zu Paris, f 18. Juni 1758 zu Paris, 
gab heraus Pieces de Clavecin (1733). 

Agitato (ital., spr. adsch-), aufgeregt. 

Agnelli (spr. anjelli), Salvatore, * 1817 
zu Palermo, 1 1874, Schiiler von Furno, Zin- 
garelli und Donizetti in Neapel, schrieb zu- 
erst fiir italienische Theater (Neapel und 
Palermo), ging aber 1846 nach Marseille, wo 
er die Opern: La Jacquerie (1849), Leonore 
de Midicis (1855) und Les deux avares (i860) 
und mehrere Ballette zur Auffiihrung 
brachte; auBerdem schrieb er ein Miserere, 
Stabat Mater, eine Kantate (Apotheose Na- 
poleons I., 1856 durch drei Orchester im 
Tuileriengarten ausgefuhrt). 

[d']Agnesi[-Pinottini] (spr. danj-), Maria 
Theresia, vorziigliche Klavierspielerin, 
* 1724 zu Mailand, j um 1780, komponierte 
viele Klavierwerke und 5 Opern (Sofonisbe, 
■Ciro in Armenia, Nitocri, Insubria consolata 
und 77 re pastore). Vgl. Agniez. 

Agniez (spr. angnie), Louis Ferdinand 
Leopold, gen. Luigi Agnesi, * 17. Juli 
1833 zu Erpent (Namur), f 2. Februar 1875 
in London; vortrefflicher Sanger (BaB) , 
Schiiler des Briisseler Konservatoriums, war 
Kapellmeister an der Katharinenkirche und 
Dirigent mehrerer Vereine zu Briissel, gab 
nach dem MiBerfolg seiner Oper Harmold le 
Normand (1858) die Komponistenlaufbahn 
auf, studierte bei Duprez in Paris Gesang 
und lebte dann in verschiedenen Engage- 
ments und auf Kunstreisen, die letzten Jahre 
in London als namhafter Handel-Sanger. Als 
Komponist hat er sich nur noch in Liedern, 
Motetten usw. betatigt. 

Agnus Dei (lat., Lamm Gottes), s. Messe. 



Agoge ist der griechische Ausdruck fiir 
die Niiancierung des Tempo (rhythmische 
A.). Vgl.Agogik. „„.,.,., 

Agogik, durch H. Riemanns Musikahsche 
Dynamik und Agogik (1884) eingefiihrter 
Terminus fiir die durch einen lebendigen 
Ausdruck (s. d.) bedingten kleinen Modifi- 
kationen des Tempo (auch Rubato [s. d.], 
Tempo rubato genannt). Im allgemeinen geht 
die Agogik parallel mit der Dynamik, d.h. 
ein geringes Treiben (mit crescendo) eignet 
den Auftakten, die Schwerpunktsnoten wer- 
den etwas gedehnt, und weibliche Endungen 
lenken mit abnehmender Dehnung zur Nor- 
malgeltung zuriick (diminuendo); das gilt 
besonders im kleinsten Kreise, wahrend im 
groBen oftmals die agogische Stauung, 
die gewaltsame Hemmung des Ansturms die 
Wirkung der Steigerung erhohen mufi. Vgl. 
Dynamik und Ausdruck. 

Agogischer Akzent, in der Phrasierungs- 
bezeichnung die durch A iiber der Note ge- 
forderte kleine Verlangerung des Noten- 
wertes, besonders iiber der ersten Note 
weiblicher Endungen. 

Agon (griech.), s. v. w. Wettkampf ; der 
musikahsche A. (im Gesang zur Kithara 
[kitharodischer A.] oder zum Aulos [aulo- 
discher A.] oder im virtuosen Solo-Kithara- 
spiel [kitharistischer A.] oder Solo-Aulos- 
spiel [auletischer A.]) war ein wesentlicher 
Bestandteil derFestspiele des alten Griechen- 
land, besonders der Pythischen Spiele. Vgl. 
Griechische Musik. 

Agostini, Lodovico, * 1534 und f 20. 
Sept. 1590 zu Ferrara, apostolischer Proto- 
notar und Kaplan am Hofe Alfonsos II. von 
Este, hat Madrigale [4 Biicher 6 st., 3 Biicher 
5 St., 2 Bucher 4 st.], Messen, Motetten, 
Vespern usw. geschrieben, gediegen undfein 
gearbeitete Werke, die teils zu Venedig 
(Gardano), teils zu Ancona (Landrini) ge- 
druckt wurden. 

Agostini, Mezio, * 12. Aug. 1875 zu Fano, 
erhielt 1885 — 93 seine Ausbildung durch 
seinen Vater, Mario Vitali (Klavier) und 
Pedrotti und Vanbianchi am Rossini-Lyze- 
um zu Pesaro, fiihrte 1894 — 1900 als The- 
ater-Kapellmeister an italienischen und aus- 
wartigen Biihnen ein bewegtes Wanderleben 
und wurde 1900 von Mascagni als erster Har- 
monieprofessor an das Liceo Rossini zu 
Pesaro berufen, 1909 aber als Nachfolger 
Wolf-Ferraris Direktor und erster Kompo- 
sitionslehrer am Liceo (seit 1926 Conserva- 
torio) Benedetto Marcello zu Venedig. 
Schrieb: 2 Streichquartette, 1 Sinfonie, 4 
Orchestersuiten, Klavierkonzert, 2 Klavier- 
trios (Fdurop.iy, in Paris preisgekront 
1904, und D dur op. ig), Sonate f. V. u. Kl. 
op. 46, Sonate f. Vcell. und Kl. op. 48; Kla- 
vierstiicke, Lieder, die Kantate A Rossini 
und mehrere Opern: II cavaliere del sogno, 
1897 Fano preisgekront; Alcibiade 1902; 
America 1904; Ombra 1907; Anello del 
Sogno, 3 akt. (1927/28). 

Agostini, Paolo, * ca. 1583 zuVallerano, 
f im September 1629 in Rom, Schiiler und 
Schwiegersohn von Bern. Nanini, Kapell- 



Agostini — Agricola. 



15 



meister an. verschiedenen Kirchen Roms, 
zuletzt (1627) an der Peterskirche, vorziig- 
licher Kontrapunktist, der eine grofie An- 
zahl kirchlicher Kompositionen geschrieben 
hat (bis zu 48 Stimmen), die zum Teil noch 
handschriftlich in romischen Bibliotheken 
aufbewahrt werden. Gedruckt wurden Sal- 
mi della Madonna (Magnificats und Anti- 
phonen, 1619) und 5 Biicher Messen (1627). 

Agostini, Pier Simone,*i65o( ?) zuRom, 
war herzoglicher Kapellmeister zu Parma; 
Komponist der Opern Tolomeo (Venedig 
1658 ? [Wotquenne]), Ippolita (Mailand 1670 
mit L. Busca und P. A. Ziani), La costanza 
di Rosmonda (Genua 1670), V Adalinda 
(= Gl'inganni innocenti, Ariccia 1673), 77 
ratio delle Sabine, Venedig 1680) und Flori- 
dea (mit Fr. de' Rossi und L. Busca, Vene- 
dig 1687). Auch hat er weltliche Kantaten, 
sowie Oratorien und Motetten geschrieben. 

Agrell, Johann Joachim, * 1. Februar 
1701 zu Loth (Ostgotland), f 19. Januar 
1765 zu Niirnberg; war 1723 — 46 Hofmusi- 
kus (Violinist) in Kassel, von wo aus er sich 
auch als Klaviervirtuose einen Namen 
machte, und seit 1746 Kapellmeister zu 
Niirnberg. Eine Reihe tiichtiger Klavier- 
kompositionen (Konzerte, Sonaten und Sin- 
fonien) erschienen im Druck. Die Sonaten 
A.s nehmen formell eine Mittelstellung 
zwischen Suite und Sonate ein. Vgl. K. 
Valentin, J. J. A. (Svenskl'Musiktidning 
1911). ' f 

Agrements (franz., spr. -mang), Verzie- 
rungen (s. d.). 

Agrenew ( Slav janski) , Demetrius Alex- 
androwitsch, Sanger und Dirigent der be- 
kannten Sangerkapelle, * 1838, f im Juli 
1908 in Rustschuk, studierte in Italien und 
in Paris, organisierte unter dem Namen 
Slavjanski einen Chor, mit dem er Nord- 
amerika, RuCland und auch Westeuropa be- 
reiste und Volkslieder (hauptsachlich russi- 
sche in eigenem Arrangement) zur Auffuh- 
rung brachte. Die kiinstlerische Bedeutung 
der Arbeiten A.s wurde schon 1870 von 
Tschaikowsky in Frage gestellt, der nach- 
wies, daB A. den Charakter der russischen 
Volksgesange antastete. 

Agricola, Alexander (eigentlich Acker- 
mann), oft kurzweg Alexander genannt, 
einer der hervorragendsten deutschen Kom- 
ponisten des I5.jahrhunderts, war langere 
Zeit (bis 1474) Kapellmeister zu Mailand, 
dann zu Mantua und seit 1491 Kaplan und 
Kapellsanger am Hofe Philipps I. des 
Schonen von Burgund, in dessen Gefolge er 
1505 nach Spanien ging, wo er wahrschein- 
lich zu Valladolid 1506 im Alter von 60 Jah- 
xen starb (danach ware er 1446 geboren). A. 
stand als Komponist in hohem Ansehen, so 
daB Petrucci in seinen drei altesten Samm- 
lungen (von 1501 — 03) 31 Lieder und Mo- 
tetten und 1504 einen Band Messen von ihm 
druckte (Missae Alexandri Agricolae: Le 
serviteur, Je ne demande, Malheur me bat, 
Primi toni, Secundi torn). Einige weitere 
Messen, Magnificats, Motetten und Chan- 
sons sind handschriftlich erhalten. Ein 



schemes Lied s. in Riemanns Handb. d. 
MG. II, 1 S. 192. 

Agricola, Georg Ludwig, *25,Okt. 
1643 z u GroBfurra bei Sondershausen, 1670 
Kapellmeister in Gotha, f 22. Febr. 1676 
in Gotha ; gab zu Miihlhausen 5 st. Kammer- 
sonaten fur Streichinstrumente (Musika- 
lische Nebenstunden 1670), sowie BuBlieder 
und Madrigale heraus. 

Agricola, Johann, * um 1570 zu Niirn- 
berg, | um 1605, Professor am Augustiner- 
gymnasium in Erfurt, Komponist von Mo- 
tetten, Cantiones usw., die 1601 — 11 heraus- 
kamen. 

Agricola, Joh. Friedrich, * 4. Januar 
1720 zu Dobitschen bei Altenburg, f nach 
Forkels Angabe 12. November, nach L. 
Schneider aber 1. Dezember und nach dem 
Nekrolog der Voss. Ztg. 6. Dezember 1774 
in Berlin; in Leipzig Schiller J. S. Bachs, 
1741 in Berlin Schuler von Quantz, 175 1 
Hofkomponist, 1759NachfolgerK.il. Grauns 
als Dirigent der koniglichen Kapelle. Er 
schrieb Opern und andere Werke, die jedoch 
bis auf weniges (Psalm 21 und 25, Berlin 
1759; einige Oden in Sammlungen 1753 bis 
1770; eine Sonate in Winters Musikal. 
Mancherley) ungedruckt blieben, polemi- 
sierte gegen Marpurg unter dem Pseudonym 
1 i b r i o , iibersetzte Tosis Gesangschule (A n- 
leitung zur Singkunst 1757) und war Mit- 
arbeiter an Adlungs Musica mechanica 
organoedi und Sulzers Theorie der schonen 
Kiinste. Handschriftlich erhalten sind seine 
Schulubungen im einfachen und doppelten 
Kontrapunkt. Seine Gattin Benedetta 
Emilia, geb. Molteni, (* 1722 zu Modena, 
Schiilerin Hasses, t 1780 in Berlin), war 
eine hochangesehene Sangerin und langere 
Zeit Mitglied der Berliner italienischen Oper. 
Vgl. Herm. Wucherpf ennig, J.Fr.A. 
(Berliner Diss. 1922, ungedruckt). 

Agricola, M a r t i n , eigentlich Martin S o r e , 
* 6. Januar i486 zu Schwiebus als Sohn 
eines Bauern, weshalb er sich spater A. 
nannte, f 10. Juni 1556 zu Magdeburg, einer 
der wichtigsten Musikschriftsteller des -16. 
Jahrhunderts, besonders neben Seb. Vir- 
dung eine der Hauptquellen fur die instru- 
mentale Praxis seiner Zeit, nach seiner eige- 
nen Aussage selbstwachsen musicus, trat in 
seinen Wanderjahren dem Kreise Luthers 
naher, schloB Freundschaft mit Georg Rhaw 
und lieB sich 1519/20 in Magdeburg nieder, 
wo er nach der Griindung der Schule (1524) 
wahrscheinlich bei deren Erweiterung 1527 
das Kantorat iibernahm und bis an sein 
Lebensende behielt, da die Biirgermeister- 
familie, um ihn an die Stadt zu fesseln, ihm 
freie Kost und Wohnung gewahrte. Sein 
Nachfolger wurde Joachim Bonus. Seine 
Werke sind Eyn kurtz- deudsche Musica 1528 
(2. Auflage als Musica choralis deudsch 1533), 
Musica instrumentalis deudsch in Knittel- 
versen (1528, 1530, 1532, 1542, 1545 [Neu- 
ausgabe der 1. und 4. Fassung in Bd. 20 der 
Publikationen EitnersJ, eine Uberarbeitung 
von Virdungs Musica getutscht (mit denselben 
Abbildungen), Musica figuralis deudsch 1533 



16 



Agricola — Ahle. 



rait einem selbstandigen Anhang Von den 
Proporcionibus , auf Gafori fuBend, aber mit 
wertvollen Zusatzen und Beispielen durch- 
setzt; Rudimenla musices 1539, Scholia in 
musicam planam Wenceslai Philomathis 1540, 
Ein Sangbiichlein alley Sonntags-Evangelia 
(Magdeburg 1541), Quaestiones vulgariores in 
musicam 1543. A. war der erste Theoretiker, 
der sich der Sprache Luthers bediente, wurde 
aber leider von Wittenberg aus ( !) veranlaBt, 
sie wieder aufzugeben. Kompositionen von 
ihm enthalten die Hymni aliquot sacri des 
Georg Thymus 1552, sowie die nach seinem 
Tode herausgegebenen Melodiae scholasticae 
(r 5 57 , 1567, 1578, 1584; Neudruck von 
A. Priifer 1890), eine Sammlung von Hym- 
nen und Motetten, und die Duo libri musices 
1561 (ca. 50 hochst eigenartige Instrumen- 
talsatze z. T. uber protestantische Chorale). 
EinigehandschriftlicheMotetten sind inLiine- 
burg, Rostock, Zwickau und Leipzig (Tho- 
masschule) erhalten. Proben s. bei B. En- 
gelke, Geschichte der Musik im Dom zu 
Magdeburg (Magdeburg 19 14). 

Agricola, Wolfgang, Christoph, Ma- 
gister zu Neustadt a. d. Saale (Franken), gab 
1647 zu Wiirzburg heraus: Fasciculus musi- 
calis (8 Messen) und 1648 Fasciculus varia- 
rum cantionum (2 — 8st. Motetten). Ein geist- 
liches deutsches Liederbuch Musikalisches 
W aldvoglein ist nur in einer Ausgabe von 
1700 bekannt. 

Agthe, Wilhelm Johann Albrecht, Sohn 
von K. Chr. A., * 14. April 1790 zu Ballen- 
stedt, j 8. Oktober 1873 in Berlin, 1810 Mit- 
glied des Gewandhausorchesters und Musik- 
lehrer in Leipzig, 1823 Musiklehrer zu Dres- 
den, 1826 zu Posen (wo Theodor Kullak sein 
Schiiler war), durch die politischen Unruhen 
1830 nach Breslau verscheucht, 1832 in Ber- 
lin, wo er bis 1845 ein eigenes Musikinstitut 
leitete. A. hat eine Anzahl Klavierkom- 
positionen gediegener Richtung herausge- 
geben. 

Agthe, Friedrich Wilhelm, * 1796 zu 
Sangerhausen, f (seit 1828 geistig gestort) 
19. August 1830 zu Sonnenstein bei Pirna, 
Schiiler von Aug. Eberh. Miiller und Aug. 
Riemann in Weimar und Th.Weinlig in 
Dresden, war 1822 — 28 Kantor an der 
Kreuzschule. (Vgl. Vierteljahrsschrift f. 
MW. X, S. 390 [Held]). 

Agthe, Karl Christian, * 16. Januar 
1762 zu Hettstedt (Mansfeld), |27.Novbr. 
1797 als furstl. Hoforganist zu Ballenstedt; 
war bereits mit 14 Jahren 1776 — 82 Musik- 
direktor der Hiindelbergerschen Truppe in 
Reval, die dort 4 Singspiele und 1 Ballett 
von ihm auffuhrte (ein funftes Singspiel 1779 
in Petersburg), und wurde 1782 Hoforganist 
in Ballenstedt, wo er aufier den alteren noch 
ein sechstes Singspiel zur Auffiihrung brachte 
(vgl. H. A.Reichards Gothaisches Taschen- 
buch f. d. Schaubiihne 1778). Auch gab er 
zwei Hefte Lieder (1782, 1784) und 6 Kla- 
viersonaten (davon eine zu 4 Handen) her- 
aus. A. war einer der allerersten Kompo- 
nisten von Goethes Erwin und Elmire (1776). 

Agthe, Rosa, s. v. Milde. 



)(Aguado y Garcia (spr. aguao), Dionisio, 
beriihmter Gitarrevirtuose, * 8. April 1784 
und j 29. Dezember 1849 zu Madrid; gab 
1825 eine Methode des Gitarrespiels heraus, 
die drei spanische und eine franzosische 
Ausgabe (1827) erlebte, sowie verschiedene 
Kompositionen fur Instrument (Studien, 
Rondos usw.). Ausgewahlte Werke, hrsg. 
von H. Tempel, erschienen 1926 bei Schott. 
Aguilar (spr. agilar), Emanuel Abraham, 

* 23. August 1824 zu Clapham (London), 
j 1 8 . Februar 1904 zu London, spanischer 
Abkunft, trat 1848 als Pianist mit Erfolg im 
Gewandhause in Leipzig auf und lebte so- 
dann als angesehener Lehrer in London. Als 
Komponist machte ,er sich bekannt u. a. 
durch 2 Opern, 3 Kantaten, 3 Sinfonien, 2 
Ouvertiiren und eine Reihe Kammermusik- 
werke (je ein Klavier-Septett, -Sextett und 
-Quartett, 2 Streichquartette usw.). 

Aguirre, Julian, Pianist und Komponist, 

* 1869 und j im Oktober 1924 zu Buenos 
Aires, studierte am Madrider Konservato- 
rium unter Karl Beck (Kl.) und Emilio 
Arrieta (Harm.), wurde nach seiner Riick- 
kehr nach Argentinien Sekretar und Lehrer 
am Konservatorium von Buenos Aires. Seine 
ersten Kl.-Stiicke (Barcarola, Idilio, Rapso- 
dia espanola) zeigen spanischen EinfluB ; 
seine spateren Werke zwei Stile: Aires criol- 
los, Aires populares, Trisles argentinos und 
Aires nacionales sind rein argentinisch, wah- 
rend Loin, Romanza, 5 Mazurkas und Las 
Intimas den EinfluB der franzosischen Schule 
verraten. Er veroffentlichte ferner: Sonate 
f. V. und Kl.; Ballade und Nocturne f. V.; 
Sonate f . Vc. und Kl. 

Agujari, Lucrezia, phanomenale Sange- 
rin, * 1743 zu Ferrara, j" 18. Mai 1783 zu 
Parma, bekannt unter dem Namen La Ba- 
stardella. AuBer Italien (Florenz, Mailand 
usw.) versetzte sie auch 1775 London in 
Ekstase; 1780 zog sie sich von der Buhne 
zuriick und vermahlte sich mit dem Kapell- 
meister Colla zu Parma. Der Umfang ihrer 
Stimme nach der Hohe war fast unglaublich; 
sie trillerte noch auf dem dreigestrichenen 
/ und sang das viergestrichene c. Vgl. Mo- 
zarts Brief vom 24. Marz 1770 sowie Jahn- 
Abert, Mozart I, 183. 

Ahle, Joh. Georg, Sohn und Schiiler 
von J. R. A., * 165 1 (getauft 12. Juni) und 
I 2. Dezember 1706 in Miihlhausen a. d. 
Unstrut; wurde seines Vaters Nachfolger als 
Organist, avancierte auch spater zum Stadt- 
rat und erhielt vom Kaiser Leopold I. die 
Dichterkrone (poeta laureatus). Eine Art 
Kompositionslehre in 4 Teilen ist das Musi- 
kalische Frilhlings-, Sommer-, Herbst- und 
W inter gesprach (1695 — 1701). Auch die von 
ihm besorgte 4. Auflage von seines Vaters 
Anleitung zur Singekunst (1704) enthalt wert- 
wolle theoretische Ausfuhrungen. Seine 
praktischen Werke eroffnen die Geisilichen 
Andachten (1671). Dem Vorbilde von Mi- 
chael Pratorius folgte er mit dem Zyklus 
Unstruhtische Terpsy chore (Tanzstiicke), Un- 
struhtische Mayenlust (4 Teile: Klio 1676, 
Kalliope 1677, Erato 1677, Euterpe 1678; 



Ahle 



Aich. 



1. 



historisch-theoretische Betrachtungen nebst 
einigen Kompositionen), Unstruhtische Mel- 
pomene (Bet-, BuB- und Sterbelieder usw. 
1678), Unstruhtische Polyhymnia (Lob- und 
Danklieder 1678), Unstr. Thalia (4 st. Geigen- 
spiele 1679), Unstr. U>am'a(Lenz-undLiebes- 
lieder 1679). Dazu kommen noch ein Un- 
struhtischer Apollo (Fest-, Lob-, Dank- und 
Freudenlieder 1681), Instrumentalische Frilh- 
lingsmusik (1675/76) und Anmutige zehn 
vierstimm. Violdigamben-Spiele (1681). Theo- 
retischen Inhalts ist noch Unstruthia (Musi- 
kalische Gartenlust 1687). Leider scheinen 
viele seiner Werke ganz verloren zu sein. 

Ahle, Joh. Rudolph, * 24. Dezbr. 1625 
und t 9. Juli 1673 zu Muhlhausen i.Th., 
1646 Kantor in St. Andreas in Erfurt, 1654 
Organist an St. Blasien zu Muhlhausen, da- 
neben 1656 Ratsmitglied und 1673 sogar 
Burgermeister. Seine Hauptwerke sind: 
Geistliche Dialoge (mehrst. Gesange, 1648); 
3 — 5 st. Kammersonaten Das dreifacheZehen, 
(1654 [verloren?]); Geistliche Arien 1 — 5 st. 
mit instr. Ritornellen, 5 Teile zu je 10, 
(1660 — 69); Chormusik 5 — 8 st. Motetten 
mit B.C. (1668), Geistl. Chorstucke (1664, 5 — 8 
v.), Geistliche . . . Andachten (zum Teil mit 
Ritornellen, 4 Teile 1662, 1664, 1668 und 
[nachgelassen] 1673), Thiiringischer Lust- 
garten (3 Teile, 1657 — 65, geistliche Konzerte 
mit 3 — 20 Vokal- und Instr.-Stimmen) nebst 
Nebengang (1663) und Musikalische Friih- 
lingslusti — 3 st. mit B. c, (1666), auch zwei 
theoretische Werke : Compendium pro tenellis 
(1648; 2. Aufl. 1673 als : Brevis et perspicua 
introductio in artem tnusicam 3. und 4. Aufl. 
1690 und 1704 als: Teutsche kurtze und deut- 
liche Anleitung usw.) und De progressionibus 
consonantiarum (o. J.). Eine Auswahl seiner 
Gesangskompositionen gab Joh. Wolf in 
den-EWT. heraus (5.Bd. mit einem vollst. 
Verzeichnis der Werke A.s.). Vgl. auch 
Joh. Wolf, J.R.A. (Sammelb. der IMG. 
I, 3 [1902]). 64 Orgelstiicke (Choralbearbsi- 
tungen, Tokkaten, Praludien und Fugen) 
von A. besaB hahdschriftlich E. von Werra. 

Ahlstrom (spr. 61-), Olof , * 14. Aug. 1756, 
1 11. Aug. 1835 a l s Organist an der Jakobs- 
kirche zu Stockholm, veroffentlichteKlavier- 
sonaten und Violinsonaten sowie die Sam- 
melwerke Musikaliskt Tidsfordrif und Skal- 
{_(? destyfken, die auch Lieder von A. selbst ent- 
halten. Die Klavierbegleitung der Lieder 
C. M. Bellmans stammt von A. 

Ahlstrom, Jakob Niklas, *5. Junii8os 
zu Wisby in Schweden, f 14. Mai 1857 
zu Stockholm, Komponist von Opern (Al- 
fred der Grofie, Abu Hassan), Schauspiel- 
musiken, Liedern usw., auch Herausgeber 
eines Musikal, Taschenbuches und einer 
schwedischen Volksliedersammlung (mit P. 
C. Boman). 

Ahlstrom, Johann, Alfred, * 1. Januar 
1833 und | 26. Marz 1910 in Stockholm; 
Mannergesangskomponist. 

[De] Ahna, Eleonore, Schwester von 
H. de A., * 8. Januar 1838 zu Wien, Schii- 
lerin von E. Mantius, vortreffliche Sangerin 

Riemann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



(Mezzosopran), starb schon 10. Mai 1865 in 
Berlin als Sangerin an der Kgl. Oper. 

[De] Ahna, Heinrich Karl Hermann, 
* 22. Juni 1835 zu Wien, f I.November 
1892 in Berlin, Schiiler von Mayseder in 
Wien, sodann am Prager Konservatorium 
von M. Mildner weitergebildet, trat schon 
im Alter von 12 Jahren zu Wien, London 
usw. als Violinvirtuose auf, wurde 1849 vom 
Herzog von Koburg-Gotha zum Kammervir- 
tuosen ernannt, lieB aber trotz guten Er- 
folgs wieder von der Musik und trat 1. Ok- 
tober 1 85 1 als Kadett in die osterreichische 
Armee, wurde 1853 Leutnant und machte 
den italienischen Feldzug 1859 mit. Nach 
dem FriedenschluB erwachte die Liebe zum 
Kunstlerberuf aufsneue, ernahm seinen Ab- 
schied, machte Kunstreisen durch Deutsch- 
land und Holland und lieB sich 1862 in 
Berlin nieder, zunachst alsMitglied der Kgl. 
Kapelle. 1868 wurde er Konzertmeister und 
1869 Lehrer an der Kgl. Hochschule fur 
Musik. A. war nicht allein ein guter Vir- 
tuose, sondern auch ein vortrefflicher Kam- 
mermusikspieler (mit dem Joachim- Quar- 
tett). 

Ahner, Bruno, * 7. August 1866 zu Dres- 
den, Schiiler des dortigen Konservatoriums 
(Rappoldi,Wullner),Violinvirtuos; 1884 Kon- 
zertmeister in Frankfurt a. M., 1885 unter 
Mottl in Karlsruhe, 1893 in Schwerin, 1901 
unter Richter an der Wiener Hofoper, seit 
1902 an der Munchner Hofoper, zeitweilig 
auch Fuhrer eines Streichquartetts. 

Aibl, Josef, Musikverlag zu Miinchen, 
gegriindet 1824, Inhaber von 1836 — 84 
Eduard Spitzweg (Freund H. von Bii- 
lows), dann dessen Sonne Eugen und Otto 
Spitzweg. Im Jahre 1888 wurden von 
diesen samtliche Verlagsrechte der Firma 
Falter & Sohn und im Jahre 1892 ebenso 
die der Firma Alfred Lauterer iiber- 
nommen. 1904 ging der Verlag an die 
Universal-Edition in Wien iiber. 

Aiblinger, Joh. Kaspar, * 23. Febr. 1779 
zu Wasserburg am Inn, j 6. Mai 1867 in 
Miinchen; machte musikalische Studien zu 
Miinchen und 1802 bei Sim. Mayr zu Ber- 
gamo, lebte 1803 — 1811 zu Vicenza, dann in 
Mailand als zweiter Kapellmeister des Vize- 
konigs, kehrte 1819 aus Italien zuriick und 
wurde bald darauf Maestro der italienischen 
Oper und 1826 Kapellmeister in Miinchen. 
1833 war er wieder in Bergamo. Seine 
Kirchenkompositionen sind wertvoll(Messen, 
Litaneien, Requiems, Psalmen, Offertorien, 
Marienlieder [Texte von Gorres] usw.). 
Weniger Gliick hatte er mit der Oper 
Rodrigo und Ximene (Miinchen 1821), der 
Farsa ha burla fortunata (I due prigionieri, 
Venedig 18 11), und den Balletten La 
spada de Kennet, Bianca und 2" Titani 
(Mailand 1818— 1819). Vgl. P. Hotzl, 
Zum Geddchtnis A .s (1867) und G. Gorres, 
Willkommen, gesungen dem Kapellmeister 
K. A. von seinen Freunden (1843). 
XAich, Arnt von, Buchdrucker in Koln, 
der 1 5 19 (?) ein vierstimmiges Liederbuch 
mit 75 Stucken herausgab, alle anonym. 

2 



18 



Aichinger — Akademie. 



t<cn~vi .^s" 



Aichinger, Gregor, * 1564 zu Regens- 
burg, f 2iJ*ebF] 1628 als Domchorvikar 
und Kanonikus an St. Gertrud in Augsburg, 
1578 Student in Ingolstadt, trat als Organist 
an St. Ulrich und Afra in den Dienst von 
Jakob Fugger in Augsburg und machte 
1584—87 Studienreisen nach Italien (nach 
Venedig zu G. Gabrieli und nach Rom). 
Er ist einer der formreichsten und durch- 
gebildetsten Meister der siiddeutschenSchule 
der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts; 
der, wenn er auch keine monodische Musik 
geschrieben hat, dennoch von den Problemen 
der „Ausdrucksmusik" bereits erfafit war. 
A.s Hauptwerke sind: drei Biicher Sacrae 
cantiones (I. 1590 [4—10 v.] zu Venedig. 
II. 1595 [4 — 6 v.] zu Venedig [darin 4St. 
Ricercari], III. 1597 [5—8 v.] zu Nurnberg). 
Cantiones ecclesiasticae 3 — 4 v. c. B. g. 
(1607, mit deutscher Erklarung der General- 
baBbezifferung [abgedruckt bei Metten- 
leiter, Musihgeschichte derOberpfah S. 30]), 
Cantiones 2—5 v. c. B. g. (1609). Fasci- 
culus sacr. harm. 4 v. (1606, mit 3 Ricercari), 
Lacrumae D. Virginis et Johannis 5 — 6 v. 
(1604 u. 6.), Tricinia Mariana (1598), 
Divinae laudes 3 v. (2 Teile i6o2[i6o9], 
1608), Sacrae Dei laudes (1609 2 Teile, 
I. 2 — 8 v., II. 2 — 5 v. mit 5 Kanzonen). 
Quercus Dodonea 3 — 4 v. (1619), Odaria 
lectissima 4 et 3 v. (1601 [161 1]), Officium 
angeli custodis 4 v. (1617), Officium pro 
defunctis 5 v. (161 5), Missae 5 v. (1606). 
drei 4— 6st. Messen (1616), Magnificat 5 v. 
(1603), Virginalia (Laudes V . M . j v. l6oy). 
Vulnera Christi 4 et 3 v. (1606 — 07), Sacra 
officia 4 v. (1603), Teutsche Gesenglein 31;. 
(1609, 21 Kirchenlieder), Ghirlanda di can- 
zonette spirituali 3 v. (1603), Flores musici 
ad mensam SS . convivii 5 v. (1626, mit 2st. 
Symphoniae) usw. Eine Auswahl der Werke 
A.s brachten die DTB. X. 1 (Kroyer, 
mit ausfiihrlicher Biographie und Verzeich- 
nis der Werke). 

Aigner,Engelbert, * 23. Febr. 1798 und 
•(•1851 inWien, Schiller desAbtStadler, iiber- 
nahm seines Vaters Eisenhandlung, gab sie 
aber 1835 voriibergehend wieder ab und war 
bis 1837 Ballettdirigent der Hofoper. 1842 
zog er sich ins Privatleben zuriick. A. war 
als Kirchenkomponist geschatzt (Messen 
[eine 4st. kanonische a cappella\ Requiems. 
Motetten), schrieb aber auch Opern, Ope- 
retten, Ballette und Kantaten. 

Aimo s. Haym. 

Aimon(spr. among), Pamphile Leopold 
Francois, Komponist und Schriftsteller, 
* 4. Sept. 1779 zu L'Isle bei Avignon, 
j 4. Febr. 1866 in Paris, Schuler seines 
Vaters, des Cellisten Esprit A., dirigierte 
bereits 1796 das Theaterorchester in Mar- 
seille, ging 1 8 17 nach Paris, wurde 1821 
Dirigent des Gymnase dramatique und 
1822 Kapellmeister des Theatre Francais, 
zog sich aber spater zuriick und widmete 
sich der Lehrtatigkeit. Mit seiner Bear- 
beitung von Duni's La Fee Urgele (1821) 
hatte er groBen Erfolg. A. hat zahlreiche 
Kammermusikwerke und mehrere Sinfonien 



hinterlassen und schrieb Connaissances pre- 
liminaries de riiarmonie (1813, 2. Aufl. 1839), 
Sphere harmonique (1827), Abecedaire mu- 
sical (1831, 11. Aufl. l866)._ 

Air (franz. und engl., spr. ar), Arie, Lied, 
Melodie; A. de danse, Tanzstiick. In 
Suiten, Partiten, franz. Ouvertiiren ist Air 
(A. allegro, A. andante, A. presto usw). 
haufig als Uberschrift von Satzen, die 
keinem der Tanztypen entsprechen, aber 
auch durchaus nicht gesangsmaBig angelegt, 
sondern rein instrumental erfunden sind. 

Aird (spr. erd), James, Musikverleger in 
Glasgow, | 1795, gab u. a. seit 1778 ein 
Sammelwerk heraus Selection of Scotch, 
English, Irish and foreign Airs (Heft 1 — 4); 
zwei weitere Hefte brachte nach A.s Tode 
sein Geschaftsnachfolger John M'Fadyen). 
Heft 1 enthalt zuerst das Yankee Doodle. 

Airs de differents auteurs, groBe Samm- 
lung 2 st. Lieder franzosischer Autoren, 
welche die Firma Ballard von 1658 bis 1694 
in 38 Teilen herausgab. 

Airs.serieux et a boire. Recueil d' . Titel 
einer von der Firma Ballard in Paris, be- 
ginnend 1662 bis weit ins 18. Jahrhundert 
hinein herausgegebenen groBen Sammlung 
ernster und heiterer Gesange fiir 1—3 
Stimmen mit GeneralbaB von den ver- 
schiedensten franzosischen Autoren. Vgl. 
Chansons. 

Ajofrin s. Cancionero musical. 
XAkademie hieB ein Platz im alten Athen, 
auf welchem Platon seine Schuler versam- 
melte und ihnen Vortrage hielt; der Name 
ging dann auf Platons Schule uber und 
wurde 1470 von einer am Hofe Lorenzos 
von Medici zu Florenz sich bildenden Ge- 
lehrten- und Dilettantengesellschaft neu 
aufgegriffen, die sich Platonische A . nannte. 
Seitdem entstanden in Menge Gelehrten- und 
Kiinstlergesellschaften, die den Namen A. 
annahmen (Accademia Pontaniana zu Nea- 
pel, A. delta Crusca [1582], A. degf Elevati 
[1607 M. da Gagliano] und A . dei Filarmonici 
in Florenz, A. dei Gelati [1588], A. dei Con- 
cordi [1615], dei Filomusi [1622], A. dei Fila- 
schisi [1633] und A . dei Filarmonici [1675] in 
Bologna, degli Arcadi in Rom, degliOcculti in 
Padua, degV Erranti in Brescia, degf Eccitati 
in Bergamo, degli Olimpici in Venedig, dei 
Filarmonici in Verona, dei Filomeli und 
Armonici intronati in Siena, degf Intrepidi, 
della Morte und dello Spirito Santo in 
Ferrara usw.). Vgl. Rolland, Hist, de 
I' 'opera S. 63 ff. Die Mehrzahl dieser Aka- 
demien waren zugleich Vereine fiir regel- 
maBige Musikauffiihrungen und stehen als 
solche in Parallele mit den Collegia Musica; 
daher ist in Italien accademia (spr.-demia) 
noch heute s. v. w. Konzert. — Unsere 
heutigen Akademien sind wissenschaftliche 
Staatsinstitutionen, so die Akademien zu 
Paris und zu Berlin und Wien. Die Pa- 
riser A. (Institut de France) zerfallt in 
die Academie francaise (A. fiir franzosische 
Sprache und Literatur), die A. des inscrip- 
tions et belles-lettres (fiir Geschichte, Ar- 
chaologie und klassische Literatur), die 



Akademie — Akklaraationen. 



19 



A. des sciences (fur Naturwissenschaften), 
die A. des beaux-arts (A. der Kiinste) und 
die A . des sciences morales et politiques 
(Rechte, Volkswirtschaft usw.). Die A. des 
beaux-arts ist reich dotiert und hat all- 
jahrlich eine Anzahl ansehnlicher Preise 
zu vergeben; die Musikwissenschaft ver- 
dankt den Preisaufgaben dieser A. manche 
Forderung. Die Berliner A. der Kiinste 
ist eine staatliche Institution, zu deren 
Dependenzen die Akademischen Meister- 
schulen, die Hochschule fur Musik und 
das Institut fiir Kirchenmusik gehdren 
(vgl. Konservatorium). Auch die Kgl. A. 
zu Brussel hat eine Abteilung fiir die 
Kiinste. In Boston besteht seit 1780 eine 
A. der Kiinste und Wissenschaften. Eine 
A. der Kunstwissenschaften besteht seit 
1921 inMoskau; ihrZweck ist das Studium 
der Kiinste vom soziologischen, psycho- 
logischen und philosophischen Standpunkt 
aus. Die musikalische Sektion, erst unter 
Vorsitz von L. Sabanejeff (s. d.), jetzt 
von G. Conus, besteht aus 12 Mitgliedern 
und zerfallt in zwei Abteilungen, fur Theorie 
und Geschichte der Musik. Bisher verof- 
fentlichte die Akademie ein Sammelwerk 
Die Kunst, in dem sich auch wertvolle mu- 
sikalische Beitrage befinden; ferner eine 
3 bandige Sammlung musikgeschichtlicher 
Materialmen. Der Akademie angegliedert ist 
die Association fur zeitgenossische Musik. 
— Im weiteren Sinne versteht man jetzt 
unter Akademien hohere Bildungsanstalten 
aller Art, besonders die Universitaten, dann 
aber auch Hochschulen fiir einzelne Facher. 
Unter die Akademien dieser Art gehoren 
auch die Konservatorien (s. d.), von 
denen indes nur wenige den Namen A. 
fiihren (Royal A cademy of Music in London, 
Kullaks Neue A. der Tonkunst in Berlin 
[1885 — 90], das Akademische Institut fur 
Kirchenmusik zu Breslau, die A. der Ton- 
kunst in Miinchen,. die A. fiir Musik und 
darstellende Kunst in Wien usw.). — Auch 
Konzertgesellschaften ( Singakademien !) und 
Opernunternehmungen haben den Namen 
A. angenommen. So war die Academy of 
Ancient Music (1710 — 1792) in London eine 
Konzertgesellschaft zur Pflege alter Musik, 
die Academic (nationale, imperiale, royale, 
je nach dem jeweiligen Regierungssystem) 
de musique zu ; Paris ist nichts andres als die 
seit 1669 bestehende Grofie Oper, von der 
seinerzeit (1784) mit einer Operngesang- 
schule die Keime des jetzigen Pariser 
Konservatoriums gelegt wurden, und die 
Academy of Music zu Neuyork ist sogar 
nur das Opernhaus, das iiberwiegend 
Konzertzwecken dient. In Miinchen fiihren 
noch heute die Abonnementskonzerte des 
Staatstheater-Orchesters im Odeon den Na- 
men Musikalische A. Bekannt ist die auch 
unter Handel bluhende Italienische Oper 
zu London unter dem Namen Academy. 
Vgl. Cacilia und Lyceum. Vgl. Al. Canob- 
bio, Breve trattato . . . sopra, le Academie 
(Venedig 1571), J. C. C. Olrichs, Histo- 
rische Nachricht von den akademischen Wilr- . 



den in der Musik und offentlichen Musika- 
lischen Akademien (Berlin 1752). Vgl. auch 
Grade (akademische). 

Akathistos, Name einer der beriihmtesten 
byzantinischen Hymnen zu Ehren der 
Mutter Gottes fiir die dreifache Befreiung 
Konstantinopels von den Barbaren. Man 
schrieb diese Hymne dem Georg Pisides, 
Chartophylax der Hagia Sophia unter 
Heraklios, und dem Patriarchen Sergios zu 
(610 — 638), und sie soil 626 komponiert 
und zum erstenmal gesungen worden sein. 
Ihr Thema ist das Mysterium der Ver- 
kiindigung und der Inkarnation ; den Namen 
A. fiihrt sie von dem Umstand, daB sie 
,,nicht sitzend", also stehend gesungen 
wurde. Der A. enthalt 24 Strophen in 
alphabetisch-akrostichischer Reihenfolge. In 
der Liturgie wurde er fur den Samstag der 
5. Fastenwoche bestimmt, der von ihm 
den Namen 21d§§azov zov axa%Haiov tiftvoil er- 
hielt. Vgl. Officio dell'' Inno Acatisto (Rom 
1903), ferner die Sammlungen von Pitra, 
Christ und Paranikas, sowie Nilles, 
Kalendarium Manuale II. 

a Kempis s. Kempis. 

Akerberg (spr.oker-), Erik Carl Emanuel, 
* 19. Jan. i860 in Stockholm, Kantor der 
Deutschen Kirche (1889 — 92), Organist der 
Synagoge(i89o), 1895 — i924Musiklehrer am 
Norrmalm-Gymnasium, sowie Dirigent der 
Philharmonischen Gesellschaft (1900 — 03), 
des Bellmans-Chores (1889) u. a. Chorverei- 
nigungen in Stockholm, komponierte groBere 
Chorwerke (Prinsessan och Svennen, Torn- 
rosas saga, Flygande Holldndaren, Foran 
Sydens Kloster, Der Barde, Skogsraet u. a..), 
Orchester- und Kammermusikwerke, Kla- 
vierstiicke und Lieder, auch eine Oper 
Turandot (1907, nicht aufgefuhrt). Er 
schrieb Das Musikleben in Par Bricole 

(I9I3)- 

Akimenko, Feodor Stepanowitsch, * 
20. Febr. 1876 zu Charkow, Schiiler von 
Balakirew (1886 — 95) in der Petersburger 
Hofsangerkapelle und von Rimsky-Kor- 
ssakow (bis 1900) am Petersburger Konser-. 
vatorium, war einige Zeit Lehrer an der 
Hofsangerkapelle, lebte 1903 — 06 im Aus- 
lande (Frankreich), dann in Moskau und 
war seit 1915 Professor am Petersburger 
Konservatorium, wo er, nach einer Pariser 
Episode, noch heute wirkt. A. trat als 
Komponist hervor mit Orchestersachen 
(Lyrisches Poem, Konzertouvertiire), Kam- 
mermusik (Streichtrio, Cellosonate, Violin- 
sonate), Klaviersachen, Liedern und Choren 
(iiber 60 Werke). 

Akklamationen (griech. etwwvtjois oder 
7iQoacpti>irri<u<;), urspriinglich Zurufe einer 
Menge, die begriifit oder begliickwiinscht; 
ein Brauch, der, schon in vorchristlicher 
Zeit iiblich, von der Kirche aufgenommen 
wurde, wie z. B. Allelujah, Amen, Dominus 
vobiscum, kyrie eleison. 

Eine bestimmte Art der A. waren die 
Zurufe, die im Zirkus von den Blauen und 
Griinen dem byzantinischen Kaiser galten, 
und dann ins Hofzeremoniell ubergingen. 

2* 



20 



Akkompagnement — Akustik. 



Da sie meist mit den Worten „Lange Zeit 
lebe der Kaiser" iiblich waren, werden sie 
auch Polychronion genannt. Spater 
werden diese A., deren Musik vielfach 
erhalten ist, auch zur BegriiBung der 
Metropoliten und anderer hoher geistlicher 
Wiirdentrager der griechischen Kirche kom- 
poniert. Diese Sitte hat sich auf dem 
Balkan und in RuBland bis zur Gegenwart 
erhalten. Vgl. H. I. W. Tillyard, The 
Acclamations of Emperors in: Byz. Ritual. 
Annual of the Brit. School of Athens, 
Nr. 18. 

Akkompagnement (Accompagnement, 
franz., spr. akongpanj'mang, ital. Accom- 
pagnamento, ,,Begleitung"j heiBt in Stiicken 
fiir Soloinstrumente, oder Gesang der nicht 
solistische Instrumentalpart, bei Konzert- 
stiicken der Orchesterpart, bei Liedern mit 
Klavier der Klavierpart usw. Akkom- 
pagnieren, begleiten; Akkompagnateur 
Akkompagnist), Spieler des Akkom- 
pagnements, besonders der Klavierspieler, 
der einen Sanger oder Instrumentalsolisten 
begleitet. Im GeneralbaBzeitalter (17. 
bis 18. Jahrhundert) hatte der Cembalist 
oder Organist aus der bezifferten (oder auch 
nicht bezifferten) BaBstimme von Ensemble- 
werken aller Art ein vollstandiges A. zu 
entwickeln, was natiirlich eine griindliche 
Schulung und groBe Schlagfertigkeit erfor- 
derte. Als um 1760 Joh. Schobert die 
Violinsonaten und Trios mit obligatem 
Klavier in Aufnahme brachte, bezeichnete 
er im Gegenteil die Streichinstrumente als 
akkompagnierende (oder ad libitum), um 
die fiihrende Rolle des Klaviers hervorzu- 
heben, was viele sofort nachahmten (z. B. 
anfanglich auch Mozart). Eine besondere 
Gattung bilden aber solche Werke mit 
,,akkompagnierenden" Streichinstrumenten 
nicht, sondern sind der Anfang der wirk- 
lichen Klavier-Ensemblemusik. Vgl.H.Rie- 
manns Einleitung zu der Mannheimer 
Kammermusik (DTB. XV und XVI). 

Akkord (ital. accordo, engl. chord, v. lat. 
chorda, Saite), 1) der Zusammenklang meh- 
rerer Tone verschiedener Hohe; mit der Er- 
klarung des Sinnes der verschiedenen mog- 
lichen Akkord e beschaftigt sich die Harmo- 
nielehre (s. d.). Vgl. Durakkord, Moll- 
akkord, Konsonanz, Dissonanz. — 2) franz. 
accord, Stimmungsweise (abweichende), s. 
Scordatura. Accord a Vouvert hieB ein A., 
der auf den alteren saitenreichen Streich- 
instrumenten, wie z. B. der Gambe, durch 
lauter leere Saiten hervorgebracht wurde. 
— 3) Im 15. — 17. Jahrhundert s. v. w. ein 
Chor von Instrumenten derselben Familie, 
aber von verschiedener GroBe, auch ein 
Stimmwerk genannt, z. B. ein Quartett von 
Floten oder Krummhornern oder Posaunen 
usw. Die meisten Instrumente wurden da- 
mals in drei oder vier verschiedenen Dimen- 
sionen und Tonlagen gebaut, so daB es mog- 
lich war, ein- und mehrstimmige eigentlich 
fiir vier Singstimmen a cappella geschriebene 
Tonstiicke durch ein Ensemble von Instru- 
menten gleicher Gattung zur Ausfuhrung zu 



bringen (wenn auch evtl. in transponierter 
Tonlage, die zu Anfang des 17. Jahrhunderts 
ofter durch alia quarta alta angedeutet ist). 
Vgl. Instrumentalmusik. 

Akkordion s. v. w. Ziehharmonika (s. d.). 

Akkordpassage, s. v. w. Arpeggio, figu- 
rierter Akkord, d. h. ein schneller Gang 
durch die Tone eines Akkords, im Gegensatz 
zu den sich stufenweise fortbewegenden 
Tonleiterpassagen . 

Akoluthia, Name fiir die Anordnung des 
griechischen Gottesdienstes, entspricht dem 
abendlandischen cursus und officium. 

Akt (ital. Atto, span. Auto), s. v. w. Hand- 
lung, gewohnliche Benennung der Haupt- 
teile dramatischer Werke (Dramen, Opern, 
Ballette, auch wohl Oratorien, fiir welche 
aber der Ausdruck Teil gebrauchlicher ist.) 
Die einzelnen Akte des Buhnenwerkes wer- 
den durch Fallen des Vorhangs und eine 
langere Unterbrechung (Pause) voneinander 
geschieden. Oftmals teilen sich die Akte noch 
in Bilder, d. h. Hauptszenen mit Dekora- 
tionswechsel, die durch kiirzere Pausen und 
Fallen des Zwischenvorhanges geschieden 
sind. Die Zahl der Akte variiert nur zwischen 
1 und 5, die der Bilder ist natiirlich meist 
grofier. Vgl. Auto. 

#f Akustik (griech.), 1) dem Wortsinne nach 
die Wissenschaft des Horbaren, d. h. die 
Lehre von der Natur des Schalles, den Be- 
dingungen seiner Fortpflanzung,sowie schlieB- 
lich seiner Wahrnehmung durch das Ohr. 
Man unterscheidet physikalische A. und 
physiologische A., welch letztere speziell die 
Lehre von den Schallempfindungen be- 
handelt. Die musikalische A. hat es nur 
mit einem Teile der Untersuchungen der A. 
zu tun, namlich mit denjenigen Arten des 
Schalles, welche als musikalisch brauchbare 
Tone (Klange) von den unmusikalischen Ge- 
rauschen unterschieden werden. Solche 
Klange geben 1) Saiten, sowohl gestrichene 
als gezupfte oder mit Hammerchen ange- 
schlagene; 2) Blasinstrumente (zu denen 
auch die menschliche Stimme gehort); 

3) elastische Sta.be (Stimmgabeln, Stahl- 
harmonika, Strohfiedel, chinesisches King); 

4) gekrummte Metallscheiben (Becken, Tam- 
tam, Glocken); 5) gespannte Membranen, 
d. h. Haute (Pauken, Trommeln). Der musi- 
kalische Klang ist seiner physischen Be- 
schaffenheit nach ein regelmaBiger schneller 
Wechsel von Verdichtung und Verdunnung 
elastischer Korper (Schwingungen); von der 
Geschwindigkeit der Folge, also der Zeit- 
dauer (Periode) der Schwingungen hangt 
die Hohe, von der GroBe (Amplitude) der 
Abweichungen aus der Gleichgewichtslage 
die Starke des Klanges ab. Die Schwin- 
gungen des tonerregenden elastischen Kor- 
pers teilen sich der umgebenden Luft mit 
(oder vorher festen Korpern, die mit ihm in 
Verbindung stehen ; s. Resonanzboden), und 
pflanzen sich in der Luft mit einer Ge- 
schwindigkeit von 340 m in der Sekunde bei 
einer Temperatur von 16 Celsius fort. Ge- 
wohnlich nimmt man indes fiir akustische 
Demonstrationen die Schallgeschwindigkeit 



Akzent. 



ffS? 



zu 1056 FuB in der Sekunde an, welche Zahl 
fur die Bestimmung der Tonhohe als FuB- 
ton (s. d.) einfache Zahlen ergibt. Die Zah- 
lung der Schwingungen ist heute mit Hilfe 
der Sirene (s. d.) in Cagniards de la Tour 
verbesserter Konstruktion ein leichtes. Be- 
sonders interessante Objekte der akustischen 
Untersuchungen sind die Phanomene der 
Obertone, desMittonens, der Kombina- 
tionstone und der Schwebungen (vgl.die 
betr. Artikel). Eine eigentliche Wissenschaft 
der A. existiert erst seit Anfang des 18. Jahrh., 
wo Sauveur (s. d.) diesen Namen fur seine 
neuen Lehren aufstellte (vgl. Vierteljahrs- 
schr. f. MW. 1892, S. 533ff.). Zur Einfiih- 
rung in die Probleme der Akustik sei auf 
H. Riemanns Handbuch der Musikwissen- 
schaft (Akustik) (3. Aufl. 1921) und Grund- 
rifi der Musikwissenschaft (3. Aufl. 1918) hin- 
gewiesen, fur eingehendere Studien auf 
Helmholtz' Lehre von den Tonempfindun- 
gen (5. Aufl. 1896); Fl. Fr. Chladni, Die A. 
(1802); Fr. Zamminer, Die Musik und die 
musikalischen Instrumente (GieBen 1855); 
J. Zellner, Vortrdge iiber A. (1892, 2 Bde.); 
P. Blaserna, Die Theorie des Schalles in 
Beziehung zur Musik (1876); C. Stumpf, 
Tonpsychologie (Bd. 1 — 2, 1883, 1890); C. 
Stumpf, Beitrdge z. A. u. Musikwissen- 
schaft (seit 1898, bisher 8 Hefte) ; J.Tyndall, 
Der Schall (deutsch von Helmholtz und Wie- 
demann, 3. Aufl. 1897); A. Jonquiere, 
Grundrifi der Musikalischen A. (1898); 
R. Klimpert, Lehrbuch der A. (1904 — 07, 
4 Bde., der 4. Band iiber A. in Konzert- und 
Horsalen); H. Starke, Physikalische Musik- 
lehre (1908); Ludwig Riemann, Popu- 
lare Darstellung der A . in Beziehung zur 
Musik (1896); F. Auerbach, Artikel A. in 
Winkelmanns Handbuch der Physik II, mit 
weiteren Literaturnachweisen ; derselbe, 
Die Grundlagen der Musik (191 1); K. L. 
S chafer, Musikalische A . (Samml.Goschen, 
2. Aufl. 1919); Wood, The Physical Basis 
of Music (Cambridge 191 3). Franz Aigner, 
Unterwasserschalltechnik (submarine A.) in 
Theorie u. Praxis (1922). Vgl. Tonpsycho- 
logie. — 2) A. eines Saales, einerKirche, gute, 
schlechte A. (Bildung ,,stehender" Wellen, 
Reflexions- [Echo-] Erscheinungen, zu starke 
Dampfung u. a.). Leider ist es noch nicht 
gelungen, untrugliche Prinzipien fur eine 
gute A. zu finden, und besonders die Kon- 
struktion grofier Raume stoBt immer wieder 
auf unerwartete akustische Ubelstande. Vgl. 
A. Eichhorn, Der akustische Mafistab fur 
Projektbearbeitungen grofier Innenrdume 
(1899); Sturmhofel, Die A. des Bau- 
meislers (2. Aufl. 1898); Orth, Die A. grofier 
Raume (1872); Lachez, Acoustique et opti- 
que des salles de reunions (2. Aufl. 1879); 
Fanaro, L'acustica applicata (1882); Jon. 
Biehle, Theorie des Kirchenbaues vomStand- 
punkte des Kirchenmusikers (Wittenberg 
1913); derselbe, Raum und Ton (Beitr. 
zur handschr. Riemann-Festschrift 1919), so- 
wie Biehles weitere Schriften; EugenMichel, 
Hqrsamkeit grofier Raume (1921). 
Akzent (Accent, lat. A ccentus). 1) Die 



Hervorhebung der auf den Taktanfang, die 
Taktmitte oder die Einsatzzeit eines Takt- 
teiles fallenden Schwerpunkte der Phrasen, 
Motive und Unterteilungsmotive (gramma- 
tischer oder metrischer, regularer Akzent). 
2) Extraverstarkungen, welche den selbst- 
verstandlichen Verlauf derdynamischenEnt- 
wicklung (vgl. Ausdruck, Dynamik und Mo- 
live) storen, evtl. sogar vollstandig auf den 
Kopf stellen, und welche der Komponist 
daher gewohnlich durch besondere Zeichen 
fordert (sf, >, » ). Ein besonders haufiger 
und wichtiger A. ist der Anfangsakzent, 
die Hervorhebung der ersten Note einer 
Phrase oder eines Motivs; er dient in her- 
vorstechender Weise der Klarlegung des 
thematischen Aufbaues, doch wirkt seine 
fortgesetzte Anwendung, wo die Zeichnung 
ohnehin klar ist, aufdringlich. Gewisse 
rhythmische Bildungen, besonders die syn- 
kopischen Antizipationen von Tonen, 
deren voile harmonische Wirkung erst auf 
dem nachfolgenden guten TaktteU zur Gel- 
tung kommt, verlangen Akzentuation 
(rhythmischer A.); desgleichen miissen 
komplizierte Harmonien, auffallige Disso- 
nanzen, Modulationsnoten u. s. f. her- 
vorgehoben werden (harmonischer A.). 
Endlich sind auch oft die SpitzenderMelo- 
die, wo sie nicht ohnehin durch ihre Stel- 
lung im Takt mit den Hohepunkten der dy- 
namischen Entwicklung zusammenfallen, 
verstarkt zu geben (melodischer A.). Eine 
Art negativen Akzents ist nach voraus- 
gehendem crescendo die Ersetzung des Hohe- 
punkts der Tonstarke durch ein plotzliches 
piano, ein Mittel, dessen bereits von Joh. 
Stamitz gefundene faszinierende Wirkungen 
besonders Beethoven zur Geltung gebracht 
hat (sog. Beethovensches piano). — 3) Eine 
friiher durch besondere Zeichen geforderte, 
heute veraltete, unserm Vorschlag ent- 
sprechende Verzierung, durch welche der 
Note, vor welcher das Zeichen des Akzents 
stand, ihre Ober- und Untersekunde, wie sie 
dieTonleiter enthalt, vorausgeschickt wurde: 
,a) _ b) 



^ 



r i "r ittt 



Doch herrscht bei den Autoren keineUberein- 
stimmung im Gebrauch der Zeichen fur den 
A., vielmehr werden sie bald so, bald so ver- 
standen, und die Benennungen A., Chute, 
Port de voix als gleichbedeutend gebraucht. 
Die alteren Klavierwerken beigegebene Table 
des agrements (Erklarung der Verzierungen) 
ist deshalb nichts weniger als uberfliissig. 
Vgl. auch Aspiration. — 4) Der Umstand, 
daB die erhaltenen Reste antiker grie- 
chischer Musik Silben, welche durch den 
A ccentus acutus als hochtonige charakteri- 
siert sind (oHtovol), durch Ausbiegung der 
Melodie nach oben auszeichnen, legte den 
Gedanken nahe, daB die Neumen (s. d.) aus 
den Akzenten hervorgegangen seien. In den 
altesten bekannten Formen der byzan- 
tinischen Notenschrift (10. Jahrhundert) 
finden wir aber die sprachlichen Akzente neben 



22 



Akzentuierende Dichtung — Alban. 



den bestimmt steigende und fallende Inter- 
valle fordernden Notenzeichen mit der Be- 
deutung starkeren Gewichts (betonte, gute 
Zeiten), und die Abhangigkeit der Melodie- 
fuhrung von den Akzenten ist nicht mehr 
erweisbar. Vgl. Byzantinische Musik. TJber 
Akzent-Tonschriften vgl. Johannes Wolf, 
Handbuch der N otationskunde I, 61 ff. 

Akzentuierende Dichtung nennt man die 
Silben wagende, nicht lange und kurze, son- 
dern schwere (akzentuierte) und leichte (ak- 
zentlose) Silben unterscheidende Versbil- 
dung, welche, wie es scheint, der hebraischen 
Sprache urspriinglich eigen, durch die Bibel- 
ubersetzungen in den ersten Jahrhunderten 
des Christentums Eingang in die bis dahin 
skandierende (Silben messende) grie- 
chischePoesie und weiter auch in die latei- 
nische fand (die aber vielleicht vor dem 
griechentiimelnden augusteischen Zeitalter 
selbst schon akzentuierend gewesen ist), und 
weiterhin in die Dichtung der romanischen 
Volker. Die germanischen Dichter haben 
wohl niemals skandiert. Da sowohl das grie- 
chische Altertum als das ganze Mittelalter 
die Rhythmik in den Gesangen nicht be- 
zeichnete (vgl. Griechische Musik, Byzanti- 
nische Musik, Gregorianischer Gesang, Cho- 
ralrhythmus, Troubadoure, Minnesanger, 
Meistersinger), so ist natiirlich eine richtige 
Erkenntnis der leitenden Prinzipien der 
Versbildung die Vorbedingung fur die Re- 
konstruktion der Rhythmik der antiken und 
mittelalterlichen Melodien. Noch immer ist 
der Streit iiber diese Fragen ein ziemlich 
lebhafter (vgl. die Literatur zu den oben ge- 
nannten Artikeln). 

Akzidentalen ( A k z i d e n t i e n ) , s. v. w. 
Versetzungszeichen (s. d.). Vgl. Musica 
ficta. 

Alabjew (Aljabjew). Alexander Alexan- 
drowitsch, * 15. Aug. 1787, f 6. Marz 1851, 
schrieb (zum Teil mit Werstowski, Wielhorski 
und Maurer) Musik zu Liederspielen von 
Chmelnitzki (Der Dorfphilosoph u. a.), sowie 
mehrere Opern (Die Mondnacht oder Die 
Hausgeister und Der Gefangene im Kauka- 
sus), die seinerzeit enormen Beifall fanden. 
Von den in Liedern und Romanzen A.s 
(Neuausgabe von P. Jiirgenson in Moskau) 
sind einige (Die Nachtigall) noch popular; 
sie verraten den EinfluB Schuberts und ent- 
halten fur ihre Zeit iiberraschende harmo- 
nische Kuhnheiten. Vgl. G. Timofejew, 
A. A. (1912, russisch). 

Alala, spanische (galicianische) Volks- 
weise mit lang ausgehaltenem SchluBton. 
Vgl. F. Pedrells Cancionero Mus. Pop. 
Esp. Band II. 

XAlaleona, Domenico, * 16. Nov. 1881 
in Montegiorgio (Piceno), widmete sich seit 
seiner friihesten Kindheit der Musik und 
erhielt seine erste Ausbildung von Musikern 
seiner Vaterstadt, dirigierte 1901 die Stadt- 
kapelle, machte dann weitere Studien am 
Liceo di S. Cecilia in Rom (Cesare De Sanctis 
[Komposition] , Alessandro Bustini[Klavier], 
Remigio Renzi [Theorie]). Bei der SchluB- 
priifung 1906 dirigierte er sein Chorwerk mit 



Soli und Orchester A ttolliteportas. Seineprak- 
tische Tatigkeit eroffnete er als Dirigent 
der Vereine Societa Guido Monaco in Livor- 
no (1908) und Augusteo in Rom (1910) und 
wirkte 1907 — n als Lehrer an dem von 
Mascagni geleiteten Konservatorium in Rom, 
dann als Lehrer fur Musikgeschichte und 
Asthetik am Liceo di S. Cecilia. Er ist Kri- 
tiker am Lavoro d'ltalia und der Rassegna 
italiana in Rom. Schriften: Studi su la 
storia dell' oratorio musicale in Italia (Turin 
1908); Le Laudi spirituali ital. nei secoli 
XVI et XVII, e il loro rapporto coi canti pro- 
fani (RMI. 1909); / nuovi orizzonti della 
tecnica musicale (id. 1911); VArmonia mo- 
dernissima: le tonalita neutre e I 'arte di stu- 
pore (id. 191 1); Linguaggio materno e uma- 
nita musicale (,,Harmonia", Rom 1914); 
27 libro d'oro del musicista, 3. Aufl., Rom 1923 , 
ediz. musicali Palestrina; Educazione musi- 
cale del popolo e sua organizzazione nella 
scuola e nella vita cittadina (Turiner KongreB 
192 1, veroffentlicht im KongreBbericht). 
Musikwerke: Mirra, Oper in 2 Akten und 
einem Intermedium, nach Vittorio Alfieri, 
Rom, Costanzi 1920; Albe, 6 Gesange; Melo- 
die Pascoliane (18 Gesange, in mehrere Fol- 
gen gegliedert: Creature, Marine, Canti di 
neve e di primavera, Brividi, Meteore); Canti 
di Maggio, 6 Gesange; La Citta Fiorita, 

5 impronte (Stigmata) f. Kl., 2 Canzoni ita- 
liane i. Str., Harfe, Cel. und Pauken; 4 Can- 
zoni italiane f. Str., Harfe und Blaser; 4. Lau- 
di italiane f. Str., 3 Floten und Blechbl. ; 

6 Canzoni italiane f. Streichquartett; Canto 
delP amore, II tramonto f. 4 st. Mannerchor; 
2 ,,Canti" i. Orchester; ,,Fiori" (4 ,,Farben- 
studien") f. Orchester; Requiem pro de- 
functo rege f. 4 St. usw. 

Alard (spr. alar), Delphin, Violinist, 
* 8. Marz 1815 zu Bayonne, f 22. Febr. 1888 
in Paris, Schiiler des Pariser Konservato- 
riums (Habeneck) und 1843 — 75 an dieser 
Anstalt Violinprofessor als Nachfolger Bail- 
lots, 1858 erster Solist der kaiserlichen Ka- 
pelle, einer der beriihmtesten Geiger Frank- 
reichs und ein vorziiglicher Lehrer (Sarasate 
war sein Schiiler). A. hat eine groBe Anzahl 
von Violinkompositionen (Phantasien iiber 
Opern- und Originalthemen, Konzerte, Etii- 
den, Duos fur Klavier und Violine usw.), so- 
wie eine ausgezeichnete, ins Spanische, Ita- 
lienische und Deutsche iibersetzte Violin- 
schule und eine Anthologie Die klassischen 
Meister des Violinspiels (enthaltend Sonaten 
u. a. von Corelli, Leclair, Gavinies, Chabran, 
Barbella, Manfredi, Locatelli, Nardini, Por- 
pora, Pugnani, Jon. Stamitz, Tartini usw.) 
herausgegeben. 

Alba, Alonso de, span. Komponist des 
15. Jahrhunderts, s. Cancionero musical. 

Alban, Matthias (Albanus), vorziiglicher 
Geigenbauer, Schiiler von Jak. Steiner, * im 
(getauft 28.) Marz 1621 zu St. Nikolaus 
in Kaltern (Uberetsch), j 7. Februar 17 12 
in Bozen. Instrumente von ihm aus den 
Jahren 1702 — 09 werden fast den Amati 
gleichgestellt. Auch seine Sohne Michael 
(1677 — 1730 in Graz [Graecii]) und Joseph 



Albanesi — Albert. 



23 



(1680 — 17.22 in Bozen) waren angesehene 
Geigenbauer. Um 1750 arbeitete auch ein 
Joseph Anton Alban in Bozen. 
Albanesi, Carlo, Sohn von Luigi A., 

* 22. Okt. 1856 zu Neapel, f 21. Sept. 1926 
in London, Klavierschuler seines Vaters, 
in der Komp. Schiiler von Sabino Falconi; 
friih in der Offentlichkeit, 1878 in Paris, 
seit 1882 dauernd in London, wo er 1893 
Lehrer an der RAM. wurde. Ritter der 
ital. Krone. Werke : Orchesterstiicke; Streich- 
quartett, Kl.-Trio; 6 Kl.-Sonaten, 12 Pre- 
ludi, insgesamt ca. 50 opera verschiedenster 
Art. 

Albanesi, Luigi, Pianist und Komponist, 

* 3. Marz 1821 zu Rom, f 4. Dez. 1897 in 
Neapel, schrieb Messen, Motetten, Orato- 
rien (7 Worte am Kreuz) und viele in Italien 
geschatzte Klaviersachen. 

Albani, Emma (Lajeunesse, Biihnen- 
name A.), beriihmte dramatische Sopran- 
sangerin, *i. Nov. 1852 zu Chambly bei 
Montreal, sang zuerst offentlich in derKirche 
zu Albany (Neuyork), bildete sich weiter 
unter Duprez in Paris und Lamperti, und 
debutierte 1870 zu Messina in der Nacht- 
wandlerin, sang dann einige Zeit an der Per- 
gola zu Florenz, 1872 zuerst in der Italie- 
nischen Oper zu London (Covent Garden), 
wo sie nun bis auf Gastspiele in Paris, Peters- 
burg, Amerika usw. dauernd eine Haupt- 
zugkraft blieb, seit 1878 vermahlt mit dem 
Pachter des Covent Garden-Theaters, Er- 
nest Gye. Frau A. war auch als Oratorien- 
sangerin geschatzt ( Solistin vieler Musikfeste 
Englands) und dazu eine gute Klavierspiele- 
rin. 1906 verlieB sie die Biihne, 191 1 den 
Konzertsaal. 191 1 gab sie' in London heraus : 
E. A., 40 Years of Song (Memoiren). 

Albemz(spr.-nitB).[A.yBasanta]Pedro, 
Altmeister des modernen Pianofortespiels in 
Spanien, * 14. April 1795 zu Logrono (Mio- 
ja), f 12. April 1855 in Madrid; Schiiler 
seines Vaters und von H. Herz und Chr. 
Kalkbrenner in Paris, wurde 1830 Klavier- 
professor an dem neugegriindeten Kgl. 
Konservatorium zu Madrid, 1834 Hoforga- 
nist und Musiklehrer der Infantinnen, iiber- 
hauft mit Ehren aller Art. Eine groBe Zahl 
Klavierkompositionen (Variationen, Rondos, 
Phantasien, Etiiden usw.) erschienen im 
Druck, auch eine am Konservatorium zu 
Madrid eingefuhrte Klavierschule (1840). 

Albeniz (spr. -nit&), Jsaac, bedeutender 
Pianist und Komponist, * 29. Mai i860 zu 
Camprodon (Prov. Gerona), 1 16. Juni 1909 zu 
Cambo(Pyrenaen), war als 6 jahriger Wunder- 
knabe Schiiler von Marmontel in Paris, 
machte dann nach langeren Konzerttouren in 
Amerika und Europa geregelte Studien am 
Brusseler Konservatorium (Louis Brassin, 
Dupont, Gevaert), um dann aufs neue das 
wandernde Virtuosenleben fortzusetzen. A. 
war kgl. span. Hofpianist. Als Komponist 
trat er zuerst mit Klaviersachen auf, die er 
in seinen Konzerten vortrug, weiter mit 
Liedern, einem Oratorium Christus, Klavier- 
suiten Iberia und Catalonia, in der Folge 
aber besonders mit Zarzuelas und Opern 



(The Magic Opal, London 1893, Enrico 
Clifford, 1894, Trilogie King Arthur [Merlin, 
Lancelot, Ginevra] i8gy — igo6, Pepita Ji- 
menez [Karlsruhe 1905], San Antonio de 
la Florida usw.). Er war der erste, der — 
ohne unmittelbar auf spanische Volks- 
musik zuruckzugreifen — sich an spanischer, 
insbesondere andalusischer Rhythmik derart 
inspirierte, daQ er alsBegriinder der national- 
spanischen Kunstmusik gelten muB. Seine 
Hauptbedeutung beruht auf seinen Klavier- 
stucken: Chants d'Espagne (5 Stiicke); 
Esparia (6 Albumblatter) ; Suite espanola 
(8 Stiicke) ; Piezas characteristicas(i2 Stiicke) ; 
Seis Danzas Espanolas; Suite Ancienne; 
Deuxieme Suite Ancienne; Yvonne en visite; 
Iberia-Suite (12 nouvelles impressions, in 
4 Heften); La Vega; Albaicin. Hinter- 
lassene Werke, beendigt von Deodat de 
Severac und Enrique Granados: Azulejos; 
Navarra. Vgl. Condesa de Castella, 
Suite Iberia und Henri Collet, A. et Gra- 
nados (1925). 

Albeniz (spr. -nitJJ), Pedro, spanischer 
Monch, * 1755 in Biscaya, f 1821 zu San 
Sebastian, war Kapellmeister der Kathe- 
drale zu San Sebastian, wo er 1800 eine 
Musiklehre herausgab, die von den Spaniern 
sehr geschatzt wurde. Eine groBe Anzahl 
Messen, Motetten, Villancicos usw. machten 
ihn auch als Tonsetzer in seiner Heimat 
beruhmt. 

[d'JAlbergati, Pirro Capacelli, Conte, 
* 20. Sept. 1663 zu Carrati, f 22. Juni 1735 
in Bologna, schrieb Oratorien (II convito 
di Baldassaro, S. Eufemia, S. Catarina, 
S. Eustachio), Kirchenmusik (Messa e 
Salmi concertati 1687, Motetti ed antifone 
della B. V. a voce sola c. istr. l6gi, Cantate 
spirituali 1—3 v. c. istr. 1702, Cantate ed 
oratori spirit. 17 14, Hinno ed Antifone 17 15, 
Motetti con il responsorio di S. Antonio 
17 17, Corona de preghi di Maria 17 17, 
Messa, Litanie, Tantum ergo a 4 1721), 
auch Instrumentalwerke ( Pletro armonico 
1687, 2 V. e B. c; Balletti, Correnti, Sara- 
bande e Gighe a V. e Vne, V. 2° ad lib. 1685), 
sowie XII Cantate da camera a voce sola 
col. B. c. (1687) und Cantate morali a voce 
sola (1685). 

Albert, Prinz von Sachsen-Koburg- 
Gotha, * 26. Aug. 1819, seit 1840 Gemahl 
der Konigin Viktoria von England, "j" 14. Dez. 
1 861 ; war ein eifriger Pfleger und Beschiitzer 
der Musik und hat selbst viele Gesangs- 
werke (Messen, eine Oper Hedwig von 
Linden [London 1840], Lieder usw.) kom- 
poniert. Vgl. Th. Martin, The Life of 
Albert usw. (deutsch von E. Lehmann 
1876—81, 5 Bde.). 

Albert, Heinrich, * 8. Juli 1604 zu 
Lobenstein in ReuB, f 6. Okt. 1651 zu 
Konigsberg in Pr., absolvierte das Gym- 
nasium in Gera, ging 1622 zu seinem Vetter 
Heinrich Schiitz (s. d.) nach Dresden, 
mufite aber auf Wunsch seiner Eltern die 
bei Schiitz begonnenen Musikstudien ab- 
brechen und in Leipzig Jura studieren. 
1626 ging er nach Konigsberg in Pr., reiste 



24 



Albert — Alberti. 



mit einer hollandischen Gesandtschaft nach 
Warschau, wurde von den Schweden ge- 
fangen genommen und kehrte erst 1628 
nach mancherlei Leiden nach Konigsberg 
zuriick. 1630 erhielt er die Organistenstelle 
am Dom und nahm nun unter Stobaus die 
Musikstudien wieder auf. A. war nicht 
nur ein vortrefflicher Musiker, sondern auch 
Poet, und die Mehrzahl seiner Liedertexte 
riihrt von ihm her (viele von Simon Dach, 
seinem Zeitgenossen und Freunde). Seine 
Arien (8 Teile 1638—50 [die ersten 7 Teile 
mehrfach aufgelegt bzw. nachgedruckt] , 
in Neuausgabe von Ed. Bernoulli als 
Bd. 12 — 13 der DdT. mit Vorwort von 
Hermann Kretzschmar), sind teils ein- 
stimmige, teils mehrstimmige Gesange, 
Lieder und Chorale. Aufierdem veroffent- 
lichte er Kiirbshiitte (1645), erne aus I2 
Terzetten bestehende Kantate. Ein Sing- 
spiel Prussiarchus (Sorbuisa) vom Jahre 
1645 zur loojahrigen Jubelfeier der Uni- 
versitat Konigsberg ist nicht erhalten, von 
einem zweiten Cleomedes auch nur einige 
Arien und Gesange (Text von Simon Dach). 
— A.s herkommliche Charakterisierung als 
,,Schopfer des neuen deutschen Liedes" 
trifft nicht den Kern der Sache. Er sucht 
vor allem die italienische Monodie mit 
GeneralbaB auf deutschen Boden zu ver- 
pflanzen, wobei sein Ideal das ,,durch- 
komponierte" Lied war, das reiches Ein- 
gehen auf Wortmalerei gestattete. In den 
spateren Heften seiner Arien muBte er sich 
aus Griinden des aufieren Erfolgs wieder 
dem mehrstimmigen Satz zuwenden. Obwohl 
A. also kein eigentlicher Liedkomponist war 
und auch nicht seinwollte, nimmt die deut- 
sche Liedbewegung mit den Namen Voigt- 
lander, Adam Krieger. Dedekind, Hammer- 
schmid, J. W. Franck zweifellos von ihm 
ihren Ausgang; sie kommt nur in dem 
hundertjahrigen Kampf mit der vorneh- 
meren Arie nicht zur vollen Geltung. 

Albert, Heinrich, * 16. Juli 1870 zu 
Wiirzburg, 1883 — 88 Schiiler der dortigen 
Musikschule (Schwendemann, Ritter, Mayer- 
Olbersleben), 1888 — 95 als Violinist im 
Theater- und Konzertorchester zu Duisburg, 
Goteborg, Wiirzburg, Majorenhof (RuBland), 
Regensburg, Pyrmont, Kissingen, St. Gallen, 
Ragaz und Interlaken tatig, 1895— 1900 i m 
Miinchener Kaimorchester. Seitdem w T irkt 
er als eminenter Spieler der Gitarre solistisch 
und padagogisch in Munchen (1909 Kammer- 
virtuos). A. gab heraus: eine klcinc Lauten- 
schule, Mandolinenschule, eine vierteilige 
Gitarreschule, sowie eine Menge Lied- und 
Kammermusik mit Gitarre. 

[d'] Albert spr. dalbar), Eugen, * 10. 
April 1864 zu Glasgow als Sohn des Tanz- 
komponisten Charles d'A. (* 25. Febr. 1809 
zu Nienstetten bei Altona, f 26. Mai 1886 
zu London), begann seine Studien unter 
Ernst Pauer in London und setzte sie in 
Wien unter Hans Richter und besonders 
in Weimar unter Liszt fort. In Weimar 
war er 1895 kurze Zeit Opernkapellmeister. 
Als Pianist stand d'A. einst als ein Spieler 



von monumentaler Kraft, GroCe und Vir- 
tuositat in der ersten Reihe, hat aber den 
Schwerpunkt seiner Tatigkeit seit langem 
in die Komposition, vor allem die Opern- 
komposition verlegt; als die charakte- 
ristischsten und erfolgreichsten Werke seien 
erwahnt: das graziose Spieloperchen Die 
A breise ; Tie f land — das etwa denitalienischen 
Verismus ins Deutsche transponiert und 
durch seine schlagende melodische Erfindung 
wirkt, und Die Men Augen, in denen der 
gleiche Stil sich bereits etwas vergrobert. 
Er schrieb: Klavierkonzerte H moll op. 2 
und E dur op. 12, Cellokonzert C dur op. 20, 
Ouvertiiren Esther op. 8 und Hyperion, Sin- 
fonie F dur op. 4, Oxchestersmtein^ Satzenop. 
33Aschenputlel(ig24.),Kl&viersmteop.i,Kla.- 
viersonate Fis moll op. 10, Klavierstiicke 
op. 32, Streichquartette A moll op. 7 und 
Es dur op. 11, Lieder (4 Gesange fiir Sopran 
mit Orchester op. 24), das 6st. Chorwerk Der 
Mensch und das Leben op. 14. Die Liste seiner 
Opern lautet: Der Rubin (Karlsruhe 1893), 
Ghismonda (Dresden 1895), Gemot (Mannheim 
1897), Die Abreise (Frankfurt a. M. 1898), 
Kain (Berlin 1900), Der Improvisator (Berlin 
1900), Tiefland (Prag 1903, sein weitaus 
erfolgreichstes Werk), Flauto solo (Prag 
1905), Tragaldabas (Der geborgte Ehemann, 
Hamburg 1907^, Izeyl (Hamburg 1909), 
Die verschenkte Frau (Wien 191 2), Liebes- 
ketten (Dresden 1912), Musik zu Roda Rodas 
Lustspiel Die Sklavin von Rhodos (Munchen 
1912), Die Men Augen (Dresden 1916), 
Der Slier von Oliver a (Leipzig 191 8, Text 
von R. Batka nach Lilienfeins Drama), 
Revolutionshochzeit (Leipzig 1919), Scirocco 
(Darmstadt 1921) Mareike von Nymwegen 
(Hamburg 1923), Der Golem (Frankfurt 
1926). Hervorzuheben sind auch d' Alberts 
Kadenzen zu Beethovens G dur-Konzeit, 
seine Klavierbearbeitungen Bachscher Orgel- 
werke (Passacaglia) und seine Ausgabe des 
Wohltemperierten Klaviers (1906—07) und 
der Inventionen, auch ist oder war er an der 
Redaktion der Gesamtausgabe der Werke 
Liszts beteiligt. 1892 — 95 war er mit Teresa 
Carrefio (s.d.), 1895 — 1 9 11 mit derSangerin 
Hermine Finck (s. d.) und 1911 — 1912 
mit Ida Theumann verheiratet. 

■^Alberti, Domenico, * ca. 1717 in 
Venedig, f ca. 1740, ein begabter Musik- 
freund, Sanger und Klavierspieler, trat 
auch mit Erfolg mit eigenen Kompositionen 
auf (Opern, Motetten) und steht mit seinen 
8 Klaviersonaten (London, J. Walsh) als 
Mitbegriinder des hyperhomophonen Kla- 
vierstils da (vgl. Albertische Basse). 
Das Werk erschien 1761 in einem Amster- 
dam er Nachdruck unter dem Namen seines 
Schiilers Gius. Jozzi. 21 einsatzige Sonate 
d'intavolatura (zum Teil identisch mit den 
gedruckten) sind als Ms. im British Museum 
erhalten. 

Alberti, Giuseppe Matteo, * 1685 zu 
Bologna, angesehener Instrumentalkompo- 
nist: Concerti a V. di concerto, 2 V. Via. 
Vc. e B. c. op. 1 IJ13 (in Bologna, Amster- 



Alberti 



Albrecht. 



25 



dam und London gedruckt!), 4st. Sinjonie 
op. 2 und Violinsonaten op. 3, 1720. 

Alberti, Joh. Friedrich, *n. Jan. 1642 
zu Tonning (Schleswig), f 14. Juni 17 10 
zu Merseburg; studierte Theologie, dann 
unter W. Fabricius in Leipzig und Vine. 
Albrici in Dresden Musik, wurde Dom- 
organist zu Merseburg, mufite aber 1698 
infolge eines Schlagflusses sein Amt nieder- 
legen. A. genoB als Komponist von Kirchen- 
sachen und gelehrten Kontrapunkten groBes 
Ansehen. 

Albertini, Michael, genannt Momo- 
letto, beruhmter Kastrat zu Anfang des 
18. Jahrhunderts am Kasseler Hofe, wo 
auch seine Schwester Giovanna Mar- 
tinelli, genannt La Romanina, als 
erste Sangerin glanzte. 

Albertische Basse heiBen im Klavierstil 
nach Domenico Alberti (s. d.) fort- 
gesetzte gleichartige Akkordbrechungen fur 
die linke Hand als Begleitung einer von 
der rechten Hand gespielten Melodie, wie 
sie besonders durch viele Satze Mozartscher 
Sonaten jedermann bekannt sind. 
^[Albicastro, Henrico (eigentlich Wei- 
Benburg, daher auf den Titeln seiner 
Werke als D. H. W. abgekiirzt), Schweizer 
von Geburt, machte den spanischen Erb- 
folgekrieg (1701 — 14) mit und gab in Amster- 
dam bei Et. Roger eine stattliche Reihe 
Kammermusikwerke heraus (Triosonaten 
op. 1, 4, 8, Violinsonaten mit Continuo op. 
2, 3, 5 und Concerii a 4 op. 7. Eine Violin- 
sonate in A moll von A. hat G. Beckmann 
1921 herausgegeben. Vgl. Karl Nef in: 
Schweizer. Musikzeitung, 14. Nov. 1925. 

Albini, Eugenio, ital. Violoncellist, * 26. 
April 1880 zu Saludecio bei Rimini, Schiiler 
von Francesco Serato am Liceo Mus. zu 
Bologna, das er 1901 mit Auszeichnung 
verliefi; dann — nach einigen Jahren 
Orchesterpraxis — von Hugo Becker in 
Frankfurt a. M. Nach ausgedehnten Kon- 
zertreisen lieB er sich in Rom nieder, to 
er alte und moderne Kammermusik pflegt. 
Er ist auch ein ausgezeichneter Gamben- 
spieler. Schrieb: Violoncell-Stucke und 
Bearbeitungen, ferner: Beethoven e le sue 
cinque sonate per violoncello (Turin 1923). 

Albini, Felix, * 10. Dez. 1869 zu Zupanje 
(Slawonien), in Graz ausgebildet, Direktor 
des Landestheaters zu Agram, Komponist 
der Oper Maricon (Agram 1901) und der 
Operetten Der Nabob (Wien 1905), Madame 
Troubadour (Agram 1907), Baron Trench 
(= Der Pandur, Leipzig 1908), Die kleine 
Baronesse (Wien 1909, la.) und Die Barfufl- 
idnzerin (Leipzig 1909); auch von Balletten, 
Choren und Liedern. 

Albinoni, Tommaso, * 1674 und f 1745 
in Venedig, schrieb 1694 — 1740 (meist 
fur Venedig) 5^0pern, auch geschatzte 
Kantaten und wertvolle Instrumentalwerke: 
Concerti a 5, V. concertato, 2 V ., Via., Vc. 
e B.C. op. 5 und op. 9; 6 — 7st. Sinjonie 
op.. 2, Triosonaten op. 1, Balletti a 3 (2 V. 
Vc. B.C.) op. 3 (1704) und op. 8, Sonate da 
chiesa a V . e B.C. op. 4 und Trattenimenti 



annonici per camera a V . e B. c, op. 6. 
J. S. Bach schrieb drei Fugen (in A dur, 
F moll und H moll) iiber Themen von A. 

Albinus, Caeionius Rufus, romischer 
Schriftsteller iiber Musik, der von Cassiodor 
und Boetius (5. — 6. Jahrhundert n. Chr.) 
zitiert wird, dessen Compendium de musica 
aber nicht erhalten ist. 

Albinus, Flaccus, s. Alcuinus. 

Alboni, Marietta, beriihmte Altistin, 
* 10. Marz 1823 zu 
(sie selbst behauptet, 
in Citta di Castello 



Cesena (Romagna) 
am 6. Marz 1826 
geboren zu sein) , 



t 23. Juni 1894 in Ville d'Avray bei Paris, 
Schulerin der Mme. Bertolotti und Rossinis 
zu Bologna, debiitierte 1843 zu Mailand als 
Orsini in Lucrezia Borgia von Donizetti, 
versetzte 1847 London und Paris in Ekstase, 
machte 1853 einen Triumphzug durch Nord- 
und Sudamerika und vermahlte sich am 
21. Juli 1855 mit einem Grafen Pepoli, trat 
aber bis zu dessen Tode (1866) noch bis- 
weilen offentlich auf. 1877 ging sie einezweite 
Ehe mit einem franzosischen Offizier Zieger 
ein. Vgl. E. Aclocque, M. A. (1848), 
und A. Pougin, M. A. (3. Auflage 1912, 
zwei Aufsatze). 
Albrecht, Herzog von PreuBen (1525), 

* 16. Mai 1490, f 20. Marz 1568 zu Tapiau, 
der Begrunder der Universitat Konigsberg 
(1544), legte auch den Grund fur die Ent- 
wicklung der Musik am preuBischen Hofe 
(die Briider Kugelmann). Vgl. die Arbeiten 
von Alb. Mayer-Reinach fiber die Konigs- 
berger Kapelle. 

Albrecht, Eugen Maria, Sohn von 
Karl A., * 16. Juli 1842 und f 9. Febr. 1894 
in Petersburg, war 1857—60 Schiiler des 
Leipziger Konservatoriums (Hauptmann, 
Brendel, David, Dreyschock), trat i860 als 
Violinist ins Orchester der italienischen Oper 
zu Petersburg ein und erregte Aufmerk- 
samkeit als Solist und Kammermusik- 
spieler. 1871 wurde er zum Musikinspektor 
aller Kaiserlichen Orchester in Petersburg 
ernannt, 1884 ins Ausland gesandt, um 
die Einrichtung auslandischer Orchester zu 
studieren (vgl. seine Broschiire Die Ver- 
gangenheit und Gegenwart des Orchesters, 
russisch 1886). 1892 wurde er Bibliothekar 
der Kaiserlichen Theater. A. griindete 
1872 mit Hildebrant und Gille den Peters- 
burger Kammermusikverein und war 1881 
bis 86 Vorsitzender der Philharmonischen 
Gesellschaft. Er veroffentlichte eine Reihe 
padagogischer Schriften und Sammelwerkc. 
Aufsehen erregte seine scharf kritische 
Broschiire Das Petersburger Konservatorium 
(russisch, 1891). Weit verbreitet ist seine 
unter Mitarbeiterschaft von Wessel zu- 
sammengestellte Sammlung russischer Sol- 
daten-, Kosaken- und Matrosenlieder. 

Albrecht, Joh. Lorenz („Magister A."), 

* 8. Jan. 1732 zu Gormar bei Muhlhausen 
in Thiir., f 1773 in Muhlhausen; studierte 
zu Leipzig Philologie, aber daneben ernstlich 
Musik, so daB er 1758 zugleichalsGymnasial- 
lehrer und Organist der Obermarktskirche 
(St. Marien) zu Muhlhausen angestellt 



26 



Albrecht — Alcarotti. 



wurde. Am bekanntesten ist A. als Heraus- 
geber von J. Adlungs Musica mechanica 
organoedi und Musikalisches Siebengestim; 
doch hat er eine Reihe selbstandiger Arbeiten 
geliefert: Grilndliche Einleitung in die An- 
fangslehren der Tonkunst (1761); Abhandlung 
iiber die Frage: ob die Musik beim Gottes- 
dienst der Christen zu dulden ist oder nicht 
(1764); Versuch einer Abhandlung von den 
Ursachen des Masses, welchen einige Men- 
schen gegen die Musik blicken lassen (1765), 
ferner einige Aufsatze in Marpurgs Kritischen 
Beitrdgen usw. A. war Schiedsrichter in 
dem theoretischen Streit zwischen Marpurg 
und Sorge (anonym : Gedanken eines thiirin- 
gischen Tonkunstlers usw.). Vgl. auch 
Steffani. 

Albrecht, Karl, * 8. Sept. 1807 in Posen, 
f 8. Marz 1863 in Gatschina, erhielt seine 
musikalische Ausbildung von J. J. Schnabel 
in Breslau, war seit 1825 am Stadttheater 
zu Breslau als erster Geiger angestellt, 
1835 Korrepetitor in Diisseldorf, darauf 
Dirigent einer wandernden Operntruppe, 
wurde 1838 nach Petersburg berufen, an- 
fanglich als Kapellmeister des dramatischen 
Theaters, darauf als Dirigent der deutschen 
und endlich (1840) der russischen Oper. 
1842 leitete er die Urauf running der Oper 
Ruslan und Ludmilla von Glinka. 1845 
wurde er Dirigent der Philharmonischen 
Konzerte, 1850 Gesanglehrer an derWaisen- 
anstalt zu Gatschina. Von seinen Kom- 
positionen wurden bekannt eine Messe, das 
Ballett Der Berggeist, drei Streichquartette 
usw. 

Albrecht, Konstantin Karl, Sohn von 
Karl A., * 4. Okt. 1836 in Elberfeld, f 26. 
Juni 1893 i n Moskau, trat 1854 als Cellist 
ins Orchester des Moskauer kais. Theaters 
ein, war i860 Beistand Nik. Rubinsteins bei 
der Griindung des Moskauer Konservato- 
riums, 1866 — 89 Inspektor und Lehrer fur 
Solfege und Chorgesang. AuBer einigen Lehr- 
buchern schrieb A. eine Untersuchung iiber 
die Ausfuhrung der Tempi in den Kammer- 
musikwerken klassischer Autoren, ferner eine 
Menge Lieder, Klavierstiicke und Chore. 
Eine Geschichte der russischen Musik blieb 
unbeendet. 

Albrecht, Max Richard, * 14. Marz 1890 
in Chemnitz, dort Schiller erst von Eugen 
Richter, dann des Leipziger Konservatori- 
ums (v. Bose, Sitt, Rich. Hofmann, Reger), 
1911 — 13 Kapellmeister-Volontar am Chem- 
nitzer Stadttheater, 1914/15 erster Kapell- 
meister am Stadttheater zu Neifie, dann 
wieder Kapellmeister am Neuen Stadttheater 
seiner Vaterstadt; seit 1916 lebt er seinem 
Schaffen in Dresden. Er gehort zu den 
fruhen Vertretern einer sehr modernen Rich- 
tung in Deutschland. Werke: Lieder und 
Gesange op. 2, 6, 7 (mit Orch.), 8 (mit Orch.), 
11 (mit Orch.), 14 (mit Orch.), 75 (mit Orch.), 
16 (mit Kammerorch.); Chore op. I, 3, ig; 
Kantate Marathon fur Chor und Orch. op. 4; 
zwei sinfonische Dichtungen op. 5 und 9, 
Musik zu Goethes Faust op. 18, Heroische 
Ballade fur Bariton, Frauenterzett, gem. 



Chor und Orch. op. 12 : Fieberphaniasien fur 
Klar., engl. Horn, Kb. und Kl. op. 13; zwei 
kleine Fugen fur Kl. op. ig ; Musikdramen 
Jeljena op. 10, Neros Ende op. iy; Rama 
und Sita op. 20. 

Albrechtsberger, Joh.Georg,*3. Febr. 
1736 zu Klosterneuburg, j 7. Marz 1809 zu 
Wien, geschatzter Theorielehrer und Kom- 
ponist (1794 Lehrer Beethovens), wurde, 
nachdem er mehrere andere Amter in kleinen 
Stadten verwaltet, Regens chori am Karme- 
literkloster zu Wien, 1772 Hoforganist und 
1792 Kapellmeister am Stephansdom. Von 
seinen Kompositionen ist nur ein kleiner 
Teil im Druck erschienen: Entr'actes zu 
Heinrich IV., eine Menge Orgelpraludien und 
-Fugen, Klavierfugen, 18 Streichquartette, 
6 Cjuartettfugen, 1 Streichquintett, 3 Doppel- 
quartette, 1 Klavierquartett, 6 Streichtrios 
(V., Via., Vc). Manuskript blieben: 26 
Messen, 6 Oratorien, 4 groBe Sinfonien, 42 
Streichquartette, 38 Quintette, 28 Streich- 
trios, viele Hymnen, Offertorien, Gradu- 
alienusw. Am bekanntesten sind seine theo- 
retischen Werke: Grilndliche Anweisung zur 
Komposition (1790 undi8i8, franzosichi8i4, 
auch englisch von Sabina Novello); Kurz- 
gefaflte Methode, den Generalbafi zu erlernen 
(1792); Klavierschule fur Anf anger (1808) und 
einige kleinere Abhandlungen. Eine Ge- 
samtausgabe seiner theoretischen Werke 
(mit einem Werkverzeichnis) besorgte J . v. 
Seyfried (o. J., 2. Aufl. 1837, englisch von 
Sab. Novello 1855; eine englische Bearbei- 
tung mit Anmerkungen Chorons gab A. 
Merrick heraus [1835, 2. Aufl. 1844] ). Eine 
Auswahl seiner Instrumentalwerke (2 Sin- 
fonien, 1 Quintett, 4 Quartette, Praludien 
und Fugen) brachte Bd. XVI 2 der DTO. 
(O. Kapp). Vgl. A. WeiBenback, /. G. 
A. als Kirchenkomponist (Adlers Studien 
zur MW. Bd. 14, 1927); R. Oppel, A. als 
Bindeglied zwischen Bach und Beethoven 
(N. Ztschr. fur Mus. 78, S. 316 ff.). 

Albrici (spr. itschi), Vincenzo, * 26. 
Juni 1631 zu Rom, | 8. Aug. 1696 zu Prag, 
kam 1650 im Gefolge der Konigin Christine 
von Schweden nach Stralsund, trat 1654 in 
Dresden in die kurfurstliche Kapelle und zog 
seinen Bruder Bartolomeo dahin (als Hof- 
organist), war auch kurze Zeit (1662) in 
pfalzgraflichen Diensten in Neuburg. 1663 
bis 1666 waren beide Bruder in London als 
Kapellkomponisten angestellt. 1666 erfolgte 
seine Berufung als Hofkapellmeister nach 
Dresden, wo er mit mehrjahriger Unter- 
brecmmg (1672 — 76) bis 1680 blieb. Er 
wirkte nun 1681/82 als Organist an der 
Thomaskirche zu Leipzig und ging dann als 
Kirchenkapellmeister nach Prag. Von seinen 
einst hochgeschatzten Werken (kirchliche 
Vokalkompositionen, Kammersonaten usw.) 
sind in Dresden, Wien, Upsala, Darmstadt 
usw. eine ziemlich groBe Zahl erhalten. 

Alcarotti, Gio v.France sco, gab 2 Biicher 
5- und 6 st. Madrigale heraus (1567 und 
1569), sowie ein Buch 5 st. Lamentationen 
(i57o). 



Alcock — Alexandre. 



27 



Alcock, John, * ii. April 1715 zu Lon- 
don, f 23. Febr. 1806 zu Lichfield, Schiiler 
des blinden Organisten Stanley, wurde be- 
reits 1735 Organist an zwei Londoner Kir- 
chen, ging spater nach Plymouth, Reading 
und schlieBlich als Organist der Kathedrale 
nach Lichfield. 1761 erlangte er zu Oxford 
den Doktorgrad. A. gab auBer eigenen Ser- 
vices (1753), Anthems (1771), 7 st. Instru- 
mentalkonzerten (1750) und weltlichen Ge- 
sangen (Harmonia festi 1791 u. a.), Liedern 
■ und Klaviersachen usw., mehrere Samm- 
lungen von Kirchenmusik (Harmony of 
Sion 1752, Harmony of Jerusalem 1801^ her- 
aus, verfaBte auch eine Novelle: Das Leben 
der Mi ft Fanny Brown, Sein gleichnamiger 
Sohn, "j" 30. Marz 1791, war ebenfalls Orga- 
nist und Komponist. 

Alcuinus (Albinus), Flaccus, * 753 zu 
York, um 801 Abt zu Tours, f 19. Mai 804, 
Verfasser des in Gerberts Scriptores I aufge- 
nommenen musiktheoretischen Fragments, 
welches die alteste abendlandische Kunde 
von den 8 KirchentSnen enthalt. 

Alderighi, Dante, * 7. Juli 1898 in Ta- 
ranto, je zwei Jahre Schiiler Sgambatis und 
des Leipziger Konservatoriums (Teichmuller, 
Krehl); seit 1914 noch bei Setaccioli und 
Consolo in Rom; Pianist und Komponist. 
Werke : Klavierkonzert ; Streichquartett ; 
2 Sonaten fur V. und Kl.; 2 Kl.-Suiten; 
1 1 Praludien fur Kl. ; Cantico del Sole di San 
•Francesco fur Ges. und Kl. ; Bearbeitungen 
von Madrigalen des Monteverdi fur Kl. ; 
Chore; Lieder u. a. 

Aldomar s. Cancionero musical. 

Aldovrandini s. Aldrovandini. 

Aldrich (spr. aldritsch), Henry, * 1647 
zu Westminster, •{•14. Dez. 1710 in Oxford als 
Dekan der Christuskirche; gelehrter Theolog 
und Historiker, aber auch Architekt und 
Musiker. A. sammelte eine uberaus reich- 
haltige Musikbibliothek, die er der Christ- 
Church in Oxford vermachte (abgesehen vom 
British Museum heute die bedeutendste 
Musikbibliothek Englands). Kompositionen 
von ihm sind in verschiedenen Sammelwerken 
zu finden (Boyce, Arnold, Page); seine Cat- 
ches werden noch heute gesungen. 

Aldrich (spr. aldritsch), Richard, * 31. 
Juli 1863 zu Providence Schiiler von J.K.Paine 
in Boston, angesehener Musikkritiker in Neu- 
york (1891 — 1902 an der Tribune, seitdem 
an den New York Times), ubersetzte Lilli 
Lehmanns Gesangskunst und verfafite Fiihrer 
durch Wagners Parsifal und Nibelungen. 
Zusammen mit Krehbiel verfaBte er die 
amer. Artikel fur Grove's Dictionary. 

Aldrovandini (oder Aldovrandini), 
Giuseppe Antonio Vincenzo, * um 
1665 zu Bologna, 1702 Vorsitzender der 
Accademia Filarmonica, f 8. Febr. 1707, 
brachte (1696 — 1711) 15 Opern und 6 Ora- 
torien heraus, auch geistliche Gesange mit 
Violinen, sowie Kammerkonzerte und Kam- 
mersonaten a tre (op. 4 und 5/ 

Alectorius s. Galliculus. 

[d'JAlembert (spr. dalangbar), Jean le 
Rond, * 16, Nov. 1717 und j" 29. Oktober 



1783 in Paris, Akustiker, bekannt durch die 
Schrift ElSments de musique theorique et pra- 
tique, suivant les principles de M. Rameau 
(1752, wiederholt aufgelegt; deutsch von 
Marpurg, 1757; leider hat A.diebedeutend- 
sten Ideen Rameaus nicht verstanden). In 
den Memoiren der Pariser und Berliner Aka- 
demie sind akustische Abhandlungen von A. 
gedruckt; auch enthalten seine Melanges de 
litterature et de philosophie (1767 — 73) eine 
Abhandlung Sur la liberie de la musique, seine 
OEuvres et correspondances inedites (1887 her- 
ausgegeben von Ch. Henry), ein Fragment 
sur Popera und Reflexions sur la theorie de 
la musique. Lamberts Geschichte der Re- 
gierung Ludwigs XIV. (1761) enthalt eine 
Abhandlung A.s iiber die Musik unter der 
Regierung Ludwigs XIV. A. hatte wie die 
iibrigen Pariser Akademiker kein Verstand- 
nis und Interesse fur die Instrumentalmusik. 
Vgl. seine Eloges (1779). Vgl. Maurice Mul- 
ler, Essai sur la philosophie de J.d?A. 
(Paris 1926). 

Alenew, Eugen Feodorowitsch, Kom- 
ponist, * 17. Nov. 1864 in Wyborg, wo er 
noch lebt, Schiiler von Czern)' und Blumen- 
feld (Kl.), Ljadow und Sokolow (Komp.) ; 
veroffentlichte gegen 60 Lieder, Kl.-, V.- 
und Vc.-Stiicke. 

Alessandrescu, Alfred, rum. Dirigent 
und Komponist, * 14. Aug. 1893 zu Buka- 
rest, bis 1912 Schiiler im Klavierspiel und 
in der Komposition (Alfonso Castaldi) am 
Bukarester Konservatorium und von V. 
d'Indy an der Schola Cantorum, dann von 
Paul Vidal am Konservatorium in Paris; 
1916 mit dem Enescu-Preis ausgezeichnet; 
seit 1921 erster Dirigent an der Bukarester 
Oper; seit 1926 auch Dirigent des Bukarester 
Philharm. Orchesters; zugleich Hofpianist 
und Kritiker an V Tndependance Roumaine. 
Werke: Dramat. Ouvertiire Dido (191 1); 
H erbstddmmerung fur Streicher; Rum. 
Fantasie fur Orchester (191 3) ; sinf. Dichtung 
Ahtdon (aufg. Paris bei Colonne 1920;) 
Sonate fiirV.undKl. ; Streichquartett ; Lieder. 

Alessandri, Felice, * 24. Nov. 1747 zu 
Rom, f 15. Aug. 1798 zu Casinalbo, in Ne- 
apel ausgebildet, war zuerst Kapellmeister 
zu Turin, fiihrte dann ein bewegtes Leben in 
Paris, London, Petersburg und in verschie- 
denen italienischen Stadten und war 1789 
bis 1792 zweiter Kapellmeister der Berliner 
kgl. Oper (neben Jon. Fr. Reichardt). Seine 
Werke, 32 1764 — 94 aufgefiihrte Opern, 1 
Ballettund 1 Oratorium, auch 6 Triosonaten 
(2V., B.C.), 6 Klavierkonzerte und 6 Sinfo- 
nien a 8 (op. 6) hatten uberall nur ephemere 
Erfolge. Vgl. Valdrighi, F.A. (1896). 

Alessandro Romano s. Merlo. 

Alexander Friedrich, Landgraf von 
Hessen s. Hessen. 

Alexandre (spr. -angdr'), Jacob, * 1804, 
"f 11. Jury 1876 zu Paris, betrieb seit 1829 
als einer der ersten den Bau von Harmo- 
niums (Accordeons, Melodiums), die unter 
dem Namen 100-Franken-Orgel (Orgue de 
cent francs) sehr in Aufnahme kamen, erwarb 
die Patente, welche 1841 und 1845 Alexandre 



28 



Alexandrow — Alfieri. 



Martin (Martin de Provins) fur eine 
neue Art der Harmonium-Mechanik genom- 
men hatte und assoziierte sich mit seinem 
Sohne Edouard (* 1824, f 9. Marz 1888). 
Martin selbst war stiller Teilhaber des Ge- 
schafts bis 1855, spater lag er mit der Firma 
im Prozefi. 1858 griindete A. eine Muster- 
werkstatt zu Ivry und beteiligte sich an 
Spekulationen, die 1868 das Haus zum Fal- 
lissement brachten. J. A. schrieb eine Me- 
thode potty fAccordeon (1839, auch englisch) 
und eine Notice sur les Orgues Melodium 
d' 'Alexandre et fils inventeurs (1844 und 1848). 
Die Frau von Edouard A., Charlotte geb. 
Dreyfus, war als Virtuosin auf dem Har- 
monium beriihmt. 1874 brachte die Firma 
A. eine neue Spezialitat von Harmoniums 
unter dem Namen Alexandre-Orgel in 
Handel, eine Verbesserung der sog. Ameri- 
kanischen Orgel (s.d.), mit starkeren Zungen 
und doppelten Windkanalen; die Firma A. 
selbst hatte vorher mit den durch Ein- 
saugen angeblasenen Harmoniums nur 
wenige Versuche gemacht. 

Alexandrow, Anatol Nikolajewitsch, 
russischer Komponist und Pianist, * 2 5. Mai 
1888 zu Moskau, Sohn eines Universitats- 
Professors in Tomsk, Schiller von K. Klind- 
worth, Shilajew, S. I. Tanejew und Wassi- 
lenko (Theorie) und Igumnow (Kl.) am Mos- 
kauer Konservatorium, in das er 1910 eintrat 
und das er 1916 verlieB. 1923 wurde er 
Lehrer(Prof.) am Moskauer Konservatorium. 
Seine Musik verrat den EinfluB von Medtner 
und Skrjabin; Erfindungskraft, technisches 
Konnen, poetisches Empfinden stellen ihn 
mit Mjaskowski und Feinberg in die erste 
Reihe der zeitgenossischen russischen Kom- 
ponisten. Werke: Klassische Suite fur Orch. 
op. 32; Ouvertiire auf 2 russ. Volksthemen; 
StreichquartettG-<iK»' op. 7; 6 Klaviersonaten 
op. 4, 12, 18, ig, 22, 26; Preludes fur Kl. 
op. 1, 10; andere Stiicke fur Kl. op. 3, 4, 
6, 9, 16a, 21; Lieder op. 2, 5, 8, 11, 13, 14, 
15, 20, 23, 24, 25, 31; Biihnenmusik zu 
Maeterlincks Ariane et Barbebleue op. 16 
fur das Moskauer Kammertheater. 

Alfano, Franco, * 8. Marz 1877 zu 
Posillipo (Neapel), Schiiler erst des Cons. 
diS. Pietro aMaiella zu Neapel (De Nardis 
und Serrao), dann des Leipziger Konser- 
vatoriums (Jadassohn, Sitt). Von Berlin 
aus (1896) machte er eine Reise als Klavier- 
virtuose nach Polen (mit eigenen Wer- 
ken), kehrte nach Leipzig zuriick, wo er 
(nach Fogazzaro) den Zweiakter Miranda 
(1896) und den Zweiakter An den Quellen 
von Enschir (Text von Illica, Breslau 1898) 
schrieb; 1900 wendete er sich nach Paris und 
lieferte den Folies-Bergeres einige Ballett- 
pantomimen (Napoli 1901, Lorenza 1901). 
Seinen ersten grofienErfolg errang er mit der 
4-akt. Oper Resurrezione (nach Tolstois Ro- 
man von Cesare Hanau; Turin 1904, dann 
Scala [Mailand] usw. ,Brtissel und Berlin, auch 
Paris [Opera-Comique]). Erst Kompositi- 
onslehrer und Direktor am Liceo mus. von 
Bologna, ist er seit 1923 Direktor des Liceo 
mus. G. Verdi in Turin. Der unvollendeten 



Turandot Puccinis hat er auf Wunsch der 
Familie und des Verlags die abschlieBende 
Szene hinzugefiigt. Er ist einer der geach- 
tetsten und technisch reifsten Musiker des 
heutigen Italien; sein Opernideal liegt in 
der moglichsten Unabhangigkeit der Ge- 
sangslinie von Begleitung und Harmonic 
Werke auBer den erwahnten : Suite roman- 
tica fiirOrch.(i909); SinfonieE-dur(i909/io); 
Streichquartett D-dur (1914/18) ; Tre poemi 
di Tagore fur Ges. und Kl. ; Sei Liriche fiir 
Ges. und Kl. ; 2. Streichquartett in Cmoll; 
Sonate D moll fur Kl. und V.; Sonate in G 
fiirVc. und Kl. — Opern: i7 Principe Zilah, 
4 akt., Text von Illica und da Claretie 
(Genua 1909); Vornbra di Don Giovanni, 
3 akt., Text von Ettore Moschino (Mail. 
Scala 1914) und sein Hauptwerk:SaAttwta/a, 
Legende in 3 Akten auf eigenen Text 
(Bologna 192 1, Neapel, Mail. Scala, Buenos 
Aires, Diisseldorf, Antwerpen usw.); Ma- 
donna Imperia (Turin, 5. Mai 1927). Vgl. 
G. M. Gatti, F. A. in: Musicisti moderni 
d' 'Italia e di fuori (Bol. 1920) und in Musical 
Times (London, Marz 1921) ; Gajanus, A rtisti 
contemporanei, F.A. (inEmporium, Bergamo, 
Marz 1919) ; G. Cesari, La leggenda di Sacun- 
tala di F.A. (R. mus. it. XXVIII, 1921). 

Alfarabi, oder El Farabi (Alphara- 
bius), auch kurzweg Farabi genannt nach 
seinem Geburtsort Farab, dem heutigen 
Otrar im Lande jenseits des Oxus, beruhmter 
arabischer Musiktheoretiker, * um 900 n.Chr. 
und J um 950. Sein eigentlicher Name ist 
Abu NaBr Mohammed Ben Tarchan. 
A. war ein grimdlicher Kenner des grie- 
chischen Tonsystems und bestrebt, es bei 
seinen Landsleuten einzufuhren, doch ohne 
Erfolg; allerdings hatten diese kaum notig, 
bei den Griechen in die Schule zu gehen (vgl. 
Araber und Perser). Vgl. Kosegartens 
Analyse seines Doppelwerks iiber Musik in 
der Zeitschrift fiir die Kunde des Morgen- 
landes, Bd. 5 (1844), und M. Soriano- 
Fuertes Musica Arabo-Espanola (1853). 

Alferaki,Ach ill Nikolajewitsch, Kom- 
ponist, *3. Juli 1846 inCharkow. Von seinen 
Werken sind fiber 100 Lieder, Chore und 
Klaviersachen herausgegeben. 

Alfieri, Abbate Pietro, Kamaldulenser- 
monch, spater Gesangsprofessor am eng- 
lischen Kolleg zu Rom, * 29. Juni 1801 und 
f i2.Junii863inRom,schriebeineAnweisung 
fiir die mehrstimmige Begleitung der kirch- 
lichen Gesange (A ccompagnamento coll 'organo 
usw. 1840^, Ratschldge zur Wiederherslellung 
des Gregorianischen Gesanges (Ristabilmento 
del canto usw. 1843), einLehrbuch desGregoria- 
nischen Gesangs (Saggio siorico usw. 1855), 
dazu noch einen Prodromo sulla restaura- 
zione usw. 1857, historische Notizen iiber die 
Congregazione de' maestri e professori di 
musica di Roma (1845), biographische Ab- 
handlungen iiber Bern. Bittoni und Jommelli 
(1845) un d redigierte die Sammelwerke Ex- 
cerpta ex celebrioribus de musica viris (1840, 
Palestrina, Vittoria, Allegri), Raccolta di 
Motetti (Palestrina, Vittoria, F. Anerio 1841) 
und Raccolta di musica sacra (die erste Sam- 



Alfonso della Viola — Alkan. 



29 



melausgabe der Werke Palestrinas, 7 starke 
Bande, 1841 bis 1846). Allegris Miserere gab 
er 1840 unter dem Pseudonym Aless. Gemi- 
niani heraus. Auch ubersetzte er Catels 
Harmonielehre ins Italienische (1840) und 
schrieb viele Aufsatze fur die Mailander 
Gazzetta musicale. 

Alfonso della Viola, um 1539 — 67 am 
Hofe zu Ferrara, gab 2 Biicher 4st. Madri- 
gale heraus (1539 — 40), und schrieb Musik- 
einlagen zu Dramen, die am Hofe zu Ferrara 
zur Auffuhrung gelangten (eine monodische 
Probe bei Solerti, Albori I). 
^Alfonso el Sabio (der Weise), Konig 
von Kastilien, * 1252, f 1284, zugleich 
Dichter und Musiker, der unter dem Titel 
Cantigas zu Ehren der Heiligen Jungfrau 
einige hinreiBende Weisen erfand. Vgl. 
Cantigas. 

Alfven, Hugo, schwedischer Komponist 
und Dirigent, * 1. Mai 1872 in Stockholm, 
1887—91 Schiiler des dortigen Konserva- 
toriums, dann 1891 — 97 von Lars Zetter- 
qvist (V.) und Johan Lindegren (Theorie); 
studierte hierauf noch in Deutschland, 
Frankreich, Belgien (Cesar Thomson, 1898); 
Opernkapellmeister unter Kutzschbach in 
Dresden, Kompositions-Lehrer am Stock- 
holmer Konservatorium 1903/04; seit 1910 
Universitats-Musikdirektor in Upsala, wo 
er den sehr bekannten Studenten-Chor 
LW/ Orphei drdngjr dirigiert, mit dem er in 
Deutschland, Danemark, RuBland, Nor- 
wegen, Frankreich, Finnland konzertierte. 
Dirigent auf den Musikfesten in Dortmund 
1912, Stuttgart 1913, Gothenburg 1915, 
Kopenhagen 1918/19, Helsingfors 1921, 
Upsala 1911, Dr. h. c. von Upsala 1917. 
A. gehort zu den fiihrenden schopferischen 
Musikern Schwedens; sein Schaffen liegt 
auf der Linie einer Neuromantik von 
starkem Natur- und Formgefuhl. Werke: 
I. Sinfonie F moll op. 7; II. Sinfonie D 
dur op. 11; Midsommarvaka, Rhapsodie 
op. ig (Kop. 1908); sinfonische Dichtung 
En Skdrgardssdgen op. 20 (Stockh. 1921); 
III. Sinfonie E dur op. 23 (id. 1913); Upsala 
Rhapsodie op. 24 (id. 1907); Festspiel fur 
Theater op. 25 (id. 1908); Drapa, sinfonische 
Dichtung op. 27; Ballettpantomime Den 
bergtagna op. 57; IV. Sinfonie C moll op. 39 
(Wien 1922); Die Glocken fur Bariton und 
Orchester op. 13; Sten Sture fur Bariton, 
Manner-Chor und Orchester op. 30; Bal- 
tische Ausstellungs-Kantate op. 33 (1914); 
Ode auf Gustavus Wasa fur Soli, ge- 
mischten Chor und Orgel op. 40; En bat 
met blommor fur Bariton und Orchester; 
Mimodrama Bergakungen (Stockholm 1923). 
Kammermusik: Sonate fur V. und Kl. 
Cmoll op. 1; Romanze fur V. und Kl. op. 3; 
Elegie fur Horn und Kl. op. 5; Kl.-Stiicke; 
Lieder. 

Algarotti, Francesco [Graf], * 11. Dez. 
1712 zu Venedig, | 3. Mai 1764 in Pisa; 
ein Mann von vielseitiger Bildung und Welt- 
kenntnis, wurde von Friedrich d. Gr. 1740 
nach Berlin gezogen, wo er neun Jahre 
als Kammerherr blieb und in den Grafen- 



stand erhoben wurde. A. war dem Konige 
bei der Abfassung von Opernlibretti be- 
hilflich. 1749 ging er aus Gesundsheitsriick- 
sichten nach Italien zuruck ; Friedrich d. Gr. 
lieB ihm in Pisa ein Denkmal errichten. 
A. schrieb unter anderem: Saggio sopra 
Popera in musica (1750, mehrfach aufgelegt 
und ins Franzosische, Englische und Deut- 
sche ubersetzt) . Vgl. Michelessi, Memorie 
intomo alia vita ed agli scritti etc., Venedig 
1770, franzosisch als: Memoires concernant 
la vie etc., Berlin 1772; F. Forster, 
Friedrichs II. Brief wechsel . . . mit dem 
Grafen A. (1847); M - Siccardi, L'A. 
critico scrittore di belle arti (Asti 181 1) 
und E. Wellesz, Sammelb. der IMG. XV 
(1914). Vgl. Alcarotti. YjuMJ^^ 1 ^^- 
Alio, Francisco, J*paa4sefter-f /Musiker 
des katalonischen Kreises, \ 1908, dessen 
Auftreten den Beginn der modernen spa- 
nischen Renaissance in der Musik be- 
zeichnet. Er veroffentlichte eine Sammlung 
katalonischer Volksweisen, die er harmo- 
nisierte (Cangons populars Catalanas) und 
eine Sammlung eigener Lieder (Sis melodies) . 
Vgl. Lluis Millet Pel nostre Ideal (1917). 
XAliprandi, Bernardo, aus Mailand ge- 
biirtig, 1732 Violoncellist der Miinchener 
Hofkapelle, 1737 Kammerkomponist und 
1750 Konzertmeister, 1780 pensioniert, 
scheint als Komponist nur mit einigen 
Opern (Apollo tra le Muse in Parnasso 
I 737, Mitridate 1738, Semiramide 1740) 
und einem Stabat mater (Sopran und Alt 
mit Instr., 1749) hervorgetreten zu sein. 
Sein gleichnamiger Sohn war bereits 1762 
ebenfalls Cellist im Miinchener Hoforchester 
und gab einige Cellosachen heraus. 

Aliquottone, s. v. w. Obertone (s. d.). 
X Alkan (spr. alkang), Charles Henri 
Valentin (Morhange, genannt A.), * 30. 
Nov. 1813 und f 29. Marz 1888 zu Paris, 
wurde mit 6 Jahren Schiiler des Pariser 
Konservatoriums, erhielt schon nach andert- 
halb Jahren den ersten Solfegepreis und 
als Zehnjahriger den ersten Klavierpreis 
(Schiiler von Zimmermann). 1831 kon- 
kurrierte er um den Romerpreis und erhielt 
eine Ehrenerwahnung. Seit dieser Zeit 
widmete er sich der Komposition und dem 
Unterricht, von Zeit zu Zeit als Pianist 
in den Konservatoriumskonzerten und an- 
derweit auftretend. A. hat eine Reihe origi- 
naler und groBziigiger Pianofortewerke von 
groBer technischer Schwierigkeit veroffent- 
licht: Praludien, Etiiden, Marsche, ein Kon- 
zert, eine Sonate usw., von denen nament- 
lich erwahnt seien: Etudes-Caprices op. 12, 
13, 16; Konzertetiide Le Preux, op. 17; Trois 
Grandes Etudes op. 15; Douze Etudes op. 35; 
Douze Grandes Etudes op. 39; Nocturne 
op. 22; Saltarelle op. 23; Marche funebre 
op. 26; Marche triomphale op. 27; BourrSe 
d Auvergne op.2g; Klaviertrio op. 3o;i<, Pre- 
ludes op. 31; Recueil d' Impromptus op. 32; 
Grande Sonate op. 33; Werke fur Pedal- 
Klavier op. 64, 66, 6g, 72. — Auch sein 
Bruder Napoleon Morhange A., * 2. Febr. 
1826 zu Paris, war ein tuchtiger Pianist 



30 



Allabreve-Takt — Allemande. 



unci hat einzelnc Pianofortesachen heraus- 
gegeben. 

Allabreve-Takt (auch alia cappella ge- 
nannt) ist der 2 / 2 -Takt, bei dem nicht die 
Viertel, sondern die Halben geschlagen 
(gezahlt) werden; er wird gefordert mittels 
Durchstreichen des g-Taktzeichens: jg oder 

durch eine 2 (Diminutio, Proportio dupla), 
im 14. — 17. Jahrhundert auch durch Durch- 
streichen des vollen Kreises (D oder durch 
eine 3 (Proportio tripla). Durch das alia 
Breve riickten die Geltungsbestimmungen 
der vier Prolationen © (3.3), O (3 • 2), 
G (2.3) und C (2.2) von den Werten der 
Brevis und Semibrevis auf diejenigen der 
Longa und Brevis. Heute, wo Brevis und 
Longa nicht mehr in Gebrauch sind und 
Dreiteiligkeit (Perfektion) fur keine Noten- 
gattung mehr vorgeschrieben werden kann, 
ist das (RE das alleinige Oberbleibsel des 
Allabreve, bedeutet aber, da es ein Zahlen 
nach Breves nicht mehr gibt, ja nicht 
einmal mehr ein Zahlen nach Ganzen, nur 
mehr die Beschleunigung der Bewegung, 
das Zahlen nach Halben statt nach Vierteln. 
In der tlbergangszeit (1600 — 1730) findet 
man nicht selten unsere gemeinen Takt- 
vorzeichnungen 3 / 4 , 6 / 4 , 3 / 2 , 3 / s , 6 / 8 mit Bei- 
fugung eines JJ oder W, das fiir die Ober- 
tragung eigentlich bedeutungslos ist und 
nur bestimmt, daB keine Perfektions- 
regeln mehr gelten. Vgl. diesbeziiglich den 
Artikel Tripla in Brossards Lexikon. In 
Suiten, Sonaten aus der Zeit Bachs ist die 
Oberschrift Allabreve nicht selten fiir im 
altern Stile (,,nach Art der Kirchensonaten") 
geschriebene lebhaf te Satze im geraden Takt 
mit vielen Bindungen, Sequenzen usw. 
Joh. Pezeld (1686) gebraucht den Ausdruck 
Allabreven als Gattungstitel. Vgl. Brevis 
und Taktvorzeichnung. 

Allacci (spr. allatschi, Allatius), Leone, 
* 1586 auf Chios von griechischen Eltern, 
I 19. Jan. 1669 zu Rom, kam als Knabe 
nach Kalabrien, spater nach Rom, wo er 
nach fleiBigen Studien Lehrer am griechi- 
schen Kolleg und 1661 Bibliothekar der 
vatikanischen Bibliothek wurde. Das fur 
die Musikgeschichte wichtige Werk dieses 
gelehrten Archaologen, seine Drammaturgia 
(1666), ist der erste Versuch eines Ver- 
zeichnisses aller in Italien aufgefiihrten 
Dramen und Opern. Eine bis 1755 fort- 
gefiihrte Neuausgabe veranstaltete G. B. 
Pasquali (1755). 

Allargando (italienisch), s. v. w. breiter 
(langsamer) werdend, besonders da statt 
ritardando (rallentando) gebraucht, wo die 
Tonstarke wachsen soil (agogische Stau- 
ung). 

Allegramente (italienisch), s. v. w. 
Allegro moderato. 

Allegretto (italienisch, abgekiirtzt AlW-°, 
Diminutiv von Allegro), gemaBigt lebhaft, 
Tempobezeichnung von sehr schwankender 
Bedeutung; es gibt Allegretti, die dem 
Allegro sehr nahe stehen (z. B. in der G dwr- 



Sonate op. 14 1 von Beethoven), wahrend 
andere vollstandig Andante-Ckaxakter haben 
(das der A dwr-Sinfonie). 

Allegri, Gregorio, * 1582 und f 17. 
Febr. 1652 zu Rom, 1591 — 96 Chorknabe 
unter G. Bernardino Nanino in S. Luigi 
dei francesi, wo er noch von 1601 — 04 als 
Tenorist an Festtagen tatig war, nach 
Adami auch Schiller von Gio. Maria Nanino, 
seit 1629 papstlicher Kapellsanger, ist am 
bekanntesten durch sein neunstimmiges 
Miserere, das lange Zeit zu den Vorzugs- 
stiicken der Karwoche in der Sixtinischen 
Kapelle gehorte und nicht kopiert werden • 
durfte (zuerst 1771 von Burney heraus- 
gegeben, seitdem offer), eine iibrigens sehr 
einfache fauxbourdonartige ^Composition. 
An Druckwerken sind von A. bekannt: 
2 Biicher Concertini 2 — 4 v. (1618 — 19), 
2 Biicher Motetten 2 — 6 v. (1621) und 
eine 4st. Sonate fiir Streichinstrumente ; 
handschriftlich eine Menge Kirchengesange 
in Rom in den Archiven von Santa Maria 
in Vallicella und der papstlichen Kapelle 
(Messen, Lamentationen, Motetten, Magni- 
ficats, Improperien, Tedeum). Eine groBe 
Zahl seiner Werke befinden sich spartiert 
in der Bibliothek Santini (jetzt in Minister; 
vgl. Bibliotheken). Vgl. A. Cametti, 
Riv. mus. Hal. XXII (1915), S. 596L 

Allegro (italienisch, abgekiirzt A 11°), eine 
der altesten Tempobezeichnungen, bedeutet 
im Italienischen ,,heiter", ,,lustig", hat 
aber im Lauf der Zeit die Bedeutung von 
,,schnell" erhalten, so daB es heute in 
Zusammensetzungen allgemein gebraucht 
wird, die gegenxiber der italienischen Wort- 
bedeutung pleonastisch oder auch geradezu 
sinnlos erscheinen, z. B. A. giojoso (,,lustig- 
heiter"), A. irato (,,lustig-zornig"). Der 
alte Wortsinn existiert wenigstens fiir uns 
Deutsche nicht mehr. Wie man von einem 
Adagio als einem langsamen Satze ganz 
allgemein spricht, so hat auch das Wort A . 
die allgemeine Bedeutung eines schnell be- 
wegten Satzes erhalten, und man nennt 
daher z. B, einen ersten Sinfoniesatz ein 
A ., auch wenn er vielleicht mit Vivace oder 
Con fuoco uberschrieben ist. Der Super- 
lativ allegrissimo ist selten; er steht in der 
Bedeutung etwa mit presto gleich. Im 17. 
Jahrhundert ist es noch allgemein gebrauch- 
lich, schnelle Satze mit kiirzeren Noten- 
werten zu notieren, so daB die Tempo- 
bezeichnungen noch ziemlich entbehrlich 
sind. Seit Bachs Zeit aber ist es Brauch 
geworden, den asthetischen Eindruck zu 
verstarken durch Vermeidung kleiner Werte 
im Allegro und Presto (vgl. Tempo) . Es 
versteht sich, daB man arge MiBgriffe 
machen kann, wenn man diese alteren Werke 
mit Anwendung unserer heutigen Bedeutung 
der Bestimmungen interpretiert und etwa 
die Achtel eines Adagio viel langsamer 
nimmt als die Viertel eines Allegro. 

Alleluia s. Halleluja. 

Allemande (franzosisch, spr. allmangd, 
englisch Almain [spr. almen], Allmayne, 
,,deutscher Tanz"), etwa seit 1550 (z. B. 



Allen — Allison. 



31 



in Attaingnants Troisieme livre de danceries, 
1556) der Name der in Deutschland ent- 
wickelten neuenForm desReigens, im Gegen- 
satz zu der altvaterisch gewordenen Pavane 
(s. d.). Die Allemanden vor und um 1600 
sind wirkliche Tanze zum Tanzen, von 
schlichter volksmaBiger Rhythmik in ge- 
radem Takt, und haben noch nicht eine 
obligatorische Form des Auftaktes, als 
welche sich 100 Jahre spater der Anfang 
mit einem Achtel oder Sechzehntel vor dem 
Taktstrich herausbildete. Man vgl. : 
, Allemande von 1571 (Phalese). 



, Allemande d' Amour. 




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Zu Bachs Zeit ist die Allemande mindestens 
ebenso weit von der schlichten Faktur 
wirklicher Tanze abgekommen wie zu 
Scheins Zeit die Pavane. Man vgl.: 

Fr. Couperin, Allemande La Tenebreuse. 



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Die heute in Schwaben und der Schweiz 
iibliche lebhafte A. im 3 / 4 -Takt (!) hat mit 
den alteren Allemanden nichts zu tun, steht 
vielmehr dem Schnellwalzer sehr nahe (die 
Deutschen, Allemanden oder Alia Tedesca in 
Haydns Es dur-Trio, bei Beethoven u. a. 
sind solche Schnellwalzer). Vgl. Balletto. 

Allen (spr. all'n), Edward (Heron-A.) 
*i7. Dez. 1861 zu St. John's Wood (London), 
schrieb : De fidiculis bibliographia (englisch, 
12 Teile, 1890 — 93) und Violin Making as 
it was and is (1884 [1894]). 

Allen (spr. all'n), George Benjamin, 
Komponist und Sanger, * 21. April 1822 in 
London, "j^o. Nov. 1897 in Brisbane (Queens- 



land), Organist der Allerheiligenkirche zu 
Kensington, spater Operndirektor, lebte seit 
1890 in Brisbane. A. schrieb Opern, Kan- 
taten, Lieder, Klaviersachen. 

Allen (spr. all'n), Hugh Percy,* 23. Dez. 
1869 zu Reading (London), Organist und 
Chordirigent, bekleidete seit seinem elften 
Jahre Organistenposten in London, Chi- 
chester, Cambridge, Ely, war 1901 — 20 
Dirigent des Bach-Choir in London, 1901 — 18 
Organist am New College in Oxford (1898 
Musik-Dir.), 1918 Dozent in Oxford, seit 
1918 Dir. des R. Coll. of Music in London. 
Er ist einer der bedeutendsten Organi- 
satoren der Musikverhaltnisse und einer 
der geachtetsten und einfluBreichsten Mu- 
siker in England. 

Allentando 

tando. 



(italienisch), s. Rallen- 



Allgemeine deutsche Bibliothek, von 

Chr. Fr. Nicolai 1765 — 92 in 107 Banden 
herausgegebene und 1793 — 1800 ohne Nico- 
lais Mitwirkung, dann aber wieder bis 1805 
von mm weitergefiihrte Zeitschrift, welche 
auch zahlreiche, die Musik angehende Auf- 
satze und Besprechungen enthalt. 

Allgemeine Deutsche Biographie, von 

der Kgl. Historischen Kommission in Miin- 
chen unter Redaktion ' von Rochus von 
Liliencron und Wegele in alphabetischer 
Ordnung herausgegebene Sammlung der 
Biographien hervorragender Deutschen (1875 
bis 1900 45 Bande; seitdem eine Reihe 
Nachtragsbande). Sie enthalt fiber zahl- 
reiche Tonkunstler wertvolle Spezialarbeiten 
verschiedenster Autoren. 

Allgemeiner deutscher Musikverein, 

s. Vereine. 

Allihn, Heinrich Max, * 31. Aug. 1851 
und f 15. Nov. 1910 zu Halle a.S., wurde 1876 
Archidiakonus zu WeiBenfels, 1885 Pfarrer 
und Kreisschulinspektor zu Athenstedt bei 
Halberstadt und folgte dann der Berufung 
als Pfarrer in seine Vaterstadt. A. be- 
arbeitete Topfers Lehrbuch der Orgelbau- 
kunst in 2. Auflage (Theorie und Praxis 
des Orgelbaues, 1888), schrieb noch Die 
Hausinstrumente Klavier und Harmonium 
(1892), Die P/lege des musikalischen Teils 
des Gottesdienstes (1906), einen Wegweiser 
durch die Harmonium-Musik (1894) und 
zahlreiche Aufsatze fur Paul de Wjits Zeit- 
schrift fur Instrumentenbau. Auch hat er 
unter dem Pseudonym Fritz Anders 
mehrere Romane veroffentlicht. 

Allin, Arthur Ivan, * 3. Dez. 1847 
zu Kopenhagen (schwedischer Abkunft), 
Schiiler von W. Tofte, A. Ree und F. 
Rasmussen, 1889- — 1915 Domorganist zu 
Aarhus, schrieb Orchesterwerke (Sinfonie, 
2 Konzertouverturen), Klavierlieder, Kla- 
vierstucke. 

Allison (spr. allis'n), Horton Claridge, 
Organist und Pianist, * 25. Juli 1846 in 
London, Schiiler der Royal Academy of 



32 



Alliteration — Alphabetische Gitarren=Tabulatur. 



Music und 1862 — 65 des Leipziger Konser- 
vatoriums, 1877 Mus. Dr. (Dublin), Musik- 
lehrer zu Manchester, trat als Komponist 
mit einem Klavierkonzert, Etiiden, Orgel- 
stiicken sowie geistlichen Vokalwerken an 
die Offentlichkeit. 

Alliteration s. Stabreim. 

Alme, Waldemar, norwegischer Pianist, 
* 10. Jan. 1890 zu Oslo, Klavier- und Orgel- 
schuler an Lindeman's Konservatorium 
daselbst, trat 1908 vor das Publikum in 
Oslo, studierte dann noch in Berlin Theorie 
bei Tobias und Schrattenholz und Klavier 
bei Barth, war 1916/17 Lehrer am Klind- 
worth-Scharwenka- Konservatorium undl.919 
bis 1921 erster Lehrer am Musikinstitut in 
Helsingfors. Er hat in Deutschland, 
Frankreich, Finnland und Skandinavien 
konzertiert und lebt als Organist und 
Padagoge in Oslo. 

Almeida, Francisco Antonio d', 
Begriinder der portugiesischen Oper mit 
der dreiaktigen Oper La Pazienza di Socrate 
(Lissabon 1733), schrieb bis 1752 noch fol- 
gende Opern: La Finta Pazza, Le Virtu 
Trionfanti, La Spinalba und Vlppolito, auch 
Kirchenmusik. 

Almenrader, Karl, * 3. Okt. 1786 zu 
Ronsdorf bei Diisseldorf, f 14. Sept. 1843 
in Biebrich, autodidaktischerFagottvirtuose, 
1810 Lehrer des Fagottspiels an der Musik- 
schule zu Koln, 18 12 Fagottist im Theater- 
orcliester zu Frankfurt a. M., 181 5 — 16 
Militarkapellmeister, lieB sich dann in Mainz 
nieder (befreundet mit Gottfried Weber). 
1820 — 22 betrieb er in Koln eine Fabrik 
von Blasinstrumenten, trat aber dann in 
die nassauische Hofkapelle zu Biebrich, 
nebenbei die Anfertigung der Fagotte in 
der Schottschen Instrumentenfabrik zu 
Mainz iiberwachend. A. hat das Fagott 
verbessert und dariiber eine Broschiire ge- 
schrieben; auch hat er eine Fagottschule, 
Konzerte, Phantasien usw. fur Fagott mit 
Streichinstrumenten sowie einige Gesang- 
sachen komponiert, darunter die s. Z. 
populare Ballade Des Hauses letzte Stunde. 

Almerie (Anagramm von Lemaire), 
nannte Jean Lemaire eine von ihm kon- 
struierte Lautenart. Vgl. M. de Marolles, 
Memoir es (1755) III, 206. 

Almorox s. Cancionero musical. 

Almquist, Ludvig, * 28. Nov. 1793 
zu Stockholm, f 26. Sept. 1866 in Bremen, 
Dichter und auch Komponist eigener Lieder, 
machte s. Z. Aufsehen durch seine freien 
Phantasien am Klavier, gab auch eine 
Anzahl Phantasien heraus (nach Norlinds 
Musiklexikon haben aber Sodermanns Fan- 
taisies A la A. nichts mit ihm zu tun). 

Alnaes, Eyvind, * 29. April 1872 zu 
Fredriksstad (Norwegen), Schiiler von Iver 
Holter in Oslo und 1892 — 95 von Reinecke 
am Leipziger Konservatorium. Erst (1895 
bis 1907) Organist in Drammen, lebt er 
seiti907inOslo alsOrganist undChorvereins- 
dirigent (Handwerker-Gesangverein) , seit 
1916 Organist und Kantor an der Erloser- 
kirche, seit 1920 Leiter von Hotter 1 s Chor- 



verein. Er schrieb: Sinfonie C moll (Oslo 
1898); Sinf. Variationen op. 8 (Leipzig, 
Kopenhagen, Oslo); Klavierkonzert D dur 
(Kopenhagen, Oslo); Suite fur V. und 
Klavier; Manner-Chor; Klavier- Stii eke; Lie- 
der (darunter das bekannte Sidste reis 
= Letzter Tag). 

Alois, Ladislaus, * i860 in Prag, 
j 1917 in Petersburg (?), 1873 — 79 Schiiler 
des Pariser Konservatoriums, seit 1898 Solo- 
Violoncellist des Kaiserlichen Hoforchesters 
und Professor am Konservatorium (Violon- 
cell- und Ensembleklasse) zu Petersburg, 
hat eine ganze Reihe von Kompositionen 
fiir sein Instrument veroffentlicht, darunter 
zwei Konzerte, ein Trio, auch Lieder und 
Klavierstiicke. 

Alonso (deAlba) s. Cancionero musical. 

Alpaerts, Flor, belgischer Komponist 
und Dirigent, * 12. Sept. 1876 zu Antwerpen, 
wo er am Konservatorium unter Jan Blockx 
und H. Tilborghs studierte und 1902 als 
Lehrer fiir Solfege in den Lehrkorper ein- 
trat; jetzt ist er Lehrer fiir Kp. und Fuge. 
Seit 1919 ist er Leiter der Sinfonie-Konzerte 
der Zoologischen Gesellschaft; ist ferner der 
Urheber des Peter Benoit-Fonds, der all- 
jahrlich im Juli oder August Musikfeste 
mit Werken Peter Benoit's, des Griinders der 
flamischen Schule, veranstaltet. Als Gast- 
dirigent und Propagandist der flamischen 
Komponisten ist er in Briissel (Concerts 
Ysaye), Paris (Cone. Pasdeloup), Ostende, 
Prag, im Haag, in Rotterdam, Utrecht, 
Marseille hervorgetreten. Werke: Oper: 
Shylock (Antwerpen 191 2); fur Orchester: 
die sinfonischen Dichtungen Poeme symph. 
fiir Flote und Orchester; Psyche; Pallieter; 
Renouveau; Cyrus; Symphonie du Prin- 
temps; Nocturne ( Avondstemming) fiir Or- 
chester; Salome's Tan.: fiir kleines Orchester; 
Vlaamsche Idylle; Boschspeling; A an Zee 
fiir gemischten Chor; Szenenmusiken zu 
Hauptmann's Versunkener Glocke und zu 
Sophokles' Odipus auf Kolonos; 3 Kantaten, 
darunter: Het Schoones Vaderland fur Kin- 
derch. und Orchester, 191 2; 3 Fantasien fiir 
Klavier; Klavier- Stiicke ; Lieder, Kinder- 
lieder (4 Sammlungen); Solfeggien(5 Hefte). 

Alphabet, musikalisches s. Buchstaben- 
tonschrift. 

Alphabetische Gitarren-Tabulatur, eine 
durch die Buchstaben A — Z und ein paar 
Hilfszeichen (-{-, 2, 9, R) Akkordgriffe 
iiber alle fiinf Saiten der Gitarre andeutende 
Notierungsweise des Akkompagnements in 
zahlreichen monodischen Werken der 1. 
Hiilfte des 17. Jahrhunderts ; einen Schliissel 
dieser Zeichen s. in Riemanns Handbuch 
der MG. II, 2 S. 360, sowie bei Joh. Wolf, 
Handbuch derNotationskunde II. Die a. G.-T . 
ist wohl als aus der Improvisationspraxis der 
Laute und der ahnlich bezogenen Gambe 
herausgewachsen anzusehen, welche bereits 
im 16. Jahrhundert die allmahliche Ent- 
stehung der Harmoniebegriffe belegt und 
direkt zum GeneralbaB uberfuhrt. Vgl. 
Ortiz. 



Alphorn — Altchristliche Musik. 



33 



Alphorn (Alpenhorn), ein primitives, 
uraltes, als Holztrompete anzusprechendes, 
nur uber die Naturskala verfugendes Bias- 
instrument, dessen sich die Hirten in den 
Alpen bedienen ; die gerade, 5 — 6 Fufi lange, 
meist konische Rohre ist aus Holzdauben 
zusammengefiigt und ihr ein aus hartem 
Holz gefertigtes Kesselmundstiick — das 
manchmal auch fehlt — aufgesetzt. Vgl. 
Szadrowsky, Die Musik und die ton- 
er zeugenden Instrumente der Alpenbewohner 
(Jb. des Schweizer. Alpenclubs IV, 275!). 

[d'JAlquen (spr. -ken), Peter Cornelius 
Johann, * 1795 zu Arnsberg (Westfalen), 
1 27. Nov. 1863 zu Mulheim a. Rh.; stu- 
dierte in Berlin Medizin und unter Klein und 
Zelter Musik, wandte sich aber als praktischer 
Arzt zu Mulheim iiberwiegend der Kompo- 
sition zu und wurde durch seine Lieder 
popular. — Sein jungerer Bruder, Friedrich 
A. E., * 1810, 1 18. Juni 1887 in London, 
war fiir die junstische Laufbahn bestimmt 
(Dr. jur.), bildete sich jedoch unter Hubert 
Ries zum Violinvirtuosen aus, lieB sich 1827 
in Brussel als Musiklehrer nieder und siedelte 
1830 nach London uber, wo er verschiedene 
Violin- und Klavierkompositionen ver- 
offentlichte und als Musiklehrer geschatzt 
war. 

Alsfeld. Vgl. D otter, Das Collegium 
musicum zu Alsfeld (Mitteilungen des Ge- 
schichts- und Altertumsvereins der Stadt A. , 
Nr. 11). 

Alsleben, Julius, *24.Marz 1832 und 
f 8. Dez. 1894 zu Berlin, studierte in Berlin 
Orientalia, promovierte in Kiel, widmete 
sich dann aber ganzlich der Musik als Schiiler 
von Leuchtenberg, Zech und S.Dehn. A. 
lebte als Klavierlehrer in Berlin, wurde 1865 
Vorsitzender des Berliner Tonkiinstler- 
vereins, 1879 Mitbegriinder und Vorsitzender 
des Musiklehrervereins. 1872 erhielt er den 
Professortitel. A. redigierte seit 1874 einige 
Jahre die Harmonie und verdffentlichte : 
Abri/3 der Geschichte der Musik (zwolf Vor- 
lesungen, 1862), Kleines Tonkiinstlerlexikon 
(1864), Ober die Entwickelung des Klavier- 
spiels (1870) und Licht- und Wendepunkte in 
der Entwicklung der Musik (1880). 

Alstedt, Joh. Heinr., * 1588 zu Bellers- 
bach bei Herborn (Nassau), Professor der 
Theologie und Philologie zu Herborn, f 8. No- 
vember 1638 zu WeiBenburg in Siebenbiirgen, 
handelt in seiner Enzyklopddie der gesamten 
Wissenschaften (1610) vielfach von der Mu- 
sik, gab auch ein Elementale mathematicum 
(1611) heraus, von dem ein Teil das Ele- 
mentale musicum ist, welches separat ins 
Englische iibersetzt wurde (1664 durch J. 
Birkensha); endlich beschaftigt sich auch 
der achte Teil seines Methodus admirando- 
rum mathematicorum (1613) mit der Musik. 

Alt, 1) Altstimme (ital. Contralto [Alto], 
franz. Haute-contre, bei lateinischer Bezeich- 
nung der Stimmen A Itus, Vox alta oder Con- 
tratenor), die tiefere der beiden Arten der 
Frauen- und Knabenstimmen, welche den 
Schwerpunkt im Brustregister hat. Der 
Normalumfang der wirklichen Altstimme 

Hi emann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



reicht von klein a, beim tiefen A. von / 
(ausnahmsweise von e, d) bis e", f" (bei 
umfangreichen Stimmen aber hoher). — 
Historisch und satztechnisch ist die Alt- 
stimme die erst im 15. Jahrhundert beim 
Ubergange von der normalen Dreistimmig- 
keit zur normalen Vierstimmigkeit hinzu- 
kommende. Die ersten Versuche der Mehr- 
stimmigkeit im g.- — 11. Jahrhundert (Orga- 
num,Diaphonie)improvisierten zu den kirch- 
lichen Melodien eine in wechselnden Abstan- 
den sie begleitende zweite Stimme, die zuerst 
gewohnlich tiefer lag als die Hauptstimme 
(der Tenor); erst der franzosische Dechant 
des 12. Jahrhunderts legte die Gegenstimme 
durchweg hoher ( Discantus), der wohl ebenso 
alte englische Fauxbourdon (s. d.) brachte 
sogar zwei uber dem Tenor sich bewegende 
Gegenstimmen. Dagegen stiitzte die Floren- 
tiner A rs nova des 14. Jahrhunderts die frei 
erfundene Oberstimme (Cantus) durch einen 
die Harmonie fundamentierenden BaB, und 
die Kunst der Epoche der Rondeaux und 
Balladen um 1400 (bis zu Binchois und Du- 
fay) fugte als dritte Stimme den Contra- 
tenor hinzu, der den Satz fullend und ergan- 
zend bald uber bald unter dem Tenor sich 
bewegte und beim Ubergange zur Vierstim- 
migkeit (durch Dufay) sich in den Contra- 
tenor altus (Alt, Haute-contre) und Contra- 
tenor bassus (BaB, Basse-contre) spaltete. Da 
aber in dieser alteren Literatur (bis zur Zeit 
Ockeghems)gewohnlich nur eineStimme, und 
auch diese oft nur teilweise zum Singen be- 
stimmt ist, so sind die Umfange dieser Stim- 
men nicht denen der Singstimmen ent- 
sprechend, welche wir heute mit diesem 
Namen belegen. Erst die Durchfuhrung des 
a-cappella-Stih gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts stellte diese Beziehung her, nur 
blieb die Altstimme noch lange fiir eine 
Mannerstimme berechnet (Tenorlage) und 
nur der Diskant wurde durch Knaben ge- 
sungen. Vielfach sind aber auch die Sopran- 
stimmen von falsettierenden Mannern (Alti 
naturali) oder aber Kastraten gesungen 
worden; in England ist fur das Singen von 
Glees (s. d.) das Falsettieren der hohen 
Stimme noch heute gebrauchlich. — 2) Alt- 
instrumente heiBen Instrumente, deren 
Tonlage eine Quart oder Quint unter Nor- 
malinstrumenten sich befindet (Altviola, 
Altklarinette usw.); A. bei der Familie der 
Horner, Trompeten, Posaunen die, deren 
zweiter Naturton klein / oder es ist. 

Altamira, Vizconde de, s. Cancionero 
musical. 

Altani, Hyppolit, * 27. Mai 1846, Schii- 
ler des Petersburger Konservatoriums (Nik. 
Zaremba und Anton Rubinstein), war seit 
1866 als Kapellmeister an verschiedenen 
Provinzbiihnen tatig und 1882 — 1906 erster 
Dirigent der kaiserlichen Oper (groBes The- 
ater) zu Moskau. 

Altchristliche Musik. DaB die Wurzeln 
der a. M. im Orient zu suchen sind, ist seit 
langer Zeit bekannt. Die neuesten Unter- 
suchungen, die sich auf vergleichende Litur- 
gieforschung stiitzen, ergeben aber, daB die 

3 



34 



Altena 



Altes. 



herrschende Theorie, der a. Gesang habe sich 
aus dem jiidischen Tempelgesang einerseits, 
der altgriechischen Musik anderseits ent- 
wickelt, ungenau ist. Aus der Tatsache der 
griechischen Amtssprache in Syrien und 
Palastina darf man nicht schlieBen, daB die- 
jenigen, die sich ihrer bedienten, wirklich 
Griechen gewesen seien. Aber auch der ju- 
dische Einschlag darf nicht als rein semi- 
tischer angesehen werden. Die Juden hatten 
unter der babylonischen Herrschaft vieles 
aus dem Kult dieses Volks ubernommen; 
vor allem aber waren die babylonischen 
Hymnen von grofiem EinfluB auf die hebra- 
ische Hymnendichtung, die Psalmen. Der 
a. Gesang ist also ein Produkt der synkre- 
tistischen Bewegung, wie die gesamte Kultur 
dieser Zeit. Seine erste groBe Entfaltung 
erlebt er in Syrien, Kleinasien und Agypten. 
Von Syrien aus verbreitet er sich nach Arme- 
nien und Georgien einerseits, nach Persien 
andrerseits. In einer spateren Zeit ist dann 
mit dem Nestorianismus, dessen kunst- 
schopferische Kraft besonders in der Hym- 
nendichtung und Musik hervorgehoben wird, 
eine Welle christlicher Kunst von Persien 
iiber Ostturkestan nach China gekommen. 
— Syrien und Kleinasien waren auch fur 
die Verbreitung des a. Kirchengesangs nach 
dem Abendlande wichtig. Hier sind es 
folgende Wege, auf denen er Eingang fand. 
Uber Byzanz nach dem Balkan und RuB- 
land; iiber Ravenna nach Italien (wie die 
Tatsache beweist,daB derWechselgesang aus 
Antiochia nach Mailand drang); iiber Mar- 
seille nach Siidfrankreich und der Schweiz; 
iiber die spanische -and irische Kiiste nach 
dem Innern dieser Lander. Diese Tatsache 
spielt bei der Bestimmung, wie sich die ein- 
zelnen Neumenschriften genetisch zuein- 
ander verhalten, eine wichtige Rolle und 
wird auch bei der Vergleichung der Entwick- 
lungsstadien der gregorianischen Gesange 
von Bedeutung sein. — Die a. Gesange sind 
keine Kunstschopfungen, sondern Volks- 
lieder; daher sind die nationalen Einschlage 
bei den syrischen, koptischen, armenischen 
usw. Gesangen sehr stark. Das alteste da- 
tierbare Stiick a. M. ist der neuerdings auf- 
gefundene Hymnus von Oxyrhynchos, etwa 
vom Ende des 5. Jahrhunderts; in ihm 
mischen sich bereits die hellenischen Ele- 
mente mit orientalischen. Uber diesen 
Hymnus vgl. H.Abert (ZfMW. IV); O. 
Ursprung, Bull, de la Soc. Un. mus. Ill, 
1923, erweitert in Theologie und Glaube, 
Paderborn 1926. Vgl. Egon Wellesz, 
Aufgaben und Problems auf dem Gebiete der 
byzantischen und orientalischen Kirchenmusik 

( IQ2 3)- 

Altena (Westf.) Vgl. Festbuch zur 50 jdhr. 
Jubelfeier . . . MGV A Hon, Altena (1921). — 
Festbuch zur y^jdhr. Jubelfeier . . . MGV. 
Liedertafel Altena i. W. (1921). 

Altenburg. Vgl. Festschrift zur sojdhr. 
Jubelfeier des A.er Mdnnergesang-Vereins 
1863—1913 (1913). 

Altenburg, Joh. Ernst, * 1736 zu 
WeiBenfels. wo sein Vater Johann Kaspar 



A. (* 1688, f 1761) Hoftrompeter war, 
1 14. Mai 1 801 zu Bitterfeld, Schiiler von 
Romhild in Merseburg und Altnikol inNaum- 
burg, lebte wahrend des Siebenjahrigen 
Krieges im Auslande und wurde 1767 Orga- 
nist in Landsberg bei Halle und 1769 in 
Bitterfeld, wo er arm und verkommen starb. 
A. schrieb: Versuch einer Anleitung zur 
heroisch-musikalischen Trompeter- und Pav.~ 
ker-Kunst (1795), auch gab er Klavierkompo- 
sitionen heraus. Vgl. Sammelb. der IMG. 
VII, S. 119 ft. (Arno Werner). 

Altenburg, Michael, * 27. Mai 1584 zu 
Alach bei Erfurt als Sohn eines wohlhaben- 
den Schmieds, j 12. Febr. 1640 in Erfurt 
als Diakonus an der Andreaskirche, geschatz- 
ter Kirchenkomponist (Jesajas 53 [Passion] 
6 v. 1608, Gaudium Christianum [mit Instr.] 
12 — 16 v. 1617, Musikalischer Schild und 
S chirm [Psalm 55] 6 v. 1618, Cantiones de 
adventu 5 — 8 v. 1620, Kirchen- und Haus- 
gesange auf alle Festtage, 4 Teile 1620 — 21 
[5 — 9 v.~\, Intraden 6 v. [fur Geigen, Lauten 
und Orgel mit Choral] 1620, Musikalische 
Weihnachts- und Neujahrszierde 4 — 9 v. 
1621, Hochzeitsgesange u. a.). TJber A.s 
Lebensschicksale s. Monatshefte f. MG. XI 
185 (Motschmann), Eitners Quellenlexi- 
kon undL. Meinecke, M.A. (1903, Disser- 
tation). — 

Alteration, in derMensuralnotierung(s.d.) 
des 13. — 17. Jahrhunderts die Verdoppelung 
des zweiten von zwei gleichen Notenwerten 
(zwei Breves, Semibreves, Minimae), welche 
dann statthatte, wenn bei dreiteiliger Men- 
sur der nachst groBeren Notengattung die 
beiden (nicht durch einen Punkt voneinander 
geschiedenen)Noten entweder zwischen zwei 
solchen groBern (z.B.zweijBm^s zwischen zwei 
Longae) stehen, oder aber durch ein Punctum 
divisionis von f olgenden oder vorausgehenden 
gleichen oder kleineren abgetrennt sind. So 
muB bei vorgeschriebenem O (Tempus per- 
fectum) die Folge H h H verstanden 
werden als (auf die Halfte verkurzt) : 



H 



|J 



Alterierte Akkorde sind nach der Termi- 
nologie der alteren Harmonielehre (General- 
baB) eigentlich alle durch ein $ oder b ( X , 
i?j?, t() der Vorzeichnung widersprechenden 
Akkorde; in H. Riemanns Harmonielehre 
nur diejenigen, welche die Prim, Quint oder 
Terz der Harmonie, in deren Sinne der 
Akkord aufgefaBt wird, chromatisch ver- 
andern ( 5 «, S >, i«, i% 3 > [ 3 <], P, P, IIP, 
[IIP], V«, V>). 

Alternativo (ital.), oder Alternative- 
men t (franz.) abwechselnd, ist die friiher iib- 
liche Bezeichnung fur zweiteilige Tanzstucke, 
deren beide Teile nach Belieben mehrmals 
wechselnd gespielt werden (Menuetto a.); 
auch wird wohl in solchen der zweite Teil 
mit A. uberschrieben. 

Altes (spr. altaB), Joseph Henri, * 18. 
Jan. 1826 zu Rouen, t 8. Juli 1899 zu St. 
Dye bei Blois, Flotenvirtuose, Mitglied des 
Orchesters der GroBen Oper und 1868 Nach- 



Al thorn — Alypios. 



35 



folger von Dorus als Flotenprofessor am 
Konservatorium, auch Komponist fur Flote. 
— Sein Bruder Ernest Eugene, * r8. 
Marz 1830 zu Paris, Violinist, war 1880 — 87 
zweiter Kapellmeister der GroBen Oper. 
Althorn s. Biigelhorn. 

Altklarinette (Bassethorn), Altoboe 
(Englischhorn), Altposaune usw. s. Klari- 
nette, Oboe, Posaune usw. 

Altmann, Wilhelm, * 4. April 1862 zu 
Adelnau, Violinschiiler von Otto Lustner in 
Breslau, studierte in Marburg und Berlin 
Geschichte ( Dr.phil.) und trat 1886 in den 
Bibliotheksdienst (bis 1889 in Breslau, dann 
in Greifswald). Seit 1900 war er Oberbi- 
bliothekar an der PreuB. Staatsbibliothek, 
1905 Professor und stand seit 1916 an der 
Spitze der Deutschen Musiksammlung, zu 
deren Begriindung er mit der Firma Breit- 
kopf & Hartel die Anregung gegeben hat 
(vgl. Zentralblatt fiir Bibliothekwesen 1906, 
sowie Musikhandel und Musikpflege 1906), 
und war seit dem Tode Alb. Kopfermanns 
(1914) bis Ende 1927 Direktor der Musik- 
abteilung der PreuB. Staatsbibliothek . Neben- 
bei war A. seit 1888 als Musikreferent und 
Mitarbeiter an Musikzeitungen tatig, be- 
sonders auch fur die Halbmonatsschrift Die 
Musik. In Greifswald dirigierte er funf Jahre 
ein Dilettantenorchester, war auch als Mu- 
siklehrer tatig. A. schrieb: Chronik des Ber- 
liner Philharmonischen Orchesters [1882 bis 
1901] (1902), H. von Herzogenberg (1903), 
Offentliche Musikbibliotheken; ein frommer 
Wunsch (1903), Rich. Wagners Briefe nach 
Zeitfolge und Inhalt (1905, Verzeichnis von 
3143 Briefen mit kurzen Inhaltsangaben), 
Brahms' Briefwechsel III., mit Reinthaler, 
Bruch, Rudorff, B. Scholz u. a. 1907 [1912], 
Wagners Briefwechsel mit seinen Verlegem 
(1911, 2 Bde.), ein Kammermusik-Literatur- 
Verzeichnis (seit 1841 erschienener Kammer- 
musikwerke, 1910 [4. Aufl. 1928]), einen 
Max-Reger-Katalog (1917 [1927]), einen Or- 
chester-Literatur-Katalog (1919 [1926]), einen 
Wilhelm- Berger-Katalog (1920), Rich. Wagner 
und A. Niemann (1924); Handbuch fiir 
Streichquartettspieler (1928), eine Neubearbei- 
tung von P. Franks Tonkiinstler-Lexikon 
{13. Aufl. 1926), gab ferner Wagners Mein 
Leben (1923) und ausgewahlte Briefe Wag- 
ners (1925) heraus, Otto Nicolais Briefe an 
seinen Vater(i925); Webers Schriften, Aus- 
wahl (1927), besorgte auch eine Reihe von 
Kammermusik- und Partiturausgaben. 

Altnikol, J oh. Christoph, Schiiler und 
Schwiegersohn von J. S. Bach (vermahlt 
20. Jan. 1749 mit Elisabeth JulianeFriederike 
Bach), * 1719 (getauft 1. Jan. 1720) zu Berna 
in Schlesien, Sohn eines Musikers', kurze Zeit 
Organist in Nieder-Wiesa bei Greiffenberg, 
1748 Organist zu Naumburg, wo er im Juli 
1759 starb, war seinerzeit als Komponist an- 
gesehen ; doch erschien nichts im Druck, und 
nur wenig ist handschriftlich erhalten : eine 
Klaviersonate und eine Kirchenkantate in 
der PreuB. Staatsbibliothek, ein Kyrie, eine 
weitere Kantate und eine Motette. 



Alto (ital.), 1) Altstimme (Contralto). 
s. Alt. 2) Altviole, Bratsche, s. Viola. 

)^Altona. Vgl. Miitzenbecher, Zur Ge- 
schichte des musikalischen Dilettantenvereins 
in A. (1919); Paul Th. Hoffmann, Die 
Entwicklung des A.er Stadttheaters, Fest- 
schrift zum 50 jahrigen Bestehen (1926). 

Altschliissel, der c'-Schlussel auf der Mit- 
tellinie, fruher uberhaupt fiir die Altstimme 
gebraucht, heute nur noch fiir die Bratsche 
und Alt-Posaune allgemein iiblich. Ange- 
sichts der Tendenz zur Abschaffung aller 
anderen Schliissel als des Violin- und Bafi- 
schlussels sei betont, daB jedenfalls der A. 
Anspruch hat auf dauernde Beibehaltung 
und allgemeine Verwendung wegen seiner 
zentralen Lage zwischen Violin- und BaB- 
schliissel, Vgl. die Tabelle unter Linien- 
system. 

Aluminophon s. Xylophon. 

Alvarez, Fermin Maria, beliebter span. 
Liederkomponist, * zu Saragossa, "j" 1898 zu 
Barcelona, veroffentlichte ca. 100 Gesangs- 
werke mit Klavier und zum Teil auch mit 
andern Instrumenten, auch einige Klavier- 
werke. 

Alvary, Max, * 3. Mai 1856 zu Diissel- 
dorf, ^ j. Nov. 1898 zu GroBtabarz i. Thiir., 
Sohn des beruhmten Malers Andreas Ach en- 
bach (A. war sein Biihnenname), besuchte 
das Jesuitengymnasium zu Paris und wahlte 
den Beruf des Opernsangers (Tenor) gegen 
seines Vaters Willen, war Schiiler von Jul. 
Stockhausen und sang nacheinander an den 
Buhnen zu Weimar, Miinchen, Neuyork, 
Hamburg und Mannheim. 

Alwin, Karl, * 15. April 1891 zu Konigs- 
berg i. Pr., wo er das Gymnasium absolvierte, 
studierte in Berlin Literatur, Philosophie 
und Musik (Humperdinck, Hugo Kauii). 
Durch Carl Muck kam er als Korrepetitor 
an die Berliner Hofoper, assistierte 1912 bei 
den Bayreuther Festspielen, wurde 1913 in 
Halle zweiter, 1914 in Posen erster Kapell- 
meister, 1915 — 17 am Diisseldorfer, 1917 — 20 
am Hamburger Stadttheater. Seit September 
1920 wirkt er mit seiner Frau, Elisabeth 
Schumann (Sopran), an der Wiener Staats- 
oper, ist auch an der Musik-Akademie tatig 
(1924 Professor), machte auch Gastspielreisen 
nach England und Spanien (1924 und 1925). 
Er schrieb : zahlreiche Lieder (zum Teil ge- 
druckt), einen sinfonischen Walzer und eine 
Sinfonie E dur. 

Alypios, griech. Musikschriftsteller um 
360 n. Chr., dessen Einleiiung in die Musik 
zuerst von Meursius (Aristoxenos, Niko- 
machos, A . usw., 1616 [ohne die Noten]) und 
Ath. Kircher (i. s. Musurgia 1650) und so- 
dann (mit den Notentabellen) von Meibom 
(Antiquae musicae auctores septem, 1652) ab- 
gedruckt wurde. Eine kritische Neuausgabe 
s. in K. v. Jans Scriptores (1895). Der Trak- 
tat entha.lt samtliche 15 Transpositions- 
skalen der Griechen in der Vokal- und In- 
strumentalnotierung diatonisch und chro- 
matisch und 9 derselben auch enharmonisch, 
und wir haben daher die vollstandige Kennt- 

3* 



36 



Amade 



Amatus. 



nis der griechischen Notenschrif t hauptsach- 
lich A. zu danken. Vgl. AfMW. VI, 4. 

Amade (Amadee), Ladislaw, Baron 
von, * 12. Marz 1703 zu Kaschau (Ungarn), 
■j" 22. Dez. 1764 in Felbar als Hofkammerrat; 
war ein beliebter nationaler Dichter und 
Komponist von Volksweisen, die von Baron 
Thaddaus von A. 1836 herausgegeben 
wurden. Letzterer, * im (getauft 11.) Jan.{ 
1782 zu PreBburg, f 17. Mai 1845 in Wien, 
war ein vorzuglicher Klavierspieler und kon- 
kurrierte als Improvisator am Klavier mit 
J. N. Hummel. Er zah.lt zu den Magnaten, 
welche Liszt ausbilden lieBen. 1831 wurde 
er zum Hofmusikgrafen ernannt. 

Amadino, Riccardo, bedeu tender Mu sik- 
verleger in Venedig, anfanglich (1583 — 86) 
assoziiert mit Giac. Vincenti, dann allein 
bis 161 5. 

Amalia, Name dreier fiirstlicher Kiinst- 
lerinnen: 1) Anna A., Prinzessin von 
PreuBen, Schwester Friedrichs d. Gr., 
* 9. Nov. 1723, J 30. Marz 1787; kompo- 
nierte eine Reihe vortrefflicher Chorale, auch 
(vor Graun) Ramlers Tod Jesu (ein Chor 
und Choral daraus in Kirnbergers Kunst 
des reinen Satzes). Die an Werken der ersten 
Halfte des 18. Jahrhunderts (auch Auto- 
graphen) so reiche Bibliothek des Joachims- 
thalschen Gymnasiums in Berlin geht in 
ihrem Hauptbestand auf den Besitz der 
Prinzessin Amalie zuruck; seit 1914 ist sie 
als Leihgabe ein Bestandteil der Musik- 
abteilung der PreuB. Staatsbibliothek. Vgl. 
Hohenzollern-Jahrbuch i9io(Curt Sachs). 
X — 2) Anna A., Herzogin von Sachsen- 
Weimar, die Mutter des GroBherzogs Karl 
August, * 24. Okt. 1739, f 10. April 1807; 
komponierte Goethes Singspiel Erwin und 
Elmire (1776, Neuausgabe von Max Fried- 
laender 1921). Ein Divertimento fur 
Klavier, Klarinette, Via., Vc. (Weimar, ge- 
stochen), zeigte Liepmannssohn in Kat. 202 
an. Vgl.F.Bornhak, A. A. (1872) undW. 
Bode, A., Herzogin von Weimar (1907/8, 
3 Bde.). — 3) Marie A. Friederike, Prin- 
zessin von Sachsen, Schwester des Konigs 
Johann von Sachsen, * 10. Aug. 1794 und 
f 18. Sept. 1870 zu Dresden, als Lustspiel- 
dichterin bekannt unter dem Namen Amalie 
Heiter, komponierte auch Kirchensachen 
und 13 am sachs. Hofe aufgefiihrte Opern 
(Una donna, Letre cinture, sowie 2Possen: 
Die Siegesfahne, Der Kanonenschufi u. a.). 
Vgl. Furstenau , Die musikalischen Beschdf- 
tigungen der Prinzessin A. (1874). 

Amar, Licco , * 4. Dez. 1891 in Budapest, 
dort Schiiler der Nat. Ak. (Emil Bare) und 
seit 191 1 der Berliner Hochschule (Marteau) ; 
in Marteaus Quartett Secundarius; seit 191 5 
Konzertmeister am Philharmonischen Or- 
chester in Berlin, seit 1920 am Mannheimer 
Nationaltheater, jetzt als freier Kunstler 
in Frankfurt a. M. 1923 griindete er eine 
Quartettvereinigung, die fur die Propaganda 
Neuer Musik das bedeutendste und vollen- 
detste Organ ist und der Walter Caspar. 
PaulHindemith und Maurits Frank (1924 — 27 



an dessen Stelle Rudolf Hindemith) ange- 
horen. 

Amat, Doctor Juan Carlos, span. Arzt 
und Musiker des 16. Jahrhunderts, * zu 
Monistrol (Barcelona), Verfasser des ersten 
Traktats fiber die Gitarre : Guitarra espariola 
y Vdndola en dos maneras de Guitarra Castel- 
lana y Cathalana de cinco ordenes, Barcelona 
/l 5/6, mehrmals neu aufgelegt. 

Amateur (franz., spr. -tor), s. v. w. Dilet- 
tant, Kunstliebhaber. 

Amati, die hochberiihmte Geigenbauer- 
Familie zu Cremona im 16. und 17. Jahrhun- 
dert, deren Instrumente jetzt fiir wahrhafte 
Kleinodien gelten. Der alteste A., welcher 
die aus den alten Violen (vgl. Lyra 2) hervor- 
gegangene Violine baute, war Andrea (* ca. 
1530, J nach dem 10. April 1611), der neben 
Violinen auch noch Violen in verschiedenen 
GroBen baute. Sein jiingerer Bruder und 
Sozius, Nicola, fertigte hauptsachlich aus- 
gezeichnete BaBviolen in den Jahren 1568 
bis 1586. Antonio A. (* 1555, f 1638), der 
alteste Sohn des Andrea, baute in der Zeit 
von 1589 — 1627 iiberwiegend Violinen, deren 
GroBe aber damals noch sehr schwankend 
war; er war einige Zeit assoziiert mit seinem 
jiingeren Bruder Girolamo I. (* 1556, 
f 2. Nov. 1630), der ihm indes an Geschick- 
lichkeit nachstand und dessen Violinen alle 
etwas groB sind. Der bedeutendste A. ist 
Girolamos Sohn. Nicola (* 3. Dez. 1596, 
I 12. April 1684), der Lehrer von Andrea 
Guarneri und Antonio Stradivari. Ein 
Francesco Alessandro A. (* 25. Febr. 
1590) war der Sohn von Girolamo I. Der 
Nachfolger von Nicola A. war dessen Sohn 
Girolamo II. (* 26. Febr. 1649, f 21 . Febr. 
1740), der letzte Vertreter der Familie, der 
indes weit hinter seinem Vater zuriickstand. 
Vielleicht auch zu derselben Familie gehorig 
ist Giuseppe A., der zu Anfang des 17. 
Jahrhunderts zu Bologna Violinen und Basse 
baute, die einen schonen hellen Ton haben 
sollen. Der Vorzug der Amati-Geigen ist 
weniger GroBe als Weichheit und Rundung 
des Tones. Vgl. Giov. de Piccolellis, 
Liutai anlichi e modemi 1885; Nachtrag: 
Genealogia degli Amati e dei Guarneri 1886, 
ein an neuen Aufschliissen reiches Werk; 
s. auch die Besprechung durch E. Vogel 
in der Vierteljahrsschr. f. MW. 1888, 
S. 5i8ff., auch W. L. v. Lutgendorff, 
Die Geigen- und Lautenmacher, II. Band. 
Vgl. Streichinstrumente. 

Amato, Pasquale, italienischer Bari- 
tonist, * 21. Marz 1878 in Neapel, erst 
Techniker, dann (1896 — 99) Schiiler des 
dortigen Konservatoriums, debiitierte 1900 
am Teatro Bellini in Neapel, erst in Italien, 
dann in Europa als Gast tatig. 1908 kam 
er z. e. M. ans Metrop. Op. House, sang 
zwei Winter in London und sechs in Buenos 
Aires. 

Aniatus, Vincentius (Amato), Doktor 
der Theologie und Kapellmeister der Kathe- 
drale zu Palermo, * 6. Jan. 1629 zu Ciminna 
(Sizilien), t 29. Juli 1670 in Palermo; kom- 



Amberg — Ambrosianischer Gesang. 



37 



ponierte Kirchenmusik und eine Oper 
Ulsauro (1664). 

Amberg, Herman, * 22. Dez. 1834 in 
Kopenhagen, f 1902, 1868 Domorganist in 
Viborg, schrieb 24 Orgelpraludien, Lieder 
u. a. 

Ambitus (lateinisch), s. v. w. Umfang: 
man spricht vom A . einer Melodie (d. h. 
der Entfernung des hochsten vorkommenden 
Tons vom tiefsten), ferner vom normalen 
A . eines Kirchentons usw. 

Ambo (lateinisch), hieB in den altern 
christlichen Kirchen eine am Gitter des 
Presbyteriums angebrachte kleine Lese- 
kanzel, an oder auf deren Stufen (in gradibus 
ambonis) das darum so genannte Graduale 
( Responsorium graduale [gradale]) gesungen 
wurde. 

Ambraser Liederbuch, s. Liederbucher. 

Ambros, August Wilhelm, Musik- 
historiker, * 17. Nov. 18 16 zu Mauth bei 
Prag, f 28. Juni 1876 in Wien, Neffe von 
R. G. Kiesewetter (s. d.); studierte Rechts- 
wissenschaft, aber daneben Musik, trat zwar 
in den Staatsdienst, in welchem er 1850 
als Staatsanwalt beim Prager Landgericht 
angestellt wurde, war aber gleichzeitig als 
musikalischer Kritiker tatig und trat auch 
mit Kompositionen an die Offentlichkeit. 
Sein Ruf als Musikschriftsteller datiert seit 
der Herausgabe seiner Schrift Die Grenzen 
der Poesie und Musik (1856, 2. Aufl. 1872, 
gegen Hanslicks Vom Musikalisch-Schonen), 
die ihn unter andern mit Liszt zusammen- 
fiihrte. Auch war er unter dem Namen 
Flamin Mitarbeiter der Neuen Zeitschrift 
fur Musik. Sein durch Lebendigkeit des 
Stils und der Anschauung hervorragendes, 
vielfach auf echter Quellenarbeit beruhendes 
Hauptwerk ist eine vierbandige Geschichte 
der Musik (Leipig 1862 — 78), die leider nur 
bis in den Anfang des 17. Jahrhunderts 
reicht und deren 4. Band schon teilweise 
noch unfertighinterlassenes Material brachte 
(eine durch selbstandige Fortsetzungen be- 
reicherte Neubearbeitung dieses Bandes von 
Hugo Leichtentritt erschien 1909). Der 
1. Band erschien in 2.Auflage, verballhornt 
durch B. vonSokolovsky 1887, der 2. Band 
1891, uberarbeitet von Heinrich Reimann. 
Von besonderem Werte ist der 3. Band, der 
die Epoche der Niederlander behandelt 
(3. Auflage rev. von O. Kade). Einen 
funften Band (Beispielsammlung zum 3. 
Bande) gab O. Kade mit Benutzung von 
Ambros' hinterlassenen Materialien 1882 
heraus (2. Auflage 191 1), ein Namen- und 
Sachregister W,- Baumker 1882. Zu den 
umfassenden Studienreisen, welche die Aus- 
arbeitung dieses Werkes erforderte, wurden 
A. nicht nur Urlaub in seinem Amt, sondern 
von der Wiener Akademie auch Geldmittel 
bewilligt. 1869 wurde er zum auGer- 
ordentlichen Professor der Musik an der 
Universitat zu Prag ernannt; daneben war 
er Direktionsmitglied und Lehrer der Musik- 
geschichte am Prager Konservatorium . 1872 
wurde er nach Wien berufen. wo er neben 
einer Anstellung im Justizministerium Leh- 



rer des Kronprinzen Rudolf war und eine 
Professur am Konservatorium erhielt. Als 
Komponist war A. nicht unbedeutend, hat 
groflere Kirchenmusiken (eine Messe, ein 
Stabat Mater usw.), Klaviersachen im 
Stile Schumanns, auch eine bohmische 
Nationaloper : Bfetislav a Jitka, Ouvertiiren, 
Lieder u. " a. geschrieben ; doch liegt der 
Schwerpunkt seiner Bedeutung in seiner 
schriftstellerischen Tatigkeit. Zu erwahnen 
sind noch seine Kulturhistorischen Bilder 
aus dem Musikleben der Gegenwart (i860, 
2. Aufl. 1865), Bunte Blatter, Skizzen und 
Studien (2 Bande 1872 und 1874, 2. Aufl. 
herausgegeben von Emil Vogel 1896), 
Zur Lehre vom Quintenverbot (1859), Das 
Konservatorium in Prag (1858; auch als 
Einleitung der Denkschrift von J. Bran- 
berger 1911 neu gedruckt), Kleine Schriften 
aus dem Nachlafi (1. Band Aus Italien, 
2. Band Musikalische Aufsatze, 3. Band 
Studien zur bildenden Kunst. Biographi- 
sches, 1880) und Abri/3 der Musikgeschichte 
(Vorlesungen fur Kronprinz Rudolf, Halle, 
Hendel). Vgl. Hanslick, Aus meinem 
Leben. 

Ambrosch, Joseph Karl, Opernsanger 
(Tenor), * 1759 zu Krumau (Bohmen), 
t 8. Sept. 1822 in Berlin, Schiiler von Koze- 
luch, sang an verschiedenen Buhnen, wurde 
1791 am Berliner Nationaltheater angestellt 
und sang auch nach seiner Pensionierung 
181 1 noch bis 18 17 in der Berliner Sing- 
akademie mit. A. selbst war als Lieder- 
komponist beliebt und gab mit J. M. 
Boheim heraus Freymdurerlieder mit Me- 
lodien (1793 Teil 1 — 2; der dritte Teil 1795 
von Boheim allein). 

Ambrose, Paul, *n.Okt. 1868 zu 
Hamilton (Ont.), ausgebildet in Amerika 
von A. R. Parsons, B. O. Klein und Dudley 
Buck, 1886 — 90 Organist in New York City, 
seitdem Inspektor fur den Musikunterricht 
in New Jersey, Komponist zahlreicher 
weltlicher und kirchlicher Gesange, Chor- 
lieder, Duette und Klaviersachen. 

Ambrosianischer Gesang, der kirchliche 
Gesang, wie ihn der heil. Ambrosius (s. d.), 
Bischof von Mailand, in den Kirchen seiner 
Diozese einfiihrte. Ambrosius verpflanzte 
den Halleluja- und Antiphonengesang aus 
dem Orient nach Italien; auch wird er als 
der Urheber des Responsorialgesangs an- 
gesehen; da er aber auch den Hymnen- 
gesang nicht nur nach Italien brachte, 
sondern selbst viele Hymnen verfaBt hat, 
und da nach unzweideutigen Zeugnissen des 
heil. Augustinus die Jubilationen gerade so 
den Kern des Ambrosianischen Gesangs bil- 
deten wie nachher den des Gregorianischen, 
so ist allem Anscheine nach der Gregoria- 
nische Gesang nichts eigentlich vom A. G. 
Verschiedenes, sondern nur eine umfassende 
und fur die gesamte katholische Christenheit 
zur Norm gemachte Revision des Kirchen- 
gesangs gewesen. Doch scheint die Mailan- 
der Liturgie einzelne abweichende Gebrau- 
che, auch einzelne anderweit nicht ubliche 
Gesange beibehalten zu haben, auf welche 



38 



Ambrosianischer Lobgesang — Amerika. 



sich Bemerkungen mittelalterlicher Schrift- 
steller beziehen mogen, wenn sie vom Am- 
brosianischen Gesange sprechen. Vgl. Vier- 
teljahrsschrift fur MW. VII, S. 121. Die 
phototypische Reproduktion eines im 12. 
jahrhundert geschriebenen Missale Ambro- 
sianum (im British Museum) nebst Obertra- 
gung und Kommentar als V. Teil der Pa- 
leographie musicale (s. d.) gibt heute fiir 
eingehende Studien iiber den A. G. reiches 
Material. Noch muS aber die Frage als 
often gelten, inwieweit diese Maila.nd.er 
Liturgie eigentlich ambrosianisch, d. h. 
wirklich wie die gelasianische und leoninische 
vorgregorianisch oder aber wie die galli- 
kanische und mozarabische spatere Urn- 
bildung ist. Vgl. W. C. Bishop, The 
Mozavabic and Ambrosian Rites: Four 
Essays in Comparative Liturgiology (London 
1924). Vgl. auch die Arbeiten iiber Am- 
brosius von G. Dreves (Freiburg 1893) 
und Dom Mocquereau (Mailand 1897). 

Ambrosianischer Lobgesang (Hymnus 
Ambrosianus) wird der herrliche Gesang Te 
deum laudamus genannt (vgl. Tedeum); 
doch ist die Urheberschaft des heil. Am- 
brosius durchaus nicht verbiirgt, vielmehr 
wahrscheinlich, daB dieser ihn von der 
griechischen Kirche heriibergenommen und 
nur den Text iibersetzt hat (die letzten 
Zeilen verraten textlich und musikalisch 
einen spateren Ursprung). Vgl. Riemann, 
Handbuch der MG. I. 2, S. 42 — 46. 

Ambrosius, der heilige, * 333 zu Trier, 
t 4. April 397 in Mailand, wo er seit 374 
Bischof war; hat um die Entwicklung des 
abendlandischen Kirchengesangs groBe Ver- 
dienste, sofern er den Gesang derAntiphonen, 
Responsorien und Hymnen, wie er in der 
morgenlandischen Kirche sich ausgebildet 
hatte, in Italien einfiihrte (vgl. Ambro- 
sianischer Gesang). Die ihm vielfach zu- 
geschriebene Bezeichnung der Stufen der 
Skala durch die sieben ersten Buchstaben 
des lateinischen Alphabets gehort erst ins 
10. Jahrhundert (s. Buchstabentonschrift). 
A. hat selbst eine groBe Anzahl von Hymnen 
verfafit. Vgl. Biraghi, Inni sinceri et 
carmi di S. Ambrogio (Mailand 1862); 
Dreves, Aur. Ambrosius (1893), A. Steier, 
Untersuchungen iiber die Echtheit der Am- 
brosianischen Hymnen (1903, Dissertation); 
R. Wirtz, Der heilige Ambrosius und seine 
Zeit (Trier 1924). 

Ambrosius, Hermann, *2j.Juli 1897 
in Hamburg, kam friih nach Leipzig, wo 
er den Unterricht von Hans Griesch bis 
Kriegsbeginn genoB; 191 8 Schiller von 
Alfred Szendrei, 1921 — 24 Meisterschuler 
Hans Pfitzners, daneben Student der Musik- 
wissenschaft. Seit Januar 1924 ist er 
Korrep. an der Leipziger Oper. seit 1925 
akustisch-technischer Mitarbeiter am Leip- 
ziger Rundfunk, seit 1926 Lehrer fur 
Theorie am Konservatorium. Eine groBe 
Reihe von Klavierwerken, Kammermusik 
jeder Art, vier Sinfonien, ein Klavier- und 
ein Violinkonzert, Chorwerke und Lieder, 
iiber 60 opera, liegen von ihm vor. 



Amediale Musik, von Bodo Wolf (s. d.) 
angewandte Bezeichnung fiir ein Stilprinzip 
der Neuen Musik. das den Dreiklang prinzi- 
piell vermeidet (Negierung der Terz), den- 
noch aber durch Fixierung von Tonika und 
Dominant sich auch von der Quartenakkordik 
unterscheidet. W. hat diesPrinzip in seinen 
opera 30 und 31 durchgefuhrt. 

Ameln, Konrad, * 6. Juli 1899 zu NeuB 
a. Rh., in Kassel erzogen, studierte seit 1919 
in Gottingen Padagogik, Kunstgeschichte, 
Archaologie und Musikwissenschaft (Ludwig) 
und seit 192 1 in Freiburg i. Br. (Gurlitt), 
promovierte 1924 mit der (ungedruckten) 
Arbeit Beitrdge z.Gesch. der Melodien ,, Inns- 
bruck, ich mufi dich lassen" und: ,,Ach, 
Gott, vom Himmel, sieh darein" . Seit 1925 
leitet er die Zeitschrift des Finkensteiner 
Bundes Die Singgemeinde, seit 1926 ist er 
Fachreferent fiir Musik bei den Stadt. 
Bucherhallen und der Deutschen Zentral- 
stelle fiir volkstiimliches Biichereiwesen in 
Leipzig; auch vielfach als Leiter musika- 
lischer Arbeitsgemeinschaftcn und Heraus- 
geber (Faksimile-Ausgabe des Locheimer 
Liederbuchs, Lechners Passion u. a.) tatig. 

Amener bei Petzeld (1669). Kradenthaller 
(1675), J- K. Ferd. Fischer, Biber u. a. der 
Name einer Art Courante oder Gaillarde. 
Vielleicht ist A. einer der spateren Namen 
der veralteten Basse dance (s. d.). Vgl. den 
Amener von Aless. Poglietti : 



Mhl r J. PI Ml) 

v b Des 



4 



m 



^s 



F c As b 

Amerbach s. Ammerbach. 

American Guild of Organists, eine 1896 
ins Leben getretene zunftmaBige Organi- 
sation der Organisten der Vereinigten Staa- 
ten, welcheExamina abhalt undDiplomeaus- 
stellt, und zwar in zwei Stufen, einer niederen 
(Associates) und einer hoheren (Fellows). 
Die Examina (zweimal jahrlich) unterstehen 
der Oberaufsicht des Bischofs von Neuyork. 
^C Amerika. Vgl. Henry C. Lahee, Annals 
of Music in A., a chronological Record of 
significant musical Events from 164.0 to the 
present Day (Boston 1923); M. Goldstein, 
Die offentliche Musikpflege in den Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika (1880); 
A.T.Davison, Music Education in A, 
(1926); G. C. Seilhamer, History of the 
American Theat/e 1749 — 1797, 4 Bande 
(Neuyork 1896); Louis C. Elson, The 
History of American Music (1904 [1915, 
1925]); F.C.Bennett, History of Music 
and Art in Illinois (Philadelphia 1904); 
Ernst C. Krohn, A Century of Missouri 
Music (St. Louis 1924); O. Wegelin, Micah 
Hawkins and the Saw Mill. A Sketch of the 
first successful American Opera and its 
Author (1917); O. G. Sonneck, Francis 
Hopkinson, the first American Poet-Composer 
(1737 — 1791) and, James Lyon. . . two Studies 



Amerikanische Orgeln — Ammon. 



39 



in Early American Music (1905); derselbe, 
Early Concert-life in A. [1731 — 1800] (1907); 
derselbe, Early Opera in America, Sammelb. 
der IMG. 1904/5; unter dem Titel Early 
American Operas auch in Sonneck's Miscel- 
laneous Studies 1921; K. Hackett, The 
Beginning of Grand Opera in Chicago 1850 
bis 1859 (1913); anonym: The Harvard 
Musical Association 1837 — 1 9 12 (Boston 
1912); O. G. Th. Sonneck, A Survey of 
Music in A. (1918); H. E. Krehbiel, More 
Chapters of Opera; . . . the Lyric Drama in 
New York from 1908 to 1918 (1919); R. 
Walters, The Bethlehem Bach Choir (Boston 
1918); M.A.Howe, Music Publishers in 
New York City before 1850 (1917); R. 
Hughes, American Composers (Boston 
191 4); F. J.Metcalf, American Writers 
and Compilers of Sacred Music (1925). 
Siid-Amerika: Vgl. E. Fischer, Patago- 
nische Musik (Anthropos III, 1908); Len- 
in ann- Nits che, Patagonische Gesdnge und 
Musikbogen (ibid.); Marguerite Beclard 
d'Harcourt, Melodies populaires indiennes 
(Equateur, Perou, Bolivie), 1924 (Ricordi)*; 
R. et M. d'Harcourt, La Musique des 
Incas et ses survivances (1925); G. A. Ta- 
lamon, Die zeitgenosssische argentinische 
Musik (1919). Vgl. die einzelnen Stiidte- 
Artikel. Uber Negermusik vgl. Dorothy 
Scarborough, On the Trail of Negro- 
Folk-songs (Cambridge, Mass. 1926); H. W. 
Odum und Guy B. Johnson, The Negro 
and his Songs (1925); dieselben, Negro worka- 
day Songs (ig26);\N.C.~Bla.des, Negro Poems, 
Melodies . . . (1922); W. A. Fisher, Seventy 
Negro Spirituals (London 1926); liber Indi- 
anermusikdieSchriftenvonA.C.Fletcher(s. 
d.)\i.Fr.T>ensmoTe:ChippewaMusic(BuTeaM 
of American Ethnology, Washington, D. C. 
1910); Teton Sioux Music (id. 1918); Nor- 
thern Ute Music (id. 1922); auch Sarah E. 
Olden, Shoshone Folk Lore (Milwaukee 
1923); eine Bibliographic der Literatur uber 
amerikanische primitive Musik in: J. Matt- 
feld, The Folk Music of the Western Hemi- 
sphere (1925); vgl. dazu auch Sammelbdnde 
fur vergleichende Musikwiss. 

Amerikanische Orgeln, Harmoniums, 
welche nicht durch komprimierte aus- 
stromende, sondern durch verdiinnte ein- 
gesogene Luft die Zungen zum Ansprechen 
bringen, daher nicht so grell klingen und 
auch sonst noch kleine Abweichungen auf- 
weisen. Die Erfindung der a.n O.n (1835) 
stammt von einem Arbeiter in der Harmo- 
niumfabrik von Jacob Alexandre (s.d.) in 
Paris, welcher nach Amerika auswanderte; 
doch kamen sie in ihrer jetzigen Gestalt erst 
seit i860 durch die Firma Mason & Ham- 
lin zu Boston allgemeiner in Aufnahme. 

Amerus, (oder Aumerus), Musiktheo- 
retiker englischer Nationalitat, dessen 127 1 
in Italien im Hause des Kardinals Ottoboni 
abgefaBter Traktat Practica artis musicae in 
einer Abschrift in dem Bamberger Motett- 
Codex MS. lat. 115 (Ed. IV. 6) erhalten ist. 
Vgl. die Dissertation uber A. von Jos. Kro- 
molicki (Berlin 1909). 



Amfiparnasso. Vgl. Orazio Vecchi. 

Amft, Georg, * 25. Jan. 1873 zu Ober- 
hannsdorf bei Glatz (Schlesien), Schuler des 
Kgl. Instituts fur Kirchenmusik in Berlin 
(Radecke, Loschhorn), 1910 — 19 Seminar- 
musiklehrer in Bromberg, seit 1919 in 
Habelschwerdt, 1913 Kgl. Musikdirektor. 
Schrieb: Chorlieder; Lieder; Klavierstiicke ; 
3 Messen op. 14, 16 und ly; je 5 Pange 
lingua fur Mannerchor op. 12 und gemischten 
Chor op. 13; drei Hefte Schlesische Volks- 
lieder op. 5, 8 und 10; zwei Hefte Volks- 
lieder der Grafschaft Glatz; Neues Lieder- 
buch fur katholische Schulen op. 6 (2. Aufl. 
1918); Bilder aus den Bergen, 6 Tonstiicke 
fur Streichorchester op. 20 (ms.); Hrsg.: 
Deutscher Mannerchor (7 Bande); Klavier- 
konzert A moll von Ph. E. Bach; Beruhmte 
Werke alter Meister fur Orgel u. a. 

Amicis, Anna Lucia de, * ca. 1740 in 
Neapel, ausgezeichnete Sopranistin, von 
Mozart geschatzt und oft in seinen Briefen 
erwahnt; sie debiitierte (unter Joh. Chr. 
Bach) 1763 in London, verheiratete sich 
177 1 in Neapel, sang aber noch bis 1789. 
Ihr Todesjahr ist unbekannt. Nach Gerber 
(ATL.) war die Tesi ihre Lehrerin. 

Amiens, Vgl. P. Niquet, Les anciennes 
societes musicales £A. (1904); G. Durand, 
Musiciens amienois du temps passe (1925). 

Amiot (spr. amjo) S. /., Jesuitenpater 
und Missionar in China, * 1718 zu Toulon, 
hat ein chinesisches musiktheoretisches Werk 
(von Li-Koang-Ti) ins Franzosische iiber- 
setzt, das mit Anmerkungen des Abbe 
Roussier in den Memoires concernant 
Phistoire . . . des Chinois als sechster Band 
abgedruckt wurde (auch separat 1779). 
-AfAmmerbach (Amerbach), Elias Niko- 
laus, * zirka 1530 zu Naumburg, seit 1560 
Organist an der Thomaskirche zu Leipzig, 
I27. Jan. 1597 daselbst, gab zwei Orgel- 
tabulaturbucher heraus (mit Anweisungen 
fur den Fingersatz, Erklarungen der Ver- 
zierungen usw.) : Orgel- oder Instrument- 
tabulatur (Leipzig 1571, 2. Aufl. Niirnberg 
1583) und Ein neu kilnstlich Tabulaturbuch 
usw. (1575). Vgl. Sammelb. d. JMG. 
XL 1 (R. Wustmann). 

Ammermann, Wilhelm, Pianist und 
Begleiter, * 19. Marz 1869 zu Hamburg, 
1884 — 89 Schuler des dortigen Konservato- 
riums (Riemann) und 1890 — 92 der Miin- 
chener Akademie. Konzertierte vor allem 
als Kammermusikspieler und wirkte als 
Lehrer am v. Bernuthschen Konservatorium, 
1908 — 16 als Mitleiter des Vogtschen Kon- 
servatoriums in Hamburg. Er schrieb: 
Lieder und Balladen; Gesangssuite Karneval 
fur Vokalquartett und Klavier (ms.). 

Ammon, Blasius, aus Tirol gebiirtig, 
t im Juni 1590 in Wien, Diskantist der Hof- 
kapelle des Erzherzogs Ferdinand, auf 
dessen Kosten in Venedig ausgebildet, 
spater Franziskanermonch in Wien. 5st. 
Introitus erschienen 1582 zu Wien, 4st., 
Messen daselbst 1588, 4 — 6st. Motetten 1590 
in Miinchen (ein Teil der Auflage verkiindet 
den inzwischen erfolgten Tod A.s). Nach 



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Amner — Anapast. 






seinem Tode erschienen noch in Miinchen 
4 st. Messen (im Patrocinium musices 1591), 
4 — 6 st. Motetten (1593) und ein zweiter 
Band (4st.) Introitus (1601), herausgegeben 
von seinem Bruder Stephan Amon (sic). 
Handschriftlich in der Miinchener Bibliothek 
eine Anzahl Motetten, teilweise in Orgel- 
tabulatur. Eine Monographic iiber Fr. 
Blasius Amon ca. 1560 — 1590, ein Beiir. 
z. Gesch. d. Kirchenmusik in Osterr. schrieb 
Fr. Caecilianus Huigens O. F. M. (Wiener 
Dissert. 1914, ungedr.). Vgl. Amon. 

Amner, John, Organist und Chormeister 
der Kathedrale zu Ely 1610 — 41, 1613 
Baccalaureus der Musik in Oxford, war ein 
guter Kirchenkomponist (1615 erschienen: 
Sacred hymns. 3 — 6 St.). — SeinSohn Ralph, 
t 3. Miirz 1664 zu Windsor, war 1623 — 62 
Bafisanger in der koniglichen Vokalkapelle 
zu Windsor. • 

Amoenitatum musicalium hortulus, 
eine Sammlung von 4st. Tanzstiicken und 
Kanzonen (von Antegnati, Peurl, Hafiler, 
Schein, Staden, Er. Widmann u. v. a.), 
die 1622 ohne Dr. u. O. erschien. Eine 
Auswahl der darin enthaltenen polnischen 
Tanze gab A. Chybiriski heraus (1911 in 
der polnischen Musikalischen Vierteljahrs- 
schrift). 

Amon, J oh. Andreas,* 1763 zu Bam berg, 
I 29. Marz 1825 in Wallerstein (Bayern) ; 
als Hornblaser Schiiler von Giov. Punto 
(Stich), der ihn mit nach Paris nahm und 
von Sacchini in der Komposition unter- 
richten liefi. Nach langern Konzertreisen 
mit Punto blieb er 1789 als stadtischer 
Musikdirektor (und Verleger) zu Heilbronn 
und wurde 1817 Kapellmeister des Fiirsten 
von Ottingen-Wallerstein. Von seinen Kom- 
positionen sind gedrackt (fiber 100 Opus- 
zahlen) Sonaten fur verschiedene Instru- 
mente, Trios, Quartette, Quintette, auch 
Konzerte, eine Sinfonie, Lieder usw.; Manu- 
skript blieben zwei Messen, ein Requiem 
und zwei Singspiele. Vgl. Ammon. 

Amorbach. Vgl. C. Valentin, Theater 
und Musik am Fiirstl. Leiningischen Hofe 
(1921). 

Amphion anglicus Sammlung 1 — 4st. 
englischer weltlicher Gesange mit Instru- 
menten, herausgegeben von Pearson (Lon- 
don 1700 [enthalt: Barret. Blow, Clarke, 
Croft] ). 

Amplitude (franzosisch, spr. angplitiid) 
der Schwingungen ist die Grofie der 
Abweichungen von der Ruhelage des schwin- 
genden Korpers; die A. der Schwingungen 
ist abhangig von der GroBe der bewegenden 
Kraft und bestimmt ihrerseits die Ton- 
starke, wahrend die Periode (Zeitdauer) 
der Schwingungen von den Dimensionen 
des schwingenden Korpers abhangt und 
ihrerseits die Tonhohe bestimmt. Die 
Schlage eines Pendels behalten stets die- 
selben Zeitabstande, solange das Pendel 
nicht verkiirzt oder verlangert wird ; ein 
starkerer AnstoB macht nur die einzelnen 
Ausbiegungen weiter (vergroBert die Ampli- 
tude). 



Amsterdam. Vgl. die Publikationen 
des Vereins fur [Noord] Nederlands Muziek- 
geschiedenis; D. F. Scheurleer, Het Mn- 
ziekleven te Amsterdam in de 17. Eeuw 
(1904 [1911]); Max Seifert, J. P. Sweelink 
und seine direklen Schiiler (Dissertation, 
1891 in der Vierteljahrsschrift fur MW.); 
S. Bottenheim, Het Concertgebouw te A. 
1888—1913 (1913). 

Ana, Francesco d' s. Frottola. 

Anacker, Aug. Ferdinand, *i7.0kt. 
1790 und 1 21. Aug. 1854 zu Freiberg in 
Sachsen; in Leipzig geschult, 1822 Kantor 
und Seminarmusiklehrer in Freiberg, wo er 
auch eine Singakademie griindete und 1827 
Dirigent des Bergmusikkorps wurde. Rob. 
Volkmann und Franz Brendel waren Schiiler 
von A. Von seinen Kompositionen sind zu 
nennen: die Kantaten Bergmannsgrufi, he- 
bens Blume und Lebens Unbestand, Klavier- 
stiicke, Lieder und Chorlieder, ein Choral- 
buch und 7 Gesange zu Dorings Berg- 
mannstreue (Dresden). T*" 
' Anakrusis (griechisch, franzosisch ana- 
crouse), s. v. w. Auftakt (s. d.). 

Analyse, griech. avdlvaig, Auflosung 
(eines Zusammengesetzten in seine Ele- 
mente). — 1) Die technisch-asthetische 
A. von Musikwerken ist die Untersuchung 
ihres formalen Aufbaues nach ihrer Gliede- 
rung in Them en, Phrasen und Motive und 
deren Verkettung und Umbildung, Feststel- 
lung des Periodenbaues, der Modulationsord- 
nung usw. der Inbegriff wirklicher musika- 
lischen Formenlehre, also dasselbe, was man 
auch Phrasierung nennt. Mit Recht wird 
der A. heute im Musikunterricht immer mehr 
Raum gewahrt. Vgl. Grabner. Kurze Auf- 
weisungen der Hauptthemen der Werke, 
wie sie seit langerer Zeit Konzertpro- 
grammen beigegeben werden (auch in den 
Fiihrern durch den Konzertsaal, Konzert- 
fiihrern, Op ernju.hr em usw.), leisten dem 
DilettantenzwarvortrefflicheDienste.konnen 
aber eine wirkliche Analyse naturlich nicht 
ersetzen. Analytische Ubungen sind die un- 
entbehrlicheErganzung und praktischeNutz- 
barmachung aller theoretischen Erorterun- 
gen iiber Harmonik, Rhythmik und Formen- 
lehre. Naturlich hat die analytische Fest- 
stellung der letzten kleinen Motive nur den 
Zweck, deren Synthese zu groBeren Bil- 
dungen (Perioden, Themen) verstandlich zu 
machen ; eine korrekte Synthese ist aber ohne 
vorhergehende Analyse nicht mdglich. — 
2) A. von Zusammenklangen durch 
das Ohr, auch die Unterscheidung der in 
dem einzeinen Tone (Klange) unserer Musik- 
instrumente enthaltenen Partialtone (vgl. 
Klang). Zugleich erklingende Tone ver- 
schmelzen fiirs Ohr nicht so wie furs Auge 
Mischungen verschiedener Farben zu einer 
neuen Qualitat, sondern werden gesondert 
nebeneinander aufgefaBt. Mit diesen Ver- 
schmelzungs-undUnterscheidungsproblemen 
beschaftigt sich speziell die sogenannte Ton - 
psychologie (s. d.). 

Anapast s. Rhythmik. 



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i^tiA\ 



Anche — Andersen. 



41 



Anche (spr. angsch) heiBt im Franzo- 
sischen die Zunge der Zungenpfeifen der 
Orgel; jeux a anches, Zungenstimmen. Auch 
das Rohrblattchen der Klarinette heiBt a., 
und Instrumente, welche wie die Oboe und 
das Fagott Doppelzungen haben, heiBen 
instruments a a. double. 

Anchieta, Juan de, * um 1450 und 
1 30. Juli 1523 zu Azpeitia (Guipuzcoa), 
komponierte eine Messe, der als Tenor ein 
volkstiimliches Lied auf die Judenverfol- 
gungen 1432 (Ea judios) zugrunde liegt. A. 
war Hofkapellmeister des Infanten Don 
Juan. Vgl. auch Cancionero musical. 

Ancient Concerts s. Concerts of Ancient 
I Mu sic. 

I Ancora (spr. angkora. ital., noch einmal), 
s. v. w. da capo. 

Ancot (spr. angko), Jean, * 6. Juni 1799 
zu Brugge, f 5. Juli 1829 in Boulogne, 
Schiiler seines gleichnamigen Vaters (1779 
bis 1848, Schiiler von Kreutzer und Baillot, 
Komponist von Violinkonzerten usw.), am 
Pariser Konservatorium, Schiiler Pradhers 
{Klavier) und Bertons (Komposition), 1823 
bis 1825 in London, Professor am Athenaum 
und Pianist der Herzogin von Kent, machte 
dann Konzertreisen in Belgien und lieB sich 
in Boulogne nieder. Seine Fruchtbarkeit als 
Komponist war erstaunlich (225 Werke mit 
noch nicht 30 Jahren ; fur Klavier : Sonaten, 
ein Konzert, viele Variationenwerke, Etii- 
den, Fugen, vierhandige Phantasien usw., 
ferner Violinkonzerte, Gesangsszenen mit 
Orchester, Ouverturen usw.). 

Ancot, Louis, Bruder von Jean A., 
* 3. Juni 1803 und j 1836 in Brugge, ging 
nach langeren Reisen auf dem Kontinent 
gleichfalls nach London und wurde Pianist 
des Herzogs von Sussex, lebte dann einige 
Zeit zu Boulogne und Tours als Musiklehrer 
und zuletzt in seiner Vaterstadt. 
J^Andalusien. Vgl. J. Ribera, La musica 
andaluza medieval (Fasc. 1; Madrid 1923). 

Andamento (ital., Gang), wie Diverti- 
mento Name der Zwischenspiele der Fuge 
(s. d.). 

Andante (ital.), eine der altesten Tempo- 
bestimmungen, bedeutet im Italienischen 
gehend (d. h. in maBiger Bewegung, ziemlich 
langsam) und nicht schlechthin langsam ; piii 
a. oder un poco a. heiBt daher schneller und 
nicht langsamer; meno a. ist weniger bewegt, 
d. h. langsamer. Die Diminutivform An- 
dantino durfte sich wohl zumeist auf die 
kurzeDauereinesStuckes oder auf Kleinglie- 
drigkeit des Aufbaues beziehen (vgl. Ada- 
gietto). Unter einem A . versteht man heute, 
ahnlich wie unter Adagio, einen langsamen 
Satz einer Sinfonie, Sonate usw. 

Andantino s. Andante. 

Ander, Aloys, beruhmter Opernsanger 
(lyrischer Tenor), * 13. Okt. 1817 zu Liebo- 
titz in Bohmen, f 11. Dez. 1864 zu Bad War- 
tenberg; war von 1845 bis zum Ausbruch der 
Geistesstorung, welche seine letzten Lebens- 
jahre umnachtete, ein hochangesehenes Mit- 
glied der Wiener Hofoper und von R. Wag- 
ner als erster Tristan ins Auge gefaBt. 



Anders (Freiherr Wolff von Gudenberg), 
Erich, * 29. Aug. 1883 zu Teutschental bei 
Halle a. S., Schiiler des Leipziger Konser- 
vatoriums (Reger, Krehl, Pembaur, Rich. 
Hofmann, Nikisch, Sitt), daneben der Uni- 
versitat (Riemann, Priifer, Schering, Wundt, 
Lamprecht), erst Kapellmeister an den 
Stadttheatern zu Barmen und Heidelberg, 
in Berlin Musikreferent am Borsenkurier, den 
Musikpadagogischen Blattern u. a., leitete 
das Seminar am Bendaschen Konservato- 
rium und widmete sich besonders der Kom- 
position. 1916 siedelte er nach Munchen 
iiber, 1919 nach Koln, 1920 — 22 Lektor der 
Musik an der Universitat Bonn, 1922 Lehrer 
der Komposition am Klindworth- Schar- 
wenka- Konservatorium ; 1924 Pressechef des 
Deutschen Opernhauses Charlottenburg, 
dann Direktordes Grotrian-Steinweg-Saales 
Berlin, 1927 Leiter der Gemeinniitzigen Ver- 
einigung zur Pflege deutscher Kunst u. a. 
Er schrieb: Lieder op. 1, 3, 5, 7, 8 (Orchester- 
gesange), 10, 11, und is (Kinderlieder), 13, 
75 a und b (Kinderlieder), jp, 20 (Kinder- 
lieder), 21, 22, 24, 2j, 28, 30, 32, 33, 38 (mit 
Orch.), 39, 49, 50, 51 (mit Kammerorch.) ; 
Klavierstiicke op. 2, 6, 14, 23 (2- und 4 hand.) ; 
Ges. fur FrCh. a cappella op. 4 und 43; fur 
gem. Ch. op. 9; Terzette fur FrCh. mit Kl. 
oder Orch. op. 26; Duette mit Kl. op. 2g; 
Kammersuite fur Streichquartett op. 35; 
Wandlungen, Var. und Fughette fur Streich- 
quartett 0^.36; Streichtrio Es dur op. 40; 
Suite fur V.solo op. 45; Streichquartett 
C dur op. 4j; Divertimento F dur fur 2 V. 
op. 48; Lyrische Suite fur groB. Orch. op. 31 ; 
Die Auferslehung, eine Kantate fur Soli. 
Chor und Orch. op. 34: Der Beter fur Sprech- 
stimme und Streichorch. op. 37 ; Ndnie He- 
loisens und der Nonnen am Grabe Abdlards 
fur Altsolo, FrCh. und Orch. op. 41; Oster- 
hymnus fur Ten.Solo, gem. Chor, Knabench., 
Orch. und Org. op. 42; In Einsamkeiten fur 
Sopr. und Streicher op. 44; Rhapsodie fur 
Sprechstimme und 4 Streicher op. 52; end- 
lichdieBiihnenwerke: Veneziaop. 16 (Frank- 
furt 1917);^ nselmo op.ij ;Mandragola op. 18: 
Tod und Leben op. 25 (Szene fiir Musik, Han- 
nover 1920); Sternenritt ins Mdrchenland 
(Weihnachtsspiel) op. 46: Der Sanger von 
Hamadan ( Jugendwerk) und Musik zu Konig 
Lear (Munchen 1917). 

Anders, Fritz, s. Allihn. 

Anders, Gottfried Engelbert, * 1795 
zu Bonn, f 22. Sept. 1866 in Paris, war lange 
Zeit Archivar und Kustos der musikalischen 
Abteilung der Kaiserlichen Bibliothek zu 
Paris. Er schrieb Monographien iiber Paga- 
nini (1831) und Beethoven (1839) und einen 
Beitrag zur Geschichte der Violine (in der 
Cdcilia 1832). Seine bedeutende Privat- 
bibliothek erwarb Asantschewski (s. d.). 

Andersen, Anton Jorgen, * 10. Okt. 
1845 zu Christiansand (Norwegen), f 9. Sept. 
1926 in Stockholm, ausgezeichneter Cellist; 
Cellist im Theaterorchester zu Oslo 1864, 
zu Trondheim 1865 und seit Okt. 1871 
am Kgl. Theater zu Stockholm, 1880 erster 
Cellist (seit 1. Juli 1905 im Ruhestand), 1876 



42 



Andersen 



Anderton . 



Lehrer fur Cello- und KontrabaB am Kgl. 
Konservatorium zu Stockholm (seit Ende 
191 1 im Ruhestand). 1912 Kgl. Professor, 
1882 Mitglied der Kgl. Akademie. A. schrieb 
drei Sinfonien (H-moll [1884], Es dur und 
D dur [1891]); ein Adagio fur 3 Celli, 2 Hor- 
ner und KontrabaB, Konzertstiick fur 5 Celli 
und 3 Kontrabasse, Sinfonie fiir 14 Celli und 
3 Kontrabasse (in Stockholm privatim und 
in Stuttgart [191 3] offentlich aufgefiihrt), 
Sonate fiir Cello und Klavier (1876 gedruckt, 
preisgekront), Mannerchore und Lieder mit 
Klavier. Ms. ist eine 4. Sinfonie Hardanger 
fiir grofies Orchester, mit Rezitation (Text 
von H. Wergeland). 

Andersen, Hildur, norw. Pianistin, 
* 25. Mai 1864 in Oslo, Schulerin von 
Jadassohn, Weidenbach und Reinecke in 
Leipzig und von Leschetizky in Wien. Als 
glanzende Interpretin besonders von klass. 
und Kammermusik (als Mitglied von Gustav 
Lange's Kammermusik-Ensemble), wie durch 
Vortrage uber Musik und Musiker, hat sie 
bedeutenden EinfluB auf das Musikleben 
ihrer Vaterstadt. 

Andersen, Johan Frits Em., * 14. 
Febr. 1829 und j 1910 zu Kopenhagen, ge- 
suchter Lehrer in Klavierspiel, Theorie und 
Gesang und Komponist vieler nordischer 
Klaviertranskriptionen, -phantasien, volks- 
tiimlicher Lieder und anderer Vokalsachen. 

Andersen, Karl Joachim, * 29. April 
1847 (Sohn des Flotisten Christian Joachim 
A.) und I 7. Mai 1909 in Kopenhagen, 1869 
bis 1877 Mitglied der Kgl. Kapelle zu Kopen- 
hagen, 1878 — 80 an der Petersburger Italie- 
nischen Oper, dann in Berlin Mitglied des 
Bilse-Orchesters bis zu dessen Sezession, 
Mitbegriinder und 10 Jahre erster Flotist 
und stellvertretender Dirigent des Berliner 
Philharmonischen Orchesters (in dieser Zeit 
einmal 4 Monate im Kgl. Opernorchester). 
Ein Zungenleiden zwang 1892 A., dem 
Flotenspiel zu entsagen. Er ging 1894 nach 
Kopenhagen zuriick, wo er das Palais- 
orchester ins Leben rief und eine Orchester- 
schule begriindete. 1909 erhielt er den Pro- 
fessortitel. Seine zahlreichen Flotenkompo- 
sitionen mit und ohne Orchester sind ge- 
schatzt (Etiidenwerke, Phantasien, Ballade 
und Tanz der Sylphen mit Orchester, viele 
Stiicke mit Klavier). 

Andersen, Sophus, dan. Liederkompo- 
nist, Sohn von Johan Frits A., * 8. Dez. 
1859, I 19. Sept. 1923, Musikkritiker der 
Zeitung Koebenhavn. Eins seiner Haupt- 
stiicke ist das Orchester-Melodram Histo- 
rian om en Moder (Geschichte einer Mutter, 
Text nach Hans Chr. Andersen von Stucken- 
berg). 

Andersen Wingar, Alfred, norw. Kom- 
ponist und Dirigent, *i5. Okt. 1869 zu Oslo, 
Schiiler von Alfred Paulsen, J oh. Haarklou, 
Jules Massenet und Andre Gedalge (Paris) : 
Violinist imTheaterorchesterinOsloi 890 — 99, 
Bratschist im Orchester des National theaters 
1901 — 05; 1911 — 18 Dirigent der zur Zeit 
stadtisch unterstiitzten Volkssinfonie-Kon- 
zerte. 1921 bis 1922 Bratschist imPhilharmo- 



nischen Orchester zu Oslo. Schrieb: 2 0pern; 
2 Operetten; 3 Sinfonien; 2 V.-Konzerte; 
Buhnenmusik zu O. Sinding's Drama Iraka; 
Ouvertiiren zu Ibsen's Hedda Gabler und 
Baumeister Solness (1894); Orch.-Fantasien 
A us Norwegens Berg und Tal, Die Najaden 
und Konzertstiick fur Klarinette; Orch.- 
Suiten Das Leben und Die Heuschrecken; 
2 Oriental. Rhapsodien furOrch. ; Lieder u.a. 

Anderson, Lucy, geborene Phil pot, 
Klavierspielerin, * im Dez. 1790 zu Bath, 
I 24. Dez. 1878 zu London, vermahlt (1820) 
mit dem Violinisten George Frederick 
A. Mrs. Anderson war die erste Dame, die 
in den Konzerten der Philharmonischen Ge- 
sellschaft als Pianistin auftrat. 

Andersson, Ellen, * 17. Okt. 1884 zu 
Kopenhagen, dort Schulerin von G. Matthi- 
son-Hansen und Bondesen am Konserva- 
torium, weiter von Jedliczka und Riifer 
am Sternschen Konservatorium und Breit- 
haupt und Martin Krause in Berlin, trat als 
Komponistin mit Klaviervariationen hervor. 

Andersson, Otto, * 27. Marz 1879 in 
Wardo (Aaland), Schiiler von Wegelius am 
Konservatorium zu Helsingfors, 191 5 mag. 
phil., Komponist finnischer Lieder, Chor- 
dirigent und Schriftsteller fiber nordische 
Musik. 1925 habilitierte er sich als Dozent 
fiir nordische Musikforschung an der Uni- 
versitat Helsingfors. Schriften : Studien iiber 
die Musikgesch. Finnlands (Inhemska Musik- 
strdvanden 1907; Musik una Musiker 1917; 
Martin Wegelius o i9i8; /. J . Pippingskold 
och musiklivet i. Abo 1808 — 1828 (1922); 
Strakharpan (1923). 

Andersson, Richard, Pianist und Kom- 
ponist, * 22. Sept. 1851 und J25.Maii9i8 
in Stockholm, ausgebildet am Stockholmer 
Konservatorium (van Boom, H. Berend) 
und in Berlin (Klara Schumann, Barth, 
Kiel), begriindete 1885 in Stockholm eine zu 
groBem Ansehen gelangende eigene Musik- 
schule, war aber 1904 — 06 auch Lehrer am 
Konservatorium. ImDruck mehrereKlavier- 
sachen (Schwedische Tanze und Klavier- 
sonaten, Skizzen usw.) und Lieder. Vgl. Sven 
Lizell, R.A. (Stockholm 1918, schwedisch). 

Anderton, Howard Orsmond, engl. 
Komponist und Schriftsteller, * 20. April 
1861 in Clapton, London, Zogling der RAM. 
unter Bannister, Macfarren und Prout, 1908, 
mit Bantock, am Midland Inst. Birmingham 
angestellt, 1923 Bibliothekar der Londoner 
Hauptstelle der Brit. Federation of Musical 
Competition Festivals. Bucher: Baldur, 
Song of A Ifred, Early English Music, Gran- 
ville Bantock, On Desert Islands: Musik: 
The Song of the Morning Stars fiir FrCh. und 
Orch., A Song of Life, Chor-Ode mit Orch., 
Shakespeare's Sonette gS und 99 fiir Ten. 
und Orch., fiir Orch.: Vorspiel und Trauer- 
marsch zu Baldur, English Sinfonietta, Friih- 
lings-Idyll fiir kl. Orch., Virgil; Kammer- 
musik: 2 Kl. -Quintette (ms.), Keats' Ode 
an den Herbst fiir FrCh. ; Lieder: Chorlieder; 
12 Kinderchore; Musik zu den Troerinnen 
des Euripides (Murray's Ubersetzung) und 



Anding — Andre. 



43 



den Trachinierinnen des Sophokles (Griech. 
Text). 

Anding, Johann Michael, * 25. Aug. 
1 8 10 zu Queienfeld bei Meiningen, f 9. Aug. 
1879 als Herzogl. Musikdirektor in Hildburg- 
hausen, seit 1843 Musiklehrer am Seminar 
zu Hildburghausen. Im Druck erschienen 
Schulliederbucher, Chorgesange und Orgel- 
sachen, sowie ein Vierstimmiges Choralbuch 
(1868) und Handbuchlein fur Orgehpieler 
(3. Aufl. 1872). 

Andolfi, Otello. ital. Violoncellist und 
Kritiker, * 20. Febr. 1887 in Tivoli, Schuler 
von Magrini in Mailand, als Orchesterspieler, 
im Streichquartett (mit seinen Briidern 
Argeo, Uberto und Goffredo) und als Solist 
(zusammen mit seiner Gattin, Manolita de 
Anduaga-A.) tatig; Mitarbeiter der rom. 
Zeitschrift Musica seit ihrer Griindung, 
fruher Vizesekretar und Bibliothekar an S. 
Cecilia und Leiter der Agenzia Concertistica 
Italiana, jetzt Kapellmeister am Supercine- 
nia in Rom. Schrieb: Dichtungen, Uber- 
setzung von Wagners Obey die Ouvertilre ; 
Lieder, Klavierstucke. Stucke fur Vcello. : 
Transskriptionen. 

Andrade, Antonio d', portugiesischer 
Opernsanger (Tenor), * 13. April 1854 zu 
Lissabon, Schuler von Miraglia, debiitierte 
1882 in Varese in Donizettis La Favorita, 
erschien bis 1887 auf den ersten Biihnen 
Italiens, sang audi in Wien. Moskau, 
London, lebt in Lissabon. 

Andrade, Francisco d', gefeierterOpern- 
und Konzertsanger (Bariton), Bruder von 
Antonio d' A., * 11. Jan. 1859 zu Lissabon, 
')■ 8. Febr. 1921 in Berlin, Schuler von 
Miraglia und Ronconi, debiitierte 1882 in 
San Remo in Verdis A ida und machte sich 
seither in ganz Europa schnell einen Namen ; 
bsruhmt war namentlich seinblendenderDon 
Giovanni. A. wohnte in Berlin. 

Andr£, Jean Baptiste, * 7. Marz 1S23 
und f 9. Dez. 1882 zu Frankfurt a. M., 
Pianist, Schuler von Aloys Schmitt, Taubert 
(Klavier), KeBler und Dehn (Theorie), her- 
zoglich bsrnburgischer Kapellmeister, lebte 
langere Jahre in Berlin; er hat Klavier- 
und Gesangskompositionen veroffentlicht. 
Andr£, Johann, der Bsgriinder (1784) 
des Musikver'ags A. in Offenbach, * 28. Marz 
1741 und j 18. Juni 1799 in Offenbach: 
sollte die Seidenfabrik seines Vaters iibsr- 
nehmen, schlug jedoch die musikalische 
Laufbahn ein und brachte Anfang 1773 die 
Operette Der Tdpfer (eigene Dichtung) mit 
Erfolg in Hanau zur Auffiihrung. 1777 — 84 
war er Kapsllmeister der DSbbelinschen 
Truppe zu Berlin. 1784 ging er nach Offen- 
bach zuriick, wo er schon einige Jahre fruher 
eine Notenstecherei eingerichtet hatte, die 
er nun zu einem bedeutendan Verlagsgeschaft 
erweiterte (bereits 1797 erschien die Verlags- 
nummer 1000). Wichtiger als seine Sing- 
spiele (Das tatarische Gesetz 1779, Die Ent- 
fiihrung aus dem Serail 178 1, Erwin und 
Elmire 1782 u. a.) sind seine Lieder: Scherz- 
hafte Lieder von tierrn Weifls 1774, Burgers 
Leonore (sic! 1775), Musikalischer Blumen- 



straufi (1776, darin das Rheinweinlied Be- 
kranzt mit Lavib von M.Claudius), Lieder 
und Gesdnge (4 Teile 1779 — 80), Lieder, 
Arien und Duette (4 Teile 1780/81), Neue 
Sammlung (2 Teile 1783/84), mit denen er 
zu den Hauptvertretern der massenhaften 
Liedproduktion der 2. Halfte des 18. Jahr- 
hunderts gehort. Vgl. Otto Pretzsch, 
J. A. und seine Stellung in der Berliner 
Liederschule (Leipzig. Diss. 1924). 

Andre, Johann Anton, dritter Sohn von 
Johann A., * 6. Okt. 1775 zu Offenbach, 
f6. April 1842; 1793 — 96 Schuler von J. G. 
Vollweiler (Vater) in Mannheim, besuchte die 
Universitat zu Jena, machte ausgedehnte 
Reisen und ubernahm beim Tode seines 
Vaters das Verlagsgeschaft, erwarb von 
Mozarts Witwe den ManuskriptnachlaB des 
Meisters und machte mit einem Schlage die 
Firma zu einer der bedeutendsten der Welt. 
Die Technik des Notendrucks nahm einen 
neuen Aufschwung durch Anwendung der 
Lithographie, welche Franz GleiBner in 
A.s Firma in groBem MaBstabe durchfuhrte. 
Als Komponist war Anton A. kaum minder 
produktiv als sein Vater, doch mehr auf dem 
Gebiete der Kirchenmusik (Messen, Mo- 
tetten) und der Instrumentalmusik (Sinfo- 
nien, Quartette, Klaviersonaten fauch in- 
struktive Sonatinen op. 45]). Als tuchtiger 
auch in der alteren Musik bewanderter 
Theoretiker zeigt er sich in seinem Lehr- 
buck der Tonkunst (nicht beendet, Teil 1 — 2 
1832 — 40: Harrhonielehre, Kontrapunkt, Ka- 
non und Fuge, 1874—78 gekiirzt von H. 
Henkel neu herausgegeben). Auch schrieb 
ernoch: Themat. Verzeichnis sdmtl. Kompo- 
sitionen von W.A.Mozart (1805, 2. Aufl. 
1828), Beitrdge zur Geschichte des Requiems 
von W. A. Mozart (1829), Themat. Verzeich- 
nis W . A . Mozartscher Manuskripte, chronol. 
geordnet von 1764 — 84 (1833) und Themat. 
Verzeichnis derjenigen Originalhandschriften 
von W. A . Mozart, welche Hojrat A ndre . . . 
besitzt (1841). Seine Sonne sind die vier 
folgenden (1 — 4): 1) Karl August, * 15. 
Juni 1806, f 15, Febr. 1887, Inhaber der 
Frankfurter Filiale und Pianofortefabrik 
(schrieb: Der Klavierbau und seine Ge- 
schichte 1855). — 2) Julius,* 4. Juni 1808, 
t 17. April 1880 in Frankfurt a. M., tuch- 
tiger Organist und Klavierspieler, Schuler 
von Aloys Schmitt (der wieder seines Vaters 
Schuler war), auch Komponist guter Orgel- 
sachen. — 3) JohannAugust, *2.Marzi8i7, 
t 29. -Okt. 1887, Inhaber des Offenbacher 
Verlagsgeschafts. Die Erben der wieder ver- 
einigten Firmen Joh. Andre in Offenbach 
und Frankfurt wurden die beiden Sonne 
August A.s — 4) Karl, * 24. Aug. 1853 und 
t 29. Juni 1914 in Koblenz, und Adolf, 
* 10. April 1855, "j" 10. Sept. T9io. 

Andre, Jose, argentinischer Komponist 
und Kritiker, * 17. Jan. 188 1 zu Buenos 
Aires, am dortigen Konservatorium Schuler 
von Alb. Williams und Julian Aguirre, 191 1 
bis 1914 an der Pariser Schola Cantorum 
von d'Jndy, Alb. Roussel, L. Saint-Requier 
und A. Gastoue. 1915 nach Buenos Aires 



44 



Andreae — Andreoli. 



zuriickgekehrt. griindete er die Soc. Nat. 
de Mus. zur Forderung argentinischer Kom- 
ponisten, und leitete sie 9 Jahre. Seit 1924 
ist er Professor fur Komposition und Solf ege 
am Nationalkonservatorium in BuenosAires ; 
vielfach kritisch tatig, schreibt er heute fur 
La Nacion. Werke: zahlreiche Gesange 
(Mensajes liricos) ; Klavierstiicke ; Sonatine 
(1918), Trots pieces (1919), Klavierquintett ; 
Lied fiir Orchester u. a. 

Andreae, Johann Valentin, s. HeuB. 

Andreae, Volkmar, *5.Julii879 in 
Bern, wo er das Gymnasium absolvierte und 
in der Musik Schuler von Karl Munzinger 
war, 1897 — 1900 am Kolner Konservatori- 
um (Wiillner, Franke, Kleffel, Staub), ward 
1900 Solorepetitor der Mflnchener Hofoper. 
nach einjahriger Studienpause 1902 — 04 Diri- 
gent des Stadtsangervereins in Winterthur 
und daneben seit 1902 bis jetzt Dirigent des 
Gemischten Chors in Zurich, wo er von 1904 
bis 192 1 noch die Leitung des Manner chors 
innehatte (Nachfolger Attenhofers) und 1906 
Nachfolger Hegars als Leiter der Sinfonie- 
konzerte der Tonhallegesellschaft wurde. 
1914 wurde er durch Ubernahme des Stu- 
dentengesangvereins Zurich, den er bis 1916 
leitete, Universitatsmusikdirektor (Dr. phil. 
hon. c.), erlangte die Venia legendi als Privat- 
dozent an der Ziiricher Universitat und 
wurde zugleich auch Direktor des Konser- 
vatoriums. 1920 — 25 war er Prasident des 
Schweizerischen Tonkiinstlervereins (seit- 
dem dessen Ehrenprasident) , ist auch 
vielfach als gefeierter Gastdirigent tatig. 
A. dirigierte das Deutsche Tonkunstlerfest 
in Zurich 1910 und die erste Auffuhrung 
der Matthauspassion von Bach sowie der 
Beethovenschen Missa sol. auf italienischem 
Boden (1912 bzw. 1917 inMailand). Komposi- 
tionen : Klaviertriosojb. 1 undi"^, Violinsonate 
op. 4, Streichquartett op. 9, Streichtrio op. 2Q, 
Streichquartett E moll op. 33, kleine Suite 
fiir Orchester op. 27, Notturno und Scherzo 
fiir Orchester op. 30, Sinfonie C-dur op. 31, 
Rhapsodief. V. undOrch. op. 32, Chorwerke 
mit Soli und Orchester: Das Gottliche op. 2 
und Charons Nachen op. 3, Sinfonische 
Phantasie op. 7 (fur Tenorsolo, Chortenor, 
Orchester und Orgel), Mannerchore op. 5, 
8, 11. 13, 17, 21, 28 (Magentalied fiir Manner- 
chor und Orchester), Klavierlieder op. 6, 
10, 12, 25, 16, 18, Klavierstiicke op. 20. A.s 
Oper nach Heines Ratcliff kam 1914 auf dem 
Tonkunstlerfest des Allg. D. MV.s zu Duis- 
burg, auch in Leipzig und Zurich, zur Auf- 
fuhrung. eine zweite, A benteuer des Casanova 
1924 in Dresden. 

Andreas von Kreta, der alteste Kanon- 
dichter (vgl. Kanon 2) der griechischen 
Kirche (650 — 720). Es ist sehr wahrschein- 
lich, daB die altesten Fassungen der in Hand- 
schriften bis zurvick ins 9. oder doch 10. 
Jahrhundert erhaltenen Melodien (Hirmen) 
seiner Kanons von ihm selbst herriihren. 
Vgl. H. Riemann, Die byzantinische Noten- 
schrift vlsw. (1909). 

Andree, Elfrida (Schwester von Fredrika 
Stenhammar), * 19. Febr. 1841 zu Wisby, 



Organistin und Komponistin, Schulerm von 
W. Sohrling, L. Norman und Gade, 1861 
Organistin in Stockholm, seit 1867 Dom- 
organistin zu Gotenburg. Der schwedische 
Kunstverein gab von ihren Werken heraus 
ein Klavierquintett E moll (1865), das 
Chorwerk Snofrid und ein Klaviertrio G moll 
1884); eine Orgelsinfonie (Nr. II) wurde 
1894 in Brussel preisgekront, eine schwe- 
dische Messe 1908 in Stockholm mit Erfolg 
aufgefuhrt. Aufierdem wurden bekannt 
die Oper Fritiofs Saga, eine Sinfonie, ein 
Streichquartett, eine weitere Orgelsinfonie 
(Nr. I), 2 Vioiinromanzen, Klaviersachen, 
Lieder u. a. 

Andr£e, Fredrika, s. Stenhammar. 

Andreini, Giovanni Battista, * 1578 
zu Florenz, Sohn des Schauspielers und 
Sangers Francesco A. und der Sangerin 
Isabella Canali, die 1603 am Hofe Heinrichs 
IV. in Paris in der Truppe der Gelosi 
Triumphe feierte, wurde 161 3 von Maria 
de' Medici mit der Truppe der Fedeli nach 
Paris berufen, mit ihm seine Gattin, die 
als La Florinda beriihmte Sangerin Vir- 
ginia Ramponi, die 1608 in Mantua durch 
ihr Einspringen fur die plotzlich verstorbene 
Romanina (Caterina Martinelli) in Monte- 
verdis Arianna beruhmt wurde. Beide 
wurden in Paris so geschatzt, daB sie bis 
zur Zeit des Orfeo von L. Rossi (1647) 
mehrmals wiederkommen muBten. A. ist 
der Dichter und teilweise auch Komponist 
der Azione sacra Maddalena (Venedig 1617, 
mit Monteverdi. M. Effrem und Sal. Rossi 
[Le musiche di alcuni excellentissimi musici 
composte per la Maddalena di G. B. Andreini, 
Venedig, Gardano 1617: Ex. in Bologna 
und Breslau]). Von A.s sonstigen Biihnen- 
dichtungen gehoren auch La Centaura und 
La Florinda zu den Anfangen der Oper 
(Paris 1622 bzw. 1647). Vgl. H. Prunieres, 
VOpera Italien en France avant Lulli [1913], 
S. XXXV ff. 

Andrejew, Wassili Wassiljewitsch, *i862 
im Twerschen Gouvernement, j Ende 1918 
oder Anf. 1919: hervorragender Balalaika- 
(s. d.) Virtuose und Begriinder des ersten 
Gro/irussischen Balalaika-Orchesters, mit dem 
er Europa bereiste; schrieb und ubertrug 
fiir sein Instrument und sein Orchester 
zahlreiche Kompositionen, hat auch den 
Bau der Balalaika sehr vervollkommnet. 

Andreoli, Carlo, Bruder von Guglielmo 
A., * 8. Jan. 1840 zu Mirandola, f um 1910, 
ausgezeichneter Klavierspieler, und seit 1875 
Lehrer seines Instruments am Mailander 
Konservatorium , dessen Schuler (Angeleri) 
er war. 

Andreoli, Guglielmo, * 22. April 1835 
zu Modena, fij.Marz i860 in Nizza; 
Schuler seines Vaters (Evangelista A., 
* 1810, J 16. Juni 1875, Organist) und An- 
geleris in Mailand, Pianist, dessen sauberes 
und ausdrucksvolles Spiel geriihmt wurde, 
machte 1856 — 59 Konzertreisen durch Eu- 
ropa und ist Verfasser eines vortrefflichen 
Manuale d'armonia (1878 mit Codazzi, 
mit einem ausfiihrlichen bibliographischen 



Andreoli ■ — Anenaika. 



45 



Anhange). Von seinen Kompositionen ist 
ein Preludio e Minuetto op. 12 fur Klavier- 
quartett zu nennen. 

Andreoli, Guglielmo, italienischer Pia- 
nist und Komponist, * 9. Jan. 1862 zu 
Mirandola (Modena); aus Musikerfamilie 
stammend; bis 1883 Schuler des Mailander 
Konservatoriums ; 1878 — 86 Bratschist, Be- 
gleiter und Dirigent bei den von seinem 
Bruder Carlo A. begrfindeten Volkskonzerten 
die das Mailander Musikleben machtig be- 
einfluBt haben, daneben drei Jahre Brat- 
schist im Campanari-Streichquartett; seit 
1891 Lehrer fur Harm, am Mailander Kon- 
servatorium, seit igooLeiter der Klavierklas- 
sen. Erlebtjetzt in Modena. Schrieb : Ouver- 
tiiren G moll und A moll; Streichquartett 
A dur; Fantasia Sinfonica; Requiem e Dies 
irae; Quattro Dame fiir kleines Orchester; 
Klavierstiicke, 25 Preludi (Piccola scuola 
delleOttave); Manuale d'Armonia. Vgl. Gio. 
Tebaldini Una famiglia di musicisti; Gli A. 
(in: Arte pianislica, Napoli, Okt. 1918). 

Andreozzi, Gaetano (genannt Jommel- 
lino), * 1763 zu Neapel, f 21. Dez. 1826 
inParis; Schuler J omme His, schrieb 45 Opern 
1781 — 1816 fur die Theater Italiens, auch 
fur Petersburg und Madrid, sowie drei Ora- 
torien, lieS sich nach vielen Wanderungen 
als Musiklehrer in Neapel nieder, verarmte 
aber schlieBlich und ging nach Paris, urn 
die Unterstutzung der Herzogin von Berry, 
seiner friihern Schulerin, anzurufen. 1782 
veroffentlichte er 6 Streichquartette im 
Stil Haydns. — Seine Frau Anna A., 
* 1772 zu Florenz, 1801 — 1802 zu Dresden 
alsPrimadonna engagiert, verungluckte 1802 
auf einer Fahrt von Pillnitz nach Dresden. 

Andres, Pater Juan, S. /., spanischer 
Literaturhistoriker, * 1740 zu Planes (Ali- 
cante), f 13. Febr. 1817 zu Rom, machte 
seine gelehrten Studien zu Madrid und 
Gandia, ging wegen der Ausweisung der 
Jesuiten nach Italien und fand in Mantua 
ein Asyl im Hause des Grafen Bianchi. 
1796 wurde er Bibliothekar des Herzogs von 
Parma, war dann wahrend Murats Konig- 
tum in Neapel (1807 — 14) dessen Bibliothe- 
kar und verbrachte die letzten Jahre im 
Ordenshause der Jesuiten zu Rom. Von 
seinen zahlreichen Werken gehen die Musik 
an : Dell'origine, progressi e stato attuale tfogni 
letteratura (Parma 1782 — i798,6Bande,mehr- 
fach auf gelegt, auch 1 805 franzosisch und 1 806 
deutsch) ; Cartas sobre la musica de los Arabes 
(Venedigi787) und Cartas familiares (Madrid 
1786 — 93). A. trat fiir eine Vertiefung des 
Gehaltes der Operndichtung im Sinne der 
Erneuerung der antiken Tragodie ein. 

Andrevi, Francesco, * 16. Nov. 1786 
zu Sanahuya bei Lerida (Katalonien) von 
italienischen Eltern, j 23. Nov. 1853 zu Bar- 
celona; war Priester, bekleidete Kapell- 
meisterstellen an den Kathedralen von 
Barcelona, Valencia, Sevilla usw. und 
wurde schlieBlich Kapellmeister der Konig- 
lichen Kapelle. Wahrend des Karlisten- 
krieges fluchtete er nach Bordeaux, wo er 
auch eine Anstellung fand, lebte 1845 — 49 



in Paris und endlich bis zu seinem Tode 
als Kapellmeister an der Notre Dame- 
Kirche zu Barcelona. Seine bedeutendsten 
Kompositionen sind das Jiingste Gericht 
(Oratorium), ein Requiem fur Ferdinand VII. 
und ein Stabat Mater. In Eslavas Lira 
sacro-hispana sind zwei Motetten von A. 
gedruckt. A. schrieb einen Tratado teorico- 
prdctico de armonia (3. Auflage Barcelona 
1848, auch franzosisch Paris 1848). 

Andries, Jean, * 25. April 1798 und 
f 21. Jan. 1872 zu Gent; 1835 Professor der 
Violin- und Ensembleklassen des Konser- 
vatoriums zu Gent, 185 1 Nachfolger Mengals 
als Direktor, daneben bis 1855 Soloviolinist 
am Theater, seit 1856 Ehrendirektor des 
Konservatoriums. A. hat einige historische 
Arbeiten veroffentlicht: Apercu historiqve. 
de tous les instruments de musique actuelle- 
ment en usage; Precis de Phistoire de la 
musique depuis les temps les plus recules etc. 
(1862); Instruments a vent. La flute (1866); 
Remarques sur les cloches et carillons (1868). 

Andriessen, Pelagie, * 20. Juni 1863 zu 
Wien, Schulerin des dortigen Konservato- 
riums und der Frau Dreyschock in Berlin, 
sang zuerstinMunchen (Theater am Gartner- 
platz), Berlin (Friedrich- Wilhelmstadter 
Theater und Konigliche Oper), an Neumanns 
wanderndem Wagner- Theater, 1884 — 1890 
am Leipziger Stadttheater und sodann in 
Teil-Engagements zu Koln und Wien, weiter- 
hin bis 1907 zu Frankfurt. Frau Andriessen 
hat sich mehrmals verheiratet und damit 
ihren Namen gewechselt (Sthamer- Andrie- 
ssen, Andriessen-Ende, Greef-Andriessen)^ 

Andriessen, Will em, hollandischer Pia- 
nist und Komponist, * 25. Okt. 1887 zu Haar- 
lem ; Schuler des Amsterdamer Konservato- 
riums (dePauw, Klavier; B.Zweers, Theorie), 
1908 preisgekront; 1910 — 18 Klavierlehrer 
am Konservatorium im Haag, dann an der 
Rotterdamer Musikschule. Schrieb: Messe 
fur Soli, Chor und Orchester; Klavierkonzert. 
D moll; zahlreiche Lieder. 

[d'] Andrieu s. Dandrieu. 

Anemochord (Animocorde, s. v. w. pneu- 
matischesSaiteninstrument), ein geistreicher 
Versuch des Pianofortefabrikanten J. J. 
Schnell zu Paris (1789), mittels kiinstlich 
(durch Balge) erzeugten Windes den Effekt. 
der Aolsharfe auf einem pianoforteartigen 
Instrument fiir eine kunstgemaBe Musik 
zu verwenden. Vgl. Allgemeine Musika- 
lische Zeitung 1798, S. 39 ff. Die Idee wurde 
spater von Kalkbrenner und auch von. 
Henri Herz wieder aufgenommen, welch 
letzterer sein 185 1 konstruiertes derartiges. 
Instrument Piano Solien (Aolklavier) nannte. 

Anenaika, Name altiiberkommener, heute 
nochiiblicherMelodie-Formeln des russischen 
Kirchengesangs auf die Silben a-ne-ne, oder 
ne-ne-na. Hochstwahrscheinlich sind sie 
identisch mit den von den abendlandischen 
Schriftstellern iiber die Kirchentone im 
9. — 10. Jahrhundert iiberlieferten Memorier-- 
formeln (vgl. Riemann, Handbuch der 
MG. I. 2, S. 57 ff.) Noeane etc. bez. den 
by zantinischen A anes etc. und gehen schlieB- 



46 



Anerio — [d']Angeli. 



lich auf die antike griechische Solmisation 
mit te ta tij xm zuriick (vgl. O. v. Riese- 
mann, Die Notationen des altrussischen 
Kirchengesane.es [1907] und Sammelb. der 
IMG. XIV. "2 [Riemann]). 

Anerio, Felice, einer der hervorragend- 
sten romischen Komponisten der Epoche 
Palestrina, * 1560 und f 26-/27. Sept. 1614 
zu Rom, Sohn von Maurizio A. (Musiker 
an S. Luigi dei Francesi, | 28. Jan. 1593). 
1568 — 74 Sangerknabe und Schiiler G. M. 
Naninos an S. Maria Maggiore, 1575 Sopra- 
nist der Cappella Giulia unter Palestrina, 
1579 — 80 Altist an S. Luigi dei Francesi 
(unter Suriano), wurde 1585 Lehrer am 
Collegio degli Inglesi (vgl. Alb. Cametti. 
Novi contributi alle biografie di Maurizio 
e Felice Anerio [Rivista music. XXII. 
1 1915] und L. Torri das. 1914, S. 493!!.), 
und 3. April 1594 der Nachfolger Palestrinas 
als Komponist der papstlichen Kapelle (den 
Kapellmeisterposten erhielt Ruggiero Giova- 
nelli). A. ist mit Fr. Suriano an der Redak- 
tion der sogenannten Editio Medicaea des 
Graduale von 1614 beteiligt gewesen (vgl. 
Palestrina). Mehrere Kompositionen Ane- 
rios haben lange fiir solche von Palestrina 
gegolten (Adoramus te Christe und ein drei- 
choriges Stabat Mater). In Druck exi- 
stieren von A. zwei Bucher Sacri hymni 
et cantica (I. 8 v. 1596, 77. 5 — 8 v. 1602), 
1 Buch 4 st. Responsoria (1606), 1 Buch 
Madrigali s-pirituali 5 v. (1585), ein Buch 



Madrigale zu 3 St. (15c 



2 Bucher zu 



5 St. (1587 [2. Aufl.J und 1585) und 6 St. 
(1590), 1 Buch 4st. Kanzonetten (1586); 
auch gab er eine Sammlung Gioje, madri- 
gali a 5 v. di diversi heraus (1589). Vieles 
von ihm findet sich in Sammelwerken der 
Zeit; Messen und Motetten usw. sind in 
groflerer Zahl handschriftlich erhalten. Vgl. 
Haberl, KM. Jahrb. 1903. 

Anerio, Giovanni Francesco, der 
jiingere Bruder von Felice A., * zirka 1567 
und f nicht vorEnde 1621 zu Rom, 1575 — 79 
Chorknabe an der Peterskirche unter Pale- 
strina, gegen 1609 am Hofe Sigismunds III. 
von Polen angestellt. 1610 Kapellmeister 
am Dom zu Verona, 161 1 Prafekt am 
Jesuitenkolleg in Rom, 161 3 — 20 Kapell- 
meister an der Jesuitenkirche S. Maria ai 
Monti zu Rom ,1616 (49 J ahre alt) zum Priester 
geweiht. Sein erstes Werk, einBuch 5 st. Ma- 
drigale, erschien 1599 zu Venedig; doch ist 
ein nicht datierter Band 4st. Gagliarden in 
Klavier- undLautentabulatur vielleicht noch 
alter. Auch eine 3 st. Weihnachtsmusik Dia- 
logo pastorale al presepio in Klavier- und 
I.autentabulatur (nach Baini von Verovio ge- 
stochen) ist ohne Datum. Ein zweitesBuch 
Madrigale erschien 1608 (5 — 6v.). ein Buch 
1 — 2 st. Madrigale (Recreazione armonica) 
161 1, je ein Buch 1 — 4st. Madrigale (Diporti 
musicali) 1617 und (I lieti scherzi) 1621, ein 
Buch 1 — 4st. Motetten, Madrigale, Kanzo- 
netten, Dialoge und Arien (Selva armonica) 
1617, einBuch 1 — 3 st. Arien, Kanzonetten 
und Madrigale (La bellaClori armonica) 1619. 
Von Wichtiekeit fiir die Fruhgeschichte des 



Oratoriums (s. d.) ist sein Teatro armonico 
spirituale (5 — 8st. geistliche Madrigale, bib- 
lische Dialoge U3w., 1619). A. bearbeitete 
Palestrinas 6st. Missa papae Marcelli fiir 
4 Stimmen (mit den Messen Iste confessor 
und Sine nomine von Palestrina und einer 
Missa delta battaglia von A. zuerst 1619 
[1605 ?]), in welcher Form sie viele Auflagen 
erlebte. Seine auBerdem nachweisbaren 
Kirchenkompositionen sind: 1 Buch 4 — 6st. 
Messen (1614, daraus Missa pro defunctis 
cum Sequentia et Respons. Libera me auch 
einzeln), 3 Bucher Motetten (I. I — 3 v. mit 
B. c. i6og, II. 2—6 v. mit B. c. 1611, III. 
ebenso nebst Litaneien 161 3), 5 Bucher 
Sacrae cantiones {Sacri concentns] 2 — 6 v. 
mitB. c. (1613 — 18), 7 — 8 st. Litaneien und 
Antiphonen (161 1), Responsoria de nati 
vitate Domini. Venite exultemus . . . Te- 
deum 3 — 8 v. (1614), Ghirlanda di sacre 
rose 5 v. (1619). 3 — 4st. Vesperpsalmen 
und 4st. Cantica BMV. (1620). Dazu vieles 
einzelne in Sammelwerken. Vgl. Haberl, 
KM Jahrb. 1886. 

Anfossi, Giovanni, * 6. Jan. 1864 zu 
Ancona, Nachkomme von Pasquale A., 
Schiiler von Simonetti, Martucci, Serrao 
und Platania in Neapel am Konservatorium ; 
grundete, nach Konzertreisen in Italien 
1896 inMailand eine Klavierschule Scuola A . 
Werke: Klavierstiicke ; 2 Ouvertiiren (1881, 
1888); sinfonische Dichtung Rebellio (1883); 
Werke fiir Chor and Orchester u. a. 

Anfossi, Pasquale, * 25. April 1727 zu 
Taggia bei Neapel, f im Februar 1797 zu 
Rom ; Schiiler Piccinnis, schrieb seine erste 
Oper La donna fedele 1758 fiir Neapel, 
errang mit Vincognita perseguitata 1773 zu 
Rom seinen ersten grofien Erfolg und ver- 
drangte sogar zeitweiligPiccinniin derGunst 
des Publikums. Er schrieb 1758 — 94 im 
ganzen 76 Opern. In Paris hatte er kein 
Gliick (1780). Nachdem er zwei Jahre in 
London die Italienische Oper dirigiert (178 1 
bis 1783), dann zu Prag, Dresden und Berlin 
Opern zur Auffuhrung gebracht hatte, ging 
er nach Italien zuriick, ubernahm 1791 die 
Kapellmeisterstelle amLateran, undwidmete 
sich zuletzt hauptsachlich der kirchlichen 
Komposition (12 Oratorien, 2 Kantaten, 
Messen, Psalmenusw.). 

Angeleri (spr. andsehe-), Antonio, * 25. 
Dez. 1 801 zu Pieve del Cairo (Lomellina), 
f 8. Febr. 1880 zu Mailand, hochgeschatzter 
Klavieriehrer, gab eine vortreffliche Klavier- 
schule heraus (// pianoforte 1873). 

Angelet (spr. angseh'la), Charles Fran- 
cois, * 18. Nov. 1797 zu Gent, | 20. Dez. 
1832 zu Briissel: Pianist (1829 kgl. niederl. 
Hofpianist), als solcher Schiiler Zimmer- 
manns am Pariser Konservatorium, studierte 
noch in Brussel unter Fetis Komposition. 
Er schrieb: Klaviersachen(Phantasien, Vari- 
ationen usw.), auch ein Trio und eine preis- 
gekronte Sinfonie. 

[d'JAngeli (spr. dandsehe-), Andrea, *o. 
Nov. 1868 zu Padua, besuchte dort die 
stadtische Musikschuie und die Universitat, 
promovierte zum Dr. phil. mit einer Arbeit 



/ r ~ Cu ^y^^.-4^' » ■<!. CUt^Aj* 



Angelica — Anonym. 



47 



iiber die Griechische Musik (gedruckt in der 
Rivista di filologia classica) und ist neben 
seiner Tiitigkeit als Lehrer der italienischen 
Literatur am Gymnasium zu Calegari als 
Musikschriftsteller und Librettist tatig, auch 
mit Erfolg als Komponist hervorgetreten 
(Oper Vinnocente [Nooi Ligure i8g6], Ro- 
manzen Serate d'inverno , Messen , Stabat 
Mater, Kammermusikwerke). 

Angelica, 1) Vox a., Engelsstimme, eine 
gewohnlich im 4-Fufi-Ton stehende Orgel- 
stimme, wie Vox humana (8') auf verschie- 
dene Weise konstruiert, meist als frei- 
schwingende Zungenstimme mit kurzen 
Aufsatzen; — 2) eine Lautenart (in Ma- 
hillons Katalog abgebildet und beschrieben), 
ein Versuch, die Behandlung der Laute durch 
diatonische Anordnung der Saiten (statt 
in Quarten und Terzen) zu erleichtern. 
Vgl. Mattheson, Neu eroffnetes Orchester 
S. 27 7 i. 

Angelini s. Buonporti. 

Angerer, Gottfried, * 3. Febr. 1851 zu 
Waldsee (Wurttemberg), f 19. Aug. 1909 in 
Zurich, Schiiler des Stuttgarter und Frank- 
furter (Dr. Hochschen) Konservatoriums, 
DirigentvonMannergesangvereinen in Frank- 
furt a. M., Mannheim und Zurich, zuletzt 
Dirigent der Harmonie und des Vereins Enge, 
Professor an der Kantonsschule in Zurich 
(Ober- und Untergymnasium), sowie Direk- 
tor der Musik-Akademie in Zurich, Kompo- 
nist von Balladen fur Mannerchor (Der letzte 
Skalde, Sigurds Brautfahrt, Konigsfelden, 
Des Geigers Heimkehr, Germanenzug, Der 
Gottesdienst des Waldes, Gotentreue, Der 
Konigsbote usw.^, Legende Sonnenblick fur 
FrCh., Schulleben fur Kinder-Ch. u. a. 

Angers (Stadt). Vgl. Bordier. 

Anglaise (spr. anggl'as', englischer Tanz), 
der alte Name des auch Francaise genannten 
Tanzes; s. Contredanse. Doch hat man auch 
andere englische Tanze Anglaisen genannt 
(Ballads, Hornpipes usw.). 
jjf [d'JAnglebert (spr. danglobar), Jean 
Henri, * um 1628, f im Alter von 63 Jahren 
1691 zu Paris, Schiiler von Chambonnieres, 
Hofklavecinist Ludwigs XIV., gab 1689 
Piices de clavessin heraus (Neuausgabe in 
Farrencs Tresor XIX, 1871), darunter 
22 Variationen iiber die Folies d'Espagne 
(vgl. Folia), mit genauen Vorschriften fur 
die Ausfuhrung der Verzierungen. Sein 
Nachfolger als Hofklavecinist wurde sein 
Sohn Jean Bapt. Henri d'A., * 5. Sept. 
1661 zu Paris; auch ein jiingerer Sohn 
Jean Henri war Klavecinist und starb 
80 jahrig am 9. Marz 1747 zu Paris. 

Angles, Higini, span. Musikforscher, 
* 1. Jan. 1888 zu Maspujols in Katalonien, 
studierte 1900 — 13 Philosophie und Theo- 
logie in Tarragona, war dann in Barcelona 
Schiiler von V. M. Gibert (Kp., Fuge, Orgel) 
und Felipe Pedrell (M.wiss.), seit 1918 
Leiter der Musikabteilung der Bibl. de Cata- 
lunya in Barcelona, 1923/24 noch Schiiler 
von W. Gurlitt in Freiburg und Fr. Ludwig 
in Gottingen. Er gab mit Pedrell heraus: 
Els Madrigals i la Missa de Di funis d'En 



Brudieu (1921), Caldleg dels Manuscrits 
Musicals de la Colleccio Pedrell (1921), Jo- 
hannis Pujol (f 1626) Opera omnia, i.Bd. 
1925; Johannes Cabanilles (\1j12), samtl. 
Werke fur Orgel (1926). Er beschaftigt sich 
zur Zeit mit den Cantigas de Alfonso el Sabio 
(122 1 — 84), mit Troubadourmelodien , und 
bereitet vor: Katalanische Urkunden zur Ge- 
schichte der mittelalterlichen Musik , sowie 1 .j 
La Trgitio Musical a Catalunya. L- ^^~ 

Anhalt. Vgl. A. Seidl, Ascania, Zehn 

fire in A. (1913). 

imuccia (spr. -muttscha), Giovanni, 
* um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert, 
J im Marz 1571 zu Rom; ein richtiger Vor- 
laufer Palestrinas, nicht nur im Amt (er 
war Kapellmeister an St. Peter in der Zeit 
von Palestrinas Entlassung aus diesem 
Amte 1555 bis zur Wiederiibernahme 1571), 
sondern auch in der Art; denn A. erstrebte 
ebenso wie Palestrina die Reinigung des 
Kirchenstils vom instrumentenmaBigen Pas- 
sagenwesen. Als Mitbegriinder des Orato- 
riums (vgl. d.) wird A. genannt wegen seiner 
fur Filippo Neris Oratorio komponierten 
Laudi spirituali (2 Biicher, gedruckt 1563 
und 1570); diese haben aber noch wenig mit 
den entwickelteren Formen des Oratoriums 
zu tun, sind vielmehr einfache, hymnenartige 
Lobgesange. Die andern erhaltenen Werke 
A.s sind 1 Buch 4 — 6 st. Madrigale (1547), 
2 Biicher 5 st. Madrigale (1554 [2. Aufl.], 
1551), und 1 Buch 3 st. Madrigale (1565). 
1 Buch 4 st. Messen (1567), 1 Buch 4 st. 
Magnificat (1568). Torchis Arte musicale 
in Italia Bd. 1 enthalt 2 Satze der Messe 
Conditor alme und ein 5 st. Madrigal. — 
Sein Bruder Paolo, gleichfalls ein gediege- 
ner Komponist, war 1550 — 52 Kapellmeister 
am Lateran und starb 1563. Von seinen 
Werken ist nur wenig in Sammelwerken er- 
halten. 

Anjou. Vgl. P. Petrucci, La musique 
en A. au XV" siecle (Angers 1904). 

Annecy. Vgl. L.Depollier, 50 ans de 
musique . . . La societe chorale d'A. 1857 
bis 1907 (1907); L. Pfister, 7 'Harmonie 
chorale d'A. 1872 — 1922 (1922). 

Annibale Padbvano, bedeutender Orga- 
nist, * 1527 zu Padua (daher Patavinus 
oder Padovano), f Ende Marz 1575 in 
Graz, war 1552 Organist der zweiten Orgel 
der Markuskirche zu Venedig, seit 1566 
Organist am Hofe des Erzherzogs Karl zu 
Graz (in einem Status der Kapelle im Kgl. 
Allg. Reichsarchiv in Miinchen heiBt er 
1567 obrister Musicus). Seit 1570 fuhrt er 
den Titel Kapellmeister. Von seinen Kom- 
positionen sind je 1 Buch 5 st. Messen (1573), 
5- und 6 st. Motetten (1567), 5 st. Madrigale 
(1564), sowie 1 Buch 4 st. Ricercari in Stim- 
men (1556) und 1 Buch Toccate e Ricercari 
in Parti tur (1604) erhalten; auBerdem vieles 
in Sammelwerken. Zwei seiner Orgel-Ri- 
cercari in Neudruck in Torchis Arte musi- 
cale in Italia Bd. III. 

Anonym (griech. namenlos) nennt man 
Werke, deren Verfasser nicht bekannt ist. 
Im iibertragenen Sinne heiBt daher der Ver- 



48 



Anroov — Anschlag 



■W 



fasser eines solchen Werkes ein Anonymus. 
Die Gerbertsche und Coussemakersche Sam- 
lung mittelalterlicher Musikschriftsteller ent- 
halten eine groBere Anzahl solcher Anonymi, 
welche mit der Nummer zitiert zu werden 
pflegen, die ihnen in der betr. Sammlung ge- 
geben ist, z. B. der Anon. 4 Couss. I, d. h. 
der Verfasser des vierten anonymen Trak- 
tats im 1. Bande der Scriptores Coussema- 
kers. Wird einem Schriftsteller ein ihm 
herkommlicherweise zugeschriebenes Werk 
von der historischen Kritik aberkannt, so 
wird dieses damit nicht anonym, sondern 
tragt den unrechtmaBigen Namen mit dem 
Zusatze Pseudo (=unecht) weiter, so z. B. 
die pseudo-aristotelischen Probleme iiber die 
Musik, von denen erwiesen ist, daB sie nicht 
von Aristoteles stammen. Vgl. Pseudonym. 

Anrooy, Peter van, holl. Dirigent und 
Komponist, * 13. Okt. iS^fzu Zalt-Bommel, 
Schiiler von joh. Wagenaar (Theorie) u. 
G. Veerman (V.) in Utrecht, dann 1899 
von Willem Kes (friiher Dirigent des Con- 
certgebouw-Orchesters in Amsterdam) in 
Moskau, bei dem er sich auf der Geige und 
im Dirigieren vervollkommnete, und wo er 
bei Tanejew Komposition studierte. 1901/02 
Geiger im Scottish Orchester zu Glasgow 
und im Tonhallen-Orchester Zurich; 1902 
zweiterDrigent am Lyr. Theater Amsterdam ; 
1905 Dirigent des Sinf.-Orchesters zu Gro- 
ningen, 1910 zu Arnhem; 1917 des Resi- 
dentie-Orchesters im Haag, des zweitbesten 
Orchesters in Holland. 1914 Dr. hon. c. der 
Universitat Groningen. Sein bekanntestes 
Werk ist seine Rhapsodie fur Orch. Piet 
Hein. Werke: Andante fur Bliiser (1895); 
Introd. und Scherzo fur Orch. (1896); 2 
Ouverturen (1897); Klavierquintett (1898); 
2 Kantaten fur Kinderchor (1898 und 1899) : 
a) Zonneklaartje (Sonnenscheinchen), b) In 
het Woud (Im Walde); Holl. Rhapsodie 
Piet Hein fur Orch. (1901); Ballade fur V. 
und Orch. (1902); Musik zu Das kalte Here 
nach Wilhelm Hauff. 

Ansatz, 1) bei Blasinstrumenten die 
Stellung der Lippen beim Anblasen. Der A. 
ist bei der Flote ein ganz anderer als bei 
den Blechblasinstrumenten, wo die Lippen- 
rander zugleich die S telle von Zungen ver- 
treten und daher der A. ein sehr veranderter 
sein muB, je nachdem hohe oder tiefe Tone 
hervorgebracht werden sollen. Der Blaser 
sagt, er habe keinen A., wenn er nicht vollig 
Herr seiner Lippen, d. h. aufgeregt, matt 
usw. ist. — 2) Beim Gesang die Art und 
Weise, wie der eine Phrase beginnende Ton 
hervorgebracht wird, wobei man unter- 
scheidet: a) den A. mit GlottisschluB, bei 
dem die Offnung der Glottis (Stimmritze) 
dem Tone einen eigentumlichen Guttural- 
laut (Knack), das hebraische Aleph, vor- 
ausschickt, und b) den hauchartigen A., 
bei dem schwacher Hauch (spiritus lenis) 
vorausgeht. Man nennt auch wohl die 
Stellung der gesamten bei der Tonbildung 
und Resonanz beteiligten Kehlkopf-, Gau- 
men- und Mundteile A. (vgl. Ansatzrohr) 



und spricht von einem gaumigen A. usw. 
Vgl. Gesangskunst. 

Ansatzrohr nennt man beim mensch- 
lichen Gesangsorgan den den Ton der Stimm- 
bander verstarkenden Hohlraum vom Kehl- 
kopf bis zu den Lippen und den Nasenfliigeln, 
dessen Gestaltung auch fur denselben Vokal 
(z. B. fur das reine A) sehr verschieden sein 
kann, je nachdem die weichen Teile des Gau- 
mens usw. sich stellen. Der Sanger weiB, 
daB er den Ton vorn an den Zahnen bilden 
kann, aber auch ganz hinten am Gaumen, 
daB ersteres einen flachen, letzteres einen 
gequetschten Ton gibt (den sogenannten 
Gaumenton), und daB die besten Tone die 
sind, welche er mitten im Munde fuhlt; 
daB es seine groBen Schwierigkeiten hat, 
einem U, einem hellen E usw. diese Art der 
Resonanz zu geben, und daB zugunsten der 
Rundung und Fulle des Tons haufig dem 
Vokal etwas von seiner strengen Charak- 
teristik abgezogen werden muB. (U wird 
nach O hin, E nach 0, 1 nach hin gefarbt). 
Das sind Fingerzeige, die der Sanger sofort 
begreift, und die ihm mehr niitzen, als alle 
gelehrten Abhandlungen iiber die Tatigkeit 
der Stimmbander. Die menschliche Stimme 
ist eine Zungenpf eife ; die Orgelbauer aber 
wissen, daB die KJangfarbe, Klangfiille usw. 
weit weniger von der Gestalt der Zunge und 
der Windstarke als von der Form des Auf- 
satzes (s. d.) abhangen. 

Ansbach. Vgl. R. Oppel, Jakob Mei- 
land 1542—^7, Beitr. z. MG. d. Ansb. Hofes 
(1911); ders. Beitrdge zur Gesch. der Ans- 
backer-Konigsberger Hofkapelle unter Riccius 
(Sammelb. d. IMG. 1910). Uber die Musik 
am markgraflichen Hofe zu A. schrieben: 
Curt Sachs, Die Ansbacher Hofkapelle 
1672—86 (Sammelb. der Intern. MG. 1909), 
H. Mersmann, Beitrdge zur Ansbacher 
Musikgeschichte bis 1703 (Boxbergs Oper 
Sardanapalus [1916, Dissertation]). Vgl. 
auch Bayreuth. 

Anschlag, 1) beliebte Verzierung, die 
Vorausschickung der oberen und unteren 
Nachbarnote von der Hauptnote: 
und 



=£ 



— 2) Bei Tasteninstrumenten (Klavier, 
Orgel) das mehr oder minder prazise Funk- 
tionieren der Mechanik. Man sagt: Das In- 
strument hat einen schweren oder leichten 
A ., d. h. eine schwere oder leichte Spielart, 
es erfordert viel oder wenig Kraftaufwand. 
Wird eine tief klingende Saite (auch Stimm- 
gabel) mit einem harten Korper kurz ange- 
schlagen, so kommen zu dem schwachen 
Grundtone iiberwiegend scharfe Obertone 
zum Vorschein. Dagegen wird der Grundton 
lauter und die Obertone schwacher bei etwas 
verlangsamtem Anschlag mit einem weiche- 
ren Gegenstande (Filzbelag des Hammers, 
vgl. Belederung). Die kurzen Saiten hoher 
Tone sprechen aber kraftiger an bei kurzem 
Anschlage mit einem harten Korper. Hier 
wirkt langere Berflhrung beim Anschlag 



Anschlagende Verzierungen — Ansorge. 



49 



selbst schon dampfend auf den Grundton. 
Diese physikalischen Erscheinungen geben 
nicht nur einen Wink fur den Bau der In- 
strumente, sie erklaren auch die wechselnde 
Klangwirkung bei verschiedenem Anschlag. 
— • 3) A. eines K'.avierspielers : weicher, kraf- 
tiger oder ein harter, eckiger, schwachlicher 
A. als Urteil iiber die Spielmanier eines 
Virtuosen. — 4) Die Theorie der zweck- 
maBigsten Gestaltung der A.s-Bewegungen 
beim Klavierspiel (s. d.) ist eins der wich- 
tigsten Kapitel aller Klavierschulwerke und 
kann hier nicht umfassend dargestellt 
werden. 

Anschlagende Verzierungen vgl. Arti- 
kulation und Verzierungen. 

Anschlagsarten beim Klavierspiel: ge- 
bundener, gestoBener Vortrag (Legato. Stac- 
cato usw.) s. Artikulation. 

Anschlufl-Motive heiBen Motive, welche 
nach einer SchluBwirkung (sie bestatigend 
oder verandernd) angehangt sind und das 
Gewicht des SchluBwertes durch solche Be- 
ziehung auf denselben iiberbieten, ohne doch 
die Taktordnung oder den Periodenbau zu 
storen. A. sind sozusagen reicher entwickelte 
weibliche Endungen (s. d.); wenn de- 
menti statt der Endung (*) : 



mm i f p in 



s 



das A.-M. : 



$1 S UJ- r i " ! 

A.-M. ^^ 



schreibt, so hebt er damit die SchluBwirkung 
nicht auf, verstarkt aber die weibl'che Halb- 
schluBbildung T — D durch die Entwicklung 
des zweiten Motivs, das von der Tonika zur 
Dominante ubertritt, sozusagen aus der 
SchluBwirkung herausstrebt, ohne sie doch 
vernichten zu konnen. A.-M.e unterscheiden 
sich im Vortrag von weiblichen Endungen 
durch selbstandige dynamische Ausstattung 
(crescendo-stringendo nach ihren Schwer- 
punkten hin), sind aber von weiterbildenden, 
neue Anfange bedeutenden Motiven dadurch 
unterschieden, daB ihr Tempo durch ihre 
Anhangung an eine SchluBwirkung gehemmt 
ist. Die Riemannsche Phrasierungsbezeich- 
nung macht A.-M. kenntlich durch nach 
riickwarts uberlaufende Bogen. 

Anschiitz, Joh. Andreas, * 19. Marz 
1772 und ")" 26. Dez. 1856 zu Koblenz als 
Staatsprokurator; Enkel und Schiiler des 
Hoforganisten und kurfurstlichen Kapell- 
direktorsA. zu Trier, errichtete 1808 zu Ko- 
blenz einen Musikverein mit Instrumental- 
und Gesangschule, der eine staatliche Sub- 
vention erhielt. A. war ein exzellenter Kla- 
vierspieler und hat auchguteKompositionen, 
besonders fur Klavier, veroffentlicht. 

Anschiitz, Karl, Sohn von Joh. And. A., 
* 181 5 zu Koblenz, if 30. Dez. 1870 zu Neu- 
york, Schiiler Fr. Schneiders in Dessau, 
ubernahm 1844 das von seinem Vater be- 
grundete Musikinstitut, ging aber 1848 nach 
England und 1857 nach Amerika, war 

Riemann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



mehrere Jahre Opernkapellmeister unter 
Ullmann zu Neuyork und unternahm 1864 
selbst eine deutsche Opernsaison. Er ver- 
offentlichte nur kleinere Klaviersachen . 

Anseaume (spr. angBom) Louis, f im 
Juli 1784 zu Paris, in der Zeit der Anfange 
des franzosischen Singspiels Hausmeister, 
Subdirektor und Souffleur der Opera comi- 
que bzw. Comedie italienne, ist der Dichter 
bzw. Bearbeiter (nach italienischer Vorlage) 
von 29 zwischen 1753 und 1774 aufgefiihrten 
Opern, darunter der viel komponierten Sing- 
spieltexte: Bertholde a la ville, Le Chinois 
poll en France, Le monde renverse, Les amants 
trompes, La fausse aventuriire, Le peintre 
amoureux de son modile, Le docteur Sangrado, 
Le medecin de Pamour, Cendrillon, L'ivrogne 
corrige und Les epreuves de Pamour. Sein 
Theatre erschien 1766 in 3 Banden. 
XAnsermet, Ernest, * 11. Nov. 1883 in 
Vevey, in derMusikvonBellmann undPlum- 
hof in Vevey gebildet, 1906 — 10 erst Lehrer 
der Mathematik und Arithmetik in Lau- 
sanne, daneben Schiiler von A. Denereaz in 
Lausanne, 1905/06 von A. Gedalge inParis, 
Otto Barblan und E. Bloch in Genf ; nach 
einer Studienreise in Deutschland (1910/11) 
IQ12 — 14 Leiter der Kursaal-Konzerte in 
Montreux, dessen Dirigent, Francisco de La- 
cerda, ihn dem Dirigentenberuf zufiihrte, 
und Nachfolger Stavenhagens als Dirigent 
der Abonnement-Konzerte (1915 — 18); vor 
allem aber Griinder (1918) des Orchesters de 
la Suisse- Romande in Genf. Er ist einer der 
regsten und fahigsten Pioniere moderner 
Musik, namentlich der russischen und ins- 
besondere der von Strawinsky. Seit 1915 
war er auch musikalischer Leiter von Serge 
de Diaghilews Russ. Ballett, mit dem er 
Paris, London, Italien, Spanien und Nord- 
und Siid-Amerika bereiste. Auch als Schrift- 
steller ist er tatig. Kompositionen : Lieder 
mit Kl. und Orch.; Klavierstiicke; sinf. 
Dicht. Feuilles au Printemps. 

Ansorge, Conrad, * 15. Okt. 1862 
zu Buchwald bei Liebau (Schlesien). 
nach Absolvierung des Gymnasiums zu 
Landeshut Schiiler des Leipziger Konser- 
vatoriums (1880 — 82) und Liszts (1885/86) 
in Weimar und Rom, lieB sich, nach Kon- 
zertreisen in Amerika (1887 ff.) 1893 m 
Weimar und 1895 in Berlin nieder. 1898 
bis 1903 unterrichtete er am Klindworth- 
Scharwenka- Konservatorium. Seit 1920 
hat er die Leitung der Meisterklasse fur 
Klavier an der deutschen Akademie fur 
Musik und darstellende Kunst in Prag inne. 
1918 Kgl. Professor. A. nimmt unter den 
Klavierspielern der Gegenwart durch die 
geistige Durchdringung der Werke, nament- 
lich Beethovens, Schuberts, Schumanns und 
Liszts, eine hervorragende Stelle ein. Als 
Komponist gehort er zu den ersten, die 
— vor allem in der Lyrik — um intimeren 
neuen Ausdruck sich bemiiht haben : Lieder, 
3 Klaviersonaten, Ballade, Traumbilder fur 
Klavier, Sonate fur Vcell. und Klavier 
D moll op. 24, 2 Streichquartette op. 13 
As dur und op. 20 A dur, ein Streichsextett, 

4 



50 



Ansorge 



Anthem. 



Klavierkonzert op. 28, auch Orchestersachen 
und ein Requiem fiir MCh. und Orchester 
[Text nicht der liturgische]. 

Ansorge, Max, Organist, *i.Okt. 1S62 
zu Striegau (Schlesien), wo sein Vater Kan- 
tor war. besuchte 1884 — 87 die Kgl. Hoch- 
schule fiir Musik in Berlin (Herzogenberg, 
Bargiel, Petersenn, Haupt), erhielt seine 
erste Anstellung 1887 als Kantor und Orga- 
nist der Jakobikirche zu Stralsund, wo er 
den seinen Namen tragenden Gesangverein 
zur Bliite brachte, wurde 1891 als 2. Orga- 
nist an St. Bernhardin nach Breslau be- 
rufen und riickte dort 1896 zum Kantor 
und Organisten der Lutherkirche, 1908 zum 
Kantor und Oberorganisten an St. Bernhar- 
din auf. 1908 — 20 war er Konzertorganist 
des Breslauer Orchestervereins und der 
Singakademie. 1900 wurde er zum Kgl. 
Musikdirektor, 1919 zum Professor ernannt. 
Als Komponist trat er mit einer Reihe von 
Liedern, Motetten und Chorliedern (auch 
2 fiir 8 Stimmen und 5 fiir 4 Frauenstimmen) 
hervor. 

Ansprache, ansprechen, sind Aus- 
driicke, die sich auf das prompte Erklingen 
des Tons beziehen, den man auf einem In- 
strument hervorzubringen sucht. Ein Ton 
spricht nicht an,wenn er gar nicht erscheint 
(z. B. auf dem Klavier oder der Orgel, wenn 
an der Mechanik etwas in Unordnung ist), 
oder umschlagt (bei Blasinstrumenten), oder 
storende Gerausche mit sich fiihrt (bei der 
Singstimme) ; bei Streichinstrumenten, wenn 
die Saite nicht rein ist; bei der Orgel, wenn 
entweichender Wind ein Summen oder 
Sausen hervorruft usw. Unter praziser A. 
versteht man bei der Orgel, daB die Mecha- 
nik so exakt wirkt, daB dem Niederdrucken 
der Taste das sofortige Erklingen des Tones 
entspricht. 

Antalffy-Zsiross (spr. sehirosch) .D e s i d e r 
von, * 24. Juli 1885 zu Nagy-Becskerek 
(Ungarn), Schiiler von H. KoBler in Buda- 
pest, Karl Straube und Reger in Leipzig und 
Enrico Bossi in Mailand, Orgelprofessor an 
der Landes-Musikakademie in Budapest. 
Seit 1921 lebt er in Amerika und ist seit 
1923 Professor an der Eastman-Universitat 
in Rochester; auch alsDirigentund Orgelvir- 
tuose. Er schrieb vor allem feinsinnige Kla- 
vier- und Orgelstiicke; erwahnt seien: 4 
Stiicke fiir Org. (Testa Bucolica), Violin- 
stiicke, Lieder, 8 st. Ung. Rhapsodie fiir 
gem. Ch. ; Ung. Suite f. Orch. op. iy; Spiel- 
oper Ein Faschingsabenteuer (Budapesti92i). 

Antcliffe (spr. antclif), Herbert, engl. 
Musikschriftsteller, * 30. Juli 1875 zu Shef- 
field,Mitarbeiter an zahlreichenZeitschriften. 
Schrieb dieBucher : LivingMtisic(igi2i) ', Short 
Studies on Nature of Music; The Successful 
Music Teacher(igi 3) und TheAmateur Singer ; 
How to enjoy music(ig2i); kurzeBiographien 
vonBrahmsundSchubert;17!0C/iows-Mas/e»'; 
Ubers. von Lenormands Etude surl'harmonie 
moderne (1912). Arrang. holl. Volkslieder mit 
engl. Text fiir 2 St. mit Kl. 

Antegnati (spr. -enja-), beriihmte Orgel- 
bauerfamilie zu Brescia im 15. — 16. Jahr- 



hundert. der Vater Bartolomeo und dessen 
Sohne: Giovan Francesco (auch Er- 
bauer von Klavieren [Arpicordi], Giov. J a- 
copo (Orgel im Dom zu Mailand 1553) und 
Giov. Battista. Eine dritte Generation 
vertritt des letzteren Sohn Graziadio, 
eine vierte dessen Sohn, der Komponist 
Costanzo A., * 1557, 1584 — 1619 Organist 
am Dom zu Brescia. Von seinen Werken 
sind erhalten 2Biicher6 — 8 st.Messen (1578, 
1 587), ein Buch 8 st. Psalmen (1592), je 
ein Buch 5 st. und 4 st. Sacrae cantiones 
(1575, 1581), 1 Buch 4 st. Madrigale (1571) 
und 1 Buch Ricercari V Aniegnata mit einer 
Einleitung V 'arte organica (op. 16, 1608, mit 
Anleitung zum Registrieren und Verzeichnis 
der von der Familie A. gebauten 155 Or- 
geln). Der Verlagskatalog von Vincenti vom 
Jahre 1619 zahlt 4 Bucher 4 st. Instrumen- 
talkanzonen von A. auf, die verschollen zu 
sein scheinen ; doch sind 1 5 Canzoni francesi 
in Orgeltabulatur in Woltz' Sammlung von 
1617 erhalten und 2 in Stimmen in der 
Sammlung von Rauerij 1608 (vgl. Canzoni 
per sonar). Drei Orgel-Ricercari von A. sind 
in Torchis Arte mus. in Italia III abge- 
druckt. Vgl. DamianoMuoni, Gli Antegnati 
(Mailand 1883). 

XAntheil, George, Pianist und futuristi- 
scher Komponist, * 8. Juli 1901 zu Tren- 
ton (New Jersey) von amerikanisch-pol- 
nischen Eltern, Schiiler erst von Edward 
Miiller, Uselma Clarke Schmidt und Con- 
stantine v. Sternberg, 1914 dann noch von 
Ernest Bloch. Als Komponist kommt er her 
von Strawinsky und der Negermusik; eine 
Spezialitat seines Klavierspiels ist die Ver- 
wendung der Faust und des Unterarms, 
1923 hat er auch Europa als Virtuose be- 
reist. Unter seinen Werken befinden sich 
Klavierstiicke, zwei Sonaten und Konzert 
fiir Kl. : ein Ballet Mechanique fiir 16 Fliigel, 
8 Xylophone, 2Pauken und sonstiges Schlag- 
zeug; eine Oper nach James Joyce's Roman 
Ulysses. 

Anthem (engl.) (spr. anB'em), in England 
der Name kirchlicher motetten- oder kan- 
tatenartiger Gesange auf biblische Texte 
(Psalmen, Spriiche), welche in der Liturgie 
der anglikanischen Kirche vorgeschriebene 
Teile sind (nach der dritten Kollekte). Das 
Wort A . wird abgeleitet von Antihymne oder 
Antiphona, miiBte also einen Wechselgesang 
bezeichnen : doch sind die alteren A.s (Tye, 
Tallis, Byrd, Gibbons) durchaus im imi- 
tierenden Motettenstil gehalten. Erst nach 
der Mitte des 17. Jahrhunderts fand durch 
Pelham Humfrey, John Blow, M. W;ise, Jer. 
Clarke, Purcellusw. in das A. dermonodische 
Stil Aufnahme, so daB es die Form der Kan- 
tat e annahm. Zu hoher Bedeutung ge- 
langte das A. durch die Kompositionen 
Purcells und Handels. Man unterscheidet 
full anthems, full anthems with verses und 
verse anthems; das full anthem ist voll chor- 
maBig gesetzt, verses heiBen Satze fiir Solo- 
stimmen (Solo, Duett, Terzett, Quartett), 
mit B. c. oder obligaten Instrumenten; doch 
ist auch fiir das full anthem die Mitwirkung. 



Anthologie des Maitres religieux primitifs — Antolisei. 



51 



der Instrumente nicht ausgesclilossen. Von 
der deutschen Kirchen-Kantate der Zeit 
Bachs unterschied sich das A. durch die aus- 
schlieBliche Beschrankung des Textes auf 
Bibelworte und den ganzlichen AusschluB 
madrigalischer Dichtung. Vgl. Myles B. 
Foster, Anthems and Anthem Composers 
(London, Novello) und Musical Antiquary 
191 1 (The Chapel Royal A. -Book of 1635 
[Verzeichnis der Texte und der Kompo- 
nisten]). 

Anthologie des Maitres religieux pri- 
mitifs s.Bordes und Chanteurs de St.Gervais. 

Anthologie francaise ou Chansons choi- 
sies depuis le ije Steele, von J. Monnet 
herausgegebene Liedersammlung (Paris 1765, 
4 Bde., Texte und Melodien, mit historischer 
EinleitungvonMeusnier de Querlen;der 
4. Band hat den Titel Chansons joyeuses). 

Anthologie, musikalische s. BoBler. 

Anthropoglossa (griech. Menschenzunge), 
s. v. w. Vox humana (s. d.) 

Anthropophonik (griech.), die Lehre von 
der Natur der menschlichen Stimme. Vgl. 
K. L. Merkel. 

Antienne (franz., spr. angtja.11), Anti- 
phonie (s. Antiphona). 

Antient Concerts s. Concerts of Ancient 
Music. Vgl. Bates. 

Antier (spr. angtje), Maria, beruhmte 

dramatische Sangerin, * ca. 1687 in Lyon, 

> f 3. Dez. 1747 in Paris, Schulerin von Marthe 

/p LaRochois, feierte seit 17 12 an derPariser 

GroBen Oper Triumphe in Opern Lullys, 

Camberts und Rameaus. 

Antiphon,a ntiphonisch (gegenklingend) 
hieB im spateren Altertum (zuerst in den 
pseudoaristotelischen Problemen) das Inter- 
vall der Oktave , das einzige , welches die 
Griechen alsZusammenklangausubten. Vgl. 
Paraphonie. 

Antiphona (Antiphon, franz. Antienne, 
engl. Antiphon) , eigentlich ein Wechselgesang 
zwischen zwei Choren (Halbchoren), und 
zwar, entsprechend dem Wortsinne (vgl. 
Antiphon) wahrscheinlich eines (natiirlich 
unisonen) Chors von Mannerstimmen und 
eines von Knabenstimmen, einer der altesten 
Bestandteile des kirchlichen Ritualgesangs, 
den Ambrosius von Mailand (4. Jahrh.) be- 
reits von der syrischen Kirche ubernahm, 
in welcher er (besonders in Antiochia) schon 
um 300 bestand. Im Laufe der Zeit ist die 
Unterscheidung chorischer Wechselgesange 
und solistischer Gesange mit Chor-Respons 
(Responsorien) mehr und mehr geschwunden. 

Antiphonarium, Antiphonarius, Anti- 
phonale, die Zusammenstellung der anti- 
phonen Gesange der Messe (Introitus Offer- 
torum und Communio). Neben dem A. Missa- 
rum unterschied man noch A . Officii, das 
die antiphonen Gesange auBerhalb der Messe 
(im Stundenoffizium) enthielt. Die solisti- 
schen Responsorialgesange, Hallelujah und 
Traktus enthielt das Responsoriale (Gradale, 
Graduale). All diese Namen sind spaterhin 
mifibrauchlich vermengt worden. 
^Antipow, Konstantin Athanasiewitsch, 
russischer Komponist, * 1859, Komponist 



von ansprechenden Klaviersachen, auch 
Liedern, und eines Allegro symphonique 
op. 7. 

AAntiquis, Andreas (de Mondona, 
Andreas Antiquus, Antiquo, Antigo), Musik- 
drucker zu Rom, ein sehr betriebsamer Kon- 
kurrent Petruccis, auch selbst Komponist. 
Petrucci druckte in den Sammelwerken von 
1504 — o8FrottolevonA.,auch ist er in seinen 
eigenen Kanzonensammlungen von 15 10 
und 1517 vertreten. A. gab u. a. einen 
Band Messen der bedeutendsten Meister 
(Josquin, Brumel, Pipelare usw.) als Chor- 
buch in Folio (grobe Holztypen) heraus: 
Liber XV missarum (15 16, Neudruck in 
H. Experts Maitres musiciens, Band 8 — 9). 

Antiquis, Giovanni de, Kapellmeister 
der Nikolauskirche zu Bari (Neapel) in der 
zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts, gab 
eine Sammlung Villanelle alia Napoletana 
von Komponisten aus Bari heraus (1574, 
2 Biicher), welche auch solche von A. 
selbst enthalt; desgleichen eine Sammlung 
Canzonette 2 v. (1584). Vierstimmige Ma- 
drigale von A. erschienen 1584. 

Antizipation(lateinisch Anticipatio, ,,Vor- 
ausnahme") nennt man in der Harmonie- 
lehre die Vorausandeutung einer Harmonie, 
den verfriihten Eintritt von Tonen, die dem 
auf die niichste schwere Zeit folgenden 
Akkorde angehoren, und die zu der Har- 
monie, wahrend deren sie eintreten, meist 
dissonieren, aber korrekterweise gar nicht 
auf sie bezogen, sondern als vorausgenom- 
men, „antizipiert" verstanden werden, z. B. 



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Natiirlich sind solche A .en akzentuiert zu 
bringen. 

Antoine, Georges, belgischer Kompo- 
nist, * 28. April 1892 zu Luttich, f 15. Nov. 
1918 zu Brugge; Sohn eines Chordirigenten 
an der Kathedrale zu Luttich, Schiiler des 
dortigen Konservatoriums, begann um 1910 
zu komponieren, machte 1914 — 18 den 
Krieg mit, an dessen Krankheitsfolgen er 
starb; ein iiber das gewohnliche MaB be- 
gabter Musiker, auch schriftstellerisch be- 
fahigt, wie seine Beitrage zu den an der 
belgischen Front veroffentlichten Cahiers 
beweisen. Schrieb: Sonate fur Violine und p 
Kl&vier^op. 3 (1912 — 15); Klavier-Konzert 'gf 
op. 5 (1914); Klavierquartett op. 6 (iqi6); 
Sinfonische Dichtung Veillee d' Armes L. A 
op. 9 (1918); ein Dutzend Lieder und einige 
unbeendigte Werke. 

Antoine, Paul, s. Closson. 

Antolisei, Raffaele, italienischcr Kom- 
ponist und Organist, * 21. Aug. 1872 zu 
Anagni, Schiiler seines Vaters Gaetano, 
studierte Kirchenmusik an der Pontif. 
Scuola superiore di musica und an S. Ce- 
cilia in Rom ; Dir. der Schola Cantorum und 
Organist am Coll. Salesiano del Sacro Cuore 
in Rom; Komponist von Kirchenchoren 

4* 



52 



Anton — Anzoletti. 



und musikalischenSchuldramen, auch Leiter 
der Zeitschrift II nuovo Frescobaldi. Er 
schrieb die Broschiire: Osservazioni e norme 
pratiche per la esecuzione della polifonia 
dassica (1923). 

Anton, Karl, * 2. Junii887 zu Worms 
a. Rh., studierte in Heidelberg, Greifswald, 
Halle Musik (hauptsachlich Gesang) und 
Theologie und promovierte zum Dr. phil. 
mit der spaterhin in erweiterter Form als 
Buch erschienenen Arbeit Beitrdge zur Bio- 
graphic Karl Loewes mit besonderer Beriick- 
sichtigung seiner Oratorien und Ideen zu 
einer volkstiimlichen Ausgestaltung der pro- 
testantischen Kirchenmusik (1912). Nocli im 
gleichen Jahre bestand A. die theologische 
Staatspriifung in Karlsruhe und trat in den 
Kirchendienst ein, bis 1917 Stadtvikar in 
Weinheimund Baden-Baden, dannalsPfarrer 
in Wallstadt-Mannheim. Seit 1919 liest er 
an der Hochschule fur Musik in Mannheim 
Angewandte Musikgeschichte. Biicher: Ange- 
ivandte Liturgik (1919); (im Verein mit Dr. 
Arper) Aus tiefer Not, liturgisches Hilfsbuch 
(1919); Luther und die Musik (1918). 

Anton, Konrad Gottlob, * 1745, seit 
1775 Professor der orientalischen Sprachen 
zu Wittenberg, f 4. Juli 1814 in Dresden; 
schrieb iiber die Metrik der Hebraer und 
versuchte, ihre Akzente als musikalische 
Noten(mehrstimmig!) zudeuten; Schriften, 
die fur die Musikgeschichte nur den Wert 
von Kuriositaten haben (vgl. Michael Beck). 

Anton, F. Max, * 2. Aug. 1877 in Born- 
stedt bei Eisleben, Schuler von Tietz (Gotha), 
Stavenhagen (Miinchen) und Kwast (Frank- 
furt), Lehrer am Konservatorium zu M.- 
Gladbach und Dirigent des Singvereins in 
Rheydt, in Detmold Abteilungsdirektor am 
Konservatorium, Stadtischer Musikdir. in 
Osnabriick, seit 1922 als Nachfolger von 
Gruters Generalmusikdir. in Bonn. A. 
komponierte Lieder, Freshen, Tanze u. a. 
fur Klavier, 3 sinfonische Oden fur Orchester 
op. 8, ein Klavierkonzert; Humoreske op. 11, 
Trutzmusik op. 13 und 3 Stiicke fur grofies 
Orchester op. 16; Musik fur Horn; Violin- 
konzert, eine Oper: Die Getreuen. Schrift: 
Versuch einer Kunstanschauung (1922). 

Antonellus de Caserta, italienischer 
Komponist des 14. — 15. Jahrhunderts, von 
dem eine Anzahl franzosischer Chansons in 
den Codd. Paris 6771 (Reina) und Bologna 
568 erhalten sind. 

Antonii, Pietro degli, * ca. 1645 in 
Bologna, f ca. 1720, Kirchenkapellmeister 
in Bologna (um 1680 an S. Maria Maggiore, 
1686 an Santo Stefano, 1697 an S. Giovanni), 
1676 und 1718 Vorsitzender der Akademien 
dei Filaschisi und dei Filarmonici, ver- 
offentlichte 2 Biicher Messen fiir 2 Soprane 
mit Be. (pp. 2 i6yo, op. 8 i6gy), 1 Buch 
Motetten fiir Solostimmen mit Streichinstr. 
fop. 7, i6q6), 1 Buch Kammerkantaten 
(op. 6, i6go); auch schrieb er 3 Oratorien 
(1666, 1673, 1686) und 3 Opern (1671, 
1679, 1682). Als Instrumentalkomponist 
betatigte er sich mit Sonate e versetti (Orgel- 
zwischenspiele, op. 9, 1692), Kirchensonaten 



fiir Violine mit Be. (op. 5, 1686) und 
2 Biichern Tanzstiicke fiir Violine und 
BaB (op. 1, 1670 und op. 3, 1671). 

Antonio degli organi s. Squarcialupi. 

Antoniotto, Giorgio, Komponist und 
Theoretiker um 1740 in Mailand, von dem 
Le Cene in Amsterdam 12 Sonaten op. 1 
(I_V fiir Cello und BaB, VI— XII fiir 
2 Celli oder Gamben) druckte. Ein theo- 
retisches Werk Varte armonica erschien 
1760 in englischer tjbersetzung bei Johnson 
in London. 

Antonius de Arena, * in der Provence 
(Provencalis), 15 19 Student in Avignon, 
I 1544, ist der Verfasser eines der altesten 
Werlfe iiber die Tanzformen Friantes, Bassas 
dansas, Branlos (Avignon 1536 [1670, 1758]), 
das von Arbeau (s. d.) zitiert wird. 

Antonius de Civitate, italienischer Kom- 
ponist der 1. Halfte des 15. Jahrhunderts, 
von dem einige geistliche und weltliche Ton- 
satze in den Codd. Florenz Pane. 26, Bologna 
37 und 2216 und Oxford Can. 213 erhalten 
sind (ein Gloria 3 v. in J. Wolfs Gesch. d. 
Mensuralnotation II Nr. 72). 
XAntonolini, Ferdinando, Komponist 
und Kapellmeister, trat 1796 als Dirigent 
in den Dienst der Petersburger italienischen 
Oper. Schrieb allein und unter Mitarbeiter- 
schaft von Cavos eine Reihe von Opern 
fiir die russische Biihne. 

Antony, Franz Joseph, * 1. Febr. 1790 
und J 7. Jan. 1837 zu Munster (Westfalen), 
seit 1 8 19 Chordirektor am Dom und seit 
1832 als Nachfolger seines Vaters auch 
Domorganist, hat aufier kirchlichen Kom- 
positionen und einem Schulgesangbuch (1822) 
ein Arehdologisch-liturgisches Lehrbuch des 
Gregorianischen Kirchengesangs (1829), eine 
Geschichtliche Darstellung der Entstehung und 
Vervollkommnung der Or gel (1832) und meh- 
rere praktische liturgische Biicher heraus- 
gegeben. 

Antwerpen. Vgl. E. Gregoir, Notice 
historique sur les Societes et Ecoles de musique 
d'Anvers (1869) und weitere Schriften des- 
selben Autors iiber belgische Musik und 
Musiker, sowie auch die Spezialarbeiten 
von L. Burbure (s. d.) und E. van der 
Straeten, La Musique aux Pays-Bas 
(1867—88). S. auch J. B. Coninck. Vgl. 
auch L. Theunissens, La musique a Anvers 
aux XlVe, XVe et XVIe siecles (A. 1906); 
F. Donnet, Les cloches d 'Anvers (1899); A. 
de Gers [A. Gersdorff], Uhistorique complet 
du theatre royal d'Anvers 1834 — 1914 (2. Auf- 
lage 1914). 

Antwort (Comes) in der Fuge, s. Fuge. 

Aoden (griechisch), Sanger der Helden- 
sagen zur Zeit Homers; vgl. Rhapsoden. 

Anzoletti Mar co , *4. Junii866 zuTrient, 
Schuler des Konservatoriums in Mailand, 
begann in Rom die Virtuosenlaufbahn, die 
er um 1890 aufgab um sich ganz der Kom- 
position und Schriftstellerei zu widmen, 
seit 1890 Lehrer am Cons. G. Verdi in Mai- 
land. Schrieb: 24 Variationen iiber ein 
Thema von Brahms fiir Violine und Klavier 
(1893) j Sonate C moll fiir Violine und Klavier 



Apel — Appunn. 



53 



(1894); Violinstiicke ; Grande studio di 
Concerto fur Violine und Klavier (1908); 
12 Studi per la viola (1919); ungedruckt: 
Sonaten I) moll und F dur fur Violine und 
Klavier (1901 und 1913); Concerto fur 
4 Violinen (1905/09); Violinkonzert in 

1 Satz (1904/14); Klaviertrio (1912/14); 

2 Streichquartette; sinf. Dicht. V-ospite 
della Terra u. v. a.; die Opern: La fine di 
Mo.?a^(Mailand, T. Lirico 1898) ; Serbia 1898 ; 
Le gare 1902; Faidaig\2J\$; Belfegor 1920. 
Biicher: W. A. Mozart (1899); Domenico Ci- 
marosa , cenni biografici (1901); Vinsegna- 
mento del violino in Italia (1909); Mozart, scene 
della vita intima (1906); Giuseppe Tartini, 
studio critico biografico (1917). 

Apel, Jon. August, * 17. Sept. 1771 
und j 9. Aug. 1 8 16 zu Leipzig, Doktor der 
Rechte und Ratsmitglied in Leipzig, wandte 
sich gegen Gottfried Hermanns Elementa 
doctrinae metricae mit Artikeln in der 
Allg. Musikal. Zeitung 1807 — 08 und schrieb 
selbst eine umfangliche Metrik (1814 — 16, 
2 Bande, 2. Auflage 1834). In seinem 
Gespensterbuche (1810 — 14, mit Fr. Laun) 
entdeckte C. M. v. Weber den Stoff des 
Freischutz. 

VApell, Joh. David von, * 23. Febr. 1754 
und y 1 8 3 3 zu Kassel als Geheimer Kammerrat 
und Theaterintendant, Komponist (Messen, 
Opern, Kantaten und Instrumentalmusik), 
schrieb (anonym) Galerie der vorziiglichsten 
Tonkiinstler und merkwiirdigen Musikdilet- 
tanten inKassel( 1 8o6)und ubersetztePiccinnis 
Roland ins Deutsche (1802). 

Apiarius, Mathias, siiddeutscher bzw. 
Schweizer Musikdrucker des 16. Jahr- 
hunderts, 1534 — 37 assoziiert mit Peter 
Schoffer d. j. in StraBburg, dann, vom 
Rat der Stadt berufen, in Bern bis zu 
seinem 1553 erfolgten Tode, worauf sein 
Sohn Samuel A. bis 1581 als Geschafts- 
nachfolger nachweisbar ist. Personliche 
Verdienste um die Technik des Musiknoten- 
drucks sind A. wohl nicht zuzuschreiben, 
da Peter Schoffer d. j. lange vor der 
Assoziierung mit ihm seinen herrlichen, mit 
Petrucci wetteifernden Typendruck hervor- 
bringt (1512), und A. in Bern vom Doppel- 
druck zum einfachen Druck der Art Attain- 
gnants ubergeht. Vgl. Ad. Thurlings' 
Studie iiber A. in der Vierteljahrsschrift 
fur MW. VIII. 38911. (1892, auch separat). 

Apollon (Apollo), der griechische Licht- 
gott, der die Laute der Natur weckt und 
die Bewegungen der Planeten, die Har- 
monie der Spharen ordnet, daher auch 
Gott der Dichtkunst und Musik, in dessen 
Gefolge sich die Musen befinden (Musa- 
getes). Zu Ehren des A. wurden zu Delphi 
alle vier Jahre die Pythischen Spiele ge- 
feiert, bei denen die musikalischen Wett- 
kampfe die erste Stelle einnahmen. Wenn 
Fr. Nietzsche auf kunstasthetischem Ge- 
biete das Apollinische in der Kunst zum 
Dionysischen in Gegensatz stellt, so ist 
A. der Vertreter des Prinzips der formalen 
Bestimmtheit und strengen Logik, Dionysos 
dagegen der des Prinzips der dithyram- 



bischen Begeisterung, welche die Gesetze 
durchbricht. 

Apotome (anotofxri) hieB bei den alten 
Griechen der chromatische Halbton; der 
diatonische Halbton hieB Limma \%.eXfifit(\ 
(a-b Limma, b-h A.). Wahrend aber nach 
den heutigen akustischen Bestimmungen 
der diatonische Halbton (15:16) groBer ist 
als der chromatische (24:25, resp. 128:135), 
berechneten die Alten das Limma als 
,,Rest" der „Quarte" (3:4) nach Abzug 
zweier Ganztone, beide als 8:9 bestimmt 
= (f : [|] 2 =ff|) und die A. als Rest des 
Ganztons (8:9) nach Abzug der Limma 
(243:256) als |5||, so daB fur sie der chro- 
matische Halbton der groBere war. Vgl. 
die Tabelle unter Tonbestimmung. 

Appassionato (italienisch), „leidenschaft- 
lich", mit starkem Ausdruck. 

Appel, Karl, * 14. Marz 1812 und f 9. 
Dez. 1895 in Dessau, Schuler Fr. Schneiders, 
bis 1880 Hofkonzertmeister, hat sich durch 
Mannergesangsquartette (besonders humo- 
ristische) und instruktive Violinsachen be- 
kannt gemacht. 

Appenzeller (Appenzelders), Bene- 
dict u s , wahrscheinlich einer schweizerischen 
Familie entstammend, aber in den Nieder- 
landen geboren (zu Audenarde), Schuler 
von Josquin des Pres (in Conde), auf dessen 
Tod er den vierstimmigen Klagegesang 
Musae Jovis ter maximi komponierte (er- 
halten in einem 1542 datierten MS. zu 
Cambrai, das 15 mit Benedictus gezeichnete 
Kompositionen enthalt, die wahrscheinlich 
alle von ihm sind [6 nachweislich]), war 
um 1535 — 155 1 Maitre des enfants de choeur 
der Kapelle der Maria von Ungarn, Statt- 
halterin der Niederlande in Brussel. Barclay 
Squire hat 1913 (Sammelb. der IMG. 
XIII 264a. Who was Benedictus': ) erstmalig 
einen Antwerpener Druck mit Werken von 
A. (De profundis [mit franzosischem Text] 
und 22 Chansons) aufgewiesen, aus dem sich 
die Autorschaft fur 6 der Benedictus-K.om- 
positionen des MS. von Cambrai ergibt. 
Durch Squire's Nachweise ist die Bedeutung 
A.s erheblich gewachsen und Benedikt 
Ducis (s. Bened.Herzog), dessen Biographie 
Friedrich S pitta in der Monatsschrift fur 
Gottesdienst und kirchliche Kunst, Januar 
19 1 2, erstmalig geklart hat, nicht mehr als 
Schuler Josquins anzusehen. Der Klage- 
gesang A.s auf Josquins Tod ist neugedruckt 
in der G.-A. von Josquins Werken, Lief. 1 

( J 92i)- 

Applikatur s. v. w. Fingersatz. 

Appoggiatura (italienisch, spr. apodd- 
seha-), s. v. w. Vorschlag. Vgl. Acciaccatura. 

Appunn, Anton, * 20. Juni 1839 und 
f 13. Jan. 1900 in Hanau, Sohn von Georg 
A., Schuler des Leipziger Konservatoriums, 
setzte die akustischen Versuche seines 
Vaters fort (insbesondere Schwingungs- 
zahlen-Bestimmungen sehr holier Tone auf 
optischem Wege), konstruierte feine aku- 
stische Apparate, ersann ein neues Glocken- 
profil (rechteckiger Metallstab in Kreis- 



54 



Appunn — Araber und Perser. 



form als Tonerzeuger, dariiber erne halb- 
kugelige Haubc als Tonverstarker). Er 
schrieb: Ein natiirliches Harmoniesystem 
(1893), Akustische Versuche uber Wahr- 
nehmung tiefer Tone (1889), Schivingungs- 
zahlenbestimmung bei sehr hohen Tonen 
( Annalen dcr Physik und Chemie, Band 64. 
1898 und Band 67. 1S99). 

Appunn, Georg Aug. Ign.. * 1. Sept. 1816 
und j 14. Jan. 1888 in Hanau, Schiiler von 
Ant. Andre und Schnyder von Wartensee 
in dcr Theorie, Suppus und Al. Scbmitt 
im Klavierspiel, Rinck im Orgelspiel und 
Mangold im Cellospiel, ein vielseitig gebil- 
deter Musiker, de.r fast alle Instrumente 
spielte und bis etwa 1S60 erfolgreich als 
Lehrcr dcr Theorie, des Instrumentenspiels 
und des Gesangs in Hanau und Frankfurt 
a. M. wirkte. Seit dieser Zeit beschaftigte 
cr sich ausschlieBlich mit akustischen Unter- 
suchungen und Konstruktion feiner aku- 
stischer Apparate, Harmoniums mit 36- 
und 53Stufigcr Skala reiner Stimmung 
(s. Tonbestimmung) usw., wodurch er mit 
maSgebenden Gclehrten, wie H. Helmholtz, 
A. v. Oettingen, G. Engel usw. in nahere 
Beziehung trat und riihmlichst bekannt 
wurde. Schrieb: Uber die. Helmholtzsche 
Lehre von den Tonempfindungen (1863). 

Aprile, Giuseppe, beriihmter Altist und 
Gesanglehrer, * 29. Oktober 1738 zu Bi- 
sceglie, f 1814 zu Martina (Apulien), sang 
seit 1763 in Stuttgart, Mailand. Florenz, 
Neapel und lebte dann als Gesanglehrer in 
Ncapcl. A. war Schiiler von Girol. Abos 
und Lehrer von Cimarosa. Seine noch 
heute beliebte Gesangschule mit Solfeggien 
erschien zuerst 1791 in London bei Broderip : 
The Modern Italian Method of Singing, with 
36 Solfegges. 

Apt (Stadt). Vgl. A. Gastoue, Inven- 
laire des manuscrits liturgiques conserves 
dans V eglise $ Apt und Les anciens chants 
liturgiques des eglises d' Apt et clu Comiat 

(o. J.)- 

Apthorp (spr. apflorp), William Foster. 
* 24. Okt. 1848 (1849?) zu Boston (Mass.). 
j 19. Febr. 1913 in Vevey (Schweiz) ; 1850 
bis i860 wurde er in Dresden. Berlin und 
Rom crzogen, 1S69 an der Harvard Uni- 
versity t graduiert, seit 1863 studierte er 
Kl., Harm, und Kp. bei Paine und setzte 
den Kl.-Unterricht bei B. J. Lang fort. 
1872 — 73 war er Lehrer fur Kl. und Harm, 
am Nat. Coll. of M. in Boston, 1874 — 86 
am New England Cons.; 1872 wurde er 
von Howells, dem Herausgeber von The 
Atlantic Monthly, als Musikkritiker engagiert 
und schrieb spater auch fur Sunday Courier 
und Traveller, 1888 — 1903 fur Evening 
Transcript als einfluBreichster Musik- und 
Theaterkritiker in Boston. AuBerdem lehrte 
cr am College of Music der Universitat, 
am Lowell Institute in Boston und am 
Peabody Inst, in Baltimore. Seine letzten 
zehn Lebensjahre verbrachte er in der 
Schweiz. Biicher: Musicians and Music- 
Lovers (1894); The Opera, Past and Present 
(1901): By the Way: a Collection of Short 



Essays, 2 Biinde (Boston 1899); About 
Music and Musicians (Boston 1898); Uber- 
setzungen: Hector Berlioz — Selections from his 
Letters and. Writings (1879); Herausgeber 
(mit J. D. Champlin) einer niitzlichen 
3 bandigen Cyclopedia of Music and Musi- 
cians (1888 — 90). 

Apulien. Vgl. V. Raeli, Maestri com- 
positori pugliesi (Tricase 1926). 

Aquila (Stadt). Vgl. A. Bertolotti, 
AM e memorie . . . per le prov. Modenesi e 
Parmensi [16. Jahrhundert] (1883). 

Araber und Perser. Nach Kiese- 
wetters Monographic (1842) hatten die 
Araber vor dem Islam keine nennenswerte 
musikalische Kultur; nach der Eroberung 
Persiens (7. Jahrhundert) ging die alte per- 
sische Kultur auf die Erobercr fiber. Der 
alteste arabischc Musikschriftsteller ist Cha- 
lil (| 776 n. Chr.), der ein Buch der Rhyth- 
men (Metrik) und ein Buch der Tone ver- 
faSte. Im 10. Jahrhundert versuchte 
Alfarabi (s. d.) vergeblich, die griechische 
Theorie einzubiirgern. Persische Schrift- 
steller fiber Musik treten erst im 14. Jahr- 
hundert auf, nachdem Persien aus der 
Tfirkenherrschaft (11. — 14. Jahrhundert) 
unter die Herrschaft der Mongolen gekom- 
men war, unter welcher (besonders untev 
Tamerlan) Kiinste und Wissenschaften wie- 
deraufbluhten. Das alteste erhaltene theore- 
tische Werk von Safieddin, mit dem Titel 
Scliarafeddin Harun, stammt aus dem 
13. Jahrhundert. Hcrvorragende Vertreter 
derTheorie sind ferner: Mahmud Schirasi 
(f 1315), Mahmud el Amul ( j 1349) und 
Abdolkadir Ben Isa (in persischer Spra- 
che). Das Musiksystem dieser Sclirift- 
steller ist das wahrend der arabischen Herr- 
schaft in Persien entstandene, zweifellos 
altarabische Elementc enthaltende, gegen 
welches schon Alfarabi ankampfte (vgl. 
Messel). Die Grundlage dieses Systems 
ist die Teilung der Oktave in 17 Teile 
(Dritteltone); nehmen wir den Ton 1 als 
c an, so sind die fibrigen (nach Abdolkadirs 
Monochord) : 2 des, 3 eses, 4 d, 5 es, 6 fes, 
7 e. 8 /, 9 ges, 10 as, 11 g, 12 as, 13 heses, 
14 a, 15 b, 16 ces, 17 deses. 18 c (vgl. die 
Tabelle unter ,, Tonbestimmung"). Da die 
8. Unterquinte fast absolut genau der reinen 
Oberterz entspricht, so konnen wir die 
Skala auch schreiben als (nach den unter 
,.Quinttone" erklarten Prinzipien) : c. cis, 
d, d, dis, e, e, f, fis, g, g, gis, a, a. b, li, c, c, 
und sehen dann, daB erne groBe Zahl so 
gut wie absolut reiner Terzcn sich ergibt, 
namlich: c e, d fis, e gis, fa, g h. a cis, bd, 
h dis, also die Harmonien B dur, G moll, 
F dur, D moll, C dur, A moll, G dur, E moll, 
D dur, H moll, A dur, Fis moll, E dur, 
Cis moll, H dur, Gis moll reiner, als sie 
unserem i2stufigen temperierten System zur 
Verfugung stehen. Da die Messel theorie be- 
reits die Terz als Konsonanz 4:5 definiert, 
so ist das natfirlich kein Zufall. Angesichts 
dieses Ergebnisses dfirfen wir vielleicht an- 
nehmen, daB die zwolf Haupttonarten 



Qs\-C\A^ 



^ 



i4Aa&M*a£ 



Araber unci Perser 



Arbeau. 



55 



(Makamat), welche die Theoretiker auf- 
stellen, von einzelnen Melodien abstrahierte 
Theoreme sind; die praktische Miisik er- 
findet ja nicht Tonleitern, sondern Melodien. 
Die 12 Makamat sind: Uschak = c, d, 
e, f, g, a, b, c; Newa = c, d, es, f, g, as, 
b, c; Buselik = c, des, es, f, ges, as, b. c; 
Rast = c, d, e, f, g, a, b, c; Irak = c, d, 
e, f, g, gis, a, h, c; Iszfahan = c, d, e^f, 
"g, as, b, c; Zirefkend = c, d, es, f, fis, 
gis, a, h, c; Biisiirg= c, d, e, f, fis, g, a, 
h, c; Sengule= c, d, e, f, fis, a, b, c; 
Rehawi = c, des, e, f, ges, as, b, c; Husseini 
= c, des, es, f, ges, as, b, c (vgl. Buselik); 
Hidschas = c, des, es, ges, as, b, c. Noch 
im 14. Jahrhundert wurde das abendlan- 
dische Tonsystem der sieben Stammtone 
und fiinf Zwischentone in Persien bekannt 
und faBte dort festen FuB, besonders in 
der praktischen Musikiibung, wahrend die 
Theoretiker noch an der Messeltheorie fest- 
hielten bis in die neueste Zeit. 

Das vornehmste Musikinstrument der 
Araber war schon zur Zeit des Alfarabi die 
Laute (s. d.). Die Araber iiberkamen die 
Laute von den Persern, und zwar nach dem 
Bericht arabischer Schriftsteller noch vor 
der Periode des Islam. Eine Abart der 
Laute war das Tanbur (mit langerem 
Hals, kleinerem Resonanzkasten und nur 
drei im Einklang gestimmten Saiten). Die 
persischen Schriftsteller des 14. Jahrhunderts 
erwahnen auBerdem noch an Saiteninstru- 
menten die unsrer Zither ahnlichen : Kanun 
(offenbar vom griechischen Monochord [Ka- 
non] abstammend), Tschenk und Nushet, 
sowie die Streichinstrumente Keman- 
tsche und Rebab (Rubeb), von denen nach 
der Annahme vieler die abendlandischen 
Streichinstrumente (s. d.) abstammen ( ?). 
Die Blasinstrumente zerfielen in zwei 
Hauptarten: Ney (Schnabelflote) und Ar- 
ganum (Organum ? Sackpfeife). Vgl. 
Andres, Cartas sobre la musica de los 
Arabes (1787), R. G. Kiesewetter, Die 
Musik der Araber nach Originalquellen 
dargestellt (1842), Kosegarten, AH Ispa- 
hanensis liber cantilenarum (Gveiiswald 1840), 
Soriano Fuertes, Musica arabe-espanola 
(1854), Salvador Daniel, La musique arabe 
(1863), Alexander Christianowitsch, Es- 
quisse historique de la musique arabe (1863), 
Caussin de Perceval, Notices anecdoti- 
ques suv les principa%ix musiciens arabes 
des trois premiers siecles de I'Islamisme 
(Journal asiatique 1873, auch separat), 
V. Advielle, La musique chez les Persans 
{p. J.), J. P. N. Land, Tonschriftenver- 
suche und, Melodieproben aus dem muham- 
medanischen Mittelalter (Vierteljahrsschrift 
fur MW. II [1886]), Dechevrens, Etudes 
de science musicale II, Appendix IV (La 
■musique arabe, i8g8), P. Colangettes, 
Etude sur la mus. arabe (Journal asiatique 
1904 — 06), Jules Rouanet, La musique 
arabe (Lavignac's Encyclop. de la Musique, 
Band V, 1922), H. G. Farmer, Arabic 
Musical Manuscripts in the Bodleian Li- 



brary; Music and Musical Instruments of 
the Arab; A. Z. Idelsohn, Die Maquamen 
der arabischen Musik (Sammelb: der Intern. 
MG. XV, I [1913]). Die Darstellung 
Idelsohn bezieht sich auf die jetzige ara- 
bische Musik, die kaum noch Beriihrungs- 
punkte mit der alteren hat. 
J^Aragonien. Vgl. J. J. Jimenez, Can- 
cionero Ar agones. Canciones de Jota antiguas 
y popular es en Aragon (Saragossa 1925). 

Araja, Francesco, italienischer Opern- 
komponist, * 1700 in Neapel, "]" ca. 1767 
in Bologna, brachte 1729 seine erste Oper 
Lo matremmonejo pe mennetta in Neapel 
heraus, 1738 folgte in ploren^ Berenice, 
und A. erlangte bald Ruf und ging 1735 
mit einer italienischen Operntruppe nach 
Petersburg. Dort brachte er 17 51 die erste 
auf russischen Text komponierte Oper Der 
barmherzige Titus (28. Dezember 175 1), der 
1755 eine zweite Kephalos und Prokris 
folgte. 1759 ging er nach Italien zuriick. 
Die Gesamtzahl seiner Opern ist 22. Von 
einer neuen Reise nach RuBland (1761) 
trieb ihn die Ermordung Peters III. schnell 
zuriick. A. schrieb auch ein Weihnachts- 
oratorium. 

Aranaz y Vides, Pedro, spanischer Kom- 
ponist, * gegen die Mitte des 18. Jahrhun- 
derts zu Tudela (Navarra), KM. an der 
Kathedrale zu Cuenca von 1780 bis zu 
seinem 1821 erfolgten Tode. Er schrieb 
8st.Messen, derenStilCherubinibewunderte; 
ferner ,,tonadillas", ferner eine Abhandlung 
iiber Kp. und Komposition (ms.): Zwei 
Stucke von A. bei Eslava, Lira sacro- 
hispana. Vgl. M. Soriano Fuertes. 
Hist, de la Musica Espanola, Band III. 

Aran da, del Sessa d', italienischer Ma- 
drigalkomponist, dessen einzige bekannte 
Sammlung 4st. Madrigale (1571) sich groBer 
Beliebtheit erfreute (Neuauflage 1583, 1605, 
1619). 

Aranda, Matheus de, portugiesischer 
Musiker, 1544 Professor der Musik an der 
Universitat Coimbra, schrieb: Tratado de 
canto llano y contrapuncto por Matheo de 
A., maestro de la capilla de la Se de Lixboa 
etc. (iS33)- 



-Fa 



raujo (Arauxo, spr. ara-uchho), Fran- 
cisco Correa d', einer der bedeutendsten 
portug. Instrumentalkomponisten, Domini- 
kaner, Organist an San Salvador zu Sevilla ; 
fi 3. Jan. 1663 alsBischof von Segovia, schrieb : 
Librode Tientos y Discursos de musica practica 
. . . intitulado Facultad organica (Alcala 1626, 
Orgelschule mit 70 Tonsatzen in Tabulatur) 
und Casos morales de musica (Ms.). 

Arbeau (spr. arbo), Toinot (Anagramm 
fur Jean Tabourot, Offizial zu Langres 
gegen Ende des 16. Jahrhunderts), gab 
heraus: Orchesographie etc. (1588 und 1596, 
Neuausgabe von L. Fonta, Paris 1888. 
deutsch im Auszug von Czerwinski 1878, 
englisch von C. W. Beaumont 1925), 
worin das Tanzen, Fechten, Trommeln, 
Pfeifen usw. in Form eines Dialogs mittels 
einer Art Tabulatur gelehrt wird. Das 
Werk ist eine wichtige Quelle fur die Ge- 



56 



[d']Arblay — Arditi. 



schichte der Tanze. S. Choreographie und 

Basse dance. Vgl. Fr. Blume, Stud. z. 

Vorgesch. der Orchestersuite (1925). 
[d']Arblay, Frances s. Burney. 
Arbos, Enrique Fernandez, spanischer 
Violinist und Dirigent, * 25. Dez. 1863 zu 
Madrid, Schuler von Monasterio in Madrid, 

Vieuxtemps in Briissel und Joachim in 

Berlin, war kurze Zeit Konzertmeister der 

Philharmonie zu Berlin, dann Violinlehrer 
am Hamburger Konservatorium, auch zeit- 
weilig am Madrider Konservatorium, seit 

1 89 1 aber am Londoner R. College of 
Music. Seit 1904 ist er Leiter des Orquesta 

Sinfonica in Madrid und Violinlehrer am 
R. Cons, de Musica, auch Konzertmeister 

des Orch. der Koniglichen Kapelle. A. ist 
nicht nur ein ausgezeichneter Geiger ernster 
Richtung und Dirigent, sondern auch ein 
respektabler Komponist (Trots Pieces ori- 
ginates dans le genre espagnol fur Klaviertrio, 
Violinstiicke, Mus. Komodie El centro de 
la tierra [Madrid 1895], Orch.-Bearb. der 
Iberia-Suite von Albeniz, Lieder u. a.). 

Auch gab er Werke von Vieuxtemps neu 
heraus. 

Arbuthnot (spr. arboftnot), John, eng- 
lischer Mediziner, Leibarzt der Konigin 
Anna (1709), f 27. Febr. 1735; nahm bei 
den Zerwurfnissen Handels mit seinen 
Opernmitgliedern lebhaft fur Handel Partei 
und gab interessante Details uber Perso- 
nalien in seinen Miscellaneous Works (1751). 
Auch war A. selbst Komponist (Anthems), 
Arcadelt, Jakob (auch geschrieben: 
Jachet Arkadelt, Archadet, Harca- 
delt, Arcadet, Arcadente), wahrschein- 
lich niederlandischer Abkunft, * um 1514, 
I nach 1557 in Paris, taucht nach kurzem 
Aufenthalt in Florenz zunachst als Mitglied 
der Cappella Julia in Rom auf (1539), ist 
dann mit Unterbrechung (Reise nach Frank- 
reich) papstlicher Kapellsanger (1540 — 49, 
1544 zum Abtkammerling ernannt) und 
folgt um 1555 dem Herzog von Guise nach 
Paris, wo wir ihn mit dem Titel eines Regius 
musicus 1557 finden. Arcadelts unsterb- 
licher Ruhm sind seine Madrigale, deren 
erstes Buch bis 1654 einunddreiBig Ausgaben 
erlebte. Nachweisbar sind: 5 Biicher 4St. 
Madrigale (1539 [1 — 4], 1544), ein Buch 
3st. Madrigale (1542), ein Buch 3 — 5st. 
Messen (1557), ein Buch 4st. Messen (1545). 
Viele Madrigale, Chansons, Motetten usw. 
finden sich in den Sammelwerken der Zeit, 
wenige weitere Werke handschriftlich. In 
Neuausgaben erschienen einige Tonsatze in 
Maldeghems Trtsor, in Band 23 von 
Eitners Publikationen, das 4st. parlando- 
Madrigal II del che rado in Riemanns 
Handbuch d. MG. II 1 . 402 ff., II bianco 
e dolce cigno 4 v. bei Moflkwa u. a. Das 
bekannte Ave Maria, das unter A.s Namen 
geht, stammt, nach eigenem Bekenntnis des 
.,Schopfers" (vgl. Trib. de St. Gervais 1923, 
Sept. /Okt.), von P. C. Ph. Dietsch (1808 
bis 1865). Im Gegensatz dazu glaubt 
Andre Pirro die Quelle des Stiickes in einer 



Chanson A.s (1554 gedruckt) entdeckt zu 
haben. 

[d']Archambeau (spr. arschangbo), Jean 
Michel, belgischer Komponist, * 3. Marz 
1823 zu Herve, "j" im August 1899 zu Verviers, 
mit 15 Jahren Musiklehrer am dortigen 
Gymnasium, spater Organist zu Petit 
Rechain, hat Messen, Litaneien, Motetten, 
Romanzen und Salonstucke geschrieben. 

Archangelski, A 1 e x a n d e r Andrej ewitsch, 
* 23. Okt. 1846 im russischen Gouvernement 
Pensa, j 1925 in Prag, war seit seinem 16. 
Jahre Dirigent von Kirchenchoren. 1880 
organisierte er einen eigenen Chor, mit dem 
er ausgedehnteKonzertreisen unternahm. Als 
Komponist betatigte sich A. auf dem Gebiete 
kirchlicher Musik; er veroffentlichte zwei 
Messen, eine Totenmesse usw. Wichtig ist 
die von A. zuerst gewagte Ersetzung der 
Knabenstimmen durch Frauenstimmen im 
russischen Kirchengesange, die viele Nach- 
ahmung gefunden hat. 

Archer (spr. artscher), Frederick, vor- 
trefflicher englischer Organist, * 16. Juni 
1838 zu Oxford, j 22. Okt. 1901 zu Pitts- 
burg, ausgebildet zu London und Leipzig, 
war zuerst Dirigent, wurde 1881 Organist 
zu Brooklyn (Neuyork) und ubernahm dann 
eine gleiche Stellung in Pittsburg. A. gab 
Orgelkompositionen und Schriften iiber 
Orgel heraus, redigierte auch eine Musik- 
zeitung The Key Note. 

Archi ... (spr.-ki) und Arci ... (spr. -tschi) 
als Zusatz zu Namen alterer Instrumente 
deutet auf eine besondere GroBe des Ton- 
umfangs und der Bauart, z. B. Arciorgano, 
das von Vicentino um 1560 konstruierte 
Klavierinstrument mit 31 Stufen in der 
Oktave, das fur alle Tone der drei antiken 
Tongeschlechter (diatonisch, chromatisch 
und enharmonisch) besondere Tasten hatte; 
Archiliuto, die groBe BaBlaute (vgl.Theorbe), 
Archiviola di Lira s. v. w. Lirone, Accordo 
usw. 

Archiv fur Musikwissenschaft, Viertel- 
jahrsschrift, herausgegeben vom Furstl. 
Institut fur musikwissenschaftliche 
Forschung zu Biickeburg seit 1. Okt. 
1918 durch dessen Direktor Prof. Dr. Karl 
August Rau (f) unter Redaktion von Max 
Seiffert, Johannes Wolf und Max 
Schneider (Druck und Verlag von Breit- 
kopf & Hartel, vom 2. Jahrgang ab von 
Siegel-Kistner in Leipzig). Das AfMW. ist 
gedacht als deutscher Ersatz der 1914 ein- 
gegangenen Sammelbdnde der Internationalen 
MG. 

Arco (italienisch), Bogen; coW arco (ab- 
gekiirzt arc, c. arc), ,,mit dem Bogen", 
fur die Streichinstrumente nach voraus- 
gegangenem pizzicato die Vorschrift, daB 
wieder gestrichen werden soil. 

Arditi, Luigi, * 22. Juli 1822 zu Cre- 
scentino (Vercelli), t 1. Mai 1903 zu Hove, 
bei Brighton, Schuler des Konservatoriums 
in Mailand, Violinist, war Kapellmeister 
zu Vercelli, Mailand, Turin, ging dann in 
gleicher Eigenschaft nach Havana, Neuyork, 
Konstantinopel, Petersburg und London, 



Arditi — Arie. 



57 



wo er mehrere Jahre die Italienische Oper 
dirigierte und seitdem als Musiklehrer und 
Komponist lebte. A. ist besonders bekannt 
geworden durch eine Reihe gesungener 
Tanze, von denen der Walzer II bacio („Der 
KuB") die Runde um die Welt gemacht hat. 
Audi hat er drei Opern sowie einige Instru- 
mentalstiicke (Klavierphantasien, Scherzo 
fur zwei Violinen usw.) geschrieben und 
Lebenserinnerungen unter dem Titel Remini- 
scences herausgegeben (1896). 

Arditi, Michele, Marchese, * 29. Sept. 
1745 zu Presicca (Neapel), t23. April 1838; 
gelehrter Archaolog und Komponist, 1807 
Direktor des bourbonischen Museums, 18 17 
Oberinspektor der Ausgrabungen im Konig- 
reich Neapel, schrieb eine Oper: Olimpiade, 
sowie zahlreiche Kantaten, Arien und In- 
strumentalwerke. 

Arend, Max, * 2. Juli 1873 zu Deutz 
a. Rh., bildete sich 1889 — 93 an den Konser- 
vatorien zu Koln und Wiesbaden (H. Rie- 
mann) zum Musiker aus, bezog aber 1899 
noch als stud. jur. die Universitat Leipzig, 
promovierte da zum Dr. jur. und trat 
1903 in Staatsdienst. Seit 1907 Rechts- 
anwalt in Dresden, seit 1918 in Koln. 
Als Musiker trat er mit kritischen und 
asthetischen Arbeiten (Zur Kunst Glucks, 
gesammelte Aufsatze 1914) und einer Gluck- 
Monographie (1921) hervor, gab Glucks 
Pilger von Mekka (1910) und Zauberbaum 
(191 1) heraus und machte eifrig Propaganda 
fur die Wiederbelebung von Glucks Musik 
durch Begriindung einer Gluckgesellschaft 
und weiterhin (1913) einer Gluckgemeinde. 

Arens, Franz Xaver, * 28. Okt. 1856 
zu Neef in PreuBen, von wo seine Eltern 
1867 nach Amerika auswanderten, Schiiler 
von Singenberger in Milwaukee und der 
Miinchener Kgl. Musikschule, 1885—88 
Leiter des Gesangvereins und Philharmo- 
nischen Orchesters in Cleveland, seit 1896 
Gesanglehrer in Neuyork, wo er 1900 Volks- 
sinfoniekonzerte ins Leben rief ; ist auch als 
Komponist mit Choren, Liedern, einem 
Streichquartett, Orchester- und Orgelwerken 
hervorgetreten. 

^Arensky, Anton Stepanowitsch, *n. 
Aug. 1861 zu Nowgorod, "j" 25. Febr. 1906 
zu Terioki (Finnland) an einem Lungen- 
leiden, besuchte 1879 — 82 das Petersburger 
Konservatorium (Johannsen, Rimsky-Kors- 
sakow) und wurde 1883 Kompositionslehrer 
am Moskauer Konservatorium; 1895 siedelte 
er nach Petersburg iiber als Dirigent der 
Hofsangerkapelle. A.s Richtungals^Kom- 
ponist steht der Tschaikowskys naher als 
der der radikalen jungrussischen Schule. 
Seine Kompositionen sind die Opern Der 
Traum auf der Wolga (Moskau 1892), Ra- 
phael (Moskau 1894), Nal und Damajanti 
(1899); Musik zu A. Puschkins Dichtung 
Die Fontdne von Bachtschissarai (Chor, Soli 
und Orchester); ein Ballett Nuit d'Egypte 
(Petersburg 1900); 2 Sinfonien (op. 4 H moll 
und op. 22 A dur); 2 Trios (op. 32 D moll 
und op. 73 F moll); ein Klavierquintett 
(op. 51 Ddur); 2 Streichquartette (op. 11 



G dur und op. ,35a A moll [fur Violine, 
Bratsche und zwei Celli]) ; ein Klavierkonzert 
F dur (op. 2); eine Phantasie fur Klavier 
und Orchester (iiber Themen des russischen 
Volkssangers Rjabinin, op. 48) ; Violinkonzert 
A moll op. =,4; 3 Suiten fur zwei Klaviere 
(op. 13, 23, 33); 6 vierhandige Klavierstiicke 
(op. 34); ca. 90 2 h. Klavierstiicke (darunter 
op. 28 : Essais sur des rythmes oublies, op. 36 : 
24 Charakterstiicke usw.); ca. 40 Lieder 
(op. 6, jo, 17, 21, 27, 38, 44, 49); Chore 
(op. 14, 31, 39); Duette (op. 29, 45); Stucke 
fur Orchester (Intermezzo op. 13), Violine 
(op. 37), Cello (op. 12), sowie kirchliche 
Kompositionen. Auch verfaBte er eine 
Harmonielehre (2. Aufl. 1900, deutsch von 
P. Juon) und ein Handbuch der Formen- 
lehre (2 Teile, 4. Aufl. 1914). 

Aretinus s. Guido (von Arezzo). 

Arezzo. Vgl.F. Coradini, VArchivio mu- 
sicale del Duomo diA. nel secolo XVI. (1922) ; 
derselbe, A. M. Abbatini, Giov. Apolloni, 
Lodov. Cenci (1922). Vgl. auch Cesti. 

Argentina (Siidamerika). Vgl. Juan Al- 
varez, Origenes de la musica Argentina 
(Rosariode Santa Fe 1908); Gaston O. Tala- 
mon, Die zeitgenossische arg. Musik (deutsch 
in Ztsch. des deutschen Wissensch. Vereins zur 
Kultur und Landeshunde Argentiniens 1918). 

Argine (spr. ardschi-), Constantino 
dall', * 12. Mai 1842 zu Parma, f i.Marz 
1877 in Mailand, war ein in Italien beliebter 
Ballettkomponist und brachte auch Opern, 
darunter einen Barbiere auf Paesiellos und 
RossinisText (Bologna 1868) zur Auffiihrung. 

Aria (ital.), Arie (s. d.), Vgl. Air. 

Aribo scholasticus, um 1078 in Freising, 
befreundet mit Wilhelm von Hirschau, hat 
einen sehr wertvollen musiktheoretischen 
Traktat verfaBt, welcher die Schriften Gui- 
dos von' Arezzo kommentiert. Abgedruckt 
bei Gerbert, Script. II. 

Arie (ital. Aria, franz. Air) ist eigentlich 
dasselbe wie Lied. Der Name A. tritt in 
Deutschland an Stelle des viel alteren Lied 
mit dem Bekanntwerden der von den Ita- 
lienern (Caccini, Peri) um 1600 aufgebrach- 
ten, fur nur eine Singstimme mit Begleitung 
komponierten Lieder, so in den Arien von 
Heinrich Albert seit 1638, im Gegensatz zu 
den fur mehrere Singstimmen erfundenen 
Liedern des 16. Jahrhunderts, also ausge- 
sprochenermaBen fur die Gesange im neuen 
monodischen Stile, offenbar auch zunachst 
mit dessen Tendenz einer starkeren Differen- 
zierung gegen die tanzliedartige schlichte 
rhythmische Faktur der Melodiebildung, ein 
Unterschied , der aber bald- fallen gelassen 
wird. In derOperfafite dieneue ArtdesLiedes 
erst im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts 
Boden, vorher ist sie eigentlich ein Eindring- 
ling gegen den Willen der Theoretiker des 
neuen Stils. Erst nachdem die in der Kantate 
vorbereitete scharfere Unterscheidung mehr 
nur deklamierender (rezitativischer) und 
liedartig aufgebauter Teile auch in der Oper 
zur bestimmten Gegeniiberstellung von Re- 
zitativ und Arie gefuhrt hat (um die Mitte 
des 17. Jahrhunderts), erlangt das Wort 



58 



Arie 



Arioso . 



Arie allmahlich den Sinn, den wir ihm heute 
zu geben gewohnt sind, wenn wir Arie und 
Lied unterscheiden , namlich den eines 
groBeren, weiter ausgefiihrten, vor allem 
nicht mehrere Strophen mit derselben Melo- 
die gebenden Gesangsstiicks. Es ist wohl 
zu beachten, daB die eigentliche Arie im 
alteren Sinne ihre Struktur durchaus durch 
den liedmaBigen Text (in kurzzeiligen ge- 
reimten Versen) erhalt. dessen Strophenform 
fiir sie vorbildlich und grundlegend ist, daB 
aber in der Folge die Arie in Kantate und 
Oper den Text durch gehaufte Wortwieder- 
holungen erweitert und ihre Struktur vom 
Strophenbau unabhangig macht; mit an- 
deren Worten, sich der rein instrumentalen 
Form nahert. Am deutlichsten ist das friih 
erkennbar an den arienartigen Sologesiingen 
der kirchlichen Kantate und des englischen 
Anthem, deren der Bibel entnommene Prosa- 
texte iiberhaupt keine Verse und Strophen 
haben, daher die musikalische Form nicht 
vorbilden konnen. So wurde es schlieBlich 
moglich, daB zwischen Arie und Lied sich 
geradezu ein Gegensatz herausbildete und 
der Name Arie nur mehr fur Gesangsstiicke 
in Gebrauch blieb, die sich vom einfachen 
Vortrage des Textes weit entfernen, wah- 
rend fur schlichtere Bildungen neue Namen 
wie Arietta oder Kavatine, Couplet und 
Chanson gebraucht vverden. Dieser Gegen- 
satz zwischen Arie und Lied entwickelte sich 
schnell nach dem Auftreten der dreiteiligen 
Da- Capo- Arie, die bereits von dem 1653 
verstorbenen Luigi Rossi ausgebaut wurde 
und gegen Ende des 17. Jahrhunderts all- 
mahlich allgemein die Oberherrschaft ge- 
winnt (beiLegrenzi, Steffani, Al. Scarlatti). 
Je mehr sie dann zur Bravour-Arie fiir die 
Gesangsvirtuosen (Kastraten und Prima- 
donnen) sich auswuchs, desto weiter ent- 
fernte sie sich vom Liede. Der Text hat 
schlieBlich fur die Arie nur noch die Bedeu- 
tung, daB seine Worte den Stimmungs- 
charakter bestimmen, oder eine tonmale- 
rische Anregung geben; aber selbst diese 
Unterschiede gehen schlieBlich in dem 
uberall gleichen Verzierungsunwesen unter. 
So hatte sich um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts die Arie als besondere Form 
iiberlebt, und seit Gluck setzen die Re- 
formbestrebungen ein, welclie wieder star- 
kere Abhangigkeit vom Text im Detail 
fordern und so die Arie wieder dem Liede 
oder aber (Wagner) dem deklamierenden 
Stile der ersten Musikdramatiker (der Zeit 
um 1600) naherbringen. — 

Die Arie aus der Oper bzw. dem musi- 
kalischen Drama ganz zu verbannen, ist von 
Gegnern der Stiloper mehrfach gefordert 
worden, aber immer mit dem gleichen Er- 
gebnis, daB namlich die rein musikalische 
Gestaltung doch ihre Rechte fordert. Die 
iisthetische Bedeutung der A. im musika- 
lischen Drama ist ein Verweilen der Handlung 
zugunsten der breiteren Entfaltung eines 
lvrischen Moments; ein vernunftiger Grund, 
dieses zu vermeiden, ist schlechterdings 
nicht beizubrinsren. fiber die Rolle des Ri- 



tornells in alteren Arieti vgl. Ritornell. Vgl. 
auch Arioso und Rezitativ. 

Ariel, s. Werker. 

[d'JArienzo. Nicola, * 23. Dez. 1842 und 
j 25. April 191 5 zu Neapel, Schiller von V. 
Fioravanti und Sav. Mercadante. 1872 Mu- 
siklehrer am J?. Albergo dei poveri zu Neapel, 
1S77 Kontrapunkt- und Kompositionslehrer 
am dortigen Kgl. Konservatorium, 1879 
Direktor der Anstalt, 1904 Lehrer fiir Musik- 
geschichte, brachte i860 seine erste komische 
Oper La fidanzata del perrucchiere in Neapel 
zur Auffuhrung; ihr folgten I due mariti 
1866, Le rose 1866, II cacciatore delle Alpi 
1869, 77 cuoco 1873, La figlia del diavolo 
(seriose Oper, 1S79), La fiera 1887 und in 
Mailand I viaggi 1875. Nicht aufgefuhrt 
sind die seriosen Opern Lesbo di Rodio und 
Capitan Fracassa. AuBerdem schrieb A. 
2 Quartette, 1 Quintett, 1 Nonett, 2 Cello- 
konzerte, 2 Violinkonzerte, eine kanonische 
Klaviersonate u. a. Klaviersachen, ein 5 st. 
Misereres cappella, ein6st. StabatMater mit 
Orgel und Streichorchester, Cristo sulla 
croce fiir Soli, Choi" und Orchester, 2 Sinfo- 
nien, Stiicke fiir Orchester, Chore mit Or- 
chester auf Texte aus Tassos Befreitem 
Jerusalem, Gesangsstiicke im Kammerstil 
u. a. Theoretische Schriften A.s sind: II 
sistema tetracordale nella musica modema 
(1878) und Scuola di composizione musicale 
(1899): historische Studien : Un predecessor e 
di A I. Scarlatti (iiber Gesualdo di Venosa, 
1891), Dell' opera comica dalle origini a G. B. 
Pergolesi (1887, deutsch von F. Lugschei- 
der 1902), II tnelodramma dalle origini al sec. 
XVIII (1900), Salvatore Rosa musicista 
(Riv. musicale 1894), La musica in Napoli 
(1900), Die moderne Oper (in der Deutschen 
Thalia, Wien 1902). Zu A.s Schulem zahlen 
Leoncavallo, dc Nardis, van Westerhout, L. 
Filiasi, La Rotella, Savasta. Vgl. A. della 
Corte, Un maestro: N.d'A.(K. mus.it. 191 5). 

Ariette, s. v. w. kleine Arie (s. d.). 

Arion, der sagenumwobene Sanger des 
griech. Altertums, lebte um 600 v. Chr. 

Arioso (ital.) heiBt ein kurzes melodisches 
Satzchen inmitten oder am SchluB eines 
Rezitativs. Das A . unterscheidet sich von 
der Arie dadurch, daB es keine thematische 
Gliederung hat, d. h. es ist nur ein Anlauf 
zu einer Arie, ein lyrischer Moment. — In 
der alteren Musik bis einschlieBlich Seb. 
Bach versteht man aber unter A. die in dem 
alteren ausdrucksvoll deklamierenden Stile 
komponierten Gesange, aus welchen heraus 
sich erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts 
Arie und Rezitativ durch Differenzierung ent- 
wickelten, Gesange, in denen die rein musi- 
kalische Formgebung, wie sie dem Tanz- 
liede von jeher eigen ist und in der Arie (s. 
d.) wieder zur Geltung kommt, vermieden 
wird. Die ersten Opern haben fiir Solo- 
gesange iiberhaupt nur diesen Stil. der auch 
in die kirchliche Komposition (z. B. bei 
Schiitz) iibergeht und sich da langer halt als 
in der Oper. Das eigentliche Rezitativ dringt 
ja erst seit 1700 auch in die Kirchenmusik 
ein (vgl. Neumeister). 



Ariosti — Arithmetische Teilung. 



59 



Ariosti, Attilio, * 5. Nov. 1666 zu Bo- 
logna, f um 1740, wahrscheinlich in Spanien, 
trat 1688 in den Orden der Serviten von 
Santa Maria (als Frate Ottavio), schloB 
sich als Opernkompohist anfanglich eng an 
die Manier Lullys an, ging aber spater zu 
der Alessandro Scarlattis iiber. 1693 schrieb 
er ein Passionsoratorium, 1695 ein Diverti- 
mento und trat nun mit Dispens seines 
Ordens erst in mantuanische Dienste, dann 
in die des GroBherzogs von Toscana. 1697 
bis 1703 war er Hofkomponist der Konigin 
Sophie Charlotte in Berlin. Von Berlin 
ging er zunachst mit holier Pension in S tei- 
lung am Hofe des Herzogs von Anjou, er- 
langte die Gunst des Kaisers Joseph, dessen 
Generalagent fur Italien er wurde, muBte 
aber nach des Kaisers Tode das Patent zu- 
riickgeben (Brief Leibniz' vom 31. Jan. 
17 14 an die Kurfiirstin Sophie von Hanno- 
ver). 1712 kehrte er in sein Kloster zuriick, 
reiste 1715/16 in Siiddeutschland, nach 
Paris und London, wo er mit Buononcini 
Triumphe feierte, bis Handels leuchtendes 
Gestirn sie beide verdunkelte. 1728 ver- 
offentlichte er Kantaten auf Subskription, 
um seine Verhaltnisse aufzubessern, und 
ging nach Bologna zuriick. AuBer etwa 25 
Opern, deren Favorit-Arien Walsh in Lon- 
don druckte, schrieb A. auch Oratorien 
(5. Radegonda 1694), eine Passion (1709), 
viele Kantaten, Divertimenti da camera fiir 
Violine und B. c. (1695) un d Lezioni per 
Viola d'amore (1728). Vgl. Alfr. Ebert, 
A. A. in Berlin (1905, Bonner Dissert.); 
L. Frati, Attilio Ottavio A. (R. m. it. 32, 4, 
1926). r 

Aristides Quintilianus, Musikschrift- 
steller des 1. — 2. Jahrh. n. Chr., dessen 
wichtiges Werk: De musica libri VII bei 
Meibom (Aniiquae musicae auctores septem, 
1652) abgedruckt ist und in neuer Ausgabe 
von H.Albert Jahn 1882 erschien. Auch 
hat H. Deiters eine neue Textausgabe 
druckfertig hinterlassen. Vgl. Ch. Em. 
Ruelle, Le musicographe A.Q. (Sammelb. 
d. IMG. XI, S. 313 ff.) und G. Seydel, 
Symbolae ad doctrinae Graecorum harmo- 
niae historiam (Leipzig 1907, Dissert.). 

Aristoteles, 1) der groBe Philosoph, 
Schiiler Platons, lebte 384 — 322 v. Chr. 
. Seine Schriften enthalten zwar nur weniges 
iiber Musik, dies wenige ist aber von aller- 
groBter Wichtigkeit fiir die Erforschung der 
altgriechischen Musik. Eine Zusammen- 
stellung der auf Musik beziiglichen Aus- 
spriiche s. in Karl von Jans Musici scrip- 
tores graeci (1895) S. 3 — 35. Die unter des 
A. Namen erhaltenen Probleme iiber die 
Musik ( Pvoblemala Sect. XIX) sind nach 
neueren Untersuchungen alexandrinischen 
Ursprungs und etwa im 1. oder 2. Jahr- 
hundert n. Chr. geschrieben. Neue Ausgaben 
dieses hochbedeutsamen, in Frage und Ant- 
wort abgefafiten Katechismus veranstal- 
teten K. v. Jan {Script. S. 37 — in)und 
F. A. Gevaert mit J. C. Vollgraff (1899/ 
1901, 2 Teile). Vgl. dazu C. Stumpf, 
Die pseudo-aristotelischen Probleme iiber 



die Musik (1897), Gerhard Tischer, Die 
aristotelischen Musikprobleme (Berlin 1903, 
Dissertation). Siehe auch Th. Twining, 
A ristotW's Treatise on Poetry . . . with two 
Dissertations on Poetical and Musical Imita- 
tion (London 1789, deutsch von J. G. 
Buhle 1798). — 2) Pseudonym des Ver- 
fassers einer Schrift iiber die Mensuralmusik 
im 12. — 13. Jahrhundert (abgedruckt bei 
Coussemaker Script., Bd. I, friiher irrtiim- 
lich dem Beda Venerabilis [7. Jahrhundert!] 
zugeschrieben). Vgl. Beda. 

Aristoxenos, Schiller des Aristoteles, der 
bedeutendste der griech. Musikschriftsteller, 
* um 354 v. Chr. zu Tarent. Von seinen (an- 
geblich 452) Schriften sind nur 2 Biicher der 
Elemente der Harmonik und Fragmente der 
Elemente der Rhylhmik erhalten. Alte Aus- 
gaben von Gogavinus (1562), Meibom 
(1652), neue von P. Marquard (1868) und 
Rud. Westphal mit Fr. Saran (1. Bd. 
1883 Kommentar, 2. Bd. 1893 Text). Vgl. 
auch H. S.Macran, The Harmonics of A. 
(Oxford 1902), L. Laloy, Aristoxene de 
Tarente, d'Aristote et la musique de P anti- 
quity (1904), derselbe, A.de T. e la musi- 
que de V antiquite (1924); C. F. Abdy Willi- 
ams, The Aristoxenian Theory of Musical 
Rhythm (Cambridge 1911); G. Urbain, Le 
Tombeau d y A . — Essai sur la musique 
(Paris 1924). Vgl. auch Williams' Auf- 
satz im Musical Antiquary 191 1. A. er- 
kannte bereits deutlich, daB das Anhoren 
eines Musikstiickes ein Ansammeln und Auf- 
bauen in der Erinnerung ist (Harm. 39) 
und daB die Phantasie beim Fortschreiten 
von einem Tone zu einem andern der Skala 
die iibersprungene Strecke durchlauft und 
somit stufenweise Tonhohenveranderungen 
als stetige wertet(Harm.8 — 9),ohne zu iiber- 
sehen, daB die Ersetzung der stetigen Ton- 
hohenveranderung durch die abgestufte in 
die harmonischen Beziehungen der Tone 
hohe neue Werte bringt. Tatsachlich legt 
bereits A. das solide Fundament einer echt 
wissenschaftlichen Musikasthetik. 

Arithmetische Teilung (der Saite), die 
dem arabisch-persischen Messel (s. d.) zu- 
grunde liegende Teilung in eine Anzahl 
gleicher Teile zur Aufweisung der konso- 
nanten Intervalle, welche die Bestandteile 
des Mollakkords ergibt: 

C Es G c g g' 

6/ 5/ 4/ 3/ 2/ 1/ 

/ 6 / 6 / 6 / 6 / 6 / f. 

Daher ist bei Zarlino Divisione aritmetica 
und Salinas' Divisio arithmetica s. v. w. 
Mollakkord. Der Gegensatz der a. n T. ist 
die bei den altgriechischen Theoretikern ge- 
brauchliche harmonische Teilung, die 
Teilung der Saite bei 1/2,. 1 U> r ! a V 5 , 1 L> 
welche auf die Verhaltnisse des Dur- 
akkords fiihrt (Divisione armonica, Divisio 
harmonica) ; 

C c g c' e' g' 



Va V« 



1/, 



60 



Ark — Armenische Kirchenmusik. 



lichen, aber durchaus analogen mathema- 
tischen Betrachtungen fiihrte 1558 Zarlino 
zur dualen Fundamentierung der Harmo- 
nielehre. Vgl. Dualismus, harmonischer. 

Ark, Karl van, Pianist und vorziiglicher 
Klavierpadagoge, * 1842, f 1902 zu Peters- 
burg, Schiiler von Leschetizky, seit der 
Griindung des Petersburger Konservato- 
riums Lehrer dieser Anstalt, riickte 1878 
beim Fortgange Leschetizkys in seine Stelle 
als Professor ein. Er veroffentlichte u. a. 
eine Schule der Klaviertechnik, die sehr be- 
kannt wurde. 

Arkwright (engl., spr. ark'reit), Godfrey 
Edward Pellew, * 10. April 1864, zu Eton 
und Oxford gebildet, ist der Herausgeber des 
groBen Sammelwerks The English Edition 
(25 Bde. 1889 — 1902, enthaltend Masken- 
spiele, Airs, Balletts, Madrigale, Motetten 
und Anthems von Campion, Arne, Boyce, 
Tye, Ferrabosco, Weelkes, R. White, Kirbye, 
Pilkington, Milton, Blow, Purcell usw.), 
sowie von Purcells Cacilien-Ode und der Ode 
fur den Geburtstag der Konigin Maria (i. d. 
Ausg. der Purcell- Gesellschaf t i899undi902). 
Auch redigierte er 1909 — 13 eine gediegene 
musikwissenschaftliche Monatsschrit The 
Musical Antiquary (Oxford), fur die er u. a. 
eine Artikelserie uber die englische Hofmusik 
beisteuerte (List of the King's Musicians) und 
gab 191 5 den Katalog der Musikalien der 
Christ- Church zu Oxford heraus. Seine 
Schwester Marian Ursula, *2$. Jan. 1863 
zu Norwich, j 23. Marz 1922 zu London, gra- 
duiert zu Durham ( Baccal. und Mag. art.), 
war Komponistin von Orchester- und Kam- 
mermusik, auch eines Requiem und von 
y Kinderoperetten. 

H f XArlberg, Georg EJsiAraim Frits, * 21. 

Marz 1830 zu Leksand in Dalekarlien(Schwe- 
den), f 21. Febr. 1896 zu Oslo, ursprunglich 
Verwaltungsbeamter, ging zur Musik uber 
und wurde ein gefeierter Buhnensanger (Ba- 
riton), 1858 — 74 am Kgl. Operntheater zu 
Stockholm, 1874 — yy zu Oslo, sodann auf 
Gastspielreisen (Moskau, Neapel, Paris, Lon- 
don), seit 1884 Gesanglehrer in Kopenhagen, 
schrieb Eine natiirliche und verniinfiige Ton- 
bildungslehre (deutsch von Axel Sandberg 
1896), iibersetzte Operntexte ins Schwedische 
und trat als Liederkomponist mit Erfolg 
hervor. Sein Sohn Hjalmar, * 30. Okt. 
1869 zu Stockholm, lebte langere Jahre als 
Konzertsanger und Gesanglehrer (Bariton) 
in Berlin, seit 1914 am Konservatorium zu 
Leipzig. 

Arlom, Wilfred, austral. Pianist, Or- 
ganist und Komponist, * 1. Mai 1887 in 
Newcastle-on-Tyne ; Schiiler von Frederick 
Dawson (Kl.), C. Hylton Stewart (Org.) und 
der Universitat Adelaide; ging 1914 hach 
Sydney und ist seit 1924 Lehrer fur Org. 
an N. S. W. State Cons.; seit 1921 auch 
Mitglied der austral. Prufungskommission 
fur Musik. Schrieb: Lieder; Anthems; 
Klavierstucke. 

Armbrust, Carl F., vortrefflicher Orgel- 
virtuos, * 30. Marz 1849 zu Hamburg, | 12. 
Juli 1896 zu Hannover auf der Ferienreise; 



Schiiler des Stuttgarter Konservatoriums, 
spez. FaiBts, dessen Schwiegersohn er 1874 
wurde, folgte bereits 1869 seinem Vater r 
dem Organisten der Petrikirche (und Diri- 
genten des Bachvereins) zu Hamburg, Ge- 
org A. (* 17. Marz 1818 zu Harburg, j 3. 
Mai 1869 zu Hamburg) im Amt und war 
daneben als Lehrer fur Orgel- und Klavier- 
spiel am Hamburger Konservatorium sowie 
als Musikreferent tatig. Georg A. (Vater) 
schrieb: Verteidigung der Hamburger Bach- 
gesellschaft gegen die Angriffe des Herm 
Karl P. Grddener (Hamburg 1856). 

Armbrust, Walter, Organist und Diri- 
gent, * 17. Okt. 1882 zu Hamburg, Sohn von 
Carl F. A. ; dessen Schiiler er war; danach 
noch von W. Bohmer und Paul Homeyer 
(Leipzig); Kapellmeisterschuler von Carl 
Schroeder in Sondershausen, seit 1903 Or- 
ganist und Kantor der Heiligengeistkirche 
zu Hamburg; 1905 — 08 konzertierender 
Orchesterleiter ; i9o8Begrunder des,,Brahms- 
Konservatoriums Hamburg"; 1920 zweiter 
Kapellmeister des Dresdener Philharm. Or- 
chesters. Seit 1922 ist er erster Kapell- 
meister des Stadt. Orchesters, seit 1924 
Stadt. Musikdirektor in Eisenach. A. ist 
einer der friihesten Interpreten der Werke 
Regers gewesen, auch der von Carl Hoyer 
und S. Karg-Elert. 

Armbruster, Carl, Dirigent und Pianist, 
* 13. Juli 1846 zu Andernach am Rhein, 
Schiiler von Hompesch in Koln, trat friih 
als Klavierlehrer auf und lieB sich 1863 in 
London nieder. Als begeisterter Verehrer 
R. Wagners verschaffte er sich bald eine 
angesehene Stellung unter den Londoner 
Vertretern des musikalischen Fortschritts, 
wirkte 1882 und 1884 als zweiter Dirigent 
mit bei den von Hans Richter geleiteten 
Wagner- Auffuhrungen in London, war zu- 
erst (1881) Kapellmeister am Hof theater, 
dann am Haymarket-Theater, leitete 1892 
die Tristan- Auffuhrungen im Coventgar- 
den-Theater, war sodann Kapellmeister am 
Drury Lane-Theater und veranstaltete Vor- 
trags-Zyklen uber moderne Komponisten in 
englischen und amerikanischen Stadten. 
A. war 1884 — 94 bei den Bayreuther Fest- 
spielen als Buhnendirigent tatig, war auch 
1901 — 13 musikalischer Beirat des London 
County Council. Er gab Lieder von Liszt, 
Balladen von Loewe und kleine Sachen von 
Wagner {Wagner-Lyrics, 4 Hefte) heraus. 

Armee- und Prasentiermarsche, alt- 
preuBische, aus dem Musikarchiv der Kgl. 
Hausbibliothek in Berlin, erschienen seit 
1893, neu instrumentiert von C. Frese 
(Musikdirigent im einstigen Garde-Fusilier- 
Regiment). Vgl. Th. A. Kalkbrenner, 
Die Kgl. preuji. Armeemdrsche (1896) und 
G. RoBberg, Verzeichnis samtl. Kgl. preiiB. 
Armeemarsche (1898), sowie die beziigl. 
Schriften von Georg Thouret (s. d.). 

Armenische Kirchenmusik. Armenien 
ist bereits im 3. Jahrhundert von Syrien 
aus christianisiert worden. Doch erfolgte 
unter dem Katholikat Sahak des GroBen 
eine Loslosung vom syrischen EinfluB und 



Armer la clef — Armstrong. 



61 



eine Verbindung mit Byzanz. Bei einer 
faistorischen Erforschung der A. K. (z. Z. 
noch. unmoglich, da die armen. Neumen, die 
stark mit den byzantinischen verwandt 
sind, sich der Entzifferung entziehen) wird 
diese Doppelbeziehung zu beriicksichtigen 
sein. Den Hauptbestandteil der A. K. ma- 
then die Hymnen aus; das kanonisierte 
Hymnar enthalt 1166 Hymnen. Die erste 
Bliitezeit der Hymnendichtung fallt ins 7. 
Jahrhundert, die Hauptbliite, entsprechend 
der byzant. Kanondichtung ins 12., und zwar 
nicht im eigentlichen Armenien, sondern im 
neuarmenischen Reich unter den Rubeniden 
in Kilikien; diese Blute reicht bis ins letzte 
Viertel des 14. Jahrhunderts. Wie in Byzanz 
erfolgt unter der Tiirkenherrschaft ein Nie- 
dergang der A. K. ; die komplizierte Neu- 
menschrift wird unverstandlich, so dafl auch 
hier zu Beginn des 19. Jahrhunderts Re- 
formbestrebungen einsetzen, und Baba Ham- 
partsum (f 1839) eine neue Notenschrift 
einfuhrt, die aus den Neumenzeichen ge- 
bildet wurde. Zwischen den Hymnen der 
einzelnen armenischen Kirchen bestehen 
groBe Unterschiede ; so differieren die Aus- 
gaben der MeBgesange von Etschmiadzin, 
San Lazzaro, Wien, Konstantinopel und 
Kalkutta vollig. Die hauptsachlichsten 
Ausgaben der MeBgesange und Lehrbiicher 
sind: M. Ekmalean, Gesange der h. Messe 
der a. Kirche in Etschmiadzin (arm., Leipzig 
1896); Emi Abgar, Melodies of theHoly 
Apostolic Church of Armenia; arm. und engl. 
(Kalkutta 1897); Aidinean, Gesange der 
h. Messe, arm. (Wien 1877); Pietro Bian- 
chini Les chants liturgiques de I'eglise arm., 
arm., ital., franz. (Venedig 1877); Aristakes 
Hissarlean, Geschichte der arm. Notation 
und Biographien der arm. Sanger 1768 — J909, 
arm. (Konst. 1914); Nicolas Taschdjan 
Lehrbuch der Kirchennotation, Wagharscha- 
pat 1874; Arschak Brdiantz, Lehrbuch der 
arm. Kirchennotation (Wagharschapat 1890, 
arm.); P. Aubry, Artikelserie in d. Tri- 
bune de St. Gervais uber seine arm. Reise 
1901 — 03. Vgl. auch F. Macler, La Musique 
en Armenie (1917), und E. Wellesz, Die 
armenische Messe und ihre Musik (Peters- 
Jahrbuch 1920). 

Armer la clef (franz., spr. arme la kle), 
die Vorzeichen zum Schhissel setzen; ar- 
mure (spr. -iir) ; s. v. w. Vorzeichnung. 

Armes (spr. arms), Philip, * 29. Marz 
(15. Aug. ?) 1836 zu Norwich, f 10. Febr. 
1908 zu Durham, war nacheinander Orga- 
nist zu Milton (1855), London, Chichester, 
Durham; Oxforder und Durhamer Mus. 
Dr., Professor der Musik zu Durham 1890, 
Mitglied der Oxforder Musikprufungskom- 
mission 1894. Schrieb die Oratorien Heze- 
kiah i%77, Johannes der Evangelist 1881, 
St. Barnabas 1891 und viele kleinere Kir- 
chenkompositionen. 

Armin, George (eigentlich Georg Herr- 
mann), Gesangspadagoge, * 10. Nov. 1871 
zu Braunschweig als Sohn des Kgl. Musik- 
dirigenten Otto H., stud. Hochbau am Poly- 
technikum zu Braunschweig, ging aber 1892 



zur Musik uber und war Gesangsschiiler von 
A. Iffert in Koln und Frl. Mary David und 
L. C. Torsleff in Leipzig. Nach kurzerTatig- 
keit als Konzertsanger widmete er sich dem 
Gesanglehrfach, seit 1904 in Berlin, seit 1925 
Herausgeber der monatlichen Fachzeitschrift 
DerStimmwart. SeineMethodebasiert auf dem 
sogen. Stauprinzip. Schrif ten rDjeZ-sArsafegrfer 
automatischen Stimmbildung (1900); Stimm- 
krise und Stimmheilung (1901); Gesammelte 
Aufsdtze uber Stimmbildung (1903); Das 
Stauprinzip (1905); Konservatorium und 
Gesangsunterricht (1907); Miiller-Brunow, 
eine Kritik der Stimmbildung (1907); Das 
Stauprinzip (1908); Die Stimmkrise (1912); 
Von der Urkraft der Stimme (1921); Die 
Lieder von Richard Wetz (191 1); Der Mode- 
gesangslehrer (1925). 

Armingaud (spr. armanggo), Jules, 
vorzuglicher Violinist, * 3. Mai 1820 zu Ba- 
yonne, f 27. Febr. 1900 zu Paris, ausgebildet 
in seiner Vaterstadt, wollte 1839 sich auf 
dem Pariser Konservatorium vervollkomm- 
nen, wurde aber als bereits zu weit entwickelt 
nicht mehr aufgenommen. Seit dieser Zeit 
war er im Orchester der GroBen Oper tatig 
und bildete mit Leon Jacquard, E. Lalo 
und Mas ein Streichquartett, das sich vor- 
zuglichen Ruf erwarb und spater, durch 
einige Blaser verstarkt, den Namen Society 
classique annahm. A. hat auch Violinkom- 
positionen veroffentlicht. 

Armitt (spr. armit), Mary Louisa, 
* 24. Sept. 185 1 zu Salford, veroffentlichte 
musikhistorische Studien in Quarterly Maga- 
zine, Musical Times, Musical Standard 
u. a. Zeitschriften. 

Armonipiano, ein von W. Hlawatsch 
(s. d.) verbesserter Mechanismus der ita- 
lienischen Fabrikanten Ricordi und Finzi, 
welcher ermoglicht, den Klavierton nach 
Belieben zu verlangern vermittels die 
Saiten in standiger Vibration erhaltender 
besonderer Hammerchen neben den den 
eigentlichen Anschlag bewirkenden. Das 
A. wird durch drei Pedale (auBer den zwei 
gewohnlichen), ein FuB- und zwei Knie- 
pedale regiert. 

Armsheimer, I wan Iwanowitsch, Kom- 
ponist, * 19. Marz i860 in Petersburg, am 
Petersburger Konservatorium Schuler von 
Czerny, Johannsen und Rimsky-Korssakow, 
veroffentlichte zwei Kantaten, eine Reihe 
von Chor- und Orchesterwerken, eine Suite 
fur Flote und Klavier, gegen 150 Lieder, 
Stucke fur Violine und Cello, ferner die 
Opern Sous la feuillee (franzosischer Text, 
einaktig), Jaegerliv (danischer Text, drei- 
aktig), Der Oberforster (deutscher Text, 
zweiaktig), die Ballette Die arme Braut, 
In der neuen Welt und Rast der Kavallerie. 
Auch verfaBte er eine Instrumentations- 
. lehre in 10 Teilen. 
" f ..^Armstrong, William Dawson, * 11. 
Febr. 1868 zu Alton (111.), Schuler von CI. 
Eddy u. a., Organist und Musiklehrer in 
St. Louis und Alton, seit 1908 Direktor einer 
eigenen Musikschule in Alton, Komponist 
von Operetten und 2 Opern {The Spectre 



62 



Arnaud 



Arnold. 



Bridegroom [St. Louis 1899], Claudia), audi 
einer Balettsuite fur Orchester, einer Ouver- 
tiire, von Liedern und kleinerer Werke fur 
Orgel und Violine. Schrieb: The Romantic 
World of Music (New York 1922). Vgl.W. F. 
Norton, W.D.A. (New York 1916). 
XArnaud (spr. arno), Abbe Francois, *2/. 
juli 1721 zu Aubignan bei Carpentras, 
j 2. Dez. 17S4 zu Paris; kam 1752 nach 
Paris, wurde 1765 Abt von Grandchamps, 
spater Vorleser und Bibliothekar des Grafen 
von Provence und Mitglied der Akademie. 
A. war ein eifriger Partei ganger Glucks; 
seine beziiglichen Essays sind zu finden in 
Leblonds Memoires pour servir a f'histoire 
de la revolution operee dans la musique parM. 
le chevalier Gluck (1781); vgl. auch seine Va- 
rietes litter aires (1768 — 69, mit Abbe Suard, 
2. Aufl. 1804). Seine CEuvres completes er- 
schienen in 3 Banden 1808 zu Paris. Vgl. 
E. de Bricqueville, F.A. (1883). 

Arndt von Aich, s. Aich. 

Arne (spr. am). Michael, Sohn von 
Thomas A. A., * 1741 und j 14. Jan. 1786 
zu London, brachte mehrere Opern mit Er- 
folg zur Auffuhrung, verfiel aber ca. 1770 
auf die Idee, den Stein der Weisen finden 
zu wollen, und erbaute sich in Chelsea ein 
Laboratorium. Nachdem er dadurch seine 
Finanzen ruiniert, kehrte er zur Musik zu- 
riick und schrieb 1778 — 83 noch eine An- 
zahl kleinerer Stiicke fiir die Londoner 
Theater. 

Arne (sp. arn), Thomas Augustine, 
* 12. Marz 1710 und j 5. Marz 1778 zu 
London; Komponist der Melodie des Rule 
Britannia (vgl. Volkshymnen). Seine Gattin 
Cecilia A., Tochter des Organisten Young, 
war eine beriihmte Opernsangerin, Schiile- 
rin von Geminiani. A. hat ca. 30 Opern und 
Musiken zu Shakespeareschen und anderen 
Dramen, zwei Oratorien (Abel, Judith), Kan- 
taten, Lieder (auch viele in Sammlungen), 
Glees, Catches, Klaviersonaten, 8 Sinfonien 
a 8 (1740), 7 Triosonaten (1750), Orgelkon- 
zerte usw. geschrieben. Die Universitat Ox- 
ford graduierte ihn zum Mils. Dr. Vgl. W. 
H. Cummings, Dr. A . and Rule Britannia 
(1912) und Grattan Flood , Dr. Aniens Visits 
to Dublin (Mus. Antiquary Juli 1910). 

[d'JArneiro (spr. nei-), Jose Augusto Fer- 
reira Veiga, Yicomte, * 22. Nov. 1838 zu 
Macao in China, j im Juli 1903 in San Remo, 
einer edlen portugiesischen Familie entstam- 
mend (dieMutter war schwedischer Abkunft), 
studierte Jura zu Coimbra, sodann seit 1859 
Harmonie unter Manoel Joaquim Botelho, 
Kontrapunkt und Fuge unter Vicente Schira 
und Klavier unter Antonio Jose Soares. 
1886 wurde am Theater San Carlos in Lissa- 
bon von ihm ein Ballett Gina aufgefiihrt. 
Sein Hauptwerk ist ein Tedeum, das 1871 
zuerst in der Paulskirche zu Lissabon und 
spater in Paris zur Auffuhrung kam. 1876 
brachte das Carlos-Theater zu Lissabon von 
ihm eine Oper Elisir diGiovinezza, die 1885 
als La derelitta in neuer Fassung zur Auf- 
fuhrung gelangte; seine letztc Oper ist: Don 
Bibas. 



Arnheim, Amalie, * 29. Dez. 1863 und 
j 26. Mai 1917 zu Berlin, Gesangschiilerin 
von Professor Anna Schultzen v. Asten und 
Madame Viardot-Garcia, studierte Musik- 
wissenschaft in Berlin (Kretzschmar, Fried- 
laender, Fleischer, Wolf), schrieb groBere 
musikwissenschaftlicheAufsatze in den Sarn- 
melbanden der IMG. Zur Geschichte des 
einstimmigen weltlichen Kunstliedes in Frank- 
reich im 17 . J 'ahrhundert ; Aus clem Bremer 
Musikleben im 17 . J ahrhundert usw., in der 
Liliencron-Festschrift Thomas Selle als 
Schulkantor, Die .Musicomastix' des Elias 
Herlicius (Ztsch. f. Gesch. d. Erziehungu. d. 
Unt. VI, 2, 1916) und eine Anzahl von klei- 
neren Aufsatzen und Besprechungen in ver- 
schiedenen Musikzeitschriften. 

Arnold, Frank Thomas, engl. Musik- 
forscher, * 6. Sept. 1861 zu Rugby, Zogling 
des Trinity College zu Cambridge, hat einige 
wertvolle Beitrage in den Musical Times 
(Mixed rhythms in Bach, 1920; Viadana's 
use of the figure 6, 1922); in den Proceedings 
of the Mus. A ssoc. (A Corelli forgery, 192 1) ; und 
in der 4. Aufl. von Grove's M.-L. (Artikel 
Thorough-Bass) veroffentlicht. Ein umfang- 
reiches Buch The Art of Accompaniment 
from a Thorough-Bass, as practised in the 
17 th. and 18 th. centuries ist noch Ms. 

Arnold, Friedrich Wilhelm, * 10. 
Marz 1810 zu Sontheim bei Heilbronn, j 13. 
Febr. 1864 als Musikalienhandler in Elber- 
feld; gab 10 Hefte Volkslieder heraus, ferner 
das Lochheimer (Lochamer) Liederbuch und 
Konrad Paumanns Ars organisandi (beide 
inChrysandersJa/zr&wc/zej'ra, auch als Sonder- 
Neudruck 1926), Klavierstiicke, Arrange- 
ments der Sinfonien Beethovens fiir Klavier 
und Violine usw. 

Arnold, Georg, geb. zu Feldsberg (Nie- 
derosterr.), zuerst Organist zu Innsbruck, 
spater in Bamberg bischoflicher Hoforganist, 
gab 165 1 — 72 mehrere Bucher Messen, Psal- 
men, Motetten, Marienlieder usw. fiir Sing- 
stimmen mit Instrumenten heraus, auch 
1 Buch Canzoni, Arias el Sonata e I — 4 Violis 
cum B . g. op. 3 (1659). 

Arnold, George Benjamin, Kompo- 
nist und Organist, * 22. Dez. 1832 zu Pet- 
worth (Sussex), t 31. Jan. 1902 zu Win- 
chester, bildete sich durch Privatunterricht 
(Seb. Wesley), wurde 1855 Bakkalaureus, 
1861 Mus. Dr. (Oxford), bekleidete zuerst 
Organistenposten am St. Columban College 
(1852), St. Mary's zu Torquay (1856) und 
am New College zu Oxford (i860) und war 
von 1865 bis zu seinem Tode Organist der 
Kathedrale zu Winchester. Von seinen 
Kompositionen wurden bekannt 2 Oratorien 
(A hub 1864), mehrere Kantaten (Senacherib), 
Motetten, Anthems, Services und 2 Klavier- 
sonaten. 

Arnold, Ignaz Ernst Ferdinand, 
* 4. April 1774 zu Erfurt, Advokat daselbst, 
I 13. Okt. 1812; veroffentlichte (1803 ff.) 
kurze Biographien von Mozart, Haydn, 
Cherubini, Cimarosa, Paesiello, Dittersdorf, 
Zumsteeg, Winter und Himmel, die 18 16 
sesammelt in 2 Banden neu erschienen als 



Arnold — Arnoldson. 



63 



Gaierie der beruhmtesten Tonkilnsller des iS. 
und ig. J ahrhunderts , AuBerdem schrieb er: 
Der angehende Musikdirektor, oder die Kunst, 
ein Orchester zu bilden usw. (1806). 

Arnold., Johann Gottfried, Cellist, 
* 15. Febr. 1773 zu Niedernhall beiOhringen, 
t 26. Juli 1806 zu Frankfurt a. M., Schiiler 
Max Willmanns und B. Rombergs, machte 
Konzertreisen in der Schweiz und Deutsch- 
land und wurde 1797 als erster Cellist am 
Theater zu Frankfurt a. M. angestellt. Seine 
Cellokonzerte (auch f iir Bratsche eingerichtet) 
erschienen bei Andre in Offenbach, eins in 
F-dur in Neuausgabe von Karl Schroder 
bei Forberg. 

Arnold, Karl, * 6. Marz 1794 zu Neu- 
kirchen bei Mergentheim, f 11. Nov. 1873 zu 
Oslo, Sohn von Johann Gottfried A., wurde 
nach dessen Tode in Offenbach erzogen, wo 
Alois Schmitt, Vollweiler und Joh. Ant. 
Andre seine Lehrer in der Musik wurden. 
Nach einem bewegten Leben als Pianist 
liefi er sich 181S zuerst in Petersburg nieder, 
wo er die Sangerin Henriette Kisting 
heiratete, ging 1824 nach Berlin, 1835 nach 
Miinster und 1847 nach Oslo als Dirigent 
der Philh. Gesellschaft und seit 1857 Orga- 
nist der Dreifaltigkeitskirche. Seine Kom- 
positionen sind Kammermusikwerke, Kla- 
viersachen (Sextett, Sonaten, Phantasien, 
Variationen), eine Oper: Irene [Berlin 1832] 
usw. — Sein Sohn Karl, * 1824 zu Peters- 
burg, I 1867, Schiiler von Max Bohrer, war 
Cellist der koniglichen Kapelle in Stock- 
holm. 

Arnold, Samuel, * 10. Aug. 1740 zu 
London, j 22. Okt. 1802; ward in der konig- 
lichen Vokalkapelle unter Gates und Nares 
erzogen und brachte bereits 1765 im Co- 
ventgarden-Theater eine Oper The Maid of 
the Mill mit Erfolg zur Aufffihrung. Jn der 
Folge bis 1802 schrieb er noch 61 Biihnen- 
werke und 5 Oratorien. 1783 wurde er Orga- 
nist und Komponist der koniglichen Kapelle, 
1789 Direktor der Academy of Ancient Music, 
1793 Organist der Westminsterabtei; 1773 
erwarb er sich den Doktorgrad zu Oxford. 
Vielleicht das verdienstlichste seiner Werke 
ist die Herausgabe der Cathedral Music 
(s. d.). Seine Ausgabe von Handels Werken 
(1786 fl, 36 Bde.) ist leider nicht frei von 
Fehlern. Er schrieb auch eine Flotenschule 
(N ew Instructions for the German Flute [1787]). 

Arnold, Yourij von, * 13. Nov. 1811 
zu Petersburg, wo sein Vater Staatsrat war, 
f 20. Juli 1898 zu Karakasch bei Simfero- 
pol (Krim), studierte in Dorpat Staats- 
wissenschaften, trat 1831 in die russische 
Armee und machte den polnischen Feldzug 
mit, quittierte indes 1838 den Militardienst 
und widmete sich ganz der Musik (Schiiler 
von Fuchs [Harmonie] und J. Gunke [Kon- 
trapunkt]). 1839 wurde seine Kantate Swdt- 
lana von der Philharmonischen Gesellschaft 
preisgekront. A. schrieb eine Operette, eine 
grofie Oper Die letzten Tage von Pompeji 
und die Ouvertiiren Boris Godunow und 
Die Nacht vor dem Iwan Kupala (Johannis- 
nachtj. Seit 1840 war A. auch als Kritiker 



tatig. 1863 — 70 lebte er in Leipzig, war Mit- 
arbeiter der Neuen Zeitschrift filr Musik, 
auch gab er 1867 — 68 eine Neue allgemeine 
Zeitschrift filr Theater und Musik heraus. 
1 870 wurde er als Professor desKontrapunkts 
ans Moskauer Konservatorium berufen, hat 
die Stelle jedoch nie angetreten, lebte aber 
1870 — 94 in Moskau als Leiter einer eigenen 
Musikschule. A. reiste viel, ran Material 
fur seine Forschungen fiber den russischen 
Kirchengesang zu sammeln. 1888 dozierte 
A. an der Moskauer Universitat Musik- 
geschichte, 1889 hielt er in Leipzig Vortrage 
fiber russische Musik. Von 1894 bis zu sei- 
nem Tode wirkte er in Petersburg als Ge- 
sanglehrer. Er schrieb noch: Betrach- 
tungen uber die Kunst der Darsiellung im 
Musikdrama (Leipz. 1867); Fr. Liszts Ora- 
torium Die Legende von der Heil. Elisabeth 
(1868) und 24 auserlesene Operncharaktere 
(1867, nur2Lieferungen erschienen) : Die alten 
Kirchenmodi, historisch und akustisch e.nt- 
wickelt (Leipzig 1878), Musikwissenschaft, 
1. Teil, Harmonielehre (russisch, Moskau 
1875), Theorie des altrussischen Kirchen- und 
Volksgesanges (russisch, Moskau), Die Har- 
monisierung altrussischer Kirchengesdnge 
(russisch, Moskau 1886), Entwiirfe eiwer 
rationalen musikalischen Grarnmatik , Uber 
die Theorie der musikalischen Kldnge auf 
Grundlage akustischer Prinzipien und Theo- 
rie der Stimmbildung (2 Teile, Petersburg 
1898), alle drei russisch, Anwendung der alt- 
griechischen und byzantinischen Theorien auf 
den russischen Neumengesang, Zusammen- 
fassung der Grundregeln zur H armonisierung 
der Neumengesdnge, Die harmonischen Prin- 
zipien der Kirchengesdnge (russisch). 1892 
erschienen zu Moskau drei Bande Memoiren 
A.s. 

Arnold von B ruck (Brouck), nachalterer 
Vermutung ein Deutscher aus der Schweiz, 
wahrscheinlich aber aus Bruck an der Mur 
oder Leitha, bereits im Jahre 1534 oberster 
Kapellmeister Ferdinands I. in Wien, f 1554, 
einer der bedeutendsten Komponisten des 
16. Jahrh., von dem uns viele deutsche welt- 
liche und geistliche mehrstimmige Lieder, 
Motetten, Hymnen u. a. in Sammelwerken 
des 16. Jahrh. erhalten sind (s. Eitners 
Bibliographie). Sonderausgaben seiner Werke 
sind nicht nachweisbar. 1536 wurde eine 
Denkmunze auf ihn gepragt. In Neudruck 
einiges bei Ambros, MG. 5. Bd., Eitner, 
Publikationen Band2;Winterfeld,Evang. 
KG. usw. 

Arnoldson, Oskar, * 4. Juli 1839 in 
Stockholm, | 8. Juli r88i in Karlsbad, her- 
vorragender lyrischer Tenor (Ernani, Fra 
Diavolo, Lohengrin. Faust u. a.) der Kgl. 
Oper in Stockholm (1858—81). 
^Arnoldson, Sigrid, * 20. Marz 1861 in 
Stockholm, Opernsangerin (hoher Sopran), , 
Tochter von Osjtar A., Schulerin von L (J 
Strakosch und Desiree Artot, debutierte 
1886 zu Moskau und wurde schnell eine 
europaische Beriihmtheit durch erfolgreiche 
Gastrollen (Rosine, Dinorah, Sonnambula, 
Mignon, Traviata) an den bedeutendsten 



64 



Arnould — • Arras. 



Biihnen. Vermahlt mit Alfred Fischhof, 
ihrem Impresario, einem Neffen vonjosef 
und Bruder von Robert Fischhof. 1910 
wurde sie zum Mitglied der Stockholmer 
Akademie ernannt. Seit 1922 ist sie 
Gesangspadagogin in Wien. 
yi Arnould (spr. -uld), Madeleine Sophie, 
ausgezeichnete Sopranistin, die erste Iphi- 
genie Glucks (Paris 1774), * 14. Febr. 1744 
und f 18. Okt. 1802 in Paris, wurde mit 
Unterstutzung der Madame de Pompadour 
von Madame Fel ausgebildet, debiitierte 
bereits 1757 unter Gossec und sang bis 1778. 
Das Fiasko von Glucks Alceste (Paris 1776) 
soil sie verschuldet haben (vgl. Forkel, 
Bibl. II, 366). Sie war bekannt durch 
ihren Witz, der oft bis zu kaustischer 
Scharfe ging. Vgl. E. und J. de Goncourt, 
5.^.(1877) und R.Douglas: S.A. 

Arnulf von St. Gillen (15. Jahrhundert) 
ist der Verfasser eines bei Gerbert (Script. 
Ill) abgedruckten Traktats: De differentiis 
et generibus cantorum. 

Aroca y Ortega, Jesus, spanischer Kom- 
ponist und Musikforscher, * Okt. 1877 zu 
Algete (Madrid), Schuler des Madrider Kon- 
servatoriums in Klavierspiel und Kompo- 
sition, Vorsitzender der spanischen Asocia- 
cion de Directores de Orquesta, ebenso be- 
kannt als Komponist von kleinen popularen 
Stiicken und Singspielen wie verdient als 
Erforscher der spanischen Musikgeschichte. 
Biicher: Cancionero musical y poetico del 
siglo XVII (Ubertragung des Gesangbuches 
von Claudio de la Sablonara, enthaltend 
Musik und biographische Notizen iiber die 
spanischen Dichter des goldenen Zeitalters, 
wie Juan Bias de Castro, Mateo Romero, 
El Maestro Capitan und Machado eL Portu- 
pucs: veroffentlicht 191 8 im Boletin de la 
R. Acad. Esp.) ; Reseria historica de la 
Tonada, Neuausgabe von Werken des 16. 
bis 18. Jahrhunderts (R. Velasco, Madrid). 
Biirmenmusik zu dem Drama des Antonio 
J. de Linares Alma Remota (Madrid, Teatro 
Esp.); Arrabales Castellanos, Orchester- 
Suite. 

Aron (Aaron), Pietro, bedeu tender Mu- 
siktheoretiker, * um 1490 zu Florenz, | 1545 
in Venedig; Kanonikus in Rimini, spiiter 
(1536) Monch vom Orden der Kreuztriiger, 
erst in Bergamo, dann in Padua, zuletzt 
in Venedig, gab heraus: Libri III de insti- 
tutione harmonica (15 16, interprele Jo. Ant. 
Flaminio); II Toscanello in musica (1523, 
1525, 1529, 1539 und 1562), Trattato delta 
natura et cognitione di tutti gli tuoni di canto 
figurato (1525); Lucidario in mwica di 
.alcune opinioni antiche e modeme (1545) 
und Compendiolo di molti dubbi segreti et 
sentenze intorno al canto fermo et figurato 
(ohne Jahr). A. ist der erste Theoretiker, 
welcher die sukzessive Stimmenkomposition 
(vgl. Kontrapunkt) fur veraltet erklarte. 
Vgl. A. Catelani, P. A. (1851). 

Arpa(italienisch),Harfe; Arpanetta, Spitz- 
harfe. 

Arpeggio (italienisch, spr. -eddseho) oder 
.arpeggiato, eigentlich ,,nach Harfenart", 



eine Bezeichnung, die andeutet, daB die Tone 
eines Akkords nicht gleichzeitig, sondern, 
wie auf der Harfe, nacheinander gebracht 
werden sollen (harpeggiert, gebrochen). 
Das A. wird entweder durch Wortvorschrift 
(abgekiirzt arp.) oder durch eine geschlan- 
gelte Linie oder einen Bogen vorm Akkord, 
auch wohl mit einem schragen Strich durch 
den Akkord oder den Notenhals, haufig 
auch durch Andeutung der Brechungsform 
mit kleinen (Vorschlags-) Noten verlangt. 
Beim Durchstreichen des Akkordes deutet 
die Richtung des Strichs die Richtung der 
Brechung an. Akkorde in halben oder 
ganzen Noten in alterer Musik (sowohl fur 
Klavier als auch fur Streichinstrumente 
[iiber drei oder vier Saiten hinundher- 
gehend] werden gewohnlich zweimal (ein- 
mal hinauf und einmal herunter) oder auch 
noch ofter gebrochen (vgl. Abbreviaturen 8); 
Vorschlage innerhalb zu arpeggierender 
Akkorde treten in das Arpeggio ein. Eine 
besondere Art der Ausfiihrung erfordern die 
gegeneinander gerichteten Brechungen von 
Akkorden beider Hande bei Schlussen in 
alterer Klaviermusik, z. B. bei Rameau 
(zuerst rechte Hand abwarts, dann linke 
Hand aufwarts in maBiger Bewegung). 

Arpeggione (spr. arpedsehone), Gitarre 
d'amour, ein 1823 von G. Staufer in 
Wien erbautes, der Gitarre ahnliches Streich- 
instrument, fur das Franz Schubert eine 
Sonate geschrieben und Vine. Schuster 
eine Schule herausgegeben hat. Die sechs 
Saiten waren nach Art der Gitarre gestimmt 
in EA dghe'. 

AArpi, Oskar, * 8. Febr. 1824 zu Borstil 
(Roslagen), j 25. Sept. 1890 zu Upsala, Ge- 
sanglehrer und 1852 — 71 Dirigent des Allg. 
schwedischen Studentengesangvereins, mit 
welchem er sensationelleErfolge auf Konzert- 
reisen erzielte (1867 auf der Pariser Welt- 
ausstellung). Vgl. Edquist, Uppsala-Stu- 
denternes Sanger (1874). 

Arpicordo, eine Abart des Clavicembalo, 
s. Klavier. 

Arrangement (f ranzosisch, spr. arangseh'- 
mang), s. v. w. Bearbeitung eines Tonstiicks 
fvir andere Instrumente, als der Komponist 
es geschrieben; z. B. ist der Klavierauszug 
eines Orchesterwerks ein A. ; desgleichen 
werden vierhandige Klavierwerke zweihan- 
dig ,,arrangiert" oder umgekehrt; auch 
Klavierwerke, die fur Orchester umgesetzt 
(instrumentiert) werden, hciBcn Arrange- 
ments. Das Gegenteil von A. ist ,,Original- 
komposition". Klavierarrangements von 
Orchester- oder Orgelwerken erfordern, wenn 
sie der Wirkung des Originals nahe kommen 
sollen (was wenigstens die neuere Zeit gern 
anstrebt), sehr erhebliche Komplikationen 
der Technik. Vgl. die vortrefflichen Be- 
merkungen dariiber in Busonis Ausgabe 
des Wohltemperierten Klaviers; s. auch die 
Bearbeitungen Bachscher Orgelwerke von 
Liszt, Tausig, d' Albert, Reger. Vgl. Grunsky. 

Arras. Vgl. A. de Cardevacque, La 
musique a A. 1885 (Extrait des Mem. de 



Arrau — Ars antiqua. 



65 



?-Ag.. d'A.vol. XVI). Vgl. auch Adam de la 
Halle. 

Arrau (spr.a-u), Claudio, * 6. Febr. 1904 
zu Chilian (Chile), studierte nach dem ersten 
Unterricht durch Prof. Paoli daselbst bei 
Martin Krause in Berlin, gewann den Ibach- 
preis und erregte seit friihen Jahren als 
glanzender Pianist Aufsehen; 1927 gewann 
er in Genf den Grand Prix International 
des Pianistes. 

Arregui Garay, Vicente, spanischer 
Komponist, * 3. Juli 1871 und | 2. Dez. 1925 
zu|Madrid, Schiiler des dortigen Konser- 
vatoriums, Preistrager fur Kl. und Kompos., 
1899 von der Acad, de Bellas Artes mit 
einem Stipendium begabt zur Erweiterung 
seiner Studien in Paris und Rom. In 
seinen letzten Jahren Musikkritiker der 
Zeitung El Debate in Madrid. Schrieb: 
Streichquartett; Klavier-Sonate (1916 z. e. 
M. in der Soc. Nac. de Musica gespielt); fur 
Orchester: Melodia religiosa (Febr. 1917); 
Oracidn y Escena de los Angeles aus d. 
Orat. San Francisco ; Historia de una Madre, 
sirif. Dicht. nach Andersens Marchen 1910, 
seitdem viel gespielt; Sinfonia vasca (1922); 
Kantate El Lobo Ciego (Opernhaus Madrid 
19 16); 4st. Motette, Messe fur 3 St. und 
Org.; drei Singspiele fiir Kinder, Chao, 
Tatin und La Sombra de Mariani. Opern: 
Yolanda, einaktig, nach Henry Hertz, 
191 1 pramiiert, 1923 in Madrid aufgefiihrt; 
La Maya, zweiaktig; La Madona, 2 akt. : 
El Cuento de Barba Azul (Blaubart), drei- 
aktig. 

Arresti, Giulio Cesare, * um 1630, 
f gegen 1695, Organist und 1685 Kapell- 
meister an S. Petronio zu Bologna, mehr- 
mals Vorsitzender der Accademia f Har- 
monica, geriet mit seinem Lehrer M. Cazzati 
in eine literarisch-theoretische Fehde (1659 
A. : Dialogo tra un maestro et un discepolo 
desideroso d' approfitare nel contrapunto, 1663 
Cazzati: Risposta alle oppositioni usw.. 
1664 A.: Gare musicali usw.). Werke: 
op. 1 — 2 Messen und Psalmen usw. zu 8 
und 3 St. (1663), op. 4 XII Triosonaten 
(2 V., Vc, Be. 1663), op. 7 Orgelsatze uber 
Hymnen (o. J.). A. ist auch Herausgeber 
des Sammelwerkes Sonate da Organo di 
varii autori. 

Arriaga y Balzola, Juan Crisostomo 
Jacobo Antonio de, spanischer Kom- 
ponist, * 27. Jan. 1806 zu Bilbao, f Anfang 
Februar 1826, fruh entwickelter, aber schon 
mit 20 Jahren gestorbener Geiger und Kom- 
ponist, Schiiler seines Vaters und des 
Pariser Konservatoriums (Guerin, Baillot 
und Fetis 1821 — 24). Von seinen Kompo- 
sitionen (u. a. eine Ouverture, eine Messe, 
ein Stabat Mater, Kantaten, Romanzen 
usw.) wurden nur 3 Streichquartette (1824) 
gedruckt; neuerdings auch das Finale seiner 
biblischen Szene Agar. Die Hauptstadt von 
Biscaya, Bilbao, benannte ihr grofites 
Theater nach ihm. 

Arrieta y Corera, Pascual Juan Emilio , 
spanischer Komponist; * 21. Okt. 1823 zu 

Eiemann. Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



Puente la Reina (Navarra), f n. Febr. 1894 
zu Madrid, 1839—46 Schiiler des Konser- 
vatoriums in Mailand, wo er sich als Juan 
Arrieta mit seiner Oper Ildegonda verab- 
schiedete, brachte nach seiner Ruckkehr in 
die Heimat in Madrid zunachst diese Oper 
und bald eine zweite, La Conquista de 
Granada, zur Auffiihrung, schrieb aber in 
der Folge nur noch (uber 50) Zarzuelas 
(darunter Marina, La guerra santa, El 
grumete, Llamada y tropa) und mehrere 
Kantaten. 1857 wurde er als Kompositions- 
lehrer am Madrider Konservatorium an- 
gestellt, 1868 Direktor der Anstalt, 1875 
als NachfoJger Eslavas Rat im Unterrichts- 
ministerium. 

Arrigoni, Carlo, * zu Florenz, f um 1743 
wohl daselbst (er war groBherzoglicher 
Kammerkomponist), gab 1732 in London 
10 Cantate da camera mit Be. heraus, auch 
o. J. 6 weitere Kantaten mit Instrumenten, 
und dirigierte mit Gius. Sammartini 
1732 — 33 die Londoner Donnerstagskonzerte 
in Heckfords Hall. Er schrieb zwei Opern: 
Fernando (London 1734), Sirbace (Florenz 
1739) und 3 Oratorien. 

Arrigoni, Giovanni Giacomo, 1637 
Organist der Wiener Hofkapelle, einer der 
ersten, wenn nicht der erste Komponist 
von vokalen Kammerkonzerten {Concerti 
di camera 2 — 9 v., Venedig 1635, darin auch 
vier 2- bis 9st. Sonaten); sein op. 9 sind 
3 st. Psalmen mit Instrumenten und ein 
5 st. Magnificat mit 2 Violinen und BaB. 
1657 schrieb er fiir Wien die dreiaktige 
Oper Git amori d'Alessandro Magno e di 
Rossane. 

Arroyo, Joao Marcellino, der bekannteste 
portugiesische Opernkomponist; * 1861 zu 
Oporto, 1885 Professor der Rechtswissen- 
schaft an der Universitat Coimbra, 1890 
Unterrichtsminister, spater Minister des 
Auswartigen Amtes, studierte Klavier und 
Komposition in Oporto, begriindete und 
dirigierte eine Chorgesellschaft zu Coimbra. 
1907 fand im San Carlos-Theater zu Lissabon 
die erste Auffiihrung seiner dreiaktigen Oper 
Amor de Perdipdo, unter Leitung von Luig 
Mancinelli, mit durchschlagendem Erfolg 
statt, 1909 erschien sie in Hamburg unter 
dem Titel Liebe und Verderben. Im Druck 
erschienen auBer Amor de Perdicao eine 
zweite Oper: Leonor Telles, 4 symphonische 
Suiten fur grofles Orchester, Klaviersachen 
und Lieder. A.s Opernwerk Amor de Per- 
dipdo gilt, dank seiner modernen Technik, 
welche Wagnersche Einfliisse (Tristan) in 
die portugiesische Oper einfuhrt, als ein 
Markstein in der Musikgeschichte Portugals. 

Ars antiqua (die ,,alte Kunst") nennt man 
den Pariser Organalstil (Konduktenstil, s. d.) 
des 12.-^13. Jahrhunderts im Gegensatz zu 
der neuen Kunst^4 rs nova) der franzosischen 
Komponisten des 14. Jahrhunderts (Machaut; 
de Vitry) und der Florentiner Madrigalisten 
derselben Zeit. Vgl. Florenz in der Musik-; 
geschichte. 

5 



66 



Ars nova — Arteaga. 



Ars nova s. Ats antiqua. 

Arsis (griechisch), s. v. w. Hebung, 
Gegensatz von Thesis (Senkung). Diese 
Ausdrucke unterscheiden bei den Griechen 
die schweren (akzentuierten) und leichten 
(akzentlosen) Taktteile derart, daB der 
schwere als Thesis bezeichnet wurde und 
der leichte als A. (Hebung und Senkung 
des FuBes beim Tanzen.) Die mittel- 
alterlichen lateinischen Grammatiker ver- 
tauschten die Bedeutung und faBten A. 
als Hebung der Stimme (betont), Thesis 
als Senkung (unbetont). In letzterem 
Sinne werden die Ausdrucke noch heute 
in der Metrik gebraucht, wahrend in der 
Musiklehre die alte Bedeutung wieder zur 
Geltung kommt als Niederschlag (Thesis) 
und Aufheben (A.) des Taktstockes oder 
der Hand. Also (' betont, schwer, • un- 
betont, leicht) : 



4| 



antike Metrik . 

mittelalterliche\ .. 

und heutige / L 

heutige Musik 



Metrik 



Th. 
A. 
Th. 



A. 
Th. 

A. 



Th. A. 
A. Th. 
Th. A. 



[L'JArt de se perfectionner dans le 
Violon, herausgegeben von Michel Corrette 
(s. d.), Fortsetzung von dessen Ecole d'Or- 
phee (1738), wertvolle Sammlung alterer 
Violinmusik mit Stucken von Abaco, Albi- 
noni, Bircken[stock], Castrucci, Chinzer, 
Conti, Corelli, Degiardino, Facco, Gemi- 
niani, Handel, Kennis, Laurenti, Locatelli, 
Maurini, Meek, Nozemann, Ottani, Rosetti, 
Saccia, Somis, Tartini, Tessarini, Tzarth^ 
Valentini, Veracini, Vivaldi, Zani, Zuccari. 
Vgl. Andr. Moser, Gesch. d. Violinspiels. 

[L'JArt du violon ou Collection choisie 
dans les Sonates des ecoles italienne, francoise 
et allemande, hochst wertvolle, von J. B. 
Cartier 1798 (1801) bei Decombe in Paris 
herausgegebene Sammlung klassischer Vio- 
linmusik (Sonaten von Aubert, J. S. Bach, 
Barbella, Blasius, Bonporti, Branche, Ca- 
pron, Cartier, Castrucci, Chabran, Corelli, 
W. Cramer, Cupis. Dauvergne, Degiardino, 
Demachi, Ferrari, Friz, Gavinies, Gemi- 
niani, Guerini, Guignon, Guillemain, Kennis, 
Leblanc, Leclair, Locatelli, Lolli, Manfredi, 
Mascitti, Miroglio, Mondonville, Nardini, 
Navoigille, Noferi, Fr. Pagin, des Planes, 
Pugnani, Robineau, Roxer, S. Raffaele, 
Senaille, Spadina, Stad, Joh. Stamitz, 
Tarade, Telemann, Travenol, Traversa, Tre- 
mais, Triemer, Tzarth, Vachon, Valentini, Vi- 
valdi, Zimmermann. DasTitelblattdesWerkes 
zeigt u. a. das einzige bis jetzt gefundene 
Bild von Johann Stamitz (Medallion). 

Artaria (spr. ia), Kunst- und Musikalien- 
handlung zu Wien. Um 1750 wanderten die 
dreiBriider Cesare, Domenico und GiovanniA. 
aus Blevio am Comersee aus und trieben 
den Kunsthandel als reisende Kaufleute. 
1765 grundete Giovanni A. mit seinen 
Neffen Carlo (Sohn desCesare) undFrancesco 
(Sohn des Domenico) die Firma Giov. Artaria 
et Comp. in Mainz. Die beiden Neffen 



traten 1766 aus und wandten sich als Cug- 
gini Artaria nach Wien, wo sie 1770 die 
Kunsthandlung Artaria & Comp., zum 
Konig v. Ddnemark unter den Tuchlauben 
in Wien mit k. k. Privileg eroffneten (seit 
1775 am Michaelerplatz). 1776 wird die 
Mainzer mit der Wiener Firma vereinigt 
als Artaria & Comp. Wien und Mains 
(seit 1789 am Kohlmarkt — jetzt Nr. 9 — 
zum englischen Grufi). 1793 ubernahm 
Dominik A. (Sohn des Giovanni) die Mainzer 
Handlung, verlegte sie nach Mannheim 
(1819 mit der Buchhandlung Math. Fon- 
taine als Artaria & Fontaine vereinigt, als 
Sortiment bis 1853, als Verlagsbuchhandlung 
bis 1867). 1793 traten in die Wiener 
Firma Tranquillo Mollo und Giovanni 
Cappi ein. Tranquillo Mollo trat 1796 
aus (1798 als Tranquillo Mollo & Comp. am 
Hof). 1 801 trennten sich die drei Kom- 
pagnons der Firma Artaria & Comp.; 
Carlo A. behielt die alte Firma am Kohl- 
markt, Domenico assoziierte sich mit Tranq. 
Mollo, Giovanni Cappi eroffnete 1802 eine 
Kunsthandlung am Michaelerplatz. 1802 
kaufen Domenico A. und Tranq. Mollo das 
Geschaft Artaria & Comp. 1804 tritt Tr. 
Mollo aus und Domenico A. fiihrt allein die 
Firma Artaria & Comp.: nimmt 1805 
Peter Cappi (Neffe d. Giov. Cappi) als 
Teilhaber auf und 1807 auch Carl Boldrini. 
18 16 tritt Peter Cappi aus (selbstandig als 
Peter Cappi). 1824 tritt auch Carl Boldrini 
aus. 1833 wird August A. (Sohn des 
Domenico) Teilhaber. 5. Juli 1842 stirbt 
Domenico A., und August A. wird Allein- 
besitzer. 1881 treten Carl August A. (Sohn 
des August A.), 1890 Dominik A. (Sohn 
des August A.) in die Firma ein. 14. Dez. 
1893 stirbt August A. ; seine Sohne C. August 
(f 1919) und Dominik A. werden Besitzer 
der Firma. — Mathias A. (Sohn des 
Dominik A. aus Mannheim) ubernimmt 1818 
die Daniel Sprengersche (friiher Mai- 
sche) Kunsthandlung als D. Sprenger, 
1822 als Mathias A rtaria. Nach seinem Tode 
1835 wird die Firma in M. Artarias seel. 
Wittwe, dannin M . Artarias Wittwe <& Comp., 
Math. Artarias Wittwe et Asperl, endlich 
1853 in Petev Asperl geandert, welche 
spater in der Firma Trenschensky auf- 
ging. Vgl. G. Adler, H. Botstiber, E. 
Prieger. 

[L'JArte musicale in Italia, eine im 
Verlage von Ricordi in Mailand erscheinende 
Ausgabe von Denkmalern alterer italie- 
nischerTonkunst, redigiert von LuigiTorchi 
(seit 1900). Von der auf 34 Bande ver- 
anschlagten Sammlung erschienen jedoch 
leider nur 7 Bande: I, II, IV und V Vokal- 
musik aus dem 14. — 17. Jahrhundert; 
Band III Kompositionen fur Orgel oder 
Cembalo aus dem 16. — 18. Jahrhundert; 
Band VI dramatische Musik (Peris Euridice. 
Monteverdis Tancredi e Clorinda und Ballo 
delle ingrate); Band VII Instrumental- En- 
semblemusik (B. Marini [8], Fontana, Falco- 
nieri[8], Uccellini [8], G. B. Vitali[i8]>usw.). 

Arteaga,Esteban(Stefano),span. Jesuit, 



Arthur — Artikulation. 



67 



* i747zuMadrid,ausArag6nstammend,'j"30. 
Okt. 1799m Paris; ging nach Unterdriickung 
des Ordens in Spanien nach Italien und lebte 
mehrere Jahre im Hause des Kardinals 
Albergati zu Bologna im engen Verkehr 
mit Padre Martini, der ihn zur Abfassung 
seiner beruhmten Gcschichte der Oper in 
Italien veranlaBte. A. begab sich spater 
nach Rom, wo er sich mit dem spanischen 
Gesandten Azara befreundete ; diesem f olgte 
er dann nach Paris. Sein bekanntes Haupt- 
werk fuhrt den Titel Le rivoluzioni del 
teatro musicale Italiano (1783, vollig um- 
gearbeitet 1785, 3 Bande, deutsch von 
Forkel 1789, 2 Bande, ein kurzer fran- 
zosischer Auszug von Rouvron, London 
1802), Sowohl in diesem Werke als in den 
Investigaciones filosoficas sobre la Belleza 
ideal considerada como objeto de todas las 
artes (Madrid 1789) tritt A. wie sein Ordens- 
bruder Andres (s. d.) mit Warme und 
gliinzender Dialektik fur die Vereinigung 
der energischen Kiinste im musikalischen 
Drama ein. Ein Werk fiber antike Rhyth- 
mik (Ms.) scheint verloren. Vgl. Jose M. 
Esperanza y Sola, Discurso de recepcidn 
en la.R. Ac.de Bellas Artes, Madrid 1891; 
auch Calzabigi. 

Arthur, Alfred, * 8. Okt. 1844 zu Pitts- 
burg (Pa.), Schiiler von Julius Eichberg 
in Boston, seit 1871 in Cleveland als Gesang- 
lehrer, Vereinsdirigent und Direktor einer 
Musikschule, brachte 1876 — 79 3 Opern zur 
Auffiihrung, schrieb auch Lieder und Kla- 
vierstiicke und verfaBte Gesangsunterrichts- 
werke (Progressive Voice Studies, yg Studies 
for Alto or Bass, joLessons in Voice Training, 
Studies in Articulation, Exercises in Vocal 
Technique). 

Artikulation, in der Sprache die Unter- 
scheidung der einzelnen Laute, in der Musik 
die innigere oder losere Aneinander- 
ftigung der Einzeltone, das Binden 
(Legato) oder StoBen (Staccato) und ihre 
Abarten, irrefuhrenderweise von manchen 
auch ,,Phrasierung" genannt. Denn eben- 
sowenig wie in der Sprache den Vokal 
scharf abgrenzende und eine Klangliicke 
verursachende Konsonantenfolgen Wort- 
grenzen bedingen, entscheidet im musika- 
lischen Vortrag das Binden und StoBen 
fiber die Zusammengehorigkeit von Tonen 
zur engeren Einheit von Motiven; sonst 
wiirde ja eine durchaus staccato durchge- 
fuhrte Melodie iiberhaupt nur aus Einzel- 
tonen bestehen und fur sie von Motiven, 
Phrasen .nicht gesprochen werden konnen. 
Jede Staccato- Variation eines Themas be- 
weist aber das Gegenteil. Fiir kleinste, nur 
aus zwei Tonen bestehende Motive ist aber 
sogar das kurze AbstoBen des ersten (Auf- 
takt-) Tones und das voile Aushalten der 
Schwerpunktsnote etwas ganz Gewohnliches, 
zum Beispiel: 

a) , , , , 



In solchen Fallen erweckt die nur die Arti- 
kulation anzeigende gewohnlkhe Bogen^ 
bezeichnung den Schein einer vollstancK-g 
gegenteihgen Motivbildung : .... 

b) 



^J \ \fU 



* 



m> 




Das Beispiel zeigt, wie notwendig eine strenge 
Scheidung der Begriffe Artikulation und 
Phrasjerung ist. Denn das Nichtverstehen 
der Motive zerstort nicht nur die Art des 
Aufbaues derMelodie, sondern bestimmt auch 
ganz andere Modalitaten der praktischen Aus- 
fuhrung; an die Stelle des Schwungs von 
der abgestoBenen Auftaktnote hiniiber in 
die ausgehaltene SchluBnote (a) tritt das 
scharf e Absinken von der langen Note in 
die kurze. Uber die Grundfrageu der A. 
vgl. Herm. Keller, Die musikal. A., ins- 
besondere bei J. S. Bach (Stuttgart 1926). 
Da die seit dem 17. Jahrhundert aufge- 
kommenen Bogen einseitig durch die .Tech- 
nik der Bogenfiihrung der Streichinstru- 
mente bestimmt sind, so lassen sie nur in 
wenigen Fallen die Sinngliederung (Phrasie- 
rung) erkennen. Das ist der Grund, wamm 
die Phrasierungsausgaben fiir Klavier zu 
starken Abanderungen der Bezeichnung 
greifen miissen, um falsche Auffassungen der 
Thematik zu verhuten. Die Streichinstru- 
mente artikulieren in erster Linie durch 
Wechsel des Bogenstrichs, beim Staccato 
durch Wechsel von Note zu Note, ohne dafl 
der Bogen die Saite verlafit; uber die 
schwierigeren Arten der Ausfiihrung des 
Staccato vgl. den Artikel Staccato. Die 
Blasinstrumente artikulieren durch Un- 
terbrechung des Atemstromes, bei schneller 
Tonfolge mit Zuhilf enahme : von Zungen- 
stoBen. Eine ausfiihrlichere Behandlung er- 
fordert die Artikulation des Klavierspiels 
durch sehr stark verschiedene Arten der 
Anschlagsbewegungen, welche sich keines- 
wegs auf die Finger beschranken, sondern die 
freie Beweglichkeit der Arme erfordern. Am 
beschranktesten sind die Bewegungen beim 
Legato, am ausgiebigsten beim Bravour- 
Staccato. Das Legato verbindet die Tone 
genau miteinander, so daB, wahrend die 
zweite Taste niedergedruckt wird, die erste 
sich hebt; das Staccato trennt sie scharf, 
d. h. die erste Taste wird losgelassen, eke 
die zweite beriihrt wird. Unterarten sind : 
das Legatissinio, bei welchem die Tone noch 
nach dem Anschlag folgender ausgehalten 
werden, sofern sie sich harmonisch mit die- 
sen vertragen ; das Non legato, fiir lang- 
same Tonfolgen als Portato, bei dem die 
Tone moglichst lange gehalten werden und 
doch gerade noch von den folgenden er- 
kennbar abgetrennt (Notierungsart ^77^, 
d. h. Verbindung der Staccatopunkte und 
des Legatobogens oder auch im, Verbin- 
dung von Tenutostrichen und Staccato- 
punkten), fiir schnelle Tonfolgen als Leg- 
giero (leichtperlend, mit elastisch zuriick- 



68 



Artot — Artsybuschew. 



springenden Fingern, besonders im piano) 
und Mezzolegato {mezzo staccato = mit 
energisch vorschnellenden, sozusagen jeden 
Einzelton neu artikulierenden Fingern [br.il- 
l ante, con bravura]). Das eigentliche Stac- 
cato im Klavierspiel erfordert durchaus die 
Bewegung des Oberarms und schnellt leicht 
die Hand bei vollig freiem Handgelenk; fur 
schnelle Griff-Folgen (Oktaven, Akkorde) 
kommt dazu noch die Ausnutzung des Riko- 
schettierens der Hand im Handgelenk. Eine 
besondere Anschlagsart erfordern die aus 
zwei und zwei mit Legatobogen versehenen 
Tonen bestehenden Gange: 




In solchen Fallen miissen bei jedem zweiten 
Tone Hand und Arm leicht angehoben wer- 
den, so daB der zweite (leichtere Ton) wall- 
rend der Aufwartsbewegung angeschlagen 
wird (Abzug). Vgl. auch Attacca-Ansatz, 
Anschlagende, d. h. einen Notenwert be- 
ginnende Verzierungen (Pralltriller, Mor- 
dent, Anschlag und anschlagender Doppel- 
schlag) werden viel leichter und runder her- 
ausgebracht, wenn ihnen ein leichtes An- 
heben des Arms vorausgeht. Vgl. die kla- 
vierpadagogischen Werke von H.Riemann, 
sowie ferner Franz Marschner, Entwurf 
einer Neugestaltung des Anschlags (1888), 
Marie Jaell, Le toucher (1899, deutsch als 
Der Anschlag 1901), Tob. Matthay , The 
Art of Touch (1903), Tony Bandmann, Die 
Gewichtstechnik des Klavier spiels (1907), El. 
Caland, Die Ausnutzung der Kraftquellen 
beim Klavierspiel (1905), R. M. Breithaupt, 
Die natilrliche Klaviertechnik (1905), F. A. 
Steinhausen, Vber die physiologischen 
Fehler und die Umgestaltung der Klavier- 
technik (1905), Martha Lamm-Natannsen, 
Die Entwicklung der pianistischen An- 
schlagskunst (Berlin 1916). Die physiolo- 
gischen Anschlagstheoretiker uberschatzen 
zweifellos die Bedeutung der physischen 
Kraftleistungen fur ein kunstlerisches Kla- 
vierspiel und lenken.iiber Gebuhr das Inter- 
esse vom Asthetischen auf das Mechanische. 

Artot (spr. arto), Alexandre Joseph 
Montagney A., Bruder von J. Desire M. A., 
* 25. Jan. 1815 zu Briissel, f 20. Juli 1845 i n 
Ville d'Avray beiParis; Schiiler seinesVaters, 
dann von Snel in Briissel und 1824 — 31 von 
Rudolf Kreutzer und August Kreutzer am 
Pariser Konservatorium, machte ausge- 
dehnte Konzertreisen als Violinvirtuose 
durch Europa und Amerika (1843). A. ver- 
offentlichte ein Konzert (A moll), Phanta- 
sien, Variationenwerke usw. fiir Violine; 
Streichquartette, ein Klavierquintett und 
anderes blieben Manuskript. 

Artot (spr. arto), Jean Desire Monta- 
gney, Sohn von Maurice M. A., * 23. Sept. 
1803 zu Paris, j 25. Marz 1887 zu St. Josse 
ten Noode, Schiiler seines Vaters und dessen 
Nachfolger am Theater zu Briissel, erster 
Hornist des Guidenregiments (Leibgarde), 
1843 Professor des Horns am Briisseler Kon- 



servatorium, 1849 erster Hornist der Privat- 
kapelle des Konigs von Belgien, 1873 pen- 
sioniert, hat eine Anzahl Kompositionen 
fiir Horn veroffentlicht (Phantasien, Etiiden. 
Quartette fiir 4 chromatische Horner oder 
Cornets a piston). 

Artot (spr. arto), Marguerite Josephine 
Desiree Montagney, Tochter von Desire 
A., * 21. Juli 1835 zu Paris auf einer Reise 
ihrer Eltern, f 3. April 1907 in Wien. 
Schiilerin der Viardot- Garcia 1855—57, trat 
zuerst 1857 in Konzerten zu Briissel auf und 
wurde auf Empfehlung Meyerbeers 1858 an 
der GroBen Oper zu Paris engagiert, gastierte 
an franzosischen, belgischen und hollan- 
dischen Biihnen und ging dann nach Ita- 
lien, um sich im italienischen Gesange zu 
vervollkommnen. Ihre Triumphe erreichten 
den Hohepunkt, als sie um 1859 mit der 
Lorinischen italienischen Operngesellschaft 
in Berlin auftauchte; sie sang 1866 in RuB- 
land, zwischendurch auch in London, Kopen- 
hagen usw. Ende 1868 war sie die Verlobte 
vonP.Tschaikowsky,verheiratetesichaber 
1 869 mit dem spanischenBaritonistenMariano 
de Pad ilia y Ramos (* 1842 zuMurcia, Schii- 
ler Mabellinis in Florenz, j - 21. Nov. 1906 
in der Heilanstalt zu Auteuil bei Paris), der 
fortan ihre Erfolge teilte. Die Stimme der 
A., ein voller Mezzosopran von leidenschaft- 
lichem Ausdruck, gewann durch konse- 
quentes Studium eine bedeutende Hohe, so 
daB sie fiir die groBten dramatischen So- 
pranpartien ausreichte. 1884 nahmen Frau 
A. und Padilla Wohnung in Berlin, siedelten 
aber 1889 nach Paris iiber. 

Artot (spr. artd), Maurice Montagney 
genannt A., * 3. Febr. 1772 zu Gray (Haute- 
Saone), f 8. Jan. 1829, Musikmeister eines 
franzosischen Regiments in der Revolu- 
tionszeit, kam spater als erster Hornist an 
das Monnaie-Theater zu Briissel, wo er auch 
Kapellmeister am Beguinenkloster wurde. 
A. war zugleich ein vortrefflicher Gitarre- 
und Violinspieler sowie Gesanglehrer. 

Artot de Padilla, Lola, * 5. Okt. 1886 
in Sevres bei Paris, Tochter des Rammer- 
sangers Mariano de Padilla und der 
Desiree Artot, deren Schiilerin sie aus- 
schlieBlich war; debiitierte im Mai 1904 
an der Opera Comique zu Paris, trat 
am 11. Febr. 1905 zum ersten Male in 
Deutschland am Berliner Opernhaus als 
Mignon auf; wurde, nach Gastspielreisen in 
Skandinavien und Polen, im Dez. 1905 Mit- 
glied der Berliner Komischen Oper, an der 
sie die Mimi in Leoncavallos Boheme kre- 
ierte (11. Dez.), und bis 1908 blieb. Nac'u 
weiteren einjahrigen Gastspielreisen wurde 
sie (29. Aug. 1909) Mitglied der Berliner Oper, 
der sie bis 1927 angehorte, als Sangerin 
von feinstem Kunstgeschmack und eindrin- 
gender Darstellungsgabe. 191 3 Kgl. PreuB. 
Kammersangerin. Hauptrollen: Zerline,. 
Cherubino, Graf in ( Figaro) , Marie (Verkaufte 
Braut), Lptte (Werther), Margarethe, : Oskar 
(Mashenball) u. a. 

Artsybuschew, Nikolas , Wassilie 
witsch.russischerKomponist, * 7. Marz 185 8 



Artusi — Ash ton. 



69 



zu Zarskoje- Selo, studierte erst Jura 
und war Rechtsanwalt, dann Komposition 
bei Solowiew und Rimsky-Korssakow. Er 
hat Klavieriibertragungen von Werken R.- 
Korssakows,Mussorgskys, Borodins gemacht 
und Romanzen und Klavierstiicke von ge- 
falliger, aber eklektischer Melodik kompo- 
niert. 1908 Prasident des Verwaltungsaus- 
schusses der K. Russ. MG., Sektion Peters- 
burg; Nachfolger R.-Korssakows als Prasi- 
dent des von Belajew gegriindeten Aus- 
schusses zur Forderung russ. Komponisten 
undKiinstler. 1020 liefi er sich als Geschafts- 
leiter des Verlags Belajew in Paris nieder. 
Artusi, Giovanni Maria, * ca. 1540, 
seit Febr. 1562 ord. Kanonikus von San Sal- 
vatore zu Bologna, f 18. Aug. 1613, gab 
heraus: L'Arte del contrapunto (1586 — 89, 
2 Teile; 2. Aufl. 1598); V Artusi, ovvero delle 
imperfettioni della moderna musica (1600 — 03, 
2 Teife), sowie einige kleinere Schriften und 

1 Buch 4 st. Kanzonetten (1598). A. war 
ein vortrefflich geschulter Kontrapunktiker, 
wuBte aber mit den Neuerungen eines Monte- 
verdi oder gar Gesualdo di Venosa, ja selbst 
eines N. Vicentino, Cipriano de Rore, A. 
Gabrieli u sw . nichts anzu f angen, eine j ener re- 
aktionaren Erscheinungen, wie sie in Zeiten 
der Garung und Entwicklung neuer Rich- 
tungen in der Kunst nicht selten sind. Vgl. 
Emil Vogel, Vierteljahrsschr. f. MW. Ill, 
325 — 339(Polemik zwischen Artusi und Mon- 
teverdi) und G. Gaspari, AM e memorie 
(1876). 

Artz, Carl Maria, * 10. Juni 1887 zu 
Diisseldorf, Schuler erst des dortigen Kon- 
servatoriums (Buths-Neitzel), dann F. Drae- 
sekes in Dresden (Komposition) und Jos. 
Pembaurs in Leipzig (Klavier), seit 191 3 
durch Konzerte mit dem Berliner Philh. 
Orchester als iortschrittlich gesinnter Diri- 
gent tatig, 1919 — 21 Leiter des Orchester- 
vereins in Stavanger (Norw.); seit 1925 
Dirigent in Malta. Er schrieb: Lieder, Kla- 
vierstiicke, ein Streichquartett, eine sinf. 
Dichtung op. 26 (Am Men Maar), heitere 
Variationen fiir Orch. und eine Oper. 

Asantschewsky, Michael Pawlowitsch 
von, russischer Komponist, * 1839 und 
1 24. Jan. 1881 zu Moskau, erhielt eine mili- 
tarische Erziehung, trat jedoch zum Zivil- 
dienst iiber, den er 1861 quittierte, um zu- 
nachst in Leipzig unter Hauptmann und 
Richter Komposition und dann bei Liszt in 
Rom Klavierspiel zu studieren. 1866 — 70 
lebte er in Paris und war 1871 — 76 als 
Nachfolger Zarembas Direktor des Peters- 
burger Konservatoriums , dem er seine 
sehr bedeutende Bibliothek vermachte. 
A. hat nicht wenig zur Hebung der offi- 
ziellen Bedeutung der Konservatorien in 
Rufiland beigetragen. Als Komponist war 
A. nicht fruchtbar, zeichnete sich aber durch 
Geschmack und Sauberkeit der Faktur aus. 
Er veroffentlichte Lieder, Klavierstiicke, 

2 Trios, 2 Quartette, Psalm 12 und eine 
Konzertouverture. Vgl. G. E. Anders. 

Aschenbrenner, Christian Heinrich, 
* 29. Dez. 1654 zu Altstettin, "j" 13. Dez. 1732 



in Jena; Schuler seines Vaters (herzogl. 
Kapellmeister in Wolfenbuttel, spater stadt. 
Musikdirektor zuAltstettin),Theiles inMerse- 
burg und Schmelzers in Wien, war erstef 
Violinist zu Zeitz (1677 — 81), Merseburg 
(1683 — 90), herzogl. Musikdirektor in Zeitz 
(1695 — I 7 I 3) un d herzogl. Kapellmeister zu 
Merseburg (17 13 — 19) und lebte zuletzt mit 
kleiner Pension zu Jena. Gab heraus: Gast- 
und Hochzeitsfreude, bestehend in Sonaten, 
Prdludien, Allemanden, Couranten, Balletteh, 
Arien, Sarabanden mit 3, 4 und 5 Stimmen, 
nebst dem Basso continuo (1673, erhalten?). 

Ascher,. Leo, Operettenkomponist, * 17. 
Aug. 1880 in Wien, Dr. jur. Bekannteste 
Werke: Der Soldat der Marie (1916) und 
Hoheit tanzt Walzev. 

Ascoli (Stadt). Vgl. G. C. Carboni, 
Memorie intorno i letteraii e gli artisti . . . 
d'Ascoli (1830); anonym, Brevi cenni sulla 
formazione e sullo sviluppo della soeieta 
) 'Harmonica di Ascoli Piceno 1874 — gy (1898). 

Ashdovm (spr. aschdaun), Edwin Ltd:, 
engl. Verleger. Der Grander der Firma war 
Christian Rudolph Wessel,*i 797 zu Bremen, 
der 1825 nach London kam und mit der 
Veroffentlichung dort unbekannter auslan- 
discher Werke, wie Chopin undHeller, begann . 
Das Geschaft wurde spater von Edwin A. 
und Henry J. Parry, beide vorher Ange- 
stellte Wessels, erworben. Die Veroffent- 
lichung der Klavierstiicke von Sydney 
Smith und Brinley Richards brachte der 
Firma Ruf und Geld. Nach Parrys Ruck- 
tritt widmete sich Edwin A. der Ausgabe 
klassischer Werke, wobei er sich die Dienste 
von Walter Macfarren und Sterndale Ben- 
nett als Herausgeber sicherte. Heute wird 
die Firma von zwei Enkeln A.s geleitet und 
fuhrt in grofiem Umfang moderne pad- 
agogische Werke. 

Ashley (spr. aschli) John, * um 1740, 
| 2. Marz 1805 in London, war 1784 bei der 
Handel- Gedachtnisfeier Hilfsdirigent neben 
Bates und vibernahm 1795 die Leitung der 
von Handel gegriindeten und von J.Chr. 
Smith und Samuel Arnold fortgefuhrten 
Oratorienauffiihrungen der Fastenzeit, die 
u. a. zuerst Mozarts Requiem und Haydns 
jahreszeiten brachten. Sein Bruder Jane 
war der erste Spieler des Kontrafagotts bei 
der Handelfeier 1784. Seine vier Sohne 
waren vortreffliche Musiker: Charles (ge- 
nannt General A.) * 1770, f 21. Aug. 1818, 
Violinist (Schuler vonBarthelemon undGiar- 
dini); John James, * 1772, f 5. Jan. 1815, 
Organist und Klavierspieler, auch angesehe- 
ner Gesanglehrer; Charles Jane, * 1773, 
f 29. Aug. 1843, Cellist (Mitbegriinder des 
Glee-Club und der Philharmonischen Ge- 
sellschaft) und Richard, * 1775, f 1836, 
Violaspieler. 

Ashton (spr. ascht'n), Algernon Bennet 
Langton, * 9. Dez. 1859 zu Durham in 
England als Sohn eines Domsangers, kam 
nach des Vaters Tode 1863 nach Leipzig 
(1875 — 79 Schuler des Konservatoriums) 
und Frankfurt a. M. (1880—81 bei Raff) und 
liefi sich dann in London nieder, wo er 25 



70 



Ashton — Asola. 



Jahre (1885 — 1910) Lehrer des Klavierspiels 
am Royal College of Music war und seit 191 3 
in gleicher Stellung am London College of 
Music und Trinity College of Music wirkt. 
A. zog, als einer der englischen Kompo- 
nisten Schumann-Brahms'scher Richtung, 
besonders auf dem Gebiete der Kammer- 
musik mit Klavier die Aufmerksamkeit auf 
sich: 5 Violinsonaten (D dur, E dur, C moll, 
A dur), 5 Cellosonaten (F dur, G dur, A moll, 
B dur und H moll), Bratschensonate A moll, 
3- Klaviertrios (E dur, A dur, H moll), 2 Kla- 
vierquartette (Fis moll, C moll), 2 Klavier- 
quintette (C dur, E moll) und (ohne Kla- 
vier) 1 Blaserquintett (F moll) und 2 Streich- 
quartette (B dur, D dur); dazu kommen 
fur Klavier allein: 2 Sonaten (Esmoll, G 
dur), Suite op. 50 fur 2 Klaviere, Toccata 
dgl., ferner englische, schottische und irische 
Tanze zu 4 Handen (auch fur Orchester be- 
arbeitet und mit grofiem Erfolg aufgefiihrt) 
und viele Stiicke fiir Klavier zu 2 Handen, 
auch Orchesterstiicke, Chorlieder und iiber 
200 Lieder, aber auch eine Reihe Orchester- 
werke: 5 Sinfonien (F moll, G dur, A moll, 
B dur, C moll), 3 Ouvertiiren (Macbeth, 
Julius Cdsar und Konzertouvertiire F dur), 
eine Suite (A dur), ein Marsch, ein Klavier- 
konzert, ein Violinkonzert und Johanna 
Sebus fiir Mamierchor, Soli und Orchester. 
Seine neueren Werke sind: Trio fiir Klar., 
Va. und Fag.; Trio fur Kl., Horn und Va.; 
Klavierquartett Nr. 3 ; Kl.-Quintett Nr. 3 ; 
Septett fiir Kl., Streich- und Blasinstru- 
mente; Streichoktett; Nonett fiir Streicher 
und Blaser. A. gab 1905 und 1908 2 Bande 
kleiner Essays in Briefform fiir Zeitschriften 
heraus als Truth, Wit and Wisdom (525 und 
656 Briefe). 

Ashton (spr. ascht'n), Hugh (Aston, Au- 
sten, Aystoun), 1505 in Cambridge Magister 
artium, jimDez. 1522, Komponist der al- 
testen erhaltenen Virginalstiioke .{Hornpipe 
und [zweifelhaft ob von ihm] Lady Carey's 
Dbmpe in MS. Royal App. 58 zu London, 
gedfuckt in Stafford Smiths Musica an- 
tiqua) ; auch einige kirchliche Tonsatze von 
A; (je eine 5 st. und 6 st. Messe, ein Tedeum 
5 ».i und 6 Motetten) sind erhalten. Vgl. 
J. Pulver, A Biogr. Diet, of Old Engl. 
Music (1927). 

Ashwell (spr. asch-), Thomas, englischer 
Komponist der 1. Half te des 16. Jahrhunderts 
(bereits 1530 inWynkyn de Worde's Song- 
Book vertreten), von welchem handschrift- 
lich die 6 st. Messen Ihesu Christe und A ve 
Maria in Oxford, Teile einer dritten Messe 
inCambridge undTeile e'mesStabatMaterund 
Te matrem im British Museum erhalten sind. 

Asien. Vgl. vor allem die Artikel Arme- 
nische^, Arabische, Chinesische (und japa- 
nische) und Indische (und javanische) Musik; 
Im iibrigen: C. Stumpf, Mongolische Ge- 
sdnge. (Viertelj. f. MW. Ill, 1887), Ober 
das Tonsystem und die Musik der Siame- 
ssn (Sammelb. fiir vergl. MW. I, 1922); 
J. Knosp, V.ber annamitische Musik 
(Sammelb. d. IMG. 1006/07); E..M. v. Horn- 
bostel, Ober die Musik 'defKubu (Sammelb. 



fiir vergl. MW. I, 1922); Die Musik auf den 
nordwestl. Salomo-Inseln (in: R. Thurn- 
wald, Ethnogr. Forsch. 1912); Phonogr. 
Melodien aus Madagaskar und Indonesien 
(Forschungsreise S. M. S. ,, Planet" 1906/7, 
V. 1909); Notizen iiber Kirgisische Musik- 
instrumente und Melodien (in: Kanrtz, 
Unter' Kirkisen und Turkmenen, 191 1); 
C. Sachs, Die Musikinstrumente Birmas 
und Assams im Kgl. ethnogr. Museum zu 
Munchen (1917); R. Lach, Die Musik der 
turktatarischen, finnisch-ugrischen und Kau- 
kasusvolker (1920); J. H. H. Evans, Studies 
in Religion, Folklore and Custom in British 
North Borneo and the Malay Peninsula (192 3); 
L. Henslowe, TheFolklore of Borneo (192 s); 
J. Kunst und C. J. A. Kunst- v. Wely, 
Studien over J avaansche en andere Indo- 
nesische muziek: I.De Toonkunst van Bali 
(1925); Dom J. Jeannin,L« chant liturgique 
syrien (1913); vgl. auch die Literaturangaben 
in Lavignac's Encyclopedie sowie Idelsohn. 

Asioli, Bonifazio, * 30. Aug. 1769 und 
I 18. Mai 1832 zu Correggio, entwickelte 
sich unglaublich friih zum Komponisten, 
studierte noch unter Morigi zu Parma und 
wurde Kapellmeister in Correggio. 1787 — 96 
lebte er in Turin, begleitete dann die Mar- 
chesa Gherardini nach Venedig und liefi 
sich 1799 in Mailand nieder. 1801 ernannte 
ihn der Vizekonig von Italien zum Kapell- 
meister und 1808 zum Zensor (Studien- 
direktor) des neu gegriindeten Konserva- 
toriums. 1813 zog er sich in seine Vaterstadt 
zuriick. A. hat Messen, Motetten, Kantaten , 
Quintette, Duette und Nokturnen fiir 
Singstimmen, Sonaten fiir Cembalo und 
Pianofortej Capricen, 7 Opern, ein Orato- 
rium (Jakob) usw., sowie eine Anzahl plid- 
agogischer und theoretischer Werke ge- 
schrieben, namlich: Principi elementari di 
musica (Allgemeine Musiklehre 1809: mehr- 
fach aufgelegt, auch franzosisch 1819, por- 
tugiesisch 1831, deutsch 1823, hollandisch 
1826); L 'allievo al cembalo (Klavierschule), 
3 Th. 1819; Primi elementi per il canto(i%og, 
Gesangschule) ; Elementi per il contrabasso 
(1823); Trattato d'armonia e d'accompagna- 
mento (1813, Generalbafischule) ; Dialoghi 
sul trattato d'armonia (Frage- und Antwort- 
buch zur Harmonielehre, 1814); Osservazioni 
sul temperamento pr.oprio degli stromenti sta- 
bili etc. (1816) und Disinganno sulle osser- 
vazioni etc. ; endlich II maestro di composi- 
zione (anschliefiend an die Generalbafischule, 
1836). Vgl. O. S. Ancarani, Sopra alcune 
parole di Carlo Botta intorno al metodo musi- 
cale di B.A. (1836), A. Coli, B. A. (Mai- 
land, 1834) und A. Amadei, Intorno alio 
stile delta moderna musica di chiesa (1841). 

Asola (Asula), Giovanni Matteo, 
fruchtbarer Kirchenkomponist, * zu Vero- 
na, I 1. Okt.1609 in Venedig. AuBer einer 
grofien Anzahl von 4 — 8 st. Messen, Mo- 
tetten, Psalmen, Hymnen, Kompletorien, 
Lauden usw. sind 2 Biicher 3 st. (Le vergini 
1571) und je 1 Buch 2 st. (1584) und 6 st, 
(1605) Madrigale erhalten. Vgl. Fr. Caffi, 
Delia vita e delle opere di G.M. A. (1862). 



Asperges me — Atanassoff. 



71 



Asperges me. Antiphon bei der f eierlichen 
Austeilung des Weihwassers an Sonntagen 
vor dem Hochamt (durch den Priester in- 
toniert) mit Psalm Miserere und Vers Gloria 
Patri. Letzterer fallt aus am Passions- und 
Palmsonntag. In der osterlichen Zeit wird 
statt des Asperges die Antiphon Vidi aquam 
mit Confitemini gesungen. 

Aspestrand, Sigwardt, norw. Kompo- 
nist, * 13. Nov. 1856 zu Fredrikshald, Vio- 
linschuler von Dalback und Bohm in Oslo, 
seit 1 88 1 Zogling des Leipziger Konser- 
vatoriums, spater der Berliner Hochschule 
(Joachim). Eine Verletzung an der Hand 
zwang ihn, das Geigenspiel aufzugeben, wor- 
auf er Komposition studierte; wahrend 
eines mehrjahrigen Aufenthalts in Deutsch- 
land komponierte er mehrere Opern auf 
eigenen Text; hat auch Kammermusik ge- 
schrieben. Er lebt jetzt in Oslo. Sein Stil 
neigt stark zum klassischen und roman- 
tischen Ausdruck und tragt oft volkstum- 
liche und nationale Pragung. Opern: Sjo- 
mandsbruden (Gotha, Coburg, Oslo); Freyas 
Alter; Der Recke von Lyrskovheid; Die 
Wette; Im Goethezimmer; Le Baiser au Por- 
teur; Robin Hood; die komische Oper Per- 
vonte. 

Aspiration (franz.), einer der alteren 
Namen der auch Akzent (s. d.) genannten 
Verzierung eines Tones mit der Ober- oder 
Untersekunde (Vorschlag). 

Asplmayr, Franz, * ca. 1721, Hofmu- 
siker und Ballettkomponist der italienischen 
Oper zu Wien, f 29. Mai 1786 daselbst, 
brachte in Wien eine Anzahl Singspiele 
(Die Kinder der Natur 1780, Der Sturm 17S2) 
und Ballett-Divertissements zur Auffuh- 
rung, komponierte Rousseaus Pygmalion 
neu (1772, vgl. Edgar Istels Monographie), 
ist aber wichtiger als einer der ersten 
Wiener Komponisten, welche den neuen 
Stil auf dem Gebiete der Orchester- und 
Kammermusik pflegten. In Druck er- 
schienen (in Paris ca. 1765) 6 Serenate op. 1, 
6 Quatuors concertants (2 V. Via. Vc.) op. 2, 
6 Trios op, 5 (2 V. Vc. Be.) und 6 Quatuors 
op. 6 (2 V. Via. Vc). Das Trio op. 5 / und 
das Quartett op. 6 II erschienen mit Aus- 
arbeitung des Continuo in Riemanns Colle- 
gium musicum. 

Assafiew, vgl. Glebow. 

Assai (ital. , viel, sehr) , eine Tempo- oder Vor- 
tragsbezeichnungverstarkend, z.B. allegro a.. 
recht schnell. 

Assisi. Vgl. E.Cellini, L'Archivio mu- 
sicale del S. Convento in A. (1897). 

Afimayer, Ignaz, * n. Febr. 1790 zu 
Salzburg, f 3 1. Aug. 1862 in Wien; Schiller 
von A. Brunmayr und M. Haydn, 1808 
Organist der Peterskirche in Salzburg, 
wandte sich 1 8 1 5 nach Wien, wo er bei Eybler 
sich noch weiter fortbildete, 1824 Kapell- 
meister am Schottenstift, 1825 Hoforganist, 
1838 uberzahliger Vizehof kapellmeister und 
1846 Weigls Nachfolger als zweiter Hof- 
kapellmeister. Von seinen vielen Kirchen- 
kompositionen (u. a. 1 5 Messen) erschienen 
nur eine Messe, einige Gradualien und Offer- 



torien und die Oratorien Sauls Tod und 
David und Saul in Druck (auch eine Sinfonie 
B dur bei Schlesinger). A. war mit Schubert 
befreundet. 

Association Musical s. Vereine. 

Assonanz s. Stabreim. 

Astaritta, Gennaro, italienischer Opern- 
komponist, * zu Neapel, schrieb 1765 — 93 
36 Opern (18 fur Venedig, die vibrigen fur 
Neapel, Turin, Rom, Livorno, Reggio d'Emi- 
lia, Ferrara, PreBburg und Petersburg, die 
erste Vorfana insidiata 1765 fur Neapel), 
von denen Circe e Ulisse (PreBburg 1787 
im grailichen Erdodyschen Theater) allge- 
mein beliebt wurde. 

Aston, Hugh, s. Ashton. 
V'Astorga, Emanuele d' (Emanuele Gio- 
achino Cesare, Baron Rincon d'Astorga), 
* 20. Marz 1680 zu Augusta auf Sizilien, 
| 1757 in Lissabon oder Madrid ( ?) (hand- 
schr. Notiz Santinis auf einem Manuskript 
A.'s in Miinster J7 barone d'A . muori in Ma- 
drid V anno 1757), entstammte einer spani- 
schen Adelsfamilie; das Baronat haftete an 
der Besitzung Ogliastro bei Augusta und 
war bereits seinem GroBvater verliehen; 
sein Vater, Baron Francesco Rincon d'A- 
storga, starb 17 12 in Palermo. A. war ein 
musikalisch hochgebildeter Dilettant, be- 
freundet mit Ant. Caldara (Taufpate einer 
Tochter Caldaras 1712 in Wien). Sein ein- 
ziges Biihnenwerk, das Pastorale Dafni 
wurde 1709 in Genua und Barcelona (auch 
1716 in Parma und 1726 in Breslau) aufge- 
fuhrt. Bei dem Aufstande 1708 in Palermo 
war A. Offizier der Munizipalgarde, 17 12 
und 17 14 ist er in Wien, 17 13 in Znaim, 
1714 — 15 in London nachweisbar, 1717-1-18 
als Senator in Palermo. Dann ging er nach 
Spanien in konigliche Dienste, gab .1726 
in Lissabon ein Heft (12) Kantaten heraus 
und verkaufte 1744 sein sizilisches Baronat. 
Sein bervihmtestes Werk ist das 1707 ge- 
schriebene Stabat Mater fur 4 Singstimmen 
mit Streichorchester und B.C. (zuerst auf- 
gefuhrt Oxford 1752; Neuausgabe von 
Rob. Franz), doch genossen auch seine in 
groBer Zahl verbreiteten Kantaten, die sich 
durch Gedrangtheit und zugleich SuBigkeit 
der Melodik, durch kontrapunktisch leben- 
dige BaBfuhrung auszeichnen, allgemeine 
Heliebtheitf Palpitar, herausgeg. von H. Rie- 
mann). A.s romanhafte fruhere Biographie 
ist durch Hans Volkmann {Em. d'A., 1. 
Bd. Leipzig 1911; 2. Bd. 1919) dokumenta- 
risch widerlegt und ersetzt. 

Astorga, Jean Oliver, Komponist, von 
dem in mehreren Ausgaben um 1767 — 69 in 
London erschienen: op. 1, 6 Triosonaten fur 
2 Violinen mit B. continuo, und op. 2, 12 
italienische Lieder und Duette mit Klavier. 

Atanassoff, Georgi, * 1872 in Philipopel 
(Sudbulgarien), 1886 in Bukarest (Ru- 
manien) Schiller des dortigen Konserva- 
toriums (Theorie, Komposition, Posaune und 
Klavier) sowie des Liceo Rossini in Pesaro 
(Italien) als Kontrapunkt- und Komposi- 
tionsschuler von Pietro Mascagni. Aus- 
gezeichneter Dirigent und Komponist, lebt 



72 



Atem 



Atrio. 



in Bulgarien. Schriefa 1910 die Oper 
Borisslav, 1917 die Oper Gergdna, 1923 die 
Oper Die verwustete Mihhle, 1925 Zweta, 
1926 Kossara; auBerdem noch einige Ope- 
retten. 

Atem, die beim Atmen zur Verwendung 
gelangende Luft. Sie stromt in die elasti- 
schen Lungen ein durch den atmosphari- 
schen Druck infolge Enveiterung des Brust- 
raumes durch Hebung und Dehnung der 
Rippen und durch Senken des Zwerchfelles. 
Die Ausatmung erfolgt in der umgekehrten 
Weise. Das Atmen ist in erster Linie not- 
wendig zur Unterhaltung des Lebens, um 
Blut und Korpergewebe mit dem notigen 
Sauerstoff der Luft zu versorgen und dafur 
die im Korper entstandene Kohlensaure ab- 
zugeben, und wird fur diesen Zweck in erster 
Linie reflektorisch (automatisch) geregelt 
(oberflachlichere oder tiefe, langsame oder 
schnellere Atmung). In zweiter Linie dient 
die beim Ausatmen entstromende Luft dazu, 
den Stimmapparat desKehlkopfes in Schwin- 
gungen zu versetzen und dadurch den Klang 
der Stimme fur Sprache und Gesang zu er- 
zeugen, wie Orgelpfeifen durch einen Blase- 
balg angeblasen werden. Auch fur diese 
Zwecke erfolgt fur gewohnlich die Atmung 
scheinbar automatisch ; richtiger aber ist es, 
daB sie sich durch Obung von fruhester 
Kindheit an den jeweiligen Bedurfnissen 
anpaBt. Das Atmen ist besonders fur die 
Stimmbildung in hohem Grade dem be- 
wuBten Willen unterworfen. Es werden 
aber oft von angehenden Sangern Atem- 
ubungen ausgefiihrt.dieganz unzweckmaBig, 
ja schadlich sind (ausschlieBliche Zwerch- 
fellatmung, Festhalten des Brustkorbes, 
Flankenatmen u. a. m.). Eine natiirliche 
tiefste Ein- und Ausatmung unter Vermei- 
dung der Tatigkeit von Muskelgruppen, 
die mit der Atembewegung nichts zu tun 
haben (Schulternheben u. a.) ist neben all- 
gemeiner Korperkraftigung die vorteilhaf- 
teste Ubung. Beim Singen richtet sich die 
Tiefe des Einatmens nach dem jeweiligen 
Bedarf an Luft (lange oder kurze Phrase, 
forte oder piano. Sinn des Satzbaues, tiefe 
oder hohe Tonlage, schweres oder leichtes 
Ansprechen der Stimmbander). Vor allem 
darf keine wilde (fur die Lautbildung ver- 
lorengehende) Luft entweichen. Entspre- 
chende Einubung ist Sache des Unterrichts 
und ist ebenso fur Redner und fiir Blaser von 
Instrumenten wichtig. Wahrend sonst die 
Atmung ausschlieBlich durch die Nase statt- 
finden soil und die Zeit fur Ein- und Aus- 
atmung annahernd gleich lang ist, erfolgt 
fiir den Gesang die Einatmung sehr kurz, 
die Luft stromt durch Nase und Mund ein, 
die Ausatmung erfolgt wesentlich langsamer 
[Ad. Barth]. — Wann geatmet werden soil, 
ist in der Hauptsache vom Komponisten 
vorgeschrieben ; der Blaser darf eine gebun- 
dene Phrase nicht unterbrechen, der Sanger 
hat auBerdem noch auf den Text Rucksicht 
zu nehmen und moglichst nur zu atmen, wo 
beim Sprechen kleine Pausen gemacht wer- 
den. Besonders ist zu warnen vor dem At- 



men inmitten eines Wortes oder zwischen 
Artikel und Substantiv usw. Vgl. Gesangs- 
hygiene. 

XAthenaus (Athenaios) aus Naukratis 
in Agypten, griechischer Grammatiker in 
Rom im 2. bis 3.Jahrh.nach Chr., dessen 
Werk Deipnosophislai (15 Bucher, fast voll- 
standig erhalten) unschatzbare Aufschliisse 
iiber die griechische Musik enthalt. Vgl. 
die Ausgaben von G. H. Schaf er (1796 ff.) 
und Kaibel (Leipzig 1887 bis 1890) sowie 
die Studien fiber A. von A. Bapp (1885) 
und F. Rudolph (Philologus, VI. SuppL). 

Atherton (spr. aflert'n), Percy Lee, * 25. 
Sept. 1871 zu Roxbury (Mass.), 1893 — 95 
Schuler der Munchener Kgl. Musikschule 
(Rheinberger), von O. Boise in Berlin, Sgam- 
bati in Rom und Widor in Paris, lebt als 
Komponist in Boston (2 heitere Opern, 2 
Violinsonaten, Suiten fiir Klavier und Vic- 
line und Klavier und Flote, Lieder, Chore. 
Orchester- und^Klavierstucke). 

Atkins (spr. atkins), Sir Ivor Algernon, 
Organist der Worcester Cath., England; * 29. 
Nov. 1869 zu Cardiff, Hilfsorganist unter Li. 
Sinclair zu Truro u. Hereford; Festdirig. der 
Three Choirs zu Worcester 1899, 1902, 1905, 
1908, 1911, 1920, 1923; Mus. Doc. zu Ox- 
ford 1920, 192 1 geadelt. Er hat, zusammen 
mit S. Edward Elgar, Bachs Matthaus- 
Passion u. Bachs Weimarer Orgelbuchlein 
bei Novello hrsg. Schrieb: Hymn of Faith 
(Text von Elgar) ; Magnificat u. Nunc Dimit- 
tis-Satze f. Chor u. Orch. ; gem. Chore; Lie- 
der u. a.). Vgl. Worcester. 

Atonalitat, Satzstil neuer Musik, der die 
Rucksicht auf irgendeine harmonisch fun- 
dierte Leiter oder Tonika negiert; wenn er 
auch unter dem gegenwartig gebrauchlichen 
System naturlich keine andere Skala ver- 
wenden kann als die zwolfstufige tempe- 
rierte. Ihren ersten entschiedenen Ausdruck 
hat diese Zersetzung oder Negierung der 
Tonalitat in Schonbergs drei Klavierstiicken 
op. 11 gefunden. Schonberg behandelt das 
Problem der A. auch theoretisch in seiner 
Harmonielehre, Wien 1911, Un.-Ed., 3. Aufl. 
1922 ; er ist zur Atonalitat freilich mehr 
durch freien Kontrapunkt, oft durch Poly- 
tonalitat, gelangt. Die konsequente A., wie 
sie z. B. Josef M. Hauer (s. d.) u. J. Goly- 
scheff (s. d.) angestrebt und auch erreicht 
haben, arbeitet mit vollkommener Selbstan- 
digkeit und Beziehungslosigkeit der 12 Halb- 
tone des temperierten Systems — die mensch- 
liche Stimme oder die Streichinstrumente 
sind als Organe der atonalen Musik eigent- 
lich nicht brauchbar. Die atonale ,,Melodie'' 
ist also grundsatzlich ein rein mechanisches 
Produkt ■ — die Zahl der Kombinationen be- 
tragt 479 001 600 • — und stellt eine Contra- 
dictio in adjecto, eine Absurditat dar, da 
es dem auffassenden Geist unmoglich ist, 
keine Beziehung zwischen den einzelnen 
Tonen herzustellen. Vgl. Jos. M. Hauer, 
Deutung des Melos (Wien 1923); Herbert 
Eimert, Atonale Musiklehre (1924); vgl. 
auch Anton Bauer. 

Atrio, Her man us de,s.Hermannus deA. 



Attacca — Attrup. 



73 



Attacca (ital., falle ein) ist eine besonders 
bei Tempowechsel oder am Ende eines gan- 
zen Satzes, dem noch ein anderer folgt, hau- 
fige Bestimmung, welche vorschreibt, das 
folgende plotzlich einzuffihren, so daB die 
eingeschaltete Pause nur eine sehr kurze 
sein darf. 

Attacca-Ansatz ist beim Klavierspiel die 
fiir stark akzentuierte Einsatze erforderliche 
plotzliche Strammung der Muskulatur der 
Arme und der Hande, eine schnelle Kraft- 
und Druckentwicklung aus unmittelbarer 
Nahe der Klaviatur, durch welche die ha,B- 
liche Wirkung des paukenden, klatschenden 
Anschlags aus groBerer Entfernung ver- 
mieden wird. 

Attaingnant, Pierre (Attaignant, At- 
teignant, spr. atanjang, latinisiert At- 
tingens), der erste Pariser Musikdrucker, 
der Mensuralmusik mit beweglichen Typen 
druckte (einfacher Druck: Noten und 
Teile des Liniensystems vereinigt in einer 
Type; vgl. die Druckprobe in H. Riemanns 
Notenschrift und N otendruck) ; die Typen 
A.'s stammten aus der Werkstatt von Pierre 
Haultin (s. d.), welcher 1525 seine ersten 
Punzen anfertigte. A. druckte von 1528 bis 
1549. Das altestederMusiksammelwerke A.'s, 
das auf uns gelangt ist, sind die Chansons 
nouvelles en musique a quatre parties . . . 
(4. aprilis 1527 ante Pascha, d. h. 4. April 
1528); vgl. M. Cauchie, Les deux plus anciens 
recueils de chansons polyphoniques imprimis 
en France (Rev. de Musicologie 1924). 
1553 firmiert La veufve de P. Attaingnant. 
Attaingnants Drucke bringen uberwiegend 
Werke von franzosischen Komponisten 
(vgl. Chansons) und sind gerade dadurch be- 
sonders wichtig, aber leider sehr selten ge- 
worden; den groBten Bestand besitzt neben 
der Pariser Nationalbibliothek die Mun- 
chener Staatsbibliothek. Die T rente et une 
chanson musicales vom 1. Nov. 1529 gab 
H. Expert 1897 heraus (Bd. 5 der Maitres 
musiciens de la Renaissance francaise). 
Von den sieben Klavier- oder Orgel-Tabu- 
laturbuchern von 1530 — 1531 sind die vier 
mit weltlichem Inhalt (4 Bde. und Kom- 
mentar [5. Bd.]) durch E.Bernoulli in 
photographischem Faksimile publiziert wor- 
den (Mfinchen 1914); von den drei mit 
geistlichem Inhalt gab Y. Rokseth zwei 

heraus (Deux livres tforgue Paris, 

1925 [Bd. I der Publications de la Societe 
francaise de musicologie]) . 

Attenhofer, Karl, * 5. Mai 1827 zu Wet- 
tingen bei Baden i. d. Schweiz als Sohn eines 
Wirtes, j 22. Mai 1914 in Zurich, Schuler von 
Dan. Elster (Seminarmusiklehrer zu Baden) 
und Kurz in Neuenburg, besuchte 1857- — 58 
das Leipziger Konservatorium als Schuler 
von Richter, Papperitz (Theorie), R. Drey- 
schock, E. Rontgen (Violine) und K. Schlei- 
nitz (Gesang) und wurde 1859 als Gesang- 
und Musiklehrer zu Muri (Aargau) angestellt. 
1863 wurde er Dirigent eines Mannergesang- 
vereins in Rapperswyl, mit dem er auf dem 
eidgenossischen Musikfest 1866 Aufsehen 
machte, so da£ ihn die Zurcher Manner- 



Gesangvereine Zurich, Studentengesangver- 
ein und AufSersiehl ebenfalls zum Dirigenten 
wahlten. 1867 siedelte er nach Zurich fiber 
und dirigierte von dort aus auch noch Ver- 
eine in Winterthur, Neumunster usw. 1879 
wurde er auch Organist und Musikdirektor 
der Augustiner-Kirche zu Zurich und schon 
fruher Musiklehrer an der Madchenschule, in 
der Folge auch Lehrer fur Gesangsmethodik 
an der Zfircher Musikschule, deren Mitdirek- 
tor (mit Fr. Hegar) er 1879 wurde. Die Uni- 
versitat Zurich ernannte ihn zum Dr. phil. 
h. c. A. gab Sammlungen von Mannerchoren 
heraus (Liederbuch fiir M-Gs. 1882, Der deut- 
sche Michel f. MCh., Bariton u. Org.), schrieb 
auch vieles fur gemischten Chor (Lieder fur 
Schule undHausJ und Frauenchor (fiir FrCh., 
Soli und Klavier: Beim Ratten) 'anger im 
Zauberberg, Es war einmal, Prinzessin Wun- 
derhold, Das Kind der Wuste, Rutlifahrt), 
auch Kinderlieder, Klavierlieder, Messen, 
Klavierstucke und leichte Violinetuden. Vgl. 
A. Gluck, K. A. (o. J. [1888]) und Ernst 
Isler, K. A. (103. Neujahrsstuck der Zur- 
cher Allg. MG. [1915]). 

Atterberg, Kurt M., * 12. Dez. 1887 zu 
Goteborg, studierte zuerst auf der Techni- 
schen Hochschule, darauf (1910 — n) am 
Konservatorium in Stockholm (A. Hallen), 
machte dann als Staatsstipendiat die erste 
Studienreise nach Deutschland (1911), wurde 
nach seiner Ruckkehr nach Schweden als 
Ingenieur am Patent-Amt angestellt, unter- 
nahm 1913 die zweite Studienreise nach 
Deutschland (Berliner Techn. Hochschule, 
Max Schillings in Stuttgart), um sich dann 
der Dirigentenlaufbahn zuzuwenden. Seit 
1925 ist A. Vorsitzender des Vereins schwe- 
discher Tonsetzer. Als Komponist stent A. 
in der ersten Reihe der modernen schwe- 
dischen Sinfoniker. Werke : Sinfonien Nr. 1 
H moll op. 3, Nr. 2 F dur op. 6, Nr. 3 
Vdstkustbilder (Meeressymphonie) op. 10, 
Nr. 4 (Sinfonia Piccola auf schwedische 
Volksmotive) op. 14, Nr. 5 (Funebre) op. 
20, Violinkonzert op.y, Violoncellkonzert 
op. 21, Hornkonzert op. 28, Chorkantaten : 
Requiem op. 8, Jdrnbdraland op. 16, Der 
Skalde (Sangen) op. 25, Opern: Herwarth, 
der Harfner op. 12, Das Wogenro/3 (Bdcka- 
hasten) op. 24, Pantomimballette Der 
Schweinehirt op. 9, Die torichten Jung- 
frauen op. ij, sechs Suiten ffir kleines 
Orchester Nr. 1 und 2 ohne Opuszahl, Nr. 3 
fur Violine, Bratsche und Streichorchester 
oder Klavier op. ig Nr. 1, Nr. 4 Turandot- 
Suite op. ig Nr. 2, Nr. 5 Barocco op. 23, 
Nr. 6 Orientalische Legende op. 30, Streich- 
quartett op. 11, Suite fur Streichquartett 
op. 2g, Sonate fur Violoncell und Piano 
op. 2j, Musik zu Shakespeares Sturm op. 18, 
Rhapsodie fur Piano und Orchester op. I, 
Sinfonische Dichtung fur Baryton und Or- 
chester op. 5, Rondeau rStrospectif fur Or- 
chester op. 26, Ouvertfiren fur Orchester 
op. 4 und 13. 

Attrup, Carl, danischer Komponist und 
Organist, * 4. Marz 1848 und J5,Okt. 1892 
zu Kopenhagen, Schuler von Gade und 1869 



74 



Attwood — Auber. 



sein Nachiolger als Orgellehrer am Konser- 
vatorium zu Kopenhagen, 1871 Organist der 
Friedrichskirche, 1874 Organist derErloser- 
kirche und Orgellehrer am Blindeninstitut, 
A. veroffentlichtewertvolle instruktiveOrgel- 
stiicke, eine Orgelschule, auch Lieder. 

Attwood (spr. attwudd), Thomas, * 23. 
Nov. 1765 zu London, •(• 24. Marz 1838 auf 
seinem Landsitz Cheyne Walk bei Chelsea; 
Kapellknabe der koniglichen Vokalkapelle 
unter Nares und Ayrton, studierte 1783 — 84 
zu Neapel unter Filippo Cinque und Gae- 
tano Latilla, darauf bis 1787 in Wien unter 
Mozart. 1795 wurde er Organist der Pauls- 
kirche und 1796 Komponist der Kgl. Vokal- 
kapelle, 1821 Organist der Privatkapelle 
Konig Georgs IV. zu Brighton und 1836 Or- 
ganist der Kgl. Vokalkapelle. Anfanglich 
widmete sich A. iibervviegend der Oper, spa- 
ter mehr der Kirchenmusik. Er schrieb 19 
Opern, viele Anthems, Services und andere 
Gesange, auch Klaviersonaten usw. Men- 
delssohn widmete A. die 3 Orgelfugen op. 37. 
Uber seine Studien bei Mozart vgl. C. B. 
Oldmaninder Scheurleer-Festschrif t (1925). 

Aubade (spr. obad'), vom provencalischen 
alba, dem heutigen aube (Tagesgrauen) = 
Tagelied, bei den Troubadours und 
Minnesangern Gesange, welche die Trennung 
der Liebenden beim Tagesanbruch zum 
Vorwurf haben (vgl. die Tagelieder in P. 
Runges Die Sangesweisen der Kolmarer 
Handschrift, 1896, das Witzlavs in der Jena- 
er Handschrift usw.), also das Gegenteil von 
Serenade. Wie der Name der letztern, so ist 
auch der der A. auf Instrumentalmusiken 
(Morgensldndchen) iibergegangen (Lalo 
schrieb eine A. fur Streich- und Blasinstru- 
mente, Bizet fur Gesang mit Klavier, St. 
Heller und Schulhoff fiir Klavier). Vgl. 
Georg Schlager, Studien uber das Tage- 
lied (1895), W. de Gruyter, Das deutsche 
Tagelied (1887, Dissertation). 

Auber (spr. obar), Daniel Francois 
Esprit, * 29. Jan. 1782 zu Caen (Norman- 
die), der Heimat seiner Eltern, welche aber 
in Paris ansassig waren, j 12./13. Mai 1871 
in Paris wahrend des Kommurie-Aufstandes. 
A's. Vater, Offizier am Hofe Ludwigs XVI., 
malte, sang und spielte Violine und betrieb 
nach der Revolution einen Handel mit 
Kunstgegenstanden (Kupferstichen usw.); 
der GroBvater war peintre du roi (Hofmaler). 
Schon mit n Jahren schrieb der Knabe Ro- 
manzen, die in den Salons des Direktoriums 
beliebt wurden. Der Vater bestimmte ihn 
fiir den Kaufmannsstand und schickte ihn 
nach England; allein A. kam wieder (1804), 
mehr Musiker als zuvor. 1806 lieB er sich als 
Mitglied in die Gesellschaft der Kinder 
Apollons aufnehmen, der auch sein Vater 
angehorte; er wird damals schon als Com- 
positeur bezeichnet. Das Feld der dramati- 
schen Komposition betrat er mit Julie (1811, 
privatim auf SchloB Chimay) und Jean de 
Couvin (1812 das.). Cherubim, der der Vor- 
stellung beiwohnte, veranlaBte A. zu ernst- 
haf ten Kompositionsstudien unter seiner Lei- 
tung, Einer Messe, von welcher ein Bruch- 



stuck als Gebet in der Stummen konserviert 
ist, folgte die Oper: Le sejour militaire (The- 
atre Feydeau 1813), die aber wie auch Le 
testament (Les billets doux 18 19) nur geringen 
Erfolg hatte. Die erste Anerkennung rang 
er 1820 der Kritik ab mit La bergere chate- 
laine und drang nun mehr und mehr durch, 
zunachst 1821 mit Emma (La promesse im~ 
prudente) und mit einer Reihe kom. Opern auf 
Texte Scribes: Leicester (1822); La neige 
(Le nouvel Eginhard, 1823); Vendome en 
Espagne (zusammen mitHerold, 1823); Les 
trois genres (mit Boieldieu, 1824); Le con- 
cert A la cour (1824); Leocadie (1824); Le 
mafon (Maurer und Schlosser, 1825). Mit 
letzterer Oper tat A. den ersten Wurf von 
bleibender Bedeutung; sie machte ihn zu 
einem der Hauptvertreter der komischen 
Oper, in dem sich das echt Franzosische : 
Grazie, Liebenswiirdigkeit, Leichtigkeit ver- 
korpert, wie auBer ihm nur inBoieldieu. Ein- 
mal (in La neige) hatte A. sich an Rossini an- 
gelehnt und die Koloratur kultiviert; im 
Maurer ist davon nichts mehr zu spiiren, 
Nach zwei geringeren Werken: Le timide 
und Fiorella (beide 1826), folgte nach ein- 
jahriger Pause A.'s erste groBe Oper, die 
ihn auf den Gipfel des Ruhmes brachte, La 
muette de Portici (1828), das erste jener drei 
Werke, welche in schneller Aufeinanderfolge 
einen vollstandigen Umschwung in den 
Spielplan der GroBen Oper brachten (die 
beiden andern sind: Rossinis Tell 1829 und 
Meyerbeers Robert der Teufel 1831). Der 
Meister der komischen Oper entfaltet hier 
eine GroBartigkeit der Anlage, dramatischen 
Schwung, Feuer, Leidenschaft, die man 
nicht in ihm gesucht hatte und die ihm in 
der Tat auch weniger zu Gebote standen. 
Die Handlung dieser Oper steht in inniger 
Beziehung zu der garenden Stimmung der 
Zeit ihrer Entstehung ; sie gewann sogar eine 
geschichtliche Bedeutung dadurch, daB 1830 
ihre Auffuhrung in Briissel das Signal fur 
den Aufstand gab, der mit der Trennung 
Belgiens und Hollands endete. Der Stum- 
men folgte zunachst La fiancee (Die Braut, 
1829), ein burgerliches Genrestiick wie Mau- 
rer und Schlosser, und 1830 das elegantere 
Era Diavolo, Aubers popularste Oper. Es 
folgten: Le dieu et la Bayadere (1830; 
gleich der Stummen mit einer stummen, aber 
tanzenden Hauptperson) ; La Marquise de 
Brinvilliers (1831, mit acht andern Kompo- 
nisten zusammen); Le philtre (Der Liebes- 
trank, 1831); Le serment (Der Schwur oder 
Die Falschmiinzer, 1832); Gustave III (Der 
Maskenball, 1833); Lestocq (1834); Le chevai 
de bronze (Das eherne Pferd, 1835; zum 
groBen Ballett erweitert 1857); Acteon, Le; 
chaperons blancs, V ambassadrice (1836); 
Le domino noir (1837); Le lac des Fees 
( I ^39); Zanetta (1840); Die Krondiamanten 
(1841); Le due d , Olonne (1842); Des Teufels 
Anteil (1843); La Sirine (1844); La barca- 
rolle (1845); Haydee (1847). Die letzten 
Werke Aubers fallen allmahlich ab und zei- 
gen Spuren des zunehmenden Alters ihres 
Schopfers: L'enfant prodigue (1850); Ze*- 



Auberien — Aubry. 



75 



line (Das Orangenkorbchen, 185 1); Marco 
Spada (1852, zum groBen Ballett erweitert 
1857); Jenny Bell (1855); Manon Lescaut 
(1856); Magenta (1859); Die Cirkassierin 
(1861); La fiancee du roi de Garbe (1864); 
Der erste Glilckstag (1868); Reves d' 'amour 
(1869) und einige Gelegenheitskantaten. In 
den letzten Tagen seines Lebens hat er meli- 
rere nicht veroffentlichte Streichquartette 
geschrieben. 4 Cellokonzerte von A. er- 
schienen unter dem Namen seines Freundes 
Hurel de Lamare (s. d.). A. wurde 1829 
als Nachfolger Gossecs Mitglied des Insti- 
tuts^i842 Direktordes Konservatoriums;Na- 
poleon III. ernannte ihn 1857 zum kaiser- 
lichen Hofkapellmeister. Vgl. A. Delehelle , 
A. (1861 i. d. Correspondance litteraire), B. 
Jouvin, D. F.A. Sa vie etses ceuvres (1864), 
E. de Mirecourt, A. (Paris 1867), A. Pou- 
gin, A. (1873), Ad. Kohut, Auber (1895) 
und Ch. Malherbe, A. (1911 in Les Musi- 
cwresc^&m), auch R.Wagner, Ges. Schr.IX. 

Auberien, Samuel Gottlob, * 23. No- 
vember 1758 zu Fellbach bei Stuttgart, 
f 6. Juni 1817 zu Ulm, Violinschiiler von 
Heinr. Ritter, reiste als Violinist, war dann 
Akzessist im Stuttgarter Hoftheaterorche- 
ster, 1 791 Musikdirektor in Zofingen, weiter 
in Winterthur, 1807 in Schaffhausen Kathe- 
dral-Organist und Musikdirektor in Ulm. A. 
gab Lieder heraus (1784), eine Schulchor- 
gesangschule (18 17), Gellerts Geistliche Oden 
und Lieder mit 4 st. Choralen und eine Selbst- 
biographie A.s Leben, Meinungen und Schick- 
sale(i824). Vgl. D.Stuart, S.G.A. (Tiibinger 
Diss. 1924, ungedr.). 

Aubert (spr. obar), Jacques, * 1678, 
I zu Belleville bei Paris 19. Mai 1753, Violi- 
nist im Orchester der GroBen Oper und der 
Concerts spirituels, 1748 deren Konzert- 
meister und Surintendant des Herzogs von 
Bourbon, schrieb 5 Biicher Violinsonaten mit 
BaB (1719), auch Sonaten fur die 5 saitige 
Viola (Quinton) op. 4, Violinduette op. 15, 
sowie Stiicke fur Viellen, Musetten usw. 
(Concert de Simphonies [6 Hefte] und Le 
petit concert), 17 16 — 35 fur die Theater 
der Foire St. Germain und der Foire 
St. Laurent die Musik zu vielen Komodien 
und fur die GroBe Oper 1713 — 1746 sechs 
Ballette. Vgl. -Mercure musical 13. Mai 1906 
(L. de la Laurencie). Je eine Violinsonate 
von Jacques und Louis A. erschienen in Neu- 
ausgabe von Debroux (Ecole du violon au 
XV lie et XV Hie siicle, Paris, Senart). 

Aubert (spr. obar), Louis, Sohn von 
Jacques A., * 15. Mai 1720 zu Paris, "j" nach 
1779, .war 1755 bis 1771 Konzertmeister der 
GroBen Oper (Sinfonien, Violinsonaten). 

Aubert (spr. obar), Louis FrancoisMarie, 
*I9. Febr. 1 877 zuParame; SchiilerdesPariser 
Konservatoriums (Diemer, Lavignac, Vidal 
und vor alien G. Faure), feinsinniger fran- 
zosischer Komponist impressionistischer Nei- 
gung. Er schrieb: Suite brive fur Or- 
chester op. 6 (1900); Fantaisie fur Klavier 
und Orchester H moll op. 8 (1899); drama- 
tisches Werk La LSgende du sang (zwei 
Stucke: Heline und Invocation a Odin 



gedruckt); Marchenspiel La Forit 
(1907; Genf 1913; Paris 1924); Klavier- 
quintett (unvollendet) ; Sonate fur Violine 
und Klavier (1927) ; Introduktion und Allegro 
fur Flote und Klavier (1922); Orchester- 
werke Habanera (1919) und Dryade (1924); 
Caprice fiir Violine und Orchester (aufgefiihrt 
1925); Gesange, darunter die Zyklen Six 
Po&mes arabes (1907) und Crepuscules d'au- 
tomne (1910). Vgl. L. Vuillemin, L. A. et 
son ceuvre(ig2i); R. Bernard, L. A. (Rev. 
Mus. Febr. 1927). 

Aubert (spr. obar), Pierre Francois 
Olivier, * 1763 zu Amiens, f ca. 1830, durch 
25 Jahre Mitglied des Orchesters der Komi- 
schen Oper in Paris, war ein vortrefflicher 
Cellist und Lehrer seines Instruments (zwei 
Cello- Schulen, Solostucke, auch eine Histoire 
abrigee de la musique ancienne et moderne 
1827). 

Aubery du Boulley (spr. obari du biila) , 
Prudent Louis, * 9. Dez. 1796 und "j" im 
Februar 1870 zu Verneuil (Eure); Schiller 
von Monsigny, Mehul und Cherubini am 
Pariser Konservatorium (bis 1815). Unter 
seinen etwas flachen Kompositionen (156 
Werke) befinden sich Kammermusikwerke 
(fiir Klavier, Violine, Flote, Bratsche usw.), 
in denen Gitarre mitwirkt. Er schrieb: 
Grammaire musicale (1830, Allgemeine Musik- 
lehre), Des associations musicales en France 
(1839) und La Societe Philharmonique de 
I'Eure (1859). Vgl. J. de l'Avre. A.duB. 
(1896). 

Aubry (spr. obri), Pierre, * 14. Febr. 
1874 zu Paris, | 31. Aug. 1910 zu Dieppe 
(beim Florettieren erstochen), verdienter 
musikalischer Palaograph, besonders auf 
dem Gebiete der mittelalterlichen geistlichen 
und weltlichen Musik, Professor der orien- 
talischen Sprachen, hielt musikhistorische 
Vortrage an der musikalischen Abteilung 
der Ecole des hautes etudes sociales zu Paris. 
Seine Publikationen sind: Huit chants 
heroiques de Pancienne France (1896), Me- 
langes de musicologie critique (1. La Musi- 
cologie medievale 1900; 2. Les proses d? Adam 
de Saint Victor, 1900 mit Abbe Misset 
j. Lais et Discorts franpais du XIII " siicle, 
1900 mit Alfred Jeanroy und Louis Bran- 
din; 4. Les plus anciens monuments de la 
musique francaise, 1903, mit 24 Phofo- 
typien); Essais de musicologie comparSe 
( 1. Le rythme tonique dans la poesie litur- 
gique et dans le chant des Sglises chretiennes 
au moyen-dge, 1903, 2. Esquisse d'une 
bibliographie de la chanson populaire en 
Europe, 1905 ); La musique et les musiciens 
d'Sglise en Normandie au XIII& siicle 
d'apris le Journal des visites pastorales 
d'Odon Rigaud (1906); Estampies et Danses 
royales (Les plus anciens textes de musique 
instrumentale au moyen-dge, igoy); Recher- 
ches sur les ,,Tenors u franpais dans les motets 
du XIII e siicle (1907); Recherches sur les 
„Tenors" latins dans les motets du XII I -e 
siicle (mit A. Gastoue 1907); Les caractires 
de danse (Histoire <£un divertissement pen- 
dant la premiire moitie du XVIII e siicle, 



76 



Audenarde 



Auer. 



1905); Au Turkestan (Notes sur quelques 
habitudes musicales chez les Tadjites et chez 
les Sartes, 1905 ); Le Roman de Fauvel (1907, 
Faksimileausgabe der Pariser Handschrift 
/. frang. 146 mit Index der Musikeinlagen 
und Erlauterungen von A.) und Cent 
motets du XIII" Steele (1908, 3 Biinde; 
phot. Faksimile und Obertragung des Cod. 
Bamberg Ed. IV. 6 und etudes et commen- 
tates, eine sehr bedeutsame Publikation), 
Troubadours et Trouveres (1909 in Alcans 
Maxtres de lamusique), Refrains et rondeaux 
du XIII" Steele (1909 in der Riemann- 
Festschrift). Eine Faksimile-Ausgabe des 
Chansonnier de F Arsenal (mit "Obertragung 
und Kommentar) hatte zu erscheinen be- 
gonnen, als A. starb. Dazu kommen noch 
eine ganze Reihe zum Teil anregender Auf- 
satze im Courrier musical 1903 — 1908 (auch 
separat) mit Faksimilierungen geistlicher 
und weltlicher mittelalterlicher Gesange: 
Une Eslampida de Rambaut de Vaqueiras 
(1903); Un coin pittoresque de la vie artistique 
au XIII" siich (1904); La chanson de Bele 
Aelis (1904 mit R.Meyer und J.Bedier); 
IV poesies de Marcabru (1904); La ryth- 
mique musicale des troubadours et des 
trmiv&res (1907) u. v. a. Auch schrieb A. 
die Einleitung zu einer kleinen Sammlung 
von (10) Chants populaires armeniens (1912, 
gesammelt von G. Boyadjan, mit Klavier- 
begleitung von A. Serieyx, franzosischer 
Text adaptiert von A. Tschobanjan). 
Eine Notice necrologique mit Verzeichnis der 
Werke A.s wurde 191 1 gedruckt (nicht im 
Handel). A. hat durch seine Arbeiten viele 
rnittelalterliche Melodienotierungen erst- 
malig bekanntgemacht. Seine Art, sie zu 
lesen und zu ubertragen (nach den Prin- 
zipien der Frankonischen Mcnsuraltheorie), 
war freilich irrtumlich (vgl. Choralnote). 
Die seit 1907 von ihm angewandte Deutung 
im Sinne der vorfrankonischen Theorie der 
Modi (vgl. W. Niemanns griindliche 
Dissertation) hat J.-B. Beck in StraBburg 
mit Erfolg als sein geistiges Eigentum 
reklamiert; wahrscheinlich irren aber beide, 
wenn sie dabei an wirkliche Mensur denken, 
und es handelt sich vielmehr nur um durch 
die Motets (s. d.) angeregte Versuche der 
Durchfuhrung dreisilbiger (daktylischer, ana- 
pastischer) Versbildung neben der vorher 
allein herrschenden zweisilbigen (jambischen 
und trochaischen) in der Vulgarpoesie (vgl. 
H. Riemann, Handbuch der MG. I 2 , S. 
192 ff.). Von solchen wohl nur die Noten- 
form der Longa und Brevis fur die Unter- 
scheidung schwerer und leichter Zeiten ver- 
wendenden Notierungen der zweiten Halfte 
des 13. Jahrhunderts Ruckschliisse auf die 
rhythmischeBeschaffenheit der solcheUnter- 
scheidungen nicht kennenden Melodienotie- 
rungen der provenzalischen Troubadours zu 
machen, fehlt die Berechtigung. 

Audenarde (spr. odnard), (Stadt). Vgl.E. 
Van der Straeten, Coup deceit sur la 
musique actuelle a A. (185 1) und Recherchcs 
sur la musique a A. avant le ig" si&cle (1856). 

Audran (spr. odrang). Edmond. Sohn 



von M. P. A., * 11. April 1842 zu Lyon, 
J 17. Aug. 1901 zu Tierceville (Seine et Oise), 
studierte am Niedermeyerschen Kirchen- 
musikinstitut und kam mit dem Vater 1861 
nach Marseille, wo er Kapellmeister der 
Josephskirche wurde. Seit 1877 lebte A. in 
Paris ausschlieBlich der Operettenkomposi- 
tion. Er hat 38 Opern und sehr graziose Ope- 
retten und eine Pantomime mit Erfolg in 
Marseille und Paris zur Auffuhrung gebracht 
{Le Grand Mogol ; 877, La Mascotte 1880, 
Gillette de Narbonne, Les noces d'Olivetie, 
Oncle Celeslin 1891, MissHelyett, La duchesse 
de Ferrare 1895 usw.), auch eine Messe, 
ein Oratorium usw. 

Audran (spr. odrang), Marius Pierre, 
Sanger, * 26. Sept. 1816 zu Aix en Provence, 
f 9. Jan. 1887 zu Marseille, dort Schuler von 
E. Arnaud, dann am Konservatorium in 
Paris, wo er indes, als seinen Eltern dieMittel 
ausgingen, keine Freistelle erhielt (Cherubini 
und Leborne meinten, er habe kein Talent), 
so daB sein alter Lehrer Arnaud ihn zu 
Ende ausbilden muBte. Sieben Jahre spater 
war A., der unterdessen bereits in Marseille, 
Briissel, Bordeaux und Lyon mit Erfolg 
aufgetreten war, erster Tenor an der Ko- 
mischen Oper zu Paris, Solist der Konser- 
vatoriumskonzerte und Mitglied der Jury 
des Konservatoriums. Von 1852 ab fiihrte 
er ein unruhiges Leben, gastierend und 
Kunstreisen machend, bis er sich 1861 in 
Marseille niederlieB, wo er 1863 Direktor 
und Gesangsprofessor des Konservatoriums 
wurde. A. hat auch eine Anzahl gefalliger 
Lieder geschrieben. 

Auer, Leopold [von], * 7. Juni 1845 zu 
Veszprem in Ungarn, am Budapester Kon- 
servatorium Schuler von Ridley Kohne, 
sodann am Wiener Konservatorium 1857 
bis 1858 von J. Dont, endlich zu Hannover 
von J. Joachim, erhielt seine erste Anstel- 
lung 1863 als Konzertmeister in Dussel- 
dorf, ging 1866 in gleicher Eigenschaft nach 
Hamburg und war seit 1868 zu Petersburg 
Soloviolinist des Kaisers und Violinprofessor 
am Konservatorium. 1887 — 92 leitete er 
die Konzerte der kaiserlichen russischen 
Musikgesellschaft. 1895 wurde er in den 
erblichen Adelsstand erhoben und 1903 
zum Staatsrat ernannt. Seit 191 1 lebte 
er bei Dresden, ging 1914 nach Petersburg 
zuriick, 1917 nach Oslo; im Februar 1918 
ging er nach Neuyork. Er schrieb : Violin 
Playing as I Teach it (1921); My Long Life 
in Music (1923); Violin Master Works and 
their Interpretation (Boston 1925). 

Auer, Max, * 6. Mai 1880 zu Vocklabruck 
(Ob.-Osterr.), absol'vierte die Lehrerbildungs- 
anstalt in Salzburg, war 1900 — 191 5 Volks- 
schullehrer und'machte 1912 in Wien nach 
autodidaktischer Ausbildung die Staats- 
priifung fur Musik. 1912 Prof. h. c. ; Musik- 
padagoge, Musikschriftsteller — vor allem 
Brucknerforscher, undChordirektor in seiner 
Geburtsstadt. Werke: Anton Bruckner, 
1906/7 entstanden (Wien 1923); A. Bruckner 
als Kirchenmusiker , 1912 (Regensburg 1927); 
A. Bruckner. Gesammelte Brief e. Neue 



Auffuhrungspraxis — Auftakt. 



77 



Folge (Regensburg) ; Vollendung der von 
Anton Gollerich begonnenen Biographie 
A. Bruckner Band II (2 Halbbande 1927), 
III und IV (in Vorbereitung) ; Studien und 
Aufsatze in Zeitschriften. 

Auffuhrungspraxis. — Vgl. Interpreta- 
tion. 

Auflosung nennt man die durch die 
spannende Wirkung einer Dissonanzbildung 
bedingte Fortschreitung einer oder mehrerer 
Stimmen. Je nach der Natur der Dissonanz- 
bildung wird entweder eine A. bei blei- 
bender Harmonie oder aber die Fort- 
schreitung zu einer neuen Harmonie er- 
wartet, ersteres. bei sogenannten Vorhalten, 
wo statt eines Akkordtones ein demselben 
benachbarter Ton eingestellt ist (kleine 
oder groBe Ober- oder Untersekunde, meist 
aus der vorausgehenden Harmonie heriiber 
gehalten), dessen nachtraglicher Wegtritt 
daher als A. der Dissonanz erwartet wird. 
z. B.: 




Dagegen drangen chromatisch veranderte 
Akkordtone (alterierte Tone) zur Fort- 
schreitung in eine neue Harmonie, der 
als Prim, Terz oder Quinte der Ton an- 
gehort, zu welchem der alterierte Ton leitet : 




Auf der Erfiillung solcher Erwartungen be- 
ruht die Selbstverstandlichkeit musika- 
lischer Entwicklungen, auf ihrer Nicht- 
erfullung das "Oberraschende von Anders- 
wendungen. ■■ In der neueren Musik werden 
vielfach Zusammenklange, die nach der 
Dreiklangslehre als dissonant gelten, wie 
konsonante Akkorde behandelt. Hieraus 
ergeben sich neue GesetzmaBigkeiten, die 
bis zur volligen Aufhebung des Auflosungs- 
bedurfnisses fiihren konnen. Anstelle der 
Nichtauflosung wird dann gerade die Auf- 
losung mit ihrer Einfiihrung von Kon- 
sbnanzen zum besonderen Ausdrucksmittel 
und unterliegt Beschrankungen in ihrer An- 
wendung, ahnlich wie im reinen Dreiklangs- 
stil.die Nichtauflosung der Dissonanz. 

Auflosungszeichen, auch Quadrat ge- 
nannt, (h),';hebt die Geltung : eines Kreuzes 
(If)' oder Be ([?), Doppelkreuzes (x) oder 
Doppel-Be (ftp) auf und stellt den Stammton 
wieder her. Soil nach einem versetzten 
Tone ein anderer versetzter derselben Stufe 
eintreten, so geniigt durchaus das diesen 
deutlich fordernde neue Zeichen, und 
es'. bedarf nicht aufierdem noch eines |jj,, 
das : das alte - aufhebt. Die fcj$, ty> Sind. also 



veraltete und ganzlich zwecklose Zeichen- 
haufungen. An deren Stelle hat Emil Ergo 
ebenso wie an Stelle der Doppelkreuze die 
folgenden neuen Zeichen vorgeschlagen : 
J+f (Doppelkreuz), }p (Doppel-Be) mit 
den entsprechenden Widerrufungen [33 
und fe] ; diese Zeichen verburgen voile 
Deuthchkeit der Absichten und vermeiden 
Zeichenhauf ung ; z. B.: 



oder 



* a i+ cis cisis cis c 

$T I H i p g 'p 



, as ascs as a 

1 P i n" ' ■ ' '?' " 



Dagegen sind manche Komponisten und 
Herausgeber allzu sparsam mit Versetzungs- 
zeichen, wenn sie in stark modulierenden 
Partien mit etwa vorgezeichneten Been 
und Kreuzen rechnen, die ganz aufier derri 
Bereich der gerade herrschenden Tonart 
liegen. Zur Vermeidung von Zweifeln emp- 
fiehlt es sich, Zeichen, die nur als Lesehilfe 
im Takt hinzugef iigt oder wiederholt werden, 
durch Einklammerung zu kennzeichnen. 
Aufsatze heiCen in der Orgel die Schall- 
becher der Zungenpfeifen, welche entweder 
aus Holz und dann umgekehrt pyramidal 
oder aus Metall (Orgelmetall, auch Zink) 
und dann trichterformig oder zylindrisch 
sind. Die A. sind zur Erzeugung der 
Tone der Zungenpfeifen nicht notig, wie 
man am Harmonium sieht, geben ihnen 
aber eine Kraft und Fiille, welche ohne sie 
nicht erreichbar ware. Je mehr sich die 

A. nach oben erweitern, desto glanzender 
und durchdringender, je mehr sie sich ver- 
engen, desto dunkler und ruhiger wird der 
Klang. Ubrigens ist die Hohe der A. nicht 
ohne EinfluB auf die Tonhohe; ein zylind- 
rischer Aufsatz von mehr als der halben 
Lange einer den Ton der Zunge gebenden 
offenen Labialpfeife vertieft den Zungenton 
erheblich, die ganze Lange vertieft ihn 
sogar um eine Oktave usw. Es scheint, 
daB in solchen Fallen auch die Metallzunge 
ihre Schwingungen denen der Luftsaule des 
Aufsatzes angleicht und ahnlich funktioniert 
wie membranose Zungen. Vgl. Blasinstru- 
mente. 

Aufschnaiter, Benedikt Anton, seit 
Georg Muffats Tode 1704 Kapellmeister der 
Kathedrale zu Passau, wo er 1742 starb, 
gab heraus: Cymbalum Davidis (4st. Vesper- 
psalmen mit Instrumenten 1729), Aquila 
clangens (4st. Offertorien mit Instrumenten 
1719). Concors discordia (Sonaten a 5:2 V ., 
2 Vie. und Vne. 1695) und Dulcis fidium 
harmonia (Kirchenkonzerte fur 2 V. di 
concerto, 2 V. di ripieno, Via., Vine, und 

B. c. 1703). 

Aufschnitt s. Labialpfeifen. 

Auftakt heiBt jeder mit einem. folgenden 
schwereren zur engeren Einheit des Motivs 
zusammengehorige Zeitwert, insbesondere 
auch jeder ein Tonstiick beginneiide Wert, 



78 



Augener — Aulin. 



der nicht auf den Niederschiag des Takt.es 
iallt (vgl. Dirigieren). z. B.: 



ft rTr? 



das vor dem ersten Taktstrich stehende 
Achtel. Unsere Notenschrift macht durch 
den Taktstrich und durch die Liicken 
zwischen den durch gemeinsame Balken 
verbundenen Achteln usw. die relativ schwe- 
ren Werte leicht erkennbar, weckt aber 
dadurch leider den Schein der engeren 
Zusammengehorigkeit der zwischen zwei 
Taktstrichen stehenden oder durch einen 
Balken verbundenen Noten : 




Es kann nichts Verkehrteres geben, als fort- 
gesetzt von einer schweren Note bis vor die 
nachste schwere Motive zu rechnen (a) und 
eine beginnende leichte sozusagen fur sich 
allein, als vorausgegeben zu betrachten oder 
wohl gar mit der SchluBnote zu verrechnen. 
Die Auftaktigkeit der Motive ist nicht nur 
eine mogliche Form, sondern der eigentliche 
Ausgang, die Urform alles musikalischen 
Lebens. Der Satz, dafl alle Figuration 
zunachst. im Prinzip, neue Auftaktwerte 
bringt, istzuerst 1806 von J. J.deMomigny 
(s. d.) aufgestellt worden und erst nach 
langer Pause aufs neue von H. Riemann 
in seiner Musikalischen Dynamik und Agogik 
(1884), wo der allmahliche Verfall der 
rhythmischen Theorie nachgewiesen ist. 
Uber die Bedeutung an die schweren Zeit- 
werte angehangter leichter Zeitwerte vgl. 
,,Weibliche Endung" und ,,AnschluBmotiv". 
TJber nicht als einfacher A. zum folgenden 
Motiv, sondern in hoherem Sinne zu einem 
folgenden Thema gehorende Uberleitungen 
vgl. „Generalauftakt". 

Augener &Co., bedeutendeLondonerVer- 
lagsfirma, gegriindet 1853 von George 
Augener (j 25 Aug. 1915), zuerst als 
Agentur deutscher Firmen (besonders C. F. 
Peters), bald aber selbstandig (Augener's 
Edition seit 1867), die sich schnell zu 
groBem Umfang entwickelte und sich auch 
in groBerem MaBstabe auf theoretische 
Werke ausdehnte (Prouts neunbandige Kom- 
positionslehre, Riemanns Vereinfachte Har- 
monielehre u. a.). Die Firma errichtete 
1878 eigene Stecherei und Druckerei, letztere 
unter Leitung von George A.s Sohn Wil- 
liam. Der Verlag brachte von Ernst Pauer 
revidierte Klassikerausgaben, auch Rie- 
mannsche Phrasierungsausgaben. Auch gibt 
dieFirma seit 1871 die M.usikzeitung Monthly 
Musical Record heraus (Mitarbeiter E. 
Prout, Fr. Niecks, E. Pauer, Dr. Shedlock, 
Dr. A.Eaglefield-Hullu.a.). Der kombinierte 
Verlag A. & Co. und Cocks & Co. wurde 1904 
in eine Genossenschaft mitbeschrankterHaft- 
pflicht umgewandelt (A. limited). 1910 zog 
der Griinder, George A., sich zuriick. Bei 



dieser Umwandlung gab die Firma u. a. 
die Ausgaben und Schriften Riemanns und 
die Erstlingswerke Max Regers an B. 
Schotts Sonne in Mainz ab. 1913 ging 
die Firma an B. Schott uber, doch wurde 
Schott durch den Krieg als Eigentiimer 
wieder beseitigt. 

Augmentation, 1) die Verlangerung des 
Themas (Verdoppelurig der Notenwerte, 
doppelt so langsam) in der Fuge und andern 
kontrapunktischen Bildungen. Vgl. Ver- 
kurzung. — 2) In der Mensuralmusik das 
Gegenteil der Diminution (s. d.), d. h. 
in der Regel nur die Wiederherstellung der 
gewohnlichen Notengeltung. Vgl. Pro- 
portion. 

Augsburg (Stadt). Vgl. O. Mair, 
A. Gumpehhaimer, Beitr. zur MG. Augs- 
burgs im 16. und ij. Jahrhundert (1908). 
Vgl. auch die eine fast vollstandige Musik- 
geschichte A.s bietenden Einleitungen von 
DTB. V 1 (Sandberger), IX 2 (Seiffert), 
X 1 (Kroyer), X" (Mair); ferner F. A. Witz, 
Versuch einer Gesch. der iheatral. Vorstel- 
lungen in A. (1876); A. Greiner, Die A.er 
Singschule in threw, inneren unci dujieren 
Aujbau (1924). 

Augustinus, Aurelius (Sanct A.), Kir- 
chenvater, * 13. Nov. 354 zu Tagaste in 
Numidien, | 28. Aug. 430 als Bischof von 
Hippo (jetzt Bone in Algerien). Die Werke 
des heil. A. enthalten sehr wichtige Zeugnisse 
uber den Stand der Musik in der altesten 
christlichen Kirche, besonders uber den 
sogenannten Ambrosianischen Gesang. A. 
wurde 387 durch Ambrosius selbst getauft 
und befreundete sich mit ihm aufs innigste. 
Er hat auch ein Werk De Musica libri VI 
geschrieben, das aber nur von der Metrik 
handelt (Ausg. mit Anm. Paris 1836). In 
seiner Psalmenerklarung benutzte A. altere 
Quellen. Das 10. Buch cap. 33 der Con- 
fessiones berichtet fiber die Tatigkeit des 
Athanasius von Alexandrien fur den Voftrag 
der Psalmen und enthalt musikasthetische 
Ausfiihrungen. Vgl. Karl Schmidt, De 
musicis scriptoribus Romanis (1899); Jean 
Hure, Saint Augustin musicien (1924). 

Aulen, Johannes, gediegener Kom- 
ponist des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich 
ein Deutscher, von dem eine dreistimmige 
Messe in den Codd. Z. 21 der Berliner Kgl. 
Bibliothek und 1494 der Leipziger Univer- 
sitats-Bibliothek und gedruckt eine Motette 
beiPetrucci 1505 erhalten sind. Vgl.Kirchen- 
musihalisches Jahrbuch 1897 (H. Riemann). 

Aulin, Tor, Violinist, * 10. Sept. 1866 
und J 1. Marz 1914 in Stockholm, Schuler 
von Emil Sauret und Philipp Scharwenka 
in Berlin, 1889 — 1902 Konzertmeister der 
Kgl. Oper in Stockholm, Stifter (1902) und 
Dirigent des Stockholmer Konzertvereins 
und seit 1909 Dirigent des Gothenburger Sin- 
fonieorchesters. 1887 griindete er das auch in 
RuBland und Deutschland geschatzte 
„Streichquartett Aulin" (Mitglieder 1912 : 
A., G. Molander, R. Claesson und S. Blom- 
quist; dazu als Pianist W. Stenhammar). A. 
erfreute sich auch als Virtuose eines bedeu- 



Aulin — Ausdruck. 



79 



tenden Rufes. Als Komponist trat er mit 3 
Violinkonzerten, einer Orchestersuite Meister 
Oluf op. 22, einer Sonate fur V. und Kl. 
D moll op. 12 und kleineren Violinsachen 
hervor (Kleine Suite, Idyllen, Stiicke op. 15, 
16, 18, 21). 

Aulin, Valborg, schwedische Kompo- 
nistin, Schwester von Tor A., * 9. Jan. i860 
zu Gafle, studierte 1877 — 82 am Stock- 
holder Kgl. Konservatorium, dann, 1885 
bis 1887, bei Gade und Godard. Sie ist 
Pianistin und lebt in Orebro. Schrieb: 
2 Streichquartette, Klaviersonate, Klavier- 
stiicke, Lieder, Chorwerke, Orchestersuite. 
[de l'JAulnaye (spr. do lona), Francois 
Henri Stanislaus, * 7. Juli 1739 zu Ma- 
drid von franzosischen Eltern, f 1830 in 
Chaillot bei Paris; kam fruh nach Versailles 
und wurde bei Grundung des Pariser Muse- 
ums als dessen Sekretar angestellt. Die Revo- 
lution brachte inn um seine Stellung, und 
er starb im Armenhause. A. schrieb De la 
saltation thedtrale (uber den Ursprung der 
Pantomime, 1790) und Memoire sur un 
nouveau systime de notation musicale (1785). 
Vgi. J. Wolf, Hb. d. Notationskunde II 
(1919). 

Aulos, altgriechisches Blasinstrument, 
war nach unanfechtbaren Ergebnissen neu- 
erer Forschungen (besonders A. Howard, 
The Aulos or Tibia, 1893) nicht eine Flote, 
sondern eine Schalmei mit doppeltem 
Rohrblatt, aber zufolge des zylindrisch ge- 
formten Rohres quintierend wie die Klari- 
nette, hatte auch bereits wie diese das 
Uberblaseloch (offoiyZ). Der Spieler des 
Instruments hieB Auletes, daher Auletik, 
s. v. w. Kunst des Aulosspiels; dagegen be- 
deutet Aulodie den Gesang mit Aulos- 
begleitung. Der A. wurde in verschiedenen 
Grofien gebaut (in der Lage der Manner- 
stimmen und der der Frauenstimmen). 
Der agonistische (d. h. fur Virtuosen- 
vortrage berechnete) A. hatte etwa die Ton- 
lage der Klarinette (tiefster Ton klein d 
oder e). Die Abbildungen zeigen stets 
den A. paarweise in den Handen der Spieler, 
den einen mit vielen Lochern und Klappen 
wohl furs Mitspielen der Gesangsmelodie, 
den andern, einfacheren, fur Pausen fiillende 
Zwischentone. Diese Frage ist noch nicht 
ganz geklart. Vgl. C. Sachs, Reallexikon 
der Musikinstrumente. Vgl. Launeddas. 

Aurelianus Reomensis, kirchlicher Mu- 
sikschriftsteller des 9. Jahrhunderts, dessen 
bei Gerbert Scriptores I S. 27 ff . abgedruckte 
Musica die altesten abendlandischen Mit- 
teilungen uber die melodische Eigenart 
der 8 Kirchentone enthalt (auch wichtige 
Bemerkungen uber den EinfluB der rhyth- 
mischen Beschaffenheit des Textes auf die 
Struktur der Melodie). Vgl. Riemann, 
Handbuch der MG. I 2 S. 56I 
Auriac s. d'Auriac. 

Auric (spr. 5rik), Georges, franzosischer 
Impressionist, * 15. Febr. 1899 zu Loddve 
(Herault), Schuler des Pariser Konservato- 
riums (G. Caussade) sowie V. d'Indys in der 
Schola Cantorum. A. gehorte der sogenann- 



ten Gruppe der ,,Sechs" an; er ist jetzt Mu- 
sikkritiker der Nouvelles Litteraires. Er 
schrieb: Ballette: Les Noces de Gamache; Les 
Fdcheux; Les PSlicans; Les Matelots Paris 
1925, Gaite); La Pastorale (1926, Russisches 
Ballett) ; komische Oper, einaktig : La Reinc 
de cceur. Fur Orchester: Fox Trott; Noc- 
turne; Suite; fur Klavier: drei Pastorales; 
Gesange: Les Joues en feu; Alphabet- Recueil 
de Chansons pour enfants. 

Aurresku, spanischer Tanz aus der bas- 
kischen Provinz; das baskische Wort A. 
bedeutet ,,rechte Hand". Der Tanz heiflt 
auch eskudanza oder baile real und besteht 
aus 8 Teilen, zu denen der zortzico, der 
fandango und ein Final- Galopp gehoren. Vgl. 
F. Gascue, LI A. en Guipuzcoa a fines del. 
sigh XVIII. 

Ausdruck (ital. Espressione, franz. Ex- 
pression) nennt man die feinere Nuancierung; 
im Vortrage musikalischer Kunstwerke, wel- 
che die Notenschrift nicht im einzelnen aus- 
zudriicken vermag, d. h. alle die kleinern 
Verlangsamungen undBeschleunigungen, so- 
wie die dynamischen Schattierungen, Ak- 
zentuationen und verschiedenartigen Ton- 
farbungen durch die Art des Anschlags 
(Klavier), Strichs (Violine usw.), Ansatzes . 
(Blasinstrumente, Singstimme) usw., welche 
in ihrer Gesamtheit als ausdrucksvoller 
Vortrag bezeichnet werden. Wollte der 
Komponist alle die kleinen Akzente mit 
a > sf usw. bezeichnen, die beim kunstgerech- 
ten Vortrag eines Werkes unerlafilich sind, so- 
wiirde er die Notenschrift iiberladen; zugleich 
wurde aber auch der ausfuhrende Kunstler 
durch die Lektiire der vielen Zeichen uber- 
Gebuhr belastet und in der freien EntfaJ- 
tung lebendigen Vortrages behindert werden.. 
Beim Zusammenspiel vieler, im Orchester,. 
ist es zwar nicht wohl moglich, der Subjek- 
tivitat viel Spielraum zu lassen ; das Espres- 
sivo mufl sich daher auf solistische Stellen 
einzelner Instrumente beschranken, wah- 
rend das Tutti sich an die vorgeschrie- 
benen Zeichen resp. die des Dirigenten 
zu halten hat; im Tutti ist der eigentliche 
vortragende Kunstler der Dirigent. Es. 
ist nicht leicht, fur den A. bestimmte 
Regeln zu geben, aber es ist immerhin mog- 
lich ; sonst wiirden nicht alle guten Kunstler 
dieselben Abweichungen von der starren 
Gleichformigkeit der Ausfuhrung der Notie- 
rung machen. Versuche, zu allgemeinen Ge- 
sichtspunkten zu gelangen, sind erst in neu- 
erer Zeit von verschiedenen Theoretikern 
gemacht worden. Das beste in fruherer Zeit 
Geleistete ist der von J. A. Peter Schulz. 
geschriebene Artikel Vortrag in Sulzers The- 
orie der schonen Kunste (1772), auch Chr. Fr.. 
D. Schubart hat sich in der Vorrede zu. 
seinen Musikal. Rhapsodien 1786 uber den; 
A. geaufiert. Nur geringe Ausbeute geben. 
Avison 1752 und Schilling 1843. Von 
neueren Arbeiten sind zu nennen Ad. Kul- 
laks Asthetik des Klavierspiels (1861), Mathis. 
Lussys TraitS de V expression musicale (1873, 
deutsch von Voigt 1886) und Vanacrouse- 
dans la musique moderne (1903), OttoKlau- 



80 



Ausgleichung — Aussprache. 



wells Der Vortrag in der Musi ft (1883), 
H.Riemanns Musikalische Dynamik und 
Agogik (1884) und System der musikalischen 
Rhythmik und Metrik (1903), A. J. Chri- 
stianis Das Verstdndnis im Klavierspiel 
{1886), KarlFuchs' Die Zukunft des musi- 
kalischen Vorirags (1884) und Die Freiheit 
des musikalischen Vortrags (1885), Franz Kul- 
laks Der Vortrag zu Ende des ig. Jahrhun- 
derts (1897), K. Anton, Beitrdge zur Ge- 
schichte und Psychologie des Vortrags (1919); 
R, Cahn-Speyer, Handbuch des Dirigie- 
rens (1919), W. Heinitz, Musikal. A.-Stu- 
dien an Phonogrammen (ZfMW. Juni/Juli 
1927). Die groBe Abweichung dieser Arbeiten 
in ihren Ergebnissen beweist, wie viel hier 
noch zu tun ist. Nur einiges Allgemeine kann 
man als erwiesen erachten. Was zunachst 
die kleinen Tempoveranderungen an- 
langt, so ist zu bemerken, dafi die Beschleu- 
nigung eine Steigerung, die Verlangsamung 
deren Gegenteil bedeutet, daB daher in der 
Regel ein geringes Treiben, Drangen am 
Platze sein wird, wo die musikalische Ent- 
wicklung noch eine ansteigende, zunehmende 
ist, ein Verweilen dagegen, wo sie ihr Ziel 
erreicht hat (langere weibliche Endungen 
gehen dann von der starksten Dehnung all- 
mahlich wieder zuriick). Die Veranderungen 
diirfen natiirlich in der einzelnen musikali- 
schen Phrase nur sehr klein sein, konnen aber 
fur ein langer ausgesponnenes Thema schon 
bedeutender werden und erreichen fur ganze 
Satze oft eine Ausdehnung, welche die Noten- 
schrift durch stringendo oder ritardando an- 
zeigt. Das Anwachsen der Tonstarke ist 
gleichfalls eine Steigerung, das Abnehmen ein 
N-achlassen; die naturgemaBe Dynamik der 
Phrase ist das Crescendo bis zu ihrem Schwer- 
punkte und das Diminuendo von diesem 
nach dem Ende hin. Der dynamisch-ago- 
gische Ausdruck eines Motivs ist allgemein 
zu charakterisieren durch: 

Auftakt: Enciung: 
stlingendo abnthmende Dehnung 

Gewohnlich geht die melodische Bewegung 
damit derart Hand in Hand, daB die sich 
steigernde Phrase zugleich melodisch stei- 
gend, die abnehmende fallend ist. Die Ab- 
weichungen von diesen allgemeinsten Regeln 
wird der Komponist meist anzeigen, z. B. 
ein Diminuendo bei steigender Melodie oder 
beim Stringendo , desgleichen ein Ritardando 
bei steigender Melodie und Crescendo. Ferner 
gilt als Regel, daB das Besondere, d. h. im 
einfachen melodischen, rhythmischen, har- 
monischen Verlaufe Aulfallcnde hervor- 
gehoben (akzentuiert) wird, zunachst in 
harmonischer Beziehung das Auftreten von 
Akkorden, die der Tonart sehr fremd sind, 
oder die Einfiihrung von Vorhalten vor 
Akkordtonen (durchgehende Dissonanzen 
machen dagegen im allgemeinen auf Akzent 
keinen Anspruch). Die Modulation in eine 
andere Tonart wird in der Regel crescendo 
geschehen ; auf die Akkorde oder Tone, wel- 
che sie bewirken, muB die Aufmerksamkeit 
.hingelenkt werden. Eine scharfe Dissonanz 



durch akzentloses Spiel rnildern wollen. 
hiefie sie vertuschen, die Aufmerksamkeit 
von ihr ablenken; die Wirkung ware ein nicht 
geniigendes Auffassen dieser Scharfe, ein 
Nichtverstehen, eine Unklarheit, von ahnlich 
schlechter Wirkung wie der Querstand (s. d.). 
Doch kann natiirlich der Komponist mit 
kiinstlerischem VollbewuBtsein die gegen- 
teilige Vortragsweise verlangen, er kann im 
Diminuendo die abenteuerlichsten Modula- 
tionen machen, kann die scharfsten Disso- 
nanzen im Pianissimo bringen usw. ; der er- 
zielte Eindruck wird dann der des Fremd- 
artigen, Sonderbaren, Marchenhaften, Un- 
heimlichen usw. sein, eben zufolge der ab- 
sichtlich vermiedenen vollen Klarheit. Aber 
auch hier muB das Abnorme, die Abweichung 
vom schlichten Vortrage, vom Komponisten 
besonders verlangt werden. In der Neuen 
Musik ist die Dissonanz, sofern sie nicht in 
der melodischen Linie auftritt, sondern nur 
farbender Bestandteil der Harmonik ist, 
nicht besonders hervorzuheben. 

Ausgleichung der Register der Sing- 
stimme s. Register. 

Ausgleichungsbalg ( K o n k u s s i o n s b a 1 g) , 
in der Orgel ein nahe am Windkasten auf 
eine Offnung des Kanals gelegter kleiner 
Balg, dessen Oberplatte durch eine Feder 
halb aufgezogen erhalten wird, der aber bei 
jeder plotzlichen Verdichtung oder Verdiin- 
nung der Luft (durch Unvorsichtigkeit des 
Kalkanten oder ubermaBigen Windverbrauch 
bei vollen Akkorden) entweder durch Auf- 
nehmen iiberflussiger Luft oder durch Aus- 
gehen der in ihm enthaltenen die Gleich- 
maBigkeit der Windstarke regelt. 

Auslosung (franz. echappemeni), die Vor- 
richtung in der Mechanik des Pianoforte, 
welche bewirkt, daB die Hammerchen sofort 
nach der Beriihrung der Saiten in ihre frii- 
here Lage zuriickfallen. S. Klavier. 

Aussprache des Textes beim Ge- 
sange. In neuerer Zeit wird auf eine deut- 
iiche A. besonderes Gewicht gelegt, da in 
der modernen Richtung der Vokalkomposi- 
tion vom Liede bis zur Oper das Singen des 
Textes mehr ein gesteigertes Sprechen, in 
der Regel mit nur einem Tone auf jede Silbe, 
ist; in dem bei canto der italienischen Oper, 
wo der vokalreichere Text mehr nur den 
Gesang tragt, tritt die deutliche Aussprache 
zuriick gegeniiber der Schonheit der Ton- 
bildung. Es muB zugegeben werden, daB 
die verschiedenen Vokale zufolge ihrer na- 
tiirlichen Resonanz (beim Sprechen) leicht 
zu einer Verschiedenheit des Ansatzes der 
Tone Ursache geben, welche sich ohne Be- 
eintrachtigung der Reinheit mancher Vo- 
kale nicht vollig vermeiden laflt (s. Ansatz); 
es ist daher im Interesse eines schonen, aus- 
geglichenen Gesanges naheliegend, dem i, e, 
a auf der einen und dem u, o auf der andern 
Seite etwas von ihrer Scharfe, resp. Dumpf- 
heit zu benehmen. Das laBt sich erreichen, 
ohne daB die gesamte Vokalisation in einem 
mittlern 6-artigen Laute untergeht und der 
ganze Gesang einen instrumentalen Charak- 
rer annimmt. Besondere Schwierigkeiten ver- ■ 



Austin — Auswahl vorzuglicher Musikwerke. 



81 



ursacht dem Sanger die A. der Konsonanten 
i und r, zumal vor a, da bei ersterem die 
stark gekriimmte Zunge leicht in ihrer Stel- 
lung verharrt und die Resonanz beeintrach- 
tigt und bei letzterm Neigung vorhanden 
ist, dem a Resonanz dicht am Gaumen zu 
geben; beides ist durch gewissenhafte Ubung 
leicht zu vermeiden, wenn man nur darauf 
achtet, daB die A. des Konsonanten schnell 
und scharf erfolgt, danach aber jeder Rest 
desselben in der Mundstellung beseitigt 
wird. Auch kann das Gaumen-r durch das 
Zungen-r ersetzt werden. Von Anfangern 
im Gesange wird vielfach darin gefehlt, daB 
sie zu friih vom Vokal auf den nachfolgenden 
Konsonanten ubergehen, so daB eine Lucke, 
ein Absetzen, eine Verkiirzung des Zeit- 
werts entsteht; noch arger ist es, wenn bei 
w, v, f, 1, m, n, r, s ein etwaiger Rest des 
Notenwertes mit der fur den Konsonanten 
erforderlichen Mundstellung gesungen wird, 
d. h. die Wirkung eines ww — w, vv — v, 
ff — f, 11 — 1, mm — m, nn — n, rr — r, ss — s ent- 
steht. Auch beim Gesang der Doppelvokale 
(Diphthonge) wird von Ungeschulten oder 
Anfangern vielfach gefehlt. Man kann nicht 
el, air, eu, sondern nur ai, aii, 6i, was falsch, 
oder ai (aj), au (aw), 6i (oj) singen, was 
richtig ist. Uber die verschiedenartige mdg- 
liche Resonanz der Vokale im Hohlraum des 
Mundes vgl. Ansatz. Die Frage, ob inner- 
halb der Worte die Konsonanten, welche 
Ton erhalten konnen (Halbvokale: j, r, 1, 
m, n, w, v), auf den Ton des vorausgehenden 
oder nachfolgenden Vokals zu singen sind, 
ist dahin zu entscheiden, daB die korrekte 
Silbenteilung nach dem Sinn maBgebend ist, 
■d. h. daB zusammengesetzte Worte in ihre 
Elemente zerlegt werden, z. B. ver — lassen 
(r auf den Ton von e, 1 auf den Ton von a zu 
singen, ebenso An — lafi, ver — jiingt, All — 
macht usw.) ; auch wo tonlose oder tonlich 
indifferente Konsonanten (b, p, d, t, g, k, 
f, z, ch, s, sch, h) neben den tonenden auf- 
treten, ist diese Unterscheidung von Be- 
•deutung, z. B. halb — laut (nicht hal — blaut 
oder ha — -lblaut). Wo der Sinn nicht gebietet, 
■die Worte zu zerreiBen, ist dagegen das 
Singen samtlicher tonenden. Zwischenkonso- 
nanten auf den folgenden Ton das Verstand- 
nis fordernd, z. B. a — rme, ha— lbe; 11, mm, 
nn, rr sind ganz deutlich als Doppelkonso- 
nanten auszusprechen, indem der erste auf 
den vorausgehenden, der zweite auf den 
folgenden Ton gesungen wird: hal — len, 
har — ren, zusam— men, Min — ne. Der ita- 
lienische Gesang fordert sehr haufig die 
schnelle Folge mehrerer Vokale nachein- 
ander, sogar auf sehr kurze Tongebung in 
Fallen, wo der Dichter dieselben verschleift 
gemeint und als eine Silbe gezahlt hat und 
■der Komponist ihm darin folgt (z. B. il 
mio^amore) ; dergleichen dem deutschen Ge- 
sange ganzlich fremde Dinge setzen freilich 
eine griindliche Schulung durch Vokalisen 
voraus. 

Austin (spr.astin), Ernest, engl. Kompo- 
nist, Bruder von Frederic A., * 3 1 . Dez. 1 874 zu 
.London ; erst Kauf mann, wurde Musiker erst 

Riemann, Musik-lexikon. 11. Aufl. 



mit 2>7 Jahren, erhielt einigen Unterricht 
von F. Davenport, ist aber praktisch Auto- 
didakt. Seine Variationen fur Streichorche- 
ster op. 35 Vicar of Bray wurden 1910 ff. in 
Queen's Hall aufgefiihrt; seine Hymn of 
Apollo fur Chor und Orchester op. 3g 1918 
von der Leeds Choral Union; die Stella Mary 
Dances op. 58 1918 in Queen's Hall; seine 
Ode on a Grecian Urn (Keats) op. 47 1922. 
Seine Werke tragen sehr moderne Pragung. 
Aufierdem: mehrere (14) Sonatinen uber# 
engl. Volkslieder fur Kinder op. 38; ein urn- 
fangreicher Zyklus von Orgelwerken, ange- 
regt durch Bunyan's Pilgrim's Progress, op. 
41 (in 12 Teilen); eine groBe Masse klavier- 
pad. Musik; Kammermusik; Lieder; im 
ganzen bis 1927 70 opera. Buch: The Fairy- 
land of Music (1922). Er ist auch als ly- 
rischer Dichter hervorgetreten : Songs from 
the Ravel. 

Austin(spr.astin) ,Frederic, engl.Bariton, 
Opernsanger und Komponist, Bruder von 
Ernest A., * 30. Marz 1872 zu London; Ge- 
sangsschtiler von Charles Lunn; in derKom- 
position Schiiler hauptsachlich seines Onkels, 
Dr. W. H. Hunt. Seit 1904 ist er einer der 
gesuchtesten Sanger bei den englischen Mu- 
sikf esten ; erster Baritonist an Covent Gar- 
den; bei Beecham, an His Majesty's und 
an andern Biihnen ; bei Denhof 's Wagner-Auf- 
fuhrungen; auch in Deutschland, Holland 
und Danemark. 1924 wurde er als kunstle- 
rischer Direktor der British Nat. Opera 
Co. angestellt. Von ihm stammt eine er- 
folgreiche Neubearbeitung von Pepuschs 
Beggar's Opera (London 1920). Spater schrieb 
er auch eine neue musikalische Version der 
Fortsetzung der Bettler-Oper, Polly. Seine 
andern Biihnenwerke sind: Musik zu The 
Knight of the Burning Pestle (1921); The 
Insect Play (1922) und zu Congreve's Way 
of theWorld (1924). AuBerdem: Orch. : Rhap- 
sody Spring (ms.), London 1907 ; Sinf. Dicht. 
Isabella (ms., Liverpool 19 12); Sinfonie Edur 
(London igi^); Palsgaard, dan. Skizzen (ms., 
London 1916); 3 Ges. mit Orch. Songs of 
Unrest (Birmingham 1913); 3 Ges. Love's Pil- 
grimage mit Kl. und Streichquartett und 
Songs in a Farmhouse fur Soli, Streichquart. 
und Kl. ; Kl.-Stucke; 3 Tanze aus The In- 
sect Play. 

Australien. Vgl. R. Musiol, Uber die 
Musik bei den Eingeborenen A .s (Neue Berl. 
Musikztg. 1872); K. Hagen, Xiber die Mu- 
sik einiger Naturvolker — Australier, Mela- 
nesier, Polynesier (1892); E.M. v. Horn- 
bos tel, Notiz uber die Musik der Bewohner 
Sud-Neumecklenburgs (Sammelb. fur Vergl. 
MW. I, 1922); derselbe, Die Musik auf 
den nordwestl. Salomo-Inseln (in : Thurnwald, 
Ethnogr. Forschungen . . . 191 2). 

Auswahl vorzuglicher Musikwerke in 
gebundener Schreibart von Meistern 
alter und neuer Zeit. Zur Forderung des 
hoheren Studiums der Musik, unter Aufsicht 
der musikalischen Sektion der Kgl. Akade- 
mie der Kiinste in Berlin herausgegeben 
(Berlin 1825 — 41, 16 [mit den Supplementen 
2o]Lieferungen,48 [6o]Mustertonsa,tze von 

6 



82 



Ausweichung — Averkamp. 



Meistern des 17. — 19. Jahrhunderts [von 
Frescobaldi und Heinrich Schiitz bis Reis- 
siger], meist vokale und instrumentale Fu- 
gen und Kanons, im ubrigen imitierend ge- 
setzte Messenteile und Motetten). Vertreten 
sind u. a. Schiitz, Reiser, Steffani (Kam- 
merduett), Perti, Lotti, Caldara, Leo, Fux, 
Handel, Astorga, Pergolesi, Marcello, Tele- 
mann, Pachelbel, Graun, Hasse, Durante, 
Feo, J. Christoph Bach, J. S. Bach, Friede- 
* mann Bach, Ph. Em. Bach, Marpurg, Kirn- 
berger, Jommelli, Albrechtsberger, Mozart, 
Mich, und Jos. Haydn, Clementi, Naumann, 
Reichardt, Salieri, Homilius, Fasch, Zelter, 
GaBmann, Fr. Schneider, B. Klein, Rungen- 
hagen, Spohr, Harrer, Henning, Horsley, 
M. G. Fischer, Kelz, Fesca und als einziger 
des 16. Jahrhunderts Palestrina (Tu es Pe- 
trus 6 v.). 
Ausweichung s. Modulation. 
Auteri-Manzocchi, Salvatore, *25.De- 
zember 1845 in Palermo, j 22. Febr. 1924 in 
Parma; gelangte erst mit 23 Jahren zum 
Studium der Musik bei Platania in Palermo 
und Mabellini in Florenz, war erst in Triest, 
dann in Parma ansassig, wo er 1891 — 1910 
GeSangslehrer, zeitweilig auch Vizedirektor 
am Konservatorium war. Viele seiner Ro- 
manzen sind dank ihrem melodischen Reich- 
turn und ihrer Urspriinglichkeit popular ge- 
worden. Opern: Marcellina (unauf gefuhrt) ; 
Dolores (Florenz 1875, sein erfolgreichstes 
Werk); II negriero (Barcelona 1878); Stella 
(Piacenzai88o), mit derdieReihe seiner Mifi- 
erfolge beginnt; II Conte di Gleichen (Mai- 
land, Dal Verme 1887); Graziella (id., Tea- 
tro Lirico 1894); Severo Torelli (Bologna, 
T. Duse 1903). 

Authentische Tone s. Kirchentone. 
Auto (span., Akt), heiBt in Spanien jede 
offentliche oder gerichtliche Handlung (z. B. 
A . da Fe, s. v. w. actus fidei [Glaubensge- 
richt]), insbesondere aber dramatische Dar- 
stellungen aus der biblischen Geschichte, 
Mysterien (Autos sacramentales), bei denen 
auch Musik zur Anwendung kam. Die hervor- 
ragendsten spanischen Dichter (J. dell' En- 
cina, Lope de Vega, Calderon) haben solche 
Autos geschrieben. 1765 wurden sie durch 
konigl. Befehl verboten. 

Autograph (griech. selbst geschrieben) heiBt 
ein Schriftstiick von der eignen Hand des 
Verfassers. Fur die Herausgabe eines Musik- 
werks ist die Erhaltung des A.s besonders 
bedeutsam, wenn der Autor die Drucklegung 
nicht selbst uberwacht hat; in diesem Falle 
aber ist der authentische Text natiirlich der 
Druck, streng genoimneii der Korrekturab- 
zug des Autors. Bei der einzigartigen Be- 
deutung des A.s ist es zu begruBen, daB der 
Musikliebhaber A. van Hoboken 1927 bei der 
Wiener Staatsbibliothek ein Archiv fur Pho- 
togr. mus. Meisterhandschriften begriindet hat, 
das die wichtigsten erhaltenen A.e von Wer- 
ken der Klassiker in sich vereinigen soil. 
Vgl. Kopie. 

[d'JAuvergne (spr. dowarnj), Antoine, 
* 3. Okt. 17 1 3 zu Clermond- Ferrand, 
I 11. Febr. 1797 zu Lyon, Sohn eines 



Violinspielers, ging 1739 nach Paris, wo er 
vom Violinisten der groBen Oper schlieBlich 
zum Oberintendanten emporstieg. A. schrieb 
1752—7 1 eine Reihe Tragedies lyriques ( Enee 
etLavinieiysS, Hercule mourant 1761, Poly- 
xine 1763), Ballettopern (Les amours de 
Tempi, Les fetes d' Euterpe), auch zwei ein- 
aktige Intermedien (Les troqueurs [30. Juli 
1753, Textvon Vadejund La coquette trompee 
[13. Nov. 1753, Text von Favart]). welche 
zu den ersten franzosischen komischen Opern 
zahlen; auch 6 Sonates en Trio op. 1 (1739) 
und weitere 6 op. 4 (1751), Soloviolinsonateh 
mit B. op. 2 (1739) und Concerts de sym- 
phonies a 4 parties op. 3 (175 1). Vgl. Du 
Roure de Paulin La vie et les ceuvres d'A . 
d?A. (1911) und L. de la Laurencie, Deux 
imitateurs francais des bouffons: Blavet et 
£A. (L'annee musicale 191 2). A. schrieb 
auch seit 1763 Motets fur die Concerts spiri- 
tuels und wurde 1776 vom Konig zum Com- 
positeur de I'Academie Roy. de Musique er- 
nannt (fur Bearbeitung alterer Opern). Vgl. 
Vannee musicale 1911, S.6of. ( Saint-Foix). 
Ave [Maria], der GruB des Engels Ga- 
briel bei der Verkundigung Maria; als weite- 
rer Text folgt der GruB der Elisabeth und' 
eine Bitte an die Jungfrau. 

Ave Regina Coelorum s. Marien-Anti- 
phonen. 

Avenarius, Thomas, aus Eilenburg (Pro- 
vinz Sachsen), Organist zu Hildesheim, gab 
heraus Amorosische Gesdnglein (1614), Con- 
vtvium musicale (1630, funfsatzige Tanz- 
suiten, bestehend aus Pavane, Gaillarde, 
Courante, Intrada, Balletto) und Virida- 
rium musicum (1638.) 

Aventihus, Johannes, eigentlich Joh. 
Turmair, nannte sich A. nach seiner Vater- 
stadt Abensberg (Bayern), * 4. Juli 1477, 
t9. Jan. 1534; verfaBte die Annates Bojo- 
rum, welche, was Musik anlangt, nur mit 
Vorsicht zu benutzen sind. Nicht verfaBt, 
sondern nur herausgegeben von A. sind die 
Musicae rudimenta admodum brevia etc. 
(15 16, von Nikolaus Faber). 

Averkamp, Anton, * 18. Febr. 1861 in 
Willige Langerak, Schuler von Dan. de 
Lange (Amsterdam), Fr. Kiel (Berlin), Rhein- 
berger, Ad. Schimon und Hans Hasselbeck 
(Miinchen) und zuletzt von Messchaert in 
Amsterdam, Direktor einer eigenen Gesang- 
schule in Amsterdam, seit 1919 Direktor der 
Musikschule der Maatschappij tot Bevorde- 
ring der Toonkunst in Utrecht, 1890 — 1918 
Dirigent eines von ihm gegriindeten a cap- 
pella-Chors, mit dem er altcre Musik zum 
Vortrag brachte und vielfach, auch im Aus- 
lande, konzertierte. Er schrieb: Sinf. Dicht. 
Elaine und Lancelot op. 7; Chorwerke mit 
Orch. Decora Lux, Die versunkene Burg; a 
capp. A dstant angelorum chori und Te deum ; 
Sonate fur V. und Kl. op. 2 D dur; Lieder; 
eine unauf gefiihrte Oper DeHeidebloem ; eine 
einsatzige Sinfonie F dur. Buch : Uil mijn 
practijk. Wenken en raadgevingen bij het 
onderwijs en de studie van den solozang (Gro- 
ningen 1916). 



Avignon — Azzajolo. 



83 



Avignon. Vgl. A. Gastoue, La Musique 
a A. (igoo); J. G. Prod'homme, La So- 
ci&te Stiinte-Ce'cile £ A . au X VIII<> si&cle 
(Sammelb. d. IMG. VI, 1905). 
. Avison (spr. awiss'n), Charles, * 1710 
und I 9. Mai 1770 zu Newcastle-upon-Tyne, 
Schiiler ;von Fr. Geminiani, 1736 Organist 
in seiner Vaterstadt, veroffentlichte einen 
Traktat iiber den musikalischen Ausdruck: 
AnEssay onMusical Expression (ly 52, 3. urn- 
gearbeitete Auflage 1775, deutsch 1775; 
nicht bedeutend), derdurch W. Hayes 1753 
scharf angegriffen wurde, worauf A. repli- 
zierte, sowie 26 Concerii a 7 (4 V., Via., Vc. 
Be. 1755), 12 Klavierkonzerte mit Streich- 
quartett (1766) und 18 Quatuors fur Kla- 
vier mit 2 V. und Vc. (1756 — 64). A. gab 
1757 mit J. Garth die Psalmen von Mar- 
cello mit englischem Text heraus (mit einer 
Biographie Marcellos). Avisons Erfindung 
ist armlich; aber er ist einer der ersten, 
welche die von Fr. Geminiani aufgebrachte 
detaillierte dynamische Vortragsbezeichnung 
mit > (rinforzando). annahmen. 

Avossa, Giuseppe d'. Vgl. Abos. 

Awraamow, Arsseni Michailowitsch, 
russ. Musikschriftsteller, Schiiler des Mos- 
kauer Konservatoriums (Tanejew), seit 1923 
Mitglied des Musikwiss. Instituts in Moskau. 
Seit 1912 tritt er fur die Einfuhrung des 
48-stufigen temperierten Universaltonsys- 
tems ein und Heferte (in : Musikalischer Zeit- 
genosse, Melos u. a.) einige wertvolle Bei- 
trage zu akustischen Fragen. 

Axman, Emil, mahrischer Komponist, 
* 3. Juni 1887 zu Ratay, Mahren; Schiiler 
u. a. von V. Novak; promovierte an der Pra- 
ger Universitat auf dem Gebiete der Musik- 
wissenschaft, und ist seit 191 3 Musikarchivar 
am Prager Volksmuseum. Studie: Mahren 
in der tschech. Musik des ig. Jahrhunderts. 
Chorwerke, darunter die Kantate Meine 
Mutter fur Soli, Chor und Orch. ; Gesangs- 
Zyklen: Z Vojny (Aus dem Kriege), Duha 
(Regenbogen). 2 sinf. Dicht. : Srnutky a na- 
. I dlfe (Trauer und Hoffen); Jasno. 3 Kl.-So- 
" naTen, Sonate fur V. und Kl. ; Sonate fiir Vc. 
und Kl. ; 2 Streichquartette ; Kl.-Trio ; eineSin- 
fonietta, Suite fiir Orchester; zwei Sinfonien. 

Ayr s. Arie. 

Ayres and Dialogues, 1) Select A. andD., 
2 Teile (London 1652, vermehrte Auflage 
1653, 1659, 1669), beruhmte Sammlung 
1 — 3 st. englischer Gesange zur Laute, The- 
orbe oder BaB viola (Komponisten: H. La- 
wes, W. Webb, J. Wilson, Chr. Colman, N. 
Laniere, W. Smegergill, Ed. Colman, Jer. 
Savile). — 2) New A. andD., eine ahnliche, 
1678 in London gedruckte Sammlung, die 
aber auBer Gesangen zu 1 — 3 Stimmen mit 
Violine von H. Lawes, W. Lawes, J. Blow, 
W. Webb, H. Purcell, Js. Blackwell, Abr. 
Coatts, Ed. Coleman, J.Hart, Porter, Staf- 
ford, W. Turner, B. Wallington, Seignior 
William, Michael Wise und W. G.( ?), auch 
Instrumentalstucke (lessons for viols or vio- 
lins) von J. Banister, Th. Lowe, Th. Bee- 



donn, Th. Farmer, Theoph. Hawney, J. Jen- 
kins und W. L[awes] enthalt. 

Ayrton (spr. ert'n), Edmund, * 1734 zu 
Ripon, j 22. Mai 1808 zu London; langjah- 
riger Chormeister des Knabenchors der ko- 
niglichen Vokalkapelle in London, hat einige 
Kirchenmusiken (zwei Morgen- und Abend- 
services, Anthems) geschrieben. 

Ayrton (spr. ert'n), William, Sohn von 
Edmund A., * 24. Febr. 1777 zu London, 
f 8. Marz 1858; zeitweilig Vorstandsmitglied 
der Philharmonischen Gesellschaft, mehr- 
fach Operndirigent am koniglichen Theater 
und als solcher sehr verdient urn die Auf- 
fuhrung Mozartscher Opern, gab 1823 — ^^ 
(mit Clowes) die wichtige Musikzeitung 
Harmonicon heraus (monatlich), schrieb 
1 8 1 8 uber Logiers System und redigierte zwei 
Sammelwerke praktischer Musik: Knight's 
Musical Library (1834 — 37, 8 Bde. nebstMo- 
nats-Supplementen und Biographien) und 
Sacred Minstrelsy (2 Bde. 1835). 

Azevedo, Alexis Jakob,* 18. Marz 1813 
zu Bordeaux, f 21. Dez. 1875 in Paris; mu- 
sikalischer Mitarbeiter verschiedener Pari- 
serZeitungenf Siicle, France musicale,Presse, 
1859 — 70 Opinion nationale), auch mehrmals 
Unternehmer einer eigenen Musikzeitung 
(1846 La critique musicdle, 1874 Les doubles 
croches), war ein leidenschaftlicher Verehrer 
Rossinis und schrieb Rossini, sa vie et ses 
ceuvres 1865, auch eine Biographie Fel. Da- 
vids (1868) und trat fur die von Cheve an- 
gestrebte Reform der Notenschrift (Ziffern- 
system) mit mehreren Broschuren ein. 
Azione sacra' s. v. w. Oratorium. 

Azkue, Resurreccion Maria de, span. 
Komponist, Philologe und fuhrender Musik- 
forscher der baskischen Gruppe, Direktor 
der Academie de la Lengna Vasca (Akademie 
fiir Baskische Sprache), Bilbao. Schrieb: 
Vizcaytik Bizkaira, 3 akt. zarzuela; Pasa de 
chimbos, 2 akt. zarzuela ; Eguzkia nora, desgl. ; 
Colonia inglesa, 3 akt. kom. Oper; Sasi- 
escola, 1 akt. zarzuela; Aitaren bildur, desgl.; 
Ortzuri, 3 akt. Oper; TJrlo, desgl. — Folk- 
lore: La musica popular vascongada; Musica 
popular vasca; Cancionero popular vasco (bis- 
her 11 Bande; Barcelona). Kirchenmusik : 
Jesusen Biotzaren ila, Meditationen ; Cdn- 
ticos religidsos; Cdnticos a Nuestra Seriora; 
Coro y Ires estrofas en honor de San Jose. 

Azopardi (Azzopardi), Francesco, Ka- 
pellmeister in Malta um die Mitte des 18. 
Jahrhunderts, Komponist von Kirchenmusik 
und Verfasser von i7 musico pratico (1760; 
franz. von Framery 1786, Neuausgabe von 
Choron 1824). Vgl. P. Pullicino: Notizia 
biogr. di F. A. (1876). 

Azzajolo (Azzajuolo), Filippo, * zu Bo- 
logna, gab 1557 — 69 dreiBiicher sehr volks- 
tiimlicher und frischer 4 st. Villote alia Pado- 
vana nebst einigen Neapolitane, Madrigalen 
und Bergamasken unter dem Ziertitel Villote 
del fiore bei Antonio Gardano in Venedig 
heraus. Vgl. Fr. Vatielli, Canzonieri musi- 
cati del 1500 (Riv. mus. it. 192 1). 

6* 



84 



B — Bach. 



B 



B, der zweite Ton der urspriinglichen 
Grundskala A B C D E F G. Seit der Okta- 
venteilung bei C (s. Buchstabentonschrift) 
ist B aus seiner Stellung iii der Grund- 
skala durch H verdrangt und Name des er- 
niedrigten .H geworden, welches seit dem 
16. Jahrhundert durchBenutzung der Druck- 
type h fur das fa in die Grundskala kam. In 
Holland und England hat aber das B heute 
noch die Bedeutung des Ganztones iiber A, 
also unseres H (so dafi z. B. Schuberts H 
mo^-Sinfonie englisch als B minor und Beet- 
hovens B ^«r-Sinfonie als B flat major be- 
zeichnet wird), wahrend wir in Deutschland 
den Halbton iiber A seitdem B nennen. Ver- 
suche, das B statt H in der Grundskala wie- 
der rierzustellen, sind erfolglos geblieben 
(vgl. J. G. Schwanenberg, Grundliche Ab- 
handlung iiber die Unniitz- und Unschicklich- 
keit des H im musikalischen Alphabet, 1797: 
auch Ferdinand Hiller hat einen Versuch ge- 
macht). — Die Doppelgestalt des B als run- 
des, weiches: \> rotundum, molle oder eckiges, 

hartes: L oder b quadratum, durum, welche 

bis ins 10. Jahrhundert zuriickreicht (Odo 
von Clugny), bildet den Ausgangspunkt der 
Entwicklung samtlicher Versetzungszei- 
chen(s. d.) undschlieBlich auch der Bezeich- 
nungen Dur und Moll (s. d.). Doch exi- 
stiert bis ins 18. Jahrhundert jede Stufe der 
Grundskala nur in zwei durch \> und tj ($) 
unterschiedenen Formen und ist \> ebenso 
Auflosungszeichen nach $ (tj) wie t) ($) Auf- 
losungszeichen nach jj (fj? nach f tt ist nicht 
fes, sondern /, eh nach e\? ist nicht eis, 
sondern e usw,). Den heutigen Gebrauch 
der Zeichen (auch x und [?|?) hat erst J. G. 
Walthers Lexikon (1732) festgestellt. tJber 
die Namen der B-Stufe als \f fa oder tjmi s. 
Solmisation. Seit Abschaffung der Solmisa- 
tion hat bei den romanischen Volkern die 
B-Stufe'den Namen si (sj|? = b, sib = h, sii = 
his). 

B., Abkiirzung fur Basso, c. B. = col 
Basso, C.-B. oder CB = Contrabasso, B. c.= 
Basso continuo. In England ist B. auch 
Abkiirzung fur Baccalaureus ( Bachelor): 
Mus. B. = Musicae Baccalaureus (M, B. da- 
gegen = Medicinae Bacc). 

Babbi, Christoph, * 1748 zu Cesena, 
1775 — 78 Orchesterdirigent am stadt. Thea- 
ter zu Bologna, kam 1780 als kurfurstlicher 
Konzertmeister nach Dresden, wo er 1814 
starb; komponiertc Violinkonzerte, Sinfo- 
nien, Quartette usw. 

Babell (Babel), William, * um 1690, 
1 23. Sept. 1723 zu London, Schiiler von 
Pepusch, Organist an All Hallows, auch 
tuchtiger Violinist, einer der ersten Heraus- 
geber von Klavierbearbeitungen beliebter 
Nummern aus Opern Handels u. a. [Suits 
of the most celebrated Lessons etc. 1712, The 
Lady' sEntertainment[T he Banquet of Musick\ 
Arien, Duette, 4 Teile 1710 — 25), auch Trios 
aus franzosischen Opern (2 Teile, Amster- 



dam bei Roger). Von ihm. selbst erschienen 
nur Sonaten fur Violine (Oboe) mit B.C.; 
Ms. blieben Concerti grossi fur 2 V. und 
Vc. mit Streichorchester. 

Babylonische Musik. Eine Tontafel aus 
Assur am mittleren Tigris vom Beginn des 
ersten Jahrtausends v. Chr. enthalt ein Ge- 
dicht in sumerischer Sprache mit vermut- 
lichen Tonzeichen, die auf Begleitung des 
Hymnus mit einer 22 saitigen Harfe und 
auf eine fiber die Pentatonik bereits ins 
Diatonische, ja sogaf Chromatische hinein- 
schreitende Melodik deuten. Vgl. Curt S a c h s , 
Die Entzifferung einer babylonischen Noten- 
schrift. Vorbericht (Sitzungsber. der Preufi. 
Ak. d. Wiss. Phil.- hist. Kl. 1924 XVIII); 
derselbe, Ein babylonischer Hymnus ( AfMW. 
VII.i; 1925). 

Bacchius Senex (Bakcheios 6 y.eowv), grie- 
chischer Musikschriftsteller im 4. (?) Jahrh. 
n. Chr., von welchem ein musikalischer Kate- 
chismus in Dialogform auf uns gekommen 
ist, die Isagoge musicae artis, zuerst 1623 
herausgegeben von Mersenne und gleich- 
zeitig in lateinischer Ubersetzung mit Kom- 
mentar von Fr. Morellus, weiter von Mei- 
bom (1652) und K. v. Jan (1890 — 91, revid. 
Text griechisch und deutsch mit Analyse im 
Programm des Strafiburger Lyceums und 
[nur gr. Text] 1895 i n den Scriptores); fran- 
zosische Ubersetzungen gaben Mersenne 
(1627 im 1. Buch der Harmonie universelle) 
und Ruelle (1896). Der nicht dialogische 
von Fr. Bellermann 1841 und 1847 in 
franzosischer Ubersetzung von A. J. H. 
Vincent in Notices et extraits irrtiimlich 
unter des B. Namen herausgegebene Traktat 
hat einen Zeitgenossen des B. namens Dio- 
nysios zum Verfasser. 

Baccusi, Ippolito, * um 1545 zu Man- 
tua, wo er 1587 Domkapellmeister war, 
spater (1594) Domkapellmeister zu Verona, 
f 1609, gab heraus: 5 Biicher Messen zu 4 — 9 
St. (1570 — 96), mehrere Biicher Psalmen und 
Motetten zu 5 — 8 St. und 7 Biicher Madri- 
gale (s— 8 st.: 1570, 1572, 1579, 1587; 3 st. : 
1594, 1605). Einzelne Stiicke finden sich 
auch in Sammelwerken (Phaleses Paradiso 
musicale [1596], Pevernages Harmonia cele- 
ste, Waelrants Symphonia angelica, Philipps' 
Melodia Olympica und im Trionfo di Dori). 
Bacfarc s. Greff. 

Bach, Name der thiiring. Familie, in wel- 
cher wie in keiner zweiten musikalische 
Kunstlerschaft im 17. und t8. Jahrhundert 
erblich war und von Kindhcit an sorgfiiltig 
gepflegt wurde. Wenn sich mehrere Mitglie- 
der dieser Familie zusammenfanden, so 
wurde in der ernsthaftesten Weise musiziert; 
man tauschte Meinungen iiber neue Kompo- 
sitionen aus, improvisierte, kurz forderte 
sich gegenseitig so im Wissen und Konnen, 
daB die Bache ein ausgezeichnetes Ansehen 
im Lande genossen und daher ein starkes 
Kontingent an Kantoren und Organisten 
fur die thuringischen Stadte steilten. So 



Bach. 



85 



finden wir in Erfurt, Eisenach, Arnstadt, 
Gotha, Muhlhausen Organisten namens B., 
und noch zu Ende des 18. Jahrhunderts hie- 
Ben in Erfurt die Stadtpfeifer die Bache, ob- 
gleich kein einziger B. mehr darunter war. 
Die Familie ist, wie Ph. Spitta in seiner Bio- 
graphie Jon. Seb. Bachs nachgewiesen hat, 
eine alte thuringische und nicht, wie man 
friiher annahm, eine ungarische. Der um 
1590 aus Ungarn nach Wechmar bei Gotha 
eingewanderte Backer Veit B. stammte 
namlich urspriinglich aus diesem Dorfe. Veit 
B. war nur Musikliebhaber (er spielte die 
Laute); sein Sohn Hans B. (der UrgroB- 
vater J. S. Bachs) war dagegen schon Mu- 
siker von Profession und wurde zu Gotha 
durch einen Nikolaus B. ausgebildet. Die 
B. waren also, wie es scheint, schon damals 
im Metier. Von Hans Bachs Sohnen ist 
Johann B. der Stammvater der ,,Erfurter 

Hans Bach 
gest. 1626 



Principles of Singing und Raphael, Mozart 
and the Renaissance. Auch iibersetzte er die 
Texte der Brahmsschen Volkslieder ins Eng- 
lische und gab Loewes Balladen bei Lienau 
heraus. 

Bach, August Wilhelm, * 4. Okt. 1796 
zu Berlin, | 15. April 1869; Sohn des Sekre- 
tars beim Lotterieamt und Organisten der 
Trinitatiskirche, Gottfried B., war zuerst 
Organist an Berliner Kirchen, 1822 Lehrer 
am Koniglichen Institut fiir Kirchenmusik, 
1832 dessen Direktor als Nachfolger Zelters, 
Mitglied der Akademie und wurde 1858 zum 
Professor ernannt. Er gab kirchliche Kom- 
positionen (Oratorium Bonif actus [1836], 
Psalm 100 [1840]), auch Klavierstiicke und 
Lieder heraus und verfaBte ein Choralbuch 
und Der praktische Organist. B. war.Mendels- 
sohns Lehrer im Orgelspiel. 

*Bach, Carl Philipp Emanuel (der 



Johann B. 

in Erfuit 

(1604—73) 

I 

Joh. Aegi- 

dius B. in 

Erfurt 

(1645— 1717) 

3. Joh. Bern- 
hard B. 
in Eisenach 
(1676 — 1749) 



Heinrich B. 
in Erfurt 
(1615—92) 



_L 



i. Joh. 2. Joh. 

Christ oph B. Michael B. 

in Eisenach in Gehren 

(1642 — 1703) (1648— 94> 

Nikolaus B. Maria 

(1669 — 1753) Barbara B. 

(1684 — 1720) 



Christoph B. 
in Weimar 
(1613— 61) 

1 

Ambrosius 

B. in 

Eisenach 

(1645—95) 




4. Johann (Anna Joh. 

Sebast. B. Magdalena Christoph B. 
(1685 — 1750) Wiilken) in Ohid'uf 

(1671 — 1721) 



5. Friede- 6. Karl Phil, 
mann B. Emanuel H, 
(1710—84) (1714 — 88) 



7. Joh. 

Gottfried 

Bernhard B. 

(1715—39) 



9. Joh. 
Christian B, 



Bernhard B. 
in Ohidruf 

(1735— 8a) (1700—43) 



Bache", Heinrich, Organist zu Arnstadt der 
Vater von Joh. Christoph und Joh. Michael 
B., und Christoph B., Organist und Stadt- 
musikus zu Weimar, J. S. Bachs GroBvater. 
In den 60 er Jahren des 17. Jahrhunderts 
waren die B. sozusagen feste Inhaber der 
Musikerstellen zu Weimar, Erfurt und Eise- 
nach. So zog z. B. ein Sohn Christoph Bachs, 
Ambrosius B. (der Vater J. S. Bachs), 1667 
nach Erfurt, um die Stelle seines Vetters 
Johann Christian (1640 — 82) einzunehmen, 
und als er 167 1 seine Stelle mit einer besseren 
in Eisenach vertauschte, wurde wieder ein 
Vetter, Agidius B., 1645 — 1717, sein Nach- 
folger. Der obenstehende Auszug aus dem 
Stammbaum der Bache mag die folgenden 
Biographien der wichtigsten Reprasentanten 
der Familie (*) iibersichtlicher machen. 

Bach, Albert Bernhard, Sanger und 
Gesanglehrer, * 24. Marz 1844 zu Gyula (Be- 
kes in Ungarn), l19.N0v.1912 inEdinburgh, 
zum Opernsanger gebildet in Wien und in 
Italien, sang an den Biihnen zu Mailand und 
Budapest (bis 1885) und lebte zuletzt als 
Gesanglehrer inEdinburgh. Schrieb -.Musical 
Education andVocalCulture, The Art of Singing, 
Loewe and Schubert, The Art-Ballad, The 



8. Joh. 

Christoph 

Friedrich B. 

(1732—95) 

I 

<■ . 

31. Wilhelm 

Friedrich 

Ernst B. 
(1759— 1845) 

Berliner oder Hamburger B.), der zweite der 
uberlebenden Sonne J. S. Bachs, * 8. Marz 
1714 zu Weimar, f 14. Dez. I788..in Ham- 
burg. Sein Lebenslauf ist einfach genug. 
Er ging nach Frankfurt a. O., um Jura zu 
studieren, griindete aber statt dessen dort 
einen Gesangverein ; 1738 siedelte er nach 
Berlin iiber und wurde 1740 Kammercem- 
balist Friedrichs des Gr. Der siebenjahrige 
Krieg machte den musikalischen Liebhabe- 
reien des Konigs ein Ende, und B. bat daher 
1767 um seinen Abschied, um zu Hamburg in 
Telemanns Stelle als Kirchenmusikdirektor 
einzuriicken. Dort starb er, hochangesehen, 
an einem Brustleiden. Das Verzeichnis sei- 
nes musikalischen Nachlasses erschien 1790 
in Hamburg im Druck. Ph. E. B. schrieb 
ein noch fiir die heutige Zeit grundlegendeS 
Buch: Versuch iiber die wahre Art, das Kla- 
vier zu spielen (1753 — 62, 2 Teile, gekiirzter 
Neudruck von Walter Niemann 1906, 3. 
Aufl. 1921, vgl. auch G. Schillings ver- 
wasserte Bearbeitung 1857), zugleich eine 
Hauptquelle fiir die Erklarung der Spiel- 
manieren im 18. Jahrhundert.Eine Kurze und 
systematischeAnleitung zum Generalba/3, deren 
Ms. Fetis besaB, mag wohl identisch mit der 



86 



Bach. 



i78ogedruckten von J ohann Mich. B., Kan- 
tor zu Tonna, sein(derDruck mit Verzeichnis 
von dessen zahlreichen Kompositionenjg. Als 
Komponist istB. derHauptvertreter del ,,ga- 
lanten" Stils inDeutschland;erhatvorallem 
auf dem Gebietder Klaviersonate Satztech- 
nik und Ausdruck ganz auBerordentlich ge- 
f ordert ; sein Klavichord wird ihm, ahnlich wie 
spater Chopin,'zumUniversalinstrument; die 
Sonatenform zum GefaB fur subjektivsten, 
zwischen freiem und gebundenerem Stii 
wechselnd en, an Pointen und Uberraschungen 
reichsten Inhalt. Er ist der eigentliche musi- 
kalische Reprasentant des Zeitalters derEm- 
pfindsamkeit. Die Zahl der Kompositionen 
Ph. E. B.s ist sehr groB, besonders fur Kla- 
vier (210 Solostucke, 52 Konzerte, viele So- 
naten usw.) ; auf dem Gebiet der Kirchenmu- 
sik war er zwar weniger bedeutend, doch sehr 
fruchtbar (22 Passionen, viele Kantaten, 2 
Oratorien usw.). Seine Liedkompositionen 
(Gellerts Geistl. Oden u. Lieder 17 58, Oden mit 
Melodieniy&2, I2geistl.0den undl.iederj.y64, 
C.L.Sturms Geistl. Gesdnge 1780 — 81, Neue 
Liedermelodien 1789 und viele verstreute) 
waren zu ihrer Zeit hoch angesehen und zum 
Teil mehrfach aufgelegt und sind sehr viel 
weniger trocken und zopfig als die Mehrzahl 
der Bluten des Liederfriihlings der Berliner 
Schule. Vgl. Berlinische Oden und Lieder. H. 
v. Bulow hat 6 Klaviersonaten C. Ph. E. 
Bachs, H. Schenker eine Auswahl von 9 So- 
natenu.a. Stiicken,E. Caland ein weiteres 
Album neu herausgegeben, Expedit Baum- 
gart sowie C. Krebs (Urtextausgabe) die 
ganze Sonaiensammlung fiir Kenner und Lieb- 
haber;Ti. Steglich die Preuflischen Sonaten 
von 1742 (1927 ff.). DreiSinfoniengab i860 
Fr. Espagne in Partitur und Stimmen bei 
Peters heraus, H. Riemann eine Auswahl 
Klavierkonzerte,- Sonaten usw. bei Steingra- 
ber, 2 der prachtigen Streichquartette vom 
Jahre 1773 (G dur und F dur) bei Beyer & 
Sonne in Langensalza u nd das groBe G dur-Tiio 
fiir 2 Violinen undBaB im Collegium musicum 
(eine Ausgabe von Albert F u c h s erschien vor- 
her beiMax Brockhaus). Die kurzen und leich- 
ten Klavierstiicke gab O. Vrieslander mit 
Analysen heraus (Univ.-Ed.), desgl. eine An- 
zahl Lieder und Gesange (Miinchen 1922) ; 25 
geistliche Lieder hat J. Dittberner (1918) 
herausgegeben. Ein thematisches Verzeichnis 
seiner WerkeverfaBte A. Wo tquenne (1905). 
Vgl. C. H. Bitter, C. Ph. E. B. und W. Fr. 
Bachund derenBriider (2Bde.,i868):Flueler, 
Die norddeutsche Sinjonie zur Zeit Friedrichs 
des Grofien usw. (Berlin 1910, Dissertation): 
Rud. Steglich, C. Ph.E. Bach und der Dres- 
dner Kreuzkantor G. A . Homilius im Musik- 
leben ihrer Zeit (Bach- Jahrb. 1915); O. Vries- 
lander, C. Ph. Em. B. (Miinchen 1923). . 
Bach, David Josef, * 13. Aug. 1874 zu 
Wien, studierte an der Wiener Universitat 
vergleichende Sprachwissenschaft, Kunst- 
geschichte und Naturwissenschaft (Mach), 
promovierte 1897 mit einer Arbeit iiber 
Hume und ging spater noch nach Berlin (C. 
Stumpf) und Leipzig (Wundt). Zuerst als 
Schriftsteller tatig, wurde er 1904 Musik- 



referent derArbeiter-ZeitunginWien, griindete 
1906 Arbeiter-Sinfoniekonzerte, aus denen 
spater die Freie Volksbiihne, jetzt die Kunst- 
stelle der Bildungszentrale hervorgegangen 
ist. B. ist auch Obmann des Vereins fiir 
volkstiimliche Musikpflege in Wien. 1918 
bis 1922 war er, im Verein mit J. Bittner, 
Herausgeber des Merker. AuBer Zeitungs- 
aufsatzen veroffentlichte er: Die Wiener 
Volksoper(ign), Tausend! (Jubilaumsgabe 
der Sozialdem. Kunststelle 1923); gab auch 
die Denkschrift zu den Meister-Auffiihrungen 
Wiener Musik (1920) heraus. 

Bach, Eduard, * 13. Okt. 1873 in Miin- 
chen, bezog nach absolviertem Gymnasium 
die dortige Universitat zu philosophischen 
und juristischen Studien, um sich dann ganz 
dem Studium der Musik an der Kgl. Aka- 
demie der Tonkunst zu widmen, an der er 
seit 1897 als Lehrer fiir Klavierspiel (1905 
Kgl. Professor) und gediegener Pianist (1897 
Hofpianist) wirkt. 

Bach, Fritz, * 3. Juni i88r in Paris, erst 
Theologe, studierte seit 1905 Harmonielehre 
und Kontrapunktbei J. Bischoff in Lausanne, 
Komposition bei V. d'Indy in Paris und 
OrgelbeiA. Guilmant undVierne. 1913 — 27 
war B. Musiklehrer und Organist in Nyon, 
jetzt Lehrer am Gons. de Ribaupierre in 
Lausanne und Montreux. Er schrieb: Sin- 
fonie C moll; Kl.- Quintett A moll (Frei- 
burg in d. Schw. 1916); Streichquartett; 
Kl. - Quartett Emoll; Poeme (5 Satze) 
fiir Kl. und Streicher ; 2 Kantaten fiir 
MCh. ; Chore; Lieder; Orgelstiicke; Musik 
zu N. Celleriers Legende de St. Christophe, 
90. Psalm fiir Gem.Ch. und Orch. u. a. 

*Bach, Johann Bernhard, * 23. Nov. 
1676 in Erfurt, f 11. Juni 1749 in Eisenach, 
ein Enkel von J. S. Bachs GroBoheim Jo- 
hann B., war Organist in Erfurt, Magdeburg 
und 1703 in Eisenach, wo er auch zugleich 
herzogl. Kammermusikus wurde. In der 
PreuB. Staats-Bibliothek sind von ihm 4 Or- 
chestersuiten sowie einige Klavierstiicke und 
Choralkantaten erhalten. Eine der Orche- 
stersuiten (G moll) gab A. Fareanu 1920 
bei Breitkopf & Hartel in Leipzig heraus. 
/C*Bach, Johann Christian (der Mai- 
lander oder englische B.), der jiingste Sohn 
J. S. Bachs, * 1735 (getauft 7. Sept.) zu 
Leipzig, | 1. Jan. 1782 in London; war gleich 
Friedemann und C. Ph. Emanuel hochbegabt, 
neigte aber einer leichteren Schreibweise zu 
und wurdedaher einer der wichtigstenForderer 
desmodernen Stils. Nach des Vaters Tod wurde 
ervonPh. Emanuel B. ausgebildet, ging 17 54 
nachMailandalsHauskapellmeisterdesConte 
Agostino Litta, der ihm Urlaub und Mittel 
zu Kontrapunktstudien unter Padre Mar- 
tini in Bologna gewahrte. B. blieb mit Mar- 
tini dauernd in Verbindung. 1760 wurde er 
(unter Ubertritt zur katholischen Konfes- 
sion) Domorganist zu Mailand. Durch die 
Erfolge seiner Opern Artaserse (Turin 1761), 
C atone in ?7ft'ca(Neapeli76iu. Mailand 1762) 
und Alessandro nelle Indie (Neapel 1762) und 
Einlagen in andere Opern, aber auch durch 



Bach. 



87 



,Kirchenkompositionen(Messen,Requiem,Te- 
deum und Motetten) hatte er sich bereits einen 
Namen gemacht, stand auch schon in Be- 
ziehungen zu Pariser Verlegern, als er 1762 
sich nach London wandte. Dort fafite er gleich 
mit seiner ersten neuen Oper Orione (1763) 
festen Fufl, wurde Musikmeister der Koni- 
gin und stand besonders durch die von ihm 
mit Karl Fr. Abel als Konzertmeister gelei- 
teten Subskriptionskonzerte (seit 1764) bald 
im Mittelpunkte des Londoner Musiklebens. 
Diese Bach- Abel-Konzerte (seit 1775 
in Hanover- Square-Room) waren fur Lon- 
don ebenso tonangebend wie fur Paris die 
Concerts spirituels. J. Christian B. war kei- 
neswegs in der Hauptsache Opernkompo- 
nist, vielmehr auch in ausgedehntem MaBe 
Instrumentalkomponist. Sein Wert, im Hin- 
blick auf die freilich ganz anders geartete 
Kunst seines Vaters fruher unverdient herab- 
gesetzt, erscheint heute in immer hellerem 
Licht: er ist in der SuBigkeit (nicht Weich- 
lichkeit), Grazie, Feinheit des Stils der ei- 
gentliche Vorganger und das einfluBreichste 
Vorbild Mozarts. Das durch Mozart von 
ihm ubernommene singende Allegro geht 
freilich bis auf Pergolesi zuriick, und wenn 
Burney betont, daB B. zuerst planmafiig 
die Kontrastierung in die Themen seiner 
Instrumentalwerke eingefiihrt habe (Gen. 
Hist. I V, 483), so iibersieht er, daB dieser 
Kranz doch zweifellos den Italienern und 
Stamitz gebiihrt. Die Zahl der Werke Bachs 
ist sehr groB. AuBer 11 italienischen Opern 
und einer franzosischen (Amadis deGaules, 
Paris 1779), den Stucken mit denen er sich 
an italienischen und auch englischen Pastic- 
cios beteiligte, und vielen Arien, Kantaten, 
Choren usw., auch Kanzonetten und 2 Ora- 
torien, schrieb er eine kaum iibersehbare 
Menge Instrumentalwerke aller Art: Sinfo- 
nien, auch konzertante und eine fur zwei 
Orchester, viele Klavierkonzerte (B. spielte 
zuerst 1768 im Konzert auf einem Piano- 
forte), auch Konzerte fur Orchesterinstru- 
mente, Quintette, Quartette, Trios mit und 
ohne Klavier, Klavier-Violinsonaten, 1 Kla- 
viersextett und viele Klaviersolosachen, 
welche auBerordentlich zur Popularisierung 
der Klavierkomposition beigetragen haben. 
Vgl. die wertvolle Studie von Max S c h w a r z , 
/. Chr. B. (Intern. MG. Sammelb. II. 3 
[1901]), H. P. Schokel, /. Ch. B. und die 
Inslrumentalmusik seiner Zeit (Wolfenbuttel 
1926); Fritz Tutenberg, Die Sinfonik J. 
Chr. B.s (Kieler Diss. 192&), G. de Saint- 
Foix, A propos de J.-Chf. B. (Rev. de mu- 
sicologie 1926); sowie H. Abert, J. Chr. 
B.s ital. Opern und ihr Einflu/S auf Mo- 
zart (ZfMW. I, 6 [1909]), ferner L. Lands- 
hoffs ausgezeichnete Neuausgabe einer An- 
zahl seiner Arien (1928) und Klavierso- 
naten (1926, C.F. Peters). Drei seiner Quar- 
tette f. Fl., V., Va. und Vc. aus op. 8 (N. 1, 



Christian mit durchaus ungerechtfertigter 
Geringschatzung. 

*Bach, Johann Christoph, Sohn Hein- 
rich Bachs, also Oheim J. S. Bachs, * 8. Dez. 
1642 zu Arnstadt, von 1655 bis zu seinem 
Xode 31.Ma.rz 1703 Organist in Eisenach, 
ist der hervorragendste der alteren B., be- 
sonders auf dem Gebiete der Vokalkompo- 
sition; erhalten sind von ihm die biblische 
Historie Es erhob sich ein Streit (Offenb. 
Joh. 12, 7 — 12), sowie einige Motetten, auch 
44 Choralvorspiele und eine Sarabande mit 
12 Variationen fur Klavier. Eine seiner 
Fugen Es dur ist irrtumlich unter die Werke 
J. S. Bachs aufgenommen (Ausg. der Bach- 
Ges. Bd. 36, Nr. 12). Vgl. Sammelb. der 
Intern. MG. II. 254 (Rich. Buchmayer). 

*Bach, Johann Christoph Friedrich 
(der Buckeburger B.), der vierte der musika- 
lischen Sohne J. S. Bachs, * 21. Juni 1732 
zu Leipzig, studierte wie C. Ph. Em. Bach 
zuerst Jura, wurde aber schlieBlich Musiker 
und war von 1750 ab Kammermusiker, von 
1756 ab graflich lippescher Kapellmeister zu 
Biickeburg, wo er26. Jan. 1795 starb. Er war 
ebenfalls ein fleifiiger Komponist (kirchliche 
und weltliche Kantaten, 3 Oratorien auf Texte 
Herders: Die Kindheit Jesu 1773, Die Auf- 
erweckung des Lazarus 1773 [beide in der 
PreuB. Staats-Bibliothek erhalten, Neudruck 
vonG. Schunemannin.tWXBd. 56] und Day 
Fremdling auf Golgatha [1776, verloren], 
6 hiibsche Quartette fur Flote und Streich- 
instrumente, Kantate Pygmalion, eine vier- 
handige [!] Klaviersonate, eine zweihan- 
dige im Musih. Vielerley [s. d.], Varia- 
tionen fiir Klavier usw.), doch nicht von der 
Bedeutung Ph. Emanuels, Friedemanns und 
Joh. Christians. Eine Kantate Die Ameri- 
kanerin (herausgegeb. 1920 von G. A. Wal- 
ter) ist als sein Werk bezeugt durch einen 
Brief an den Dichter Gerstenberg (in der 
PreuB. Staatsbibl.). Eine Biographie B.s 
von E. Horstig in Schlichtegrolls Nekrolog 
auf d. J. 1795 (I. S. 268 — 84). Vgl. vorallem 
Bach-Jahrbuchi9i4(G. Schunemann). B.s 
Werke werden durch das Buckeburger In- 
stitut fiir musikwissenschaftliche Forschung 
herausgegeben ; bis jetzt (1927) erschienen 
Bd. I (Motetten), V (Klaviersonaten) und 
VII (Kammermusik). 

*Bach, Johann Ernst, der einzige Sohn 
von J. S. Bachs Vetter Joh. Bernhard B., 
* Sept. 1722 (oder 2. Febr. 1723) und t 28. 
Jan. 1777 zu Eisenach, studierte Jura und 
war in Eisenach zuerst Advokat, wurde 1748 
aber Adjunkt seines Vaters als Organist und 
1766 sachsen- weimarischer Kapellmeister. 
Er gab 1749 eine Sammlung auserlesener 
Fabeln mit Melodeyen (Neudruck in DdT 
Bd. 42 [Kretzschmar]), sowie 1770 2Hefte 
Sonaten fiir Klavier und Violine heraus ; auch 
schrieb er die Vorrede zu Adlungs Anleitung 
z. mus. Gelahrtheit (i758).Manuskript blieben 
Motetten, Psalmen und Kantaten. 



3, 5) gaben 1927 A. Kiister und M. Gloder 1 iviote 

heraus; A. Kiister auBerdem 2 Sonaten fur 7" 'TBach, Johann Gottfried Bernhard, 

Kl., Fl. oder V., und eine 4 h. Sonate 

f. Kl. (Hann. 1927). C. H. Bitters Werk 

fiber die Sohne Bachs (1868) behandelt Joh. 



Sohn von J. S. Bach, * 11. Mai 1715 zu Wei- 
mar, | 27. Mai 1739 zu Jena, war wie Friede- 
mann musikalisch reich beanlagt, aber der 



Bach. 



Samrrilung zu ernster Arbeit unfahig, hatte 
nur zweimal kurze Zeit Organistenstellen in 
Miihlhausen 1735 — 36 und Sangerhausen 
1737 — 38 inne und starb 24 jahrig. Vgl. 
Zeitschr. d. IGM. Ill, 351 ff. 

*Bach,JohannMichael,Bruder vonjoh. 
Christoph B., * 9. August 1648 zu Arnstadt, 
seit 1673 Organist in Gehrenbei Arnstadt, wo 
er 1694 starb. Seine jiingste Tochter, Maria 
Barbara, wurde J. S. Bachs erste Frau, die 
Mutter W. Friedemanns und C. Ph. Emanuel 
Bachs. Johann Michael war auf instrumen- 
talem Gebiet bedeu tender als sein Bruder; 
leider sind von ihm nur wenige Choralvor- 
spiele auf uns gekommen, die eine hohe Mei- 
nung von seinem Konnenerwecken. SeineVo- 
kalwerke zeugen, soweitnach denwenigen er- 
haltenenMotetten zu urteilen ist,zwar auch von 
bedeutender technischerFertigkeit, stehen 
aber hinter denen seinesBruders zuriick. 

*Bach, Johann Sebastian, * 21. Marz 
1685 zu Eisenach, j 28. Juli 1750 in Leipzig; 
einer der groBten Meister aller Zeiten, in 
dessen Werken das musikalische Empfinden 
und Konnen einer Epoche sich gleichsam 
iibergipfelt, und der noch eine besondere 
Bedeutung, eine beispiellose GroBe dadurch 
gewinnt, daB die Stilgattungen zweier ver- 
schiedener Zeitalter zugleich in ihm zu 
holier Bhite gelangt sind, so daB er zwischen 
beiden wie ein gewaltiger Markstein stent, 
in beide riesengroB hineinragend. Denn 
B. gehort mit gleichem Rechte der hinter 
ihm liegenden Periode der polyphonen 
Musik, des kontrapunktischen, imitato- 
rischen Stils, wie der Periode der harmo- 
nisch bestimmten Musik an. Seine Lebenszeit 
fallt in ein Zeitalter des "Obergangs, d. h. 
in eine Zeit, wo der alte imitatorische Stil 
sich noch nicht ausgelebt hatte, der neue 
aber noch in den ersten Stadien seiner Ent- 
wicklung stand und das Geprage des Un- 
fertigen trug. Das Genie Bachs vereinigte 
und verschmolz die Eigentumlichkeiten 
beider Stilgattungen in einer Weise, die 
als eine Idealform, ein Kanon der Musik 
fur alle Zeiten vorbildlich bleiben wird. 

Bachs auBerer Lebensgang war schlicht. 
Sein Vater war der Stadtmusikus Am- 
brosius B. (* 22. Febr. 1645, f 28. Jan. 
1695), seine Mutter Elisabeth, geb. Lam- 
merhirt, stammte aus Erfurt. Mit neun 
Jahren verlor er die Mutter, mit zehn den 
Vater und wurde nun seinem Bruder Jo- 
hann Christoph B. (* 16. Juni 1671, 
f 22. Febr. 1721), Organisten in Ohrdruf, 
zur Erziehung iibergeben. Der Bruder, 
ein Schiiler Pachelbels, wurde jetzt sein 
Lehrer. 1700 erhielt B. eine Freistelle auf 
der Michaelisschule zu Liineburg, wo Georg 
Bohm (s. d.) ohne Zweifel machtig auf ihn 
einwirkte, und von wo aus er mehrmals zu 
FuB Ausfluge nach Hamburg rnachte, um 
die beriihmten Organisten Reinken und 
Lubeck zu horen. Seine erste Anstellung 
erhielt er 1703 als Violinist in der Privat- 
kapelle des Prinzen Johann Ernst von 
Sachsen zu Weimar, ' blieb hier indes nur 
wenige Monate, da er die Organistenstelle 



an der Neuen Kirche zu Arnstadt annahm. 
Wie er von Liineburg aus 1700 und 1703 
noch Ausfluge nach Celle gemacht hatte, 
um Kompositionen Lullys von der Hofka- 
pelle zu horen, so untcrnahm er 1705 bis 1706 
zu Dietrich Buxtehude, dem beriihmten 
Orgelmeister, die bekannte FuBreise nach 
Lubeck, welche ihn in Konflikt mit 
seiner vorgesetzten Behorde brachte, da 
er seinen Urlaub weit uberschritt; doch 
kam es nicht zum Bruch, da man den 
genialen Jiingling gern halten wollte. 
1706 wurde durch den Tod von Joh. Georg 
Ahle die Organistenstelle zu St. Blasii 
in Miihlhausen frei; B. riickte 1707 in sie 
ein, verheiratet mit seiner Base Maria 
Barbara, Tochter Joh. Michael Bachs in 
Gehren. Obgleich die musikalischen Ver- 
haltnisse Muhlhausens nicht unerfreulich, 
jedenfalls groBer als die von Arnstadt 
waren, blieb B. doch nur ein Jahr und ging 
1708 als Hoforganist und Kammermusikus 
des regierenden Herzogs nach Weimar, wo 
er 17 14 zum Hofkonzertmeister ernannt 
wurde. Hier war sein Neffe Bernhard 
sein Schiiler (* 24. Nov. 1700 und f 12. 
Juni 1743 als Organist zu Ohrdruf), der 
wahrscheinlich das als Klavierbuchlein 
des Andreas Bach bekannte Ubungsbuch 
(mit Kompositionen von J. S. B., G. Bohm, 
J. K. F. Fischer u. a.) schrieb (vgl. Spitta, 
Band I. 397). Doch ging B. schon 1717 nach 
Kothen als Kapellmeister und Kammer- 
musikdirektor des Fiirsten Leopold von 
Anhalt; hier hatte er weder eine Orgel zu 
traktieren, noch einen Chor zu leiten, war 
vielmehr ganzlich auf Orchester- und Kam- 
mermusik angewiesen, schrieb auch deshalb 
dort iiberwiegend Kammermusik. Seine 
hochste Schaffenskraft entfaltete er aber 
erst in Leipzig, wohin er 1723 als Kantor 
an der Thomasschule und Universitats- 
Musikdirektor kam, als Nachfolger von 
Johann Kuhnau. In dieser Stellung, die 
ihm seit 1736 durch mancherlei Streitig- 
keiten mit dem Rektor J. Aug. Ernesti 
und dem Rat verleidet ward, starb er nach 
27Jahriger Amtstatigkeit, die letzten drei 
Jahre seines Lebens von einem die Sehkraft 
allmahlich vernichtenden Augenleiden ge- 
qua.lt, schliefilich ganz erblindet. B. war 
zweimal verheiratet; mit Maria Barbara 
(I1720), die ihm 7 Kinder geboren hatte (Ka- 
tharina Dorothea [* 27. Dez. 1708], Wilh. 
Friedemann, C. Phil. Emanuel und Joh. 
Gottfr. Bernhard blieben von ihnen am Le- 
ben), und seit 1721 mit Anna Magdalena, 
Tochter des Kammermusikus Will ken zu 
WeiBenfels, welche ihm 7 Tochter und 
6 Sohne gebar und ihn iiberlebte. B. hinter- 
lieB 5 Sohne und 4 Tochter; alle vibrigen 
Kinder waren vor ihm gestorben. 

Die Zahl der Werke J. S. Bachs ist eine 
sehr groBe. In erster Reihe sind seine 
Kirchenkantaten zu nennen, deren er 
fiinf vollstandige Jahrgange (fur alle Sonn- 
und Festtage) geschrieben hat, von denen 
aber nur zweihundert erhalten sind. Der 
Ubersicht halber sei hier das Verzeichnis 



Bach. 



89 



der Kirchenkantaten-Anfange eingeschoben, 
mit Angabe der Numerierung der Ausgabe 
der Bach-Gesellschaft: Ach Gott, vom Him- 
mel sieh darein, Nr. 2; Ach Gott, wie manches 
Herzeleid (Sonntag nach Neujahr), Nr. 58; 
Ach Gott, wie manches Herzeleid (2. Sonntag 
nach Epiphanias), Nr. 3; Ach Herr, mich 
armen Sunder, Nr. 135 ; Ach, ich sehe, jetzt, 
da ich zur Hochzeit gehe, Nr. 162; Ach, lieben 
Christen, seid getrost, Nr. 114; Ach wie fluch- 
tig, ach wie nichiig, Nr'. 26; Ailein zu dir, 
Herr Jesu Christ, Nr. 33; Alles nur nach 
Gottes Willen, Nr. 72; Also hat Gott die Welt 
geliebt, Nr. 68; Am Abend aber desselbigen 
Sabbats, Nr. 42 ; Argre dich, Seele, nicht, 
Nr. 186; Auf Christi Himmelfahrt ailein, Nr. 
128; Auf, mein Herz, des Herren Tag, Nr. 
145; Aus der Tieje rufe ich, Herr, zu dir, 
Nr.131; Aus tiefer Not schrei ich zu dir, 
Nr. 38; Barmherziges Herze der ewigen Liebe, 
Nr. 185; Bereitet die Wege, bereitet die Bahn, 
Nr. 132 (wohl 1715 entstanden) ; Bisher habt 
ihr nichts gebeten in meinem Namen, Nr. 87 ; 
Bleib. bei uns, denn es will Abend werden, 
Nr. 6; Brich dem Hungrigen dein Brot, Nr. 
39; Bringet dem Herm Ehre seines Namens, 
Nr. 148 ; Christ lag in Todesbanden, Nr. 4 ; 
Christ, unser Herr, zum Jordan ham, Nr. 7; 
Christen, atzet diesen Tag, Nr. 63 ; Christum 
wir sollen loben schon, Nr. 121; Christus, der 
ist mein Leben, Nr. 95 ; Darzu ist erschienen 
der Sohn Gottes, Nr. 40; Das ist je gewifllich 
wahr, Nr. 141 ; Das neugeborne Kindelein, 
Nr. 122; Dem Gerechten rnu/3 das Licht, Nr. 
197; Denn du wirst meine Seele, Nr. 15 
(eins der friihesten Jugendwerke [1704?]); 
Der Friede sei mit dir, Nr. 158; Der Herr 
denket an uns, Nr. 198; Der Herr ist mein 
getreuer Hirt, Nr. 112; Der Himmel lacht, 
die Erde jubilieret, Nr.31; Die Elenden 
sollen essen, Nr. 75; Die Himmel erzdhlen 
die Ehre Gottes, Nr. 76; Du Friedefurst, Herr 
Jesu Christ, Nr. 116; Du Hirte Israel, hore, 
Nr. 104; Du sollst Gott, deinen Herm, lieben, 
Nr. yy ; Du wahrer Gott und Davids Sohn, 
Nr. 23 (1722 oder 23 entstanden); Ehre sei 
Gott in der Hohe, Nr. 194 (unvollstandig) ; 
Ein feste Burg ist unser Gott, Nr. 80; Ein 
Herz, das seinen Jesum lebend weifi, Nr. 134; 
Ein ungefdrbt Gemute, Nr. 24; Er rufet seinen 
Schafen mit Namen, Nr. 175 ; Erforsche mich, 
Gott, und erfahre mein Herz, Nr. 136; Er- 
freut euch, ihr Herzen, Nr. 66; Erfreute Zeit 
im neuen Bunde, Nr. 83; Erhalt uns, Herr, 
bei deinem Wort, Nr. 126; Erhohtes Fleisch 
und Blut, Nr. 173; Erschallet, ihr Lieder, 
Nr. 172; Erwiinschtes Freudenlicht, Nr. 184; 
Es erhub sich ein Streit, Nr. 19; Fs ist das 
Heil uns hommen her, Nr. 9; Es ist dir 
gesagt, Mensch, Nr. 45 ; Es ist ein trotzig 
und verzagt Ding, Nr. 176; Es ist euch gut, 
dap ich hingehe, Nr. 108; Es ist nichts Ge- 
sundes an meinem Leibe, Nr. 25 ; Es reifet 
euch ein schrecklich Ende, Nr. 90; Es wartet 
alles auf dich, Nr. 187; Falsche Welt, dir 
trau ich nicht, Nr. 52; Freue dich, erloste 
Schar, Nr. 30; Geist und Seele wird ver- 
wirret, Nr. 35; Gelobet sei der Herr, Nr. 129; 
Gelobet seist du, Jesu Christ, Nr. 91 ; Gleich 



wie der Re gen und Schnee, Nr. 18; Gott der 
Herr ist Sonn' und Schild, Nr. 79 ; Gott fahret 
auf mit Jauchzen , Nr. 43 ; Gott ist mein 
Konig, Nr. 71; Gott ist unsre Zuversicht, Nr. 
199; Gott, man lobet dich in der Stille, Nr. 
120; Gott soil ailein mein Herze haben, Nr. 
169; Gott, wie dein Name, so ist auch dein 
Ruhm, Nr. 171; Gottes Zeit ist die atterbeste 
Zeit (Actus tragicus), Nr. 106; Gottlob, nun 
geht das Jahr zu Ende, Nr. 28; Halt im Ge- 
ddchtnis Jesum Christ, Nr. 67 ; Herr Christ, 
der einge Gottessohn, Nr. 96; Herr, deine 
Augen sehen nach dem Glauben, Nr. 102; 
Herr, gehe nicht ins Gericht, Nr. 105 ; Herr 
Gott, Beherrscher alter Dinge, Nr. 196; Herr 
Gott, dich loben allewir, Nr. 130; Herr Gott, 
dich loben wir, Nr. 16; Herr Jesu Christ, 
du hochstes Gut, Nr. 113; Herr Jesu Christ, 
wahr Mensch und Gott, Nr. 127; Herr, wie 
du willst, so schicks mit mir, Nr. 73; Herz 
und Mund und Tat und Leben, Nr. 147; 
Himmelskonig, sei willkommen, Nr. 182; 
Hochsterwiinschtes Freudenfest, Nr. 194; Ich 
armer Mensch, ich Siindenknecht, Nr. 55; 
Ich bin ein guter Hirt, Nr. 85; Ich bin ver- 
gniigt mit meinem Gliicke, Nr. 84; Ich elender 
Mensch, wer wird mich erlosen, Nr. 148; 
Ich freue mich in dir, Nr. 133; Ich geh und 
suche mit Verlangen, Nr. 49; Ich glaube, 
lieber Herr, Nr. 109; Ich hab in Gottes Herz 
und Sinn, Nr. 92; Ich habe genug, Nr. 82; 
Ich habe meine Zuversicht, Nr. 188; Ich 
hatte viel Bekiimmernis, Nr. 21; Ich lasse 
dich nicht, du segnest mich denn, Nr. 157; 
Ich liebe den Hochsten von ganzem Gemute, 
Nr. 174; Ich ruf zu dir, Herr. Jesu Christ, 
Nr. 177; Ich steh mit einem Fufl im Grabe, 
Nr. 156 (1729 oder 30 entstanden); Ich 
wei/3, dafS mein Erloser lebt, Nr. 160; Ich 
will den Kreuzstab gerne tragen, Nr. 56; Ihr, 
die ihr euch von Christo nennet, Nr. 164; 
Ihr Menschen, ruhmet Gottes Liebe, Nr. 167; 
Ihr Tore zu Zion, Nr. 193 (unvollstandig); 
Ihr werdet weinen und heulen, Nr. 103; In 
alien meinen Taten, Nr. 97; Jauchzet Gott 
in alien Landen, Nr. 51; Jesu, der du meine 
Seele, Nr. 78; Jesu, nun sei gepreiset, Nr. 41; 
Jesus nahm zu sich die Zwolfe, Nr. 22 (1722 
bis 1723 entstanden, Bachs Probestiick in 
Leipzig); Jesus schldft, was soil ich hoffen, 
Nr. 81; Komm, du stifle Todesstunde, Nr. 
161; Leichtgesinnte F latter geister, Nr. 181; 
Liebster Gott, wann werd ich sterben, Nr. 8 ; 
Liebster Immanuel, Herzog der Frommen, 
Nr. 123; Liebster Jesu, mein Verlangen, Nr. 
32; Lobe den Herren, den mdchtigen Konig 
der Ehren, Nr. 137; Lobe den Herm, meine 
Seele (Neujahr), Nr. 143; Lobe den Herm, 
meine Seele (12. Sonntag nach Trin.), Nr. 69; 
Mache dich, mein Geist, bereit, Nr. 115; Man 
singet mit Freuden vom Sieg, Nr. 149; Mein 
Gott, wie lang', ach lange, Nr. 155; Mein 
Herze schwimmt im Blut (Ausg. der Neuen 
Bach-Ges. XIII, 2); Mein liebster Jesus ist 
verloren, Nr. 154; Meine Sect erhebt den 
Herren, Nr. 10; Meine Seele ruhmt und preist, 
Nr. 189; Meine Seufzer, meine Trdnen, Nr. 
13; Meinen Jesum lass' ich nicht, Nr. 124.; 
Mit Fried' und Freud' fahr.ich dahin, Nr.125; 



90 



Bach. 



Nach dir, Herr, verlanget mich, Nr. 150; 
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, Nr. 101 ; 
Nimm, was dein ist, und gehe hin, Nr. 144; 
Nun danket alle Gott, Nr. 192 (unvollstandig) ; 
Nun ist das Heil und die Kraft, Nr. 50; 
Nun komm der Heiden Heiland (fruheres 
Werk), Nr. 61 (1714 entstanden) ; Nun 
komm der Heiden Heiland (spateres Werk), 
Nr. 62; Nur jedem das Seine, Nr. 163; 
ewiges Feuer, o Ursprung der Hebe (Trau- 
ungskantate), Nr. 195; ewiges Feuer, 
Ursprung der Liebe (Pfingstkantate), Nr. 34; 
Ewigkeit, du Donnerwort (1. Sonntag 
nach Trin.), Nr. 20; Ewigkeit, du Donner- 
wort (24. Sonntag nach Trin.), Nr. 60; 
O heilges Geist- und Wasserbad, Nr. 165 ; 
Preise, Jerusalem, den Herrn, Nr. 119; 
Schau, lieber Gott, wie meine Feind' Nr. 153; 
Schauet dock und sehet, ob irgend ein Schmerz 
sei, Nr. 46; Schlage dock, gewiinschte Stunde, 
Nr. 5 3 (wahrscheinlich unecht) ; Schmiicke dich , 
o liebe Seele, Nr. 180; Schwingt freudig euch 
enzpor, Nr. 36; Sehet, welch eine Liebe, Nr. 64; 
Sehet, wir gehn hinauf gen Jerusalem, Nr. 159; 
Sei Lob und Ehr dem hochsten Gut, Nr. 117; 
Selig ist der Mann, Nr. 57; Sie werden aus 
Saba alle kommen, Nr. 65 ; Sie werden euch 
in den Bann tun (fruheres Werk), Nr. 44; 
Sie werden euch in den Bann tun (spateres 
Werk), Nr. 183; Siehe, ich will viel Fischer 
aussenden, Nr. 88 ; Siehe zu, dafi deine Gottes- 
furcht nicht Heuchelei sei, Nr. 179; Singet 
dem Herrn ein neues Lied, Nr. 190 (unvoll- 
standig) ; Suffer Trost, mein Jesus komnit, 
Nr. 151; Tritt auf die Glaubensbahn, Nr. 152 
(1714 oder 1715 entstanden); Tue Rechnung! 
Nr. 168; Uns ist ein Kind geboren, Nr. 142; 
Unser Mund sei voll Lachens, Nr. no; Ver- 
gniigle Ruh, beliebte Seelenlust, Nr. 170; 
Wachet auf, ruft uns die Slimme, Nr. 140; 
Wachet! beiet! betetf wachet! , Nr. 70; Wahr- 
lich, wahrlich, ich sage euch, Nr. 86; War 
Gott nicht mit tins diese Zeii, Nr. 14 (1735 
entstanden) ; W arum belriibst du dich, mein 
Herz, Nr. 138; Was frag ich nach der Well, 
Nr. 94; Was Gott tut, das ist wohlgeian 
(15. Sonntag nach Trin.), Nr. 99; Was Gott 
hit, das ist wohlgeian (15. Sonntag nach 
Trin.), Nr. 100; Was Gott tut, das ist wohl- 
geian (21. Sonntag nach Trin.), Nr. 98; Was 
mein Gott will, das gescheh' allzeit, Nr. in; 
Was soil ich aus dir machen, Ephraim, Nr. 89 ; 
Was willst du dich betriiben, Nr. 107 ; Weinen, 
Klagen, Sorgen, Zagen, Nr. 12 ; Wer da glaubet 
und getauft wird, Nr. 37 ; Wer Dank opferl, der 
preiset mich, Nr. 17; Wer mich liebet, der 
wird mein Wort halten (fruheres Werk), Nr. 
59; Wer mich liebet, der wird mein Wort 
halten (spateres Werk), Nr. 74; Wer nur 
den lieben Gott lafit walten, Nr. 93 ; Wer sich 
selbst erhohet, der soil erniedriget werden, 
Nr. 47 ; Wer weifl, wie nahe mir mein Ende, 
Nr. 27; Widerstehe doch der Sunde, Nr. 54; 
Wie schon leuchtet der Morgenstern, Nr. 1 ; 
Wir danken dir, Gott, wir danken dir, Nr. 29 ; 
Wir miissen durch viel Trubsal in das Reich 
Gottes eingehen, Nr. 146; Wo gehest du hin ?, 
Nr. 166; Wo Gott, der Herr nicht bei uns 
halt, Nr. 178 ; Wo soil ich fliehen hin ? , Nr. 5 ; 



Wohl dem, der sich auf seinen Gott, Nr. 
139. Von fiinf Passionsmusiken sind nur 
zwei erhalten, namlich die Matthauspassion 
und die Johannispassion (die Unechtheit 
einer dritten [nach St. Lukas] ist unzweifel- 
haft). Diesen beiden grofitenWerken schlieBt 
sich die ff«W/-Messe an, die nebst vier 
unvollstandigen das einzige erhaltene Doku- 
ment einer groBeren Zahl von B. wahr- 
scheinlich fur die Dresdener katholische 
Hofkirche geschriebener Messen ist. Auch 
das groBe 5 st. Magnificat ist eins der hervor- 
ragendsten Werke Bachs. Den Passionen 
nahestehende Werke sind das Weihnachts- 
oratorium sowie das Himmelfahrts- und 
Osteroratorium. Die Kantaten Bachs stehen 
auf dem Boden der Formgebung, welche 
seit 1700 durch Erdmann Neumeisters 
,,madrigalische" Umdichtungen von Bibel- 
worten und alteren Kirchenliedern fur die 
Komposition als Rezitative und Arien an- 
gebahnt wurde; doch verzichtet nur ein Teil 
von ihnen auf die durch die Meister des 
17. Jahrhunderts so eindrucksvoll entwik- 
kelte polyphone Behandlung von Choralen 
oder Bibelspriichen in der Verbindung von 
Chor, Orchester und Orgel. Aber auch wo 
Bach, dem Zuge der Zeit nachgebend, in 
der Art der weltlichen Kantate und der 
Oper, nur Rezitative und Arien wechseln 
laBt, erhebt ihn der Reichtum seiner melo- 
dischen Erfindung und die Vertiefung des 
Ausdrucksgehalts weit fiber die Zeitgenossen ; 
nur er hat es verstanden, der Gefahr, welche 
die opernmaBige Anlagc der Kirchenmusik 
bedingt, mit Erfolg zu begegnen. Kaum 
minder groB als in seinen kirchlichen (und 
weltlichen) Vokalwerken (iiber zwanzig 
weltliche Kantaten von ihm sind erhalten) 
ist Bach in seinen Instrumentalkompo- 
sitionen, besonders fur Orgel, Klavier, 
sowie Klavier mit anderen Instrumenten : 
Praludien und Fugen, Phantasien, Sonaten, 
Tokkaten,Partiten, Suiten, Konzerten,Varia- 
tionen, Choralvorspielen usw. Wie als Vokal- 
komponist so als Instrumentalkomponist ist 
B.derErbe Jahrhunderte alten Kunstgutes, 
als Vollender alles zusammenfassend und in 
reinsterErkenntnis allerharmonischenFunk- 
tionen lauternd, was anForm im groBen und 
kleinen die Periode der Polyphonie hervorge- 
bracht hatte ; vor allem in der Fugenf orm ist B . 
ein letzter und hochster Gipfel. Besonders 
seien hervorgehoben : Das Wohltemperierte 
Klavier (48 Praludien und 48 Fugen, in 
jedem der beiden Teile je ein Praludium 
und eine Fuge in jeder Dur- und Molltonart, 
das unvergangliche Denkmal des nun erst- 
malig in seinem ganzen Umfange dargelegten 
Systems der an die Stelle der Kirchentone 
getretenen modernen Tonarten) und die 
Kunst der Fuge (15 Fugen und 4 Kanons 
liber ein und dasselbe Thema). Vgl. die 
ausfuhrlichen Analysen beider Werke in 
H. Riemanns Katechismus der Fugen- 
komposition (1890 — 94, 3 Teile, 4. Auflage 
1920) sowie K. Debrois van Bruycks 
Technische und dsthetische Analyse des Wohl- 
temperierten Klavier s (2. Auflage 1889) und 



Bach. 



91 



Fr. Iliffe, The 48 Preludes und Fugues usw. 
(1896). Die Orgelwerke Bachs bilden bis 
heute. den Gipfelpunkt der Orgelmusikuber- 
haupt, die nach ihm schnell absank und erst 
in neuester Zeit (Max Reger) wieder an 
Bach ankniipfte. Fur Violine allein schrieb 
B. 3 Partiten und 3 Sonaten, Werke, die 
ihresgleichen nicht haben; allein schon die 
groBe Ciacona der D moll-P axtita. genugt, 
um einen Begriff von Bachs immensem 
Konnen und unerschopflicher Phantasie zu 
geben. Von jetzt nicht mehr ublichen In- 
strumentenhatB.die Gam b emit 3 Sonaten, 
die Laute mit 3 Partiten (Neuausg. der 
Lautenkompositionen durch Dag. Bruger) 
und die von ihm seibst konstruierte Viola 
pomposa (Violoncello piccolo [s. d.]) 
mit einer Suite bedacht. Nur ein kleiner Teil 
der Werke Bachs erschien bei seinen Leb- 
zeiten im Druck (Klavierubung, Das musi- 
kalische Opfer, die Goldbergschen Variationen, 
Chorale usw v ) ; den von B. seibst begonnenen 
Stich der Kunst der Fuge gab C. Phil. Em. 
Bach 1752 heraus. Erst Jahrzehnte nach 
seinem Tod begann man, Bachs Werken 
wieder grofiere Beachtung zu schenken und 
einzelnes zu drucken bzw. wieder zu drucken. 
Forkel wies als erster auf Bachs nationale und 
ubernationale Bedeutung hin; Mendelssohn 
hat dann durch die mit Ed. Devrient 1829 in 
Berlin veranstaltete Auffiihrung der Mat- 
thauspassion durch die Singakademie den 
starksten AnstoB zur Wiederbelebung B.s 
gegeben. 1837 nahm die Firma Peters eine 
Gesamtausgabe der Instrumentalwerke Bachs 
in Angriff; spater dehnte sie diese auch auf 
die Vokalwerke aus. Eine monumentale 
kritische Gesamtausgabe ist die 1851 
bis 1900 erschienene der von den beiden 
Hartel, K. F. Becker, M. Hauptmann, Otto 
Jahn und Rob. Schumann in Leipzig be- 
griindeten Bach- Gesellschaft (46 Jahr- 
gange in 59 Banden, die Redaktion groBten- 
teils von W. Rust besorgt). Eine Ausgabe 
der Kantaten fur den praktischen Gebrauch 
(Klavierauszuge, Stimmen) im Verlage von 
Breitkopf & Hartel besorgten B. Todt, E. 
Naumann, G. Schreck, Max Schneider 
undOtto Schroder. Erwahntseienauchnoch 
die Bearbeitungen Bachscher Werke durch 
Robert Franz (s. d.), die freilich vor der 
heutigen, auf geschichtlicher und sachlicher 
Erkenntnis beruhenden Auffuhrungspraxis 
nicht mehr bestehen konnen. Die Zahl der 
Einzelausgaben ist Legion; von denen der 
Klavierwerke seien die von Hans Bischoff 
(Steingraber) und F. Busoni (B. & H.), von 
denen der Orgelwerke die von Straube (nur 
der I. Bd. bisher) hervorgehoben. 1900 
(Griindungstag 27. Jan.) trat in Leipzig 
unter der geistigen Aegide von Herm. 
Kretzschmar eine NeueBachgesellschaf t 
ins Leben. Sie kaufte Bachs Geburtshaus 
in Eisenach und legte darin ein Bach- 
Museum an, veranstaltet mit wechselndem 
Ort GroBe und Kleine Bachfeste (Berlin 
1901 und 1926, Leipzig 1904, 1920 und 
1923, Eisenach 1907, Chemnitz 1908, Duis- 
•burgi9io, Breslau 1912 und 1922,, Wien 1914 



[wertvolle Programmbiicher von A. HeuB], 
Hamburg 1921, Stuttgart 1924, Essen 1925, 
Munchen 1927) ; gibt seit 1904. em Bach- 
Jahrbuch heraus (redigiert von Arnold 
Schering) und macht Bachsche Werke in 
praktischen Neuausgaben zuganglich (Breit- 
kopf & Hartel). Neben diesen groBeren Fe- 
sten veranstaltete sie vier kleine Bachfeste 
(drei in Eisenach 1911, 1913, 1917, eins in 
K6theni925); besonders zu erwahnen sind 
die Leipziger Bachfeste, vonK. Straube mit 
dem Leipziger Bach-Verein veranstaltet 
(1908, 1911, 1914, 1920 [zugleich 8. 
Deutsches Bachfest], 1927). Bach -Ver- 
eine zur Pflege Bachscher Musik bestehen 
bzw. bestanden in Deutschland, England, 
Paris, Amerika in groBer Zahl. Ein erstes 
unscheinbares Denkmal B.s lieB Mendels- 
sohn zu Leipzig in der Nahe der Thomas- 
kirche an der Promenade aufstellen; eine 
Bachbuste erinnert in Kothen an seine dor- 
tige Anstellung; ein erstes Standbild aus Erz 
wurde 28. Sept. 1884 in seiner Geburtsstadt 
Eisenach enthullt; die 1895 von Karl Seff- 
ner auf den angeblich aufgefundenen Scha- 
del Bachs (vgl.W. H i s , A natomische Forschun- 
gen uber J oh. Seb. B.s Gebei-ne und Antlitz, 
1896) modellierte charaktervolle Biiste 
fand ihre Aufstellung in der Musikbibliothek 
Peters zu Leipzig; am 17. Mai 1908 wurde 
ein von Seffner modelliertes Bronze-Stand- 
bild auf dem Platz hinter der Thomaskirche 
zu Leipzig enthullt; auch in der Walhalla 
hat eine Bachbuste von Fritz Behn 1916 
Aufstellung gefunden. 

Die Lebensgeschichte J. S. Bachs 1st mehr- 
fach geschrieben worden, zuerst von Phil. 
Emanuel B. und J. Fr. Agricola in Mizlers 
Musikalischer Bibliothek, Bd. IV, 1 (1754), 
J. A. Hillcr (1784), dann von Forkel (Uber 
J. S. Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke, 
1802, 2. Aufl. 1855, Neuausgabe durch J. 
Miiller-Blattau 1925; engl. von Wesley 
1820), Hilgenfeldt (1850), Bitter (/. 5. 
B., 1865, 2 Bde., 2. Aufl.1881, 4 Bdc.), H. 
Barth (/. S. B., 1902). Eine eingehende, 
des Meisters wiirdige Biographie ist die von 
Ph. Spitta veroffentlichte (J . S. B., 1873 
bis 1880, 2 Bde., 3. Aufl. 1921 ;engl. von Clara 
BellundJ.A. Fuller-Maitland 1899). Da- 
zu kommen W. Carte, Etude sur J. S. B. 
(2.Aufl.i8Q8);A.Pirro,L'org-Mede/. 5. Bach 
(1895, englisch von Goodrich 1903), UesthHi- 
que de J. S. Bach (1907), und Bach (Biogra- 
phie 1906, deutsch von B. Engelke 1910); 
Alb. S c h w e i t z e r , /. S. Bach le musicien poHe 
(1905, erweitert deutsch 1908 ff., auch engl. 
1923); H. H. Parry, J.S.Bach (1909 engl.); 
Julien Tiersot, Bach (1912 in Musiciens 
celibres); Ch. Sanford Terry, Bachs Chorals, 
3 Bde. (1915, 1917, 1921); J. S. Bactis Ori- 
ginal Hymn-Tunes for Congregational Use 
(1922); Bachs Mass in B minor; A Bach 
Hymnbook of XVI Century Melodies (1923); 
/. S. Bachs Cantata Texts, Sacred and Secular 
(1926); W. G. Whittaker, Fugitive Notes 
on Church Cantatas and Motets of J. S. B. 
(1923); Harvev Grace, The Organ Works of 
£.(1922); M.Kobelt, /. 5. B.sgrofiesMagni- 



Bach . 



Hti 



fikat (1903, Dissert.); Ph. Wolfrum, /. S. 
B. (2 Bde. 1906, 1910); K. Hasse, /. S. B. 
(1925); F. Jode, Die Kunst Backs (1926) ; 

A. Heufi, J.S. B.s Matthduspassion (1909); 
Leonhard Wolff, J.S. Backs Kirchenk antaten 
(1914); Herm. Kretzschmar, Bach-Kolleg 
{ig22);'Wilh.Wer'ker,Bachstudien(I:Studien 
■iiber die Symmetric im Bau der Fugen und die 
.motivischeZusammengehorigkeit der Prdludien 
und Fugen des Wohlt. Klaviers, 1922; II: 
Die Matthdus-Passion, 1923); Fuller-Mait- 
land, The Toccatas of Bach (Sammelb. d. 
IMG. XIV, S. 578 ff.); Joh. Schreyer, Bei- 
trdge zur Bachkritik (2 Hefte 1912/13); R. 
Wustmann, J". S. B.s Kantatentexte (1913); 
J. Mayrhofer, Bachstudien (1. Bd. 1901, 
uber die Orgelwerke); Ernst Kurth, Grund- 
lagen des linearen Kontrapunkts; Einfiihrung 
in Stil und Technik von Backs melodischer 
Polyphonic (1917); Woldemar Voigt, Die 
Kirchenkantaten J . S. Backs (Fiihrer beim 
Selbststudium), herausgegeben vom Wiirt- 
terabergischen Bachverein 1918 ;Friedr. Has- 
hagen, /. S. Bach als Sanger und Musiker 
des Evangeliums und der luth. Reformation 
(2. — 4. Aufl. 1925). 

Bach, Leonhard Em il, * 11. Marz 1849 
zu Posen, f 15. Febr. 1902 in London, Pia- 
nist, Schiiler Kullaks (Klavier), Wiiersts und 
Kiels (Theorie) in Berlin, war langere Zeit 
Lehrer an Kullaks Akademie, seit 1882 Leh- 
rer an der Guildhall-Musikschule zu London. 

B. schrieb die Opern : Irmengarda (London 
1892), The Lady of Langford (daselbst 1894), 
Des Konigs Garde (Koln 1895) und die ko- 
mische Oper Das Tabakskollegium (nach- 
gelassen). 

*Bach, Nikolaus, Sohn von Joh. Chri- 
stoph B., * 10. Okt. 1669, J 4. Nov. 1753, 
war seit 1719 Organist der Stadtkirche und 
zugleich der Kollegienkirche zu Jena, ein 
vorziiglicher Kenner des Instrumenten- 
baues. Von seinen Kompositionen sind er- 
halten eine meisterliche Messe in E moll 
(Neuausg. von A. Fareanu und V. Junk 
1920) und ein komisches Singspiel Der Jena- 
ische Wein- und Bier-Rufer (Neuausg. von 
Fri^dsJ Stein 1921). 

Bach, Otto, * 9. Febr. 1833 zu Wien, wo 
sein Vater Advokat war, "]" 3. Juli 1893 zu 
Unterwaltersdorf bei Wien, Schiiler Sech- 
ters in Wien, Marx' zu Berlin und Haupt- 
manns zu Leipzig, wirkte zuerst als Opern- 
kapellmeister an verschiedenen deutschen 
Biihnen und wurde 1868 artistischer Direk- 
tor des Mozarteums und Domkapellmeister 
zu Salzburg, 1880 Kapellmeister an der 
Votivkirche zu Wien. 1864 heiratete er H. 
MarschnersWitwe Therese(geb.Janda). Von 
seinen Kompositionen sind hervorzuheben 
die Opern: Die Liebesprobe {Der Lowe von 
Salamanka, 1867), Leonore (1874), Die Argo- 
nauten, Medea, Sardanapal, Musik zu Heb- 
bels Nibelungen, ein Requiem, 4 Sinfonien, 
die Ballade fur Chor und Orchester Der Blu- 
men Rache, die Ouvertiire Elektra, Kammer- 
musikwerke, Chorlieder, Messen, Tedeum 
usw., von denen vieles im Druck erschienen ist. 



*Bach, Wilhelm Friedemann (der Hal- 
lesche B.), der alteste Sohn J. Seb. B.s, * 22. 
Nov. 1710 zu Weimar, "j" 1. Juli 1784 in Ber- 
lin; war auBergewohnlich begabt und der 
besondere Liebling seines Vaters (ein Zeug- 
nis dessen das fur ihn angelegte Klavier- 
biichlein, Neuausg. von Herm. Keller, 1927), 
schlug aber insofern aus der Art, als er sich 
einem ungebundenen, vagabundierenden 
Lebenswandel ergab, der ihn selten zu ge- 
sammelter Arbeit kommen lieB. Er war 1733 
bis 1747 Organist an der Sophienkirchc zu 
Dresden, sodann bis 1764 an der Marien- 
kirche zu Halle a. S. Seit er dies Amt 
seiner Extravaganzeu wegen aufgeben 
muBte, lebte er, ohne eine neue Stel- 
lung anzunehmen, bald hier, bald dort 
(Leipzig, Berlin, Braunschweig, Gottingen 
usw.) und starb, ein verkommenes Genie in 
des Wortes wahrem Sinne, 74 jahrig in Ber- 
lin. Der Stil Friedemanns ist ein durchaus 
individueller, oft durch Ziige innigen Aus- 
drucks iiberraschend. Eine grofiere An- 
zahl seiner Werke liegt handschriftlich 
auf der Berliner Bibliothek; eine Aus- 
wahl (Konzerte, Sonaten, Phantasien, eine 
Suite usw. fur Klavier) gab H. Rie- 
mann bei Steingraber heraus, eine Trioso- 
nate B dur im Collegium musicum, Werke, 
die der Beachtung im hochsten MaBe wert 
sind. Eine Phantasie und Fuge fur Orgel gab 
A. Stradal fur Klavier heraus, zugleich 
mit dem ihm zugeschriebenen Orgelkonzert 
in D moll, das jedoch eine Bearbeitung eines 
Vivaldischen Violinkonzerts durch Seb. 
Bach ist (vgl. Bach-Jahrbuch 1911, S. 23 
[Max Schneider]); eine prachtvolle Sinfo- 
nie (Ouvertiire zu einer Geburtstagskantate) 
in D moll Erich Prieger (1910); ein Heilig 
fur Ch. und Orch. A. Schering (1922). Eine 
Sonate fur 2Klaviere steht im 43. Jahrgange 
der Ausgabe der Bachgesellschaft als Werk 
seines Vaters (bei Rieter-Biedermann unter 
Friedemanns Namen gedruckt, von J . Brahms 
anonym herausgegeben). Die X758inderLeip- 
ziger Zeitung auf Subskription angezeigte 
Abhandlung vom harmonischen Dreyklang 
ist wohl nicht zum Druck gekommen. Leider 
scheint es, daB durch Friedemanns Schuld 
ein Teil der Werke seines Vaters verloren ge- 
gangen ist; denn von den nach dessen Tode 
unter die beiden altesten Sohne verteilten 
Manuskripten sind, soweit bis jetzt bekannt, 
nur die Ph. Emanuel zugefallenen erhalten. 
A. E. Brachvogels Roman Fr. B. (vielfach 
neugedruckt) hat keineneigentlichbiographi- 
schen Wert; C. H. Bitters Werk iiber die 
Sohne Seb. Bachs wird Friedemann nicht 
gerecht. Vgl. Martin Falck (gef alien 28. Okt. 
1914 beiBecelaere), W.F. .B. (1913, Leipziger 
Dissertation, mit thematischem Katalog der 
erhaltenen Werke). 

*Bach, Wilhelm Friedrich Ernst, En- 
kel und letzter mannlicher Nachkomme J. 
S. Bachs, Sohn des Buckeburger~B., * 27. Mai 
1759 zu Biickeburg, | 25. Dez. 1845 i n Ber- 
lin ; Schiiler seines Vaters und seines Oheims 
Joh. Christian, zu dem er sich nach London 
begab, war ein vorziiglicher Klavier- und 



&A 



& 



ai^vm^ i-i^^wa- ; -3 



CuJl, 



Bach- Abel-Concerts -r- Bachmann. 



93 



Orgelspieler und zunachst in London ein sehr 
gesuchter Lehrer, ging nach des Oheims 
Tode nach Paris, wo er konzertierte, und 
Siefl sich dann in Minden nieder. 1789 sie- 
delte er nach Berlin iiber, wo er als Cembalist 
der Konigin mit dem Titel Kapellmeister an- 
gestellt wurde; spater war er Cembalist der 
Konigin Luise und Musiklehrer der konig- 
lichen Prinzen, erhielt aber nach dem Tode 
der Konigin seine Pensionierung und lebte 
seitdem zuriickgezogen. Nur wenige Kom- 
positionen von ihm sind gedruckt (Gesang- 
und Klaviersachen). 

Bach-Abel-Concerts (in London 1764 
bis 1782) s. Joh. Chr. Bach und K. Fr. Abel. 

Bach-Klavier, s. Maendler. 

Bach-Society, eine 1849 — 70 in London 
tatige Gesellschaft zur Forderung der Bach- 
forschung und zur Pflege Bachscher Musik, 
begriindet von St. Bennett, R. Barnett, Hop- 
kins, Hullah, Henry Smart, George Smart, 
Potter, Steggallu. a. (i854Matthauspassion 
unter Barnett, i860 H moll- Messe, 1861 
Weihnachtsoratorium usw.). Bei der Auf- 
losung 1870 vermachte die Gesellschaft ihre 
Bibliothek der Royal Academy of Music. 

Bache (spr. betsch), Constance, Schwe- 
ster von F.E. und W. Bache, * 11. Marz 1846 
zu Edgbaston, f 28. Juni 1903 zu Montreux, 
war eine hochgeschatzte Ubersetzerin aus 
dem Deutschen ins Englische. Sie schrieb: 
Brother Musicians, Reminiscences of Edward 
and Walter B. (1901) und iibersetzte u. a. 
den ersten Band der Briefe Billows (The 
Early Correspondence 1896^ und Briefe Liszts 
(Letters 1894J. 

Bache (spr. betsch), Francis Edward, 
* 14. Sept. 1833 un d t 2 4- Aug. 1858 zu Bir- 
mingham ; Violinschiiler von A. Mellon in 
Birmingham, dann Kompositionsschuler von 
Bennett, 1853 — 55 Schiiler von Hauptmann 
und Plaidy am Leipziger Konservatorium, 
war ein sehr talentvoller Komponist, leider 
aber brustkrank, lebte 1855/56 in Algierund 
Italien,imSommer 1 8 56 in Leipzig und Wien, 
seit Sommer 1857 in England. Eine Anzahl 
Klavierstucke, Lieder, ein viel gespieltes 
Trio, Violinromanzen sind gedruckt, ein Kla- 
vierkonzert, ein Konzertstiick, eine Ouver- 
ture, zweiOpern(WAj'cA is Which 1S51, Riibe- 
zahl 1853) sind Manuskript geblieben. 

Bache (spr. betsch),Walter, Brudervon 
Fr. E. B., * 19. Juni 1842 zu Birmingham, 
1"26. Marz 1888 in London, zuerst Schiiler von 
Stimpson in Birmingham, 1858 — 61 amLeip- 
ziger Konservatorium von Plaidy, Moscheles, 
Hauptmann und Richter, gleichzeitig mit 
seinen Landsleuten Sullivan, Dannreuther, 
C. Rosa, Fr. Taylor usw. Nach kurzem Auf- 
enthalt in Mailand und Florenz ging er 1862 
nach Rom und studierte drei Jahre unter 
Liszt, befreundet mit G. Sgambati. 1865 
kehrte er nach England zuriick und lebte 
seitdem als Dirigent und Musiklehrer in Lon- 
don. B. war ein warmer Verehrer Liszts 
und hat personlich als Pianist und Dirigent 
zahlreiche seiner Werke in London bekannt 
gemacht. 



Bachelet (spr. baschla) , Alfred, *26. Febr. 
1864 in Paris; einer der bemerkenswertesten 
Opernkomponisten der modernen franzosi- 
schen Schule, der aber erst spat Anerkennung 
errungen hat, und zwar einzig mit einem ly- 
rischen Drama Quand la cloche sonnera (Paris, 
Op. Com., 1922). Nach glanzenden Studien 
am Kons. erhielt er 1890 den Rompreis und 
blieb dann 25 Jahre lang vollstandig — 
aufier im Freundeskreis — im Verborgenen; 
nur gelegentlich gelangte ein Lied, eine ly- 
rische Szene oder eine sinfonische Dichtung 
aus seiner Feder in den Konzertsaal. 1914 
fuhrte die GroBe Oper sein dreiaktiges ly- 
risches Drama Scemo (Text von Charles Mere) 
auf. Wahrend des Krieges brachte er als 
Dirigent der Oper mit Erfolg ein Ballett 
(Text von H. Prunieres), in das er orche- 
strierte Tanze aus dem 18. Jahrhundert ein- 
gearbeitet hatte : La Fete chez la Poupliniire ; 
er orchestrierte auch die Rezitative und 
Tanze von Castor et Pollux von Rameau. 
Seit 1919 ist er als Nachfolger von Ropartz 
Direktor des Konservatoriums von Nancy. 
Andere Werke : V amour des Ondines, sinfon. 
Dichtung fur Tenor, FrCh. und Orch.; Joie; 
Le Songe de la Sulamite, lyr. Szene; Orchester- 
gesange; Noel fur 2 Frauenstimmen ; Ballade 
fur V. und Orch.; Oper: Fiona, 4 akt. (1894 
zum Teil in den Concerts Lamoureux ge- 
spielt). 

Bachmann, Anton, Hofmusikus und In- 
strumentenmacher zu Berlin, * 1716, 1 8. 
Marz 1800. Sein Sohn und Geschaftserbe 
Karl Ludwig, * 1743, | 1809, war ein 
guter Bratschist und als solcher Mitglied der 
Koniglichen Kapelle. Dessen Gattin Char- 
lotte Karoline Wilhelmine, geborene 
Stowe, * 2. Nov. 1757 zu Berlin, f 19. Aug. 
18 17, war eine tiichtige Sangerin und ver- 
dientes Mitglied der Singakademie unter 
, Fasc h. 

t Bachmann, Georg Christian, beriihm- 
ter Klarinettenvirtuose, * 7. Jan. 1804 zu 
Paderborn, ■}■ 18. Aug. 1842 zu Briissel, wo 
er Solo- Klarinettist der Konigl. Kapelle 
und Professor am Konservatorium war und 
viele bedeutende Schiiler bildete. Daneben 
war B. selbst als renommierter Fabrikant 
von Klarinetten tatig. 

Bachmann, Gottlob, * 28. Marz 1763 zu 
Bornitz bei Zeitz, | 10. April 1840 in Zeitz, 
seit 1791 Organist an der dortigen Nikolai- 
kirche, Komponist von Singspielen (Orpheus 
und Euridice, Don Sylvio von Rosalba), Lie- 
dern und Balladen (Schillers Burgschaft und 
Gruppe aus dem Tartarus, Burgers Lenardo 
und Blandine usw.), sowie zahlreichen Kam- 
mermusikwerken (Klavierquintett op. 112, 
Streichquartetteo^. 4, 5, 22), Klaviersonaten 
(eine zu vier Handen) und Orgelstiicken. 
Schrieb eine Allgemeine Musikschule (1833). 

Bachmann, Walter, * 1. Juni 1874 zu 
Dresden, erhielt noch wahrend der Schulzeit 
(1880 — 82) Unterricht bei Sigism. Blumner 
(Klavier), Franz Wiillner (Theorie), Krantz 
(Klavier) und studierte nach Absolvierung 
des Gymnasiums 1892 — 94 am Dresdener 
Konservatorium bei Krantz, Draeseke und 



94 



Bachner — Badeff. 



Rappoldi. Im Jahre 1894 als Lehrer des 
Hochschulorchesters dieser Anstalt ange- 
stellt, 1896 Gewinner des Mendelssohn- 
Staatsstipendiums fiir ausubende Tonkiinst- 
ler, lebt er als feinsinniger Konzertpianist 
in seiner Vaterstadt. 

Bachner, Louis, Gesangspadagoge, * 17. 
April 1882 in Neuyork, erst als Konzert- 
pianist in Amerika und Europa tatig; seit 
1901 studierte er jedoch in Paris und Berlin 
Gesang und wirkt seit 1910 als Gesangslehrer 
in Berlin, seit 1921 Professor an der Staatl. 
Hochschule fiir Musik. Zu seinen Schiilern 
zahlen u. a. Heinrich Schlusnus, Sigrid One- 
gin, Charles Dalmores, Karin Branzell, Rich. 
Schubert, Rudolph Laubenthal. 

Bachofen, Joh. Kaspar, schweiz. Kom- 
ponist, * 1697 un d t 2 4- J un i I 755 i n Zurich; 
Organist und spater Kantor am Miinster, 
beliebter Komponist iiberwiegend kirch- 
licher Gesange: Musikalisches Halleluja (1- 
bis 3 st. geistl. Lieder 1727, 8. Aufl. 1767), 
Irdisches Vergnugen in Gott (nach Brockes, 
Melodien mit BaB 1740), Musikalische Er- 
getzungen (Arien konzertweis 2 st. ohne und 
mit Instr. 1755), Psalmen (Melodien mit 
GeneralbaB, 2. Aufl. 17 59) ,em.e Passion (1759, 
Text von Brockes) usw., auch ein instruk- 
tives Musikalisches Notenbiichlein. 

Bachrich, Siegmund, * 23. Jan. 1841 zu 
Zsambokreth (Ungarn), j 16. Juli 1913 in 
Wien, am Wiener Konservatorium 1851 — 57 
Violinschuler Bohms, zog, nachdem er kurze 
Zeit als Kapellmeister einer kleinen Biihne 
in Wien fungiert, 1866 nach Paris, wo er 
sich als Dirigent in untergeordneter Stellung, 
Journalist, ja Apotheker kummerlich durch- 
schlug; 1869 kehrte er nach Wien zuruck 
und trat als Bratschist in das Hellmesberger- 
sche Quartett ein, dem er 12 Jahre ange- 
horte. B. war bis Anfang 1899 Professor am 
Wiener Konservatorium und Solobratschist 
des philharmonischen und Hofopernorche- 
sters, auch Mitglied des Quartetts Rose. Er 
komponierte Kammermusikwerke, Violin- 
stiicke, Lieder und die komischen Opern 
Muzzedin (1883) und Heini von Steier (1884), 
die beifallige Aufnahme fanden. Bereits 
1866 waren diesen zwei Operetten in Wien 
vorausgegangen ; eine dritte Der Fuchsmajor 
folgte 1889. Auch ein Ballett seiner Kompo- 
sition Sakuntala wurde aufgefuhrt. In seinem 
Nachlasse fand sich als Manuskript A us ver- 
klungenen Zeiten, Erinnerungen eines alten 
Musikers (erschienen Wien 1914). 

Backer-Grondahl, Agathe Ursula, nor- 
wegische Pianistin und Komponistin, * i.De- 
zember 1847 zu Holmestrand, j 16. Juni 1907 
zu Ormoen bei Oslo (zuletzt taub), Schii- 
lerin von O. Winter-Hjelm und H. Kjerulf, 
1866 von Th. Kullak in Berlin, 1867 von 
Bxilow in Florenz, 1875 vermahlt mit dem 
Gesanglehrer Olavus Andreas Grondahl 
in Oslo (* 4. Nov. 1847 zu Oslo, Nachfolger 
von J. D. Behrens als Leiter groBer Manner- 
chore und gemischter Chore [Grondahls Kor 
1878 — 1906], komponierte Lieder, Klavier- 
stucke, Etiiden op. 11, 47, 57, 58, Suite 



op. 20, auch Mchore, darunter das Chor- 
werk For an Sydens Kloster usw.). 

Backer-Grondahl, Frithjof, * 5. Okt. 
1885 zu Oslo, Sohn und Schuler von Agathe 
B.-G., studierte noch auf der Berliner Kgl. 
Hochschule fiir Musik (Rudorff, A.W.Bach) 
und bei E. von Dohnanyi, Komposition bei 
Rob. Kahn und Phil. Scharwenka, und lebte 
als Pianist und Komponist (meist Klavier- 
sachen) in Oslo, lebt jetzt aber in London. 

Backer-Lunde, Johan, * 6. Juli 1874 zu 
Le Havre von norwegischen Eltern, Schuler 
von Agathe Backer-Grondahl und IverHolter 
in Oslo und von Busoni und Heinr. Urban 
in Berlin. Konzertierte in Skandinavien, 
England und Deutschland als geschickter 
Pianist und komponierte Klaviersachen, 
iiber 200 Lieder, auch Orchesterwerke : 3 
Sinfonien und 16 Orchesterstucke. 

Backhaus, Wilhelm, Pianist, * 26. Marz 
1884 m Leipzig, 1891 — 99 Schuler von Alois 
Reckendorf daselbst (privatim und seit 1894 
am Konservatorium) sowie 1899 von Eugen 
d' Albert in Frankfurt a. M., machte sich 
seit 1900 durch Konzertreise,n bekannt, fun- 
gierte 1905 als Klavierlehrer am Royal Col- 
lege of Music zu Manchester (unter Brodsky), 
erhielt in demselben Jahre den Rubinstein- 
preis und lebt seitdem, als Spieler von groBter 
technischer Uberlegenheit, nur der Konzert- 
tatigkeit. Im Sommer 1907 und 1908 hielt 
erFerien-Meisterkurse fur Klavierspiel am 
Sondershauser Konservatorium. 

Backofen, Joh. G. Heinrich, * 1768 
zu Durlach, \ 1839 in Darmstadt, vielseitiger 
Virtuose auf der Klarinette, Harfe, Flote 
und dem Bassetthorn; machte seit 1789 auf 
Kunstreisen Aufsehen, war 1802 Kammer- 
musikus zu Gotha, seit 181 1 zu Darmstadt. 
B. gab Trios, Quintette usw. fiir Harfe mit 
andern Instrumenten, Klarinettenkonzerte 
u.a., eine Harfenschule und eine Methode des 
Bassetthorn- und Klarinettenspiels heraus. 

Bacon (spr.bek'n), RichardMackenzie, 

* 1. Mai 1776 zu Norwich, | 27. Nov. 1844 zu 
Cossey bei Norwich; war Herausgeber des 
Quarterly Musical Magazine and Review (18 18 
bis 1829) sowie der Elements of Vocal Science 
(1824). Auch hat er die alle drei Jahre statt- 
findenden Musikfeste zu Norwich ins Leben 
gerufen. 

Bacon (spr. bek'n), Roger, der beriihmte 
Franziskanermonch, Naturforscher und Phi- 
losoph (Doctor mirabilis), * 1214 zu Ilchester 
(Somerset), |n, Juni 1294 zu Oxford, 
schrieb auch einen Traktat De valore musi- 
ces, der in sein Opus majus (Ausg. Leipzig 
1733) aufgenommen ist. Vgl. Herm. Miil- 
ler, Zur Musikauffassung des 13.Ja.hrh. 
(AfMW. IV, 4; 1922). 

Badajoz, span. Komponist des 15. /16. 
Jahrh., s. Cancionero musical. 

Badarczewska (spr. bongdartschefska), 
The'kla, * 1838 und f 1862 zu Warschau; 
bekannt durch seichte Klavier-Salonstucke 
(La pri&re d'une vierge). 

Badeff, Atanas,bulg. Kirchenkomponist, 

* 1863 (?) in Prilep (Mazedonien), f Aug. 
1908 in Sofia, ging nach Absolvierung des 



Baden — Batz. 



95 



Gymnasiums in Sofia nach Rufiland (Odessa, 
Moskau), um Musik zu studieren, und war in 
Petersburg Kompos.- Schiiler von N. A.Rims- 
ky-Korssakow. Er schrieb wertvolle, empfun- 
dene Messen, Hymnen u. a. 

Baden. Vgl. E. Stitzenberger, Grund- 
linien einer Geschichte der Tonkunst ini Lande 
B. (1883); L. Schiedermair, Die Oper an 
den badischen Hofen des ij. und 18. Jahr- 
hunderts (Sammelb. d. IMG. XV); auch H. 
Rott, Kunst und Kiinstler am Baden- Dur- 
lachischen Hofe (1917); Willi. Weitzel, Die 
hirchenmusikalischen V erhdltnisse in B. und 
Hohenzollern (Karlsr. 1927). 

Bader, Karl Adam, beriihmter Opern- 
sanger (Tenor), * 10. Jan. 1789 zu Bamberg, 
f 14. April 1870 in Berlin; wurde 1807 Nach- 
folger seines Vaters als Domorganist zu 
Bamberg und ging 181 1 auf Anraten E. T. A. 
Hoffmanns (s. d.) zur Buhne, wirkte nun mit 
steigendem Erfolg zu Munchen, Bremen, 
Hamburg und Braunschweig und wurde end- 
lich 1820 als erster Tenorist der Berliner Kgl. 
Oper engagiert, deren Zierde er durch 20 
Jahre war. 1 845 horte er auf zu singen, f iihrte 
nun aber nocli bis 1849 die Regie der Oper 
und war danach noch langere Zeit als Musik- 
direktor der katholischen Hedwigskirche 
tatig. Besonders beriihmt war B. als Ver- 
treter der Spontinischen Heldentenor-Par- 
tien. 

Badia, Carlo Agostino, * 1672 zu Vene- 
dig, I 23. Sept. 1738 zu Wien, wurde bereits 
ami. Julii696alskaiserlicherHofkompositeur 
in Wien angestellt, welches Amt damit erst 
geschaffen wurde, schrieb 27 Opern und Se- 
renaden und 21 Oratorien, sowie Kantaten 
fur eine Singstimme mit Klavier (12 als Tri- 
buti armonici gedruckt, 38 weitere zu 1 — 3 
St. sind handschriftlich erhalten). 

Badia, Luigi, * 1819 zu Teramo (Neapel), 
j 30. Okt. 1899 in Mailand, komponierte 4 
Opern, auch gefallige Lieder. 

Badiali, Cesar e, beruhmter Buhnensan- 
ger (Bassist), *ca. 1810 und f 17. Nov. 1865 
zu Imola, debiitierte 1827 zu Triest und sang 
in der Folge an den bedeutenderen Theatern 
Italiens, 1832 — 38 in Madrid und Lissabon, 
wurde 1842 Kaiserl. Kammersanger in Wien 
und feierte 1859 in London Triumphe. Als 
Komponist trat er mit Liedern 'auf. 

Badinage, Badinerie (franz.): Tdndelei, 
in Suiten und Sonaten des 18. Jahrh. Uber- 
schrift scherzoartiger Satze. 

Bachi, Julie, s. Fahrmann. 

Back, Knut, schwed. Komponist und 
Pianist, * 22. April 1868 in Stockholm; stu- 
dierte dort und in Berlin, lebt in Gothen- 
burg; 1912 Mitglied der schwed. Kgl. Akad. 
in Stockholm. Schrieb Klavierstiicke und 
Lieder. 

Baeker, Ernst, * 15. Dez. 1866 in Ber- 
lin, war zuerst Kaufmann, studierte dann 
unter Kullak, Dorn, Becker und Urban Mu- 
sik und trat mit Erfolg als Komponist von 
iyrischen, besonders instruktiven Klavier- 
sachenauf. Lebte inPosen ; seit 1923 in Stolp. 

Baena, Goncalo de, portug. Gitarrist 
und Komponist des begleiteten Vokalstils, 



veroff. 1536 eine ,,Arte de tanger". Vgl. 
Barbieri, Cancionero Musical. 

Baena., L o p e d e , span. Dichter- Komponist 
-. dgs 15. Jahrhunderts, s. Cancionero musical. 

Bar, Lothar, * 6. Aug. 1901 in Boden- 
bach (Bohmen), in Dresden ausgebildet; 
nach zweijahriger Vorschulung ein Jahr bei 
Km. Kurt Striegler, 2 Jahre am Kons. bei 
Ernst Paul und Otto Schmid, endlich noch 
3 Jahre Privatschuler von Paul Biittner. Er 
lebt in Kotschenbroda als Komponist. 
Schrieb: Lieder Chore, Kl.- u. Orgelstucke, 
Kammermusik, auch musikdramatische 
Werke. 

Barenreiter-Verlag, 1923 als Organ der 
sog. Finkensteiner Bewegung gegrundet, die 
sich die Pflege des echten deutschen Volks- 
liedes zur Aufgabe gemacht hatte; das erste 
Verlagswerk waren die von Walther Hensel 
herausgegebenen Finkensteiner Blatter. Im 
Verfolg dieser der musikalischen Jugend- 
bewegung parallel laufenden Tendenz hat 
der B.-V. eine grofie Reihe auch musikwissen- 
schaftlich wertvoller Publikationen (alte 
Lied- und Chormusik, Orgelmusik, mittel- 
alterl. Musik u. a.) zu Tage.gefordert. 1927 
hat sich der Verlag auch Aug. Halms Werke 
angegliedert; von seinem urspriinglichen 
Sitz in Augsburg ist er 1927 nach Kassel 
iibergesiedelt. Leiter: Karl Votterle. 

Barmann, Heinrich Joseph, * 14. Febr. 
1784 zu Potsdam, j 11. Juni 1847 in Mun- 
chen; von 1804 — 06 Hoboist in einem Ber- 
liner Garderegiment, spater Hofmusikus zu 
Munchen, seit 1809 vielfach als gefeierter 
Klarihettenvirtuose auf Konzertreisen. B. 
war befreundet mit Weber, Meyerbeer und 
Mendelssohn (der fur ihn und seinen Sohn 
Karl sein op. 113 und 114 schrieb). Seine 
Kompositionen fur Klarinette (38 Werke) 
stehen noch jetzt bei den Klarinettisten in 
Ansehen. 

Barmann, Karl, Sohn von H. J.B., *24. 
Okt. 1811 und j 24. Mai 1885 zu Munchen, 
begleitete den Vater auf seinen spateren 
Kunstreisen und wurde sein Nachfolger als 
erster Klarinettist der Hofkapelle. Auch er 
hat Kompositionen fur Klarinette und eine 
Klarinettenschule geschrieben. 

Barmann, Karl, Sohn von Karl B., Pia- 
nist, * 9. Juli 1839 zu Munchen, t 17. Jan. 
1913 zu Newton (Boston). Schiiler von 
Wohlmuth und Liszt, in der Theorie von 
Franz Lachner. War seit 1881 angesehen 
als Lehrer in Boston. 

Barte (auch Flugel) heifien bei den 
Labialpfeifen der Orgel die behufs besserer 
Ansprache besonders der eng mensurierten 
Pfeifen entweder zu beiden Seiten des Auf- 
schnitts (Mundes) oder direkt unter dem- 
selben oder an beiden Stellen zugleich an- 
gebrachten kleinen Vorsprunge (Querbarte, 
Seitenbarte). 

Batz, Karl, * 17. Marz 1851 zu Sommerda 
(Thuringen), f 1902 zu Berlin, lebte 1871 — 86 
als Sprachlehrer und Journalist in Amerika, 
spater in Berlin, wo er 1890 die Musikinstru- 
menten-Zeitung begriindete. B. schrieb meh^ 



96 



Bauerl — Bagier. 



rere Brpschurenuber Instrumentenbau und 
Die Musikinstrumente der Indianer (1876). 

Bauerl, s. Peurl. 

Bauerle, Hermann, * 24. Okt. 1869 zu 
Ebersberg (Wiirttemberg) als Sohn eines 
Lehrers, studierte 1890 in Tubingen Theolo- 
gie (1895 Priester) und unter Emil Kauff- 
mann Musik, besuchte noch 1898 die Kir- 
chenmusikschule zu Regensburg (Haberl), 
wurde 1899 Fiirstl. Thurn und Taxisscher 
Hpfkaplan und 1901 daneben Lehrer fur 
Harmonie und Kontrapunkt an der Regens- 
burger Kirchenmusikschule. 1906 promo- 
vierte er in Leipzig zum Dr. ph.il. (Diss. : Die 
7 Bufipsalmen Lassos). 1906 wurde er zum 
Ehrendomherrn von Palestrina und zum 
papstlichen Geheimen Kammerherrn (Mon- 
signore) ernannt. 1908 wurde er seiner Stelle 
als Hofkaplan enthoben und Pfarrer in 
Reutlingendorf in Wiirttemberg; seit 1917 
war er Musikdirektor und . Organist an der 
Heiligkreuzkirche in Schwabisch-Gmund; 
1 92 1 griindete er eine hohere Musikschule 
(1922: Konservatorium) in Ulm (Wurtt.). 
B. komponierte zahlreiche kirchliche Ge- 
sange im a cappella-Stil, schrieb: Palestrina 
mufl populdrer werden (1903), ein Repetito- 
rium der Harmonielehre (1902) und redigiert 
seit 1903 eine Bibliothek altklassischer Kir- 
chenmusik in moderner Notation (Palestri- 
na, 1. Bd. zehn 4st. Messen [1903], 2. Bd. 
52 Motetten [1904], 3. Bd. 2. Serie 4st. 
Messen [1905], 4. Bd.' 10 5 st. Messen [1906], 
Stabat Mater 8 st. und Pater noster 8 st. [Bd. 
VII, Heft 1 — 2]; Lasso, Septem Psalmi 
poenitentiales [1906]; Vittoria, 4st. Mo- 
tetten und sechs 4 st. Messen [1904 — 07]; 
J. J. Fux, Missa canonica und Missa qua- 
dragesimalis). Ferner schrieb er: Liturgie 
(Theorie des katholischen Kultus, 1908) und 
Der Vatikanische Choral in Reformnotation 
(1907), eine Gesanglehre fur Oberstimmen 
(1918) und eine Mus. Grammatik (1919) und 
gab Einzelausgaben des Vatik. Chorals in 
seiner Reform-N otierung (die den modernen 
Choren einigeErleichterungenbringt) heraus. 
Baumker, Wilhelm, * 25. Okt. 1842 zu 
Elberfeld, j 3. Marz 1905 zu Rurich (Rbz. 
Aachen), studierte zu Miinster und Bonn 
Theologie und Philologie, wurde 1867 zum 
Priester geweiht, 1868 Vikar zu Alfter, 1869 
Kaplan zu Niederkriichten, 1880 auch Schul- 
inspektor, 1892 Pfarrer zu Rurich. B. war 
in seinen MuBestunden eifriger Musikfor- 
scher; 1889 wurde er von der Universitat 
Breslau fur seine musikhistorischen Arbeiten 
mit dem Titel eines Dr. theol. hon. c. aus- 
gezeichnet. B.sHauptwerk ist Das hatholische 
deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen 
von den frilhesten Zeiten bis gegen Ends des 
ij. Jahrhunderts (4 Bde., 1. Bd. [in 1. Aufl. 
von Karl Meister 1862, in 2. Aufl. von B.] 
1886; 2.Bd. 1883; 3. Bd. 1891; der nach- 
gelassene 4.Bd. wurde erst 191 1 von J. Go- 
tzen herausgegeben). AuBerdem schrieb er: 
Palestrina, ein Beitrag usw. (1877), Orlandus 
de Lassus, ein historisches Bildnis (1878), 
Zur Geschichte der Tonkunst in Deutschland 
(1881), Der Totentanz, eine Studie (1881), 



Niederldndische geistliche Lieder nebst ihren 
Singweisen aus Handschriften des 75. Jahr- 
hunderts (1888, in Bd. IV der Vierteljahrs- 
schrift f. M'W.) und Ein deutsches geistliches 
Liederbuch mit Melodien aus dem 15. Jahrh. 
(1895). B. war Mitarbeiter der Allg. deut- 
schen Biographic. 

Bagadurow, W. A., * 1878 in Nischnij 
Nowgorod; absolvierte 1901 die Universitat 
zu Petersburg (physikalisch mathematische 
Fakultat) ; seine musikalische Ausbildung er- 
hielt er bei den Professoren Georg Conus 
und B. Jaworsky in Moskau; seine gesang- 
liche bei Nikolaus Miiller, dem bekannten 
Sanger des Scala-Theaters in Mailand. B. ist 
z. Z. Prof, des Gesanges am Konservatorium 
u. fur vokalischeMethodologie und President 
der methodologischen Sektion am Staats- 
institut fur Musikwissenschaft zu Moskau. 
Schrieb: 4akt.Oper £>os und Psyche (Zutaws- 
ki i9i5);verschiedeneRomanzen; 3akt. Oper 
Das A delsnest (Dvorjanskoie gniesdo, nachTur- 
geniew, 1919); Zar Maximilian und sein un- 
gehorsamer Sohn Adolph; eine volkstumliche 
einakt. Buffonade (gemeinsam mit Prof. 
Iwanow Boretzky, 1924). Theoretische Ab- 
handlungen: Analyse der musikalischen 
Form der VI. Sinfonie von P. Tschaikowshy; 
Lehrbuch der vokalischen Methodologie (vom 
X. Jahrh. bis Garcia); Harmonielehre f. das 
Moskauer Kons . (mitProf.Iwanow Boretzky). 

Bagge, Selmar, * 30. Juni 1823 zu. Ko- 
burg, \ 17. Juli 1896 zu Basel, 1837 Schuler 
des Prager Konservatoriums (Dionys We- 
ber), spater noch von S. Sechter in Wien, 
wurde 185 1 Kompositionslehrer am Kon- 
servatorium zu Wien, 1854 Organist in Gum- 
pendorf bei Wien, gab 1855 die Stellung am 
Konservatorium auf und polemisierte in der 
Monatsschrift fur Theater und Musik sowie 
i860 in der Deutschen Musikzeitung gegen 
die Organisation des Instituts. Noch langere 
Zeit blieb er nun Musikkritiker und Redak- 
teur, indem er 1863 die Redaktion der seit 
1848 eingegangenen Breitkopf & Hartel- 
schen Allgemeinen- Musikalischen Zeitung 
ubernahm und sie auch noch zwei Jahre wei- 
terfuhrte, als sie 1866 in den Verlag von Rie- 
ter-Biedermann iiberging (vgl. Zeitschriften). 
Seit 1868 war B. Direktor der Allgemeinen 
Musikschule zu Basel (Dr. h. c. der Basler 
Universitat). AuBer seinen redaktionellen 
und kritischen Arbeiten veroffentlichte er 
Kammermusikwerke, eine Sinfonie, Lieder, 
schrieb: Gedanken und Ansichten iiber Musik 
(i860), Lehrbuch der Tonkunst (1873), ■'''• 
Schumann und seine Faustszenen (1879), C. 
M. von Weber (1884), Die geschichtliche Ent- 
wicklung der Sonate (1880) und Die Sinfonie 
in ihrer historischen Entwicklung (1884). Vgl. 
G.Eglinger, S.B. (Jahresbericht der Basler 
Musikschule, 1897). 

Baggesen, Jens, s. Cramer. 

Bagier, Guido, geb. 20. Juni 1888 zu 
Berlin, nach erlangtem Reifeze.ugnis in Dres- 
den Schuler am Konservatorium und der 
Universitat zu Leipzig, studierte bei Max 
Reger Theorie und Komposition, bei Hugo 
Riemann Musikwissenschaften, promovierte 



Baglioni — Baillot. 



97 



1910 fiber das Thema Herbart und die Musik 
zum Dr. phil. Nach kurzer Tatigkeit am 
Leipziger Stadttheater wurde er Leiter der 
Gesellschaf t der Musikfreunde am Rhein und 
inWestfalen, zugleich Kritiker an denDussel- 
dorfer Nachrichten. Seit 1918 war er Her- 
ausgeber der kurzlebigen Kunstzeitschrift 
Feuer, die namentlich fur zeitgenossische 
Kunst eintrat, iibersiedelte 1920 nach Wies- 
baden, unter Beibehaltung der Dozentur 
fur Musikwissenschaften an der staatlichen 
Kunstakademie zu Dusseldorf. 1922 lieB er 
sich in Berlin nieder. Kompositionen (Lieder 
nach eigenen Texten, Orchestergesange Ely- 
sium nach R. A. Schroeder, Kammermusik, 
Klavierwerke, phantastisches Intermezzo fur 
grofies Orchester, Musik zu Hermann von 
B6ttichersZ.j'«i0 Gottes, UrauffuhrungDussel- 
dorf 1919) bliebenManuskript.EinWerkuber 
Max Reger erschien 1923. 

Baglioni (spr. baljoni), Silvestro, italie- 
nischerPhysiologeundMusikwissenschaftler; 
* 30. Dez. 1 876 zu Belmonte Piceno, o. Prof. an 
der Universitat Rom, Dir. des Physiologischen 
Instituts, hat sich mit Vorliebe phonetischen 
Studien zugewandt. Auf Grund seiner phy- 
sio-psychologischen und ethnologischen Stu- 
dien iiber Musik, Sprache und Gehor glaubt 
B., daB eine Vervollkommnung unseres Ton- 
systems durch die zunachst mittels Schulung 
und Einubung des Ohres und Gesanges all- 
mahlichstattfindende Einfiihrung einerSkala 
von Vierteltonen moglich sei, was er durch 
ein von ihm konstruiertes Harmonium zu 
demonstrieren sucht. Schriften : / fonda- 
menti fisiopsicologici delfestetica musicale 
(Riv. di psicol. appl. VI, 1910); Contributi 
alia conoscenza delta musica naturale ( Atti 
della Soc. rom. di antropologia 1910/11); 
Luigi Vecchiotti musicista filosofo marchi- 
giano 1804 — 63 (Picenum 1913); Influenza 
dei suoni suit altezza vocale del linguaggio 
(Riv. di Antrop. XIX. 1914 und Arch. ital. 
diotol. XXV); XJn nuovo tonometro (id.); Va- 
riazione del registro vocale nelle diverse ore 
del giorno (id.); Udito e voce (Rom 1925). 

Bagnati, Cayetano, argentinischer Pia- 
nist und Komponist, * 1840 zu Tropea 
(Italien), f 1904 zu Buenos Aires; studierteals 
Achtjahriger in Neapel, Schuler von Fi- 
schetti und Ketten, trat mit neun Jahren 
vor die Offentlichkeit, vollendete sein Stu- 
.dium an S. Pietro di Majella, wurde mit 19 
Jahren Musikdirektor der Kapelle des Bi- 
schofs von Tropea, kam dann mit Melani 
nach Buenos Aires. 1890 begrundete er das 
Kons. von Almagro, das bald ein namhaftes 
Institut wurde. Schrieb: Klaviersoli, -Trios, 
-Quartette und auch Orchestermusik. 

Bagpipe (engl., spr. baggpeip'), s. Musette. 

Bahr-Mildenburg, Anna; s. Mildenburg. 

Baj, Tommaso, * um 1650 zu Creval- 
cuore bei Bologna, f 22. Dez. 1714 zu Rom, 
war Tenorsanger in der papstlichen Kapelle, 
seit 1713 Kapellmeister. B. ist besonders 
bekannt durch sein in das Karwochenreper- 
toire der Sixtinischen Kapelle aufgenom- 
menes funfstimmiges Miserere. Eine Anzahl 
anderer Kompositionen Bajs (achtstimmige 

Hiemann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



Miserere, Messen, Motetten) ist handschrift- 
lich erhalten. 

Baif, Jean Antoine de, Dichter und 
Musiker, * im Februar 1532 zuVenedig, fi9. 
Sept. 1589 als Kgl. Kammersekretar in Pa- 
ris; ist in der Geschichte der franzosischen 
Poesie bemerkenswert durch den Versuch, 
nach antikem Muster quantitierende Vers- 
bildung (Vers mesures) einzufuhren. Der 
Versuch miBlang zwar, hat jedoch musika- 
lische Erscheinungen entsprechender Form 
hervorgerufen, welche mit ahnlichen alteren 
Versuchen in Italien und Deutschland in 
Parallele stehen. Vgl. Odenkomposition. B. 
war selbst Komponist; doch sind seine Kom- 
positionen (je ein Tabulaturwerk fur Laute 
und Gitarre, XII Chansons*spirituelles d 4 v. 
1562 und 2 Bflcher weltl. Chansons zu 4 St., 
1578 und 1580) verschollen. Dagegen sind 
uns aber mehrstimmige Kompositionen 
Baifscher Dichtungen von Jacques Mauduit 
(Chansonnettes mesurees 1586J, Claudin le 
Jeune (Le printemps 1603; Pseaumes en 
vers mezurez 1606 [beide posthum.]) und 
Eustache du Caurroy (Meslanges 1610 
[posthum]) erhalten. Da die Herausgeberin 
(le Jeunes Schwester Cecile) ausdriicklich 
von der intention de Messieurs de- Baif et 
le, Jeune spricht, so ist wohl anzunehmer, 
daB beide Werke bei Lebzeiten Baifs und 
unter seiner Mitwirkung entstanden sind. 
B. begrundete in seinem Hause eine Academie 
de poesie et musique, die 1570 vom Konige be- 
statigt wurde. Baifs Bestrebungen um Reform 
der franzosischen Orthographie (phonetisch) 
sind in den Druckwerken nur beschrankt zum 
Ausdruck geiangt. Vgl. Ronsard. 

Bailey-Apfelbeck (spr. beli), Marie Lou- 
ise, * 24. Okt. 1876 zu Nashville, Tenn., als 
Tochter eines irischen Arztes und einer aus 
dem kunstsinnigen altpolnischen Adelsge- 
schlecht der Fursten Galitzin stammenden 
Mutter, kam mit 12 Jahren nach Europa 
zuriick, studierte (1890 — 96) bei Reinecke in 
Leipzig, 1896 — 1900 bei Leschetizky und 
Malwine Bree in Wien und gilt, in Amerika 
und Europa seit 1900 gefeiert, als eine der 
hervorragendsten Wiener Pianistinnen. Sie 
lebt als Gattin eines osterreichischen Offi- 
ziers in St. Polten bei Wien. 

Baillot (spr. bajo), Pierre Marie Fran- 
cois de Sales, * 1. Okt. 1771 zu Passy bei 
Paris, fi5. Sept. 1842 zu Paris; hervor- 
ragender Violinvirtuose, Schuler eines ge- 
wissen Polidori zu Passy, 1780 von Sainte- 
Marie in Paris, 1783 in Rom von Pollani, 
einem Schuler Nardinis, kam 1791 wieder 
nach Paris und spielte vor Viotti, der ihm 
eine Stelle als erster Violinist am Theatre 
Feydeau verschaffte. Er vertauschte sie 
aber bald darauf mit einer Hilfsaktuarstelle 
im Finanzministerium, sich durch Auftreten 
in Konzerten immer mehr bekannt machend, 
und wurde 1795 Lehrer des Violinspiels am 
neuorganisierten Konservatorium. Nun stu- 
dierte er noch unter Catel, Reicha und Che- 
rubini Theorie. Erst 1802 unternahm er 
seine erste Kunstreise, und zwar nach RuB- 
land, weiter durch Frankreich, die Nieder- 

7 



98 



Baillot 



Baker. 



lande, England und Italien. 1821 wurde er 
erster Violinist der Pariser groBen Oper, 
1825 Sologeiger der Kgl. Kapelle. 1814 
veranstaltete er die ersten offentlichen 
Quartettauffiihrungen in Paris. Sein 
Hauptwerk ist seine Violinschule (Vart du 
violon, 1&34), die langefiir uniibertrof fen gait ; 
in Gemeinschaft mit Rode und Kreutzer gab 
er heraus: Methode de violon, das offizielle 
Schulwerk des Pariser Konservatoriums, das 
wiederholt aufgelegt, nachgedruckt und in 
fremde Sprachen ubersetzt wurde; ferner 
redigierte er die Methode de violoncelle des 
Konservatoriums (Verfasser: Levasseur, Ca- 
tel und Baudiot). Auch schrieb er Notice sur 
Gritry (1814), Notice sur Viotti (1825) und 
andere kleine Sachen. Seine zumeist vir- 
tuosen Kompositionen sind: 9 Violinkon- 
zerte, 30 Variationenwerke, eine Symphonie 
concertante fur 2 Violinen mit Orchester, 24 
Praludien in alien Tonarten, Kaprizen, 
Notturnos usw. fur Violine, 3 Streichquar- 
tette, 15 Trios fur 2 Violinen und BaB usw. 

Baillot, (spr. bajo) Rene Paul, Sohn von 
Francois B., * 23. Okt. 1813 und j 28. Marz 
1889 zu Paris, war 1848 — 1886 Professor des 
Ensemblespiels am Pariser Konservatorium. 

Baines, (spr. beins) William, * 26. Marz 
1899 zu Horbury bei Wakefield, Yorkshire, | 
6. Nov. 1922 zu York; fruhreif, Autodidakt; 
zog sich im Felde eine unheilbare Lungen- 
krankheit zu, komponierte hauptsachlich in 
den Monaten seiner scheinbaren Rekonvales- 
zenz. Zwei uberraschende Klavierwerke, 
Paradise Gardens und 7 Preludes zogen zuerst 
die Aufmerksamkeit auf ihn. Schrieb: Sin- 
fonie C moll; 2 Tondichtungen fur Or- 
chester: From the Island of the Fay und 
Little Imps; Klaviersonate Fis moll (ms.); 
viele Lieder, Cellostiicke und eine Menge 
Kammermusik; darunter ein Streichquar- 
tett E moll; eine Novelette fur Streichquar- 
tett Peter and Wendy; ein Klaviertrio D moll; 
eine Sonate fur Violine und Klavier G dur. 
Veroffentlichte Klavierstiicke : Tides; Mile- 
stones; Silverpoints ; Poems; Coloured Leaves. 

Baini, [Abate] Giuseppe, * 21. Okt. 
1775 und f 21. Mai 1844 zu Rom; zuerst 
Schuler seines Oheims Lorenzo B. (Kapell- 
meister an der Zwolfapostelkirche zu Rom), 
eines gediegenen Musikers aus der romi- 
schen Schule, der noch an den Traditionen 
des Palestrina-Stils festhielt, spater Schuler 
und Freund des Kapellmeisters an St. Peter 
G. Jannaconi, der 1802 seine Anstellung 
als Sanger in der papstlichen Kapelle be- 
wirkte. 181 8 wurde B. durch einstimmigen 
BeschluB seiner Kollegen Camerlengo der 
papstlichen Kapelle und bis zu seinem Tode 
alljahrlich wieder bestatigt. B. ist eine 
merkwiirdige Erscheinung im 19. Jahrhun- 
dert; er ging vollstandig auf in der Musik 
des 16. Jahrhunderts, und seine Komposi- 
tionen miissen daher von diesem Gesichts- 
punkte aus beurteilt werden; sein lost. 
Miserere wurde 1821 in das Karwochenreper- 
toire der Sixtina aufgenommen (alljahrlich 
wechselnd mit den Misereres von Allegri 
und Baj). Das literarische Hauptwerk 



Bainis ist die Biographie und Charakteristik 
Palestrinas : Memorie storico-criliche della vita 
e delle opere di Giovanni Pierluigi da Pa- 
lestrina usw. (1828), die von Kandler ins 
Deutsche ubersetzt wurde (gekiirzt, mit An- 
merkungen von Kiesewetter, 1834). Au- 
Berdem hat er einen Essay iiber antike 
Rhythmik (Saggio sopra tidentitd de' ritmi 
musicale e poetico 1820, herausgegeben von 
Saint-Luc 1825) und eine scharfe Kritik 
iiber eine preisgekronte vierchorige Motette 
von Santucci u. a. geschrieben. Otto Nicolai 
war in Rom langere Zeit Schuler Bamis. Vgl. 
F.X.Haberl, i?.(Kirchenmus. Jahrb. 1894). 

Bainton (spr. beint'n), Edgar Leslie, 
englischer Komponist, * 14. Febr. 1880 zu 
London ; Kl.- Freischiiler bei Franklin Taylor 
am R.C.M.1896; Wilson-Komp.-Preis 1899; 
Komp.- Schuler von Walford Davies, Sir Ch. 
Stanford, Ch. Wood. 1912 wurde er Dir. des 
Konservatoriums zu Newcastle-on-Tyne und 
leitete das Newcastle Philh. Orchester; 1914 
bis 19 1 8 in Ruhleben interniert. 19 18 leitete 
er zwei Konzerte mit englischer Musik mit 
Mengelbergs Orchester in Amsterdam und 
im Haag. Als Komponist verfolgt er na- 
tionale Tendenzen, nach dem Vorbild von 
Vaughan Williams und Hoist. Schrieb: 
Sinf. Dichtungen: Pompilia (London 1903) 
und Paracelsus (Queen's Hall 1921); 3 Stiicke 
fur Orchester (Hereford Festival 1921); Sin- 
fonie B dur (Bournemouth 1903); Ouv. 
Prometheus (Newcastle Fest. 1909); Celtic 
Sketches (London 191 2); Streichquartett 
A dur (id. 1912); The Blessed Damozel fur 
S. und T.-Soli, Chor und Orchester; Smfonie 
Before Sunrise fiir Altsolo, Chor und Or- 
chester; Sunset atSea furChor undOrchester; 
The Vindictive Staircase fur Chor und Or- 
chester; A Song of Freedom and Joy fur Chor 
und Orchester; Konzertfantasie fiir Klavier 
und Orchester (Carnegie-Preis 1921); Minia- 
ture Suite fiir 2 Klaviere; Klavierstiicke; 
Lieder usw. Ms. : Sonate fiir Va. und Kl. 
(1922); Eclogue fiir Orchester (1923); The 
Tower fiir Chor und Orchester(i923) ; Oper in 
1 Akt The Crier by Night; Chorlieder. 

Bairstow, (spr. berstoh) Edward 
Cuthbert, englischer Organist,* 22. Aug.1874 
zuHuddersfield, 1893 — 96 Schuler von SirF. 
Bridgeundi896— 99 seinAssistent 51899— 1906 
Organist an der Pfarrkirche zu Wigan, 1906 
bis 1913 an der zu Leeds; seit 1913 am 
Miinster zu York; Dirigent der Leeds Philh. 
Soc, der Bradford Fest. Choral Soc. und 
der York Mus. Soc. ; 1900 Mus. Doc. Dur- 
ham. B. ist einer der besten englischen 
KirchenorganistenundChorleiter. Er schrieb : 
Anthems; gemischte Chore, Orgelstiicke, 
Lieder und Gesange. 

Bake, Otto, * 13. Jan. 1862 und |. 28 - 
Marz 1921 in Berlin, Schuler der dortigen 
Kgl. Hochschule fiir Musik und dann noch 
Xaver Scharwenkas, geschatzter pianisti- 
scher Begleiter (Marcella Sembrich, Adelina 
Patti,RaimundvonZurMuhlenu.a.)inBerlin. 

Baker (spr. bek'r), Theodore, * 3. Juni 
185 1 zu Neuyork, war anfanglich fiir den 
kaufmannischen Beruf bestimmt, wandte 



Bakfark — Balatka. 



99 



sich aber 1874 unter Oskar Paul in Leipzig 
der Musik zu, besuchte auch die Universitat 
seit 1878 tmd promovierte zum Dr. phil. 
mit der Dissertation XJber die Musik der 
nordamerikanischen Wilden (1882). Bis 1890 
lebte B. in Deutschland; seit 1892 ist er 
literarischer Berater des Verlags G. Schirmer 
in Neuyork, wo er als Herausgeber und Uber- 
setzer tatig ist. Biicher : Dictionary of Musical 
Terms 1895, 18. Auflage 1918; Pronouncing 
Pocket Manual of Mus. Terms 1905; Bio- 
graphical Dictionary of Musicians 1900, 
3. Auflage 1919; The Musician's Calendar 
and Birtliday-Book 191 5 — 17. Ubersetzungen 
von Buchern von O. Paul, L. BuBler, J. C. 
Lobe, A. Kullak, S. Jadassohn, C. F. Weitz- 
mann, F. Kullak, M. Bree, G. B. Lamperti, 
M. Loewengard, F. Busoni, E. F. Richter, V. 
d'Indy, P. Bona, O. Klauwellund vielerArtikel 
in der Zeitschrift The Musical Quarterly. 
Bakfark, s. Greff. 

Bakkalaureus (auch Baccalarius, franzo- 
sisch Bachelier, englisch Bachelor), ein friiher 
auf alien Universitaten iiblicher, jetzt nur 
noch von englischen, franzosischen und eini- 
gen deutschen Universitaten verliehener aka- 
demischer Grad, der niedriger ist als der des 
Magister und in der Regel diesem vorauszu- 
gehen hat. Vgl. Grade, akademische, der Musik. 
Balakirew, Mily Alexejewitsch, * 2. Jan. 
1837 zu Nishnij Nowgorod, f 28. Mai 1910 in 
Petersburg, studierte anfanglich zu Kasan 
Naturwissenschaften, dann auf Anregung A. 
v. Ulibisehews Musik. 1855 trat er in Peters- 
burg mit grofiem Erfolg als Pianist auf und 
erregte mit seinen ersten Kompositionen 
(Orchesterfantasie Tiber russische Themen 
und Klavierparaphrase fiber das Terzett aus 
Das Leben fur den Zaren) die begeisterte Be- 
wunderung Glinkas, der ihn als seinen Nach- 
folger bezeichnete. B.s Haus wurde bald 
der Sammelpunkt der jungrussischen Kom- 
ponisten Cui, Mussorgsky, Rimsky-Korssa- 
kow, Borodin. Diese alle vier, gleich B. 
Autodidakten , entwickelten ihre musikali- 
schen Anschauungen unter dem EinfluB 
Glinkas und Dargomyshskis einerseits, 
Schumanns, Berlioz' und Liszts andrerseits, 
und schufen so ein neues Kunstideal, das 
fur das musikalische Schaffen der ganzen 
sogenannten ,,neurussischen Schule" vor- 
bildlich wurde. Als Haupt und erster Repra- 
sentant dieser musikreformatorischen Bewe- 
gung in den Grenzen Rufilands muB B. 
bezeichnet werden, der seinen jiingeren 
Kollegen an Konnen und Erfahrung weit 
iiberlegen war. 1862 griindete er mit Lo- 
makin unter dem Protektorat des GroB- 
fiirsten-Thronfolgers die ,, Musik- Freischule", 
deren Konzerte er mit einer Unterbrechung 
(1874 — 81) bis zu seinem Tode leitete. 1867 
bis 1869 leitete er auch die Sinfonie- Konzerte 
der K. R. Musikgeseilschaft und war 1883 
bis 1895 Direktor der Hofsangerkapelle. 
Seiner Initiative ist die Errichtung des 
Chopin-Denkmals zu Zelazowa Wola zu 
danken. Seine Hauptwerke sind: fur Or- 
chester die Musik zu Konig Lear (1858 — 61), 
die sinfonischen Dichtungen Tamara, En 



Boheme und 1000 Jahre (spater Russia be- 
titelt), letztere zur 1000-Jahr-Feier RuBlands 
1862; 2 Sinfonien (Cdur, beendet 1897, 
D moll 1909), eine spanische, eine tschechi- 
sche und eine russische Ouvertiire, eine 
Chopin- Suite riir Orchester, ein Klavier- 
konzert Es dur. Von seinen zahlreichen 
Transscriptionen und originalen Klavier- 
stiicken wurde besonders die orientalische 
Phantasie Islamey beruhmt, zwei Serien 
Lieder erschienen 1857 und 1896. Eine 
hervorragende Bedeutung kommt der Samm- 
lung russischer Volkslieder zu, die B. 1866 
herausgab und die durch ihre kiinstlerischen 
Vorziige einen machtigen AnstoB zur Erfor- 
schung des russischen Volksgesangs gegeben 
hat. B. gab 1908 eine Auswahl der Klavier- 
werke Tausigs heraus. Den Briefwechsel 
B.s mit Tschaikowsky gab S. Ljapunow 
heraus (1912, russisch). Vgl. Briefwechsel 
B.s mit V.V.Stassow, Petersburg 1917; 
Briefwechsel B.s mit N . A . Rimsky-Korssa- 
kow (redigiert von S. M. Ljapunow, 
Mus. Zeitgenosse, 1915 — 17); B. Grodski, 
M.A.B. (s. a.); S. M. Ljapunow, M.A. 
B. (Petei'sburg, Jahrb. d. Kais. Theater, 
1911); N. A. Rimsky-Korssakow, Chro- 
nik meines mus. Lebens (1927); A. Strel- 
nikow, M.A. B. (Petersburg 1922); N. G. 
Timofejew, B. in Prag (Petersburg, Zeit- 
genoss. Welt, 191 1); N. K. Tschernow, 
M.A. B. (Mus. Annalen, Petersburg 1925); 
A. N. Rimsky-Korssakow, Zwei Bala- 
kirews (ibidem). 

Balalaika, volkstiimliches russisches Sai- 
teninstrument, dessen zum erstenmal wah- 
rend der Regierungszeit Peters des GroBen 
Erwahnung geschieht. Die Abstammung 
der B. wird von der alteren Domra (s. d.) 
hergeleitet. Ihre Bestandteile sind: 1) der 
meist dreieckig, seltener oval geformte 
Rumpf, in dessen oberer Decke sich einige 
kleine Schallocher befinden, 2) ein langer 
Hals mit Biinden mit einer leichten Ein- 
buchtung beim Wirbelkasten, 3) die Saiten 
(Darmsaiten oder auch Stahlsaiten), friiher 
zwei, jetzt meist drei, von denen zwei auf 
denselben Ton, die dritte in der Oberquart 
gestimmt sind. Der Ton wird durch Schlagen 
der Saiten mit einer Schlagfeder hervor- 
gebracht. Die B. wird in sechs GroBen 
gebaut, die in der Grundstimmung von 
einander abweichen und zu orchesterartigem 
Zusammenspiel verwendet werden. Vgl. 
Famintzin, Die Domra und verwandte 
Musikinstrumente(Petersburg 1891, russisch) ; 
auch Petuchow, Versuch eines systemati- 
schen Katalogs der Instrumentensammlung des 
Petersburger Konservatoriums (russisch); N. 
Stieber, W. W. Andrejew, der Wiederherstel- 
lerder B. (1S98, russisch). S. a. Andrejew. 

Balancement (franzosisch, spr. balangB- 
mang), s. v. w. Bebung (s. d.) auf dem 
Klavichord. 

Balatka, Hans, Dirigent und Cellist, 
* 5. Marz 1827 zu Hoffnungsthal beiOlmiitz, 
1 17. April 1899 zu Chicago, Schuler von 
Sechter und Proch in Wien, ging 1849 nach 
Amerika und griindete zu Milwaukee einen 

7* 



100 



Balbastre — Balfe. 



Musikverein, der schnell aufbliihte und noch 
besteht, wurde 1869 als Dirigent der Phil- 
harmonischen Gesellschaft nach Chicago be- 
rufen, wo er sich schlieBlich niederlieB, 
nachdem er durch den groflen Brand zu- 
nachst wieder nach Milwaukee und dann 
vorubergehend nach St. Louis gefuhrt wor- 
den war. B. war besonders als Manner- 
gesangvereinsdirigent (Sangerfest Chicago 
1 881) sehr angesehen, hat aber uberhaupt 
groBe Verdienste um die Entwicklung der 
Musikpflege in Amerika. 

Balbastre Claude, * 8. Dez. 1729 zu 
Dijon, fg: April 1799 zu Paris, 1750 
Schiiler Rameaus, debutierte 1755 im Con- 
cert spirituel als Orgelvirtuose mit einer 
eigenen Komposition und wurde 1756 als 
Organist an St. Roche angestellt, 1760 
Organist an Notre Dame, 1776 auch Hof- 
organist des Bruders des Konigs (Organiste 
de Monsieur). Seine Orgelvortrage wahrend 
des Gottesdienstes machten so groBes Auf- 
sehen, daB der Erzbischof sie zweimal unter- 
sagte (es handelte sich 1762 um seine Varia- 
tionen iiber die Noels und 1776 um sein 
Te deum). Seine Orgelkunst war insofern 
einseitig, als er das Pedal nicht zu behandeln 
verstand. Im Druck erschienen von ihm 
die Noel-Variationen (4 Suiten), ein Buch 
Pieces de clavecin und als op. 3 ein Quartett 
fiir Klavier, 2 V. und BaB mit 2 Hornern 
ad libitum. 

Balbi, Lodovico (L. Balbus), Kirchen- 
komponist, j Ende 1604 zu Venedig, 1570 
Sanger an der Markuskirche, 1578 Kapell- 
meister der Franziskanerkirche in Venedig, 
1585 — 91 Kapellmeister an der Antonius- 
kirche zu Padua, zuletzt wieder im Franzis- 
kanerkloster zu Venedig, gab mit J oh. Ga- 
brieli und Orazio Vecchi 1591 bei Gardano 
das Graduale und Antiphonar heraus. Von 
seinen Kompositionen sind erhalten : 5 st. 
Messen (1580, 1595), Messe [4] et motetti [4] 
con il Tedeum 8 v. (1605), Motetten (sst. 
1576, 4st. 1578 und 1 — 8st. Ecclesiastici con- 
centus mit Instr. 1606), Completorium 12 v. 
(1609), und Madrigale (4st. 1570, sst. 1589 
[Musicale esercitio, 5st. Bearbeitungen der 
Sopranmelodien bekannter Stiicke anderer 
Meister, wie Arcadelt, Berchem, Marenzio, 
Rore u. a.] und 6st. Capricci (1586). 

Balbi, Melchiorre, Cavaliere, * 4. Juni 
1796 zu Venedig, f 21. Juni 1879 in Padua, 
Theoretiker und Komponist, Schiiler von 
Antonio Calegari (j 1828), dessen Sistema 
armonico er mit Anmerkungen herausgab 
(1829); schrieb auBerdem eine Grammatica 
ragionata delta musica consid. sotto I'aspetto 
di lingua (1845) und Nuova scuola basata sul 
sistema semitonato equabile (1. Teil, 1872; 
also ein ,,Chromatiker"). B. war 1818 — 53 
Konzertmeister der beiden Stadttheater von 
Padua und seitdem Kapellmeister an der 
Basilika S. Antonio. Er brachte auch 1820 
bis 25 drei Opern heraus. 

Baldamus, Gustav, * 15. Nov. 1862 in 
Braunschweig, Schiiler von Jean Bott in 
Hannover und des Leipziger Konservato- 
riums, war zuerst Lehrer und Dirigent in 



Winterthur und istseit 1889 Musiklehrer der 
Kantonschule und Dirigent in St. Gallen 
(191 3 Professor). 1926 trat B. von seinem 
Lehramt zuriick und lebt seitdem als Pensio- 
nist in St. Gallen. B. ist geschatzt als Kom- 
ponist von Mannerchoren (mit Orchester). 

Baldwin, John, 1598 Sanger der Lon- 
doner Chapel Royal, f 28. Aug. 161 5, selbst 
Komponist von Motetten, ist bekannt als 
Schreiber zweier wertvoller Sammlungen 
von Werken englischer Komponisten, nam- 
licb. Lady Neville's Virginal-Book (gez. 1591, 
vgl. Virginal-Musik) und einer im Bucking- 
ham- Palast (jetzt Brit. Mus.) aufbewahrten 
Motettensammlung (Stiicke von B. J. 
Bedingham, J.Birchley, Cooper, Taverner, 
J. Byrd, E. Bevin, Talks, Tye, J. Wood, J. 
Thorne, Dygon, Golder, Giles usw.). 

Baldwin, Ralph Lyman, * 27. Marz 
1872 in Easthampton (Mass.), Schiilervon 
G. W. Chadwick, St. Emery, H. Heindl und 
L. C.Elson, Organist in Easthampton, Nort- 
hampton und seit 1 904 in Hartford, seitigoo 
auch Leiter des Institute of Music Pedagogy 
zu Northampton (Mass.), einer Sommer- 
schule; seit 1907 Leiter des Choral Club in 
Hartford, seit 1923 des Mendelssohn Glee 
Club in New York; seit 1904 Direktor der 
Public School Music zu Hartford ; Organist, 
Chordirigent und erfolgreicher Piidagoge, 
auch Komponist von Mannerchoren, geist- 
lichen Werken, Orgelsonate Gmoll op. 10 u.a., 
auch publizistisch tatig. 

Baldwin, Samuel Atkinson, * 25. Jan. 
1862 zu Lake City (Minn.), in Dresden gebil- 
det (Merkel, Nicode, Wullner), angesehener 
Organist erst in Chicago (1885 — 89), St. Paul 
und Minneapolis (1889 — 93), seit 1895 i n 
Neuyork, seit 1907 Lehrer am Coll. of the 
City of New York, an dem er Sonntag- und 
Mittwochnachmittag-Orgelkonzerte einfuhr- 
te. Komponist von geistlichen Gesangswer- 
ken (Psalm 18 mit Orchester) und von Kam- 
mermusik- und Orchesterwerken. 

Balfe, (spr. belf) Michael William, * 
15. Mai 1808 zu Dublin, j 20. Okt. 1870 zu 
Rowney Abbey (Hertfordshire), ging schon 
mit 17 Jahren (1825) mit einem reichen 
Gonner nach Italien und studierte unter 
Vincenzo Federici zu Rom Kontrapunkt, 
sowie nachher zu Mailand unter Filippo 
Galli Gesang. Sein erster groBerer Kompo- 
sitionsversuch war das Ballett La Perouse 
fiir Mailand (1826). 1828 trat er unter 
Rossini als Baritonist in der Italienischen 
Oper zu Paris auf, nachdem er noch 
kurze Zeit unter Bordogni studiert, sang 
bis 1835 an italienischen Biihnen, brachte 
zu Palermo, Pavia und Mailand eigene 
italienische Opern zur Auffiihrung und 
verheiratete sich 1832 mit der ungarischen 
Sangerin Lina Rosen (| 8. Juni 1888 zu 
London). Nach England zuruckgekehrt, 
feierte er doppelte Triumphe als Komponist 
und Sanger. Schnell folgten einander die 
Opern: Die Belagerung von Rochelle (The 
Siege of Rochelle), Das Mddchen von A rtois, 
Catharina Grey, Jeanne d'Arc, Falstaff und 
Keolanthe , in welch letzterer auch seine 



Balg — Ballade. 



101 



Gattin auftrat. Falstaff wurde in Her Maje- 
sty's Theatre aufgefuhrt, die iibrigen im 
Drurylanetheater bis auf die letzte, welche 
B. als selbstandiger Opernunternehmer im 
L5rzeum brachte; das Unternehmen hatte 
keinen Erfolg und B. ging daher bald nach 
Paris, wo er in der Opera comique Le putts 
d? amour (1843) un( ^ Die vier Haimonskinder 
(1844) mit grofiem Erfolg herausbrachte. 
1843 folgte in London (Drurylane) Das Zi- 
geunermddchen (The Bohemian Girl), seine 
beriihniteste Oper, die iiber viele Biihnen 
ging, 1 844Das Mddchen vom Markusplatz, 1 844 
Die Zauberin und 1845 fur die Pariser GroBe 
Oper Der Stern von Sevilla und weiterhin 
noch mehrere andere Opern mit abwechseln- 
dem Erfolg. 1846 besuchte er Wien, T849 
Berlin, 1852 — 56 Petersburg und Triest, 
Opern zur Auffiihrung bringend und Geld 
einheimsend. Seit 1864 lebte B. auf seinem 
Landgut Rowney Abbey. AuBer den 
Opern hat er auch Kantaten, Balladen usw. 
geschrieben. B.s Vorziige waren eine auBer- 
ordentliche Leichtigkeit der Konzeption und 
natiirliche Anlage fur eine ansprechende Me- 
lodik, seine Mangel das Fehlen aller Selbst- 
kritik und ernsthafter Sammlung zu gedie- 
gener Arbeit. Von seiner gesangpadagogi- 
schen Tatigkeit zeugen seine Indispensable 
Studies for a Sopran Voice (1852) und eine 
Method of Singing (1855). Seine Tochter 
Viktoria, eine geschatzte Sangerin, Schu- 
lerin Garcias, * 1. Sept. 1837 zu Paris, dobu- 
tierte 1857 in der italienischen Oper im Ly- 
ceum; sie starb 22. Jan. 187 1 in Madrid. 
Biographien B.s schrieben Ch. Lamb Ken- 
ney (1875) und w - A - Barrett (1882). 

Balg heiBt eigentlich eine Tierhaut, und 
zwar eine nicht am Bauch aufgeschlitzte, 
sondern moglichst intakt abgestreifte, die 
sich daher mit wenig Nachhilfe als Schlauch 
oder Windbehalter benutzen laBt. Die pri- 
mitivste Gestalt des Balges in letzterer Be- 
deutung treffen wir beim Dudelsack, dem 
Vorahnen der Orgel, deren Windbehalter da- 
her auch jctzt noch trotz ihrer ganz verander- 
ten Konstruktion Balge heiBen. Der B. des 
gewohnlichen Dudelsacks wird von dem 
Spieler des Instruments voll Wind geblasen ; 
dagegen sind auch schon die einfachsten 
Balge der eigentlichen Orgeln etwa wie un- 
sere Schmiedebalge konstruiert, d. h. Pump- 
werke. Je nach ihrer Form und der Art des 
Aufziehens unterscheidet man Faltenbalge 
und Kastenbalge (Zylinderbalge), Quer- 
balge (Diagonalbalge) und Parallelbalge 
(Horizontalbalge) und je nach dem verschie- 
denen Zweck Schopfbalge und Magazin- 
balge. Ein Diagonalbalg mit nur einer Falte 
heiBt' Spannbalg. 

Balgklavis, in der Orgel die Stange, 
durch deren Niedertreten oder Niederziehen 
ein Balg aufgezogen wird. Vgl. Kalkant. 

Bali (Insel). Vgl. J. Kunst und C. J. A. 
Kunst-v. Wely, De Toonkunst van B. (Stu- 
dien over Javaansche en andere indonesische 
Muziek) Bd. I, II (1925); dazu Curt Sachs, 
Die Tonkunst vonB. (Bulletin de la Soc. Un- 
ion MusicologiqueV, 1; 1925). 



Baliusy Vila, Jaime, catalanischer Kom- 
ponist, J 1826 in Madrid, hervorgegangen 
aus der Escolania von Monserrat, Kapell- 
meister an der Kathedrale zu Gerona und 
dann zu Cordoba, schlieBlich am Kloster der 
Incarnation zu Madrid. Er schrieb eine 
groBe Menge Kirchenmusik, von der eine 
4st. Hymne Deus tuorum militum noch heute 
beriihmt ist. 

Ballabene, Gregorio, * um 1730 und 
I in Rom gegen 1800, um 1755 in Macerata 
nachweisbar, dann in Rom; einer der spa- 
testen Vertreter des a cappella-Stils, schrieb: 
eine 48 stimmige kurze Messe, ein viercho- 
riges Magnificat, vierstimmige Compieta mit 
Orgel. 

Ballabile (ital. tanzmd/iig), in Opern Be- 
zeichnung kleiner Tanz-Episoden. 

Ballade (ital. Ballata, span. Baylada, 
franz. Virelai oder Chanson Balladee, engl. 
Ballad), urspriinglich so viel wie Tanzlied 
(v. ital. ballo, Tanz). Aus zweifellos viel ein- 
facheren volksmaBigen Formen mit kurzen 
Refrains, die vom Chor gesungen wurden, 
entwickelten sich wahrscheinlich allmahlich 
in der Zeit der Troubadours und TrouvSres 
(12. — 13. Jahrh.) kunstvollere Gestaltungen 
des Tanzliedes, zunachst mit improvisierter 
(nicht notierter) Instrumentalbegleitung. 
Im 14. und 15. Jahrhundert ist die Ballade 
(Virelai) neben dem Rondeau und demjeni- 
gen was die Franzosen B. nennen (s. u.), eine 
beliebte Form des von Instrumenten beglei- 
teten Kunstliedes, ganz besonders in Frank- 
reich und Spanien. Bei weitem die Mehrzahl 
der Tonsatze des um 1500 gesammelten Can- 
cionero musical (s. d.) sind Balladen, und 
zwar eine Gattung, die wir auch schon bei den 
Florentiner Meistern des 14. Jahrhunderts 
und dann, in einer Miniaturform, in der 
Frottola (s. d.) wiederfinden. Den Anfang 
bildet ein textlich undmusikalischzurunver- 
anderten Wiederholung als Chorrespons ge- 
eigneter Refrain (Ripresa); ihm folgt der 
aus zwei nach gleicher Melodie zu singenden 
Halften bestehende Zwischenteil, die sog. 
Piedi (in der Notierung ein mit Repetitions- 
zeichen versehenerTeil mit doppeltem Text), 
worauf zunachst (mit Zuruckkommen auf 
den Reim der Ripresa) der erste Musikteil 
mit neuem Text als sog. Volta wiederkehrt 
und mit dem ersten Text als Chorrefrain 
wiederholt wird. Die kurzesten Balladen 
sind damit zu Ende; langere bringen nach 
jedem Vortrag der Ripresa immer neue 
Piedi (neuen Text mit neuen Reimen, aber 
immer mit derselben Musik); also ist das 
Schema (* mit neuem Text) : 



:B 



A*Arfpr. II : B*: II A** A"P>-- 



i.Copla (Strophe) 2. Copla 

|| : B** : || A *** A ri Pf' 



3. Copla 



usf. 



Eine Ballade von Encina (Nr. 383 des Can- 
cionero) enthalt 40 (!) siebenzeilige Coplas 
(Strophen). Anders geartet ist die Form, 
die bei den Franzosen zur Zeit von G. de 



102 



Ballad-Concerts — Ballett. 



Machaut und Dufay B. heifit: sie kennt die 
an den Anfang gestellte Ripresa nicht, son- 
dern setzt mit den Piedi ein (i. Teil mit Re- 
petitionszeichen) und weist der SchluBzeile 
(manchmal auch zwei Zeilen des zweiten 
Teiles) die Rolle des Refrains zu, der in alien 
Strophen (meist drei) gleichlautend ist; die 
rnusikalischeStruktur macht wahrscheinlich, 
daB diese Refrains vom Chor nicht wieder- 
holt, sondern nur mitgesungen wurden. 
Nahere Nachweise s. in Riemanns Hand- 
buch der MG. II, i, S. 66— 83 und 351 ff. 
(Zugehorigkeit der Frottola zur B.). Gegen 
1 500 verschwinden sowohl die Ballade als das 
Rondeau zugunsten einfacherer strophischer 
oder auch durchkomponierter Lieder, was 
vielleicht damit zusammenhangt, daB nun 
an Stelle des Tanzliedes der von Instru- 
menten gespielte Tanz tritt. 

Die neuere Ballade (seit dem 18. Jahrhun- 
dert) hat mit diesen alten Balladen nur wenig 
gemein. Bei der Hinneigung der Volkspoesie 
zur Form der Erzahlung ist begreiflich, daB 
B. in der Zeit des Aufbluhens der rein subjek- 
tiven Lyrik (Goethe) der unterscheidende 
Name volksmaBiger Lieder episch-lyrischer 
Haltung wurde. Die musikalische Form der 
modernen B.ist daher zunachst durchaus 
die schlicht-strophische, und erst durch 
Zumsteeg und Loewe ist ein Weg gefun- 
den worden, in der Komposition auf den fort- 
schreitenden Inhalt derDichtung einzugehen, 
ohne doch darum dieLiedformund diethema- 
tischeEinheitlichkeitaufzugeben. Sogiltdenn 
besonders seit Loewe als Charakteristikum 
der eigentlichen Ballade, daB sie durch Wah- 
rung einiger iibrigens sehr frei umgestalteter 
thematischerldeen ein episches Element (ein 
Bleibendes im Wechsel) in die Musik bringt, 
was in gewissem Sinne einen Ersatz fur die 
Ripresen und Refrains der alten Ballade 
schafft. Vgl. Ph. Spittas Aufsatz B. (Mu- 
sikgeschichtl. Aufs. 1894); auch A. B. Bach, 
The Art Ballad: Loewe and Schubert (1890). 
Der Name B.ist jetzt hauptsachlich ge- 
brauchlich fur die Komposition von B. ge- 
nanntenDichtungenfiir eine Singstimme mit 
Klavier oder Orchester, natiirlich aber eben- 
so am Platze fur deren Bearbeitungen fur 
Chor, auch fur Chor, Soli und Orchester (z. 
B. bei Schumann, Hugo Wolf). Wird der 
Name fur Instrumentalwerke gebraucht, so 
erwartet man von diesen den Erzdhlerton, 
die Darstellung von Leid und Freude in 
marchen- oder sagenhafter Einkleidung (vgl. 
z. B. Chopins oder Brahms' Klavierballaden), 
also mehr oder minder eine Art Programm, 
wenn auch nicht ein mit Worten genauer 
bestimmtes. Von der Roman ze unterschei- 
det sich die B. durch ein mystisches Element, 
einen pessimistischen Zug (Walten uber- 
legener Naturmachte, Kampf gegen das Ver- 
hangnis). Vgl. Balletto. 

Ballad-Concerts s. Boosey. 
J>CBallad-Opera (engl. Lieder-Oper), einSing- 
spiel, das in der Hauptsache aus Volkslie- 
dern besteht; das beriinm teste Beispiel eines 
solchen war John Gay's The Beggar's Opera 
(Bettler-Oper, Musik von Pepusch[s. d.] arran- 



giert), inwelcher auf allbekannte Volksmelo- 
dien abgesungene Opernarientexte die itali- 
enische Oper der Zeit karrikierten (1728). 
Vgl. J. Bolte, Die Singspiele der en^lischen 
Komodianten (1893); G-, Sarrazin, John 
Gay's Singspiele (1898); G. Calmus, Zwei 
Opemburlesken aus der Rokokozeit (1913): 
Frank Kidson, The Beggar's Opera. Its 
Predecessors and Successors (London 1922) ; 
Charles E. Pearce, Polly Peachum: the 
Story of , Polly' and ,T he Beggar' s Opera' (Lon- 
don 1923); Lewis Melvill, Life and Let- 
ters of J ohn Gay , 1685 — T 73 2 (London 1921). 
Ballard (spr. ballar), hochbedeutendes 
Pariser Musikverlagshaus im 16. — 18. Jahr- 
hundert, niichst Pierre Attaingnant die alte- 
ste Pariser Firma auf diesem Gebiete. Ro- 
bert B.s verlegerische Tatigkeit schlieBt un- 
mittelbar an diejenige P. Attaingnants (s. 
d.) an. Robert B. und sein Halbbruder (von 
rmitterlicher Seite), der Komponist Adrien 
le Roy (s. d.) griindeten es 1551. Sie erhiel- 
ten 1552 vom Konig Heinrich II. ein Pa- 
tent als alleinige Hof-Musikdrucker. Robert 
B. starb vor dem 8. August 1589; seine Wit- 
we Lucrece le Be folgte ihm als Teilhaberin 

A. le Roys nach. Nach dessen Tode assozi- 
ierte sie sich 1599 mit ihrem Sonne Pierre 
B., der 1606 — 1639 allein blieb. Dann folg- 
ten: Robert (II) B. bis 1666, Christophe 

B. bis 1694 (zeitweilig assoziiert mit Lam- 
bert Roulland), J. -B. -Christophe B. bis 
1750, Christophe- J.-Francois B. bis 
1763, und Pierre-Robert-Christophe B. 
Auf ihr Patent pochend, das dem jedesmali- 
gen Geschaftserben erneuert wurde, hat die 
Familie von den Fortschritten der Drucker- 
kunst keine Notiz genommen und bedien- 
te sich noch 1750 derselben Typen wie zu 
Anfang, namlich der 1540 von Guillaume 
le Be (s. d.) angefertigten, deren Punzen 
Pierre B. um 50 000 Livres erworben hatte. 
Sie sind zwar elegant und deutlich (wenn 
auch viel schlechter als die noch alteren 
Petruccis und Peter Schoffers), nehmen sich 
aber in einer Zeit, wo niemand sonst mehr 
eckige Noten schrieb, stark veraltet aus. Die 
Aufhebung der Patente 1776 machte endlich 
den Vorrechten der Ballards und damit ihrer 
Firma ein Ende. 

Ballata, s. Ballade. 

Ballenstedt. Vgl. Festschrift zum y^jdhr. 
Bestehen der B.er Liedertafel (1910); ferner 
Otto Triibe, Das Hoftheater in B. Seine 
Geschichte von den Anfdngen bis zur Gegen- 
wart (Dessau 1925). 

Ballett (franz. ballet, ital. und span. Bal- 
letto, von ballo, Tanz) nennt man heute so- 
wohl die in Opern eingelegten (manchmal 
zur Handlung in sehr loser Beziehung ste- 
henden) Tanze, die in der verschiedenartig- 
sten Weise aus Pas der Solotanzer und Evo- 
lutionen des Corps de Ballet bestehen, als 
auch ganze Buhnenstiicke, in denen nicht 
oder doch nur wenig gesprochen und gesun- 
gen, vielmehr eine Handlung nur durch Pan- 
tomimen und Tanze dargestellt wird. Beide 
Arten des Balletts haben ein betrachtlicb.es 
Alter, auch wenn wir von den ausdrucks- 



Uj ^xMatC^u: 



?>** 



Balletto — Balthasar. 



103 



vollen Tanzbewegungen des Chors der alt- 
griechischen Tragodie und der hochent- 
wickelten Pantomime (s. d.) der romischen 
Kaiserzeit absehen. Pantomimen mit Musik, 
meist der griechischen Mythologie entnom- 
mene Sujets behandelnd, mit allegorischer 
Beziehung auf anwesende Fiirstlichkeiten, 
■waren bei Vermahlungsfeierlichkeiten an den 
Hofen in Italien und Frankreich schon im 
15. Jahrhundert nichts Seltenes; sie unter- 
schieden sichvom modernen groBen B. prin- 
-zipiell kaum irgendwie und gehoren ebenso 
-wie die englischen Masques (s. Maskenspiele) 
zu den Vorlaufern der Oper. Das Ballet 
■comique de la Royne, zur Vermahlung von 
Heinrichs III. von Frankreich fScfewesfeeii 
Margarethe von Lothringen mit dem Her- 
zog von Joyeuse i5,Okt. 15 81 zu Versailles 
aufgefuhrt, muB als prunkvolle Ballettoper 
.(auch mit Monodien) zu den Erstlingen der 
wirklichen Oper gerechnet werden (Poesie 
von De la Chesnaye, Musik von Girard de 
Beaulieu und Jacques Salmon, Entwurf des 
Ganzen von Baltazarini, Sieur de Beau- 
joyeulx; Partitur gedruckt, Paris: Ballard 
1582; Neuausgabe [Kl.-Ausz.] von Wecker- 
lin in den Chefs- d' ' ceuvre classiques de I' 'opera 
francais). Vgl. L. Celler, Les origines de 
l' opera et le ballet de la R. (Paris 1868). 

Aber audi die eingelegten Ballette sind 
alt; Tanze mit oder ohne Gesang inmitten 
oder am SchluB von Tragodien (in Nach- 
ahmung der antiken Chortanze) kamen 
ebenfalls bereits im 15. Jahrhundert vor. 
Sie entwickelten sichaber schon in den ersten 
Zeiten der Oper zu der seltsamen Gestalt 
der Zwischenaktballette (Intermedien, 
s. d.), welche in die Handlung der Oper 
bruchstiickweise eine zu dieser in keiner- 
lei Zusammenhang stehende zweite Hand- 
lung einkeilten. Der Name balletto fur eine 
vollstandige Ballettoper, in der aber auch 
gesungen wurde, findet sich schon 1625 
(Die Befreiung Ruggieros von der Insel der 
A Icina, Dichtung von Saracinelli, Musik von 
Francesca Caccini). Besonderer Gunst er- 
freuten sich die Ballette am franzosischen 
Hofe, wo nicht nur der hohe Adel, sondern 
die Konige selbst mittanzten (Ludwig XIII. 
1625, Ludwig XIV. sehr haufig); besonders 
hatten sich zur Zeit Ludwigs XIV. die Bal- 
lette der Quinault-Lullyschen Opern hoch- 
ster Gunst zu erfreuen. Eine einschneidende 
Reform durch Riickwendung zur pantomi- 
mischen Bedeutsamkeit erfuhr das B. durch 
Noverre (s. d.) wie durch dessen Gegner 
Gasparo Angiolini; auch in der neuesten Zeit 
hat das B., getragen von der neuen Tanz- 
bewegung, die Gunst der Komponisten (Stra- 
winsky, Milhaud, Bartok, Wellesz, KTenek u. 
v. a.) wieder in erhohtem Grad gewonnen. 
Vgl. Ballade,Balletto,Tanz und Suite. Vgl.H. 
Prunieres, Le ballet de cour en France 
avant Benserade et Lully (Paris 1914). 

Balletto (ital.), so viel wie Ballett (s. d.); 
doch hieBen im 17. — 18. Jahrhundert auch 
die aus Tanzen verschiedenen Charakters 
zusammengesetzten Kammersonaten B. (Sui- 
tenvon Tanzstiicken). Zusammenstellungen 



mehrerer Tanzlieder (zusammenhangenden 
Textes) mit Vorausschickung einer instru- 
mentalen Entrata als Maskenspiel bei Hof- 
festlichkeiten finden sich bereits in Monte- 
verdis Scherzi 1607 (vgl. Sammelb. der IMG. 
XIV. 1 [Riemann]) und Ant. Brunellis Scher- 
zi 16 16; ihnen entsprechend sind die (text- 
losen) Tanzsuiten der deutschen Meister 
(Peurl, Schein; vgl. Suite) angelegt. Als 
Name eines einzelnen Tanzstiicks oder 
Suitenteils ist B. im 17. Jahrhundert ein 
lebhaft bewegter Satz im Allemandentypus, 
aber mit einem Mittelteil von Gaillarden oder 
Couranten-Charakter (jfe, 3 / 4 jfe). Vgl. Kan- 
zone. 

Balling, Michael, * 28. Aug. 1866 zu 
Heidingsfeld a. Ptlain (Unterfranken), f 1. 
Sept. 1925 in Darmstadt, von seinem 14. bis 
18. Jahre Schiller der Wiirzburger Musik- 
schule, namentlich Hermann Ritters, dann 
als Bratschist in Mainz, in der Schweriner 
Hofkapelle (1886 — 92) und in Bayreuth bei 
den Festspielen tatig. Von Schwerin aus 
trat er eine Reise nach Neu-Seeland an, 
griindete in Nelson die erste Musikschule in 
Australien und kehrte nach 2 14 jahriger 
Weltreise zunachst nach England zuruck. 
1896 trat er als Assistent in Bayreuth seine 
Laufbahn als Kapellmeister an, kam noch 
im Herbst d. J. als Chordirektor ans Ham- 
burger Stadttheater, 1898 als 1. Kapell- 
meister nachLubeck, dann nach Breslau und 
als Nachfolger Mottls nach Karlsruhe. Von 
1906 — 14 war er daneben als Dirigent in 
Bayreuth tatig. 191 1 siedelte er als Nach- 
folger Hans Richters nach Manchester iiber 
und blieb dort bis Kriegsausbruch; seit 1919 
war er als Generalmusikdirektor in Darm- 
stadt tatig. Die bei Breitkopf & Hartel er- 
scheinende Gesamtausgabe derWerkeRichard 
Wagners stand unter seiner Leitung. 

Balmer, Luc, * 1898 in Miinchen als Sohn 
des Schweizer Malers Wilhelm B., 191 5 — 20 
Schiiler des Basler Konservatoriums (Huber, 
Eg. Petri, Ernst Levy), 1921 — 22 Kompo- 
sitionsschuler von Busoni in Berlin; seit 1923 
Theorielehrer am Berner Konservatorium. 
Werke: Serenade; Sinfon. Fragment; Sin- 
fonietta; 2 Streichquartette, Duo f. V. und 
Vc. ; Violinkonzert, Klavierkonzert, Mar- 
chenspiel Die verzauberte Blume (Bern 1926) ; 
Musik zu den Idyllen von Sal. GeBner, sze- 
nisch aufgefuhrt Bern 1924. 

Balthasar, Karl, * 9. Sept. 1868 in Zasch- 
witz als Sohn eines Kantors und Organisten, 
absolvierte das Gymnasium in Zeitz, stu- 
dierte Theologie und trieb musikalische Stu- 
dien unter Rob. Franz und Otto Reubke in 
Halle, wo er zugleich als Leiter akademi- 
scher Chore und Organist wirkte. Als Pfar- 
rer — jetzt in Ammendorf bei Halle a. S. — 
entfaltete er eine einflufireiche Tatigkeit 
durch geistliche Auffiihrungen, Organisten- 
kurse, kirchenmusikalische Konf erenzen, Her- 
ausgabe der Zeitschr. des Ev. Kirchenmusik- 
vereins sowie als Mitarbeiter des Orgelvor- 
spielbuches fiir die Provinz Sachsen; seit 
1919 ist er Leiter des kirchenmus. und theo- 



104 



Baltikum — Banda. 



logischen Seminars, seit i92oDozent (Prof.) 
fur mus. Liturgik an der Universitat Halle. 
B. veroffentlichte Lieder, Chorale und 
Vorspiele und schrieb fiir die Fachliteratur 
Aufsatze besonders iiber Musik im Gottes- 
dienst. 

Baltikum. Vgl. Paul Th. Falck: Zur 
Geschichte der Musik im B allenlande (Balti- 
sche Monatsschrift Bd. 73, 1911), Das Kir- 
chenlied im B allenlande, Baliische Kinder- 
lieder und Reime (ib. Bd. 74, 1912), Das 
deutsche Volks- und Studentenlied im Balten- 
lande (ib. Bd. 76, 1913). — S. auch Riga, 
Reval, Dorpat. 

Baltzar (Baltzer), Thomas * ca. 1630 
in Liibeck, war 1653 Kammerviolinist im 
Dienst der Konigin Christine von Schweden 
und kam vor 1656 nach England, wo 
er als Violinspieler beriihmt und Privat- 
musiker Karls II. wurde und im Juli 1663 
starb (begraben 27. Juli). B. zeichnete sich 
aus durch Fertigkeit im doppelgriffigen 
Spiel, das damals sehr in Schwang kam 
(Strungk, J. J. Walther, Biber). Seine er- 
haltenen Kompositionen (Senior Balshar, 
a Germaine) sind zu finden in John Play- 
fords Sammelwerk The Division Violin (in 
den Auflagen von 1685, 1688, 1693 vier 
Stucke). Vgl. A. Moser, Gesch. des Violin- 
spiels, S. 191 if. 

Bamberg. Vgl. E. von Marschalk, Die 
Bamberger Hofmusik unter den letzten drei 
Fiirstbischofen (1885); K. Schmidt, 100 
Jahre Bamberger Theater 1808 — 1908 (1908). 
Vgl. E. T. A. Hoffmann. 

Banchieri (spr. -kieri), Adriano, bedeu- 
tender Organist und Theoretiker, * um 1565 
zu Bologna, "f 1634, Schiiler von Gius. Guami 
zu Lucca, war zuerst Organist zu Imola, spa- 
ter im Olivetanerkloster S. Michele in Bosco 
bei Bologna (daher auch Adriano di Bologna 
oder Monaco Olivetano genannt), Begriinder 
der Accademia de' floridi zu Bologna, der 
spateren A . de'' jilomusi, in der er den Namen 
II Dissonante fiihrte. Seine theoretischen 
Schriften sind: Conclusioni del suono d'or- 
gano (1591, 1609 u. m.); Vorgano suonarino 
(1605, 1607 u. m.); Cartello ovvero Regole 
utilissime a quelli che desiderano imparare 
il canto figurato (1601, 1610 u.m.);Cartellina 
del canto fermo gregoriano (1614 u. m.); 
Cartella musicale nel canto figurato fermo e 
contrapunto (1614); Armoniche conclusioni 
del suono dell' organo, canto fermo figurato 
e contrapunto — con le corroborationi del- 
l 'organo suonarino (1626); La Banchierina 
ovvero Cartella picciola del canto figurato 
(1623). Auch als Komponist ist B. nicht 
unbedeutend; als Nachahmer von Striggio, 
Croce und vor allem von Orazio Vecchi 
schrieb er eine Anzahl Madrigal-Dramen : 
La pazzia senile (1598, Neudruck in Torchis 
Arte music, in Italia Bd.IV); La prudenza 
giovenile (1607,' 1628 [La saviezza giovenile]); 
II Zabajone (1604); La barca di Venezia per 
Padova (1605); Tirsi. Filli e Clori (1614) 
und Traitenimenti in villa (1630). Auch 
La nobilissima anzi asinissima compagnia 
delli briganti della bastina (1597, unter dem 



Pseudonym Camillo Scaligeri della Fratta) 
gehort hierher. Seine Canzoni alia francese 
a 4 voci per sonar (1596, 1603) zahlen zu den 
besten Erstlingen der Sonatenkomposition. 
Ein anderes Sonatenwerk erschien 161 2 
(Moderna armonia, fur Orgel allein oder 
auch mit anderen Instrumenten). Aufier- 
dem gab er 3st. Kanzonetten (lib. IV; Meta- 
morfosi musicali 1601J, aber auch eine Reihe 
kirchlicher Werke heraus (Concerti eccle- 
siastici 1595, doppelchorig, mit einer Orgel- 
stimme fiir den ersten Chor [Sparlitura, Dis- 
kant und Ba8 iibereinander gedruckt mit 
Taktstrichen ; das alteste derartige Bei- 
spiel]; 5st. Vesperpsalmen 1598, Ecclesia- 
stiche Sinfonie 1607, Messe e Motetti concer- 
tati 1620, Messa solenne a 8 voci . . . Introito, 
Graduate, Offeriorio usw. 1599, Salmi festivi 
4 v. 1613, auch ein Direttorio monastico di 
canto fermo). 10 Orgelsatze von B. brachte 
Torchi in Arte mus. in Italia Bd. Ill zum 
Abdruck. Vgl. Fr. Vatielli, II Madrigale 
drammatico e A. B. (in: Arte e vita musicale 
a Bologna. I, 1927). 

Banck, Karl, * 27. Mai 1809 zu Magde- 
burg, j 28. Dez. 1889 zu Dresden, Schiiler 
B. Kleins, L. Bergers und Zelters in Berlin 
und Fr. Schneiders in Dessau, geschatzter 
musikalischer Kritiker in Magdeburg, Berlin 
und Leipzig, spater in Thuringen (Jena, 
Rudolstadt usw.) und seit 1840 in Dresden. 
Seit 1861 mit einer Amerikanerin verhei- 
ratet, hielt er sich auch einmal ein Jahr in 
Nordamerika auf. Als Komponist trat er 
besonders mit hiibschen Liedern hervor, 
schrieb auch Klavierstiicke, Chorlieder usw. 
und gab altere Werke (Sonatcn von Scar- 
latti und Martini, Alien von Gluck usw.) 
heraus. 

Band, Erich, * 10. Mai 1876 in Berlin, 
studierte dort an der Kg]. Hochschule fiir 
Musik (Klavier und Komposition) sowie an 
der Universitat, ergriff dann die Kapell- 
meisterlaufbahn (Mainz, Bremen, Rostock), 
wurde 1905 Hofkapellmeister am Kgl. Hof- 
theater zu Stuttgart, auch Dirigent des Ver- 
eins fiir klassische Kirchenmusik und des 
Lehrergesangvereins; seit 1924 Stadt. GMD. 
und Operndirektor in Halle. B.s veroffent- 
lichte Kompositionen sind: 7 Klavierstiicke 
op. 1, Klaviersonate op. 2, Streichquartett 
A dur op. j, Lieder op. 4 und 6, 2 Klavier- 
stiicke op. 5, Romanze fiir Cello und Orche- 
ster op. 7; Friede f. gem. Chor und Orchester 
op. 8. Auch bearbeitete er Aubers Schwar- 
zen Domino. Er schrieb ferner Zur Ent- 
wicklungsgeschichte des modernen Orchesters 
(Stuttgart), Operndeutsch (Kunstwartver- 
lag) u. a. 

Banda (ital., franz. Bande, engl. Band), 
Bande,Musikbande, war friiher eine durch - 
aus nicht abschatzige Bezeichnung fiir ein 
Musikkorps, besonders fiirBlasmusiken ; auch 
hieBen z. B. die 24 Violons Ludwigs XIV. 
Grande bande (zur Unterscheidung von den 
16 pelits violons), desgl. die 24 Fiddlers Karls 
II. von England The King's private band 
usw. Im italienischen Opernorchester ist B. 
der Ausdruck fiir den Chor der Blechblaser 



Bandler 



Banister. 



105 



und Schlaginstrumente; auch ein etwa auf 
der Biihne aufgestelltes Orchester heiBt B. 
In Italien besitzt jede einigermaBen groBere 
Stadt ihre B. muniripale. In neuester Zeit 
hat das Wort in Jazzband (s. Jazz) noch 
eine weitere Verwendung gefunden. 

Bandler, Heinrich, * 19. Nov. 1870 zu 
Rumburg in Bohmen. studierte 1882 — 88 bei 
Anton Bennewitz imPragerKonservatorium, 
1893 — 95 noch bei Josef Joachim; war 
1892 — 96 Solo-Bratschist am Breslauer Or- 
chesterverein, seit 1896 Konzertmeister des 
Vereins Hamburger Musikfreunde (Philh. 
Konzerte), gleichzeitig Solist und Fiihrer der 
nach ihm benannten Quartett-Vereinigung. 

Bandmann, Tony, * 17. Mai 1848 und 
f 3. Okt. 1907 zu Hamburg, ursprunglich 
Malerin, spater Klavierschiilerin L. Deppes 
und eine dererstenVertreterinnen von dessen 
Klavierspielmethode, lebte als Klavierleh- 
rerin in Hamburg und schrieb Die Gewichts- 
technik des Klavierspiels (1907), sowie 
Aufsatze iiber Klavierspiel in Fachzeit- 
schriften. 

Bandrowski, Alexander, poln. Tenorist, 
* 22. April i860 zu Lubaczow, f 28. Mai 
191 3 in Krakau, erst Jurist, dann Schau- 
spieler, bis er sich bei Sangiovanni und Salvi 
dem Gesangsstudium widmete, 1889 — 1901 
an der Frankfurter Oper, Gast an alien 
Opernhausern Europas und Amerikas, na- 
mentlich in den Heldenrollen Wagners und 
Meyerbeers. Er hat eine Reihe Wagner- 
scher Opern ins Polnische iibersetzt und 
zwei polnische Opernlibretti geschrieben : 
Stara Basn (Ein altesMdrchen) fur W. Zeleh- 
ski, 1907 und Bolesiaw Smiaiy (Boleslaw der 
Kuhne) fur L. Rozycki, 1909. 

Bandura, Bandora, Bandolon, Ban- 
do la samt Pandora, Pandura, Pandurina, 
Mandora, Mandola, Mandoer, Mandura, Man- 
diirchen, im Orient und Siideuropa Namen 
fur lautenartige Instrumente. Die Bandura 
fand im 15. — 16. Jahrhundert Eingang in 
KleinruBland und wurde, nachdem sie die 
Kobsa vollstandig verdriingt hatte, ein sehr 
beliebtes Volksinstrument, besonders bei den 
Kosaken der Ukraine. Heutzutage trifft 
man die B. noch an einigen Orten Klein- 
ruBlands in den Handen blinder Musiker. 
Der Korper der B. ist ein ovaler Rumpf mit 
gewolbtem Unterboden und flacher Decke, 
in deren Mitte sich ein rundes Schalloch be- 
findet, mitkurzem Hals und 6 iiber das Griff- 
brett laufenden Griffsaiten und 6 daneben 
•fiber die Decke gespannten unverkiirzbaren 
Melodiesaiten der normalen Stimmung: 



m 



')• «. o — 



. .°l l "°" 



Saiten. 



Hilfssaitea. 



Gespielt wird die B. mit einem Plektrum, 
dem Knochelchen. Die altere panskaja (herr- 
schaftliche) B. war groBer als die gewohn- 
liche, ihr Hals lief wie bei der Theorbe in 
zwei Wirbelkasten aus, die mit Wirbeln fiir 
15 Saiten versehen waren, und auf dem 



Rumpf waren 14 Hilfssaiten angebracht, auf 
jeder Seite 7. 

Bandurria, span. Volksinstrument, von 
gitarreahnlicherForm, mit 12 Saiten, die mit 
einem Schlagring (pua) gespielt werden ; es ist 
gleichsam der Sopran der Gitarrenfamilie. 

Bang, Maja, * 24. April 1877 zu Tromso, 
Schiilerin des Leipziger Konservatoriums, 
dann vonMarteau in Genf und Auer in Peters- 
burg. Debiitierte 1900 in Oslo und griindete 
dort die Oslo-Musikschule, wurde 1919 Leh- 
rerin an Auers Akademie in New York, hei- 
ratete 1922 Baron Hoehn, New York. Ver- 
off entlichte : Violin Method in6Heften (1922). 

Bangert, Emilius, * 19. Aug. 1883 zu 
Kopenhagen, in der Kompos. Schiiler Carl 
Nielsens, im Orgelspiel von Eugene Gigout 
in Paris. 1916 wurde er als Organist an der 
Jesuskirche in Kopenhagen angestellt, seit 
1919 wirkt er als Domkantor in Roskilde, 
seit 1925 als Lehrer fiir Theorie am Kgl. 
Konservatorium in Kopenhagen. 191 3 
erhielt er das Ancker-Stipendium fiir Kom- 
ponisten. Er schrieb u. a. : eine Sinfonie 
C dur; Streichquartett; Violinsonate A dur 
op. S und eine weitere Violinsonate; Schau- 
spielmusik; Lieder. 

Banister (spr. bannister), Gilbert, (Bane- 
stre, Banaster, Banastir, Banester), englischer 
Komponist des 15. Jahihunderts, seit 1478 
Master of the Children (Singlehrer) der Chapel 
Royal in London, | im August 1487, von 
dem wenige Motetten zu 2 — 5 St. hand- 
schriftlich erhalten sind. Vgl. Sammelb. d. 
IMG. XV. 1 [i 9 i3]_(W.H. Grattan Flood). 

Banister (spr. bannister), Henry Char- 
les, * 13. Juni 1831 zu London, j 20. Nov. 
1897 zu Streatham, Sohn des Cellisten 
Joshua B. (1803 — 47), Schiiler Cipriani 
Potters, 1853 Professor der Harmonie an 
der Kgl. Musik-Akademie, seit 1880 auch 
an der Guildhall-Musikschule, schrieb 4 Sin- 
fonien, 5 Ouvertiiren, Kammermusik, Lie- 
der, Klaviersachen, ein Textbook of Music 
(14. Aufl.), Vortrage iiber musik. Analyse 
(1887), Musical Art and Study (1888, 3. Aufl. 
1898), Biographie G. A. Macfarrens (1892), 
Helpful Papers for Harmony Students (1895), 
The Harmonising of Melodies (1897), The 
A rt of Modulating ( 1 90 1 ) . Seine hinterlassenen 
Vorlesungen gab Stewart Macpherson 
unter dem Titel Interludes heraus (1898). 

Banister (spr. bannister), John, vor- 
trefflicher Geiger, * 1630 zu St. Giles'-in-the- 
Fields (London), | 3. Okt. 1679; ward von 
Karl II. zu weiterer Vervolikommnung nach 
Frankreich geschickt und dann als Kapell- 
meister des Koniglichen Orchesters (King's 
band) angestellt (Nachfolger Baltzers). 1666 
wurde er seines Amts enthoben, weil er gegen 
die vom Konige protegierten franzosischen 
Geiger intrigierte, und wurde Louis Grabu 
unterstellt. In der Folge veranstaltete er als 
erster offentliche Konzerte gegen En- 
tree (1672 — 79). B. schrieb eine Musik zu 
Davenants Circe, sowie gemeinschaftlich mit 
Pelham Humfrey zu Shakespeares Sturm, 
ferner enthalt das Sammelwerk New Ay res 
and Dialogues Composed for Voices and Viols 



106 



Banister — Bantock. 



(2 — 4st., i678)zweilnstrumentalsatze vonB., 
desgleichen J. Playfords Division Violin (2. 
Aufl. 1685) 3 Variationenreihen iiber Osti- 
nati (Divisions upon a Ground). Vgl. J. 
Pulver, A Biographical Dictionary (1927). 

Banister (spr. bannister), John, * urn 
1663, f 1735, Sohn von John B. undi679 sein 
Nachfolger als Geiger in The King's Band; 
erster Violinist am Drurylanetheater, war 
der erste Apostel Corellis in London und 
schrieb einige Biihnenmusiken. 

Banjo, ein Instrument der amerikanischen 
Neger, aus Afrika mitgebracht, wo es sich 
unter demNamenBania noch vorfindet. Das 
B. ist eine Art Gitarre mit langem Hals und 
einer Art Trommel als Schallkorper, eine 
iiber einen nach ruckwarts offenen Ring ge- 
spannte Haut, mit 5—9 Saiten. Die Melo- 
diesaite wird mit dem Daumen gespielt und 
liegt neben der tiefsten von den andern. 
In der Jazzband spielt das B. seine besondere 
Rolle; es wird in mehreren Groflen ver- 
wendet. 

Bannelier (spr. -olje), Charles, Musik- 
schriftsteller, * 15.Ma.rz 1840 und j im Ok- 
tober 1899 zu Paris; Schiiler des Pariser 
Konservatoriums, langjahriger Mitarbeiter 
und wahrend der letzten Jahre vor ihrem 
Eingehen (Ende 1880) Chefredakteur der 
Revue et Gazette musicale, schrieb auBer vie- 
len trefflichen Artikeln in dem genannten 
Blatt eine franzosische Ubersetzung von 
Hanslicks Vom Musikalisch-Schonen (1877, 
3. Aufl. 1893), iibersetzte auch den Text von 
Bachs Matthaus-Passion und gab einen vier- 
handigen Klavierauszug von Berlioz' Sym- 
phonic fantastique heraus. 

Bannister (spr. bannister),HenryMariott, 
Mag. Art. zu Oxford, * 1855, t i9i9,Heraus- 
geberder Monumenti Vaticani di Paleografia 
Musicale Latina (Leipzig 1918, Otto Harrasso- 
witz, Bd. XII der auf Befehl Papst Pius' X. 
vom Kuratorium der Vatikanischen Biblio- 
thek zur Erschliefiung der letzten Quellen des 
Gregorianischen Gesanges erscheinenden 
weitschichtigen Publikation Codices Vati- 
cani Selecli Phototypice expressi [1. Teil Text, 
2. Teil 141 Tafeln im groBten Folio]). 

Banti, Brigitta, geborene Giorgi, San- 
gerin, * 1759 zu Crema (Lombardei), f 18. 
Febr. 1806 in Bologna; wurde als Chan- 
teuse in einem Cafe zu Paris entdeckt 
und machte durch ihre herrliche Stimme 
groBes Aufsehen in Paris und London, ver- 
mochte indes nicht, sich die fehlende musi- 
kalische Bildung noch anzueignen, sondern 
blieb zeitlebens Natursangerin. Auf ihren 
Reisen durch Deutschland, Osterreich und 
Italien feierte sie groBe Triumphe; 1799 bis 
1802 war sie in London als Primadonna 
engagiert. Vgl. C. Lozzi, B. B. (1909). 

Bantock, Granville, * 7. Aug. 1868 zu 
London, war fur den indischen Verwaltungs- 
dienst bestimmt, wurde aber 1889 Schiiler 
von Fr. Corder an der Londoner Musikaka- 
demie, errang schon im ersten Jahre das 
Macfarren-Stipendium (er war dessen erster 
Inhaber) und brachte noch als Schiiler in 
den Akademiekonzerten seine Ouvertiire The 



Fire-Worshippers (1892), die Agyptische Bal- 
lettsuite zu dem Drama Rameses II. (5 akt. 
Dichtung, mit Inzidenzmusik von B. 1891), 
die Kantate Wulstan (fur Bariton und Or- 
chester, 1892) und die einaktige Oper Caed- 
mar (1892 im Konzcrt und auch in Lagos 
Olympic Theatre) zur Auffiihrung. 1893 — S>6 
gab er eine Musikzeitung TheNeiv Quarterly 
Musical Review heraus und war daneben 
Kapellmeister an Provinzialbuhnen (mit G. 
Edwardes' Operngesellschaft Reise um die 
Welt). 1896 — 97 veranstaltete er in London 
ein Orchesterkonzert und ein Kammermusik- 
konzert mit ausschlieBlich englischen Kom- 
positionen neuesten Datums. 1897 wurde B. 
stadtischer Musikdirektor in New Brighton 
(Cheshire), wo er die Musikverhaltnisse 
schnell in die Hohe brachte durch Begriin- 
dung eines Orchesters und eines Chorvereins. 
Seit 1900 ist er Direktor (Principal) der 
Musikschule des Birmingham and Midland 
Institute, war daneben 1902 — 03 Dirigent 
des Festchors von Wolverhampton und ist 
seit 1903 auch Dirigent des Liverpooler 
Orchestervereins. Im Jahre 1908 wurde er 
zum Professor der (von Richard Peyton 
begriindeten) Musik-Fakultat an der Uni- 
versitat zu Birmingham ernannt. Auch ver- 
anstaltete B. mehrmals Konzerte mit eng- 
lischen Kompositionen in Antwerpen. B. 
ist zurzeit einer der hervorragendsten eng- 
lischen Komponisten: ein Meister der Farbe 
in seinen Orch.-VVerken und der bedeutend- 
ste Vertreter des groBen a cappella-Chor- 
werks. Werke: fiirChor, Soli und Orchester: 
Omar Khayyam; The Great God Pan; The 
Time-Spirit; Sea-Wanderers; Christ in the 
Wilderness; Song of Songs, 5 Teile; fur Or- 
chester: Hebridean Symphony; Pagan Sym- 
phony; Processional und Jaga-Naut; The 
Pierrot of the Minute; Dante and Beatrice; 
Helena Variations; The Witch of Atlas; Fi- 
fine at the Fair; Overture to a Greek Tragedy; 
Russian Scenes fur kleines Orchester; From 
the Far West; Scenes from the Highlands fur 
Streich orchester; Sapphic Poem; Musik zu 
Macbeth (London 1926). Unbegl. Chorwerke: 
Villon, eine Ballade; The Lost Leader; The 
Twilight Tombs of Ancient Kings; Cavalier 
Tunes ; A talanta in Calydon ; Vanity of Va- 
nities ; A Pageant of Human Life ; The Golden 
Journey to Samarkand ; The Grianan of A ile- 
ach; Lucifer in Starlight; War-Song of the Sa- 
racens; 3 Sea Songs; Isaiah; A rethusa usi. Ge- 
sange: Sappho ;F erishtati s Fancies ; Hymn of 
Pan ; Ghazals ofHafiz ; Songs of A rabia , Japan, 
Egypt, Persia, India, China, 6 Biinde; 4 
Pagan Chants; 13 Dramatic Lyrics; 4Songs of 
A ready; The March; Songs from the Chinese 
Poets, 2 Bande; Songs from the Chinese; Songs 
of Childhood; The V 'ale of Arden ; 5 A' 'octurnes: 
3 Idyls usf. Kammermusik : Sonate F dur fur 
Va. und Klavier; Sonate G moll fiir Vc. allein; 
Hamabdil und Pibroch fiir Vc. und Klavier 
bzw. Harfe usf. ; Klavierstiicke. Oper: The 
Seal-Woman (1925); Musik zur Elektra des 
Sophokles; zu L. Cranmer-Byng's Salma 
(1926); Judith (2Bde.); Lalla Rookh (2Bde.); 
Arabian Nights, 4 Bde.; Scottish Scenes usf. 



Banwart — Barbier. 



107 



Einst., zwei- bis vierstimmige Chore, Schul- 
chore, gem. Chore usw. Hrsg. : ioo Folk-Songs 
of all Nations ; ioo Songs of England ; 60 Patri- 
otic Songs of all Nations ; Kl.-Albums von Byrd, 
Bull, Farnaby. — Vgl. H. O. Anderton, G. 
B. (1915). 

Banwart, Jakob, *zu Sigmarmgen, Dom- 
kapellmeister zu Konstanz, gab dort heraus 
15 Messen 4 — 5 v. (1649 — 1652), 2 Bucher 
1 — list. Motetten (1641, 1661) und Teutsche 
Tafelmusik von 2 — 4 Instrumenten (1652). 

Baptie (spr. bapti), David, * 30. Nov. 
1822 zu Edinburgh, f 26. Marz 1906 zu Glas- 
gow; schrieb: A Handbook of Musical Bio- 
graphy (1883, 2. Aufl. 1887), Musicians of 
all Times (1889). Sein handschriftliches Ver- 
zeichnis A Descriptive Catalogue of upwards 
23000 Secular Part Songs etc. ist im British 
Museum deponiert. B. selbst komponierte 
Glees. 

Baptiste, (eigentlich Baptiste Anet 
[spr. batist ana]), Violinist, Schuler von Co- 
relli, f 1755 zu Luneville als Kapellmeister 
des ehemaligen Konigs von Polen Stanis- 
laus Leszczynski, gab 3 Bucher Violinsona- 
ten (1724 — 29) und 1 Buch Duos fur zwei 
Musetten heraus. 

Baptiste ( spr. batist), Ludwig Albert 
Friedrich (Battista), * 8. Aug. 1700 zu 
Ottingen, f um 1770 in Kassel, wo er nach 
langen Reisen als Violinist und Tanzer 1726 
in der Hofkapelle Anstellung fand, gab 6 
Sonaten fur Flote (Violine) mit BaB und 24 
Menuette (2 V., 2 Horner und BaB) heraus. 

Bar (engl.), Takt; bar-line, Taktstrich. 

Baralli, Don Raffaello, * 25. Juni 1862 
zu Camigliano bei Lucca, ausgebildet am 
dortigen Seminar, widmete sich der Forscher- 
und Lehrtatigkeit auf dem Gebiete des gre- 
gorianischen Chorals, 1903 Lehrer des gregor. 
Gesangs am Istituto musicale zu Lucca, 
wurde 1910 Lehrer der gregor. Palaographie 
an der Kirchenmusikschule zu Rom. 1905 
machte er noch Studien unter Dom Mocque- 
reau (s. d.) in Appuldurcombe auf Wight. 
AuBer zahlreichen Aufsatzen in der Rassegna 
Gregoriana seit 1905 gab er separat die Stu- 
dien heraus: Destiamoci (Lucca 1901), Due 
parole sui melismi Gregoriani (das. 1901), 
Di una propriety del canto liturgico (Berichte 
der Luccheser Akademie 1902), Di un nuovo 
„telum imbelle sine ictu" contro il canto Grego- 
riano (Pisa 1902), Ab initio non fuit sic 
(Lucca 1902, uber chromatische Tone im 
Choral), La zuppa nel paniere (Lucca 1903), 
eine ital. Obersetzung von H. M. Bannisters 
(s. d.) Paleografia musicale Vaticana. 

Barbaja, Domenico, * 1778 zu Mailand, 
f 16. Okt. 1841 zu Posillipo bei Neapel, stieg 
vom Kellner zum Zirkusdirektor und The- 
aterunternehmer auf (S. Carlo in Neapel), 
wurde 1821 — 28 vom Grafen Gallenberg nach 
Wien gezogen als Direktor des Karntnertor- 
Theaters und desTheaters an der Wien, blieb 
aber gleichzeitig Unternehmer des San Carlo- 
Theaters inNeapel und des Scala-Theaters zu 
Mailand, stand also an der Spitze des ge- 
samten italienischen Opernwesens wahrend 
der Zeit von dessen phanomenalen Erfolgen 



durch Rossini, Bellini und Donizetti. Seit 
1828 lebte er zuruckgezogen am Posillipo. 

Barbarino, Bartolommeo, geburtig aus 
Fabriano (Mark Ancona), daher da Fabriano 
(aber detio il Pesarino), war zuerst Kapell- 
meister am Dom zu Pesaro, seit 1605 am 
Dom zu Padua, wo erdann in die Dienste des 
Bischofs Giuliano della Rovere trat (vgl. 
Sammelb. d. IMG. XIV, S. 562 ff. [Radi- 
ciotti]). Komponist von Motetten mit B. c. 
(1610 [1615], 1614), 3 st. Madrigalen mit 
B. c. (1617), 1 — 2st. Kanzonetten dgl. (1616) 
und von vier Buchern ist. Madrigalen mit 
B.C. (1606, 1607, 1610, 1614, das 1. und 2. 
Buch mehrfach aufgelegt). 

Barbedette (spr. barbedett), Hippolyte 
la Rochelle, * 1827 zu Poitiers, j 1. Febr. 
1901 zu Paris, gab Klavier- und Ensemble- 
werke heraus und machte sich mit kleineren 
biographischen Arbeiten iiber Beethoven 
(1870), Chopin (1861), Weber (1862, 2. Aufl. 
1873), Schubert(i866), Mendelssohn, Stephen 
Heller (1877) und Gluck (1882) bekannt. B. 
lebte in Paris und war Mitarbeiter des 
Menestrel. 

Barbella, Emanuel e, * 1704 und 1 177 3 zu 
Neapel, Sohn von Francesco B. (von dem 
gute Violinsonaten mit BaB erhalten sind), 
in der Komposition Schuler von L. Leo und 
Padre Martini, gab in London und Paris 
Triosonaten (2 V. und B.C.), Violinduette, 
Set duetti a 2 viole, Duette fur Violine und 
Cello und Violinsonaten mit B. c. heraus, 
die wegen ihrer Melodiositat geschatzt wur- 
den. Eine in Kompanie mit Logroscino ge- 
schriebene Oper Elmira generosa wurde 
1753 in Neapel gegeben. 

Barberiis, Melchiorre de, s. Lauten- 
tabulaturen (1546 — 49). 

Barbetta, Giulio Cesare, s. Lauten- 
tabulaturen (1569 — 1603). 

Barbi, Alice, gefeierte Konzertsangerin 
(Sopran), * vor 1862 angeblich zu Modena, 
wo ihr Vater Violinprofessor war, ging vom 
Violinspiel zum Gesang iiber, war dann 
Schulerin von Zamponi, Busi und Vannuc- 
cini und trat zuerst 1882 in Mailand offent- 
lich auf. 1897 verheiratete sie sich mit dem 
Baron Wolff- Stomersee und lieB sich in 
Petersburg nieder. Frau Barbi, einst gleich 
grofi im Vortrag der klass. Arie wie des mo- 
dernen Liedes, ist auch Dichterin (Bazzini 
komponierte Lieder auf Texte von ihr) und 
gab eine geschatzte Ariensammlung heraus. 
Vgl. Gazetta musicale 1887 (G. B. Nappi). 

Barbier (spr. -bje), Frederic Etienne, 
* 15. Nov. 1829 in Metz, | 12. Febr. 1889 in 
Paris, Schuler des Organisten Darondeau in 
Bourges, wo er 1852 den ersten Biihnen- 
erfolg hatte (Le mariage de Colombine), debii- 
tierte 1855 im Pariser Theatre lyrique mit 
Une nuit a Seville und brachte in der Folge 
eine groBe Zahl meist einaktiger Stucke her- 
aus, immer entschiedener sich dem Genre 
der Buffo-Operette zuwendend. 

Barbier (spr. -bje), Jules, * 8. Marz 1825, 
I 16. Jan. 1901 in Paris, schrieb (vielfach in 
Kompanie mit M. Carre) Biihnenstucke. 
Gounod, Meyerbeer, Ambr. Thomas und 



108 



Bar bier — Barblan. 



Masse komponierten Texte von B., dessen 
Galathee (1852, Musik von Masse) das soge- 
nannte griechische Genre in die komische 
Oper einfiihrte. 

Barbier (spr. -bje), Rene Auguste 
Ernest, belg. Komponist, * 12. Juli 1890 
zu Namur, wo er an der Acad, de Mus. stu- 
dierte, spater am Konservatorium zu Liittich 
(Komposition bei Sylvain Dupuis); Preis- 
trager fur seine Kantate La Legende de Be- 
atrice. Andere Werke: Oper: Yvette (Namur 
1912); Sonatefiir Violineund Klavier; Quin- 
tett; Trio; Tryptichon fur Klavier; Konzert 
fur das Hans-Klavier (s. d.) und Orchester; 
Messe, 3 st. mit Orgel; V Epopee Beige, pa- 
triotische Kantate (aufgefiihrt in Namur); 
vieleLieder. 

Barbieri, CarloEmanueledi, *22.0kt. 
1822 zu Genua, f 28. Sept. 1867 in Pest, 
Schiiler Mercadantes in Neapel, Opernkapell- 
meister an verschiedenen italienischen Biih- 
nen, 1845 am Karntnertor-Theater in Wien, 
1847 am Konigsstadtischen Theater zu Ber- 
lin , 1 8 5 1 in Hamburg, 1853m Rio de J aneiro, 
privatisierte 1856 — 62 in Wien und war dann 
bis zu seinem Tode Kapellmeister am Natio- 
naltheater zu Pest. B. schrieb Opern, von 
denen besonders Perdita, ein Winter-march en 
(1865) iiber deutsche Buhnen gegangen ist, 
auch Ballette, Possen usw. 

Barbieri, Francisco Asenjo (B. ist der 
Familienname seiner Mutter, welcher den 
seines Vaters Asenjo bald ganz verdrangte), 
* 3. Aug. 1823 zu Madrid in bescheidenen 
Verhaltnissen, j 19. Febr. 1894 zu Madrid, 
studierte am dortigen Konservatorium Klari- 
nette, Gesang und (unter Ramon Carnicer) 
Komposition, war zuerst Klarinettist in 
einem Militarmusikkorps und einem kleinen 
Theaterorchester, ging dann als Chorfuhrer 
und Souffleur einer italienischen Opern- 
truppe in das nordliche Spanien (Pamplona, 
Bilbao usw.), ubernahm eines Tages fur 
einen erkrankten Sanger den Basilio ini Bar- 
bier und ward nun fur einige Zeit Opern- 
sanger. 1847 nach Madrid zuriickgekehrt, 
wurde er Sekretar der Gesellschaft fur Be- 
griindung eines Zarzuelatheaters , Musik- 
referent der Ilustracion und verschaftte sich 
Ruf als Musiklehrer, zugleich fleiBig kompo- 
nierend. 1850 brachte er seine erste ein- 
aktige Zarzuela Gloria y peluca heraus und 
wurde nun, besonders nachdem 185 1 die 
dreiaktige Zarzuela Jugar con fuego geziindet 
hatte, schncll der Held des Tages. Beginnend 
mit Pan y toros 1864 wandte er sich von der 
italienischen Manier ab und wurde der Be- 
griinder einer national-spanischen populiiren 
Schreibweise. B. war nicht nur der belieb- 
teste zarzuelero in Madrid (er schrieb yj 
Zarzuelas, darunter die hochst popularen 
El hombre es debil, El barberillo de Lavapies, 
Los diamantes de la Corona, De Jetafe al 
paraiso), sondern auch ein ausgezeichneter 
Dirigent und tiichtiger Musikgelehrter. Fine 
hochwertvolle Publikation alterer spanischer 
mehrst. Musik ist der 1890 von B. heraus- 
gegebene Cancionero musical (s. d.) de los 
siglos XV y XVI, auch schrieb er noch La 



miisica religiosa (1889), Ultimos amores de 
Lope de Vega Carpio (1876) und gab ein von 
ihm entdecktes Manuskript von Eximeno 
(Don Lazarillo Vizcardi) heraus (1872); 
schrieb auch die aufschluBreiche Vorrede zu 
Carmena y Millan's Cronica de la Opera ita- 
liana en Madrid und zahlreiche Broschiiren, 
darunter El Teatro Real y el Teatro de la 
Zarzuela, Las Castanuelas; lieferte auch die 
musikgeschichtlichen Daten fur Menendez 
Pelayo's Historia de las ideas esteiicas de 
Espana. 1859 veranstaltete er Concerts 
spirituels in dem unterdes erbauten Zarzuela- 
theater, richtete 1866 standige Konzerte 
klassischer Musik ein, aus denen sich 1867 
die Madrider Konzertgesellschaft entwickel- 
te, wurde 1868 zum Professor der Harmonie 
und Musikgeschichte am Konservatorium 
und 1873 zum Mitglied der Akademie der 
Kiinste ernannt. Neben dieser vielseitigen 
Tatigkeit schrieb er noch eine grofie Anzahl 
Orchesterwerke, Hymnen, Motetten, Chan- 
sons und Artikel fur musikalische, politische 
und gelehrte Zeitungen. 

Barbireau (spr. barbiro), Jacques, 1448 
Kapellmeister des Knabenchores an Notre 
Dame zu Antwerpen, j daselbst 8. Aug. 1491 
(der Vorganger im Amte von J.Obrecht); 
ein hochangesehener Komponist, von dem 
aber nur wenige Werke im Manuskript erhal- 
ten sind (3 Messen, Motetten, Chansons). 

Barbiton (Barbitos), altgriechisches Sai- 
teninstrument (das Lieblingsinstrument des 
Alkaos, der Sappho und des Anakreon zur 
Begleitung ihrer Gesange); die Art des In- 
struments ist strittig. Vgl. C. Sachs, 
Reallexikon der Musikinstrumente. 

Barblan-Opienska, Lydia, schweiz. San- 
gerin (Sopran) und Komponistin, * 12. April 
1890 zu Morges, im Ges. Schulerin von Frau 
Schulze-de Korff (Freiburg i. B.), Frau 
Clericy-Du Collet (Paris) und Frau Emma 
Beauck (Brussel), in der Komposition von 
K.-H. David und Hans Huber in Basel; 191 1 
Gesangslehrerin am Konservatorium in Frei- 
burg i. B. und an der Basler Musikschule, 
1921 — 24 am Staatskonservatorium in Poz- 
nan, seit 1926 Gesangslehrerin am Musik- 
institut de Ribaupierre in Lausanne; Mit- 
griinderin (1916) der Vereinigung Motet et 
Madrigal und des Vokalquartetts Barblan. 
Seit 1924 Gattin von H. Opienski (s. d.). Sie 
lebt in Morges. Sie schrieb: Lieder; Varia- 
tionen fur Klavier; Kantate (Text von No- 
valis) u. a. 

Barblan, Otto, schweizerischer Organist 
und Komponist, * 22.Marz i860 in Scanfs, 
Engadin, 1878 — 84 Schtiler des Stuttgarter 
Konservatoriums (Klavier bei Schuler und 
Alwens, Orgel und Komposition bei J. 
Faisst); 1884 — 85 dort selbst Lehrer-Ver- 
treter fur Klavier- und Orgelspiel; 1885 
Musiklehrer an der Kantonschule und Musik- 
direktor zu Chur, seit 1887 Organist an 
St. Pierre in Genf ; Lehrer fur Orgelspiel und 
Komposition am Konservatorium und seit 
1892 Dirigent der Societe de Chant Sacre, 
sowie seit 1901 des PetitChceur und des Dom- 
chors von St. Pierre. Unter seinen, in Bachi- 



Barcaruola — Barfod. 



109 



schem Stile geschriebenen Kompositionen 
erlangten vor allem seine Orgel- und Vokal- 
werke Erfolg. Er schrieb: fur Soli, Chor 
und Orchester: Post tenebras lux op. 8 
(fiir die Calvin-Feier 1909); Musik zum Fest- 
spiel anlaBlich der Calvenschlachtfeier Chur 
1899; Ode patriotique op. 20 (zur Eroffnung 
der schweizerischen Ausstellung in Genf 
1896); Lukaspassion op. 25; Psalm CXVII 
und Psalm XXIII; zahlreiche andere Chore. 
Klavier: Stiicke op. 2, 3, 4; Orgel: op. 1, 5; 
Passacaglia op. 6; Chaconne iiber B. A. C. H 
op. 10; 16; 21; 22, Toccata op. 23; Variationen 
und Tripelfuge iiber B. A. C. H op. 24 
(Schweiz. Nat.-Ausg.); op. 26 (ms.); Streich- 
quartett D dur op. iq. 

Barcaruola (ital.), s. Barkarole. 

Barcelona. Vgl. F. Virella Casafies, 
La opera enB.Estudio historico; F.Pedrell, 
Catdlech de la biblioteca musical de la Dipu- 
tacio de B.; A. Elias de Molins, Diccio- 
nario biogrdfico-bibliogrdfico de escritores 
y artistas catalanes del siglo XIX; auch Gaceta 
musical barcelonesa, i86off. und Revista 
musical catalana, 1904 ff. ; ferner Luis Lam a- 
fia, B. Filarmdnica: La evolution musical de 
1875 a 1925 (1927); Apeles Mestres, Volves 
musicals: Anecdotes y recorts (1927); Lluis 
Millet, Pel nostre Ideal (1917); iiber die 
Oper in B. vgl. Cotarelo y Mori, Origenes 
y establecimiento de la opera en Espana (1917). 

Barcewicz (spr. -witsch), Stanislaus, * 
16. April 1858 zu Warschau, Schiiler des 
Moskauer Konservatoriums (Hrimaly, 
Tschaikowsky und Laub), seit 1885 Profes- 
sor des Violinspiels am Warschauer Konser- 
vatorium, 1893 Konzertmeister am Opern- 
theater zu Warschau, 1911 — 18 Direktor 
des dortigen kaiserlichen Musikinstituts, 
ausgezeichneter Violinvirtuose, auch Kom- 
ponist fiir Violine. 

Bardas, Willy, * 17. Febr. 1887 zu Wien, 
verungluckt in Neapel 29. Sept. 1924, Schiiler 
von Hermann Gradener in Wien, Arthur 
Schnabel und Max Bruch in Berlin, vortreff- 
licher Pianist, Kammermusiker und Klavier- 
padagoge, 1919 Lehrer am Sternschen Kon- 
servatorium; seine Gattin Therese B.ist 
eine geschatzte Lieder- und Oratoriensan- 
gerin (Alt). Er hinterliefl: Zur Psychologie 
der Klaviertechnik (Berlin 1927). 

Barden hieBen in vorchristlicher Zeit die 
Sanger (Dichter) der Kelten in England, 
Schottland, Irland und Gallien, welche eine 
besonders bevorzugte, allverehrte und durch 
Gesetze geschiitzte Kaste bildeten. In Gal- 
lien und den von den Romern unterjochten 
Teilen Britanniens verschwanden die B. 
bald, weil die Romer sie als die Nahrer des 
Patriotismus systematisch verfolgten. In 
Irland hielt sich das Bardentum bis zur 
Schlacht von Boyne (1690), in Schottland 
bis zur Aufhebung der Erbgerichtsbarkeit 
(1748). Das Instrument, mit dem die B. ihre 
Gesange begleiteten, war die Chrotta (s. d.). 
Germanische Barden hat es nicht gegeben 
(vgl. Bardit) ; wohl aber hatten die Skandi- 
navier einen Sangerstand (vgl. Skalden). 
Vgl. Walker, Historical Memoirs of the 



Irish Bards (1786) und Jones, Musical and 
Poetical Relicks of the Welsh Bards (1786 
bis 1824); Ch. de la Borde, Essai sur 
les Bardes, 3vol. (1840). Vgl. auch Eastcott. 
Es ist sehr wahrscheinlich, daB die fah- 
renden Musikanten des Mittelalters, be- 
sonders die bretonischen Jongleurs, Uber- 
reste der alten keltischen Musikkultur be- 
wahrt haben, welche fiir die Entwicklung 
der mehrstimmigen Musik bedeutungsvoll 
wurden. Vgl. Riemann, Handbuch der MG. 
I. 2, sowie V. Lederer, Ursprung und Hei- 
mat der mehrstimmigen Tonkunst (1906). Als 
eine Art Fortsetzung des alten Bardentums 
sind die walisischen Eisteddfods (s. d.) an- 
zusehen. 

Bardi, Benno, * 16. April 1890 zu K6- 
nigsberg i. Pi\, bildete sich zuerstim Klavier- 
spiel aus, wandte sich aber bald der Kompo- 
sition zu, ging 1907 nach Berlin, um seine 
musikalischen Studien zu vollenden, bezog 
dann die Universitat (Kretzschmar, Riehl, 
Dessoir, Max Herrmann, C. Stumpf) und 
promovierte mit einer Arbeit aus dem Ge- 
biet der Geschichte der Komischen Oper. 
Praktisch tatig war er zuerst als Solorepe- 
titor an der Krolloper, dann an der Staats- 
oper und ging als Kapellmeister nach Saar- 
briicken. 1918 begriindete er den Konzert- 
verein GroB-Berlin und wirkt als Konzert- 
dirigent und Musikschriftsteller. Werke: 
Lieder; Bearbeitung von Flotows Fatme 
(Berlin 1925); Musik zu G. Hauptmanns 
Und Pippa tanzt (Berlin 1919); Agyptische 
Suite fur kleines Orchester; Oper nach Hale- 
vv'scher Musik Bimala (Magdeburg 1927); 
Geschichte der Komischen Oper zur Zeit Wag- 
ners. 

Bardi, Giovanni dei Conti Vernio, 
* 1534, 1592 papstl. Kammerherr in Rom, 
f 1612, ein geistvoller Kunstfreund in Flo- 
renz, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
in seinem Hause die bedeutendsten Kiinst- 
ler und Gelehrten versammelte und mit 
Vine. Galilei personlich den AnstoB zu den 
ersten Versuchen dramatischer Komposi- 
tion (Oper) in Nachahmung der antiken Tra- 
godie gegeben hat (vgl. Caccini und Peri) ; 
er war iibrigens, wie zwei uns erhaltene 5st. 
Madrigale beweisen, selbst ein geschickter 
Tonsetzer. Sein Discorso sopra la musica an- 
tica ed il cantar bene ist in der Gesamtausgabe 
der musikalischen Traktate Donis (1773) ab- 
gedruckt. Vgl. G. Gasperini, Intorno alle 
origini del melodramma (Rom 1902) und A. 
Solerti, Origini del melodramma (1903, darin 
auch ein wichtiger Brief von B.s Sohn 
Pietro an Doni). 

Bardit, Bardiet, s. w. v. Bardengesang ; 
der Ausdruck ist von Klopstock in die 
deutsche Dichtung eingefuhrt und wurde 
von Zuccalmaglio auch fiir die Sinfonie ( !) 
vorgeschlagen. Er entstammt dem Bericht 
des Tacitus uber die Schlachtrufe der Ger- 
manen (barditus, richtiger barritus), welcher 
zu der irrigen Annahme verleitete, daB auch 
die alten Deutschen einen bevorzugten San- 
igerstand (s. Barden) gehabt hatten. 
TjBarfod s. Birkedal-B. 



110 



Barge — Barmas. 



Barge, Johann Heinrich Wilhelm, aus- 
gezeichneter Flotist, geb. 23. Nov. 1836 zu 
Wulfsahl bei Dannenberg (Hannover), 1 16. 
Juli 1925 in Hannover, Autodidakt, war 
vom 17. — 24. Lebensjahr Flotist im han- 
noverschen Leibregiment, sodann erster 
Flotist im Hoforchester zu Detmold und 
wirkte 1867 — 95 in gleicher Eigenschaft im 
Gewandhausorchester zu Leipzig, war 1881 
bis 1908 aucli Lehrer am Konservatorium. 
Seit seiner Pensionierung lebte er in Han- 
nover. B. veroffentlichte eine Flotenschule 
(Forberg), vier Hefte Orchesterstudien fur 
Flote (Sammlung der bedeutendsten Stellen 
aus Opern, Sinfonien usw.) und Bearbeitun- 
gen vieler klassischen und neueren Kompo- 
sitionen fiir Flote und Klavier, auch gab 
er Flotenkonzerte Friedrichs II. heraus. 

Bargheer, Adolf, Bruder von Karl B., 
*2i.Okt. 1840 zu Biickeburg, j 10. Marz 

1901 zu Basel (Schuler Spohrs, und zwar 
sein letzter, 1857' — 58), suchte ebenfalls bei 
Joachim seine letzte Ausbildung, war, wie 
sein Bruder, zuerst zwei Jahre Hofmusikus 
in Detmold, dann fiinf Jahre Konzertmeister 
in Miinchen und zuletzt (seit 1866) Konzert- 
meister und erster Violinlehrer an derMusik- 
schule zu Basel. 

Bargheer, Karl Louis, Violinist, Bruder 
von Adolf B., * 31. Dez. 1831 zu Biickeburg, 
wo sein Vater Hofmusiker war, j 19. Mai 

1902 zu Hamburg, 1848 — 50 Schuler Spohrs 
und als Violinist der Detmolder Hofkapelle 
noch von David (Leipzig) und Joachim 
(Hannover), war 1863 bis zur Auflosung der 
Kapelle 1876 Hof kapellmeister zu Detmold 
und sodann bis 1889 Konzertmeister der 
Philharmonischen Gesellschaft und Lehrer 
am Konservatorium zu Hamburg, auch in 
der Folge Konzertmeister der Abonnements- 
konzerte unter H. v. Biilow. B. war ein 
tiichtiger Komponist, hat aber wenig heraus- 
gegeben (Lieder mit obi. Violine, Kreutzers 
Etiiden mit Klavierbegleitung), und schrieb 
eine Analyse der 5 letzten Quartette von 
Beethoven (1883). 

Bargiel, Woldemar, Komponist. * 3. 
Okt. 1828 und f 23. Febr. 1897 zu Berlin, 
Sohn des Musiklehrers Adolf B. (j 4. Febr. 
1 841) und von Marianne, geb. Tromlitz, der 
geschiedenen ersten Gattin Fr. Wiecks, so- 
mit Stiefbruder von Clara Schumann (s. d.). 
Zuerst von seinen Eltern unterrichtet, spater 
Schuler von Hauptmann, Moscheles, Rietz 
und Gade am Leipziger Konservatorium, 
war er zuerst in Berlin Privatlehrer, dann 
Lehrer am Kolner Konservatorium, 1865 
Direktor der Institute der Maatschappij tot 
bevordering van toonkunsl zu Rotterdam, 
1874. Professor an der Kgl. Hochschule fur 
Musik in Berlin, 1875 Mitglie des Senats 
der Akademie der Kiinste und Leiter einer 
akademischen Meisterschule fiir K mposi- 
tion. B.gehort als Instrumentalkomponist 
der Richtung Schumanns an; mehrere Ou- 
vertiiren (Prometheus, Zu einem Trauer- 
spiel op. 18, Medea op. 22), eine Sinfonie, 
Intermezzo fiir Orchester, 3 Klaviertrios, 4 



Streichquartette, ein Oktett, Suiten fur 
Klavier zu zwei und vier Handen, Charakter- 
stiicke, eine Klaviersonate, Gesange fiir 
Frauenchor, auch Psalmen fiir Chor und 
Orchester erschienen im Druck. 

Bari (Stadt). Vgl. G. Petrocci. I 12 
maestri di musica di Terra di Bari (Rass. 
Pugliese II, 1885); M. A. Bellucci, I 
musicisti Barest. Vgl. auch Giov. de An- 
tiquis. 

Barilli, Bruno, italienischer Komponist, 
* 14. Dez. 1880 zu Fano, aus Parma stam- 
mend, wo er am Konservatorium seine ersten 
Stndien machte; dann Schuler der Akademie 
der Tonkunst in Miinchen (Gluth, Thuille 
und vor allem Mottl); fiihrte ein wechsel- 
reiches Leben als reisender Journalist (Bal- 
kankrieg, Weltkrieg); war Kritiker am 
Tempo in Rom und ist es heute am 
Corriere Italiano. Opern: Medusa, 3akt. ; 
Emiral (1923 preisgekront ; Rom, Co- 
stanzi, Marz 1924); Stiicke fiir Violine und 
Klavier. 

Barini, Giorgio, italienischer Kritiker, 
Historiker, Lehrer; * 3. Aug. 1864 zu Turin, 
Schuler von Antonio Leonardi, erst Kompo- 
nist, dann — unbefriedigt von seinen Arbei- 
ten — Kritiker und Forscher; lange Jahre 
Kritiker der Tribuna und der Nuova Anto- 
logia, jetzt der Epoca; Lehrer der Musik- 
geschichte an der Scuola mus. nazionale in 
Rom. Schriften: Sulle relazioni tra neumi 
e accenti (Vortrag, Pariser Kongrefi der 
IMG. 1914); Studien iiber Tristan und 
Parsifal, iiber Liszt. In Vorbereitung : 
Ausgaben des Socrate immaginario von 
Paisiello und des Impresario in angustie 
von Cimarosa. 

Bariolage (spr. -laseh'), von lat. variola- 
gium (Abwechslung), franz. Bezeichnung fur 
die Vertauschung von Klangfarben auf der 
Violine, wenn bei raschem Saitenwechsel ein 
hoherer Ton auf einer tieferen Saite gespielt 
wird als es normalerweise geschieht; beson- 
ders gebrauchlich beim Wechsel von leerer 
Saite und gegriffenem Ton (vgl. etwa das 
Praludium von Bachs Solosonate E dur). 

Baritono s. Baryton. 

Barkarole (ital. barcaruola von barca, 
Barke), s. v. w. Schifferlied, Gondoliera. 
Die bekanntesten instrumentalen Beispiele 
der B. haben Mendelssohn (Lieder ohne 
Worte) und Chopin, oder Offenbach in Hoff- 
manns Erzdhlungen geliefert. 

Barker, Charles Spackman, * 10. 
Okt. 1806 zu Bath, f 26. Nov. 1879 zu Maid- 
stone (England) ; beriihmter Orgelbauer, zu- 
erst in London, seit 1837 in Paris, wurde 
1840 Direktor der Werkstatte von Dau- 
blaine & Callinet, i860 Begriinder einer eige- 
nen Firma (Barker & Verschneider). Der 
Krieg 1870 trieb ihn nach England zurvick. 
B. ist der Erfinder des pneumatischen 
Hebels und der elektrischenMechamk, 
welche eine vollstandige Umwalzung der 
Spieltechnik der Orgel (s. d.) bewirkten. 

Barmas, Issay, * 19. April 1872 in 
Odessa, Schuler des Moskauer Konservato- 
riums (Hfimal)') und seit 1895 °-er Berliner 



Barmen — Barnett. 



Ill 



Hochschule (Wirth, Joachim); debiitierte 

1899 in Berlin und konzertierte in Deutsch- 
land,Osterreich, RuBland, Danemark, Polen. 

1900 wurde er Ausbildungslehrer am Stern- 
schen Konservatorium, 1905 erster Violin- 
lehrer (Prof.) am Klindworth-Scharwenka- 
Konservatorium in Berlin. 1919 griindete 
er eine Quartettvereinigung (B., Karl Knaak, 
Otto Klust, Fritz Dechert). Zu seinen 
Schiilern zahlen : Andreas WeiBgerber, Edith 
von Voigtlaender, W. Petereins (friiher Se- 
kundarius in B.s Quartett), Fidelmann, 
Fritz Schneider u. a. Schrieb: Die Losung 
des geigentechnischen Problems (191 3); Ton- 
ieiter-Spezialstudien ; Doppelgriff-Spezialstu- 
dien; Neuausgaben altklassischer, klassischer 
und neuerer Musik; Transkriptionen. 

Barmen. Vgl. Festschrift zur Feier des 
25 jdhr. Bestehens des Barmer Konservato- 
riums fiir Musik (1908); s. auch Rheinland. 

Barmotin (spr.-mjotin), Semen Alexeje- 
witsch, * 1877 zu Petersburg, in der dortigen 
Hofkapelle Schuler Balakirews und am Kon- 
servatorium unter Rimsky-Korssakow (Kom- 
position), seit 1901 selbst Lehrer an der Hof- 
kapelle, an der Musikschule der Kaiserl. 
Russ. Musikgesellschaft zu Cherson, dann 
Privatmusiklehrer in Petersburg; veroffent- 
lichte Klaviersachen (Sonate op. 4 u. a.); 
auch eine Sonate und Suite fur Violine und 
Klavier, und Lieder. 

Barnard, John, englischer Geistlicher, 
Kanonikus anderPaulskirche inLondon, gab 
eine Sammlung alterer englischer Kirchen- 
musik heraus (The First Book of Selected 
Church-Musick, Services and Anthems [Lon- 
don, Edw. Griffin 1641] zu 1 — 8 St. von 
Tallis, Byrd, Morley, O. Gibbons, Tye, J. 
Bull, Farrant, Mundy, Batten, Hooper, J. 
Shepheard, Parsons, Bevin, Rogers, White, 
Giles, Ward, Weelkes, Woodson), welches 
Werk durch die Verheerungen des Biirger- 
krieges usw. so selten geworden ist, daB 
iiberhaupt erst seit 1826 ein komplettes 
Exemplar bekannt ist (teils im Besitz der 
Sacred Harmonic Society, teils [schon langer 
bekannt] in der Kathedralbibliothek von 
Hereford). Eine von John Bishop herge- 
stellte vollstandige Kopie (Partitur) liegt 
noch ungedruckt im British Museum. 

Barnby [Sir], Joseph, * 12. Aug. 1838 
zu York. J 28. Jan. 1896 zu London, Schuler 
der Royal Academy of Music, 1867 Begriin- 
der eines eigenen Chorvereins, der Oratorien- 
konzerte und des Royal Albert Hall- Chor- 
vereins, sowie 1875 Direktor des Musikunter- 
richts am Eton College bei Windsor, 1886 
Nachfolger W. Shakespeares als Konzert- 
dirigent der Royal Academy of Music, 1892 
Direktor der Guildhall-Musikschule und ge- 
adelt, komponierte ein Magnificat, Orato- 
rium Rebekah, Psalm Der Herr ist Konig 
(Leeds 1885), 45 Anthems, 246 Hymns, 
Orgelstucke usw. Vgl. L. Engel, From 
Handel to Halle (1890). 

Barnekow, Christian, *28. Julii837 zu 
St. Sauveur (franz. Pyrenaen), f 20. Marz 
1913 zu Kopenhagen, von danischen Eltern 
(die verwitwete Mutter ging 1839 nach 



Danemark zuriick), studierte Klavierspiel, 
Orgel und Komposition unter Ed. Helsted 
in Kopenhagen, war 1871 — 87 Vorsitzender 
der Gesellschaft zur Herausgabe danischer 
Musik, 1895 Vorsitzender des Musikvereins 
zu Kopenhagen, 1891 Professor, gab ein 
Choralbuch heraus (i.Teil 1878, 6. Aufl. 
1907, 2. Teil 1892). Als Komponist trat er 
hervor mit Kammermusik (Klaviertrio op. I, 
Klavierquartett D dur op. 12, Streichquintett 
G moll op. 20, Violinsonate op. 23, Klavierso- 
nate op. 24). Auch hat er viele religiose und 
volkstflmliche Gesange komponiert (7 Hefte 
geistlicher Lieder mit Orgel, Neue geistliche 
Lieder op. 5) und bearbeitete 8 Hefte 
alterer geistlicher Lieder (von Joh. Chr. 
Friedr. Bach, Ph. Em. Bach und J. A. 
Peter Schulz) mit Orgel und ausgewahlte 
Kompositionen von Buxtehude fur Kla- 
vier zu vier Handen. 

Barnett, John, * ig. Julii8o2 zu Bed- 
ford, I 17. April 1890 zu Cheltenham, Sohn 
eines eingewanderten deutschen Juweliers, 
der eigentlich Bernhard Beer hieB, erhielt 
friihzeitig eine griindliche musikalische Aus- 
bildung durch Schnyder von Wartensee in 
Frankfurt a. M., trat bereits 1828 mit seiner 
ersten Operette: Vorm Fruhstuck ans Ram- 
penlicht des Lyzeums und entwickelte sich 
schnell zu einem sehr fruchtbaren Biihnen- 
komponisten. Nachdem er eine Menge 
kleiner Bflhnenstucke geschrieben, die im 
Lyzeum, im Olympic Theatre und im 
Drurylanetheater zur Auffiihrung kamen, 
tat er seinen ersten Hauptschlag 1834 mit 
der romantischen Oper Die Bergnymphe, 
1837 folgte Schon Rosamund und 1838 
Farinelli. 1841 lieB sich B. in Cheltenham 
als Gesanglehrer nieder. Er schrieb Systems 
and Singing Masters (1842, iiber die Methode 
Wilhelm, gegen Hullah) und School for the 
Voice (1844). Die Zahl der von ihm ge- 
schriebenen Einzelgesange soil gegen 4000 
betragen. 

Barnett, John Francis, Sohn des Mu- 
sikers Jos. Alfr. B. (f 29. April 1898) und 
Neffe von John B., ' * 16. Okt. 1837 und 
I 24. Nov. 1916 zu London, begabter Kom- 
ponist und guter Pianist, Freischiiler der 
Akademie, spielte bereits 1853 unter Spohrs. 
Direktion Mendelssohns D moll-Konzert in. 
der Neuen Philharmonischen Gesellschaft, 
war 1857 — 60 Schuler des Leipziger Konser- 
vatoriums, trat i860 im Gewandhauskonzert 
zu Leipzig auf und spielte 1861 unter Bennett 
im Londoner Philharmonischen Konzert 
Beethovens Es dur-K.onzert. Von seinen 
Kompositionen sind hervorzuheben : eine Sin- 
fonie A moll (1864), Sinfonische Ouvertiire, 
Ouvertiire zum Wintermdrchen, Orchester- 
suite DasLied des letzlen Minstrel (Liverpool, 
Musikfest 1874) und die Pastoralsuite The 
Harvest Festival (Norwich 1880), Streich- 
quartett D moll, Streichquintett G moll, Trio- 
C moll und andere Kammermusik, ein Ora- 
torium Die Auferweckung des Lazarus (Here- 
ford, Musikfest 1873), die Kantate Der alte- 
Matrose (Birmingham, Musikfest 1867), Kan- 



112 



Barnett — Barrett. 



tate Das Paradies und die Peri (Birmingham 
1870, Moore's Oiiginaltext), The Eve of St. 
Agnes (London 1013, Keats). Fur das Musik- 
fest zu Brighton 1876 schrieb er die Kantate 
Der gute Hirte, fiir das zu Leeds 1880 Die Er- 
bauung des Schiffes und 1893 The Wishing- 
Bell (fiir Frauenstimmen), ferner: die Szene 
fiir Alt The Golden Gate, ein Klavierkonzert, 
ein Flotenkonzert, Klaviersachen usw. Er 
hat Schuberts skizzierte E rfwr-Sinfonie von 
1 82 1 vervollstandigt und im 2h. Kl.-A. 
herausgegeben. Veroffentlicht sind von 
ihm : Musical Reminiscences and Impressions 
(1906). 

Barnett, Neville George, * 3. Marz 
1854 zu London, f 26. Sept. 1895 zu Picton 
(Neu-Sudwales), Orgelschiiler von J. L. Hop- 
kins, war zuerst Organist einer Londoner 
Kirche, ging dann nach Sydney (Australien), 
wo er Organist der katholischenHauptkirche, 
Musikdirektor der Synagoge und Lehrer an 
der Blindenanstalt und gleichzeitig Musik- 
referent mehrerer groBer Zeitungen wurde. 
Eine Oper Pomare wurde in Auckland ge- 
geben, auch schrieb er eine Messe, Orgel- 
stiicke, Chorlieder usw. Ein theoretisches 
Werk hinterliefi er im Manuskript (The 
Art Theory of Harmony). 

Barns, Ethel, englische Komponistin, 
* 1880 zu London, Schi'ilerin der R. A. M. 
(Sauret, Prout, Westlake); seit 1899 mit 
dem Baritonisten Charles Philipps ver- 
heiratet. Sie schrieb: Trio fiir 2 V. und 
Kl. ; 2 Sonaten fiir V. und Kl. op. 9 A dur 
und op. 24 Gmoll; Kl.-Trio; .Adagio fiir 
Kl.-Trio F moll op. 10; Konzertstiick fiir 
V. und Orchester" D moll; ca. 40 Soli fiir 
V.; Klavierstiicke; Lieder (samtlich ge- 
druckt). Ms. : 3 weitere Sonaten fiir V. und 
Kl. ; Kl.-Trio; V.-Konzert u. a. 

Baron, Ernst Gottlieb, *ij. Febr. 1696 
zu Breslau, | 12. April 1760 in Berlin; 
studierte in Leipzig die Rechte und Musik, 
wurde 1728 Hofiautenist zu Gotha, 1732 zu 
Eisenach und 1734 Kammertheorbist des 
preuBischen Kronprinzen, nachmaligen K6- 
nigs Friedrich II. Sein (freilich den Gegen- 
stand nichts weniger als erschopfendes) 
Hauptwerk ist: Historisch-theoretische und 
praktische Untersuchung des Instruments der 
Lauten usw. (1727); einiges Erganzende 
brachte er noch in Marpurgs Historisch- 
kritischen Beytrdgen (2. Band 1756), schrieb 
auch einen Abrip einer Abhandlung von der 
Melodie (1756) und iibersetzte musikalische 
Abhandlungen von Yves M. Andre und 
J. B. L. Gresset aus dem Franzosischen 
{T-7S7)- 

Baroni-Giamaglia (spr. dschamalja), Fi- 
lippo, wiesein Bruder Antonio Giuseppe 
ein Schiiler von Padre Scipione Lazzarini 
in Ancona, war 1679 — 1683 Kathedralkapell- 
meister zu Osimo und sodann lange Jahre 
zu Ancona. Er schrieb 2st. Gesangskanons 
(Canoni a 2 voci, parte all' _ unisono chiusi, 
et altri risoluti et alcuni alia dritta e alia 
riversa et in diverse forme. Opera la, Bologna 
1704, von Padre Martini hochgestellt) und 



8 st. Vesperpsalmen op. 2 (Psalmodia 
vespertina totius anni, duplici choro per- 
breviter concinenda etc.. Bologna 1710/ 
Vgl. Sammelb. d. JMG. XIV, S. 566 
(Radiciotti). 

Baroxyton (griechisch, wortlich: ,,was tief 
und hoch tont"), ein 1848 von W. Fr. 
Cerveny in Koniggratz konstruiertes Blech- 
blasinstrument von weiter Mensur mit dem 
Umfang vom Kontra-D bis zum einge- 
strichenen a (jD bis a 1 ). 

Barratt (spr- barrat), Edgar, englischer 
Pianist und Komponist, * 1877 zu Lincoln, 
Sohn eines Musikers, John B., Mus. Bac. 
Oxon. (1879 Organist und Chordirigent in 
Paisley Abbey); studierte am Leipziger Kon- 
servatorium Klavier bei Bruno Zwintscher 
und Rob. Teichmiiller, Komposition bei 
Schreck; Solist am Scottish Orch., bei dem 
er lange Jahre als Begleiter wirktc; auch 
Kammermusikspieler von Ruf, Begleiter der 
Albani und Dolores auf ausgedehnten Kon- 
zertreisen. Er schrieb : Klaviermusik ; Gesan- 
ge, meist auf schottische Texte. Eins seiner 
Klavierstiicke (Coronach) hat besondere Ver- 
breitung erlangt. 

Barre [de mesure] (franzosisch), Takt- 
strich. 

Barr6, in der Technik des Lautenspiels 
Bezeichnung fiir den Quergriff eines Fingers 
iiber mehrere Saiten, wobei der greifende 
Finger als kiinstlicher Sattel wirkt; un- 
erlafllich als Grundlage fiir das Akkord- 
spiel in den hoheren Lagen und fiir die 
Bewaltigung schwierigerer Tonarten. 

Barr6, Antonio, 1552 Altsanger der 
Cappella Julia (an der Peterskirche) in Rom. 
angesehener Madrigalist (Madrigali 4 v.. 
Rom, Dorici 1552^. 1555 unternahm er 
selbst einen Musikverlag (zuerst in Rom, 
seit 1564 in Mailand), dessen Hauptwerke, 
Sammlungen von 5 st. und 4st. Madrigalen 
und 4 st. Motetten, zahlreiche Stiicke von 
B. selbst enthalten (I<>, Ho Libro delle Muse 
a 5 voci TSS5 — 57; 1°, 11° Libro delle Muse 
a 4 voci T555 — 56; Liber I Missarum 4 v. 
1588). Vgl. Viefteljahrsschrift f. MW. VIII 
(Peter Wagner); auch K. Huber, Ivo de 
Vento (Miinchen 1918, Dissert.). 

Barr6, Leonardo, * zu Limoges, Schiiler 
Willaerts, war 1537 — 55 papstlicher Kapell- 
sanger in Rom, wurde dann, weil verheiratet, 
ausgeschlossen und fortan Kastellan an 
S. Lorenzo in Damaso. Madrigale und 
Motetten sind in Sammelwerken von 1540 
bis 1550 erhalten. Antonio B. ist vielleicht 
ein Verwandter von ihm. 

Barret (spr. barre), Apollon Marie Rose, 
* 1808 zu Paris, f 8. Marz 1879 in London; 
Schiiler von Vogt am Pariser Konservato- 
rium, Oboist am Odeontheater und der 
Komischen Oper, zuletzt bis 1874 an der 
Londoner Italienischen Oper, Verfasser einer 
vorziiglichen Vollstdndigen Methode des Oboe- 
spiels, der eine Reihe Sonaten und Etiiden 
fiir Oboe angehringt sind. 

Barrett (spr. barret). William Alexan- 
der, * 15. Okt. 1834 zu Hackney, Middlesex 



Barriere 



Barth. 



113 



und f ly. Okt. 1891 zu London, Schfiler von 
J. Goss, Chorvikar an der Paulskirche zu 
London, 1871 Baccalaureus Mus. (Oxford), 
1888 Organist der Freimaurerlogen, 1869 
bis zu seinem Tode Musikreferent der Mor- 
ning Post und zeitweilig Redakteur des 
Monthly Musical Record, zuletzt der Musical 
Times, schrieb: English Glee and Madrigal 
Writers[i8jy), English Church Composers 
(i882[i899]), Balfe: His Life andWork(i882), 
English Glees and Part-Songs (1886) und mit 
J. Stainerein Dictionary of Musical Terms 
(1875). Auch komponierte er ein Orato- 
rium: Christus vor Pilatus. 

Barriere (spr. -rier), Etienne Bernard 
Joseph, Violinist, * 1749 zu Valenciennes, 
trat mit Erfolg im Concert spirituel und der 
Loge Olympique auf und gab Quatuors concer- 
tants op. 1 und 3, Variationen fur Violine 
und B. c. op. 4 u. a. heraus. 

Barriere (spr. -rier). Jean, Violoncellist, 
der 1739 ein 5. Buch Sonates de pardessus 
de viole herausgab und von dem auch 
mehrere Bficher Cellosonaten in Pariser 
Bibliotheken erhalten sind. In Neuausgabe : 
2 Bucher fur Vc. (Senart, Paris). 

Barrington (spr. barringt'n), Daines, 

* 1727 und f 14. Marz 1800 zu London; 
Syndikus zu Bristol, spater Richter in 
Wales, schrieb u. a. fiber Wunderkinder 
(Mozart, die Wesleys, Crotch), fiber die alt- 
walisischen Instrumente Crwth (s. Chrotta) 
und Pib-Corn (Hornpfeife), fiber den Gesang 
der Vogel (1773). Seine Aufsatze erschienen 
gesammelt als Miscellanies (1781). 

Barrios, Angel, spanischer Komponist, 

* 1862 zu Granada, erst Orchestergeiger, gab 
dann das Violinspiel zugunsten der Gitarre 
auf und wurde ein bedeutender Gitarre- 
spieler. B. vollendete seine Musikstudien 
bei Antonio Segura (Granada), Gedalge 
(Paris) und Conrado del Campo (Madrid). 
Um 1900 grundete er das einst beruhmte 
Trio Iberia. Werke : Sinf . Dicht. Zambra en el 
Albaicin (aufgeffihrtvom Orq. Sinf. Madrid); 
Copla de Soled und Danzas gitanas fur Or- 
chester; mehrere Klavierstficke ; Buhnen- 
musik zu Aben Humeya von Fr. Villaespesa 
und zu La Danza de la Cautiva von Al. 
Mackinlay; eine 2aktige Zarzuela Granada 
mia; 2 Opern, zusammen mit Conrado del 
Campo: LaRomeria, 2aktig, und El Avapies, 
3aktig (aufgefuhrt in Madrid). 

Barsanti, Francesco, * um 1690 zu 
Lucca, kam 17 14 mit Geminiani nach Eng- 
land, war Flotist, spater Oboist der Italie- 
nischen Oper, lebte dann langere Zeit in 
Schottland, seit 1750 aber wieder in London 
als Violaspieler. B. veroffentlichte eine 
Sammlung schottischer Lieder mit BaB 
(1742), 9 Sinfonien fOuvertures a 4), 12 
Violinkonzerte (1750), 6 Soli fur Flute douce 
mit B. c, 6 dgl. fur Querflote, 6Triosonaten 
op. 6, 6 dgl. nach Geminianis Violinsonaten 
und 6 Antiphonen im Palestrinastil. 

Barsotti, Tommaso Gasparo Fortu- 
nato, * 4. April 1786 zu Florenz, f im April 
1868 zu Marseille, wo er 1821—52 eineMusik- 
Freischule leitete. Seine veroffentlichten 

Eiemann, Musik-Lexikon. 11. Aufl. 



Werke sind Kiaviervariationen, ein Salvum 
fax regem und eine Methode de musique fur 
die Musikfreischule (1828). 

Bartay, Andreas, *i798 zu Szeplak in 
Ungarn, j 4. Okt. 1856 in Mainz, 1838 Direk- 
tor des ungarischen Nationaltheaters, 1848 
konzertierend in Paris, spater in Hamburg 
lebend, komponierte ungarische Opern (Au- 
rel, Osel, Die Ungarn in Neapel), die Ora- 
torien Die Ersturmung Ofens und Das Volk 
der Arpaden; Messen, Ballette usw. 

Bartay, Ede, Sohn von Andreas B., 

* 6. Okt. 1825, I 31. Aug. 1901 zu Pest, war 
Direktor des ungarischen Nationalkonser- 
vatoriums (Nemzeti Zenede) und der Be- 
grunder der ungarischen Musiker-Pensions- 
Anstalt; Komponist (Ouverture Perikles; 
Sinfonie H moll). 3t.B. _ 6*.5, a 

Bartel, August, * i8o3l und f"i87y-zu 
Sondershausen, Sohn des als Trompetej an- 
gesehenen Hoboisten Heinrich ~B. S , war ■Hf'Mft 
Stadtmusikus zu Sondershausen und Mit- 'l£fe(? 
glied der Hofkapelle, der auch sein Bruder 
Adolf (* 1809, f 1878) angehdrte, bildete 
viele vortreffliche Musiker aus (u. a. H. 
Frankenberger, Al. Mackenzie) vor alien aber 
seine Sonne (beide Cellisten) Ernst, *i824, 
1853 Musikdirektor zu Riga, dann in Paris, 
Petersburg, zuletzt Musikdirektor in Rem- 
scheid, wo er 1868 starb, und Gfinter, 

* 28. Nov. 1833 zu Sondershausen, j" 1. Marz 
191 1 zu Dusseldorf, der nach weitern Studien 
in Paris (Franchomme) und Berlin (S. Dehn) 
als geschatzter Musiklehrer in RuBland, 
Schottland usw. und seit 1866 in Dfisseldorf 
lebte und hfibsche Lieder, Frauenchore, 
Klavier- und Cellostucke, Orchesterpolo- 
nasen schrieb, auch vielfach ffir Musik- 
zeitungen feuilletonistische Beitrage lieferte. 

Bartels, Wolfgang von, * 21. Juli 1883 
zu Hamburg als Sohn des Marinemalers 
Hans v. B., Schfiler von A. Beer-Walbrunn 
in Mfinchen und Andre Gedalge in Paris 
(1904 — 09); lebt seit Jahren nur der Kom- 
position und als Kritiker in Munchen. Dram. 
Werke: Melodramen The Little Dream, von 
John Galsworthy (Manchester, Gaiety Th. 
1911); Schneewittchen, Kindermarchen, von 
Green (Manchester 191 1); The Spanish 
Lovers, von Fernando de Rojas, in der Uber- 
tragung von Garnett (London, The Little 
Theatre 191 2); die Perser des Aischylos, von 
Lion Feuchtwanger (Munchen, Schauspiel- 
haus 1917); Li-I-Lan, Oper von Warden und 
Welleminsky (Kassel 1918); Streichtrio Edur 
(1924); Suite ffir Fl. mit Streichorchester 
(1924); 5 Minnesange (1924), Zyklus von 
altdeutschen Liedern; Die zwolf Gesdnge des 
Li-Tai-Pe (1921); 7 Baltische Lieder (1925); 
Violin-Konzert C moll op. 17 (1927) ; Manner- 
chorsuite op. 18; Hymnen An das Brot a 
cappella op. 21; Bratschen-Konzert op. 20. 

Barth, Adolf Franz, * 26. Nov. 1852 zu 
Alsleben a. S. als Sohn eines Ritterguts- 
pachters, studierte nach Absolvierung des 
Gymnasiums zu Eisleben (1874) in StraB- 
burg, Marburg und Bonn Medizin (appro- 
biert und promoviert 1879), ward nach 
Studienreisen (Wien) 1881 — 83 Assistent an 

8 



114 



Barth 



Barthlme. 



der chirurgischen Universitatsklinik in Ro- 
stock, 1883 — 85 an der Ohrenklinik in Berlin, 
und praktizierte 1885 bis 1890 als Ohrenarzt 
in Berlin, beschaftigte sich in den letzten 
Jahren u. a. auch mit akustischen Unter- 
suchungen. 1890 wurde er Leiter der Uni- 
versitatspoliklinik fur Ohren-, Nasen- und 
Hals-Krankheiten zu Marburg a. d. L., iiber- 
nahm 1895 die gleiche Stellung zu Breslau 
und endlich 1896 die zu Leipzig. Hier vor 
allem beschaftigte er sich mit Stimmbildung 
und ausgedehnteren Atemuntersuchungen, 
besonders bei Sangern, und hielt in Gustav 
Borchers' Kursen fur Gesanglehrer und 
Chordirigenten Vortrage fiber Akustik und 
Physiologie der gesunden und kranken 
Stimme. Seine musikalischen Schriften sind 
Zur Lehre von den Tonen und Gerduschen 
(1887), Bestimmung der Horschdrfe (1888), 
Dekrement abschwingender Stimmgabeln(iS88, 
diese drei in der Zeitschrift fur Ohrenheil- 
kunde), Beitrag zur Anatomie des inneren 
Ohres (1889 in den Anatomischen Heften), 
Die Helmholtzsche Theorie iiber das Horen im 
inneren Ohr (1892 in d. Sitzungsber. der 
Marburger Naturf. Ges.), Vber die Bildung 
der menschlichen Stimme (1904 Leipzig, Joh. 
Ambr. Barth), Klang und Tonhohe der 
Sprechstimme (1906, das.). 

Barth, Christian Frederik, * 1787 zu 
Kassel, f 17. Febr. 1861 zu Middelfart, jiin- 
gerer Sohn von Christ. Samuel B., Nachfolger 
des Vaters als Oboist in der Hofkapelle zu 
Kopenhagen, in die er schon mit T5 Jahen 
eintrat, machte sich durch Kunstreisen im 
Ausland einen bedeutenden Namen als 
Oboist, wurde 1841 pensioniert und bildete 
als Lehrer, wie Wexschall auf der Geige, 
eine danische Schule des Oboespiels; er 
schrieb zwei Konzerte, eine Sonate, Rondos, 
Duette und Quartette fur Oboe, auch eine 
Ouverture. Sein bedeutendster Schiiler war 
der Oboist der Kopenhagener Kgl. Kapelle 
Christian Schiemann (* 1823). 

Barth, Christian Samuel, * 1735 zu 
Glauchau (Sachsen), j 8. Juli 1809 in Kopen- 
hagen, Schiiler von J. S. Bach an der 
Thomasschule, war Oboist in den Hofor- 
chestern von Rudolstadt, Weimar, Hanno- 
ver, Kassel und Kopenhagen. 

Barth, Friedrich Philipp Karl August, 
* 1775 zu Kassel, f 22. Dez. 1804 in Kopen- 
hagen, Nachfolger seines Vaters Christian 
S. B. als Oboist in der Hofkapelle zu Kopen- 
hagen, veroffentlichte Sammlungen dani- 
scher und deutscher Lieder sowie ein Floten- 
konzert und hinterlieB Oboekonzerte, ein 
Konzert fur 2 Horner u. a. im Manuskript. 
Barth, Hermann, * 30. April 1866 zu 
Luxemburg, Pfarrer in Ruhlsdorf und 
Marienwerder, schrieb /. S. Bach (1902), 
eine kleine Geschichte der geistlichen Musik 
(1903), Fragwurdige Choralmelodien (1904) 
und Ein Preisausschreiben zur Gewinnung 
neuer Choralmelodien (1905). 

Barth, Karl Heinrich, * 12. Juli 1847 
zu Pillau bei Konigsberg i. Pr. als Sohn 
eines Lehrers, j 23. Dez. 1922 in Berlin, er- 
hielt den ersten Musikunterricht von seinem 



Vater, 1856 — 62 von L. Steinmann in Pots- 
dam und war dann in Berlin Schiiler von 
Biilow (1862 — 64), Bronsart und kurze Zeit 
von Tausig. 1868 wurde er Lehrer am 
Sternschen Konservatorium, 1871 an der 
Konigl. Hochschule in Berlin (19 10 Vor- 
steher der Klavierabteilung und als solcher 
Senatsmitglied der Kgl. Akademie der 
Kiinste); 1921 im Ruhestand. B. war ein 
vorzuglicher Klavierspieler, besonders ein 
Ensemblespieler hohen Ranges. Das Trio: 
B., de Ahna, Hausmann erfreute sich eines 
vorzuglichen Rufs. Als Komponist trat B. 
mit einer Violinsonate (D dur) hervor. 

Barth, Richard, * 5. Juni 1850 zu GroB- 
wanzleben (Prov. Sachsen), | 25 . Dez. 1923 
in Marburg, bildete sich, da er sich als Kind 
den Mittelfinger der linken Hand verletzt 
hatte, zum Violinspieler mit Vertauschung 
der Rollen der beiden Hande aus (Schiiler 
von Beck in Magdeburg und 1863—67 von 
Joachim in Hannover), war zuerst Konzert- 
meister in Miinster, 1882 in Krefeld, sodann 
Unfversitatsmusikdirektor in Marburg und 
wurde 1895 bei Bernuths Riicktritt dessen 
Nachfolger als Dirigent der Philharmoni- 
schen Konzerte (bis 1904) und der Sing- 
akademie zu Hamburg, leitete auch bis 1908 
die vereinigten Mannergesangvereine Ham- 
burg-Altona und iibernahm 1908 die Direk- 
tion des Konservatoriums. Auch dirigierte 
B. bis 191 3 den Hamburger Lehrer-Gesang- 
verein, mit dem er erfolgreiche Konzert- 
reisen machte. 1904 ernannte die Univer- 
sitat Marburg B. zum Dr. phil. hon. c. Er 
gab heraus: /. Brahms im Briefwechsel mit 
J. O. Grimm (1908) und schrieb Johannes 
Brahms und seine Musik (1904). Von seinen 
Kompositionen erschienen 3 Violinsonaten, 
ein Klaviertrio, ein Streichquartett, eine 
Partita fiirVioline alleinundeine Ciaconadgl. 

Barthelernon (spr. -telemong) , Fran9ois 
Hippolyte, * 27. Juli 1741 zu Bordeaux, 
•("23. Juli 1808 in Dublin; hatte in London 
groBe Erfolge als Opernkomponist mit Pelo- 
pidas (1766), Le fleuve Scamandre (franzo- 
sisch, Paris 1768), The Judgment of Paris, 
The Enchanted Girdle, The Maid of theOaks, 
The Election, Belphegor (1778). 1770 wurde 
er Konzertmeister von Vauxhall. Nach 
langeren Reisen in Deutschland, Italien und 
Frankreich nahm er 1784 eine Stelle in 
Dublin an. B. schrieb auch ein Oratorium 
Jefte (1776; von seiner Tochter mit Clementi, 
Busby u. a. 1827 herausgegeben) und hat 
eine groBere Zahl Instrumentalkompositi- 
onen (fur Violine, Orgel, Klavier) publiziert; 
Haydn schatzte ihn wegen seines kantablen 
Spiels. 

Barthlme, Anton, osterreichischer Vio- 
loncellist und Dirigent, * 12. Mai 1867 in 
Tepl (Bohmen), in Tepl und Pilsen erzogen, 
seit 1882 am Konservatorium der Ges. der 
Musikfreunde unter Josef Hellmesberger in 
Wien Schiiler von Karl Udel und Ferd. 
Hellmesberger (Vc), Sturm und Ludwig 
(Kl.) und Franz Krenn (Theorie), bei seinem 
Abgang mit dem I. Preis ausgezeichnet. 
1894 wurde er Km. beim Inf. -Reg. Nr. 25 



Bartholdy — Bartok. 



115 



in Ungarn, dann Violoncellist im Wiener 
Duesberg-Quartett, war 1901 —1904 Dirigent 
der popularen Konzerte des Wiener Konzert- 
vereins und ist seit 1912 Lehrer fiir Violoncell 
an der Akademie. fiir Musik und darstellende 
Kunst, zugleichCellist im Quartett Kollmann- 
Barthlme. Schrieb : Vom alien Hellmesberger. 

Bartholdy, Conrad johan, *i2.Marz 
1853 zu Frijsenborg, j - 6. Dez. 1904 . zu 
Kopenhagen, Schuler von Gebauer (Theorie) 
und Neupert (Klavier), wurde 1883 Kantor 
an der Matthauskirche zu Kopenhagen, wo 
er zugleich als Gesanglehrer und Chorver- 
einsdirigent wirkte, und machte sich durch 
kleinere Vokalwerke, eine Ouvertiire und die 
im Kgl. Theater aufgefiihrten Opern Der 
Schweinehirt, Loreley und Dyveke bekannt. 

Bartholomaeus Anglicus, Schriftsteller 
des 13. Jahrhunderts, dessen Werk De pro- 
prietatibus rerum (Niirnberg 1483 gedruckt), 
auch einen Musiktraktat (De musica seu mo- 
dulatione cantus) enthalt, den Hawkins in 
englischer Ubersetzung abgedruckt hat (Gen. 
Hist., Neuausg. I. 266ff.) Vgl. Hermann 
Miiller in der Riemann-Festschrift (1909) 
S. 241 ff. 

Bartholony, Jean, franzosischer Kom- 
ponist, * 1880 zu Genf, Schuler von Jos. 
Morpain, Cesar Galeotti, Strong und Mottu 
in Paris, auch von Nadaud (Geige). Vorstand 
des Genfer Konservatoriums, Kritiker des 
Monde Illustre in Paris, wo er lebt; 
schrieb die sinf. Dichtungen La Nuit clde 
au Jour und Jeux de Faunes, vielgespielte 
Impressions d'Ete fiir Klavier, eine Sonate 
fiir Violine und Klavier C moll, Stiicke fiir 
Orgel und Violine, ist auch als Dichter und 
Schriftsteller (Wagner et le recul du temps) 
hervorgetreten. 

Bartlett, Homer Newton, * 28. Dez. 
1.845 zu Oliva (Neuyork), f 3. April 1920 
zu Hoboken, Schuler von S. B. Mills, Braun 
und Jacobsen, Organist an Neuyorker 
Kirchen, beliebter Komponist von Liedern, 
Klaviersachen, auch Kammer- und Orche- 
stermusik, einer Oper La Valliere (ms.), 
eines Oratoriums Samuel u. a. 

Bartmufi, Richard, *23_Dez. 1859 in 
Bitterfeld, f 25. Dez. 1910 in Dessau, 1882 bis 
1885 Schuler des Kgl. Instituts fiir Kirchen- 
musik und der Kompositionsschule der Aka- 
demie zu Berlin (Ed. Grell, K. A. Haupt, 
Alb. Loschhorn), Organist der Hauptkirche 
zu Dessau und Hoforganist, 1896 Kgl. 
Musikdirektor, 1902 Kgl. preufi. Professor. 
B. war ein tuchtiger Improvisator auf der 
Orgel und schrieb: Kirchliche Festmusiken, 
4 Orgelsonaten (Es dur, C moll, G dur, 
F moll), 2 Orgelkonzerte (Es dur, G moll), 
2 Choralphantasien, Konzertsonate fiir Har- 
monium und Klavier, ein Oratorium Der 
Tag der Pfingsten (op. 14), Chorwerk Die 
Apostel in Philippi (op. 50), Kantaten und 
Motetten sowie patriotische Mannerchore, 
Frauenchore (Johannisnacht), Lieder und 
Melodramen. Speziell zu erwahnen sind 
die im Hinblick auf eine erstrebte musika- 
lische Neugestaltung des evangelischen Got- 



tesdienstes unter Beirat von Jul. Smen'd 
entstandenen Liturgischen Vespern. 

Bartok, Bela, *25.Marz 1881 zu Nagy 
Szent Miklos (Torontaler Komitat, Ungarn, 
jetzt Rumanien), von seinem 12. bis 15. Jahr 
Schuler von Laszlo Erkel (Sohn von Franz 
Erkel) in PreBburg, von 1899 — 1903 der Kgl. 
Ung. Landes-Musikakademie in Budapest, 
hauptsachlich von Stephan Thomans (Kla- 
vier) und Hans Koefiler (Komposition); seit 
1907 Professor des Klavierspiels an dieser 
Anstalt. Wahrend der Kommunistendiktatur 
wurde er zusammen mit Dohnanyi und 
Kodaiy mit der Bildung eines Musikdirek- 
toriums betraut. B. steht unter den un- 
garischen Modernen durch die Kraft seiner 
Rhythmik, durch die Logik seiner Ton- 
sprache bei aller Kiihnheit, durch die Ver- 
wurzelung seiner Melodik in echter Volks- 
musik an erster Stelle. Dram. Werke: 
Oper : Herzog Blaubarts Schlofi op. 11 (Buda- 
pest 1918); Der holzgeschnitzte Prinz ot>. 13 
(Frankfurt a. M. 1922) ; Pantomime Der wun- 
derbare Mandarin op. 19 (Koln 1926). — Orch. : 
Scherzo (Bruchstiick einer geplanten Sinfo- 
nie, ms.); Burlesque op. 2 (ms.); 1. Suite 
op. 3; 2. Suite op. 4; Deux Portraits op. 5; 
Deux Images op. 10; Quaire Morceaux op. 
12; Tanzsuite. — Kammermusik : 1. Streich- 
quartett op. 7; 2. Streichquartett op. iy; 2 
Violinsonaten. — Gesang: 4 Lieder, 5 Lie- 
der; Dorfszenen (1924). — Klavier: 4Stiicke; 
Trauermarsch f. Kossuth; Rhapsodie op. j; 
14 Bagatellen op. 6; 10 leichte Klavier- 
stiicke; 2 Elegien op. 8b; 2 rumanische 
Tanze op. 8a; 3 Burlesken op. 8c; 4 Ntnies; 
Allegro barbaro; Suite op. 14; 3 Etiideno^. 18; 
Improvisationen op. 20; Im Freien (5 Kla- 
vierstucke); 9 kleine Klavierstiicke , Kla- 
viersonate, Klavierkonzert (1926). — Volks- 
liederbearbeitungen : a) fiir Klavier : 3 unga- 
rische Volkslieder; fiir Kinder 4 Bde.; 15 
ungarischeBauernlieder; ruman. Volkstanze 
aus Ungarn; Rumanische Weihnachtslieder; 
Sonatine fiber rumanische Themen; b) Sing- 
stimme und Klavier: 20 ungarische Volks- 
lieder (zusammen mit Z. Kodaiy) ; 8 ungarische 
Volkslieder. c) fiir Chor : ungar. Volkslieder fiir 
Mannerchor; slowakische Volkslieder fiir ge- 
mischten Chor; slow. Volkslieder fiir Man- 
nerchor. d) fiir Frauenchor und Kammer- 
orchester: 3 Dorfszenen (slow. Volkslieder). 

Forschungsarbeiten : Chansons populaires 
roumaines du departement Bihar (Akade- 
miaRomana, Bukarest 1913); Transylvanian 
Hungarian Folk-Songs, 150 Weisen mit engl. 
und franz. Vorrede, veroffentlicht von B. 
und Kodaiy (Budapest 1923, Volks-Lit.- 
Verein) ; V olksmusik der Rumdnen von Mara- 
mures^ (Sammelb. f. vgl. MW. IV, Miinchen 
1923); Slowakische Volkslieder, 2600 Melo- 
dien mit Vorrede und Anmerkungen in Slo- 
wakisch, Franzosisch, Deutsch, Englisch 
(Slovenska Matica, Turciansky-Svaty-Mar- 
tin 1928/29); Das ungarische Volkslied. Ver- 
such einer Systematisierung der ungarischen 
Bauernmelodien (Berlin 192 5 , Ung. Bibl. I, II) ; 
Der Musikdialekl der Rumdnen von Hunyad 
(ZfMW. II); Die V olksmusik der Araber von 



116 



Bartoii — Baryton. 



Biskra und Umgebung (id). Der ubrige Teil 
der von B. gesammelten Melodien, 2700 un- 
garische, 3500 rumanische und 200 arabische, 
ist noch unveroffentlicht. Er hat auch, zu- 
sammen mit Alex. Reschofsky, eine Klavier- 
schule geschriebsn und viele klassische Kla- 
vierwerke zu padagogischen Zwecken heraus- 
gegeben. 

Bartoii, Daniello, * 1608 zu Ferrara, f 
13. Jan. 1685 in Rom; gelehrter Jesuit, Ver- 
fasser eines akustischen Werks: Del suono, 
de' tremori armonici e dell' udito (1679 u. 6.). 

Bartoii, Pater Erasmo, * 1606 zu Gaeta, 
lebte, bekannt unter dem Namen Padre 
Raimo, in Neapel, trat dort in den Orato- 
rier-Orden und starb 14. Juli 1656 an der 
Pest. Seine Kompositionen (Manuskript) 
werden in der Bibliothek der Oratorier auf- 
bewahrt (Messen, Psalmen, Motetten usw.). 

Bartolini, Or' in Dio, 1633 Kapellmeister 
am Dom zu Udine, veroffentlichte 2 Biicher 
5 — 8st. Messe concertate und 1 — 8st. Motet- 
ten mit B.C. (1663, 1634), auch 8st. Marien- 
Litaneien, sowie je 1 Buch 5st. Madrigale 
(1606) und 3st. Canzonette ed Arie alia Ro- 
mano, (1606). Vgl. Bertoldo. 

Bartosch, Josef, Blindenpadagoge, * 22. 
Nov. 1879 zu Tepl in Deutschbohmen, stu- 
dierte am Wiener Konservatorium der Mu- 
sikfreunde. Wirkt seit 1903 als Lehrer am 
Staatl. Blindeninstitut, neben Prof. Wag- 
ner an der Staatl. Lehrerbildungsanstalt 
(1911), aufierdem seit 1912 als Chorregent 
bei St. Rochus. Schrieb Aufsatze iiber musi- 
kalische Erziehung der Blinden: Der Musik- 
unterricht an der Blindenschuh (in A. Mells 
Der Blindenunterricht), Die bemflichen Ver- 
hdltnisse der in Wien lebenden Blinden, Re- 
form des Musikunterrichts an Blindenanstal- 
ten (Fachschrift Der Blindenfreund 1912), 
Blinde Organisten, Kunsterziehung und Mu- 
sikunterricht an B lindenanstalten. Zur Forl- 
bildung der blinden Musiker (Zeitschr. f. d. 
Blindenwesen Osterreichs 1919). 

Bartosch, Karl, * 1. Dez. 1877 zu Briinn, 
Scmiler von Otto Kitzler und 1887 — 95 der 
Briinner Musikvereinsschule, war von 1896 
bis 1907 Kapellmeister an den Theatern in 
Briinn, Heidelberg und Mannheim, wo er 
dauernd blieb als Musikdirektor und Orga- 
nist an der Hauptsynagoge. Als Komponist 
ist B. mit Mannerchoren, Liedern, Orchester- 
stiicken, einem Mannerchor mit Orchester 
und Orgel (Die Jungfrau) u. a. aufgetreten. 

Bartos, Frantisek, tschech. Folklorist 
und Philologe, * 1838 und f 1906 zu Mlatcov, 
studierte in Wien und war meist in Briinn 
angestellt. Wahrend seiner langjahrigen 
Reisen in Mahren sammelte er Volkslieder 
und veroffentlichte Sammlungen, deren Auf- 
zeichnung meist Leos Janacek (s. d.) be- 
sorgte. Hauptwerk ( tschechisch) : Neue 
mdhrische Volkslieder, 1882; 2. Sammlung 
1887 — 89; 3. Sammlung 1901. 

Bartos, Josef, tsch. Musikschriftsteller, 
* 1887 zu Vysoke Mfto, studierte und promo- 
vierte in Prag, wo er als Kritiker und Lehrer 
lebt. Veroffentlichte: Anton Dvorak, 1913; 
Zdenko Fibich, 1913; J. B. Foerster, 1923; 



Einfiihrung in die Musik; Einfiihrung in die 
Asthetik, 1922 (alles tschechisch). 

Bartz, Johannes, * 19. Jan. 1848 inStar- 
gard in Pommern, 1864 — 67 Schiiler des 
Leipziger Konservatoriums (Hauptmann, 
Reinecke), wurde 1872 Organist an der Peter- 
Paul-Kirche zu Moskau und Leiter verschie- 
dener Chorvereine. Von seinen Werken ge- 
langten zur Auffuhrung: Evangelisches Re- 
quiem, Vaterunser, die Oper Der Feldwebel, 
eine Orchestersuite Rolf Krakes Tod, das 
Oratorium Der Himmelsbote, ein Streich- 
quartett C dur. In Druck erschienen drei 
Klaviersonaten, eine Violinsonate op. 12, 12 
Motetten, 12 Hefte volkstumlicher Lieder 
usw. 

Barwinskyi, W a s s y 1 , ukrainischerKom- 
ponist, * 20. Febr. 1888 in Tarnopol, Schiiler 
von Villi. Kurz (Klavier) in Lemberg und 
J. Holfeld in Prag, 1908 — 12 noch Kompo- 
sitionsschiiler von V. Novak in Prag, auch 
Schiiler der dortigen Universitat, seit 19 15 
Direktor des Lyssenko-Musikinstituts in 
Lemberg. Er schrieb: Klavierwerke, Lieder 
(gedr.), zwei Klaviertrios, Klaviersextett, 
Streichquartett, Variationen und eine Sonate 
fur Vc. und Klavier; Ukrain. Rhapsodie fiir 
gr. Orchester; Kantaten und Chore. 

Bary, Alfred Erwin von, * 18 Jan. 1873 
in La Valetta (Malta), t 13. Sept. 1926 in 
Miinchen, studierte in Leipzig und Miinchen 
Medizin und Naturwissenschaften, promo- 
vierte 1898 in Miinchen zum Dr. med., war 
darauf Assistent an der Leipziger Universi- 
tats-Irrenklinik, bildete aber nebenbei seine 
vortreffliche barytonale Tenorstimme aus, 
war dann 1902 — 12 Heldentenor der Dres- 
dener Hofoper und 1912 — 18 Mitglied 
der Miinchener Hofoper. B. sang seit 1904 
in Bayreuth (Parsifal, Siegmund, Siegfried, 
Lohengrin, Tristan). Im Herbst 1918 zog er 
sich von der Biihne zuriick und widmete sich 
wieder ganz dem arztlichen Beruf. 

Baryphomis s. Pipegrop. 

Baryton (ital. Baritono), 1) die schonste 
aller mannlichen Stimmgattungen, wel- 
che die Wiirde und Kraft der BaBstimme 
mit dem Glanz der Tenorstimme vereinigt; 
je nachdem sie mehr nach der Hohe oder 
nach der Tiefe ausgedehnt ist, unterscheidet 
man einen Tenor bary ton undBaBbaryton. 
Der Tenorbaryton ist vom Heldentenor 
schwer oder gar nicht zu unterscheiden, 
wenigstens sind viele Heldentenore nichts 
anderes als Baritonstimmen, welche nach 
der Hohe hin besonders ausgebildet worden 
sind. Der Name B. bedeutet eigentlich tief- 
tonend, ist also offenbar im Hinblick auf den 
hohern Tenor gewahlt. Die Franzosen nen- 
nen ihn Concordant (ubereinstimmend sowohl 
mit den Tenoren als den Bassen hinsichtlich 
der Stimmlage [A — fis\ resp. G — g 1 ]); der 
friiher iibliche Name Basse taille fiir B. be- 
deutet heute jedoch den tiefen, wirklichen 
BaB, den basse noble. — Die Bezeichnung Ba- 
ritono findet sich bei Viadana (1612), Prato- 
rius u. a. fiir die 3. Stimme eines Chors tiefer 
Stimmen (hoherBaB statt Tenor; 4. Stimme: 
Basso profondo). In neuerer Zeit, beginnend 



Barytonans — Basevi. 



117 



mit Mozarts Don Giovanni, schreiben die 
Opernkomponisten gern fur B. Hauptpar- 
tien, was gewifi nicht zum kleinsten Teil 
seinen Grund in der Seltenheit guter und 
gebildeter Tenore hat. 

2) ein Streichinstrument, das im 18. 
Jahrhundert sich groBer Beliebtheit erfreute 
(ital. Viola di Bordone oder Bardone), von 
der Grofie des Violoncells resp. der Gambe 
und seiner Konstruktion nach das BaB- 
instrument der Viole d'amour mit 6 oder 7 
Saiten, unter denen aber (unterm Griffbrett) 
noch eine Anzahl anderer (9 — 24 Stahisaiten) 
lagen, welche, wenn das Instrument gespielt 
wurde, mittonten, auch wohl mit dem Dau- 
men der linken Hand gerissen wurden. Die 
Stimmung der obern Saiten wechselte; die 
gebrauchlichste war : DGceacC oder[,H] EA 
dghe'. Fiirst Nikolaus Esterhazy, Haydns 
Conner, war ein grofier Liebhaber dieses In- 
struments, und Haydn hat daher eine groBe 
Anzahl von Kompositionen (175) fiir es ge- 
schrieben (erhalten sind 90 Divertimenti fiir 
B. mit Va. und Vc. und ein Duo im Archiv 
der Gesellsch. der Musikfreunde in Wien). 
Auch mehrere andere zeitgenossische Kom- 
ponisten haben fiir B. geschrieben (Aloys 
Tomasini [erhalten 24 Divertimenti fiir B., 
V. und Vc], J. G. Krause [9 Partien], Jos. 
Burgkstein, Neumann, A. Lidl, Ant. Kraft, 
Niemeo, F. Paer, Weigl, Eybler, Pichl usw.). 
Das Instrument wurde schon im 17. Jahr- 
hundert gebaut, z. B. von Jakob Stainer 
(1660). Vgl. Pohl, Haydn I, S. 249 ff. und 
II, S. 304ff. ; G. Kinsky, Katal. Heyer II 
und vor allem Dan. Fryklund, Viola di 
Bardone (Svensk tidskr. f. musikforskning 
IV, 4; 1922). 

3) Ein ins Sinfonieorchester nicht aufge- 
nommenes Blechblasinstrument (Bary- 
tonhorn), eine Tuba in B oder C, d. h. ein 
Tenorhorn mit weiterer Mensur, dessen 
Grundton anspricht; auch Euphonium ge- 
nannt. Im Jazz-Orchester findet es Ver- 
wendung. 

4) Eine kleinere Abart des Violoncells. 
Vgl. Battanchon. 

Barytonans (z. B. bei Glarean), s. v. w. BaB. 

Barytonklarinette s. Klarinette. 

Barytonschliissel nennt man heute den 
friiher besonders zur Andeutung gewiinsch- 
ter transponierter Tonlagen (vgl. Chiavette) 
vorkommenden F-Schliissel auf der Mittel- 



:gi 



Vgl. Schliissel. 



Bas, Giulio, ital. Theorctiker, Organist, 
Komponist, * 21. April 1874 zu Venedig, 
studierte Komposition (wenige Monate, 1895) 
bei Rheinberger an der Musikakademie zu 
Miinchen, und Orgel bei Enrico Bossi am 
Liceo Mus. B. Marcello in Venedig; war 1900 
Vicemaestro an S. Marco, 1901 — 03 Maestro 
an den Cath. von Calvi und Teano, dann 
Organist an S. Luigi de' Francesi zu Rom; 
seit 1908 lebt er als Lehrer am Konservato- 
rium in Mailand. Werke: Messen und 
kleinere Kirchenkompositionen, Orgelsonate 
F dur; Orgelstiicke; Sonata breve fiir Violine 



und Klavier u. a. — Bucher: Trattalo di 
Forma Musicale; Trattato d'Armonia; Vn 
Rinnovamento negli studi d'Armonia e 
Contrappunto; Metodo d'Accompagnamento al 
Canto Gregoriano e di Composizione negli 
Otto Modi, auch franz. und holl. ; Manuale 
di Canto Gregoriano (ital. und span.); das 
Kapitel iiber Le rythme et I'harmonie im 
VII. Bd. der Paleogr. Mus. der Benediktiner 
von Solesmes usw. 

Bas-dessus (franz., spr. ba-d'flii), tieferSo- 
pran s. v. wie Mezzosopran. 

Basel (Stadt). Vgl. C. J. Riggenbach, 
Der Kirchengesang in B. (1870); K, Nef , 
Die Musik in B.vom 9. — ig. Jahrhundert 
(Sammelb. der IMG. 1909), desselben Die 
Stadtpfeifer und die Instrumentahnusiker in 
B. 1385 — 1814 (das. 1909); ferner Die Musik 
an der Universitdt. Basel (Festschr. zum 
450jahrigen Bestehen 1910); ferner: Kata- 
log der Musikinstrumente im Hist. Museum 
in: Festschr. zum 2. KongreB der IMG., Basel 
1906; J. Richter, Katalog der Universitdts- 
bibliothek in B. (MfM. 1892); Paul Meyer, 
Basels Konzertwesen im 18. und zu A nfang des 
ig. Jahrhunderts (Basler Jahrb. 1884 und 
1890); anonym, Der Gesangverein Basel in 
den Jahren 1824 — i8gg, Festschrift (1899); 
W.Merian, Gedenkschrift zum 50-jdhrigen 
Bestehen der Allgemeinen Musikschule zu 
B. (1917); derselbe, Basels Musikleben 
im ig. Jahrhundert (1917); Rud. Thommen, 
Festschrift zur Feier des 100 jdhrigen Be~ 
stehens des Basler Gesangvereins (1924); Ed. 
Wolfflin, Das Collegium musicum und die 
Konzerte in Basel, in : Basler Beitrage VII ; 
E. Refardt, Biographische Beitrage zur 
Basler Musikgeschichte,im~Ba,sler Jahrb. 1920, 
1921, 1922; ders., Die Bedeutung Hans Hu- 
bers fiir das Basler Musikleben, ebenda 1924 ; 
ders., Die Programme der von Ernst Fetter 
geleiteten Sinfoniekonzerte l8^g — 1875, eben- 
da 1926; W. Morikofer, Die Konzerte der 
Allg. Musikgesellschaft in Basel in den Jahren 
i8y6 — J926, Baseli926; R.Hallauer, £><?«&- 
schrift zur Feier des ysjdhrigen Bestandes der 
Basler Liedertafel i852~ig2j, Basel 1927 ; 
E. Refardt, Die Basler Choral-Inkunabcln, 
in: Schweiz. Jahrbuch f. Musikwissenschaft 
I., Basel 1924. 

Baselt, Fritz, * 26. Mai 1863 zu Ols 
(Schlesien), Schuler von L. BuBler und Ei 
Kohler, Komponist zahlreicher Manner- 
chore, Lieder und humoristischer Szenen, 
i894Vereinsdirigent in Frankfurt a.M., jetzt 
Inhaber eines Frankfurter Musik- und Buh- 
nenverlags. Aufgefuhrte Biihnenwerke: die 
Operetten Der Fiirst von Sevilla (Niirnberg 
1888), Der Sohn des Peliden, Die Muske- 
tiere im Damenstift, Die Zirkusfee, Don Al- 
varo; komische Opern: Albrecht Durer, Leo- 
pold von Dessau; Ballette: Die Altweiber- 
muhle (Frankfurt 1906), Rokoko (Frankfurt 
1907); Volksoper: Kyffhduser, Auch sam- 
melte und bearbeitete B. Volkslieder, Madri- 
gale usw. 

Basevi, Abramo, ital. Musikschrif tsteller, 
* 29. Dez. 1818 zu Livorno, f im Nov. 1885 
zu Florenz; war Arzt in Florenz, versuchte 



118 



Basevi 



BaB. 



sich dann als Opernkomponist ( Romilda ed 
Ezzelino, 1840; Enrico Odoardo, 1847), be- 
griindete eine Musikzeitung Amionia, die 
1859 wieder einging, rief aber in demselben 
Jahre Beethoven-Matineen ins Leben, die zu 
groBem Ansehen gelangten und aus denen 
sich die, eine neue Ara des Florentiner Musik- 
lebens (die Musik Italiens unter deutschem 
EinfluB) inaugurierende Societa del Quartette* 
entwickelte. Auch setzte B. alljahrlich 
einenPreis fiir dieKomposition eines Streich- 
quartetts aus. B. war Mitarbeiter der Musik- 
zeitung Boccherini und schrieb: Studio suite 
opere di G. Verdi (1859), Introduzione ad un 
nuovo sistema d'armonia (1862, franz. von 
L. Delatre 1865) und Compendio della storia 
della musica (1866). Zuletzt trieb er philo- 
sophische Studien. 

Basevi, Giacomo, s. Cervetto. 

Basili, Francesco, * 3. Febr. 1767 zu 
Loreto, j 25. Marz 1850 in Rom, Sohn des 
Kirchenkapellmeisters Andrea B. (Ver- 
fasser eines Lehrbuchs fiir Kontrapunkt und 
GeneralbaB Musica universale ca. 1775 o.O.), 
Schiiler von Jannaconi in Rom, versah zu- 
erst Kapellmeisterstellen zu Foligno, Mace- 
rata und Loreto, wahrend eine Reihe (14) 
Opern von ihm iiber die Biihnen zu Mailand, 
Rom, Florenz und Venedig gingen. 1827 
vvurde er zum Studiendirektor (Zensor) am 
Konigl. Konservatorium zu Mailand er- 
nannt und endlich 1837 als Kapellmeister 
der Peterskirche nach Rom berufen. B.s 
Kompositionen sind Messen, Offertorien, 
Magnificats, Motetten, auch ein Requiem 
(fiir Jannaconis Leichenfeier) und ein 
Oratorium: Samson (1824). 

Basiron (spr. -rong), Philippe (auch 
kurz Philippon), niederl. Komponist der 
Zeit um 1500, von dem nur je eine Messe und 
eine Motette in Drucken Petruccis von 1508 
und 1505, sowie mehrere Messen, Motetten 
und Chansons handschriftlich erhalten sind. 
Das Agnus seiner Messe De Franza s. in Com- 
mers Collectio Bd. XII. 

Basis (griech., Grundlage), gelegentliche 
altere Bezeichnung der BaBstimme. 

Baskin, Wladimir Sergejewitsch, * 1855 
in Wilna, f 6. Febr. 1919 in Leningrad, be- 
endete die juristische Fakultat der Peters- 
burger Universitat, besuchte gleichzeitig 
das Konservatorium (Geige, Theorie), Mu- 
sikschriftsteller, Musikrcdakteur der russ. 
Petersburger Zeitung, gab heraus: Monogra- 
phien iiber Anton Rubinstein (Moskau 1886), 
M. P. Mussorgsky, A. N. Sseroff (Moskau 
1890), P.J . Tschaikowsky (Petersburg, 1895). 

Baskische Musik, Vgl. Ressurrecion Maria 
de Azkue, Cancionero popular vasco, bis 
1927 elf Biinde, Barcelona; F. G/skue, 
Origen de la Musica popular vascongada 
(Extrait de la Rev. Internat. des Etudes 
Basques, Tome VII, 1913). 

Baskische Trommel (frz. Bedon de Bis- 
caye) ist das in Deutschland Tamburin (s. 
d.) genannte Instrument, zugleich Hand- 
trommel und Rasselinstrument. 

Bafi (ital. Basso, franz. Basse), 1) die 
tiefste der menschlichen Stimmgattun- 



gen. Man unterscheidet den tiefen (zweiten) 
B. und hohen (ersten) B. (BaBbaryton, s. 
Baryton). Der Umfang des Basses ist regu- 
lar F — /', der tiefe BaB reicht etwas weiter 
hinab, in einzelnen Fallen bis (Kontra-) 
B und weiter, der hohe nicht so weit (bis 
[groB].i4), wahrend in der Hohe bei beiden 
die Grenze dieselbe ist oder hochstens 
um 1 — 1 y 2 Tone differiert (es' — /is'). Be- 
zuglich der Klangfarbe unterscheidet man 
seriose Basse, deren Ton voll und machtig 
ist, und Buffobasse, mit beweglicherem 
Organ und Darstellungsbcgabung fiir das 
Komische (basso oder baritono brillante) . 
Vgl. Baryton. 

2) Auch die Instrumente, welche die tief- 
sten Instrumental-Parte auszufiihren haben, 
heiBen Basse, und zwar versteht man unter 
B. in Deutschland jetzt meist schlechtweg 
den KontrabaB (s. d.), friiher aber das 
Violoncello (s. d.), unter Bassi (Basse) da- 
gegen Celli und Kontrabasse, unter Har- 
moniebaB das BaBinstrument eines Har- 
monieorchesters (Fagott, Posaune, BaBtuba, 
Helikon usw.). 

3) Der tiefste Part einer Komposition 
selbst (vgl. Basis), welcher als Stiitze, 
Grundlage der Harmonien eine besondere 
Art der Behandlung erfordert (s. Stimmfuh- 
rung). Wirkliche, den Satz fundamentie- 
rende BaBstimmen haben bereits die Madri- 
gale der Florentiner Meister des 14. Jahr- 
hunderts (Giovanni da Cascia, Jacopo da 
Bologna, Paolo, Piero usw.). In den drei- 
stimmigen Satzen der Epoche Dunstable- 
Dufay teilten sich dagegen die als Tenor und 
Kontratenor bezeichneten beiden Unter- 
stimmen in die Rolle der Fundamentierung, 
bis der bald iiber, bald unter dem Tenor be- 
findliche Kontratenor sich in einen Contra- 
tenor altus (Contra altus, franz. Haute contre 
= Alt) und einen Contratenor bassus (Contra 
bassus, Basse contre = BaB) spaltete. In 
dem alle Stimmen mit den gleichen Motiven 
bedenkenden durchimitierenden a cappella- 
Stile seit Ockeghem existiert eine eigentliche 
BaBstimme in diesem Sinne nicht, wenn auch 
gewisse unabweisliche Riicksichten zur Ge- 
winnung f ormaler Gestaltung sich ebenf alls da 
geltend machen (Quarten- oder Quinten- 
schritte in den Kadenzen). Die altesten Vor- 
schriften fiir die Fiihrung einer wirklichen 
BaBstimme gibt Guilelmus Monachus (ca. 
1450). Falsch ist die Annahme, daB erst nach 
Verdrangung des a cappella-Stils des 15. und 
16. Jahrhunderts durch die homophone 
Setzweise der Monodisten um 1600 die 
BaBfuhrung erfunden worden sci; nur hat 
allerdings der imitierende a cappella-Stil 
zeitweilig die BaB- Fundamentierung zuruck- 
gedrangt. Die Neigung der BaBstimme 
zur Bewegung in langeren Tonen ist aber 
sogar bereits im 10. — 13. Jahrhundert 
nachweisbar (Organum) und die Stellung 
der Grundtone in den BaB ist fiir den 
naturalistischen Satz der volksmaBigenTanz- 
lieder und eines erheblichen Teils der Lauten- 
musik (sogar mit Nichtachtung des Verbots 
der Oktaven- und Quintenparallelen) selbst 



bassa 



Basse danse. 



119 



durch das 16. Jahrhundert hindurch spe- 
ziell charakteristisch. DaB naturalistische 
Bafifiihrungen fur improvisierte Begleitun- 
gen friih eine Rolle gespielt haben werden, 
legen Erscheinungen wie die Bumharte des 
Taghorns und Nachthoms des Monchs von 
Salzburg (s. d.) nahe. Vgl. GeneralbaB. 

4) In Zusammensetzung mit Namen von 
Instrumenten (z. B. BaBklarinette, BaBpo- 
saune, BaBtrompete, Basse de Viole, Basse 
de Cromorne usw.) deutet B. auf die Tonlage 
des Instruments, bei Hornern und Posaunen 
auf die in der Unteroktave der Altinstru- 
mente (vgl. die einfachen Namen). In der 
Orgel bedeutet der Zusatz B., daB die Stim- 
me zum Pedal gehort; z. B. GemshornbaB 
usw. 

bassa (ital., tief, Unter- . . .) inVerbindung 
mit 8, 8™ (ottava) bedeutet die Unter- 
oktave. Vgl. Abbreviaturen. 

Bassanello, Holzblasinstrument des 17. 
Jahrhunderts, demBomhart bzw. Fagott ver- 
wandt, mit doppeltem Rohrblatt, und mit 
gebogenem Hals (S), in drei verschiedenen 
GroBen gebaut (als BaB-, Tenor- und Dis- 
kantinstrument). Bassanelli 8 FuB und 4 
FuB steht in alteren Orgeln als Rohrwerk. 

Bassani (Bassano), Giovanni, 1585 
Sanger und 1595 Gesanglehrer am Seminar, 
1615 Konzertmeister an S.Marco zu Vene- 
dig, bemerkenswerter Instrumentalkompo- 
nist, von dem erhalten sind: 3st. Fantasie 
1585, Ricercate, Passaggie e Cadentie 1585 
(1595 fur Orgel oder Klavier), Capricci 
musicali per sonar 1588 (4 Stb.), Motetti, 
Madrigali e Canzoni francese di diversi 
{1591 [1602], in Orgelbearbeitung, ad lib. 
mit einer Singstimme; Stiicke von Cle- 
mens non papa, Palestrina, Lasso, Nanino, 
Rore, Willaert, Andrea Gabrieli, Marenzio, 
Giovanelli, Guami, Stabile, Merulo, Rizzio), 
sowie auch 2 Bucher 5 — I2st. Motetti per 
Concerti ecclesiastici (1598 — 99, mit Bassi per 
I'organo) und 1 Buch 4st. Kanzonetten (1587). 

Bassani, Giovanni Battista, * um 
1657 zu Padua, f 1. Okt. 1716 in Bergamo; 
Schiiler von Castrovillari in Venedig, 1677 
bis 82 Organist der Accademia delta morte zu 
Ferrara und Kapellmeister des Herzogs von 
Mirandola, bereits 1677 auch Mitglied der 
Accademia /Harmonica zu Bologna und 1682 
bis 1683 (in Bologna wohnend) deren Vor- 
sitzender (principe), Ende 1683 Kapell- 
meister der Accademia delta morte zu Ferrara. 
B. ist zwar schwerlich der Lehrer des einige 
Jahre alteren Corelli gewesen, aber jeden- 
falls ein Komponist, der dessen Schreibweise 
sehr nahesteht mit den Instrumentalwer- 
ken: Balletti, Concerti, Gighe e Sarabande 
op. 1 (Bologna 1677 [1684, I 693]). einigen 
Violinsonaten mit B.c. in der Scelta delle 
suonate v. J. 1680, 12 Sonate da chiesa fur 2 
Violinen mit B.c. op. 5 (Bologna 1683 [1688] 
und Amsterdam bei Et. Roger), aber minde- 
stens ebenso bedeutend als Vokalkomponist 
sowohl fur die Kammer als fur die Kirche. 
Er veroffentlichte eine ganze Reihe Bucher 
Solo- Kanta ten mit Continuo: op. 2 Varmo- 
nia delle Sirene 1680 [1692], op. 3 II cigno 



canoro 1682 [1699], Affetti canori op. 6 1684 
[1692], Eco armonica delle Muse 1688 [1693], 
Amorosi sentimenti op. j^[i693] 1696, Armo- 
niche fantasie op. 15 1694, La Musa armonica 
op. 16 1695, Languidezze amorose op. 19 1698, 
La Sirena amorosa op. ij 1699, Corona di 
fiori musicali op. 29 1702, Cantate amorose 
op. 28 1701 [1702], Cantate ed arie amorose, 
op. 31 1703, ein Buch 2 — 3st. Kantaten La 
moralita armonica op. 4 1683 [1690], schrieb 
auch 6 Opern (Alarico, Ferrara 1685), 9 
Oratorien und eine Menge geistlicher Werke, 
von denen im Druck erschienen : Messen mit 
Instrumenten (1698, 1710), eine Totenmesse 
desgl. (1698), Concerti sacri 1 — 4 v. op. 11 
(1692 [1697]), Motetti a voce sola c. 2 V . ad 
lib. op. 8 (1690), op. 12 (1692 [1700]), op. 13 
(1693 [ I 696]j, op. 2j (1701), Antifone a voce 
sola c. V. e 2 Tantum ergo op. 26 (1701), Ar- 
monici entusiasmi di Davide op. 9 (4st. Psal- 
men mit Instrument 1690 [1695, 1698]), 
Salmi di compieta op. 10 (3st. mitlnstr. 1691 
[1745]), Salmi concertati op. 21 (3 — 5st. mit 
Instr. 1699), op. 24 (2 — 3st. mit Instr. 1700), 
Salmi per tutto Vanno op. 30 (8st. mit Orgel 
1704), Completorii concenti op. 25 (1701, 12 
Stimmbucher), Lagrime armoniche op. 22 
(Vespro di defonti, 4St. mit Instr. 1699), Le 
note lugubri op. 23 (4 st. Responsorii del I'uf- 
fizio de' morti mit Instr. 1700). Ein paar 
3st. Sonaten B.s s. in Wasielewskis Die 
Violine im iy. Jahrhundert, drei weitere aus 
op. 5 in Torchis Arte mus. in Italia VII , eine 
Kantate (Dal crudele Daliro) in Riemanns 
Kantatenfriihling. Vgl. Francesco Pasini, 
Notes sur la vie de G.B.B. (Sammelb. d. 
IMG. VII, 1906). 

Bassano (Stadt in Venezien). Vgl. G.B. 
Marangoni, / musicisti bassanesi (1891); 
L. Fasoli, II teatro sociale 1811—1911 (Bol- 
lettino del Museo Civico di B. VIII, 191 1 ). 

Basse contrainte (franz., spr. baB kong- 

trangt), s. v. w. Ostinato (s. d.). 

Basse-contre (franz., spr. baB-kongtr), s. 
v. w. tiefe BaBstimme, wie Haute-contre die 
tiefste der hohen (weiblichen) Stimmen ist 
(Alt, ital. Contr 'alto). Vgl. Contratenor. 

Basse danse (franzosisch, spr. baB'dangB'). 
gravitatischer Kunsttanz des 15. — 16. Jahr- 
hunderts, zur Kategorie der gegangenen 
Tanze (wie die Pavane) gehorig (danse par 
bas ou sans sauter definiert Arbeau [s. d.]). 
Ein Manuskript der Briisseler Kgl. Biblio- 
thek (Nr. 9085), etwa aus der Zeit um 1500, 
enthalt 59 mit Choralnote notierte Melodien 
in BaBlage mit Beifiigung der Tanzpas (vgl. 
Choreographie) und einen einleitenden Trak- 
tat iiber die B. d. und die Tabulaturzeichen 
(191 2 in Faksimile herausgegeben von Ernest 
Closson; vgl. dazu Sammelb. d. IMG. 
XIV. 3 [H. Riemann]). Die Attaingnant- 
schen Sammlungen von 1529 und 1530 ent- 
halten Basses danses 4 v., die so angelegt 
sind, daB dieselbe Notierung im langsamen 
4 / 4 -Takt als Reigen und im geschwinden 
3 / 4 als Nachtanz dienen konnte. Vgl. H. 
Riemann, Tanze des 16. Jahrhunderts & 
double emploi (Die Musik VI, 3 [1906]), sowie 



120 



Basse double — Bastianelli. 



Fr. Blume, Studien z. Vorgesch. der Ot- 
chester-Suite (1925). 

Basse double (franzosisch, spr. baB dubl) 
und double bass (engiisch, spr. dobbl' bafi), 
s. v. w. KontrabaB. 

Basse fondamentale (franzosisch, spr. 
fongdamangtal'), in der Theorie Rameaus 
die Folge der ideellen Grundtone der Har- 
monien eines Stuckes. Das Streben Ra- 
meaus, durch die B. f. fiber den GeneralbaB 
hinaus zu klarer F.insicht in das Wesen der 
Harmonie (dieLogik der Harmoniefolgen) zu 
gelangen, fiihrte schon ihn selbst und in der 
Folge Gottfried Weber, A. v. Oettingen 
und H. Riemann auf eine ganzlich neue 
Art der Akkordbezeichnung (s. Klang- 
schlussel und Funktionsbezeichnung). Die 
B. f. Rameaus ist also nicht eine wirkliche 
Stimme wie der Basso continuo und Basso 
seguente, sondern nur eine Art theoretischer 
Kommentar ohne Worte; daher die selt- 
same Notierung desselben bei Rameau mit 
schwarzen runden Noten ohne Stiele. 

Bassett (Bassettl, auch BaBl), alterer 
deutscher Name des Violoncells (s. L. 
Mozart, Violinschule, S. 3). In Zusammen- 
setzungen mit Namen von andern Instru- 
menten bedeutet B., daB diese eine mittlere 
Tonlage (Te'norlage) haben; z. B. Bassett- 
horn (s. d.), Bassettpommer (s. Bomhart), 
Bassettflote usw. Auch eine Orgelstimme 
dieses Namens kommt vor (B. 4', Floten- 
stimme im Pedal). 

Bassetthorn (italienisch Corno di bassetlo, 
auch Clarone, franzosisch Cor de basset), eine 
nach Kochs Lexikon erst ca. 1770 in Passau 
erfundene, aber schon in der 1. Halite 
des 19. Jahrhunderts wieder abgekommene 
Abart der Klarinette, die Altklarinette 
in jF, aber nach der Tiefe bis zum kleinen 
c (der Notierung) reichend; sein Umfang ist 
(groB) F bis (dreigestrichen) c'" (eine 
Quinte hoher notiert [im Violinschlussel 
c — g'"]). Als Verbesserer des Instruments 
warden Theodor Lotz in PreBburg um 1782 
sowie Anton iind Johann Stadler in 
Wien und Iwan Miiller (18T2) genannt. 
Das B. wurde seiner erheblichen Fange 
wegen gekriimmt oder geknickt gebaut; 
gewohnlich ist die eigentliche Schallrohre 
gerade, aber das Mundstiick im flachen 
Winkel angesetzt und der kleine messin- 
gene Schalltrichter am Ende nach der 
entgegengesetzten Seite hin abgebogen. 
Mozart hat in seinem Requiem zwei Bassett- 
horner verwendet, auch im Titus Soli fur 
das Instrument geschrieben; noch Mendels- 
sohn schrieb zwei Konzertstiicke fiir Klari- 
nette und B., und Richard StrauB hat es 
in der Frau ohneSchatten wieder verwandt. 
Die Klangfarbe ist wie die der BaBklarinette 
besonders in tieferer Page duster, aber 
weich. Die der Klarinette fehlenden Noten 
unter e wurden mit BaBschhissel eine Oktave 
zu tief notiert, (wie beim Horn der 2. und 
3. Naturton). In der Orgel ist B. eine sanfte 
Pedalzungenstimme zu 8'. 

Bassetto (italienisch, kleiner Bafi, vgl. 
Bassett), findet sich bei Viadana (1612), 



Pratorius u. a. als Name des Basses eines 
Chors hoher Stimmen (,, kleiner Bafi") und 
sollte von einem Penor gesungen werden. 
Vgl. Barton. 

Bassevi, Giacomo, s. Cervetto. 

Bafihorn, durch fagottmafiige Knickung 
des Serpents entstandenes Blasinstrument 
von PIolz, mit Kesselmundstuck an einer 
S-R6hre und mit Blechstiirze, in der Tiefe 
bis D, C, ja B reichend, aber von schwerer 
Ansprache und dumpfem Klange. Es ist 
nur durch einige Jahrzehnte zu Anfang des 
19. Jahrhunderts gebaut worden (angeblich 
erfunden 1804 von Alex. FrichotinPondon, 
nach C. Sachs jedoch schon gegen 1780 von 
dem an St. Pierre in Pille als Orchester- 
musiker tatigen Italiener Regibo gebaut). 
Der Name B. wird in den i840er Jahren 
von den Instrumentenbauern fiir scbwachere 
Barytons mit Ventilen benutzt. 

Bassi, Puigi, * 1753 zu Pesaro, j 13. 
Sept. 1825 in Dresden; vorzuglicher Bary- 
tonist, 1784 bis 1806 zu Prag, dann im 
Dienst des Fiirsten Jos. Franz v. Lobko- 
witz in Wien lebend, 18 14 wieder in Prag 
(unter C. M. von Weber), scdann (1815) 
Regisseur der italienischen Oper in Dresden. 
Mozart schrieb die Rolle des Don Giovanni 
fiir B. 

Bafilaute, s. v. w. Chitarrone (s. d.). 

Basso (italienisch), „Bafi". B. continue 
(italienisch ,,ununterbrochener BaB") s.v.w. 
Generalbafi (s. d.). B. generals, s. General- 
baB. B. seguente, ein im Einklang mit der 
jeweilig tiefsten Singstimme gehender Orgel- 
bafi. B. ostinato s. Ostinalo. 

Basson, Bassoon s. Fagott. 

BaCpomrner s. Bomhart und Fagott. 

Baflscbiussel s. Schliissel, vgl. F und die 
Ubersicht unter : Piniensystem. 

BaCtuba, s. Tuba. 

[La] Bastardella, s. Agujari. 

Bastiaans, J.G., * 1812 zu Wilp (GeJ- 
dern), | 16. Febr. 1875 i n Haarlem; Schiiler 
von Fr. Schneider in Dessau und Mendels- 
sohn in Peipzig, lieB sich in Amsterdam 
nieder, wurde hier Organist der Zuiderkerk 
und Pehrer des Orgelspiels am Blinden- 
institut, 1868 aber Organist der beriihmten 
groBen Orgel der St.-Bavon-Kirche zu Haar- 
lem, hochgeachtet als Orgelspieler und 
Pehrer. B. hat einige Pieder und ein Choral- 
buch herausgegeben. Sein Nachfolger wurde 
sein Sohn Johann B., * 1854, 1 7. Dez. 
1885 zu Haarlem. 

Bastianelli, Giannotto, italienischer 
Kritiker und Komponist, * 20. Juli 1883 in 
S. Domenico di Fiesole, j" 23. Sept. 1927 in 
Tunis durch Selbstmord, studierte Kom- 
position bei Gino Bellio, war aber in der 
Hauptsache Autodidakt, und unterrichtete 
an einem Florentiner Privat-Institut (Euge- 
nia Galewska). Er schrieb fiir La Nazione 
(Florenz) und den Bologneser Resto del 
Carlino, und griindete 1914 zusammen mit 
Ildebrando Pizzetti eine Vierteljahrsschrift 
Dissonanza, die der jungen Generation dienen 
sollte und Kompositionen veroffentlichte. 
Werke: 4 Sonaten fiir Kl. ; Concerto fiir 



Bastide — Batka. 



121 



2 Kl. ; Sonate fur V. und KL; Kl.-Quartett; 
Poema fur 2 V. und Kl. ; Ouvertiire iiber den 
Orlando furioso fur Orch. ; eine opera buffa 
La Scala und ein Ballett. Bucher: La crisi 
musicale europea (Pistoia 1912); Pietro 
Mascagni (Neapel 1910); Musicisti di oggi 
e di ieri (1914 Mailand),' V opera ed altri 
saggi di teoria musicale (Florenz 1921). 

Bastide (spr. bastid), Paul, seit 1919 
I. Kapellmeister am Stadttheater in StraB- 
burg i. E., Komponist der Opern Vidylle 
a Vetoile, einakt. (Marseille 1899), V amour 
magicien (Toulouse 1903), Sous les Tilleuls 
(Brest IQ04), Medee (Haag 191 1), M. de 
Pourceaugnac (StraBburg 1921); Ballett: 
Robinsons blancs (Marseille 1900). 

Baston (spr. batong), Josquin, nieder- 
landischer Komponist urn 1550, von dem 
Chansons und Motetten in 1542 — 59 zu 
Antwerpen, Lowen und Augsburg gedruck- 
ten Sammelwerken und handschriftlich er- 
halten sind. ^ 

Bataille (spr. bataij), Gabriel, * um 
1575, wurde 1617 einer der zwei Maitres de 
la musique de la chambre de la reine, und 
gab 160S — 1623 11 Bucher Airs de differents 
Autheurs (von B., Guedron, Boesset und 
andern Schiilern Mauduits) in Lautentabu- 
latur heraus. Vgl. H. Prunieres, Vopira 
italien en France avant Lully (Paris 1913). 

Bates (spr. bets), jo ah, * (getauft 8.) 
Marz 1740 oder 1741 zu Halifax, f 8. Juni 
1799 als Direktor des Greenv/ichhospitals in 
London, errichtete 1776 in Gemeinschaft mit 
andern Kunstfreunden die Concerts of A ncient 
Music (s. d.) (nicht zu verwechseln mit der 
von Pepusch gegriindeten Academy of An- 
cient Music, welche daneben bis 1792 be- 
stand, wahrend das erstere Institut bis 1848 
florierte). Auch die groBen Musikfeste zu 
Ehren von Handels Andenken (1784, 1785, 
1786, 1787 und 1791) wurden durch B. an- 
geregt. Er selbst dirigierte sowohl diese 
als die Ancient Concerts. 

Bates (spr. bets), William, Zeitgenosse 
von Joah B., und oft mit ihm verwechselt, 
Komponist der Oper Phamaces (1765) und 
mehrerer Singspiele, auch Herausgeber der 
Song Sung at Marylebon Gardens (1768) und 
selbst beliebter Komponist von Catches und 
Glees u. a. 

Bateson (spr. bet'sen), Thomas, * um 
I 57°> I S99 Organist zu Chester, 1609 Chor- 
vikar und spater (161 8) Organist und Direk- 
tor des Knabenchors an der Kathedrale zu 
Dublin, angeblich der erste Bakkalaureus 
der Musik an der Dubliner Universitat 
(1615), "I" im Marz 1630. Zwei Bucher 3- bis 
6 st. Madrigal e (1604, 1618) sind erhalten 
(Neuausgabe von Rimbault 1845 — 46, 
sowie von E. H. Fellowes). 

Bath (spr. ba8), Hubert, englischer Kom- 
ponist, * 6. Nov. 1883 zu Barnstaple, De- 
vons., studierte bei Dr. H. I. Edwards und 
spater an der R. A. M. (Goring Thomas- Sti- 
pendium fiir Komposition) bei Beringer, R. 
Steggall und Corder. 191 3 — 14 war er einer 
der Dirigenten an der Quinlan Opera Co., 
einige Jahre Leiter der Opernklassen an 



der Guildhall School of M., und auch Musik - 
sachverstandiger des London County, Coun- 
cil. Opern: Bubbole lakt. (Mailand 3. Jan. 
1920); Young England, kom. Oper, mit 
G. H. Clutsam und Basil Hood (London 
191 5, Daly's); The Sire de Maletroifs Door, 
1 akt. ; The Three Strangers, 1 akt. ; Trilby, 
3akt. — Orch.: Variations (aufgef. 1905); 
African Suite; Ouv. Midshipman Easy; 
Woodland Scenes; Visions of Hannele (sinf. 
Dicht., 1920); usw. — Chor und Orch.: 
The Wedding of Shon Maclean (Leeds Fest. 
1910); TheWake of O'Connor, 1918; The Men 
on the Line fiir MCh. (Albert Hall 1913); 
The Jackdaw of Rheims; Look at the Clock 
usw. Biihnenmusik zu Hannele (His Ma- 
jesty's Th. 1908), zu The Light of Asia. 
— Zahlreiche Melodramen, Lieder, Kl.- 
Stiicke; Freedom, die erste fiir Blechmusik 
geschriebene Sinfonie, 1922. 
Bathe (spr. befie), William, S. /., 

* 2. April 1564 in Irland, f 17. Juni 1614 zu 
Madrid, gab ein theoretisches Werk heraus: 
A brief Introduction to the true art of Musicke 
(1584); ein kleineres A Brief Introduction to 
the skill of Song folgte 1600, das bemerkens- 
wert ist durch den Versuch der Aufstellung 
bestimmter Regeln fiir die Setzung der 
Akzidentalen und den Ubergang von der 
Hexachordenlehre zu den Oktavskalen. 
Auch verfaBte B. ein in der leitenden Idee 
fiir das des Comenius vorbildliches Unter- 
richtswerk Janua linguarum (Salamanca 
1611). 1591 trat B. zu Tournai in den 
Jesuitenorden, erhielt 1599 in Padua die 
Priesterweihen und war in derFolge Direktor 
von Jesuitenkollegs zu Lissabon (1604) und 
Salamanca. 

Bathyphon (griechisch, ,,tieftonend") hieB 
ein 1839 von Skorra und Wieprecht in 
Berlin konstruiertes, zur Familie der Klari- 
nette gehoriges Holzblasinstrument in Kon- 
trabaBlage (vom [Kontra-] ,D bis zum 
[kleinen] b), das aber nach vortibergehender 
Einfiihrung in Militarmusiken durch die 
verbesserte BaBklarinette verdrangt worden 
ist. 

Batiste (spr. batist), Antoine Edouard, 

* 28. Marz 1820 und j 9. Nov. 1876 zu Paris, 
bedeutender Organist, Lehrer am Pariser 
Konservatorium (fiir Chorgesang, Harmonie 
und Akkompagnement), Organist an St. 
Nicolas des Champs, zuletzt an St. Eustache; 
komponierte wertvolle Orgelstiicke (in Aus- 
wahl herausgegeben von Spark), gab eine 
Elementar-Harmonielehre (Petit solfige 
harmonique) sowie die offiziellen Solfiges du 
Conservatoire heraus. 

Batistin s. Stuck; 

Batka, Richard, * 14. Dez. 1868 in Prag, 
I 24. April 1922 in Wien, studierte Germa- 
nistik und Musik, promovierte zum Dr. phil. 
und gab 1896 — 98 (mit Hermann Teibler) 
die Neue musikalische Rundschau heraus, 
war dann Musikfeuilletonist des Prager 
Tagblatt und Redakteur des Musikteils der 
Neuen Revue und (seit 1897 eine Reihe von 
Jahren) auch des Kunstwart, begriindete und 
leitete den Diirerbund (historische und mo- 



122 



Baton — Battishill. 



derne Konzerte), siedelte aber 1908 nach 
Wien iiber, wo er Musikreferent des Wiener 
Fremdenblatt bis 19 19 war, mit R. Specht 
seit 1909 den Merker herausgab und Musik- 
geschichte an der Wiener Akademie der 
Tonkunst lehrte. B. schrieb Lebensbilder 
Schumanns und Bachs (1892), Aus der 
Musik- und Theaterwelt (1894), Martin 
Pliiddemann (1896), Musikalische Streifzuge 
(1898), Die Musik der Griechen (1900), 
Die mehrstimmige Kunstmusik des Mittel- 
alters (1901), Studien zur Geschichte der 
Musik in Bohmen (1902), Kranz (Ges. Auf- 
satze iiber Musik 1903), Die Lieder Muelichs 
von Prag (1905 mit Paul Runge), Die 
Musik in Bohmen (1906, in R. StrauB' 
Die Musik), Aus der Opernwelt (1907), 
Geschichte der Musik in Bohmen (1. Band 
1906), Allgemeine Geschichte der Musik 
(1908), Zu Griepenkerls Bearbeitung von 
Beethovens Ruinen von Athen (1909, in der 
Riemann- Festschrift), Moseliana (Musikbuch 
aus Osterreich 1911 — 12), Richard Wagner 
(1912, Biogr.), Die altitalienische Opernarie 
(1912, Reklame fur Ida Isori), gab J. S. 
Bachs Notenbiichlein fur A. M. Bach heraus 
(1904ft.), schrieb Analysen fur den Musik- 
fiihrer, ist der Dichter bzw. Obersetzer der 
Libretti einer groBen Anzahl neuerer Opem 
und redigierte die Sammlungen Bunte Buhne 
(1902 f.), Hausmusik (1907) und Mozarts ge- 
sammelte Poesien (1906). 

Baton (franzosisch, spr. batong), s. v. w. 
Taktstock, Dirigentenstab. 

Baton (spr. batong), Henri, * 1710 zu 
Paris, Virtuose auf der Musette (Sack- 
pfeife), wahrend sein Bruder Charles (B. 
le jeune), f 1758 zu Paris, Meister auf der 
Vielle (Drehleier) war; der letztere hat 
Kompositionen fur 2 Viellen oder Musetten 
geschrieben (Suite op. 1 1733, La Vielle 
amusante op. 2, Amusemens d'une heure 
op. 4), auch ein Memoire sur la vielle en 
D la re im Mercure de France von 1757 ver- 
offentlicht und beteiligte sich an dem Buffo- 
nistenstreit mit Examen de la lettre de M. 
Rousseau sur la musique francaise (17 s 3 

[1754]). 
Baton, Rene, s. Rhene-Baton. 

Bator, Szidor, * 23. Febr. i860 zu Buda- 
pest, Schiiler des Nationalkonscrvatoriums 
und der Budapester Musikakademie, 1897 
Begriinder und bis jetzt Leiter der Musik- 
gesellschaft der Post- und Telegraphen- 
beamten in Budapest, Komponist von Un- 
terrichtssachen und lyrischen Miniaturen fur 
Klavier, auch eines Trios fur Harfe, Violine 
und Cello und von Mannerchoren. 

Batta, Alexandre, Sohn von Pierre B., 
* 9. Juli 1816 zu Maastricht, f 8. Okt. 1902 
zu Versailles, zuerst Schiiler seines Vaters, 
dann Schiiler von Platel am Briisseler Kon- 
servatorium, 1834 mit Demunck durch den 
ersten Preis fur Cellospiel ausgezeichnet, 
auch im Auslande, besonders in Paris, wo 
er sich dauernd niederliefi, als Virtuose ge- 
feiert. Er hat Romanzen fur Cello, Phan- 
tasien, Variationen usw. herausgegeben. 



Batta, Pierre, * 8. Aug. 1795 zu Maas- 
tricht, f 20. Nov. 1876 zu Briissel, war 
Lehrer des Violoncells am Briisseler Kon- 
servatorium. 

Battaille (spr. bataj), Charles Amable, 
ausgezeichneter Sanger (BaB), * 30. Sept. 
1822 zu Nantes, j" 2. Mai 1872 in Paris, ur- 
spriinglich Arzt, sang 1848 — 57 an der 
Komischen Oper zu Paris, muBte eines Hals- 
leidens wegen von der Buhne zuriicktreten, 
trat nur i860 voriibergehend noch einmal im 
Theatre lyrique und in der Komischen Oper 
auf. B. war seit 1851 Professor des Gesangs 
am Konservatorium. Er veroffentlichte eine 
groBe Gesangschule : De fenseignement du 
chant. I. Nouvelles recherches sur la pho- 
nation (1861), 77. De la physiologie appliquee 
au mecanisme du chant (1863). 

Battanchon (spr. -angschong), Felix, 
* 9. April 1814 und \ im Juli 1893 zu Paris, 
ausgezeichneter Cellist und bemerkenswer- 
ter Komponist fur sein Instrument, Schiiler 
von Vaslin und Norblin am Pariser Konser- 
vatorium, seit 1840 im Orchester der GroBen 
Oper. 1846 — 47 versuchte B. fur eine Art 
von kleinerem Violoncell, die er Baryton 
nannte, Propaganda zu machen, vermochte 
aber nur fluchtiges Interesse zu erwecken. 

Battement (franzosisch, spr. batt'mang), 
Verzierungsart mit derkleinenUntersekunde, 
die nicht besonders vorgezeichnet wurde, 
sondern zu den vom Spieler frei zu brin- 
genden Vortragsmanieren des 18. Jahr- 
hunderts gehorte. Sie karn nur nach Inter- 
vallspriingen zur Anwendung. Das kurze 
B. (a) begann mit der Hauptnote, das 
lange (b) mit der Nebennote; man vergleiche 
Quantz, Versuch einer Anweisung etc.: 



(a) (b) 



Batten (spr. batt'n), Adrian, * um 1590, 
f im Sommer 1637 zu London, 1614 Chor- 
vikar der Westminsterabtei, 1624 in gleicher 
Eigenschaft und als Organist an der Pauls- 
kirche zu London, hat vortreffliche Anthems 
komponiert, ferner ein Morgen- und Abend- 
service, eine Kommunion usw. Einiges ist 
in englischen Sammelwerken (Barnard 1641, 
Boyce) gedruckt. Einige Anthems von B. 
in Neudrucken sind noch heute in Gebrauch. 

Batterie (franzosisch), franzosische Be- 
zeichnung fur allerlei Figurationen mittels 
Zerlegung von Akkorden wie: 

Nach J. J. Rousseaus Lexikon ist die B. 
dadurch vom Arpeggio unterschieden, daB 
sie nicht legato, sondern staccato gespielt 
wird. Kochs Lexikon gebraucht fur- B. 
die deutsche Bezeichnung ,,Rauscher". 

Battishill (spr. batt-), Jonathan, *imMai 
1738 zu London, | io.Dez. 1801 zu Islington; 
Cembalist am Coventgardentheater, schrieb 



Battistini — Bauer. 



123 



mehrere Opern fur dieses Theater, die erste : 
Almena{iy6^, die Songs gedruckt) inGemein- 
schaft mit Th. A. Arne, wandte sich aber spa- 
ter mehr der kirchlichen Komposition zu, die 
letzten Jahre der Ansammlung einer wert- 
vollen musikalischen Bibliothek widmend. 
Glees, Anthems und Fugen von ihm finden 
sich in Sammelwerken (Warren, Page) ; eine 
Anzahl Anthems und Hymns, auch 2 Hefte 
Songs von B. erschienen separat. Vgl. 
Th. Busby, Original Memoirs of the late 
T. B. (Monthly Magazine 1802, S. 36J. 
yj(Battistini, Mattia, hervorragender itali- 
enischer Buhnenbariton, * 27. Febr. 1857 zu 
Rom, debiitierte 1878 in Donizettis Favorita 
am dortigen Teatro Argentina; sein europai- 
scher Ruhm datiert seit seinem Auftreten in 
der Mailander Scala 1888. AuOerin denhohen 
Baritonrollen Bellinis, Rossinis, Donizettis 
und Verdis glanzte er auch als Don Gio- 
vanni und Wolfram oder Telramund; bis 
heute, Ende 1927, ist er noch im Konzertsaal 
tatig. Nordamerika ist er ferngeblieben. 
Vgl. G. Monaldi, Cantanti celebri. 

Battke. Max, * 15. Sept. 1863 zu SchiffuB 
bei Wandlacken (OstpreuBen), j 4. Okt. 1916 
in Berlin, Schuler von Max Osten in Konigs- 
berg,. besuchte 1887 — 90 die Berliner Kgl. 
Hochschule fur Musik und 1890 — 91 die 
akademische Meisterschule und wirkte als 
Lehrer am Sternschen Konservatorium, dem 
Konservatorium des Westens, und als 
Dirigent des Mozart-Chors (populare Ora- 
torien-Auffuhrungen). 1900 begriindete er 
ein Seminar fiir Musik (mit W. Altmann, 
P. Ertel, M. Martersteig u. a. als Lehrern), 
das 1910 zum Seminar fiir Schulgesang urn- 
gestaltet wurde, und rief 1902 die Jugend- 
Konzerte ins Leben (Verband fiir Jugend- 
konzerte). B. schrieb: Elementarlehre der 
Musik (1898, 3. Auflage 1908), Primavista, 
eine Methode, vom Blatt zu singen (1900, 
4. Auflage 1912,' auch tschechisch [in boh- 
mischen Schulen eingefiihrt]), Erziehung des 
Tonsinnes (1905 [1906]), Singebiichlein (1907, 
fiir den Elementarunterricht), Tonsprache 
undMuttersprache(igoS), Musikalische Gram- 
matik (1909, 3. Auflage 1912), Stimmbildung 
und Schule (1912), Neue Formen des Musik- 
diktats (1913) und redigierte drei Hefte 
Ubungslieder fiir gem. Chor, FrCh. und 
MCh., eine Sammlung Jugend-Gesang, Pri- 
mavista-Lieder, Jugend-Liederbuch Stimmet 
an, auch mit E. Humperdinck eine Samm- 
lung von Klaviermusik. 

Battmann, Jacques Louis, * 25. Aug. 
1818 zu Maasmiinster (ElsaB), | 7. Juli 1886 
zu Dijon, 1840 Organist in Belfort, spiiter 
in Vesoul, hat eine groBe Anzahl Klavier- 
und Orgelwerke herausgegeben, darunter 
viele Etiiden, eine Klavierschule, Harmonie- 
lehre (fur das Akkompagnement des Grego- 
rianischen Gesangs), eine Harmoniumschule, 
viele Kompositionen fiir Harmonium usw., 
auch Messen, Motetten, Chorwerke usw. 

Battu (spr.batii), Pantaleon, *i799und 
t 17. Jan. 1870 zu Paris; Schuler von R. 
Kreutzer, Mitglied des Opernorchesters und 
der Kgl. Kapelle bis 1830, seit 1846 zweiter 



Kapellmeister der Opera; publizierte zwei 
Violinkonzerte, einige Violinromanzen, Varia- 
tionen und drei Duos concertants. 

Battuta (italienisch, von batter e, schlagen), 
Taktschlag; a batt. (,,im Takt") zeigt den 
Wiedereintritt strenger Taktordnung an (im 
Gegensatz zu einem vorausgegangenen colla 
parte, welches bedeutet, daB die Instrumente 
sich nach dem frei vortragenden Sanger 
oder Solospieler zu richten haben). Im 
engeren Sinne ist B. Niederschlag, d. h. 
Anfang eines Taktes ; daher ritmo di tre oder 
di quattro battute, s. v. w. Rhythmus von 
je 3 oder 4 zusammengehorigen Takten 
(d. h. diese Zahl Takte bilden eine Einheit 
hoherer Ordnung; vgl. Metrik). — In der 
alteren Lehre des Kontrapunkts verstand 
man nach Fux (Gradus ad Parnassum 1725) 
unter B. die verbotene ( ?). aber von Fux 
freigegebene Fortschreitung aus der Dezime 
in Gegenbewegung in die Oktave auf den 
guten Taktteil. 

Bauck, Wilhelm, *i3.Dez. 1808 in 
Goteborg, f 8. Okt. 1877 in Stockholm, Or- 
ganist (Goteborg), dann in Stockholm 
Klavierlehrer, Musikkritiker (Aftonbladet 
1842, Nya Dagligt allehanda 1859, Dagens 
Nyheter 1871J und Redakteur der Ny tidning 
for musik (1853 — 57), Lehrer fiir Musik- 
geschichte am Konservatorium (seit 1858), 
namhafter schwedischer Musikkritiker und 
Musikhistoriker , schrieb: Handbok i musi- 
kens historia (1862 — 88), Musikldra (2 Teile, 
1864, 1872), Musikaliskt Reallexikon (1871), 
Musik och T eater (1868, gesammelte musik- 
kritische Abhandlungen) u. a. ; als Kompo- 
nist trat er mit leichterer Klaviermusik, 
einem Streichquartett (G dur) und vielen 
Arrangements hervor. 

Baudiot (spr. bodjo), Charles Nicolas, 
Cellovirtuose, * 29. Marz 1773 zu Nancy, 
f 26. Sept. 1849 in Paris, Schuler des alteren 
Janson und 1802 dessen Nachfolger als 
Professor seines Instruments am Konser- 
vatorium zu Paris, 18 16 zugleich erster 
Cellist der Koniglichen Kapelle, 1832 pen- 
sioniert, hat viele Kompositionen fiir Cello 
herausgegeben (auch 3 Streichquartette) und 
mit Levasseur und Baillot die Cellomethode 
des Konservatoriums verfaBt, auch allein 
eine Methode complete de violoncelle (op. 25), 
einen Traite de transposition musicale op. 55 
(1837) und eine Anleitung fiir Komponisten 
verfaBt, wie sie fiir Cello schreiben durfen 
und sollen (1849). 

Bauer, Adolf, * 13. Aug. 1877 zu Mu- 
dersbach, Schuler des Bonner Gymnasiums 
und der tjniversitat wie des Kolner Konser- 
vatoriums (Wiillner, Steinbach, v. BauBnern), 
dann Lehrer fiir Kl. und Theorie am Kre- 
felder Konservatorium, seit 1912 Dirigent 
der Stadtischen Konzertgesellschaft Duren, 
seit' 1922 Lektor fiir Musikwissenschaft an 
der Universitat Bonn. Er schrieb Lieder, 
Chore mit und ohne Orchester, Kammer- 
musik u. a. 

Bauer, Anton, * 23. Jan. 1893 inMallers- 
dorf (Niederbayern), studierte an der Uni- 
versitat und der Akademie der Tonkunst 



124 



Bauer — Baumgarten. 



in Miinchen, zuerst Kapellmeister, seit 1923 
Musiklehrer im bayrischen Staatsdienst 
(Miinchen, Cham); Komponist von Liedern, 
Choren, Messen, Klavierstiicken, Stiicken 
fiir Militarmusik. Schrieb: Atonale Satz- 
lechnik (1925), kleine padagogische Schrif- 
ten; 40 bayrische Tanze (ZfMW. VIII, 1 ; 
1926); 20 bayrische Tanze, (ib. IX, 1928). 

Bauer, Harold, * 28. April 1873 zu Lon- 
don, ausgezeichneter Pianist, Schiller seines 
Vaters (Klavier) und Pollitzers (Violine), 
auch 1892 von Paderewski in Paris, machte 
seit 1893 groBe Konzertreisen. B. lebte 
bis Kriegsausbruch in Paris, seit 1924 in 
Neuyork, wo er die Beethoven-Association 
griindete, deren Vorsitzender er ist. 

Bauer, Moritz, * 8. April 1875 zu Ham- 
burg, studierte in Miinchen, StraBburg und 
Freiburg Medizin, ging aber nach Ablegung 
der Examina und Dienstleistung als Einj.- 
Freiw. Militararzt zur Musik iiber, war in 
Leipzig Schiller von A. Ruthardt (Klavier), 
Rich. Hofmann (Theorie) und G. Gohler 
(Dirigieren), war auch dort als Dirigent 
tatig (Damengesangverein) und horte an der 
Universitat. 1904 promovierte er zum Dr. 
phil. in Zurich und wurde nach weiteren 
Studien unter J. Knorr und S. v. Hausegger 
in Frankfurt Lehrer fiir Musikgeschichte 
und Asthetik am Dr. Hochschen Konser- 
vatorium (bis 1926). 1914 habilitierte er 
sich an der Frankfurter Akademie fiir Sozial- 
und Handelswissenschaften mit einer Studie 
Beitrdge zur Kennlnis der Licder Franz Schu- 
berts als Dozent fiir Musikwissenschaft 
und wurde zum a. o. Professor ernannt. 
B. ist Vorsitzender der Frankfurter Bach- 
gemeinde. AuBer Aufsatzen in Fachzeit- 
schriften, den Jahresberichten des Hoch- 
schen Konservatoriums und des Freien 
deutschen Hochstifts (1909 iiber Schubert) 
und Analysen fiir den Konzertfiihrer schrieb 
B. noch Histbrie oder Pamphlet? (1910), 
Die Lieder Franz Schuberts (1. Band 1915), 
Iwan Knorr (Frankfurt a. M. 1916); Johann 
Mayrhofer (ZfMW. 1922); Formprobleme des 
spdten Beethoven (ib. 1927), und gab 15 aus- 
gewahlte Lieder von K. Fr. Zelter heraus 
(1924). B. komponierte Lieder, den 28. 
Psalm fiir 3st. Frauenchor, Sopran und 
Orgel u. a. 

Bauer, Theodor Ludwig, * 30. Okt. 1872 
zu Augsburg, Sohn des auch als Dichter und 
Kunstschriftsteller bekannten Stadtschul- 
rats L. Bauer, mutterlicherseits ein Enkel J. 
P. Lysers. Besuchte wahrend seiner Gym- 
nasialzeit die Augsburger Musikschule und 
war Violinschiiler von J. Slunicko, in der 
Theorie von H. M. Schletterer und W. We- 
ber. 1892 — 96 studierte er in Dresden unter 
Lauterbach und Rappoldi, und war neben- 
bei Theorieschuler von Rischbieter und 
Draeseke. 1896 — 1898 Sologeiger am Miin- 
chener Kaimorchester, wirkt er seither 
als Kammermusiker in der Dresdener 
Staatskapelle. Als gediegener Kammer- 
musikspieler gehorte er einige Jahre dem 
Petri-Quartett an und trat in der Folge er- 
folgreich fiir moderne Kammermusik ein. 



1914 wurde er Vorsitzender des Dresdener 
Tonkunstlervereins, den er noch leitet. 

Bauernflote (Bauernpfeife, Bauer- 
lein, Feldflote, lat. Tibia rurestris), eine 
in alteren Orgeln im Pedal nicht seltene 
kleine Gedaktstimme von weiter Mensur; zu 
zwei FuB (2') heiBt sie gewohnlich B., zu 
einem FuB (1') dagegen Bauernpfeife (die 
i'-Stimmen werden meist Pfeife genannt). 

Bauldewijn (Baldewin, Balduin, Baul- 
duin, Baudoin, Baudouyn), Noel (Natalis), 
bei G. Forster wohl irrtumlich Nor. (Nor- 
bert ?), Kapellmeister der Notredamekirche 
zu Antwerpen 1513 — 18, "j" 1529 daselbst. 
Motetten von B. finden sich in verschiede- 
nen Sammelwerken (schon in Petruccis Mo- 
tetti della corona), Messen im ms. zu Rom 
(En douleur 5 v. und Sine nomine 6 v.) und 
Miinchen (Mijn liefkens bruijn oghen 4 v.); 
ein Lied (Ach Gott, went sollich's klagen) bei 
Forster. 

Baumayer, Marie, * 12. Juli 1851 zu 
Cilli (Steiermark), Schiilerin von Carl Evers 
in Graz, Prof. Julius Epstein am Wiener 
Konservatorium und Clara Schumann, in 
kiinstlerischem Verkehr mit Johannes 
Brahms, dessen B a!ws'-Klavierkonzert sie 
zuerst offentlich spielte (in Graz), Lehrerin 
am Neuen Konservatorium und namentlich 
in Osterreich einst hochgeschatzte Pianistin 
(Brahmsspielerin) und Kammermusikerin 
(mit Rob. Hausmann, Rich. Muhlfeld. Marie 
Soldat) in Wien. 

Baumbach, Friedrich August, * 1753, 
| 30. Nov. 1813 in Leipzig; war 1778 — 89 
Kapellmeister an der Oper zu Hamburg und 
lebte dann in Leipzig ausschlieBlich der Kom- 
position. AuBer vielen Vokal- und Instru- 
mentalwerken (fiir Klavier, Violine, Gitarre, 
Gesdnge am Klavier 1798 usw.) hat er auch 
die musikalischen Artikel in dem 1794 er- 
schienenen Kurz gefaflten Handworterbuch 
uber die schonen Kiinste geschrieben. 

Baumfelder, Friedrich, * 28. Mai 1836 
und "j" 8. Aug. 1916 in Dresden, Schiller Joh. 
Schneiders und des Leipziger Konservato- 
riums (1851), war Kantor an der Dreikonigs- 
kirche und Dirigent der Schumannschen 
Singakademie in Dresden, wo er als Musik- 
lehrer lebte (Kgl. Musikdirektor). B. schrieb 
auBer vielen brillanten Salonsachen beson- 
ders Etiiden (Tirocinium musicae op. 300), 
eine Sinfonie, eine Klaviersonate {op. 60), 
eine Suite [op. 101) und ein Chorwerk Der 
Geiger zu Gmund (Mannerchor und Soli). 

Baumgart, Expedit Felix, * 13. Jan. 
1817 in Glogau, "(■ 15. Sept. 1871 in Bad 
Warmbrunn, Dr. phil., langjahriger Lehrer 
fiir Theorie und Orgelspiel am Breslauer 
Kgl. Institut fiir Kirchenmusik, bekannt 
durch seine Neuausgabe von Ph. E. Bachs 
Sonaten fur Kenner und Liebhaber. Vgl. H. 
Palm, E.F. B. (1872). 

Baumgarten, Gotthilf von, * 12. Jan. 
1741 zu Berlin, | 1. Okt. 1813 als Landrat 
in GroBstrehlitz (Schlesien); schrieb als preu- 
BischerOffizierOpern fiir die Breslauer Biihne 
(Alcidoro [einakt. Festspiel] 1773, Zemire und 
Azor 1775, Andromeda [Melodrama] 1776, 



Baumgarten — Bawr. 



125 



Das Grab des Mufti 1778, die erste in Parti- 
tur, die andern im Klavierauszug gedruckt). 

Baumgarten, Karl Friedrich, * ca. 
1740 in Liibeck, f 1824 in London, Schiiler 
von J. P. Kunzen, kam Jung nach London, 
war hier Organist der Savoy Chapel und 
1780 — 94 Konzertmeister am Coventgarden- 
theater, auch Konzertmeister und Kompo- 
nist der Parkkapelle des Herzogs von Cum- 
berland. Im Druck erschienen eine Anzahl 
seiner Instrumentalwerke. B. war Mitarbei- 
ter an Shield' s Oper Netley Abbey (1794) 
und komponierte eine Pantomime Blaubart 
(1792). B. soil ein vortrefflicher Organist, 
aber energieloser Konzertmeister gewesen 
sein. 

Baumgartner, August, * 9. Nov. 1814, 
und 1 29. Sept. 1862 in Munchen als Chordiri- 
gent an St. Annen, veroffentlichte 1852 in 
der Stenographischen Zeitschrift Ideen zu 
einer musikalischen Stenographic oder Ton- 
zeichenkunst (1853), die natiirlich keinen Er- 
folg hatte, und eine sehr oberflachliche 
Kurzgefajite Geschichte der musikalischen No- 
tation (1856), war aber auch ein geschatzter 
Komponist (Messen, Psalmen usw.). 

Baumgartner, Johann Baptist, Violon- 
cellist, gebiirtig aus Augsburg, f 18. Mai 
1782 in Eichstadt, urn 1775 Mitglied der 
Hofkapelle zu Stockholm, gab 1774 eine Vio- 
loncellschule heraus. Cellokonzerte blieben 
u nverof f entlicht. 

Baumgartner, Wilhelm, * 15. Mai 1820 
zu Rorschach (Schweiz), f 17. Marz 1867 in 
Zurich, 1842 — 44 Musiklehrer in St. Gallen, 
dann noch kurze Zeit Schiiler W. Tauberts 
in Berlin, lebte seit 1845 i n Zurich, wo er 
1859 Universitatsmusikdirektor wurde. B. 
gehorte in Zurich zu Wagners Freundes- 
kreis und war der Intimus Gottfried Kel- 
lers, dessen zur schweizerischen National- 
hymne erhobenes Lied An mein Vaterland er 
1846 komponierte. Beliebte Mannerquar- 
tette, Lieder und Klaviersachen. 

Bausch, Ludwig Christian August, 
* 15. Jan. 1805 zu Naumburg, f 26. Mai 1871 
in Leipzig; Instrumentenmacher in Dres- 
den {1826), Dessau (1828), Leipzig (1839), 
Wiesbaden (1862), seit 1863 wieder in Leip- 
zig; war besonders renommiert als Verferti- 
ger von Violinbogen und als Reparator alter 
Geigen. Er arbeitete die letzten Jahre zu- 
sammen mit seinem Sohn Ludwig, * 10. 
Nov. 1829, der nach langem Aufenthalt in 
Neuyork zuerst selbstandig in Leipzig etab- 
liert war und kurz vor dem Vater (7. April 
1871) starb. Der jungere Sohn und Ge- 
schaftserbe Otto, * 6. Aug. 1841, starb 
schon 30. Dez. 1875. Das Geschaft ging an 
A. Paulus in Markneukirchen iiber (1908 
aufgelost). 

Bauflnern, Waldemar von, * 29. Nov. 
r866 zu Berlin, verlebte die Kinderjahre in 
Siebenbiirgen, der Heimat seiner Familie, 
wurde 1882 — 88 Schiiler Kiels und Bargiels 
an der Kgl. Hochschule zu Berlin, 1891 Diri- 
gent des Mannheimer Musikvereins und Leh- 
rergesangvereins, 1895 Dirigent der Dresde- 
ner Liedertafel und 1896 daneben des Dres- 



dener Bachvereins, spater Leiter des Dres- 
dener Chorvereins, ging 1903 nach Koln als 
Lehrer am Konservatorium und dirigierte 
auch den dortigen Tonkunstlerverein. 1908 
wurde er Nachfolger von E. W. Degner als 
Direktor der GroBherzogl. Musikschule zu 
Weimar, erhielt 1910 den Professortitel, 
wurde 1916 Nachfolger von Knorr als Direk- 
tor des Hochschen Konservatoriums zu 
Frankfurt a. M., 1923 zweiter standiger Se- 
kretar der Berliner Akademie der Kunste 
und gleichzeitig mit einem Lehramt an der 
Akademie fur Kirchen- und Schulmusik be- 
traut. Als Komponist fesselt B. durch die 
groBe und hohe Intention seiner Werke, die 
durch ein starkes Konnen gestiitzt wird. 
Werke: Gesang der Sappho fur A. und Or- 
chester (von H. v. Billow aufgef.), u. a. Ges. 
f . S. (od. T.) mit Orchester, darunter Gesange 
aus der Tiefe; 7 Sinfonien, davon die 1. Ju- 
gend, die 3. Leben betitelt mit SchluBchor 
(Goethes Ganymed), die 4. fur Streichorche- 
ster, 11 Blaser und Kl., die 5. Es ist ein 
Schnitter, heifit der Tod mit SchluBchor; die 6. 
Psalm der Liebe, die 7. Die Ungrische beti- 
telt; Kammersinfonie fur 10 Streicher und 
Orgel Himmlische Idyllen;Dashohe Lied vom 
Leben und Sterben fur Soli, Chor, Orchester 
und Orgel; Kantate A us unserer Not fur ge- 
mischten Chor, Bariton und Orgel; Hafis- 
Kantate fur gemischtenChor, Soli und kleines 
Orchester nach Gedichten aus Goethes West- 
ostl. Divan; Die himmlische Orgel fiir Bariton 
und Orchester; Christmotette Die Geburt 
Jesu; Ouvertiire Champagner; Streichquar- 
tett, Klavierquintett, Quintett fiir Klavier, 
Violine, Klarinette, Horn und Violoncell F- 
dur ; Serenade fur Klavier, Violine und Kla- 
rinette Es dur; Sextett; Oktett; 2 Klavier- 
trios (Weimarer Trio, und O bellissima Ita- 
lia); 3 kleine Sonaten fiir Klavier; Sonata 
Eroica fiir Klavier; vier Suiten: G dur 
fiir Violine und Klavier, A moll fiir Fl. und 
Klavier; D moll fiir Klarinette und Klavier; 
fiir Violoncell und Klavier (im Ganzen gegen 
30 Kammermusikwerke) ; Chore und Lieder, 
darunter Strebt hinan zu hoherm Reiche, 
Zyklus fiir gemischten Chor a cappella; den 
46. Psalm fiir 8st. Chor a cappella; Balladen- 
zyklus Das klagende Lied fiir Bariton und 
Klavier; Aus dem Buch der Freundin desgl. ; 
Gesange aus dem Buch Hiob desgl. Opern: 
Dichter und Welt (Weimar 1897); Diirer 
in Venedig (Weimar 1901); Herbort und 
Hilde (Mannheim 1902); Der Bundschuh 
(Frankfurt 1904); Satyros (nach Goethe, 
Basel 1922; Weimar 1923). Fiir die GA. 
der Werke von Peter Cornelius revidierte 
B. den Barbier von Bagdad, den Cid und 
beendete die Gunlod (Koln 1906). 

Bautzen. Vgl. H. Biehle, Die Entwick- 
lung des Musiklebens von B. (1923); der- 
selbe, Musikgeschichte von B. bis zum An- 
fang des ig. Jahrhunderts (1924). 

Bawr, Alexandrine Sophie, Grafin de, 
geborene Baronesse Champ grand, * 8,Okt. 
1773 und J 31. Dez. i860 zu Paris, 1789 ver- 
heiratet mit dem Sozialphilosophen Graf CI. 
H. de Saint-Simon (f 1825), dann mit 



126 



Bax — Bayreuth. 



einem russischen Offizier Graf en Bawr, 
Schiilerin Gretrys, schrieb eine wertvolle 
Histoire de la musique (1823 in 2 Ausgaben, 
deutsch von A. Lewald 1826), auch Ro- 
manzen, die in den Salons beliebt waren. 
Vgl. E. Gagne, Madame de B. (1861). 
X Bax (spr. bax), Arnold E.Trevor, * S.Nov. 
1883 in London, 1900 — 05 Schiller von Tob. 
Matthay (Klavier) und Fred. Corder (Kom- 
position) an der Londoner Musikakademie, 
einer der fuhrenden modernen englischen 
Komponisten, der sich iiber eine Art von 
national gefarbtem Impressionismus zu 
einem Ausdrucksmusiker personlichster Pra- 
gung entwickelt hat. Werke in chronolo- 
gischer Ordnung: 1906: Trio fur Violine, Va. 
und Klavier; 1907: Fatherland fur Tenor, 
Chor und Orchester; 1908: die sinfonische 
Dichtung Into the Twilight; ein Streichquin- 
tett. 1909: Tondichtung In the Faery Hills, 
eine Fest-Ouvertiire und ein Fragment aus 
Shelley's Entfesseltem Prometheus mit dem 
Titel Enchanted Summer, fur 2 Sopr., Chor 
und Orchester. 1910: friihere Fassung der 
1. Sonate fur Violine und Klavier; alle 4 So- 
naten, 2 fur Violine und 2 fur Klavier haben 
eine vollstandige Umarbeitung erfahren, die 
sie in Wirklichkeit zu neuen Werken macht. 
1912/13: fiir Orchester: Christmas Eve in 
the Mountains; Tondichtung Nympholept; 
Sinfonie Spring Fire ; ein sinfonisches Scher- 
zo und eine weitere Tondichtung The Garden 
ofFand.igi4[ic, : Klavierquintett;Gmo//;zur 
selben Zeit vollendete B. die friihere Fassung 
der beiden V.-Sonaten und komponierte 6 
Dichtungen aus The Bard of the Dimbovitza 
fiir Gesang und Orchester. 1916: Sinfoni- 
sche Variationen fiir Klavier und Orchester. 
1917: drei Tondichtungen : In memoriam, 
November Woods und Tintagel; auBerdem 
ein Ballett, Between Dusk and Dawn; eine 
irische Tondichtung fiir 2 Klaviere, Moy 
Mell oder The Happy Plain; eine irische 
Elegie fiir Engl. Horn, Harfe und Streicher. 
1918: Streichquartett in G dur. 1919: Quin- 
tett fiir Streicher und Harfe; die 2. Kl.- So- 
nate. 1920: Musik zu Sir J. M. Barrie's 
Phantasie The Truth about the Russian Dan- 
cers; 2 unbegleitete Doppelchore Mater Ora 
Filium (Carols); Of a Rose I sing (Chor, 
Harfe, Violoncell und Klavier); Konzert fiir 
Bratsche und Orchester; Revision der vier 
Sonaten. 1921: Tondichtung The Happy 
Forest. 1922 : Sonate fiir Va. und Kl. : Sin- 
fonie Es dur. 1923 : Chorwerk To the Name 
above Every Name; 1923/4: Chorwerk mit 
Orch. : St. Patricks Breastplate; 1925 ff. 
ein II. Streichquartett; Quintett fiir Oboe 
und Streicher; 1927 ff. eine Sinfonie. 

Baxoncillo (span, baxon oder bajon, spr. 
bachon-, nicht auf das franz. basson, sondern 
auf bajo, niedrig [span.] zuriickzufiihren), in 
Spanien s. v. w. Prinzipal (Orgelstimme). 
B. de 13 = Prinzipal 8 FuB, B. de 26 = 
Prinzipal, 16 FuB; Prinzipal 32 FuB heiBt 
Flauto de 52 (die Benennungen der kleineren 
Seitenstimmen entsprechen den anderweit 
gebrauchlichen: Prinzipal 4 FuB heiBt Oc- 
tava, Prinzipal 2 FuB = Quincena, d. h. 



Doppeloktave, Prinzipal 1 FuB = Flauta en 
22, d. h. Tripeloktave). 

Bay Rudolph, * 9. Juli 1791, f 25. Mai 
1856 zu Kopenhagen, wurde 1808 Student, 
bildete sich in der Musik autodidaktisch aus, 
lebte 1816 — 31 als Konsulatssekretar in Al- 
gier und erhielt 1819 in Rom einigen Ge- 
sangsunterricht von Kapellmeister Serletti; 
nach seiner Riickkehr nach Danemark 
schrieb er als Kantor an der Holmenskirche, 
Kgl. Kammermusikus und Professor, eine 
lange Reihe dem italienischen Geschmack 
seiner Zeit in hohem Grade entgegenkom- 
mender melodioser Romanzen und Lieder, 
sowie ein Singspiel auf eignen Text Lazarilla 
(Kopenhagen, Kgl. Theater 1853). 

Bayer, Aloys, gefeierter Sanger (Tenor), 
* 3. Juli 1802 zu Sulzbach (Oberpfalz), \j. 
Juli 1863 zu Grabenstadt am Chiemsee, be- 
suchte das Gymnasium zu Regensburg und 
das Lyzeum zu Miinchen, wo seine Stimme 
entdeckt wurde, debiitierte 1823 als Joseph 
am Miinchener Hoftheater und wurde enga- 
giert. 1828 — 43 war er der Vertreter der 
ersten Tenorpartien, aber zugleich ein hoch- 
geschatzter Liedersanger. Zu den von ihm 
ausgebildeten Sangern zahlt Martin Har- 
tinger (s. d.). 

Bayer, Josef, Ballettkomponist, * 6. 
Marz 1852 und j 12. Marz 1913 zu "Wien, 
absolvierte die Realschule, die Handelsaka- 
demie und das Konservatorium , trat 1870 
als Violinist ins Hoforchester und wurde 1885 
zum Ballettkapellmeister ernannt. Kompo- 
nist der Ballette: Wiener Walzer (1885). 
Puppenfee (1888), Sonne und Erie, Ein 
Tanzmdrchen, Kinder-Weihnachtstraum, Rou- 
ge et noir, Donaunixe, Columbia, Die Welt in 
Bild und Tanz, Burschenliebe, Rund um 
Wien, Deutsche Mdrsche, Die Braut von 
Korea, Rosa d'Amore, Aus der Heimat, Die 
kleine Welt, Die Engelsjager, Nippes (191 1), 
Die Liebesgeige, Bilderbuch, Olga, Hochzeit 
in Bosnien und vieler Divertissements und 
Einlagen, sowie der Operetten: Der Cheva- 
lier San Marco, Mister Menelaus, Frdulein 
Hexe, Der Polizeichef; Possenmusiken u. a. 

Bayly (spr. beli), Anselm, * 1719 zu 
Haresfield (Gloucestershire), | 1794 zu Lon- 
don, wo er seit 1741 Mitglied und seit 1764 
Subdekan der Chapel Royal war, schrieb 
auBer theologischen und philologischen Wer- 
ken A Practical Treatise on Singing and 
Playing 1771, The Alliance of Musick, Poetry 
and Oratory 1789, auch gab er eine Samm- 
lung von Anthem-Texten mit einem Vorwort 
iiber Kirchenmusik heraus. 
VBayreuth. Vgl. L. Schiedermair, Bay- 
reuther Festspiele im Zeitalter des Absolutis- 
mus (1908); M. Seiffert, Aus B.s musik. 
Vergangenheit (Allg. M.-Ztg. 1894); aus der 
Legion der Wagnerschrif ten seien angefiihrt-. 
A. Lavignac, Voyage artistique d Bayreuth 
(1897); La Mara, Das Biihnenfeslspiel in 
Bayreuth (1877); Albert v. Puttkamer, 
Funfzig Jahre B. (Berlin 1927). Vgl. auch 
die Spezialarbeiten von H. v. Wolzogen 
(s.d.) und Arthur Priiferu. a. Vgl. Ansbach. 



Bazin — Beaumarchais. 



127 



Bazin (spr. basang), Francois Emanuel 
Joseph, * 4. Sept. 1816 zu Marseille, f 2. 
Juli 1878 in Paris; Schiiler des Pariser Kon- 
servatoriums, erhielt 1840 den Romerpreis, 
wurde nach der Riickkehr aus Italien (1844) 
Gesangsprofessor, 1849 Harmonieprofessor, 
1 87 1 Nachfolger des zum Direktor avan- 
sierten A. Thomas als Kompositionsprofes- 
cor am Konservatorium, 1872 Nachfolger 
von Carafa als Mitglied der Akademie. Von 
seinen 9 komischen Opern hat sich keine auf 
dem Repertoire erhalten; die erfolgreichste 
war Le voyage en Chine. B. schrieb einen 
Cours d'harmonie theorique et pratique und 
La musique a St.-Malo (1886). 

Bazzini, Antonio, ausgezeichneter Vio- 
linvirtuose und gediegener Komponist, * 11. 
Marz 1 8 18 zu Brescia, j 10. Febr. 1897 zu 
Mailand, Schiiler des Kapellmeisters Fau- 
stino Camisani zu Brescia, spielte 1836 vor 
Paganini, der ihm riet, zu reisen. B. ging 
nach verschiedenen kiirzeren Reisen 1841 bis 
1845 nach Deutschland, wo er besonders in 
dem damals in hochster musikalischer Bliite 
stehenden Leipzig langer verweilte und sich 
fur deutsche Kunst, besonders aber fur Bach 
und Beethoven, begeisterte. Nach mehr- 
jahrigem Aufenthalt in Italien ging er 1848 
nach Spanien und Frankreich und liefi sich 
1852 in Paris nieder. 1864 zog er sich nach 
Brescia zuriick, um sich ausschlieBlich der 
Komposition zu widmen, folgte jedoch 1873 
einem Rufe als Kompositionsprofessor ans 
Mailander Konservatorium, dessen Direktor 
er 1882 wurde. Als Komponist stand B. 
unter dem EinfluB Deutschlands. Unter 
seinen Werken stehen die sechs Streich- 
quartette und das Streichquintett obenan, 
doch hat er auch mit Chor- und Orchester- 
kompositionen gliickliche Wiirfe getan: La 
risurrezione di Cristo , Sinfonie - Kantate 
Sennackeribbo, der 51. und 56. Psalm, Ou- 
verturen zu Alfieris Saul und Shakespeares 
Konig Lear (op. 68) und eine sinfonische 
Dichtung: Francesca da Rimini. Dagegen 
hatte er mit der Oper Turandot (Mailand 
1867) kein Gliick. 

Beach (spr. bitsch), Mrs. H. H. A. (Amy 
Marcy, 1885 verheiratet, geb. Cheney),* 5. 
Sept. 1867 zu Henniker (N. Hampshire), 
Schulerin von E. Perabo in Boston, machte 
sich als Pianistin und Komponistin einen 
Namen: Galische Sinfonie op. 32 (1896), Kla- 
vierkonzert op. 45, Messe op. 5, grofie Chor- 
werke mit Orchester, The Minstrel and the 
King op. 16 (Mannerchor), Jubilate op. 17, 
The Chambered Nautilus op. 66, Service in 
A op. 63, Violinsonate op. 34, Klavierkon- 
zerte Cis dur op. 45 und Fis moll op. 67, 
Klaviervariationen iiber Themen vom Balkan 
op. 60 und viele kleinere Gesangssachen 
(Arie Jephthah's Daughter, op. 53, Mother 
Songs op. 6g) und Klavierstiicke. Vgl. P. 
Goetschius, Mrs.H.H. .4. .B. (Boston 1906). 

Beattie (spr. bitie), James, * 25. Okt. 
1735 zu Lawrencekirk (Schottland), j 18. 
Aug. 1803 zu Aberdeen als Professor der 
Moralphilosophie ; schrieb Essays on Poetry 
and Music as they affect theMind 1776(1779) 



und Letter . . . on the Improvement of Psal- 
mody in Scotland 1778 (1829). Seine Bio- 
graphie schrieb M. Forbe (1806, 2 Bde.). 

Beauchamps (spr. boschang), Pierre 
Francois Godard de, * 1689 und f 1761 
zu Paris; schrieb Recherches historiques sur 
les theatres de France depuis Vann&e 1161 
jusqu'a present (1735) und Biblioiheque des 
theatres (Aufzahlung der aufgefiihrten Dra- 
men, Opern usw. nebst Notizen iiber Ton- 
kiinstler usw., 1746). 

Beaulieu (spr. b51jo), Eustorg de, * ca. 
1500 zu Beaulieu (Limousin), j 8. Jan. 1552 
zu Basel, 1529 Priester, trat zum Protestan- 
tismus iiber und war Pfarrer zu Therrens 
(Kan ton Waadt), gab eine Sammlung geist- 
licher Lieder heraus (Chrestienne Rejouis- 
sance, Genf 1546), die 30 Nummern a 3 — 4 v, 
von B. selbst enthalt; auch J. Modernes 
Parangon des Chansons (1538) bringt 3 Ge- 
sange von ihm. Vgl. Georges Becker, E. de 
B. (1880) und E. Fage, E. de B. (Bulletin 
de la Societe des lettres, sciences et arts de 
la Correze 1880). 

Beaulieu (spr. boljo), Marie Desire Mar- 
tin, * 11. April 1791 zu Paris, j im Dez. 1863 
zu Niort; Schiiler von Mehul, erhielt 1810 
den Romerpreis, machte indes von dem Sti- 
pendium keinen Gebrauch, sondern verhei- 
ratete sich bald darauf und zog sich nach 
Niort zuriick, wo er einen Musikverein be- 
griindete, der sich allmahlich zu der Asso- 
ciation musicale de I'Ouest auswuchs, welche 
seit 1835 alljahrlich ein groBes Musikfest mit 
wechselndem Sitz veranstaltete. Diesem 
Vereine veranachte er 100 000 Franken. Auch 
der Pariser Verein fur klassische Musik ist 
seine Schopfung. AuBer einer stattlichen 
Reihe Kompositionen (Opern: Anacreon und 
Philadelphia; lyrische Szenen: Jeanne £ Arc 
und Psyche und Amor; Oratorien, Messen, 
Hymnen, Orchesterstiicke, Violinphanta- 
sien, Sologesange usw.) hat B. mehrere 
Schriften veroffentlicht (Uber den Rhythmus,, 
seine Wirkungen und ihre Ursachen 1852; 
Vber die Vberbleibsel altgriechischer Musik im 
christlichen Kirchengesange; "Ober den rechten 
Charakter der Kirchenmusik 1858; Vber die 
Kirchentonarten in V olksmelodien 1858; Vber 
den Vr sprung der Musik 1859). 

Beauquier (spr. bokje). Charles, franz. 
Musikschriftsteller, * 19. Dez. 1833 zu Be- 
sancon, "j" . . . . ; langere Zeit Mitarbeiter der 
Revue et Gazette musicale, Dichter des Li- 
brettos von Lalos Oper Fiesque, schrieb: 
Philosophic de la musique (1865), La musi- 
que et le drame (1884), Les musiciens Franc- 
Comtois (1887), Chansons populaires recueil- 
lies en Franche-Comte (1894). Seit 1870- 
war B. mehrmals Mitglied der Deputierten- 
kammer. 

Beaumarchais (spr. bomarsche), Seig- 
neur de Pierre Augustin Caron, franz. Dichter, 
* 24. Jan. 1732, j 18. Mai 1799, hier zu er- 
wahnen als fertiger Spieler der Harfe, in 
welcher Eigenschaft er auch an den Hof 
Ludwigs XV. gelangte, und vor allem als 
Dichter einer Figaro-Trilogie : Le Barbier de 
Seville (1772, erste Auffiihrung 1775), Le 



128 



Beauvarlet-Charpentier — Bechstein. 



Manage de Figaro ou la folle joumie (1781, 
aufgefiihrt 1784), La M&re Coupable (1792), 
aus der die beiden ersten Stiicke AnlaB zu 
den Meisterwerken Rossinis und Mozarts ge- 
geben haben. 

Beauvarlet-Charpentier (spr. bowarle 
scharpangtje), Jean-Jacques B., genannt 
Charpentier, * 1730 zu Abbeville, \ 1794 zu 
Paris, bedeutender Organist (zuerst in Lyon, 
seit 177 1 in Paris an St. Victor und St. Paul, 
endlich an Notre Dame). Im Drucke erschie- 
nen Orgelfugen op. 1 und op. 6, 12 Noels 
varies pour Vorgue op. 13, Klaviersonaten und 
ein Journal d'orgue a V usage des paroisses el 
communautes religieuses (12 Hefte). Vgl. G. 
Servieres, Trib. de St. Gervais, Dez. 1922. 
Sein Sohn Jacques-Marie, * 3. Juli 1766 
zu Lyon, j im Nov. 1834 zu Paris, war wie 
J.- J. B. gleichfalls Organist an St. Paul, 
spater an St. Germain. Von ihm Sonaten 
fur Klavier und Violine op. 2, 3, 8 u. a. 

Bebisation s. Solmisation. 

Bebung (franzosisch Balancement) war 
eine Spielmanier auf dem Klavichord, die 
auf dem Pianoforte (heutigen Klavier) nicht 
moglich ist; sie wird hervorgebracht durch 
wechselnden Druck des Fingers auf der 
angeschlagenen Taste, ohne daB die Tan- 
gente die Saite loslaBt. Die B. wurde ver- 
langt durch "" iiber der Note. Etwas dem 
Ahnliches ist das Beben des Tons der Streich- 
instrumente, auch der Zither und Gitarre, 
das in einem leichten Schwanken der Ton- 
hohe besteht und durch eine schnell zitternde 
Bewegung des auf die Saite gesetzten Fingers 
hervorgebracht wird (vibrato) ; auch das 
Vibrato der Singstimme (das von dem 
fehlerhaften Tremolieren streng zu unter- 
scheiden ist) ist ein damit vergleichbarer 
Effekt. UbermaBiger Gebrauch solcher Ma- 
nier wirkt abstumpf end und laBt den Vortrag 
weichlich erscheinen. GroBer Beliebtheit er- 
freute sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
das ebenfalls in dieselbe Kategorie gehSrige 
Ondeggiando (s. d.) der Streichinstrumente. 
— Irrig ist die durch H. von Biilow auf- 
gebrachte Meinung, daB die mit Bogen ver- 
sehenen Tonrepetitionen in Beethovens op. 
69, 106 und 110 sowie im Adagio des Quar- 
tetts op. 59 1 1 und in der Quartettfuge 
°P- I 33 e i n der B. ahnliches schwaches 
Wiederangeben des Tons bedeuten (op. 133) : 

;USW. 

Vielmehx soil in alien diesen Stellen der 
Bogen nur anzeigen, daB der erste Ton voll 
ausgehalten und der zweite abgestoBen wird, 
die zweite Tongebung aber ohne Bogen- 
wechsel nur durch verstarkten Druck her- 
vorgebracht. Vgl. A. W. Thayer, Beet- 
hoven Band V, S. 296. 

Becarre (franzosisch, spr. bekarr'), s. v. w. 
Auflosungszeichen, t) (B quadratum) : s. B. 

Becher (Schallbecher) heiBen die Auf- 
satze (s. d.) der Zungenpfeifen der Orgel, 
welche meist eine becherformige Gestalt 



haben (oben weiter sind) ; auch die erweiter- 
ten Enden der Schallkorper der Holzblas- 
instrumente (besonders der Klarinetten) 
heiBen B. (Schalltrichter). Vgl. auch Sturze. 

Becher, Alfred Julius, * 27. April 1803 
zu Manchester von deutschen Eltern, | 23. 
Nov. 1848 zu Wien (standrechtlich er- 
schossen wegen Teilnahme an der Revolu- 
tion), kam als Kind nach Deutschland, 
war kurze Zeit Advokat in Elberfeld, 
wandtc sich aber musikalischen Studien 
und der Komposition zu, lebte als Zeitungs- 
redakteur zu Koln, ging dann nach Diissel- 
dorf, dem Haag und wurde in London 1840 
Harmomelehrer an der Kgl. Musikakademie, 
wandte sich aber schon 1841 nach Wien, 
wo er als Musikkritiker Ansehen erlangte 
Eine groBere Anzahl Klavierkompositionen 
und Lieder von B. sind im Druck erschienen, 
auch einige Schriften: Das niederrheinische 
Musikfest, dsthetisch und historisch betrachtet 
(1836) und Jenny hind, eine Shizze ihres 
Lebens (1846 [1847]). Eine Sinfonie und ein 
Streichquartett blieben ms. 

Becher, Josef, * 1. Aug. 1821 zu Neu- 
kirchen (Bayern), j- 23. Sept. 1888 in Min- 
traching bei Regensburg, 1846 Priester, 
Seminarprafekt und Chorregent in Amberg, 
seit 1878 Pfarrer zu Mintraching, hat eine 
groBe Zahl kirchlicher Kompositionen ge- 
schrieben (allein iiber 60 Messen). 

Bechgaard, Julius, * 19. Dez. 1843. t 4- 
Marz 1917 in Kopenhagen, studierte an den 
Konservatorien zu Leipzig und Kopenhagen 
(Gade), schrieb groBere Liederzyklen (See- 
mannsleben op. 9, und Idyllen nach Carl 
Andersen), eine Musik zu Holger Drach- 
manns Strandby-Folk, eine Konzertouvertiire 
(E moll) und die Oper Frode (Kopenhagen, 
Kgl. Theater; auch inPrag 1893); allesWerke 
von einer spezifisch nationalen Farbung. 

Bechstein, Fr.W. Carl, Klavierfabrikant, 
* 1. Juni 1826 zu Gotha, f 6. Marz 1900 zu 
Berlin, arbeitete zuerst in verschiedenen 
deutschen Pianofortefabriken, war 1848 bis 

1852 Geschaftsfiihrer von G. Perau in Berlin, 
machte dann noch Studienreisen nach 
London und Paris, wo er bei Pape und 
Kriegelstein arbeitete, und etablierte sich 

1853 mit bescheidenen Mitteln zu Berlin. 
Binnen kurzem nahm die Fabrik einen 
groBen Aufschwung; die groBten Klavier- 
meister fingen an, sich fur Bechsteins 
Fabrikate zu interessieren (H. v. Biilow); 
so daB B. sich mehr und mehr dem Bau 
groBer Konzertflugel zuwandte. Der Be- 
trieb wurde allmahlich so groB, daB B. 
im Jahre 1897 eine vicrtc Fabrik bau en 
muBte. Vor dem Kriege waren ca. 1100 
Arbeiter beschaftigt, die jahrlich 4700 Fliigel 
und Pianinos herstellten. Die Instrumente 
B.s gehoren zu den hochstangesehenen im In- 
und Auslande. Die Briefe H. v. Biilows an 
B. gab R. Graf du Moulin-Eckart heraus 
(Munchen 1927 : Neue Briefe H. v. Billows). 

Bechstein, Ludwig, der bekannte No- 
vellist, * 24. Nov. 1801 in Weimar, f 14. Mai 
i860 in Meiningen als Archivar, schrieb u. a. 
die musikalisch interessanten Biicher: Fahr- 



Beck. 



129 



ten eines Musikanten [Daniel Elster] (1836 
bis 1837 [1854]) ; Klarinette (1840) und Zwei- 
hundert deutsche Manner in Bildnissen und 
Lebensbeschreibungen (1854). 

Beck, Orgelbauerfamilie, deren erster Ver- 
treter Hans B. vom Hayne (GroBenhain 
in Sachsen) 1520 zwei Orgeln fur die Stadt- 
kirche in Delitzsch und 1555/56 die Orgel 
der Agidienkirche in Oschatz baute. Sein 
altester Sohn Esajas in Halle a. S. baute 
u. a. die Orgeln der dortigen Moritzkirche 
(1569) und die der Stadtkirche zu Bitter- 
feld (1579). Ein jiingerer Sohn Hans Becks, 
Anton, war Orgelbauer in Halberstadt. 
Dessen Sohn ist wohl David, Orgelbauer 
zu Halberstadt, um 1590, der 1592 — 96 die 
Orgel zu Groningen bei Halberstadt baute, 
welche 1705 restauriert wurde (vgl. A. 
Werckmeister), die Martinskirchenorgel zu 
Halberstadt u. a. 

Beck, Franz, * 1730 zu Mannheim, 
f3i.Dez. 1809 zu Bordeaux, Schuler von 
Johann Stamitz (in dessen Sinfonien op. 5 
je eine von B., Franz X. Richter und Wagen- 
seil aufgenommen ist), soil wegen eines 
Duells aus Mannheim gefliichtet sein. Wahr- 
scheinlich hat er zeitweilig in Paris gelebt 
oder doch Paris von Marseille, wo er 1762 
als Konzertmeister nachweisbar ist, oder 
von Bordeaux aus, wo er Konzertdirigent 
wurde (bereits 20. Aug. 1767 Oper La belle 
jardinitjre in Bordeaux), mehrfach besucht, 
da er ein Stabat mater (1783) und mehrere 
Biihnenwerke (Melodram Pandora 1789 
[Partitur gedruckt], Oper Vile diserte) in 
Paris auffiihrte und von der Akademie der 
Kunste zum korrespondierenden Mitglied 
ernannt wurde. Von seinen Werken, die zu 
den ausgezeichnetsten und entscheidendsten 
der Entwickelung nach Stamitz gehoren, 
sind 25 Sinfonien (op. 1, 2, 3 und 4 je sechs, 
eine in Stamitz' op. 5 [op. 4 1 in Neudruck 
ih den DTB. VIII. 1]), 2 Divertimenti 
(2 FL, 2 Ob., 2 Corn., 2 Fag., 2 V., Via., 
Vc. CB.) und einige Klaviersachen erhalten. 
Schuler Becks sind Pierre Gaveaux, Ch. 
N. Bochsa, P. Chr. Simon und H. L. Blan- 
chard, der seine Biographie schrieb (nicht 
auffindbar). Vgl. R. Sondheimer, Die 
Sinfonien F. B.s (Basler Dissertation 1921, 
ZfMW. IV, 1922); Sondheimer hat 1927 
auch zwei Sinfonien B.s (G moll, Es dur) 
herausgegeben. 

Beck, Gottfried Joseph, * 15. Nov. 
1723 zu Podiebrad (Bohmen), f 8. April 
1787 in Prag; Organist in Prag, spater 
Dominikanermonch, Professor der Philo- 
sophic zu Prag und schlieBlich Provinzial 
seines Ordens, schrieb viel Kirchenmusik, 
auch Instrumentalwerke. 

Beck, Heinr. Valentin, * 4. April 1698 
in Maar (Oberhessen), | 15. April 1758 in 
Frankfurt a. M.; schrieb Kantaten (in 
Stimmen auf der Stadtbibliothek in Frank- 
furt a. M.), die sich durch kunstlerischen 
Ernst auszeichnen. Wirkte 1718—34 als 
Kantor in Lauterbach (Oberhessen), 1734 
bis 1737 als solcher in Hanau, und war 
1738 — 58 Vize-Kapelldirektor in Frankfurt 

Riomann, Musik-Lexikon. 11. Anfl. 



a. M. Dort gewann er Beziehungen zu den 
angesehensten Familien der Stadt, und 
Personlichkeiten wie Joh. Wolfg. Textor 
(Goethes GroBvater), Scabinus v. Ochsen- 
stein, R. S. v. Klettenberg und Joh. Friedr. 
v. Uffenbach wurden seine Gonner. B. war 
Klavierlehrer der Frau Rat Goethe bis zum 
Jahr 1755. Vgl. Bodo Wolf, Heinrich 
Valentin Beck (1698 — 1758). Ein ver- 
gessener Meister der Tonkunst (Munchner 
Dissertation 191 1). 

Beck, Johann Baptist, * 14. Aug. 1881 
zu Gebweiler (ElsaB), wo er bis 1899 das 
Gymnasium besuchte und von dem Organi- 
sten Brumpt Musikunterricht erhielt, setzte 
seine Studien dann in Paris fort (1901 
Bakkalaureus) und bekleidete Hilfsorga- 
nistenposten, bezog 1903 die Universitat 
StraBburg als Student der romanischen 
Sprachen, bestand noch 1904 das Abitu- 
rientenexamen am Gymnasium zu Geb- 
weiler, promovierte 1907 in StraBburg zum 
Dr. phil. und machte 1908 das Staats- 
examen fur das hohere Lehramt. Durch 
eine umfassende Arbeit fiber Die Melodien 
der Troubadours, deren Einleitung seine 
Dissertation bildet (liber die Liederhand- 
schriften der Troubadours) und deren erster 
Band 1908 erschien, trat B. als Forscher 
auf diesem noch immer viel umstrittenen 
Gebiete hervor. B. schlieBt sich Runge und 
Riemann an in der Ableitung der Rhythmik 
der Melodien aus dem Metrum des Textes, 
schlagt aber neue Wege ein durch Hinein- 
tragung der Lehre von den Modi (s. d.), wie 
wir sie bei den altesten Mensuralisten an- 
treffen, in die rhythmische Deutung der 
Texte (vgl. Aubry). Er schrieb noch: Der 
Takt in den Musikaufzeichnungen des 12. 
und 13. Jahrhunderts (in der Riemann-Fest- 
schrift 1909) und La musique des Troubadours 
(1910 in Musiciens cSlebres). 

Beck, Johann Hektor, gab 1666 und 
1670 zwei Biicher 5 st. Tanzsuiten heraus 
(Exercitium musicum, bestehend in Alle- 
manden, Balletten, Gavotten usw.). 

Beck, Johann Nepomuk, * 5. Mai 1827 
zu Pest, +9. April 1904 in PreBburg, vor- 
zuglicher Baritonist, war nacheinander zu 
Wien, Hamburg, Bremen, K61n, Dussel- 
dorf, Mainz, Wiirzburg, Wiesbaden und 
Frankfurt a. M. engagiert und 1853 bis zu 
seiner Pensionierung 1885 der Stolz der 
Wiener Hofoper. 

Beck, Johann Philipp, edierte 1677 
einen Band Tanzsuiten fur Viola da Gamba. 

Beck, Joseph, Sohn von Joh. Nep. B. 
und der Sangerin Weixlbaum, * 11. Juni 
1850 zu Mainz, "j" 15. Febr. 1903 in PreBburg, 
gleichfalls vortrefflicher Baritonist, sang 
erst an verschiedenen osterreichischen Pro- 
vinzbuhnen und wurde 1876 zu Berlin und 
1880 zu Frankfurt a. M. engagiert. 

Beck, Konrad, schweizerischer Kompo- 
nist, * 1901 zu Schaffhausen, in Zurich, wo 
er zwei Jahre auch das Konservatorium be- 
suchte, erzogen; seit 1923 lebt er in Paris. 
Werke: 2 Sinfonien, ein Violoncell-Konzert, 

9 



LC 



130 



Beck — Becker. 



3 Streichquartette und andreKammermusik; 
Musik fiir Hausorgel. 

Beck, Michael, Professor der Theologie 
und der orientalischen Sprachen in Ulm, 
* 24. Jan. 1653 in Ulm, schrieb Vber die 
musikalische Bedeutung der hebrdischen Ak- 
zente (1678 und 1701). Vgl. K. G. Anton. 

Beck, Reich ardt Karl, gab 1654 ein Buch 
Tanzsuiten (Allemanden, Ballette usw.) fiir 
.zwei Violinen und Bafi zu StraBburg heraus. 
ABeck, Reinhold Imanuel, * 10. Jan. 1881 
zu Hannover als Sohn des 1893 verstorbenen 
Kgl. Ballettdirigenten Paul B. und Enkel 
des um das hannoversche Musikleben ver- 
dienten Musikdirektors Imanuel B., war 
anfangs Pharmazeut, ging aber bald zur 
Musik uber. Er erhielt seine Ausbildung 
am Konservatorium zu Hannover, war einige 
Zeit als Schauspieler, Chordirektor und 
Kapellmeister tatig und verlieB 1906 die 
Biihnenlaufbahn, um sich ganz der Kom- 
position zu widmen. 1908 — 10 leitete er 
einige Gesangvereine; seit 1919 in Berlin 
Dozent fiir Musikwissenschaft an der Herder- 
Hochschule und an der Volkshochschule 
Berlin-Harmsdorf ; lebt jetzt in Thale (Harz). 
Er schrieb: Lieder, Balladen, Duette, Man- 
nerchore, 2 Sonaten fur Violine und Klavier, 
3 Trios (Klaviertrio; Klavier, Klarinette und 
Horn ; Klavier und 2 Violinen) ; Serenade fiir 
Klavier, Flote, Violine und Violoncello, 
Quartett (4 Waldhorner), 3 Streichquartette 
Cismoll, A dur und F dur (Suite); Sonate 
fiir Klavier und Flote; Kammerkonzert fiir 
Violine mit Klarinette und Orchester in 
Form einer Suite; Serenade fiir Klarinette 
und Streichquintett (mit Klavier); ferner 
Musik zu Grillparzers Ahnfrau, die Ope- 
retten Rivieraliebe und Berliner Rangen und 
eine Romintische Fantasie in 4 Bildern 
Am Rheir . 

Becken (franzosisch Cymbahs, italienisch 
Piatti od'ir Cinelli), auch „tiirkische B." 
genannt, dnd Schlaginstrumente von un- 
veranderli ;her und undefinierbarer Tonhohe, 
die einen ;.ufregenden, grell drohnenden und 
lang nact hallenden Schall geben. Sollen 
sie nur ki rze Schlage markieren, so werden 
sie unmit .elbar nach dem Anschlag durch 
Anpressec an die Brust gedampft. Die B. 
sind tellei formige Metallscheiben, mit brei- 
ten flach :n Randern, die der eigentlich 
klingende Teil sind, wahrend der durch- 
bohrte kc nkave Mittelteil, an dem die als 
Handgriff ; dienenden Lederriemen befestigt 
sind, nicit mitschwingt; je zwei solcher 
Scheiben gehoren zusammen und werden 
gegeneina ider geschlagen (forte), oder man 
laBt die I Lander leise gegeneinander klirren 
(piano). ' Jrsprunglich sind die B. der Kult-, 
dann abe r zweifellos der Kriegsmusik an- 
gehorige [nstrumente; sie sind auch jetzt 
noch am haufigsten in Militarmusiken zu 
finden (J mitscharenmusik); doch war- 
den sie ir. it Gliick ins Opern- und selbst ins 
Sinfonieo 'Chester eingefiihrt. Die B. werden 
vielfach /on demselben Musiker bedient, 
der die j roBe Trommel schlagt, und es 
ist dann < ins derB. auf der groBen Trommel 



lose befestigt, so daB der Spieler beide In- 
strumente gleichzeitig bearbeiten kann, 
indem er mit einer Hand den Trommel- 
schlagel, mit der andern das zweite B. 
schwingt. Wo B. und Trommel nur einen 
Rhythmus in groben Schlagen markieren 
sollen, mag das angehen; die kunstmaBige 
Behandlung der B. fordert aber, daB der 
Musiker in jeder Hand ein B. halt. In der 
Neuen Musik, besonders der Jazzband, hat 
sich eine sehr mannigfache Art ausgebildet, 
das einzelne B. auch mit Schlageln zum 
Klingen zu bringen. 

Becker, bekannte russische Pianoforte- 
fabrik, begriindet 1841 in Petersburg von 
Jakob Dawydowitsch Becker, arbeitet seit 
1917 nicht mehr. 

Becker, Albert Ernst Anton, * 13. Juni 
1834 zu Quedlinburg, f 10. Jan. 1899 zu 
Berlin, Schiiler von Hermann Bonicke und 
in Berlin von S. Dehn (1853 — 56), blieb in 
Berlin als Musiklehrer, seit 1881 Komposi- 
tionslehrer an Scharwenkas Konservato- 
rium. 1891 wurde B. Dirigent des Berliner 
Domchors, lehnte 1892 die ihm angetragene 
Nachfolge Rusts als Thomaskantor in 
Leipzig auf Wunsch des Kaisers ab und 
wurde Mitglied der Kgl. Akademie. Eine 
Sinfonie in G moll von B. wurde 1861 von 
der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 
preisgekront. 1877 erregten seine Lieder 
aus Wolffs Rattenjdnger und Wildem Jdger 
zuerst allgemeinere Aufmerksamkeit; 1878 
folgte seine groBe Messe in B moll, ein be- 
deutendes Werk. Weiter sind zu nennen: 
Reformatiovskantate (1883 zur Lutherfeier). 
das Oratorium Selig aus Gnade (1890), 
Geistlicher Dialog aus dem 16. J ahrhundert 
(Altsolo, Chor und Orgel), Vigilien und 
Schnitter Tod (fiir Mannerchor mit Orche- 
ster), Zigeuner [op. 31, fiir Chor und Or- 
chester), Motetten, Psalmen, Die Wallfahrt 
nach Kevelaer (Soli, Chor und Orchester), 
Minnelieder aus dem 13. Jahrhundert (Bear- 
beitung von Melodien aus der Jenaer Lieder- 
handschrift, 2 Hefte), ein Klavierquartett 
(op. 19, D moll J, ein Klavierquintett (op. 49), 
Violinballade (op. 47), Konzertstiick fiir Vio- 
line mit Orgel (op. 66), Orgelphantasie und 
eine Fuge G moll und eine OperLor«/ev(i898). 

Becker, Diedrich, Organist zu Ahrens- 
burg in Holstein, spater Ratsmusikus in 
Hamburg, f 12. Mai 1679 zu Hamburg, aus- 
gezeichneter Violinist, gab heraus: Musi- 
kalische Friihlingsfruchte (3 — 5st. Kammer- 
sonatenmit Basso continuo, Hamburg 1668, 
auch in Ausg. von P. Phalese, Antwerpen 
1673, ein Werk, das konkurrierend neben 
den ersten Kammersonaten Rosenmullers 
steht), sowie 2St. Sonaten und Suiten mit 
doppeltem Basso continuo (2 Teile, 1674 
bis 1679). Neudruck einer Sonate in A. 
Einsteins Zur deutschen Literatur fiir Va. 
da gamba (1905). Einige geistliche und 
weltliche Gesange sind handschriftlich er- 
halten. 

X Becker, Georg (B. von Biel [Kanton 
Bern]), * 24. Juni 1834 zu Frankenthal 
(Pfalz), Musikschriftsteller und Komponist, 



Becker. 



131 i 



Schiiler von Kuhn und Prudent, lebte zu 
Genf; er verof f entlichte : La musique en 
Suisse (1874, Neudruck Genf 1923), Apercu 
sur la chanson francaise, Pygmalion de J- J. 
Rousseau, Eustorg de Beaulieu (1880), 
Guillaume Guiroult, Notice sur Claude Gou- 
dimel (1885), Jean Cautery et ses chansons 
spirituelles (1880), H. Waelrant et ses psau- 
mes (1881), De I' instrumentation du XVe 
au XV lie siecle (1884), Pygmalion de J. J. 
Rousseau en Italie u. a. m. Auch gab er 
langere Jahre ein kleines musikalisches Flug- 
blatt heraus: Questionnaire de P association 
international des musiciens-ecrivains, und 
schrieb Aufsatze fur verschiedene Fach- 
zeitschriften, besonders die Monatshefte fur 
Musikgeschichte. Von seinen Kompositionen 
sind Klavierstiicke und Lieder erschienen. 

Becker, Hugo, hervorragender Violon- 
cellvirtuose und ausgezeichneter Quartett- 
spieler, * 13. Febr. 1864 zu StraBburg, Schii- 
ler seines Vaters Jean Becker und Kanut 
Kiindingers (eines Schiilers von Jos. Menter) 
und spater Friedr. Griitzmachers sen., Karl 
HeB' in Dresden sowie Piattis und Jules de 
Swerts. So vielseitig geschult, bildete sich 
B. eine eigene Methode auf physiologischer 
Grundlage, die er an seine Schiiler weiter- 
gibt. Nach seines Vaters Tode wurde er 
Solo-Violoncellist des Opernorchesters zu 
Frankfurt a. M. (1884—86) und war 1890 
bis 1906 Mitglied des Heermann-Quartetts 
und Lehrer fur Cello und Kammermusik 
am Dr. Hochschen Konservatorium, seit 
Piattis Tode (1901) dessen Nachfolger als 
Cellist der Londoner Montagskonzerte. 1896 
wurde B. zum Kgl. preufiischen Professor 
ernannt. 1902 wurde er Mitglied der Kgl. 
schwedischen Akademie zu Stockholm und 
ist seit 1909 (Nachfolger Rob. Hausmanns) 
Lehrer an der Kgl. Hochschule fur Musik 
in Berlin. B. ist Mitglied des Trios Flesch, 
Friedberg (vorher Schnabel), B. E. d'Albert, 
Bazzini, Chevillard und Dohnanyi haben 
Werke fur B. geschrieben. Beckers Spiel 
zeichnet sich aus durch klassische Noblesse 
und, bei aller technischen Uberlegenheit, 
durch Vermeidung virtuoser Schaustellung. 
Als Komponist von Geschmack zeigte er sich 
mit einem Cellokonzert A dur (1898), Vari- 
ationen und Cellostucken. 

Becker, Jean, * n. Mai 1833 und f 10. 
Okt. 1884 zu Mannheim, Schiiler von Al. 
Kettenus und Vincenz Lachner, vorzuglicher 
Violinvirtuose, wurde als Konzertmeister zu 
Mannheim angestellt, gab aber diese Stel- 
lung schon 1858 auf und machte ausgedehnte 
Reisen als Virtuose. 1866 nahm er seinen 
Wohnsitz in Florenz laid begriindete das 
Florentiner Qua tett (zweite Violine: 
Enrico Masi ft 1894 in Rom als Ministerial- 
sekretar], Bratsche: L. Chiostri, Cello: 
Fr. Hilpert [seit 1875 L. Spitzer-He- 
gyesi]), das seiner hervorragenden Leistun- 
gen wegen Weltruf erlangte und bis 1880 
bestand. Die letzten Jahre wohnte B., 
wenn er nicht auf Reisen war, in Mannheim. 
Seine Tochter Jeanne, * 9. Juni 1858 und 
1 6. April 1893 zu Mannheim (vermahlte 



Grohe), war eine treffliche Pianistin; von 
seinen Sohnen war Hans, * 12. Mai i860 
zu Mannheim, | 1. Mai 1917 in Leipzig, 
Schiiler von Singer, Violinlehrer am Konser-1 
vatorium zu Leipzig. Der jiingste Sohn ist 
Hugo B. ■ '. 

Becker, Karl, * 5. Juni 1853 zu Kirr- 
weiler (Rbz. Trier), war 1876^79 Seminar- 
Hilfslehrer in Neuwied, 1880 stellvertreten-; 
der und 1881 — 85 ordentlicher Seminar- 
lehrer in Ottweiler, 1885—86 in Neuwied, 
seit 1896 in Kopenick. Kgl. Musikdirektor, 
ein eifriger Sammler von Volksliedern 
(Rheinischer V olksliederborn 1892, Schul-; 
liederbiicher usw.). 

Becker, Karl Ferdinand, * 17. Juli 
1804 und f 26. Okt. 1877 zu Leipzig; wurde 
1825 Organist an der Peterskirche, 1837 an 
der Nikolaikirche, 1843 Lehrer des Orgel-. 
spiels am Konservatorium, gab seine Stel- 
lungen 1856 auf, vermachte seine- Bibliothek 
der Stadt [Beckers Stiftung, reich an theore-i 
tischen Werken; vgl. den [unvollstandigenj 
gedruckten Katalog V erzeichnis einev Samm- 
lung von musikalischen Schriften, 1843) un< l 
lebte zuriickgezogen in Plagwitz bei Leipzig.' 
B. war ein fleiBiger Sammler, aber kein 
Gelehrter. Er und nicht K. Julius Becker- 
war Mitarbeiter an Schumanns N. Z. f. 
Musik (1835). Beckers verdienstlichstes. 
Werk ist die Systematisch-chronologische Dar- 
stellung der Musikliteratur (1836, Nachtrag; 
dazu 1839), vgl. Forkel. AuBerdem schrieb'; 
er Die Tonwerke des 16. und ly. Jahrhunderts 
(1847 [1855]), Die Hausmusik in Deutsche 
land, im 16., iy, und 18. Jahrhundert (1840), 
Die Choralsammlungen der verschiedeneri 
christlichen Kirchen (1845), Die Tonkiinstler- 
des IQ. Jahrhunderts (1849), Lieder und 
Weisen vergangener Jahrhunderte (18 53,Volks- 
lieder, harmonisiert). Auch hat er eigene 
Instrumentalkompositionen (Klavier- und 
Orgelstiicke), /. 5. Bachs vierstimmige Kir- 
chengesdnge (1843.) und ein Evangelisch.es- 
Choralbuch (1844) herausgegeben. 

Becker, Konstantin Julius, * 3. Febr; 
18 1 1 zu Freiberg i. S., t 26. Febr. 1859 zu 
OberloBnitz (Dresden); Schiiler von K. F.' 
Becker, lieB sich 1843 zu Dresden als 
Musiklehrer nieder und lebte seit 1846 in 
OberloBnitz. Er hat Opern, Chor- und 
Instrumentalwerke geschrieben, auch eine 
Manner gesangschule (1845), Harmonielehre- 
fur Dilettanten (1842), Kleine Harmonielehre 
(1844) sowie die Tendenzromane: Der Neu- 
romantiker (1840) und Klubien und Kom- 
pagnie (1841), Marchen Abracadabra, und 
iibersetzte Berlioz' Musikalische Reise in 
Deutschland (1843). 

Becker, Oskar, * 6. Okt. 1876 in An- 
rochte bei Lippstadt, Schiiler der Konser-i 
vatorien zu Koln und Leipzig, sowie 1 898 
bis 1900 der Leipziger Universitat, an der 
er 1900 mit einer Arbeit fiber die englischen 
Madrigalisten Byrd, Morley und Dowland- 
promovierte; 1901—02 Vereinsdirigent, 1902' 
bis 1904 Solorepetitor und Chordirektor: 
am Opernhaus > in Koln, dann Theater-! 
Kapellmeister in Essen- Dortmund, Dort- 



132 



Becker — Becquie. 



mund, Munster i. W., Gent und Luttich, 
an der Niederl. Oper in Amsterdam, an der 
Flamischen in Antwerpen (1914); seit 1919 
Musikdir. in Gumbinnen, wo er einen Or- 
chesterverein griindete. Er schrieb Lieder, 
Klavier- und Orchesterstucke. 

Becker, Reinhold, * 11. Aug. 1842 zu 
Adorf in Sachsen, j 7. Dez. 1924 in Dresden, 
ging mit L. Eller i860 nach Pau (Pyrenaen) 
alsMitglied eines Streichquartetts und wurde 
nach Ellers Tode dessen Leiter, muBte aber 
1870 wegen eines Muskelleidens dem Violin- 
spiel entsagen, widmete sich nun ganz der 
Komposition und zog nach Dresden. 1884 
bis 1894 leitete er mit groBem Erfolg die 
Dresdener Liedertafel. 1898 Kgl. Professor. 
B. ist hauptsachlich Vokalkomponist (vielge- 
sungene Lieder, Mannerchore : A bendglocken, 
Hochamt im Walde, Mahnruf, sowie mit Or- 
chester: Waldtnorgen, V or der Sch/acht, Fried- 
rich Rotbart, Eliland, Der Choral von Leuthen 
[Kaiserpreis 1899 in Kassel]), hat aber auch 
mit einigen Instrumentalwerken Erfolg ge- 
habt (2 Violinkonzerte A moll [von Thomsen 
gespielt] und E moll, Sinfonie C dur op. 140, 
sinfonische Dichtung DerPrinz von Hamburg, 
Streichquartett A moll, eine Violinsonate) 
und ist auch als Opernkomponist mit Gliick 
aufgetreten (dreiaktige Oper Frauenlob, 
Dresden 1892, und einaktige Oper Ratbold, 
Text von F. Dahn, Mainz 1806); auch ver- 
suchte er sich an der Ausfuhrung von Beet- 
hovens Erlkonig-Skizze. 

Becker, Valentin Eduard, * 20. Nov. 
1814 und f 25. Jan. 1890 zu Wiirzburg, 1833 
stadtischer Beamter zu Wiirzburg, bekann- 
ter Mannergesangskomponist (Das Kirch- 
lein), hat aber auch Messen, Opern (Die 
Bergknappen, Der Deserteur), Lieder und 
viele Instrumentalwerke geschrieben, von 
denen ein Quintett fur Streichinstrumente 
und Klarinette preisgekront wurde. 

Becking, Gustav, * 4. Marz 1894 zu Bre- 
men, absolvierte dort das alte Gymnasium 
und studierte Musikwissenschaft in Berlin 
(J. Wolf) und Leipzig, wo er Assistent H. 
Riemanns wurde. 1920 promovierte er mit 
der Arbeit Studien zu Beethovens Personal- 
slil. Das Scherzothema (1921) und wurde 
darauf mit der Fiihrung der neuerrichteten 
planmafiigen Assistentenstelle am Musik- 
wissenschaftlichen Institut der Universitat 
betraut. 1922 habilitierte er sich mit der 
Schrift Das rhyihmische Detail als Quelle 
musihwissenschaftlicher Erkenntnis als Pri- 
vatdozent in Erlangen; er ist der Heraus- 
geber der V eroffentlichungen desMusikwissen- 
schaftlichen Seminars der Universitat Erlan- 
gen, sowie einer Ausgabe der musikalischen 
Werke E. T. A. Hoffmanns. Er veroffent- 
lichte ferner Der musikalische Rhythmus als 
Erkenntnisquelle (Augsb. 1928). 

Beckman, Bror, schwedischer Kompo- 
nist, *io.Febr. 1866 zu Kristinehamn, Schu- 
ler von J. Lindegren (1894: — 96 Inhaber des 
Staatl. Musikstipendiums) an der Klavier- 
schule von S. Carlheim-Gyllenskold (1890 
bis 1902); 1904 Mitglied der Kgl. Musik- 
akademie zu Stockholm, seit 1910 Direk- 



tor des kgl. Konservatoriums in Stock- 
holm, 1915 — 23 staatl. Inspektor des 
Schulmusikunterrichts. 191 1 Professor. 
Schrieb: Sinfonie F dur (Stockholm 1902); 
Om lyckan (Vom Gliick) fur Orchester op. 10 
(id. 1902) ; / sommarndtter (Sommerndchte) 
fur Streichorchester (1893); Flodsanger lux 
Gesang und Orchester (1897); Ballade fur 
Bariton und Orchester (1906) ; Biihnenmusik; 
Sonate A moll fur Violine und Klavier op. 1; 
Klavierstiicke ; Stiicke fur Kunstharmonium ; 
Lieder. 

Beckmann, Gustav, * 28. Febr. 1883 zu 
Berlin, studierte nach Absolvierung des 
Gymnasiums anfangs klassische Philologie, 
dann in Berlin unter Joh. Wolf und H. 
Kretzschmar Musikwissenschaft und promo- 
vierte 1916 in Berlin zum Dr. phil. Seine 
Dissertation erschien 1918 vollstandig als 
Buch: Das Violinspiel in Deutschland vor 
iyoo; eine ausgezeichnete Beispielsamm- 
lung zu ihr in 5 Heften erschien 1921 bei Sim- 
rock (Sonaten von Cima, Uccellini, Bleyer, 
Boeddeker, Fischer, Schmelzer, Walther, 
Westhoff, Albicastro). In der Zeitschr. der 
IMG. sowie der DMG. gab und gibt er die 
Musikalische Zeitschriftenschau heraus und 
veroffentlichte 1917 als Publikation der 
Gluck-Gesellschaft Glucks Oden, sowie 1917 
bis 1918 Glucks Sonaten fur 2 Violinen, Vio- 
loncell und Klavier. 1919—25 war er Diri- 
gent der Berliner Kammerkonzert-Vereini- 
gung (Auffuhrungen alter Musik). 

Beckmann, Wilhelm Gustav, * 16. Jan. 
1865 zu Bochum, besuchte die Gymnasien zu 
Essen und Bochum, sowie das Lehrersemi- 
nar zu Rheydt und 1891 — 93 das Kgl. Insti- 
tut fur Kirchenmusik in Berlin (R. Radecke, 
Loschhorn, Thiel), wurde 1893 Gesanglehrer 
(1925 Studienrat) am Realgymnasium, 1894 
Dirigent des evangelischen Kirchenchores 
(jetzt Essener Bachvereins) und 1896 Orga- 
nist an der Kreuzeskirche zu Essen a. d. R., 
1906 Kgl. Musikdirektor, 1893 — IC >°7 Musik- 
referent der Rheinisch-Westf. Ztg., begrun- 
dete 1899 den Evangelischen Organistenver- 
ein fur Rheinland und Westfalen (dem er 1913 
auch eine Pensionskasse mit Rechtsanspruch 
verschaffte) und 1908 (in Berlin) den Ver- 
band evangelischer Kirchenmusiker Preu- 
fiens. 1915 begriindete er die Zeitschr. Der 
evangelische Kirchenmusiker. Er stand zu 
Max Reger in freundschaftlichen Beziehun- 
gen. B. gab mehrere Orgelkompositionen 
und Gesangbiicher heraus, schrieb mit D. 
Hackenberg und Klingemann Grund- 
satze und Richtlinien fur Pfarrer und Orga- 
nisten (1911). 

Beckwith (spr. -wi&), John, * 25. Dez. 
1750 und t 3. Juni 1809 zu Norwich, 1794 
Organist an der dortigen Petrikirche und 
1808 an der Kathedrale, 1803 Doktor der 
Musik zu Oxford, hat Anthems, Glees und 
Lieder geschrieben, die popular wurden, auch 
Klaviersonaten und ein Orgelkonzert. Sein 
Sohn John Charles, *I788, f n. Okt.1819, 
wurde sein Nachfolger. 

Becqui£ (spr. beckje), A . . ., * um 1800 
zu Toulouse, | 10. Nov. 1825 als Flotist der 



Becvafovsky — Beer-Walbrann. 



133 



Opera comique zu Paris, Schuler des Pariser 
Konservatoriums. Seine Flotenkompositi- 
onen (Rondos, Variationen, Phantasien) sind 
wertvoll. — Sein Bruder, Jean Marie, ge- 
nannt B. de Peyreville, * 1797 zu Tou- 
louse, •(• im Jan. 1876, zeichnete sich als Vio- 
linist aus (Schuler von Rudolf Kreutzer), 
warvieleJahreOrchestermitglied des Theatre 
italien und gab einige Violinsachen heraus. 

Becvafovsky (Beczwarzowsky), An- 
ton Felix, * 9. April 1754 zu Jungbunzlau 
(Bohmen), y 15. Mai 1823 in Berlin; Schuler 
von Joh. Kucharcz, wurde 1777 Organist an 
der Jakobskirche zuPrag, 1779 an derHaupt- 
kirche in Braunschweig, gab aber 1796 seine 
Stelle auf und zog nach Bamberg, 1800 nach 
Berlin. Er veroffentlichte Sonaten und 
Konzerte fur Klavier, sowie Lieder und Ge- 
sange (Korners Leier und Schwert). 

Beda venerabilis, -englischer Kirchenhi- 
storiker des 7. — 8. Jahrhunderts, * ca. 672 
in Northumberland, j 26. Mai 735 in Jarrow, 
zahlt irrtumlicherweise zu den ersten Men- 
sural- Schriftstellern, namlich als Verfasser 
des auch unter dem Namen Aristoteles qui- 
dam (Pseudo-Aristoteles) bekannten Trak- 
tates De musica quadrata seu mensurata 
(Coussemaker Script. I, 260), der ca. 1230 
geschrieben ist. Der eigentliche Name des 
Verfassers wird wohl nicht mehr aufgewiesen 
werden konnen, so mag denn neben dem 
Pseudo-Aristoteles auch der Pseudo-Beda 
in der Geschichte der Musiktheorie weiter- 
leben. 

Bedford, Herbert, englischer Kompo- 
nist und Maler, *23. Jan. 1867 in London, 
machte seine musikalischen Studien an der 
Guildhall-Musikschule und ist seit 191 8 be- 
sonders als Komponist von a cappella-Wer- 
ken. besonderer deklamatorischer Pragurig 
hervorgetreten.VerheiratetmitLizaLehmann 
(s. d.). Schrieb : Oper: KitMarlowe; sinf. Phanr 
tasie The Optimist; Suite Queen Mab; Ouver- 
ture Sowing the Wind ; Divertimento f iir Kla- 
vier und Streichorchester; Vox veris, Szene fur 
Sopran und Orchester; Milodie Solennelle fur 
Streicher; Gesange mit Streichquartett; 8 
unbegleitete Gesange u. a. Schrieb einen 
Essay > on Modern Unaccompanied Song(ig2^)^ 

Bedinger, Hugo, * 30. Marz 1876 zu 
Stockholm, y 9. Nov. -1.9i4.in Vesteras, Schu- 
ler des Stockholmer Konservatoriums, Kom- 
ponist von Gesangen mit Orchester (Belsa- 
zar) und Klavier, Chorliedern, Oratorium 
Bethania, Kammermusik (Violinsonate F- 
dur), Orchesterstiicken usw. 

Bedingham, (B.-Langenstei8), ein Kom- 
ponist der 2. Halfte des 15. Jahrhunderts, 
von dem sich eine Messe Deuil angoisseux 
(mit Binchois' Chanson als Tenor), zwei 
franzosische Chansons und eine Bearbeitung 
von Dunstables O rosa bella in den Trienter 
Codices 88 und 90 finden. Die Messe Deuil 
angoisseux ist veroffentlicht DTO. XXXI 
(die Benutzung der Binchois'schen Chanson 
ist, der spatenglisehen Technik entsprechend, 
eine ganz freie); andere Werke DTO. VII 
{Concordanzen zu O rosa bella) und XI, I 
(Grant temps). 



Bedingham, John (Bedyngham), eng- 
lischer Komponist der 2. Halfte des 16. Jahr- 
hunderts, der in J. Baldwins (s. d.) handschr. 
Motettensammlung vertreten ist. 

Be don (franz., spr. bedong), altfr. 
Bezeichnung fiir Trommel; B. de Biscay e 
(spr. de biskaj), s. v. w. Baskische Trom- 
mel (Tamburin). 

B^dos de Celles, 0. S. B., Dom Fran- 
cois (auch kurz Dom Bedosgenannt),*24. 
Jan. 1709 zu Caux bei Beziers, trat 1726 
zu Toulouse in den Benediktinerorden und 
starb dort 25. Nov. 1779. B. schrieb ein hoch- 
bedeutendes Werk: Vart du facteur d'orgues 
(Die Kunst des Orgelbauers, 1766 — 78, 3 Fo- 
liobande: ein 4. Teil enthilt eine unbedeu- 
tende Geschichte der Orgel [diese deutsch 
von J. Chr. Vollbeding, 1793]). Das Werk 
liegt alien spateren (besonders dem Topfers) 
zugrunde, und die vorzuglichen Zeichnungen 
wurden immer wieder benutzt. B.. schrieb 
auch einen Prflfungsbericht iiber die neue 
Orgel der Markuskirche zu Tours (1762 im 
Mercure de France), der in t)bersetzung von 
J. F. Agricola in Adlungs Musica mecha- 
nica organoedi anfgenommen ist. Vgl. 
F. Raugel, Les Lipine et dom F. B. de C. 
(Bull, de la Soc. frahf. de musicologie,I, 28 
und. II, 86). 

Beecke (Becke), Ignaz von, * 28.0kt. 
1733 zu Wimpfen irri Tal (wo sein aus West- 
falen stammender Vater Prasenzmeister des 
Ritterstifts war), ^3. Jan. 1803 zu Waller- 
stein, 1759 Leutnant der in Wallerstein ste- 
henden Kompagnie eines wurttembergischen 
Dragonerregiments, ; 1763 Hauptmann, 1792 
als Major pensioniert, war anscheinend friih 
personhcher Adjutant des Erbgrafen (1774 
Fursten) Ernst Kraft von Ottingen-Wallcr- 
stein. B. war ein vorzuglicher Pianist und 
als solcher wiederholt auf Reisen, befreundet 
mit Gluck (der eine Oper B.s [Angelique et 
MSdore?^iiiT seine Bearbeitung des gekiirz- 
ten Quinaultschen Roland zu benutzen beab- 
sichtigte; vgl. Sammelb.d. IMG. IX, S. 108), 
Jommelli und Mozart, hat Instrumental- 
werke (10 Klaviersonaten, und dgl. fur 3 
Klaviere [1791], Klaviervariationen, 6 Kla- 
viertrios [Paris 1767], 6 8 st. Sinfonien, 
6 Quartette fur. FJ., V., Via., Vc), 3 Sing- 
spiele (Claudine von Villa bella Wien 1780, 
Die Weinlese und Die Jubelhochzeil [diese 
beiden zu Mannheim 9. Juni bzw. 10. Dez. 
1782]), auch Kantaten, Lieder und ein Ora- 
torium (Auferstehung) geschrieben. B.s Kla- 
viertrios zeigen bereits bedeutsame Ansatze 
zur Herausbildung des eigehtlichen Piano- 
fortestils und verdieneh neben den Schobert- 
schen Beachtung; am bedeutendsten aber ist 
B. als Sinfoniekomponist. Zahlreiche. Kom- 
positionen B.s sind handschrifthch in der 
Kgl. Hausbibliothek zu Berlin erhalten (vgl. 
Thourets Katalog). Vgl. Sammelb. der IMG. 
IX, S. 107 (L. Schiedermair), sowie F.Mun- 
ter, /. von B. (Munchener Diss. 1921, gedr. 
zum.Teil in der-Z. f. MW. IV, 1922). 

Beer-Walbrunn, Anton, * 29. Juni 
1864 zu Kohlberg bei Weiden (bayr. Ober- 
pfalz), Sohn eines : Lehrers, besuchte die 



134 



Beer — Beethoven. 



Praparandenschule zu Regensburg und das 
Seminar zu Amberg, wurde als Hilfslehrer 
am Seminar zu Amberg und weiterhin zu 
Eichstadt angestellt (zugleich Domorganist), 
quittierte den Lehrerberuf und wurde 
mit Unterstiitzung des Domkapellmeisters 
W. Widmann in Eichstatt Schiiler der Miin- 
chener Akademie der Tonkunst. Auch nach 
Absolvierung seiner Studien unter Rhein- 
berger, BuBmeyer, Abel, Riehl usw. blieb 
B. in Munchen, wo er in Graf Schack einen 
Mazen fand, der ihm die Veroffentlichung 
seiner ersten Kompositionen ermoglichte. B. 
ist seit 1901 an derMiinchener Akademie Leh- 
rer fur Komposition, Kontrapunkt, Harmo- 
nielehre und Klavier. 1908 Professor. Von 
•seinen: Kompositionen zogen gleich die zuerst 
'erschienenen Lieder (dp. 12 und 13) das In- 
■.teresse an; weiter folgten Chorlieder op. I, 
•eine Violinphantasie op. 3, ein Klavierquar- 
tett op. 8, ein Streichquartett op. 14 (4 wei- 
tere Quartette sind ms.), Cellosonate op. 15, 
Ode fur Cello und Klavier op. 20, Reise- 
bilder fiir Klavier op. 21, Deutsche Suite 
op. 22 (vierhandig und fiir Orchester), Lieder 
dp. 2y, ein Chorwerk: Mahomets Gesang und 
vier Opern Suhne (Lubeck 1894), Don Qui- 
xote (Munchen 1908), Das Ungeheuer op. 50 
(Karlsruhe 1914) und Der Sturm (nach 
Shakespeare) op. 64; Fugen fiir Oigel, 
und 10 Sonette nach Shakespeare fiir Ge- 
sang und Klavier op. 34 (auch mit Orchester), 
eine Violinsonate op. 30, eine Orgelsonate 
op. 32, Der Polenfliichtling op. 31 (fur Bari- 
■ ton und Orchester), Manner- und gemischte 
Chore op. 35, 38, 48, 53, 54, 55; eine sinfo- 
nische Pantasie op. 11 fiir groBes Orchester, 
.-eine Sinfonie E dur op. 36, drei Burlesken 
fur Orchester W olkenkuckucksheim op. 40, 
Musik zu Hamlet op. 43 und zum Sturm 
(ms.), ein Violinkonzert op. 52; Lustspiel- 
ouverture op. 61; seine neuesten Werke sind: 
Graduate und Offertorium fur Chor und Or- 
gel; 2 Soloquartette f . Mannerstimmen ; ein 
,3-satz. Klavierquintett u. a. Auch bearbei- 
tete B. mehrere Kompositionen Friedemann 
Bachs. Vgl. Neue Musikztg. Jahrg. 38, S. 
20 ff. (Autobiogr.). 

Beer, Jakob Liebmann, s. Meyerbeer. 

Beer, Joseph, * 18. Mai 1744 zu Griin- 
wald (Bohmen), j 1811 in Potsdam, war 
Feldtrompeter in einem osterreichischen Re- 
giment, lebte 1 77 1 — 82 zu Paris, machte 
dann erfolgreiche Konzertreisen (er war der 
erste reisende Klarinettvirtuose) und 
■war 1787 — 94 in der Ottingenschen Hof- 
kapelle zu Wallerstein angestellt, zuletzt 
Mitglied der Hofkapelle zu Potsdam. B. ver- 
besserte die Klarinette durch Hinzufiigung 
der 5. Klappe, schrieb Klarinettenkonzerte 
usw. 

Beer, Leopold J., * 1. Sept. 1885 zu 
Klemerit, Niederosterreich , lebt seit 1904 in 
Wien, studierte an den Musikschulen Kaiser, 
Gesang bei Amalie Materna, Orgel und Kom- 
position bei F. Mlcoch; 1905 — 16 Organist 
an der Minoritenkirche, Lehrer an verschie- 
denen Privatmusikschulen, seit 1912 Leiter 
aines eigenen Musikinstituts und seit 1919 



Lehrer fiir Gesang am Bundesrealgymna- 
sium Hernals. Er hat bisher 64 opera, na- 
mentlich instruktive Werke und Chormusik 
veroffentlicht. 

Beer, Max Joseph, * 25. Aug. 1851 zu , 
Wien, Schiiler von O. Dessoff, j 25. Nov. 
1908 daselbst als Rechnungsrat in der k. k. 
niederosterreichischen Statthalterei. B. 
schrieb zahlreiche lyrische Klavierstucke zu 
2 und 4 Handen, auch eine Suite fiir Klavier, 
Lieder, Mannerchore, Derwildejdger fiir Soli, 
Chor und Orchester, eine parodistische Ope- 
rette: Das Stelldichein auf der Pfahlbriicke 
(preisgekront) und die Opern: Otto derSchiitz, 
Der Pfeiferkonig und Der Streik der Schmie- 
de (Augsburg 1897). 

XBeethoven, Ludwig van, wurde 17. Dez. 
1770 zu Bonn getauft, ist daher wahrschein- 
lich 16. Dez. geboren und starb 26. Marz 
1827 in Wien. Sein Vater Johann (* Ende 
1739 und I 18. Dez. 1792 in Bonn), war 
Tenorsanger der kurfurstlichen Kapelle, sein 
GroBvater Ludwig (getauft 23. Dez. 1718 
zu Antwerpen, f 24. Dez. 1773 in Bonn), 
17 3 1 Kirchensanger in Lowen, 1733 in Bonn, 
1761 dort Kurfurstl. Kapellmeister; die Fa- 
milie ubte also seit mehreren Generationen 
berufsmaBig Musik aus, doch komponierte 
weder der Vater noch der GroBvater. Das 
sehr friih hervortretende Talent B.s fand 
durch den wenig padagogisch veranlagten 
Vater keine geordnete Pflege; da dieser auch 
ein schlechter Haushalter und nicht in der 
Lage war, guten Unterricht durch andere zu 
bezahlen, so ist die erste Entwicklung von 
B.sTalent wie dieHaydns in derHauptsache 
eine autodidaktische gewesen, und die als 
seine Lehrer genannten Musiker Hoforganist 
van den Eeden (j im hohen Alter 1782), 
Tenorsanger Tobias Friedr. Pf eiffer (nur 
1779 — 80 in Bonn), Violinist Rovantini 
(f 1781) haben auf diesen Ehrentitel kaum 
hoheren Anspruch (Pfeiffer und Rovantini 
wohnten bei B.s Vater) als die Organisten 
Pater Wilibald Koch (Minoritenkloster) und 
Zeese (Miinsterkirche), die um 1780 den 
Knaben mit der Orgel bekannt machten. 
Als (15. Febr. 1781) Chr. Gottl. Neefe (s. 
d.) als Vizehoforganist angestellt wurde, war 
wahrscheinlich der zehnjahrige B. trotz man- 
gelnden methodischen Unterrichts schon 
sehr weit fortgeschritten ; denn schon Mitte 
1782 durfte er Neefe amtlich vertreten. Da 
der Vater ihn bereits am 26. Marz 1778 in 
Koln als Klavierspieler hatte auftreten las- 
sen und 1781 die Mutter einen (miBgliickten) 
Versuch gemacht hatte, ihn in Holland 
(Rotterdam) als Wunderkind zu produzie- 
ren, 1783 aber drei dem Kurfursten gewid- 
mete Klaviersonaten im Druck erschienen, 
und Neefe (2. Marz 1783) in Cramers Maga- 
zin ihn der Welt als einen zweiten Mozart 
vorstellte, so ergibt sich, daB der Knabe in 
hohem Grade durch seine musikalische Be- 
gabung die Aufmerksamkeit auf sich zog, 
aber den Weg zur Meisterschaft selbst finden 
muBte. Neefes Verdienst ist, ihn mit Bachs 
Wohltemperiertem Klavier bekannt gemacht 
zu haben, das damals nur handschriftlich 



Beethoven. 



135 



existierte. Da B. schon 1783 als Akkom- 
pagnist in der Kurfiirstlichen Kapelle an- 
gestellt wurde, so steht auBer Zweifel, daB 
die Praxis seine eigentliche Schule ge- 
wesen ist, daB die Bekanntschaft mit der 
neuesten Literatur ihm vermittelte, was die 
schulmaBige Lehre ihm damals gar nicht 
hatte geb n konnen. Da auch der Schul- 
unterricht 1781 mit Absolvierung des Tiro 
ciniums (Vorschule furs Gymnasium) bereits 
sein Ende erreichte, so hat auch die Allge- 
meinbildung B.s nur auf autodidaktischem 
Wege und durch Anregungen im Ver- 
kehr mit gebildeten Hausern (besonders 
der Familie von Breuning) sich allmahlich 
vervollkommnet. Schon 1787 wurde B. 
(vielleicht auf Fursprache Neefes) nach Wien 
gesandt, um Mozarts Schuler zu werden ; die 
todliche Erkrankung seiner Mutter rief ihn 
aber schon nach wenigen Wochen nach Bonn 
zuruck. Um dieselbe Zeit kam Graf Ferdi- 
nand von Waldstein an den kurfurstlichen 
Hof zu Bonn, ein hochgebildeter Musik- 
freund, der sich B.s annahm und auf seine 
fernere kunstlerische Entwicklung bedeu- 
tenden EinfluB hatte. Jedenfalls ist es in 
erster Linie seinen Empfehlungen zu danken, 
daB B. , als er 1792 zum zweiten Male (mit 
Stipendium des Kurfursten) nach Wien zog 
(um es nicht wieder zu verlassen), eine aus- 
zeichnende Aufnahme seitens der ersten 
Hauser des Wiener Adels fand. Waldstein 
hatte, wie seine Einzeichnung in Beethovens 
Stammbuch beim Abschied beweist, die 
Uberzeugung, daB Beethoven der berufene 
Geisteserbe Mozarts und Haydns sei. Statt 
des im Jahre 1791 gestorbenen Mozart sollte 
nun J. Haydn B.s Lehrer werden, was ge- 
legentlich der beiden kurzen Bonner Auf- 
enthalte Haydns auf der Hin- und Riickfahrt 
seiner ersten Londoner Reise (1790 — 91) 
verabredet worden war. Wie sich in neuerer 
Zeit immer bestimmter herausgestellt hat, ist 
Beethoven mit einer groBen Zahl in Bonn ge- 
schriebenerKompositionen in Wien angekom- 
men, welche in buntem Wechsel mit neuen 
in Wien geschriebenen in den nachsten zehn 
Jahren (zumeist wohl stark iiberarbeitet) in 
Druck gegangen sind. Nicht nur in seinen f rii- 
hesten Jugendwerken, sondern auch noch in 
spateren sind die Einfliisse der Mannheimer 
Musik unverkennbar ; aber die starke Indi- 
vidualitat B.s gewinnt dem neuen Stile 
schnell neue Seiten ab. Aus dem beabsich- 
tigten Studium B.s bei Haydn wurde nicht 
viel; Haydn war zum' Lehrer nicht geschaf- 
fen. Zwar wurde ein Kursus in der Kompo- 
sitionslehre bei ihm absolviert, aber hinter 
Haydns RiickenarbeiteteB. bei Joh.Schenk, 
dem Kbmponisten des Dorfbarbier, und ging 
mit den von Schenk bereits korrigierten Ar- 
beiten zu Haydn. Die gutgemeinte Mystifi- 
kation dauerte bis zum Antritt der zweiten 
Londoner Reise Haydns (Anfang 1794), von 
welcher Zeit ab B. dann 15 Monate lang von 
Albrechtsberger Unterricht im Kontra- 
punkt erhielt; daneben hat aber B. wahr- 
scheinlich schon seit 1792 bis mindestens 
1802 bei Salieri zwanglose Studien in der 



dramatischen Komposition gemacht. Da 
1794 mit der franzosischen Invasion und der 
Aufhebung des Kurfurstentums Koln die 
Unterstutzungen von Bonn aus ihr Ende fan- 
den, war B. auf seine eigene Erhaltung durch 
Unterricht und die Honorare fur seine Kom- 
positionen angewiesen. Bis 1795 hat B., ab- 
gesehen von den wenigen in der Bonner Zeit 
gedruckten Werken (auBer den Klavier- 
sonaten ein paar Kleinigkeiten 1783), mit 
der Veroffentlichung seiner Werke zuruck- 
gehalten und ist als Klavierspieler und Kom- 
ponist nur in den Salons seiner Wiener Pro- 
tektoren aufgetreten. Das Verhalten dieser 
war gegen den jungen Kiinstler ein durch- 
aus exzeptionelles, der mehr oder minder be- 
stimmten Erkenntnis seiner Bedeutung ange- 
messenes. Mindestens zwei Jahre (1794 — 96) 
wohnte B. sogar im Hause des Fiirsten Lich- 
nowsky, und 1809 fand ihn Reichardt als 
Hausgenossen des Grafen Erdody, dessen 
Gattin B. das Trio op. gy und die Cello- 
sonaten op. 102 gewidmet hat. Innige 
Freundschaft verband B. mit dem Grafen 
Franz von Brujiswik, dessen Schwester 
Therese (* 27. Juli 1775, I23. Sept. 1861) 
bereits 1800 B.s Schulerin war und sich 
immer bestimmter als der Gegenstand von 
B.s ernstester Zuneigung (um 181 1 — 12) her- 
ausgestellt hat: doch stand einer ehelichen 
Verbindung der Standesunterschied als un- 
ubersteigliches Hindernis im Wege (vgl. aber 
Lipsius). Die Heiratsplane B.s 1809 — 10, 
von denen eine Reihe Briefe Zeugnis able- 
gen, galten dagegen nicht Therese Brunswik, 
sondern Therese Malfatti, die seinen An- 
trag abwies. Von sonstigen B. schon um 
1800 und dauernd naherstehenden Person- 
lichkeiten sind hervorzuheben : Graf Moritz 
Lichnowsky (der Bruder des Fursten), der 
Hofsekretar Nikolaus von Zmeskall, der 
als Cellist in Lichnowskys Kammermusik- 
soireen mitwirkte, und der Violinist Ignaz 
Schuppanzigh (s. d.). Von EinfluB auf 
B.s Entwicklung wurde auch Em. Aloys 
Forster (s. d.), dessen Werke bei Lichnow- 
sky gespielt wurden. Speziell der Quartett- 
Komponist B. wurzelt in diesen Beziehun- 
gen. Seit 1801 war Stephan von Breuning 
im Wiener Hofkriegsrat angestellt, 1801 — 05 
war Ferdinand Ries (s. d.) in Wien B.s 
Schuler; mit diesem Verhaltnis belebten sich 
die Beziehungen zur rheinischen Heimat neu. 
Ein Freund fiirs Leben wurde B. auch Ignaz 
von Gleichenstein (seit 1804). Von dau- 
ernder Bedeutung wurden ferner die Be- 
ziehungen zu Erzherzog Rudolph, der 
mindestens 1805 — 12 Beethovens Kompo- 
sitionsschuler war. 1795 siedelten Beetho- 
vens Bruder nach Wien uber; K a spar 
Karl fand Anstellung als Kassenbeamter, 
Johann als Apothekerlehrling (1808 Apo- 
theker in Linz, 1819 Gutsbesitzer in Gnei- 
xendorf bei Krems). Das Verhaltnis B.s zu 
den Brudern war ein herzliches und erfuhr 
erst erhebliche Storungen mit deren Ehen, 
die B.s Billigung nicht fanden (vgl. Thayer, 
Ein kriiischer Beitrag zur Beethoven-Litera- 
tur 1871 ). Seit B. Bonn verlassen, hat er nie- 



136 



Beethoven. 



mals wieder eine Stellung angenommen und 
nur der Komposition gelebt. Seine Werke 
wurden gut bezahlt, auch bezog er vom 
Fiirsten Lichnowsky seit 1800 jahrlich ein 
Gehalt von 600 FL, und als 1808 Jerome 
Bonaparte ihn als Nachfolger Reichardts 
nach Kassel zu ziehen versuchte, vereinigten 
sich Erzherzog Rudolf, Furst Lobkowitz und 
Furst Kinsky und garantierten B. zusammen 
jahrlich 4000 FL, um ihn dauernd an Wien 
zu fesseln. Zwar schmolz dieses Gehalt durch 
die Valuta-Regulierung des osterreichischen 
Staates im Jahre 181 1 stark zusammen, doch 
blieb ihm dauernd eine namhafte Pension. 
Trotz dieser vielfachen Beziehungen zu Erz- 
herzogen und Fiirsten war B. kein Liebe- 
diener und Hofmann, blieb vielmehr sein 
Leben lang Demokrat und Republikaner. 
Die Sinfonia eroica wollte er urspriinglich 
Napoleon widmen, weil erin ihmeinen echten 
Freiheitshelden sah; als Napoleon aber die 
Kaiserwiirde annahm, zerriB er die Dedika- 
tion. Eine Zeit kleinlicher Qualereien und 
Schikanen begann fiir B. nach dem Tode 
seines Bruders Karl (1815), fiir dessen Sohn 
Karl er die Vormundschaft ubernahm, was 
ihn in andauernde Streitigkeiten mit dessen 
Mutter verwickelte. Der Neffe hat ihm viel 
Kummer bereitet; betreffs dieser wie aller 
andern Details aus Beethovens Leben sei auf 
die ausfuhrliche Thayersche Biographie ver- 
wiesen (s. unten). Von tief eingreifender und 
entscheidender Bedeutung fiir die fernere 
Gestaltung von B.s Leben wurde ein sehr 
friih (1800) beginnendes, sich mehr und mehr 
verschlimmerndes Gehorleiden, das sich be- 
reits 1808 zu einer starken Schwerhorigkeit 
entwickelt hatte und gegen 1819 mit volliger 
Taubheit endete. B. schamte sich anfangs 
seines Leidens und suchte es zu verbergen; 
mehr und mehr zog er sich aus der Offent- 
lichkeit zuruck, gab 1808 auch das Spielen 
in Konzerten auf und wurde ein verein- 
samter Sonderling, der nur im engen Kreise 
vertrauter Freunde aus sich herausging. Seit 
1819 war Verstandigung mit ihm nur noch 
schriftlich moglich, und fur die letzten 
Lebensjahre spielen daher die in groCer Zahl 
erhaltenen Konversationsbiicher eine 
wichtige Rolle als Quelle fiir seine Biographie 
(Herausgabe begonnen von W. Nohl, 
Miinchen 1924 f.). Als tagliche Genossen B.s 
und seine speziellen Vertrauensmanner sind 
noch erganzend zu nennen fiir die Zeit von 
1809 — 19 Franz Oliva und fiir die letzte 
Lebenszeit Anton Schindler (s. d.) und 
Karl Holz (s.d.).B.sbisauf einzelnestarkere 
Storungen robuste Gesundheit fing um 1825 
an zu wanken. Ein chronisches Leberleiden 
nahm allmahlich bedrohlichere Formen an, 
und eine heftige Erkaltung im Anfang De- 
zember 1826 auf der Ruckfahrt von Gneixen- 
dorf, wo er mehrere Monate bei seinem 
Bruder Johann verlebte, warf ihn mit einer 
gefahrlichen Lungenentziindung und nach- 
folgender Wassersucht aufs Krankenlager, 
und trotz vier Operationen des Unterleibs 
nahmen seine Krafte mehr und mehrab: am 



(vgl. VV. Sc 
In 



26. Marz 1827, abends 5%Uhr, verschied er 



:hw.eisheimer, B.s Leiden 1921) 
Beet! ovens Instrumentalwerken gip- 
felt die um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
entstandem: neue Stilrichtung, deren auf- 
fallige chcxakteristische Eigenschaft ein 
schneller Wechsel und eine bnnte Mischung 
der Elemente des Empfindungsausdrucks ist. 
Wahrend die Epoche der Altklassiker (Co- 
relli, Abaco, Handel, Bach) durchaus fur 
ganze Sati;e dieselbe Stimmung und Ge- 
barung festha.lt, tritt als frappante Neuerung 
jetzt die G;geniiberstellung zweier im Cha- 
rakter kor trastierender Themen hervor, 
zugleich aber auch von Anfang an (schon bei 
Johann Stamitz) die Kontrastierung im 
engsten Abstande, innerhalb der ein- 
zelnen The nen selbst, was eine vorher uner- 
horte Hauiung von Vortragsbezeichnungen. 
besonders Ijeziiglich der Dynamik, bedingte. 
GewiB mit Recht hat man diese veranderte 
Faktur als eine in hoherem MaBe subjek- 
tive bezeichnet, sofern der schaffende 
Kiinstler d unit anstatt der Festhaltung und 
breiten Aiismalung eines einzelnen Stim- 
mungsmorr ents das leidenschaftlich pulsie- 
rende se«lische Empfinden in seinem 
wechselnden FluB frei sich aussprechen 
laBt. DaS diese Stilveranderung den tech- 
nischen Apparat gewaltig komplizieren muB, 
wenn trotz des Wechsels doch die un- 
erlaBlichel'orderung alles kiinstlerischen Ge- 
staltens,. die Einheitlichkeit des Ganzen und 
der iiberzeugende Schein logischer Not- 
wendigkeit erreicht werden sollen, liegt auf 
der Hand. Je nach der Eigenart des solcher- 
gestalt sein Seelenleben enthullenden Genius 
werden di;se kiinstlerischen Emanationen 
sich gegen« inander sehr stark differenzieren, 
und es stehen darum in dem heitern, launi- 
gen Haydn, dem innigen, weichen Mozart 
und dem tiefer greifenden Beethoven 
gleich drei scharf umrissene Individualitaten 
als erste irlauptreprasentanten des neuen 
Stils vor uns; die wachsende Bewaltigung 
der Probleme der neuen Technik ist von dem 
jungen Hc.ydn aus iiber Mozart und den 
reifen Hay in zu B. bestimmt zu verfolgen, 
schreitet aber bei B.. selbst noch von seinen 
auf derHoheder Kunst Mozarts und Haydns 
stehenden !?ruhwerken sehr erheblich fort zu 
den Wunderschopfungen des gereiften Mei- 



sters (seit 
Sinfonien 



der Eroica 1804). AuBer an den 
Ouvertiiren und Klaviersonaten 



ist diese iortschreitende Entwicklung der 
Technik bssonders an den Violinsonaten, 
den Trios und den Streichquartetten B.s 
zu ersehen. Doch ist die altubliche (Lenzsche) 
Unterscheiiung von drei Stilperioden be- 
denklich und sollhier nicht aufrechterhalten 
werden, da selbst die kiihnsten Wagnisse 
und auBersten Verfeinerungen der rhyth- 
mischen Struktur vereinzelt schon sehr fruh 
auftreten. Was B. von Haydn und Mozart 
besonders unterscheidet, ist die groBere Frei- 
heit des Menschen, der die Revolution 
hinter sich hat, und die starkere innere Span- 
nung seiner Werke. In ihm war die wildeste 
Urkraft, die gefahrlichste Fulle an Unge- 



Beethoven. 



137 



bandigtem , TriebmaBigem , Chaotischem 
lebendig: dieMacht, mit der er dieserdrang- 
enden und sprengenden Krafte Herr ge- 
worden ist, mit der er dies Chaotische ge- 
staltet, wie er die Formen, in denen er sich 
geschichtlich notwendig aussprechen muBte, 
erfullt, die gewaltigsten Entwiirfe rhapso- 
discher Zufalligkeit entzogen und in die 
strengste logischste Fassung gezwungen hat, 
begrundet seine einsame Stellung als Kunst- 
ler. Seine Werke verkiinden im rein Musi- 
kalischen ein Geistiges und Sittliches, sind 
ein Urquell seelischen Geschehens, in dem die 
letzten Konflikte der Menschenbrust sich 
darstellen und auf dem neuen Boden der per- 
sonlichen Freiheit die letzten Probleme alles 
Menschlichen und Gottlichen zur Losung ge- 
langen. Wichtig ist, daB eine erhebliche An- 
zahl Werke Beethovens jahrelang in seiner 
Phantasie gelebt haben, ehe er sie endgultig 
niederschrieb; mit diesem langsamen Aus- 
reif enlassen sagt er sich von der altern Kom- 
positionspraxis und damit von der Massen- 
produktion der Werke los. (Eine unschatz- 
bare Quelle zur Erkenntnis der Entstehung 
seiner Werke bilden seine Skizzenbucher; 
vgl. vor allem Nottebohm, Zwei Skizzen- 
bucher von B. aus den Jahren 1801 — 1803, 
1865 und 1880, Neuausg. von P. Mies 1924; 
und Paul Mies, Die Bedeutung der Shizzen 
B.s zur Erkenntnis seines Stiles, 1925). Darum 
ist auch die Gesamtzahl seiner Werke, ver- 
glichen mit der Produktivitat auch noch 
Mozarts und Haydns, verha.ltnisma.Big klein. 
Er schrieb: 2 Messen (C dur, op. 86 [1807] 
und die Missa solemnis in D dur, op. 123 
[1824]), eine Oper (Fidelio, op. 72 [1805, 
1806 und 1814 mit starken Veranderungen 
aufgefuhrt] ; die ursprungliche Fassung hrsg. 
von Erich Prieger; den von Beethoven ge- 
wunschten Titel Leonore tragt nur das 
Textbuch von 1806; die 3 Leonoren- 
ouverturen sind fur 1805 [I — zuruckgelegt — 
und II] und 1806 [III] geschrieben, die 
Fidelio-Ouvertilre fur 1814), ein Oratorium 
(Christus am Olberg 1803), 9 Sinfonien 
(Nr. 1 C dur, op. 21, 1800; Nr. 2 D dur, 
op. 36, 1802; Nr. 3 Es dur [Eroica], op. 55, 
1804; Nr. 4 B dur, op. 60, r8o6; Nr. 5 
C moll, op. 67, 1808; Nr. 6 F dur [Pastorale], 
op. 68, 1808; Nr. 7 A dur, op.g2, 1812; 
Nr. 8 F dur, op. g3, 1812; Nr. 9 D moll, 
op. 125, 1823 [mit Chor: Schillers Hymne 
an die FreudeJ), Die Schlacht von Vittoria 
op. gi (1813, Orchesterphantasie), dazu eine 
von Fritz Stein 1910 in Jena aufgefundene 
Jugendsinfonie C dur, die jedoch schwerlich 
wirklich von B. stammt; Ballett Prometheus 
(1801), Musik zu Goethes Egmont (1810) und 
zu Kotzebues Festspielen Die Ruinen von 
A then und Konig Stephan (zur Einweihung 
des Pester Theaters 1812, die erstere umge- 
arbeitet mit neuer Ouvertiire [„zur Weihe des 
Hauses", op. 124] 1822), Ouvertiire zu Korio- 
lan op. 62, Ouvertiire Namensfeier (op. 115, 
C dur), Violinkonzert (D dur, op. 61 [1806]), 
5 Klavierkonzerte (C dur, op. 15 [1795]; B 
dur, op.ig [1795]; C moll, op.37 [1&06]; G dur 
op. 58 [1805]; Es dur, op. 73 [1809], dazu 



ein Arrangement des Violinkonzerts), Tripel- 
Konzert fur Klavier, Violine, Violoncello 
und Orchester (op. 56 [1804]^, Phantasie 
fur Pianoforte, Orchester und Chor op. 80 
(ca. 1800), Rondo B dur fur Klavier und Or- 
chester (nachgelassen), 2 Romanzen fur 
Violine und Orchester, op. 40, G dur . und 
op. 50, F dur (beide 1802), Allegretto fur 
Orchester, 2 Marsche, 12 Menuette, 12 deut- 
sche Tanze und 12 Kontertanze fur Orche- 
ster (dazu die 1906 von H. Riemann auf- 
gefundenen und erstmalig herausgegebenen 
11 Modlinger Walzer, Menuette und Landler 
v. J. 1819); die bereits seine hohe Begabung 
zeigenden, aber nicht zur Auffuhrung ge- 
kommenen, lange verschollen gewesenen 
beiden Kaiser-Kantaten (auf den Tod Kaiser 
Josephs II. 1790 und auf die Erhebung 
Leopolds II. zur Kaiserwiirde 1792), Der 
glorreiche Augenblick (Kantate fur den 
FiirstenkongreB 1814); Meeresstille und 
gliickliche Fahrt (gemischter Chor und Or- 
chester), Ah perfido (Szene fur Sopransolo 
mit Orchester), Tremate empj (Sopran, 
Tenor und BaB mit Orchester), Opferlied, 
Bundeslied (2 Solostimmen, 3st. Chor, 2 
Klarinetten, 2 Horner und 2 Fagotte), 
Elegischer Gesang (4 Singstimmen mit 
Streichorchester), 66 Lieder und ein Duett 
mit Pianoforte, 18 (Scherz-) Kanons fur 
Singstimmen, Gesang der Monche (drei- 
stimmig a cappella), 7Hefte englischer, schot- 
tischer, irischer und walisischer Liede - mit 
Klavier, Violine und Cello; 32 Klavier- 
sonaten, op. 2: F moll, A dur, C dur; 
op. 7: Es dur; op. 10: C moll, F dur, D dur; 
op. 13 : C moll (PatMtique) ; op. 14 : E dur, 
G dur; op. 22: B dur; op. 26: As dur; op. 27: 
Es dur, Cis moll; op. 28: D dur (Pastorale); 
op. 31: G dur, D moll, Es dur; op. 4g: G moll, 
G dur (Nebenwerke) ; op. 53: C dur (Wald- 
stein-Sonate); op. 54: F dur; op. 57: F moll 
(AppassionalaJ; op. 78: Fisdur; op.7g: 
G dur (kleineres Werk); op. 81 a: Es dur 
(Les Adieux); op. go: E moll; op.101: 
A dur; op. 106: B dur (Hammerklavier- 
Sonate); op.iog: E dur; op. no: Asdur; 
op. in: C moll; dazu 3 Jugendsonaten Es, 
f, D (1783), ein Bruchstuck in C (1796 
an El. v. Breuning gesandt), sowie 2 Sona- 
tinen in F und G (vor 1792); 10 Violin- 
sonaten (op. 12: D dur, A dur, Es dur; 
op. 23: A moll; op. 24: F dur; op. 30: A dur, 
C moll, G dur; op. 47: A dur [Kreutzer- 
Sonate]; op. g6: G dur), ein Rondo und 
ein Variationenwerk fur Violine und Kla- 
vier, 5 Cellosonaten {op. 5: F dur, G 
moll, op. 6g: A dur, op. 102: C dur, D dur), 
3 Hefte Variationen fur Cello und Kla- 
vier, 7 Hefte Va-iationen fur Flote und 
Klavier, 21 Variationenwerke fur Klavier al- 
lein, eine Sonate, 2 Variationenwerke und 
3 Marsche fur Klavier vierhandig ; 4 Rondos, 
3 Hefte Bagatellen, 3 Praludien, 7 Menuette, 
13 Landler, je ein Andante (F dur), Phan- 
tasie op. 77, Polonaise fur Klavier . allein ; 
eine Sonate fur Horn und Klavier op. 17 
(1800, Umarbeitung eines Jugendwerks ?), 
6 T r i o s f fir Klavier, Violine und Cello (op. 1 : 



138 



Beethoven. 



Es dur, G dur, C moll, 1795, wahrscheinlich 
zum Teil Umarbeitungen von Jugend- 
werken; op. 70: D dur, Esdur, 1808; op. 97: 
B dur), dazu ein Trio in Es aus der Zeit vor 
1792, ein einsatziges Stuck in B (1812); 
Skizzen zu einem Trio in F moll (1816) und 

2 Variationenwerke fiir Trio, ein Trio op. 11 
fur Klavier, Klarinette und Cello (1797), Be- 
arbeitungen der 2. Sinfonie fur Trio (Violine, 
Cello, Klavier) und des Septetts fiir Trio 
(Klavier, Klarinette und Cello), 4 Klavier- 
quartette (3 nachgelassene Jugendwerke vom 
Jahre 1785 und die Bearbeitung des Klavier- 
quintetts), ein Quintett fiir Klavier und 
Blasinstrumente op. 16, ein wohl schon 
1792 geschriebenes Blaser-Oktett (als op. 
103 aus dem NachlaB gedruckt) und ein 
wohl noch friiheres Rondino fur 8 Blaser und 
ein Sextett fiir Blasinstrumente (op. 71, 
1804), Septett op. 20 (1800) und Sextett fiir 
Streichquartett und 2 Horner op. 86 (1810), 
1 Streichquintett op. 20, C dur (1801) und 
die Bearbeitungen des Septetts als Klavier- 
quintett op. 4 und des C wo«-Klavier-Trios 
(als op. 104 gedruckt), 16 Streichquar- 
tette (op. 18 1—6, 1800; op. 59 1—3, 1806; 
op. 74, 1809; op. 95, 1810 und die 5 groflen 
,,letzten" 1824—26 geschriebenen : op. 127, 
130, 131, 132, 135), je eine Fuge fiir Streich- 
quartett Bdur (pp. 133, 1825, urspriinglich 
zu op. 130 gehorig) und Streichquintett 
(D dur, op. 137, 1817), 4 Streichtrios (op. 3, 
Es dur, schon 1792 in Bonn komponiert, 
op. 9 G dur, D dur, C moll, 1798), Trio- 
Serenade op. 8 (auch als Notturno op. 42), 
Serenade fiir Flote, Violine und Viola 
(op. 25, 1802, bearbeitet fiir Klavier und 
Flote als op. 41), Trio op. 87 (auch als op. 29) 
fur 2 Oboen und englisch Horn (1794 ?, ge- 
druckt 1806), Variationen uber La ci darem 
la mano fiir 2 Oboen und engl. Horn, ein 
Trio G dur fiir Klavier, Flote und Fagott 
(komponiert ca. 1786), 3 Duos fiir Klari- 
nette und Fagott, ein Duo fiir Viola und 
Violoncell ,,mit 2 obligaten Augenglasern", 

3 Equale fiir 4 (6) Posaunen (1812; Nr. I 
und 3 von Seyfried fur Mannerquartett 
arrangiert bei B.s Begrabnis gesungen). 
Eine kritische Gesamtausgabe der Werke 
(von Rietz, Nottebohm, Reinecke, David, 
Hauptmann usw.) erschien bei Breitkopf 
& Hartel 1864 — 67 in 24 Serien, ein starker 
Supplementband 1888 (durch neuere Funde 
fortlaufend erganzt). Daneben sei die Ur- 
textausgabe der Klaviersonaten von H. 
Schenker erwahnt (Un.-Ed.), von kommen- 
tierten Ausgaben die der Klaviersonaten von 
Biilow (Cotta), Riemann (Simrock), Schnabel 
(Tonmeisterausg.), Lamond (Br. & H.), M. 
Pauer (Peters); die der Violinsonaten von 
Joachim (Peters), Rose (Un.-Ed.), der Quar- 
tette von Joachim (Peters). Vgl. G. Notte- 
bohm, Them. Verzeichnis der im Druck er- 
schienenen Werke von B. (1864; 2. Auflage 
1868; anastat. Neudruck mit Bibliographie 
von E. Kastner, 191 3). Den reichsten Schatz 
an Autographen Beethovenscher Werke 
besitzt die PreuB. Staatsbibliothek (vgl. 
die Artikel Prieger und Schindler). Zur 



Bibliograpl ie vgl.Emerich Kastner, Biblio- 
theca Beethoveniana, 2. Ausgabe besorgt von 
Th. Frimnel (Leipzig 1925). Biogra- 
phien: J. A. Schlosser, L. v. B. (1828); F. 
G. Wegel( rund Ferd. Ries, Biographische 
Notizen ubtr Ludwig van B. (1838, Nachtrag 
1845; Neuausgabe von Kalischer 1906, 
franzosisch 

Schindler, Biographie von Ludwig van B. 
(1840, 3. Auflage i860, Neuausgabe von 
Kalischer 1908 und von Fritz Volbach 
1927); W. v. Lenz, B. et ses trois styles 
(1854, 2 Eande) und B., eine Kunststudie 
(1855 — 60, 5 Bande; 2. Auflage des 1. Bandes 
[Biographi;] unter Separattitel 1869, Neu- 
ausgabe von Kalischer 1908); L. Nohl, 
Beethovens Leben (1864 — 1877, 3 Bande, 
Neuausgabe von P. Sakolowski 1909 f.) und 
B. nach den Schilderungen seiner Zeit- 
genossen (^877); Ulibischew, B., ses cri- 
tiques et si's glossateurs (1857; deutsch von 
Bischoff. 1859); A.B.Marx, Ludwig van 
Beethovens Leben und Schaffen (1859, 5. Auf- 
lage 1901, 2 Bande); Victor Wilder, 
B. sa vie et ses ceuvres (1883); J.v. Wasie- 
lewski, L. v. B. (1888, 2 Bande); Th. v. 
Frimmel, Beethoven (1901, in Reimanns 
Beruhmte Musiker); die grfindlichste Bio- 
graphie lieferte A. W. Thayer, Ludwig van 
Beethovens. Leben (deutsch von H. Deiters, 
5 Bande, L 1866 [neubearbeitet 1901], II. 
1872 [1910], III. 1879 [1911], IV. 1907, 
V. 1908 [IV — V herausgegeben von H. 
Riemann, der auch die 2. Auflage von 
II und HE und die 3. Auflage von I 1919 
revidierte' ; eine englische Ausgabe von H. 
E. Krehbiel erschien 1921 in 3 Banden). 
Schon 1865 hatte Thayer ein chronologisches 
Verzeichn s der Werke B.s herausgegeben. 
Wichtige Beitrage bringen auch R. van 
Aerde, Lis Ancetres flamands de B. (1928); 
L. Schiec ermair, Der junge Beethoven 
( I 9 2 5); J- G. Prod'homme, La jeunesse de 
5.(1920); Gerhard v. Breuning (|6. Mai 
1892, 79 jahrig) Aus dem Schwarzspanier- 
haus (1874, Neuausgabe von Kalischer, 
1907) und Faust Pachler, B. und Marie 
Pachler-Koschak (1866); H. Volkmann, 
Neues uber Beethoven (1904); La Mara, 
Beethoven* unsterbliche Geliebte (Leipzig 
1909; vgl. auch die Schriften von Kalischer, 
Thomas-San Galli und M. Unger zu dieser 
Frage) . B r i e f e Beethovens verof f entlichten 
Nohl, Briefe Beethovens (1865, 411 Briefe 
enthaltena) und Neue Briefe Beethovens 
(1867, 322 Briefe); Kochel, 83 neu auf- 
gefundene Originalbriefe Beethovens an den 
Erzherzog Rudolf (1865); Schone, Briefe 
von B. an Grdfin Erdody und Magisier 
Brauchle (1867); Alfr. Kalischer, Neue 
Beethoven-Briefe (1903); M. Unger, L. v. B. 
und seini Verleger Steiner — Haslinger — 
Schlesingcr (1921); O. G. Sonneck, B. Let- 
ters in America (1927); Gesamtausgaben der 
Briefe Beethovens unternahmen Alfr. Ka- 
lischer '5 Bande 1906 — 08, 2. Auflage von 
Th. von Frimmel), Fritz Prelinger (5 
Bande 1007) und Emerich Kastner (1901). 
Auswahlen brachten A. Leitzmann, Curt 



Beffara — Begleitstimmen. 



139 



Sachs, Max Unger, H. Leichtentritt u. a. 
Eine Grundlage fur die richtige Entzifferung 
von B.s schwer lesbarer Handschrift bietet 
Max Unger, B.s Handschrift (Veroff. des 
Beethovenhauses in Bonn, IV, 1926). Von 
den sonstigen zahlreichen groBeren und 
kleineren Werken iiber B. sind noch zu 
nennen: Ignaz von Seyfried, Ludwig van 
Beethovens Studien im GeneralbafS, Konlra- 
punkt und in der Kompositionslehre (1832, 
mit willkurlichen Anderungen und Zu- 
satzen, franzosisch von Fetis 1833); G. 
Nottebohm, Beethoveniana (1872, 2. Band 
1887, herausgegeben von Mandyczewski ; 
anastat. Neudruck 1925); Th. vonFrim- 
mel, Neue Beethoveniana (1890), Beethoven- 
studien (1906, 2 Bande), B.-Handbuch, 
2 Bande (1926) und einige kleinere Schriften; 
Alfred Kalischers (s. d.) zahlreiche Spe- 
zialarbeiten ; R. Rolland, B. (1903, 4. Auf- 
lage 1910, deutsch Zurich 1918); Paul 
Bekker, B. (Berlin 1911, Prachtausgabe 
mit 160 S. Bildern; i9i2ff. Textausgabe) ; 
Fritz Cassirer, B. und die Gestalt (1925); 
Aug. Halm, B. (1927); Fr. Kerst, Die Er- 
innerungen an B. (2 Bde. 1913); Alb. Leitz- 
mann, B.s Aufzeichnungen (1918); derselbe, 
L. van B. — Berichte der Zeitgenossen. Briefe 
und personliche Aufzeichnungen (1921); A. 
Hensel, B., Versuch einer musik-philosophi- 
schen Darstellung (1918); Ed. Spranger, B. 
und die Musik als W eltanschauungsausdruck 
(1909); Walther Krug, B.s Vollendung. Eine 
Streitschrift (1924); Arnold Schmitz, B.s 
zwei Prinzipe (1923) und Das romantische 
Beethovenbild (1927); V. d'Indy, B. (Bio- 
graphie critique 191 1 in Musiciens cilibres, 
englisch 1913^; J. Chantavoine, B. (1906) ; 
T. Norlind, B. (1907); E. von Elterlein, 
Beethovens Klaviersonaten (1856, 5. Auflage 
1895) und Beethovens Sinfonien (1854, 2. Auf- 
lage 1858); W. Nagel, Beethoven und seine 
Klaviersonaten (2 Bande 1903, 1923/24]) ; H. 
Riemann, Beethovens Klaviersonaten (Ana- 
lyse, 3 Bande 1917 — 19); H. Wetzel, B.s 
V iolinsonaten (I, 1924); W. Behrend, B.s 
Klaviersonaten (danisch, 1923 [1924]); M. 
Kuff era.th, Fidelio deL.vanB. (Paris 1912); 
G. Grove, B. and his 9 Symphonies (1896, 
deutsch von Hehemann 1906); Theod. 
Helm, Beethovens Streichquartette (1885); K. 
Bargheer, B.s letzte Quartette (1883); H. 
Riemann, Analyse sdmtlicher Streichquar- 
tette (in Schlesingers Meisterfuhrer); K. R. 
Hennig, B.s Neunte Sinfonie (1888); Herm. 
Krone, L. v. B. und seine Sinfonien (1900; 
2. Auflage 1902); O. Neitzel, B.s Sinfonien 
mldutert (1898); H. Schenker, Beethovens 
9. Sinfonie (1912), V. Sinfonie (1925) und 
Die 5 letzten Sonaten; K. Reinecke, Die 
B .schen Klaviersonaten (1897); W. Weber, 
B.s Missa solemnis (1898). Ein Beethoven- 
Jahrbuch gab Th. v. Frimmel 1908 und 
1909 heraus; eine Art Fortsetzung bilden 
•die losen Blatter Frimmels zur Beethoven- 
jorschung (seit 191 1 zehn Hefte). Ein 
Neues B.-Jahrbuch gibt seit 1925 Ad. Sand- 
berger heraus. Die Faksimilierung eines 
Skizzenbuches zur 9. Sinfonie erschien 191 3 



in Leipzig; vollstandige Faksimiledrucke 
liegen vor von der IX. Sinfonie, den Klavier- 
sonaten op. 26 (Prieger), 27, 27 (Schenker), 
op. j8 und op. in. Seit 1920 hat auch 
das Beethovenhaus in Bonn mit der Ver- 
offentlichung seiner Schatze begonnen. 

Beffara, Louis Franfois, * 23. Aug. 
175 1 zu Nonancourt (Eure), f 2. Febr. 1838 
in Paris, wo er 1792 — 1816 Polizeikommissax 
war; schrieb: Dictionnaire de I'Academie 
royale de musique (7 Bande) nebst 7 weitern 
Banden mit Verordnungen und Verfugungen, 
die sich auf die Akademie (Grofie Oper) 
beziehen; ferner Dictionnaire alphabitique 
des acteurs usw. (3 Bande): Tableau chrono- 
logique des representations usw. (von 167 1 
an): Dictionnaire alphabitique des tragedies 
lyriques etc. non representees d PAcadimie 
usw. (5 Bande), und endlich eine groBe 
Dramaturgie lyrique etranglre (17 Bande). 
Seine der Stadt Paris vermachte reiche 
Bibliothek nebst seinen Manuskripten ver- 
brannte 1871 bei der Zerstorung des Rat- 
hauses durch die Communards. 

Beffroy de Reigny (spr. baffrua do ranji), 
Louis Abel, * 6. Nov. 1757 in Laon, \ 18. 
Dez. 1811 zu Paris (pseudonym: Cousin 
Jacques), war ein Sonderling, der indes 
mit den abstrusen Buhnenwerken, die er 
dichtete und komponierte, wenig Gliick 
hatte. Nur seine beiden Nicodime (Nico- 
dime dans la lune [La revolution pacifique~\ 
1790 und Nicodime aux enfers \Le Frangais 
sur le planete Jupiter] 1791) hatten Sensa- 
tionserfolge und mufiten sogar verboten 
werden, da sie die Demokraten erregten. 
Eine Sammlung seiner Gesange erschien 
unter dem Titel Les soiries chantantes ou Le 
Chansonnier bourgeois (3 Teile, 1803). Vgl. 
Max Dietz, Geschichte des musikalischen 
Dramas in Frankreich wdhrend der Revo- 
lution usw. (1885). 

Begabung, musikalische. Vgl. Seachore, 
The Psychology of Musical Talent (Boston 
1919); die Studien von G. Revesz, Breh- 
mer (s. d.) u. a. 

Beggar's Opera s. Ballad-Opera. 

Begleitstimmen heifien in der modernen 
Musik diejenigen Stimmen, welche nicht 
selbst als melodiefuhrend hervortreten, son- 
dern einer Melodiestimme (Hauptstimme) 
untergeordnet sind und deren harmonischen 
Gehalt erschlieBen. B. sind daher schon 
die nach bestimmten Regeln sich dem 
Gange der Melodie (des Cantus firmus) an- 
schlieBenden Zusatzstimmen des Organum 
und Fauxbourdon (s. d.) und ebenso die 
aller schlichten Tonsatze Note gegen Note 
von den alten Kondukten, Hymnen, Tanz- 
liedern, Villancicos, Frottolen, Villanellen 
usw. bis auf die schlichten gemischten und 
Mannerquartette der Gegenwart und ihnen 
gleichgearteten Instrumentalwerke. Dagegen 
kennt der durchimitierende a cappella-Stil 
(seit dem 15. — 16. Jahrhundert) keine eigent- 
lichen B. ; in ihm ist jede Stimme Melodie 
(konzertierend), und gerade die am wenig- 
sten, welche das, was wir heute das Thema 



140 



Behaim — Behr. 



nennen, vortragt (den in langen Noten ge- 
haltenen Cantus firmus). Jm engeren Sinne 
versteht man unter B. heute sich nicht so 
streng dem Gange der Melodie anschlieBende 
(Note gegen Note gesetzte) Stimmen, son- 
dern vielmehr Stimmen, welche in ein- 
fachster Weise zusammenwirkend, aber von 
der Rhythmik der Melodie emanzipiert, 
dieser eine abstechende harmonische Unter- 
lage, eine mehr unterschiedene Begleitung 
geben, sei es in langeren Noten, sei es mit 
Durchfuhrung bestimmter Rhythmen. Ein- 
fachere Formen der Instrumentalhegleitung 
von Gesangen sind aber sehr alt. Die Ge- 
sange der Troubadours wurden von den 
Menestrels auf der Rotta, Viola oder Vielle 
begleitet, die keltischen Barden sangen zur 
Chrotta, die Griechen zur Kithara, Lyra 
oder zum Aulos, die Hebraer zum Psalter; 
doch steht fest, daB im Altertum die Instru- 
mentalbegleitung nur die Tone der Sing- 
stimme im Einklang oder der Oktave mit- 
spielte und hochstens hie und da verzierte, 
wahrend seit dem Mittelalter sich allmahlich 
die akkordische Begleitung herausgebildet 
hat. In der Ars nova des 14. Jahrhunderts 
hat die Instrumentalhegleitung weltlicher 
und geistlicher Gesange sich zu kunstreichen 
Formen entwickelt und weist verzierte 
Vor-, Zwischen- und Nachspiele auf, denen 
gegeniiber sogar die Behandlung der Sing- 
stimmen einfacher erscheint, so in den Flo- 
rentiner Madrigalen, Cacce, Balladen und 
Kanzonen und in den um 1400 folgenden 
franzosischen Rondeaux. Erst durch Uber- 
tragung dieser instrumentalen Technik auf 
den mehrstimmigen Gesang und die Er- 
setzung der streng kanonischen Imitation 
durch die freie fugenartige entstand gegen 
1460 der durchimitierende a cappella-Stil, 
zuerst in der Kirchenmusik (Motette, Messe), 
aber bald auch in der weltlichen (a cappella- 
Madrigal, Ricercar). Einfachere Formen der 
Begleitung erhielten sich aber in den Arran- 
gements von Vokalsatzen fur eine Sing- 
stimme mit Laute oder Klavier. Statt der 
im 14. — 16. Jahrhundert allbeliebten Laute 
riickten mehr und mehr das Clavicembalo 
und fur den Vortrag in der Kirche die Orgel 
als Begleitinstrumente ein, fur welche beiden 
aber von 1600 ab die Begleitung nicht mehr 
ausgearbeitet, sondern nur in jener abge- 
kiirzten Weise skizziert wurde, die unter 
dem Namen des Generalbasses oder Con- 
tinuo bekannt ist: die spezielle Ausfiihrung 
der Begleitung blieb der Routine der Ak- 
kompagnisten iiberlassen. In dieser Lite- 
ratur ist daher die (bezifferte) Bafistimme 
eigentlich die alleinige Begleitstimme. Fiigte 
der Komponist eine oder mehrere ausge- 
arbeitete weitere Stimmen hinzu, so erhoben 
sie sich von dem Range einfacher Begleit- 
stimmen vielmehr zu dem von obligaten, 
konzertierenden Stimmen (z. B. in Arien 
mit Continuo und einer obligaten Violine, 
Oboe oder dgl.). Auf einfachste Formen 
der Begleitung drangte mehr und mehr der 
Opernstil der Italiener seit 1700; doch sind 
wohl fur den Liedvortrag einfachste Begleit- 



weisen niemals ganz auBer Gebrauch ge- 
kommen. Um dieMitte des 18. Jahrhunderts 
aber verdrangte auch auf dem Gebiete der 
Instrument dmusik eine akkordisch der Me- 
lodiestimmi : nur untergeordnete B. gesellende 
Setzweise den polyphonen Stil fast ganz, 
und erst die neueste Zeit (seit Beethoven) 
strebt wiedsr eine Durchdringung auch der 
B. mit kontrapunktischem Leben an (obli- 
gate Begleitung). 

Behaim {Beheim), Michel, Meistersinger, 
* 1416 zu -julzbach bei Weinsberg, f 1474 
als Schulth?iB zu Sulzbach (ermordet) nach 
einem bewegten Leben als Soldat und 
Sanger in Diensten deutscher, danischer 
und ungarischerFiirsten.ist einerder altesten 
dem Minnegesange noch nahestehenden Ver- 
treter des ftCeistergesangs. Vgl. Alfr. Kuhn , 
Rhythmik und Melodik M. B.s (1907). 

Behm, Eduard, *8. April 1862 zu Stettin 
als Sohn ei:ies Arztes, Schiiler des Leipziger 
Konservatcriums, und von Hartel, Raif und 
Kiel in Berlin, lebte in Wien, dann in Stettin 
als Rezensent und Dirigent, war einige Zeit 
Lehrer an der Akademie der Tonkunst in Er- 
furt, dann bis 1901 Direktor des Schwantzer- 
schen Koi iservatoriums in Berlin, 191 7 
Kgl. Professor. B. erhielt fur eine Sinfonie 
den Mendelssohn- Preis,. fur ein Klavier- 
konzert der Bosendorfer-Preis, schrieb auBer- 
dem ein Klaviertrio (op. 14 E moll), 3 Violin- 
sonaten (op. 15 A dur, G dur op. 22 und 
D moll op. 40), ein Klarinettenquintett, ein 
Streichsext 3tt (mit Violotta), ein Violin- 
konzert, eine Violin-Suite op. 22, Friihlings- 
idyll fur Orchester, Mannerchore op. 45, 49, 
Lieder und die Opern Der Schelm von 
Bergen (1839 in Dresden und Schwerin), 
Marienkind (1902) und Das Gelobnis (1914). 

Behn, Hermann, * 11. Nov. 1859 und 
|27. Nov. ^927 zu Hamburg, studierte nach 
Absolvierung des . humanistischen Gymna- 
siums die R;chte,promovierte 1881 inHeidel- 
berg zum Dr. jur. und machte 1885 das Asses- 
sorexamen, wandte sich dann aber der Musik 
zu als Schii ler Anton Bruckners in Wien, j . 
RheinbergersinMunchen und Hermann Zum- 
pes in Han burg, wo er seit 1887 lebte. Seit 
1897 hielt <r hier im A ftrage der Oberschul- 
behorde off entliche Vorlesungen fiber Musik- 
geschichtennd erhielt 1917 vom Hamburger 
Senat den Professortitel. B. gab 9 Hefte Lie- 
der und Gesange und eine Klaviersonate C 
moll heraus und bearbeitete Teile der Musik- 
dramen Wagners fur 2 Pianoforte zu 4 Han- 
den, ebenso Bruckners 7.undMahlers 2. Sinfo- 
nie, 3 Vorspiele von Schillings und 12 klas- 
sische Ouverturen (3 Mozarts, 6 Beethovens, 
3 Webers). 

Behr, Franz, * 22. Juli 1837 zu Lubtheen 
(Mecklenbi rg), f 14. Febr. 1898 zu Dresden, 
unter den Pseudonymen d'Orso, Morley, 
Cooper, G« orges Bachmann bekannter und 
beliebter S: alonkomponist in Wien. 

Behr, Otto, *i.Mai 1866 zu Bremer- 
haven, Sol n eines Baptisten-Predigers, der 
spater nach Duisburg ging, wo B. die Mittel- 
schule besuchte und als Kaufmann im Eisen- 
GroBhandel sich ausbildete, Musikliebhaber, 



Behrend — Beilschmidt 



141 



veroffentlichte eiri. eigene Wege wandelndes 
theoretisches Werk N ' aturharmonie (191 5) 
und hat mehrere Reichspatente fur Neue- 
rungen an der Registrierungs-Mechanik von 
Orgeln und Harmoniums genommen: 1909 
bis 1910 Feinstimmung fiir Harmonium und 
Orgeln durch mehrfach geleilte Register zuge, 
191 1 Mechanische Gesamt-Ausschaltung der 
abzustofienden Registerziige ohne Beeintrdch- 
tigung der noch zur Benutzung auf Hilfs- 
schaltung eingestellten Register bei Harmo- 
nium und Orgeln, 1913 — 14 Griffbrett (Kla- 
viatur) nach der arithmelischen Naturharmo- 
nie-Leiter. 

Behrend, Fritz, *3. Marz 1889 zu Berlin, 
studierte Komposition bei H. van Eyken, 
Ph. Rfifer und Humperdinck, Klavier bei 
R. M. Breithaupt, war kurze Zeit als Kor- 
repetitor am Braunschweigischen Hofthe- 
ater tatig, widmete sich jedoch bald wieder 
in Berlin der Komposition und dem Lehr- 
beruf. Seine Werke sind : Konig Rene's Toch- 
ter, Oper in 1 Akt (gedr.), Lieder, Romanzen 
und Balladen op. 2, 7, 11, 14, 19, 21, 23, 24, 
3 7> 3°> 36> 4o(samtlich gedruckt), Vorspiel 
zu Kleists Penthesilea fur groBes Orchester; 
vier Sinfonien; Jung Olaf, Ballade fiir Bari- 
ton und Orchester, 3 Ouvertfiren und andere 
Orchesterstiicke, 4 Streichquartette, 24 Pra- 
ludien und Fugen fiir Klavier; 2 Trios, eine 
Violin- und eine Cellosonate; Fastnachts- 
spiel Der schwangere Bauer. 

Behrend, William, * 16. Mai 1861 zu 
Kopenhagen, studierte Jura, wurde juristi- 
scher Beamter im Kopenhagener Magistrat 
und bekleidete bis 1923 eine Stellung im 
Justizministerium. Durch den intimen Ver- 
kehr im Hause Gades wurde frfih sein Inter- 
esse fiir Musik geweckt. Seit 1917 ist er 
auch Lehrer fiir Musikgeschichte und Biblio- 
thekar am Kgl. Dan. Musik- Konservato- 
rium. Seine erste schriftstellerische Arbeit 
war eine Studie iiber Gade in der Zeitschrift 
Tilskueren; weiter schrieb er kleine Biogra- 
phien J. P. E. Hartmanns (1895) un d Gades 
(1917) in der Sammlung Mennesker (Kopen- 
hagen bei Schonberg, 191 8 in deutscher 
Bearbeitung in Breitkopf & Hartels Kleinen 
Musikerbiographien) und den 2. Teil (neuere 
Zeit) der Illustreret Musikhistorie (1905, 
vgl. Hortense Panum), sowie Beethovens 
Klaversonater (1923 [1924]). Eine groBere 
Arbeit iiber J. P. E. Hartmann erschien 
1919 in der Sammlung Folkets Forere zu 
Kopenhagen. B. war lange Musikreferent 
der Kopenhagener Zeitung Politiken; mit 
August Hammerich zusammen schrieb er die 
Musikerbiographien der neuen Auflage von 
Salmonsen's Konversations-Lexikon, und gab 
zusammen mit Hortense Panum und O. M. 
Sandvik ein danisches Illustriertes Musik- 
lexikon (1924 f.) heraus. 

Behrends, Leopold, * 15. Nov. 1879 in 
Klein-Miitz (Brandenburg), stud, theol., so- 
dann Schiiler von V.DienelundA.Egidi, sowie 
des Akademischen Institutsfur Kirchenmusik 
inBerlin. 1906— i70rganist und Chordirigent, 
zuletzt an der Johanneskirche in Berlin- Lich- 
terfelde; seit 1917 Musiklehrer am Realgym- 



nasium und Lyzeum in Hattingen- Ruhr. 
Schrieb: Ciacona fiber ein Thema von 
Pachelbel furOrgel ; Choralvorspiele ; Scherzo 
und Fuge; Phantasie und Doppelfuge fiber 
denChoral Einer ist Konig; geistliche Lieder; 
Motette fur gemischten Chor (alles ms.). 

Behrens, Johan Didrik, der Schopfer 
des norwegischen Mannergesangs, * 26. Febr. 
1820 zu Bergen, | 28. Jan. 1890 in Oslo, 
deutscher Abkunft (die Familie stammt aus 
Rostock), begriindete 1842 in Oslo den ersten 
Mannergesangverein und 1845 den dortigen 
Studentengesangverein, 1847 den kaufman- 
nischen Gesangverein, leitete 1848 — 54 den 
Handwerker-Gesangverein und brachte eine 
Reihe groBerer Mannergesangsfeste zustande 
(1849 in Oslo mit 180 Sangern, aber 
1863 in Bergen bereits mit 528 Sangern in 
35 Vereinen). Auch redigierte er eine ganze 
Reihe von Sammlungen von Mannerchoren, 
auch geistlichen, sowie mehrere Volks- und 
Schulgesangslehrbiicher. 

Beier, Franz. * 18. April 1857 zu Berlin, 

125. Juni 1914 in Kassel, Sohn eines Militar- 
apellmeisters, Schiiler des Kullakschen und 
Sternschen Konservatoriums und als Stu- 
dent bereits Lehrer an letzterer Anstalt, 
promovierte in Rostock 1883 zum Dr. phil. 
mit der Studie /. /. Froberger und seine 
Suiten, 1884 Chordirektor am Aachener The- 
ater und 1885 an dem zu Kassel, leitete 1884 
vorubergehend die Hofkapelle zu Weimar 
und wurde 1899 Kgl. Kapellmeister zu Kas- 
sel, wo er auch die Leitung der Abonnements- 
konzerte und zeitweilig des Oratorienvereins 
fibernahm. 1908 wurde er zum Kgl. Profes- 
sor ernannt. Seine Bearbeitung von Spohrs 
Oper Die Kreuzfahrer kam 1899 in Kassel 
zur Auffiihrung. B. selbst komponierte die 
Operette Der Gaunerkonig (Kassel 1890) und 
die Parodie Der Posaunist von Speikingen 
(daselbst 1888). 

Beilschmidt, Curt, * 20. Marz 1886 zu 
Magdeburg, erhielt ebenda nach Absolvie- 
rung des dortigen Domgymnasiums den er- 
sten Klavier- und Theorieunterricht durch 
Schunemann und F. Kauffmann, war dann 
1905 — 09 Schiiler des Leipziger Kgl. Kon- 
servatoriums (Krehl, Ruthardt, Rich. Hof- 
mann, Sitt), wirkt, nach kurzem Aufenthalt 
in Briissel, seit Ende 1909 in Leipzig als Leh- 
rer fiir Theorie und Klavier, Musikschrift- 
steller und Komponist. 1923 grundete er den 
Orchesterverein der Musikfreunde zu Leipzig, 
dessen offentliche Konzerte er leitet ; 191 1 
und dann wieder seit 1923 Chormeister des 
gemischten Chorvereins Orpheus. Schrieb: 
Klavierwerke op. I, 2, 6, 9, 15, 20, 21, 34, (ge- 
druckt), 13, 19, 29, 32, 43 (ms.); Sonatenfur 
Violine und Klavier op. 3 (ms.) und op. 37 
(ms. ) ; Sonate fiir Violoncell und Klavier op. 10 ; 
Streichquartett op. 5; Blasquintett o-p. 48; 
Chore; Lieder; Sinfonietta Im Maien op. iy; 
Ouverture Zu einem Liebesspiel op. 31; Sere- 
nade op. 33; Sinfonisches Gedicht Waldnacht 
op. 38; Venezianische Suite fiir kleines Or- 
chester op. 44; Tanzspiel nach Johannes Tro- 
jan Das A benteuer im Walde op. 25 (Leipzig 
1918); Musikkomodie in 3 Abt. Meister Inno- 



142 



Beira — Bel canto. 



cenz op. 24; iakt. Schaferspiel Der schlaue 
Amor op. 30 (Leipzig 1921); iakt. Lustspiel 
Der Tugendwdchter op. 47 nach Giraud 
(Halle 1927). 

Beira. Vgl. Pedro Fernandes Thomas, 
Cancoes populares da Beira. Acompanhadas 
de 5<S melodias recolhidas directamente da 
tradicao oral. Com uma introducao por J. 
Leite de Vasconcellos. (Subsidios para 
a historia da arte portugifsa IX: Coimbra 
1023). 

Bekielen nannte man das Anbringen neuer 
Kiele (von Rabenfedern) im Clavicembalo 
(s. Klavier); ein Cembalist muBte sich selbst 
auf das B. verstehen, weil es sehr haufig vor- 
kam, daB ein Kiel umknickte und schnell er- 
setzt werden muBte. 

Bekker, Paul, * 11. Sept. 1882 zu Ber- 
lin, Schiiler von F. Rehfeld (V.), B. Horwitz 
(Theorie) und A. Sormann (Kl.), erst Violi- 
nist im Berliner Philharmonischen Orche- 
ster, dann Dirigent in Aschaffenburg und 
Gorlitz; seit 1906 als Schriftsteller tatig: Mu- 
sikkritiker erst der Berliner Neuesten Nach- 
richten, 1909 der Berliner Allgemeinen Ztg., 
191 1 — 25 der Frankfurter Ztg., seitdem 
lebte er als freier Schriftsteller in Hofheim 
im Taunus; seit Herbst 1925 Theaterinten- 
dant in Kassel; seit 1927 in Wiesbaden. 
Er ist einer der einfluBreichsten Kritiker und 
Wortfuhrer der Neuen Musik , Vorkampfer 
fur Mahler, Schreker, Schonberg, Kfenek. 
Bucher: Beethoven (1911; viele Aufl., engl. 
1926); Das deutsche Musikleben — Versuch 
einer soziologischen Musikbetrachtung (1916); 
Die Sinfonien Gustav Mahlers (1921) ; Richard 
Wagner — Das Leben im Werke (1924); 
Musikgeschichte als Geschichte der musikali- 
schen Formwandlungen (1926). Kleinere Ar- 
beiten: Oskar Fried, (1907); Jacques Offen- 
bach (1909); Das Musikdrama der Gegenwart 
(1909); Die Sinfonie von Beethoven bis Mah- 
ler (1918, russ. 1926); Kunst und Revolution 
(1919); Franz Schreker (1919); Die Weltgel- 
tung der deutschen Musik (1920); Deutsche 
Musik der Gegenwart (in: Deutsches Leben 
der Gegenwart; 1922); Drei Aufsatzsamm- 
lungen: Kritische Zeitbilder (1921), Klang 
und Eros (1922), Neue Musik (1923); Von 
den Naturreichen des Klanges (Versuch einer 
Phdnomenologie der Musik, 1924) ; Materiale 
Grundlagen der Musik (1926) ;Organische und 
mechanischeMusik{ig2y) ; Auswahl-Ausg.von 
Robert Schumanns Schriften mit Einleitung. 

Beklemischew, Grigori Nikolajewitsch, 
russischer Pianist, * 5. Febr. 1881 zu Mos- 
kau, dort bis 1900 Schiller des Konservato- 
riums (Safonoff), seit 1900 Lehrer am dorti- 
gen Elisabeth-Institut, 1908 — 13 an der Mos- 
kauer Philharmonie; gleichzeitig als Kon- 
zertpianist im In- und Ausland tatig und 
noch Schiiler von Busoni; 1907 — 08 lebte er 
ganz in Berlin. Seit 191 3 ist er in Kiew 
Lehrer am Konservatorium, seit 1923 auch 
am Musikinstitut Lyssenko. 

Belaiev, Victor Michailowitsch, 
russischer Musikschriftsteller, * 5. Febr. 1888 
zu Uralsk, 1908 — i4SchiilervonLjadow, Wih- 
tol und Glasunow am Petersburger Konser- 



vatorium, r och vor Beendigung seiner Stu- 
dien Theori jlehrer an der Anstalt, 1919 Pro- 
fessor; 1917 — 1922 Sekretar des Rates am 
Konservatorium, 1918 — 19 Sekretar der 
Hauptleitung der russischen Musikgesell- 
schaft. 19:12 — 23 Mitglied der Leitung des 
Staats-Mus: kverlags in Moskau, 1923 — 24 
Prof, am Moskauer Konservatorium; seit 
1922 Mitglied der Russ. Akad. fur Kunst- 
wissenschaften und seit 1927 Korrespondent 
des Staatl. iinstitutsfiir Kunst wissenschaf ten 
in Leningrad. Er ist Grander (1923) der 
Vereinigung fiir zeitgenossische Musik in 
Moskau, die zugleich russische Sektion der 
Intern. Gesellsch. fiir Neue Musik ist. Er 
hat fiir viele Zeitungen und Zeitschriften 
geschrieben : Muzika 191 1 — 16: Muzikalny 
Ssowremenrik 1916 — 17; Melos 1917 — 18 
und viele andere. 1923 griindete er mit 
V. Derjanovsky die Monatsschrift Zu neuen 
Ufern, die 1924 wieder einging; 1924 die, 
noch bestetiende Zeitschrift Zeitgenossische 
Musik. Schrieb: Kontrapunkt und Formen- 
lehre (Abr 8, 1914; 2. Aufl. 1922); A. K. 
Glazunow, I. Bd. (1921); Brietwechsfl zwi- 
schen Skrjabin und M. P. Belaiei/i (1922); 
Ubersetzurg von Prout's Fugal Analysis 
(1923); Kirze Biographien (russisch und 
deutsch) vcnMjaskowsky, Feinberg, Catoire, 
Anatoi Alexandrow, Wassilenko (samtlich 
1927); Paul Hindemith (1927, nur russisch); 
uber Straw .nsky's Les Noces (englisch. 1928); 
iiber Boris Godunoon (desgl.) und ein Werk 
fiber Turkomanische Musik (1928). 

Belajew. Mitrofan Petrowitsch, * 22. 
Febr. 1836 in Petersburg, f 10. Jan. 1904, be- 
griindete 1 585 einen schnell groBen Umfang 
annehmenc.en Verlag fiir russische Musik in 
Leipzig (Vvjerke von Borodin, Rimsky-Kors- 
sakow, Glasunow, Ljadow, Tanejew, Aki- 
menko, Gretschaninow, Skrjabin, Schtscher- 
batschew x. a.). 1885 rief B. auf Anregung 
von Rim sky- Korssakow in Petersburg 
die Russischen Sinfoniekonzerte ins Leben 
und 1 891 die Russischen Kammermusik- 
abende (nur fiir Werke russischer Kompo- 
nisten). Durch testamentarische Verfiigung 
bestimmte B. sein gesamtes ca. 2 Millionen 
Rubel betragendes Vermogen bis auf einige 
Legate Zwecken der Forderung der natio- 
nalen russischen Musik (Verlag, Kon- 
zertveranstaltungen,Preisausschreiben[Glin- 
ka-Pramien, Quartett-Wettbewerb]) und be- 
stellte als Verwaltungskuratorium. die von 
ihm besonc ers hochgeschatzten Komponisten 
Glasunow, Ljadow (| 1914) und Rimsky- 
Korssakow (f 1908); an Stelle der beiden 
letztgenannten J. Wihtol und N. Artsybu- 
schew. Die Verwaltung unterstand der Auf- 
sicht des Ministeriums des Innern, das auch 
die Ergan;mng des Kuratoriums verfiigte. 
Wahrend der russischen Revolution verlor 
das Verwaltungskuratorium den Hauptteil 
des Vermogens; die Firma B. setzt ihre 
Verlagstati gkeit jetzt in Leipzig als deut- 
scher Verl ig fort. Vgl. W. Stassow, M . 
P. B. (Petersburg 1898); s. auch Belaiev. 

Bel canto (ital. Der schone Gesang), ein 
Fachausdr ick, mit dem man die speziell auf 



Belcke — Bella. 



143 



Schonheit der Tonbildung gerichtete alt- 
italienische Gesangsmethode zu bezeichnen 
pflegt im Gegensatz zu den mehr auf charak- 
teristischen Ausdruck der dramatischen 
Wahrheit ausgehenden neueren Bestrebun- 
gen. Zweifellos ist der Klangzauber der den 
B. c. beherrschenden Stimmen als asthe- 
tischer Sonderwert anzusprechen , der 
sehr hoch angeschlagen werden kann und 
selbst beim Vortrag minderwertiger Musik 
nicht versagt; aber vom Standpunkte der 
hoheren dramatischen Ideale aus bedeutet 
die ausschlieBliche Kultivierung der Schon- 
heit des Tons eine Einseitigkeit. Aber der 
B. c. ist nicht nur unerlaBliche Voraus- 
setzung fur den stilechten Vortrag der fur 
ihn geschaffenen alteren Werke, sondern 
auch fur Lied und Musikdrama, so weit 
diese Gattungen uberhaupt mit dem Begriff 
Cantabilitat zu tun haben. Vgl. Aussprache 
des Textes. 

Belcke, Friedrich August, der erste 
reisende Virtuose auf der Posaune, * 27. Mai 

1795 und 1 10. Dez. 1874 zu Lucka (Alten- 
burg), Sohn des Fagottisten und Flotisten 
Christian Gottfried B. (* 1767, f 1838, 
1802 — 1838 Stadtmusikus zu Lucka), Schu- 
ler seines Vaters und des Stadtmusikus 
Sachse zu Altenburg, dessen Stellvertreter 
er 181 1 — 181 5 war, 181 5 Mitglied des Leip- 
ziger Gewandhausorchesters, i8i6Kgl. Kam- 
mermusikusinBerlin, 1858 pensioniert, reiste 
als Posaunenvirtuose vielfach mit seinem 
Bruder Christian Gottlieb, * 17. Juli 

1796 und f 8. Juli 1875 zu Lucka, 1819 — 32 
Flotist im Gewandhausorchester und 1834 
bis 1841 Kammermusiker in Altenburg (1841 
in Ruhestand). Beide Bruder haben gute 
Sachen (Konzerte, Ubungsstucke) fur ihre 
Instrumente geschrieben. 

Beldemandis (Beldomandis, Belde- 
mando), Prosdocimus de, * ca. 1375, um 
1422 Professor der Philosophie in seiner Va- 
terstadt Padua, bedeutender Schriftsteller 
iiber Mensuralmusik , dessen wichtigste 
Schriften bei Coussemaker (Script. Ill) ab- 
gedruckt sind. B. entwickelt bereits eine 
enharmonisch-chromatische Skala mit 17 
Werten in der Oktave (Riemann, Gesch. der 
Musiktheorie 2. Aufl. S. 275 ff.). Vgl. Ant. 
Favaro, Intorno alia vita e alle opere di P. de 
B. (1879) und Baralli-Torri, II trattalo di 
Pr. de B. contro il Lucidario di Marchetto usw. 
(Riv. mus. 1913). 

Belederung hiefi beim Pianoforte der 
Bezug des holzernen Hammerkerns mit 
weich gegerbtem Leder, um dem Ton die 
Harte zu nehmen und zugleich ein schnelles 
Zuriickspringen des Hammers von der Saite 
zu begunstigen. Seit der Mitte des 17. 
Jahrhunderts dient diesem Zweck ein be- 
sonders fester Filz (Befilzung), doch wird 
Leder von einzelnen Klavierfirmen noch 
fur die hochsten Tone verwendet. Vgl. 
Anschlag. 

Beliczay (spr.-zai), Julius von, * 10. 
Aug. 1835 zu Komorn in Ungarn, f 30. April 
1893 zu Pest; urspriinglich Ingenieur, in der 
Musik Schiiler von Joachim Hoffmann und 



Franz Krenn in Wien, wurde 1888 Theorie- 
lehrer an der Landes-Musikakademie in Pest. 
B. schrieb 3 Streichquartette, ein Trio op. 30 
(Es dur), Andante fur Streichorchester op. 
25, eine Streichserenade op. 36, zwei Sinfo- 
nien, Ave Maria op. 9 fur Sopran, Chor und 
Orchester, zwei- und vierhandige Klavier- 
werke (Etiiden) und Lieder, eine Messe ( F 
dur ms.), Marianische Antiphonen usw., 
auch eine Kompositionslehre (Bd. I 189 1, 
ungarisch). 

Belin (Bellin, spr. bolang), Guillaume, 
Tenorsanger der Kgl. Kapelle zu Paris 1546, 
1550 Kanonikus der Ste. Chapelle, 1565 Kan- 
tor, j 3. Dez. 1568, komponierte 4St. Cantica 
(Cantiques de la Bible, 1560) und Chansons, 
deren sich eine Anzahl in Attaingnants 
Sammlungen 1539 und 1549 finden. Vgl. 
M. Brenet, Les musiciens de la Ste. Cha- 
e, S. 112. 

Belin (Bellin, spr. bolang), Julien, * 
um 1530 zu le Mans, beruhmter Lautenist, 
veroffentlichte 1556 in Paris bei N. du Che- 
min ein Buch Motetten, Chansons und Phan- 
tasien in Lautentabulatur. 

Bell, William Henry, * 20. Aug. 1873, 
zu St. Albans (London), Schiiler der Roy. 
Academy of Music und 1903 — 1912 Professor 
der Harmonielehre an derselben Anstalt, seit- 
dem Direktor des Konservatoriums in Kap- 
stadt, seit 1919 Prof, of Music an der dorti- 
gen Universitat. Schrieb: Opern: Hippoly- 
tus, 3akt., nach Euripides, um 1920; Isabeau, 
1 Akt, 1922; Sinfonien: I, C moll (Walt 
Whitman), 1900; II A moll, 1917;. Ill F dur 
1918; Sinfon. Variationen, 1916; Vorspiele- 
fur Orchester: The Canterbury Pilgrims,. 
1899; A Song in the Morning, 1901 ; sinfoni- 
sche Dichtungen : The Pardoner's Tale, 1900; 
La Fee des Sources, 1912; Mother Carey a) In 
the Night Watches, b) In the Fo'cse; Love 
among the Ruins, 1920; The Shepherd; T he- 
Portal 1921; Veldt Loneliness, 1921; A Song 
of Greeting, 1922; Arcadian Suite fur kleines. 
Orchester, i909;Music zu St. Albans Pageant; 
Maria Assumpta f. Singstimme, Doppel- 
chor, Knabenchor, Orchester, 1922 — sein 
bezeichnendstes Werk; Ballad of the Bird- 
Bride fur Bariton und Orchester (friihes. 
Werk, 1909); fur Chor und Orchester: 
Hawke (friih); The Baron of Brackley- 
(fruh); 3 Violinsonaten E moll, F moll, 
D moll (1922); Lieder und Gesange; Musik 
zu Ben Jonson's Masque A Vision of De- 
light (1908); 5 Mediaeval Songs fiir Frauen- 
chor, Streicher und Klavier; Chore aus 
Shelley's Entfess. Prometheus, 1923, u. a. 

bell (engl.), Glocke; auchName derStiirze 
der Blasinstrumente. 

Bella, Domenico della, Kirchenkapell- 
meister zu Treviso, von dem gedruckt 12 
Triosonaten op. 1 a 2 V ., Vc. obi. e B.C. (1704) 
und handschriftlich eine Cellosonate sowie 
Messen im a cappella-Stil,Motetten und Psal- 
men mit Instr., ein 6st. Tedeum u. a. erhal- 
ten sind. 

Bella, Johann Leopold, * 4. Sept. 1843 
zu Lipto-Szent Miklos (Slowakei), widmete 
sich in Wien erst theologischen Studien,. 



144 



Bella — Bellermann. 



vvurde Staatskapellmeister und Musikdirek- 
tor in Kremnitz, Domprabendar zu Neusohl, 
endlich Stadtkantor und Dirigent des Musik- 
vereins zu Hermannstadt, komponierte Kir- 
chenmusiken, Kammermusikwerke (Streich- 
quintett D moll), Lieder, sinfonische Dich- 
tungen (Schicksal und Ideal) und Opern 
(Wieland der Schmied, Prefiburg 1926), auch 
Chorlieder von nationaler Farbung und eini- 
ge Klaviersachen. Seine Bedeutung beruht 
auf kirchenmusikalischem Gebiet; er gilt, 
obwohl siebenbiirgischer Sachse, als bedeu- 
tendster slowakischer Komponist. Er lebt 
seit 1922 im Ruhestand in Wien. Vgl. Do- 
broslav Orel, J.L.B. (PreBburg 1924). 

Bella, Rudolf, Sohn von J. L. Bella, * 7. 
Dez. 1890 zu Hermannstadt, Schiller seines 
Vaters und von Mandyczewski in Wien, wo 
er auch die Kapellmeisterschule der Hoch- 
schule fur Musik und die musikwissenschaft- 
lichen Vorlesungen der Universitat besuchte; 
zeitweilig Redakteur der Musikpadagogi- 
schen Zeitschrift; 1921 — 24 als Dirigent der 
deutschen Musikvereine in Czernowitz tatig, 
dann wieder in Wien; seit 1925 Dirigent des 
Liederkranz in Ravensburg sowie seit 1926 
auch des MCh. Romanshorn. Er schrieb 
Lieder, Chor- und Kammermusikwerke, zwei 
groBereChorwerke (Saul, Requiem [Hebbel]), 
eine Sinfonie u. a. 

Bellaigue (spr. bel'leg), Cam ill e, * 24. 
Mai 1858 zu Paris, studierte die Rechte, 
aber daneben Musik (Schiiler von Paladilhe 
und Marmontel) undwidmete sich derMusik- 
kritik (1884 Musikreferent des Correspon- 
dant, seit 1885 der Revue des Deux Mondes, 
auch Mitarbeiter des Temps). 1894 erhielt 
er von der Akademie den Preis Vitet. Stu- 
dien B.s erschienen gesammelt als V annee 
musicale et dramatique (1886 — 94, 7 Bde.), 
Un sticle de musique francaise (1^87), 
Psychologic musicale (1893), Portraits et 
silhouettes de musiciens (1896, engl. 1897, 
deutsch 1903), Etudes musicales et nouvelles 
silhouettes de musiciens (1898 — 1907, 3 Bde., 
engl. 1899), Impressions musicales et litte- 
raires(igoo),Notes brives (1911 — 1914,2 Bde.), 
Propos de musique et de guerre (1917), Echos 
de France et d'ltalie (1919), Souvenirs de 
musique et de musiciens (1921), Les epoques 
de la musique (1909, 2 Bde.), Mozart (1906, 
in Musiciens cSlSbres), Mendelssohn (in Mai- 
tres de la musique 1907), Gounod (1910, in 
Maitres de la musique) usw. 

Bellamy, Th. Ludford, Sohn von R. B., 
*I770 und j 3. Jan. 1843 zu London, sangbei 
derHandelfeier 1784 als Diskantist mit und 
wurde ein beriihmter BaBsanger in Kirche, 
Theater und Konzert, war auch zeitweilig 
selbst Theaterunternehmer. Er gab einen 
Band englischer zurKompositionbestimmter 
Gedichte heraus (1840). 

Bellamy, Richard, * um 1743, f 11. Sept. 
181 3 zu London, Mitglied, zuletzt Chormei- 
ster der Kgl. Vokalkapelle, sang 1784 bei der 
Handel- Gedenkfeier als Bassist und ver- 
offentlichte selbst ein Tedeum, einen Band 
Anthems u. a. 



Bellanda, Lodovico, einer der ersten 
Komponisten im monodischen Stil, * zu Ve- 
rona, wahrscheinlich zu Venedig lebend, gab 
heraus 2 Biicher Musiche fur 1 — 4 Singst. 
mit B.C. (1607, 1610), Sacre laudi 1st. mit 
B.c. (1613), aber auch 3 st. Kanzonetten 
( I 593)> 4 st - Madrigale (1602) und 3 — 5st. 
Sacrae cantiones (1604). 

Bellasio, Paolo, * zu Verona, um 1590 
Mitglied der dortigen Accademia Filarmo- 
nica, gab heraus: 5 Biicher 5 st. Madrigale 
(1578, 1582, ...1595), 1 Buch 6st. dgl. 
(1590), 1 Buch 3 — 8st. Villanellen (1592, in 
dem Stimmbuch des Cantus auch eine Lau- 
tenbegleitung in Tabulator); auch die Sam- 
melwerke von 1585 (Dolci afjetti), 1590 und 
1592 enthalten Madrigale von ihm. 

Bellazzi, Francesco, * zu Vigevano, um 
1623 Kirchenkapellmeister in Mailand, gab 
1618 — 28 in Venedig Psalmen, Motetten, Li- 
taneien, Fauxbourdons, eine Messe, Kanzo- 
nen usw. (uberwiegend achtstimmig) heraus. 

Bellenot (spr. -no), Philippe, franzo- 
sischer Komponist, * 24. Jan. i860 und ^8. 
Jan. 1928 zu Paris, Schiiler derEcole Nieder- 
meyer, dann des Konservatoriums; seit 1884 
Chorleiter an St. Sulpice; Laureat de l'lnsti- 
tut. Schrieb : Motetten ; Messen ; 2dramatische 
Werke: Nariste und Le Cceur dormant (Auff. 
MonteCarlo,CannesundOperacomique,Paris). 

Bellere (spr. -lar, Bellerus), Jean, ei- 
gentlich Beellaerts, Buchhandler zu Ant- 
werpen, arbeitete seit 1572 in Kompanie mit 
Pierre Phalese (s. d.). Mit dem Tode Bel- 
ieves erlosch die Verbindung; die Witwe 
fuhrte zunachst die Buchhandlung weiter, 
ein Sohn Balthasar verlegte sienachDouai. 
B. veroffentlichte 1603 — 05 den Katalog sei- 
nes Verlags (von Coussemaker in der Biblio- 
thek zu Douai aufgefunden). 

Bellermann, Johann Fried rich, Sohn 
von Joh. Joach. B., * 8. Marz 1795 zu Er- 
furt, 1 4. Febr. 1874 in Berlin, wo er seit 
1819 Lehrer und 1847 — 68 Direktor des 
Gymnasiums zum Grauen Kloster war; hat 
sich um die Musikgeschichte verdient ge- 
macht durch sehr wertvolle Untersuchungen 
auf dem Gebiete der altgriechischen Musik. 
Auch hat er selbst noch als Direktor 
vielfach den Gesangsunterricht erteilt, spiel- 
te Cello in einem Hausquartett, war Vor- 
standsmitglied der Singakademie usw. Er 
schrieb : Die alien Liederbiicher der Portugie- 
sen [13. — 16. Jahrhundert] (Berlin 1840). 
Sein Hauptwerk: Die Tonleitern und Musik- 
noten der Griechen (1847) erklart eingehend 
das Notensystem der Griechen (vgl. Fort- 
lage), und die kleineren Schriften: Die 
Hymnen des Dionysios und Mesomedes 
(1840), Fragmentum graecae scriptionis de 
musica (1840) und Anonymi scriptio de 
musica. Bachii senioris introductio artis 
musicae etc. (1841) behandeln die wenigen 
damals bekannten Uberreste altgriechischer 
praktischer Musik. Vgl. H. Bellermann, 
F. B. (Allg. M.-Ztg. 1874, Nr. 9— 10 und 
separat). 

Bellermann, Johann Gottfr. He in rich, 
* 10. Marz 1832 in Berlin, J 10. April 1903 



Bellermann — B^llincioni. 



145- 



zu Potsdam, Sohn und Schuler von J. 
Friedr. B., besuchte das Graue Kloster, 
dann das Kgl. Institut fur Kirchenmusik 
und war langere Zeit Privatschiiler von 
Eduard Grell. 1853 ward er als Gesang- 
lehrer am Grauen Kloster angestellt, erhielt 
1861 den Titel Kgl. Musikdirektor und 1866 
die durch A. B. Marx' Tod erledigte Pro- 
fessur fiir Musik an der Universitat (unter 
Verleihung des philosophischen Doktor- 
grades hon. c.) und war seit 1875 Mitglied 
der Kgl. Akademie der Kiinste. Beller- 
manns im Druck erschienene Komposi- 
tionen gehoren auBer Klavierliedern und 
einem Chorwerk mit Orchester, Gesang der 
Geister uber den Wassern, fast ausschlieB- 
lich dem Gebiet der a cappella -Musik an 
(Motetten, Psalmen, Chorlieder; Chore und 
Melodramen zu Sophokles' Ajax, Konig 
Odipus und Odipus auf Kolonos). Eine 
Oper blieb Manuskript. Ein besonderes 
Verdienst erwarb sich B. durch seine Schrift 
Die M ensuralnoten und Taktzeichen im 15. 
und 16. Jahrhundert (1858, 2. Auflage 1906), 
das erste Werk, welches das Studium der 
Mensuraltheorie denen moglich machte, die 
wegen mangelnder Lateinkunde den Trak- 
taten der Mensuraltheoretiker nicht selbst 
nahertreten konnten. In seinem Buche Der 
Contrapunkt (1862, 4. Auflage 1901) vertritt 
B. einen Standpunkt, namlich den von J. J. 
Fux' Gradus ad Parnassum, der selbst schon 
fur seine Zeit veraltet war (1725). Weiterhin 
folgten zwei kleinere Arbeiten Uber die Ent- 
wicklung der mehrstimmigen Musik (1867) und 
Die Grofte der musikalischen Intervalle als 
Grundlage der Harmonie (1873), sowie Ed. 
Aug. Gre// (Biographie 1899). Aufsatze von 
B. enthalt die ^/g. Musikal. Ztg. (1868—74). 
Vgl. Otto Schneider, H. B. (Gedachtnis- 
rede, 1903). 

Bellermann, Johann Joachim, * 23. 
Sept. 1754 zu Erfurt, j 25. Okt. 1842 zu 
Berlin, war Professor der Theologie an der 
Universitat Erfurt bis 1804 und dann bis 
1 828 Direktor des Berliner Gymnasiums 
zum Grauen Kloster und daneben seit 18 16 
Professor der Theologie an der Berliner 
Universitat, ein auBerordentlich vielseitiger 
Gelehrter, der u. a. das Verdienst hat, die 
Wiedereinfuhrung des Gesangsunterrichts 
an den Schulen in PreuCen durchgesetzt 
zu haben. Sein Buch Bemerkungen uber 
Rutland (1788) bespricht die russischen 
Musikverhaltnisse. 

Bellermann, Konstantin, * 1696 zu 
Erfurt, f 1. April 1758 zu Munden, wo er 
1719 Kantor, 1739 Konrektor und 1742 
Schulrektor wurde. B. war Poeta laureatus 
und Komponist von Vokal- und Instru- 
mentalwerken. Vgl. Mizler, Bibliothek III. 

Belleville[-Oury] (spr. balwil-uri), Anna 
Caroline de, * 24. Juni 1808 zu Landshut, 
f 22. Juli 1880 zu Miinchen; vorziigliche 
Klavierspielerin, Schulerin von Karl Czerny, 
machte groBe Konzertreisen und vermahlte 
sich mit dem Violinisten Antonio James 
Oury (s. d.). Frau B.-O. lebte langere 

Riemann, Mosik-Loxikon. 11. Aufl. 



Jahre in Brighton; sie veroffentlichte Kla- 
vierkompositionen. 

BelPHaver, Vincenzo, *umi530 zu 
Venedig, Schuler von A. Gabrieli und sein 
Nachfolger als Organist der zweiten Orgel 
der Markuskirche (1586), ist wahrscheinlich 
1588 gestorben, da am 30. Okt. d. J. Giu- 
seppe Guami sein Nachfolger wurde. B. 
war ein beliebter Komponist von Madrigalen, 
von denen aber auBer vielen in Sammel- 
werken verstreuten nur das 2. Buch (5 st. ; 
1574) erhalten ist. Auch kirchliche Vokal- 
sachen sind erhalten. Eine Orgeltokkata B.s 
in Torchis Arte mus. in Italia Band III, 
3 Madrigale das. Band I. 

Belli, Domenico, einer der ersten Kom- 
ponisten im monodischen Stil, 1610 — 1 3 
Gesanglehrer an S. Lorenzo zu Florenz 
(Nachfolger von Gagliano), gab heraus: 
Arie a 1 e 2 voci per sonare con il chitarrone 
(1616) und die kleinen Opern Orfeo dolente 
(Florenz 1616, Intermedien zu Tassos 
Aminta) und Andromeda (Florenz 161 8). 
Vgl. Riemann, Hdb. d. MG. II, 2 S. 288ff. 

Belli, Girolamo, * 1552 zu Argenta 
(Ferrara), Schuler von Luzzaschi, Kapell- 
sanger des Herzogs zu Mantua, veroffent- 
lichte 3 Bucher 6st. Madrigale (1583, 1584 
[Furti amorosi, auch 1587], 1593), 9 Bucher 
5 st. Madrigale (1584, 1586, . . . , 1617), 
2 Bucher 4st. Kanzonetten (1584 u. 6., 
1593), Sacrae cantiones 6 v. (1585), Sacrae 
cantiones 8 v. (1589), Sacrae cantiones 10 v. 
(1594), Salmi 5 v. e 2 Magnificat (1610). 

Belli, Giulio, * ca. 1560 zu Longiano, 
bekleidete Kapellmeisterstellen an Kirchen 
zu Imola, Carpi, Ferrara, Venedig, Mon- 
tagnana, Osimo, Forli, wieder in Venedig, 
1607 an S. Antonio zu Padua, zuletzt an 
der Kathedrale zu Imola (1611), bedeutender 
Kirchenkomponist, schrieb Missae sacraeque 
cantiones 8 v. (1599 u. 6.), Missae 5 v. (1586 
[1597,1603]), Missae 4V. (1509 u. 6.), Missae 
sacrae 4 bis 8 v. c. Be. (1608 [1613]), Psalmi 
ad vesperas, . . . 2 Magnificat 8 v. (1596 
u. 6.), Psalmi ad vesperas, 2 Cantica B. V. et 
Tedeum 5 v. (1598), Psalmi ad vesperas . . . 
j Cantica B. M. V . 6 v. (1604), Sacrae can- 
tiones 4 — 12 v. con Litanie B. M. V. (1600), 
Compieta, Motetti et Litanie 8 v. falsibor- 
doni usw. (1605), Compieta usw. 5 v. (1607), 
Compieta usw . 6 v. (1607), Concerti ecclesia- 
stici 2 — 3 v. (1613 u. m. [darin eine Kanzone 
fiir 2 Cornetti oder Violinen mit Be.]), auch 
2 Bucher 5 — 6st. Madrigale (1589, 1592), 
2 Bucher 4St. Kanzonetten (1584, 1593). 
Vgl. Ad. B rigid i, Cenni sulla vita e suite 
opere di G. B. (1865). 

Bellincioni (spr. -intscho-), Gemma, 
Biihnensangerin (Koloratursopran), * 18. 
Aug. 1864 zu Monza (Piemont), Schulerin 
ihres Vaters Cesare B. und Corsis, debu- 
tierte 1881 zu Neapel in Pedrottis Tutti 
in maschera, reiste dann mit Tamberlick 
in Spanien und wurde eine der gefeiertsten 
Primadonnen Italiens und des Auslands. 
Sie war vermahlt mit dem Tenoristen Rob. 
Stagno (s. d.). Eine ganze Reihe Prima- 
donnenrollen moderner veristischer Opern 

10 



146 



Bellini — Bemetzrieder. 



(Cavalleria rusticana, Nozze Istriane) sind 
von ihr kreiert worden. 191 iff. war Frau 
B. Leiterin einer Opernschule in Charlotten- 
burg, lebt jetzt aber wieder in Italien. Sie 
gab selbst eine Gesangschule, audi eine 
Autobiographic (Io e il palcoscenico, 1920) 
heraus. Ihre Tochter Bianca debiitierte 
191 3 in Graz (Sopran). 

Bellini, Vincenzo, * 1. Nov. 1801 zu 
Catania (Sizilien), f 24. Sept. 1835 zu Pu- 
teaux bei Paris; Schuler des Konservato- 
riums zu Neapel unter Zingarelli, veroffent- 
lichte zuerst Instrumentalwerke und Kir- 
chenkompositionen. Seine erste Oper: A del- 
son e Salvini wurde im Theater des Konser- 
vatoriums 1825 aufgefiihrt, 1826 folgte am 
San Carlo-Theater Bianca e Fernando mit 
so gutem Erfolg, dafi er fur 1827 die Scrittura 
fur die Scala in Mailand erhielt. Er schrieb 
27 pirata, welche Oper glanzend durchschlug, 
aber durch La slraniera (1829) noch iiber- 
boten wurde. Weiter folgten nun fur 
Parma: Zaira, die durchfiel, Montechi e 
Capuleti (Venedig 1830) und La sonnambula 
(Die N ' achtwandlerin , 1831 in Mailand). 
Die Kritik tadelte Bellinis allzu einfache 
Instrumentierung und das Fehlen groBer 
angelegter Form en seiner Gesangsnummern; 
B. nahm sich diese Vorwurfe zu Herzen und 
bot 1831 mit Norma (Mailand) etwas sorg- 
faltigere Arbeit und einen hoheren, tragi- 
scheren Stil; die Oper machte, besonders 
mit der Malibran in der Titelrolle, Furore. 
Minder reiissierte Beatrice di Tenda (1833). 
Nur zu privater Auffuhrung gelangte 
1832 die Oper: // fu ed il sard. 1833 
siedelte B. endgiiltig nach Paris iiber, 
wo er, wenn auch nur fur kurze Zeit, reichen 
Beifall fand; denn nur noch eine Oper war 
ihm vergonnt zu schreiben, / Puritani, 
welche 1835 im Theatre italien gegeben 
wurde. B. ist eine der liebenswiirdigsten Er- 
scheinungen unter den italienischen Opern- 
komponisten des 19. Jahrhunderts; das all- 
gemeine Bedauern iiber seinen friihzeitigen 
Tod auBerte sich in zahlreichen Nachrufen 
und Denkschriften. 1876 wurde seine Asche 
feierlich nach Catania iiberfuhrt (vgl. Flo- 
rimo); 1901 wurde dort eine Jahrhundert- 
feier seines Geburtstages veranstaltet. Vgl. 
die biographischen Arbeiten iiber B. von 
Fil. Cicconetti (1859), Percolla (1876), 
A. Pougin (1868), Ant. Amore (2 Bande 
1892, 1894), Er. Florimo (Bellini, memorie 
e letter e, 1885), auch Ferd. Hiller, Kunstler- 
leben, S. 144ft., G. Biirkli, V. B. (Zurich 
1841, 29. Neujahrsstuck der Allg. MG.) ; 
lid. Pizzetti, La musica di V. B. (1916). 
— Ein Bruder Bellinis, Carmelo B., 
* 1802 und J 28. Sept. 1884 in Catania, 
machte sich als Kirchenkomponist einen 
bescheidenen Namen. 

Bellinzani, Paolo Benedetto, * um 1690 
zu Ferrara, J25. Febr. 1757 zu Recanati, 
1717 Kapellmeister zu Udine, 1722 an der 
Kathedrale zu Ferrara, 1726 zu Pesaro, 1733 
zu Urbino, dann Recanati, gab heraus 
Missae 4 v. op. 1 (1717), Salmi brevi 8 v. 
op. 2 (1718), Offertorii 2 v. c. B. c. (1726), 



Duetti da camera (op. 5 1726, lib. 2 1733), 
Madrigali 2 — 5 v. op. 6 (1733) und Suonate 
a Flauto col B.C. (1720) und schrieb zwei 
Oratorien: Abigaile (Urbino 1730) und 
Ester (Ancona 1753). 

Bellman, Carl Michael, * 4. Febr. 
1740 und f 11. Febr. 1795 in Stockholm, 
humoristischer Dichter und Improvisator 
(Fredmans Epistlar, Fredmans Sanger), 
welcher der Neuzeit wieder durch den 
schwedischen Diseur , Sanger und Lauten- 
virtuosen Sven Scholander bekannt ge- 
worden ist. 20 Lieder B.s gaben 1909 
H. v. Gumppenberg und Berend heraus 
(mit deutscher Ubersetzung). Ausfuhrlich 
berichtet fiber B. Norlinds Lexikon. 

Bellmann, Karl Gottfried, * 11. Aug. 
1760 zu Schellenberg (Sachsen), j 1816 als 
Instrumentenbauer in Dresden; baute seiner- 
zeit sehr renommierte Klaviere, war auch 
ein Virtuose auf dem Fagott. 

Belloli, Agostino, *zuBologna, wieLuigi 
B. gleichfalls Hornvirtuose, hat mehrere 
Studienwerke fur Horn herausgegeben, auch 
achtBallette 1816 — 23 inMailand aufgefiihrt. 

Belloli, Luigi, * 2. Febr. 1770 zu Castel- 
franco (Bologna), f 17. Nov. 1817; Virtuose 
auf dem Waldhorn nd 1812 Lehrer dieses 
Instruments am Mailander Konservatorium, 
schrieb mehrere Ballette und hinterliefJ 
eine Hornschule. 

Belloni, Giuseppe, Kirchenkomponist, 
* zu Lodi, gab heraus: 5st. Messen (1603), 
5 st. Psalmen (1605), 6st. Messen und 
Motetten (1606). 

Belloni, Pietro, aus Mailand, Gesang- 
lehrer am Conservatorio di Sant' Onofrio zu 
Neapel, spater in Paris, schrieb fiir Paris 
mehrere Ballette (1801 — 04) und gab eine 
Gesangschule heraus (1S22). Vgl. E. G. J. 
Gregoir, Les tribulations cCun artiste musi- 
cian a Paris en 1812, P. B. (1884). 

Belluno (Stadt). Vgl. F. Praloran, 
Sloria delta musica Bellunese (6 Teile, 
1885-9;). 

belly (englisch), die Oberplatte derStreich- 
instrumente, auch der Resonanzboden der 
Klaviere. Vgl. Bell. 

Belogradsky 5 Timofei, * in der Ukraine, 
bekannter Lautenspieler und Sanger der 
ersten Halfte des 18. Jahrhunderts. 1733 
nahm ihn der russische Gesandte Graf 
Keyserlingk nach Dresden, wo er den Unter- 
richt des beriihmten Silv. Leop. Weiss ge- 
noB; war seit 1737 Lautenspieler der Zarin 
Anna Ivanowna, nach deren Tode in 
Dresden beim Grafen Briihl, dann wieder 
in Petersburg als Lautenspieler der Zarin 
Elisabeth Petrowna; komponierte die ersten 
russischen Lautenlieder (Texte von Su- 
marokow), die bei seinen Zeitgenossen sehr 
beliebt waren. Vgl. Stahlin, N achrichten iiber 
die Mitsik in Rutland in Haygolds Beylagen, 
2. Teil, Riga 1770. 

Bemetzrieder, Anton, * 1743 im ElsaB, 
J ca. 1816 in London, Verfasser einer An- 
zahl theorctischer Schriften, welche dank 
der Protektion Diderots B. voriibergehend 
in Paris zu Ansehen vcrhalfcn: doch zos 



Bemol — Benda. 



147 



er schon 1780 vor, sein Gluck in London 
zu versuchen: Le.pons de clavecin et principes 
d'harmonte (1771, englisch vonG. Bernard als 
Music MadeEasy 1778, spanisch von B. Bails 
1775 ) ; Traiti de musique(l776 [1780]) ; Nouvel 
essai sur I'harmonie (1779 — 80), General In- 
structions™ Music (1781), AN ew SingingBook 
(franzosisch und englisch 1790) u. a. 

Bemol (franzosisch), s. v. w. [7 (Erniedri- 
gungszeichen) ; mi bSmol = ety (es) usw. 
jCBenatzky, Ralph, Dr., * 5. Juni 1887, 
studierte bei Veit, Klinger in Prag und Mottl 
in Miinchen; er ist mit der Diseuse Josma 
Selim verheiratet, und der Dichterkomponist 
und Begleiter ihrer Abende: er lebt in Berlin. 
Er schrieb Lieder und Chansons, abend- 
ffillende Buhnenwerke: Der lachende Drei- 
bund (Spieloper, 3 akt., Nollendorf -Theater 
Berlin 1913), Die Schmiedin von Kent (Oper, 
2akt., Hoftheatcr Dresden 1916), Die Blinde 
(2akt.Oper, 1927 Volksoper Wien); dieOpe- 
retten : Liebe im Schnee (Wien 1916), Die tan- 
zendeMaske (das. 1918), Die Verlieblen (das. 
igzg),Ju-Shi ianzt (das. 1920), Apachen (das. 
1921), Pipsi (das. 1921), Ein Mdrchen aus 
Florenz (das. 1922), Aria appassionata (das. 
1922); Revue Fiir dich (Berlin 1925) usw., 
ierner eine Sammlung seiner Chansons Ein 
Ldcheln aus Wien (1927). 

Bencini (spr. -tschi-), Joseffo, italie- 
nischer Komponist zu Anfang des 18. Jahr- 
hunderts, von dem Kammerkantaten zu- 
sammen mit solchen von Clari und Marcello 
und handschriftlich Orgelsonaten erhalten 
sind (2 der letzteren in Torchis Arte mus. 
in Italia, Band III). 

Benda, Felix, (mit der grofien Musiker- 
familie der Bendas nicht naher verwandt), 
* um 1700 zu Ssalsko in Bohmen, f 1768 
zu Prag, war Organist der Michaelskirche 
zu Prag, angesehenerOrgelspieler, u. a. Lehrer 
Seegers; Komponist von Oratorien (1760, 
1762), Messen und anderer Kirchenmusik. 

Benda, Franz * 25. Nov. 1709 zu Alt- 
benatek (Bohmen), f 7. Marz 1786 in Pots- 
dam; war Chorknabe an der Nikolauskirche 
zu Prag, sodann herumziehender Musikant, 
wobei er sich zum Violin virtuosen ent- 
wickelte, so daB er zuerst in Warschau und 
1733 in der Kapelle des Kronprinzen (nach- 
mals Friedrichs II.) zu Rheinsberg an- 
gestellt wurde; 177 1 wurde er Konigiicher 
Konzertmeister. An seinem Spiel wurde 
besonders seelenvoller Vortrag gerflhmt. 
B. bildete viele Schiiler. Von seinen 
Kompositionen erschienen im Druck 6 Trio- 
sonaten op. 1 (2 V. c. B.C.), 2 Violinkonzerte 
op. 2 (mit Hornern), je 3 Sonaten fiir Violine 
(Flote) und B. c. op. 3 und 5 (als 6 Violin- 
sonaten mit B. c, op. 1 Paris) und nach 
seinem Tode ein Opus Violin- Etuden. Hand- 
schriftlich erhalten sind sehr viele Sonaten 
und Soli fiir V. mit B. c. (die Selbstbio- 
graphie zahlt 80), auch einige Konzerte und 
Sinfonien. B. ist einer der Hauptreprasen- 
tanten der sogenannten Berliner Schule 
und steht tiotz seiner bohmischen Abkunft 
Ph. E. Bach, den beiden Graun usw. naher 
als Stamitz und seinen Nachahmern. Seine 



Autobiographic s. i.d. Neuen Berliner Musik- 
zeitung, Jahrgang 10, S. 32. 

Benda, Friedrich Ludwig,SohnGeorg 
Bendas, * 17^ zu Gotha, 1 20. Marz 1792 /, Y(P 
zu Konigsberg, wirkte als Musikdirektor an 
der Hamburger Buhne, spater als Violinist 
und Hofkomponist an der Kapelle des 
Herzogs von Mecklenburg, kam durch seine 
verwandtschaftlichen Beziehungen mit Rei- 
chardt 1789 als Konzertmeister nach Konigs- 
berg. Seine Gemahlin Felicitas Agnesia, 
geb. Rietz aus Wiirzburg, war eine bekannte 
Koloratursangerin, die Ehe wurde aber 
bald nach Bendas Ankunft in Konigsberg 
geschieden. B. schrieb Oratorien: Unser 
Vater, Die Religion und Der Tod (Texte 
von Heinr. Jul. Tode, Kanonikus zu Pritzier 
in Mecklenburg); einen Barbier von Sevilla; 
ein Narrenballett (1787). Seine Konigsberger 
Theatererfolge datieren von seiner Verbin- 
dung mit dem Dichter Friedrich Ernst 
Jester: Luise (Konigsberg 1790) und ihre 
Fortsetzung Mariechen (1791). Auch ein 
Singspiel Die Verlobung und eine Ouvertiire 
zu Jesters Drama Freemann wurden auf dem. 
Konigsberger Theater aufgefiihrt. Vgl. H. 
Guttler, Konigsbergs Musikkultur im 18. 
Jahrhundert (1925). 

Benda, Friedrich Wilh. Heinr., * 15. 
Juli 1745 und f 19. Juni 1814 zu Potsdam, 
altester Sohn von Franz B.; 1765 — 1810 
Konigiicher Kammermusikus, tiichtiger Gei- 
ger, Klavier- und Orgelspieler, komponierte 
Opern (Alceste, Orpheus, Das Blumen- 
mddchen), 2 Oratorien, Kantaten und Instru- 
mentalsachen. 

Benda, Georg, Bruder von Franz B., 
* 30. Juni 1722 zu Altbenatek, f 6. Nov. 
1795 in Kostritz; 1742 Kgl. Kammermusikus 
in Berlin, 1750 Hofkapellmeister zu Gotha, 
1765 — 66 sechs Monate (mit 1000 Talern 
ZuschuB) vom Herzog zu Studien nach 
Itahen beurlaubt, erregte von 1775 an Auf- 
sehen durch seine Melodramen Ariadne auf 
Naxos (Neuausg. im Kl.-A. von Alfred 
Einstein 1920) — die er 1781 auch in 
Paris zur Auffuhrung brachte — , Medea, 
Pygmalion, Philon und Theone (umgear- 
beitet als Almansor und Nadine): Werke, 
die vor allem durch ihre tonmalerischen 
Schilderungen und den raschen Wechsel des 
Affektes auch auf die zeitgenossische Oper 
groBen EinfluB gewannen. 1778 nahm er 
seinen Abschied, lebte darauf zu Ham- 
burg, Wien u. a. O. und zog mit einer 
kleinen Pension nach Georgenthal bei 
Gotha, spater nach Ohrdruf, zuletzt nach 
Kostritz. Seine Kompositionen sind sehr 
zahlreich, doch ist ein grofierTeilManuskript 
geblieben (Kirchenkantaten, Messen, Sin- 
fonien, Konzerte, Klaviersonaten usw.). 
Fiir die Buhne schrieb er 14 Werke (auBer 
den Melodramen die Singspiele: Der Dorf- 
jahrmarkt 1776, Romeo und Julia 1776, 
Walder 1776, Der Holzhauer 1778 usw.), 
die ihrer Zeit in mehreren Ausgaben im 
Klavierauszug erschienen. Auch einige Kan- 
taten (Amynts Klagen, Cephalus und Aurora, 
Bendas Klagen [sein Schwanengesang]), 

10* 



148 



Benda — Benedict. 



6 Hefte Klavier- und Gesangstiicke (i/8off.), 
ferner 3 Klavierkonzerte (Leipzig 1779 f.) 
und mehrere Hefte Klaviersonaten (VI 
Sonate 1757, Sonate d 4 mains op. 6, 3 So- 
naten mit Violine [Flote]) erschienen im 
Druck, auch einzelnes in Sammelwerken 
(Haffners CEuvres melds, Birnstiels Musikal. 
Allerley u. a.). 8 Sinfonien (ms.) in der 
Stadtbibliothek zu Leipzig erheben sich weit 
iiber die gleichzeitigen der norddeutschen 
Schule. Vgl. Hodermann, G. B. (1895), 
Edgar Istel, Die Entstehung des deutschen 
Melodrams (1906); F. Bruckner, G. B. und 
das deutsche Singspiel (Sammelb. der Int. 
MG. 1904) und Alois Hnilioka, Aus Georg 
Bendas Jugend (Prag 1911, tschechisch) . 

Benda, Johann Wenzel, Bruder von 
Franz B., ebenfalls Violinist, * 16. April 
1713 zu Altbenatek, f 1752 als Kammer- 
musiker in Potsdam; seine Kompositionen 
blieben Manuskript. 

Benda, Joseph, der jungste Bruder und 
Schuler von Franz B., * 7. Mai 1724 zu Alt- 
benatek, wurde seines Bruders Nachfolger 
als Konzertmeister und starb, seit 1797 
pensioniert, 22. Febr. 1804 in Berlin. 

Benda, Karl Herm. Heinr., jiingster Sohn 
von Franz B., * 2. Mai 1748 zu Potsdam, 
| 15. Miirz 1836 in Berlin, langjahriger Kon- 
zertmeister der Konigl. Opernkapelle, kom- 
ponierte einige Kammermusikwerke. 

Bendel, Franz, * 23. Marz 1832 zuSchon- 
linde bei Rumburg, f 3. Juli 1874 zu Berlin, 
Schuler von Proksch in Prag und Liszt in 
Weimar, war eine Zeitlang Lehrer an 
Kullaks Akademie in Berlin; vorziiglicher 
Pianist, komponierte gefallige Klavierstucke 
des besseren Salongenres, auch eine Violin- 
sonate und zu grofier Beliebtheit gelangte 
Lieder (Wie beriihrt mich wundersam). 

Bendeler (Bendler), Johann Philipp, 
Kantor zu Quedlinburg, * ca. 1660 zu 
Riethnordhausen bei Erfurt, f um 1712 (an 
der Orgel vom Schlage geriihrt), schrieb 
Melopasia praclica (1686), Aerarium melo- 
poeticum (1688), Organopexia (2. Auflage 
1690, auch noch 1735 aufgelegt) und Direc- 
iorium musicum (1706). Manuskript blieb 
Collegium musicum de composilione (in 
Matthesons Ehrenpforte erwahnt). 

Bendeler (Bendler), Salomo, Sohn von 
Joh.Ph. B., * 1683 zu Quedlinburg, | 1724 
zu Hamburg, war ein gefeierter Bafisanger 
an der Hamburger Oper, trat auch 1712 
mit groBem Erfolg in London in Handels 
Rinaldo auf. 

Bender, Jakob, * 1798 zu Bechtheim, 
zuerst niederlandischer Militarmusikmeister, 
■j' als Dirigent der Harmonie zu Antwerpen, 
war ein guter Klarinettenspieler, kompo- 
nierte hauptsachlich fur Militarmusik. 

Bender, Paul, Bassist, hervorragender 
Buhnen- und Konzertsanger, * 28. Juli 1875 
zu Driedorf (Westerwald) als Sohn eines 
Pfarrers, absolvierte das Gymnasium zu 
Weilburg(Lahn), studierte alsdann in Berlin 
Medizin, nahm aber nebenher Gesangs- 
unterricht bei Luise ReB und Baptist Hoff- 
mann. Von 1900 — 03 am Stadttheater in 



Breslau, ist er seit April 1903 eine Zierde 
derMunchner Staatsoper; seit 1902 auch bei 
den Bayreuther Festspielen, seit 1922 auch 
in Amerika tatig. 

Bender, Valentin, * 19. Sept. 1801 zu 
Bechtheim bei Worms, f 14. April 1873 als 
Musikdirektor des Koniglichen Hauses und 
der Guiden (Garde) in Brussel; war vorher 
niederlandischer Militarmusikmeister und 
dann Dirigent der Harmonie zu Antwerpen, 
welche Stellung erseinem Bruder Jakob (s.d.) 
iiberlieB, wurde darauf als Klarinetten- 
virtuose beriihmt und komponierte mehreres 
fur sein Instrument sowie fur Militarmusik. 

Bendix, Victor Emanuel, * 17. Mai 185 1 
und j 5. Jan. 1926 zu Kopenhagen, Schiiler 
Gades und Windings am dortigen Konser- 
vatorium, 1872 — 76 Leiter eines eigenen 
Chorvereins, 1897 — 1901 Dirigent der Phil- 
harmonischen Konzerte und 1907 — 10 des 
Ddnischen Chorvereins, 1882 mit Stipendium 
in Deutschland, 1892 — 93 auch Dirigent der 
Volkskonzerte, komponierte 4 Sinfonien 
(I. C dur op. 16 Zur Hohe, II. D dur op. 20 
Sommerkldnge aus Siidrufiland, III. A moll 
op. 25, IV. D moll op. 30), eine Orchester- 
serenade op. 2g, eine Lustspielouvertiire, ein 
Klavierkonzert G moll, Chorwerke (Psalm 
33 [°P- 7] m it Orchester), Klaviertrio op. 12, 
vierhandige Tanz-Improvisationen fur Kla- 
vier, eine Klaviersonate, Lieder usw. Seine 
Gattin Dagmar, Schiilerin von B. und 
Laura Rappoldi-Kahrer in Dresden, ist eine 
tiichtige Pianistin. — Seine Bruder sind: 
Pfotto, Pianist, * 26. Juli 1845, Lehrer am 
Konservatorium zu Boston, t 1904 in San 
Francisco; Fritz, * 12. Jan. 1847, f 7. Sept. 
1914 in Kopenhagen, Schuler Griitzmachers, 
Cellist im Kgl. Orchester zu Kopenhagen. 

Bendl, Karl, tschechischer Komponist, 
* 16. April 1838 und f 16. Sept. 1897 zu 
Prag, 1864 Opernkapellmeister in Brussel, 
sodann Chordirektor an der deutschen Oper 
zu Amsterdam, seit. 1865 wieder in Prag als 
Dirigent des Gesangvereins Hlahol, schrieb 
tschechische Nationalopern : Lejla, Bfetislav, 
Cernohorci, Stary zenich, Karel Skreta, Diti 
Tdbora (Prag 1892) und Mutter Mila (Prag 
1895), e i n Ballett Bohmische Hochzeit (Prag 
1895), eine Siidslawische Rhapsodie fur Or- 
chester (op. 60), Lieder ( Zigeunerweisen) , 
auch gute Kammermusikwerke, Chorwerke 
usw; unter den letzteren Svanda Duddk 
(Der Dudelsackpfeifer, Prag 1883). B. war 
Mitglied der bohmischen Akademie der 
Kiinste. 

Benedicite s. Canticum. 
XBenedict, [Sir] J ulius, * 27. Nov. 1804 
zu Stuttgart, Sohn des jiidischen Bankiers 
Moses B., evangelisch getauft, f 5. Juni 1885 
in London, Schuler von Abeille, Hummel 
(Weimar 1819) und C. M. v. Weber (1821 bis 
1823), 1823 Kapellmeister am Karnthnertor- 
Theater zu Wien, 1825 am San Carlo-Thea- 
ter in Neapel, wo er seine erste Oper: Gia- 
cinta ed Ernesto zur Auffiihrung brachte. 
1830 folgte in Stuttgart i" Portoghesi in Goa. 
Beide Opern hatten wenig Erfolg. 1835 



Benedictus — Benenoit. 



U9 



wandte er sich von Neapel nach Paris und 
noch in demselben Jahre nach London. 
Seitdem ward er vollsiandig akklimatisier- 
ter Englander, von dem die wenigsten wuB- 
ten, dafi er ein geborener Dcutscher war. 
1863 ais Kapellmeister der Opera buffa im 
Lyzeum brachte er ein kleines Werk: Un 
anno ed un giorno, ferner 1838 als Kapell- 
meister am Drury Lane-Theater unter Bunn 
seine erste englische Oper The Gypsy's War- 
ning (Der Zigeuneitin Weissagung), welcher 
1844 Die Brdute von Venedig und 1846 Die 
Kreuzfahrer (Der A lie vorn Berge) folgten. 
1850 ging er mit Jenny Lind nach Amerika, 
wurde bald nach seiner Riickkehr Kapell- 
meister von Mapleson's Opernunternehmun- 
gen (in Her Majesty's Theater, spater in 
Drury Lane), wo er unter anderm Webers 
Oberon mit von ihm hinzugefugten Rezitati- 
ven auffuhrte; auch die Leitung der popu- 
larcn Montagskonzerie ubernahm er 1859, 
dirigierte mehrere Musikfeste zu Norwich, 
wurde Kapellmeister an Covent Garden und 
war 1876 — 80 Dirigent der Philharmoni- 
schen Gesellschaft in Liverpool. An Aner- 
kennung seiner Verdienste hat es nicht ge- 
fehlt, unter anderem wurde er 1871 geadelt 
(Sir) und mit vielen auslandischen Orden 
dekoriert. Von seinen Kompositionen sind 
noch hervorzuheben : die Oper The Lily of 
Killamey (1863, deutsch Die Rose von Erin), 
die Kantaten Undine (i860 Norwich), Ri- 
chard Lowenherz (1863 daselbst) und Gra- 
ziella (1882 Birmingham), Oratorien St. Cd- 
tilia (1866 daselbst), St. Peter (1870 Birming- 
ham), zwei Sinfonien (1873 — 74 im Kristall- 
palast) und 2 Klavierkonzerte (Nr. II op.8g). 
Auch schrieb B. fur Hueffer's Great Musici- 
ans kleine Biographien Mendelssohns (1850) 
und Webers (188 1). 

Benedictus [Dominus Deus Israel] s. 
Canticum (Zachariae). 

Benedictus [es] s. Canticum . 

Benedictus [qui venit] (Gebenedeit sei, 
der da kommt), der 5. Gesangsatz des Ordina- 
rium Missae (s. Messe), wird nach den Vor- 
schriften der katholischen Kirche nach der 
Wandlung gesungen. 

Benedictus Appenzelders s. Appenzeller. 

Benedictus von Nursia, der Begrunder 
des Benediktinerordens (s. d.), angeblich * 
480, J 543, begrundete 529 das Kloster Monte 
Cassino, dessen von ihm entworfene Ordens- 
regel fur den hier seinen Ausgang nehmen- 
den Benediktinerorden verbindlich blieb. 

Benedictus de Opitiis s. Herzog (Ducis, 
Duch). 

Benediktiner. Der von Benedictus von 
Nursia (s. d.) gestiftete Orden der B. hat sich 
um die Musik, ihre Theorie und ihre Ge- 
schichte auBerordentlich verdient gemacht, 
besonders im Mittelalter, wo ja die B.- Klo- 
ster die Hauptstatten wissenschaftlicher Stu- 
dien waren. Anfangend mit dem Papste Gre- 
gor d. Gr. (s. d.) sind beinahe alle die Manner, 
welche die Musikgeschichte des Mittelalters 
mit Auszeichnung zu nennen hat, Benedik- 
tinermonche gewesen: Aurelian von Reome, 



Remi d'Auxerre, Regino von Priam, Notker 
Balbulus, Hucbald von St. Amand, Odo von 
Clugny, Guido von Arezzo, Berno vonReiche- 
nau, Hermannus Contractus, Wilhelm von 
Hirschau, Aribo Scholasticus, Bernhard von 
Clairvaux, Eberhard von Freising, Adam 
von Fuldausw. Von Neueren seien besonders 
hervorgehoben der Fiirst-Abt Martin Gerbert 
von St. Blasien (JI793), DomBedos deCelles, 
Jumilhac, Schubiger, Kardinal Pitra, Dom 
Guei anger, Dom Pothier, Dom Mocquereau 
(vgl. Solesmes), R. Molitor, Dom Ugo Gais- 
ser. Zu den wichtigsten Quellen fur die mit- 
telalterliche Musikgeschichte gehoren des Be- 
nediktmersMabillon^wwafes ordinis.S. Bene- 
dicti (1703 — 39, 6 Bde.). Vgl. Bibliographie 
des Benidictins de la Congregation de France 
(Solesmes 1889). 

Benedito y Vives, Rafael, spanischer 
Dirigent, * 3. Sept. 1885 in Valencia. Stu- 
dierte am Kgl. Konservatorium zu Madrid, 
griindete hier 1916 das Benedito-Orchester 
und 1918 die Masa Coral de Madrid (den 
ersten groBen gemischten Chor der spani- 
schen Hauptstadt). B. propagiert als Diri- 
gent eifrig die zeitgenossische Produktion 
seines Landes, widmet sich der musikalischen 
Ausbildung der Jugend und gab als erster 
nach dem Kriege in Deutschland eine Reihe 
von Orchesterkonzerten mit spanischer Mu- 
sik. Von seinen Kompositionen sind ge- 
druckt: Natura (eine Sammlung Kinderlie- 
der, Kompositionen von Beethoven, Men- 
delssohn, Schumann, Gounod, deutscher und 
russischer Volkslieder mit unterlegtem spa- 
nischen Text); Cantos popular es esparioles 
fur Chor und Klavier; Pueblo (Sammlung 
spanischer Volkslieder) und eine Broschiire: 
Como se enseria el canto y la musica (1927). 

Beneken (Benecken), Friedrich Bern- 
hard, * 13. Aug. 1760 zu Kloster Wennig- 
sen bei Hannover, j 22. Sept. 18 18 als Pastor 
zu Wiilfinghausen bei Hannover, der Kom- 
ponist der Choralmelodie Wie sie so sanft 
ruhn. Gab heraus : Lieder der Unschuld und 
Liebe, Lieder und Gesdnge fur fiihlende Seelen 
(1787), Lieder und kleine Klaviersiiicke filr 
gute Menschen (1794), Lieder der Religion, 
der Freundschaft und der Liebe (1805). 

Benelli, Al em anno, Pseudonym von 
Bottrigari (s. d.). 

Benelli, Antonio Peregrino, * 5. Sept. 
1771 zu Forli (Romagna), j 16. Aug. 1830 in 
Bornichen im sachsischen Erzgebirge, wohin 
er sich seit 1829 zuriickgezogen; war zuerst 
Tenorist am San Carlo-Theater in Neapel, 
das r798 seine Oper Partenope brachte, 1801 
bis 1822 in Dresden, spater als Gesanglehrer 
an der koniglichen Theatergesangschule in 
Berlin tatig; schrieb eine Gesanglehre (Re- 
gale per il canto figurato 1814, deutsch 1819), 
Solfeggien (op. 34), Kirchengesange mit In- 
strumenten (Messen, Stabat, Motetten), auch 
weltliche Gesange (Arien, 4st. Notturni, Kon- 
zertarien). Fiir die Leipziger Allgem. Mus. 
Ztg. schrieb er u. a. Bemerkungen uber die 
Stimme (1824). 

Benenoit, s. Benet (in Cod. Bologna 37). 



150 



Benet — Bennet. 



Benet, Johannes, englischer Komponist 
der i. Halfte des 15. Jahrhunderts, ebenbiir- 
tiger Zeitg^nosse von Dunstable oder Lionel 
Power. Zwei zusammengjhbrige Messen- 
teile (Sanctus und Agnus) aus Cod. 37 Bo- 
logna gibt Wooldridge in Early English 
Harmony (1897) m Faksimile. Andere Stiicke 
sind in den Codd. Trient 87 und 92, Oxford 
Can. 213, Bologna 37 (eine franz. Chanson 
gezeichnet Benenoit [ ?]) erhalten; zwei 3St. 
Messensatze sind veroffentlicht bei Joh. 
Wolf, Geschichte der Mens.-Not. Ill, Nr. 74 
und DTO. XXXI. 

Benevoli, Orazio, * 19. April 1605 als 
Sohn des franzosischen Kuchenbackers 
Robert Venouot (italienisiert: Benevolo), 
und J 17. Juni 1672 zu Rom, 1617 — 23 
unter V. Ugolini Chorknabe an der franzo- 
sischen Ludwigskirche, war Kapellmeister an 
verschiedenen romischen Kirchen, zuletzt 
(1646) am Vatikan, vorher (1643 — 45) ln 
Wien als Hofmusikus des Erzherzogs Leo- 
pold Wilhelm. B. war ein hervorragender 
Kontrapunktist (Schiller von Vincenzo Ugo- 
lini); seine Werke (Messen zu 12, 16 und 24 
Stimmen, desgl. Motetten, Psalmen usw.) 
sind handschriftlich erhalten. Seine 48st. 
zwolfchorige Messe (1628 zur Einweihung 
des Domes zu Salzburg geschrieben und auf- 
gefiihrt), ein Prachtstiick barocken Kirchen- 
stils, erschien in den DTO. (X. 1) in Partitur 
(G. Adler). Vgl. A. Cametti in Riv. mus. 
ital. XXII (1915) S. 629 f. 

Bengtsson, Gustav Adolf Tiburt., schwe- 
discher Komponist, * 29. Marz 1886 zu Vad- 
stena, studierte am Stockholmer Konserva- 
torium Komposition bei Johan Lindegren, 
spater noch bei Paul Juon in Berlin und 
Hugo Riemann in Leipzig. Er lebt als 
Musildehrer in Karlstad. Werke: Sinfonien: 
I C moll, 1908; II D moll, 1910; III C moll, 
1 921; Streichquartett 1907; Sonate fur 
Violine und Klavier 1905; Klaviertrio, 1916; 
Lieder. 

Benincori, Angelo Maria, * 28. Marz 
1779 zu Brescia, seit 1803 in Paris, wo er 30. 
Dez. 1 82 1 starb; Violinvirtuose und Kom- 
ponist, veroffentlichte konzertante Streich- 
quartette op. 2, 3, 4, 5 und 8 und 3 Klavier- 
trios op. 6. Seine Kirchenkompositionen 
blieben Manuskript. B. war Komponist der 
letzten drei Akte und eines Marsches im 
1. Akt der einst beliebten Oper Aladin oder 
die Wunderlampe (zwei Akte von Nicolo 
Isouard), die 1822 in Paris Furore machte; 
drei altere Opern von B. reiissierten nicht. 

Benjamin, Anton J., bedcu tender Mu- 
sikverlag, Leipzig; gegriindet 18 18 in Ham- 
burg. Der jetzige Inhaber, Sohn des Griin- 
ders, John B., * 17. Nov. 1868, erwarb 1918 
den D. Rahter Verlag, Leipzig. 

Benjamin, Arthur L., australischer Pia- 
nist und Komponist, * 18. Sept. 1893 zu 
Sydney, 191 1 Stipendiatam R. C. M. zu Lon- 
don, wo er bei Charles Stanford und Frederic 
Cliffe (Klavier) studierte. 1920 wurde er 
Klavierlehrer am Staatskonservatorium in 
Sydney. Werke: fur Orchester: 3 Dance-Scher- 
zi; Rhapsodie iiber Negermelodien; 2 Ge- 



sange (Masefield) fur Baritpn und Orchester; 
Klarinettenquintett C moll; Rhapsodie D 
dur fur Violine, Violoncell, Klavier; Sonate 
E moll fur Violine und Klavier; Scherzo H 
moll f iir Klarinette und Klavier ; 4 Impressi- 
ons fiir Mezzosopran und Streichquartett; 
Liederzyklus fiir Bariton und Klavier (Ge- 
dichte aus dem 18. Jahrhundert); Pastoral- 
Fantasie fiir Streichquartett (Carnegie-Preis 
1924); alles ms. 

Bennat, Franz, Violoncellist, * 17. Aug. 
1844 in Bregenz, '["27. Aug. 1917 in Miinchen, 
ausgebildet an den Konservatorien zu Miin- 
chen und Briissel, seit 1864 Mitglied des 
Miinchener Hoforchesters (Kammervirtuos). 
B. war tatiger Teilnehmer an den redaktio- 
nellen Arbeiten der DTB, auch selbst ein 
fleiBiger Komponist. Er gab Sonaten Aug. 
Kiihnels (s. d.) heraus. 

Benndorf, Friedrich Kurt, *27. Mai 1871 
in Chemnitz, studierte seit 1890 an djr Uni- 
versitat und der Kgl. Akademie der Kiinste 
in Berlin Musikliteratur, Philosophie und 
promovierte 1894 in Leipzig mit der Arbeit 
Sethus Calvisius als Musiktheoretiker (gedr. 
Vierteljschr. f. MW. Bd. X) zum Dr. phil., 
wurde 1895 a ^ s Lehrer an der Musikschule 
von R. L. Schneider in Dresden angestellt 
und war 1897— 1904 Verwalter der Musik- 
abteilung der Kgl. offentlichen Bibliothek 
(Nachfolger: Arno Reichert). Er veroffent- 
lichte mehrere Hefte Chorgesange sowie mu- 
sikalische Aufsatze in verschiedenen Zeit- 
schriften, aufierdem eine Neuaiisgabe von 
Joh. Kuhnaus Roman Der musikalische 
Quacksalber (1899). Seit langerem wendete 
er sich ausschlieBlich poetischen Arbeiten zu 
und gab 1900 — 10 zehn Biicher lyrischen und 
lyrisch-epischen Inhalts heraus (zum Teil mit 
musikalischen Bsigaben). 

Benner, Paul, schweizerischer Organist, 
Dirigent, Komponist, * 7 . Nov. 1 877 in Neuen- 
burg,wo er seine ersten Studien beiE.Lauber 
machte, studierte dann drei Jahre lang am 
Konservatorium zu Frankfurt bei Iwan 
Knorr und B. Scholz Komposition und ist 
seit 1901 Organist und Leiter des Chorvereins 
zu Neuenburg und Yverdon, Organist und 
Chorleiter an der Eglise independante, so- 
wie Lehrer fiir Komposition am Konserva- 
torium. Werke : fiir Soli, Chor, Orchester und 
Orgel: La Redemption; Requiem; Les Podmes 
de la Mer; Le Bapteme du Bourdon; Liber 
apertus est; zahlreiche a cappella-Chore, ver- 
offentlicht durch die Kommission du Chant 
sacre de l'Eglise independante in Neuchatel; 
Kammermusik; Gesange mit Orchester und 
mit Klavier. 

Bennet, John, engl. Komponist am 1570 
bis 1614, dessen durch besondere Lebendig- 
keit, Mannigfaltigkeit und Inspiration aus- 
gezeichnete 4st. Madrigale (London 1599) 
E. J. Hopkins 1845 neu herausgab. 
Ein Verzeichnis der wenigen verstreut in 
zeitgenossischen Drucken undHandschriften 
erhaltenen sonstigen Stiicke B.s, sowie der 
Neudrucke in Sammlungen gibt Grove's 
Dictionary sowie E. H. Fellowe's' The English 
Madrigal Composers (1921). Vgl. Benet. 



Bennett — Benoit. 



151 



Bennett, George John, * 5. Mai 1863 
zu Andover, 1879 — 84 Schuler der R. Ac. 
of M. in London, dann bis 1887 a uf Kosten 
des Verlegers Novello Schuler Kiels in Berlin 
und in Miinchen Buflmeyers und Rheinber- 
gers, 1888 Professor an der R. Academy, 
1893 Mus. Dr. (Cambridge), 1890 Organist 
an St. John zu London, 1895 Organist und 
Chordirektor an der Kathedrale zu Lincoln, 
seit 1896 Dirigent der dortigen Musical So- 
ciety und Orchestral Society. Kompositionen 
mit Orchester: Messe B moll, Tedeum, Oster- 
hymne.auch Anthems, Lieder, 2 Ouvertiiren, 
1 Trio, Orgelstiicke usw. Biicher: Combined 
and Florid Counterfoil; Elements of Music 
for Choir-boys. 

Bennett, Joseph, Musikschrifts teller und 
Textdichter (Barnett, Mackenzie, Sullivan, 
Cowen und andere verdanken ihm ihre besten 
Texte), * 29. Nov. 1831 zu Berkeley (Glou- 
cestershire), J 12. Juni 191 1 zu Purton bei 
Berkeley, Verfasser der Programmbucher 
der Philharmonischen und der Montags- und 
Samstagskonzerte, Hauptmitarbeiter der 
Musical Times, Musikreferent des Daily Tele- 
graph, 1875 — 76 Redakteur der Concordia 
usw., schrieb Letters from Bayreuth (1877), 
A Story of Ten Hundred Concerts (1887), Hi- 
story of the Leeds Festival (1892 mit F. R. 
Spark), Forty Years of Music (1908). 

Bennett, Theodore s. Ritter. 

Bennett, [Sir] William Sterndale, * 
13. April 1816 zu Sheffield, f 1. Febr. 1875 
in London, aus einer Musiker- und Organi- 
stenfamilie stammend, wurde mit acht Jah- 
ren Chorknabe der Kapelle des Roy. College 
zu Cambridge, wo er sich so auszeichnete, 
daB er 1826 in die Royal Academy of Music 
zu London aufgenommen wurde (Schuler 
von Lucas, Crotch, W. H. Holmes und C. 
Potter). 1833 spielte er sein Klavierkonzert 
in D moll in Gegenwart Mendelssohns, der 
ihn sehr aufmunterte; das Werk wurde von 
der Akademie herausgegeben. 1837 ging B., 
unterstiitzt durch den Klavierfabrikanten 
Broadwood, auf ein Jahr nach Leipzig, wo 
er zu Mendelssohn und Schumann in ein 
freundschaftliches Verhaltnis trat; ein zwei- 
ter Aufenthalt in Leipzig folgte 1840 — 41. 
B. griindete 1849 die Londoner Bach Socie- 
ty, welche unter anderm 1854 die Matthaus- 
passion auffiihrte. 1856 wurde er zum Ka- 
pellmeister der Philharmonischen Gesell- 
schaft erwahlt, gab aber diese Stellung auf, 
als er 1866 Direktor der Musik- Akademie 
wurde. 1856 wurde ihm die Musikprofessur 
der Universitat Cambridge iibertragen, wel- 
cher sich bald die Verleihung der Doktor- 
wiirde anschloB (1867 Master of Arts, 1870 
zu Oxford Ehrendoktor). 1871 wurde er in 
den Ritterstand erhoben (Sir). Seine Haupt- 
werke sind: vier Klavierkonzerte, vier Ou- 
vertiiren (Najaden, W aldnymphen, Parisina, 
Paradies und Peri), G moll-Sinfonie, die Kan- 
tate Maikonigin, Das Weib von Samaria 
(Oratorium), Musik zu des Sophokles Ajax, 
Sonaten, Kaprizen, Rondos u. a. fur Piano- 
forte, Lieder, eine Cellosonate, ein Trio usw., 
im ganzen 46 opera. Die Englander sehen in 



B. den Begriinder einer englischen Schule,- 
ohne Zweifel ist er einer der ansprechendsten 
Komponisten, die England hervorg2bracht 
hat. Vgl. J. R. St. Bennett, The Life of 
W.St. B. (1907). 

Bennewitz, Anton, Violinist, * 26. Marz 
1833 zu Pfivrat bei Leitomischl (Bohmen), 
t Anfang Juni 1926 in Hirschberg, Schuler 
Mildners am Prager Konservatorium, dann 
Mitglied des dortigen Theaterorchesters, 
Konzertmeister am Mozarteum in Salzburg, 
spater in Stuttgart, 1866 Lehrer am Prager 
Konservatorium, 1882 — 1901 dessen Direk- 
tor, seitdem im Ruhestand in Hirschberg bei 
Leipa. 

Bennewitz, Wilhelm, * 19. April 1832 
und + 21. Febr. 1880 zu Berlin als Mitglied 
des Kgl. Opern-Orchesters, Schuler von Fr. 
Kiel, komponierte eine Oper (Die Rose von 
Woodstock, 1876), sowie Klavier- und Cello- 
stiicke. 

Benoist(spr.b6nua),Francois,*io. Sept. 
1794 zu Nantes, jim April 1878 zu Paris; 
18 1 1 Schuler des Pariser Konservatoriums, 
1815 — 19 als Gewinner des Prix de Rome in 
Italien, nach der Riickkehr erster kgl. Hof- 
organist und bald darauf Professor des Orgel- 
spiels am Konservatorium, 1840 erster Chef 
du chant an der GroBen Oper, S3it 1872 pen- 
sioniert. Seine Orgelvortrage erschienen ge- 
sammelt als Bibliothique de forganiste (12 
Hefte); auch komponierte er eine 3St. Messe 
mit Org?l ad libitum, die kom. Oper L&onore et 
Felix (1821), die Oper V apparition (1848) 
und die Ballette La Gipsy (1839, mit Mar- 
liani und A. Thomas), Le diable amoureux 
(1840, mit Reber), Nisida (Die Amazonen 
der Azoren, 1848,) und Pdquerette (1851). 

Benoit(spr.bonua),Camille, *7.(io.)Dez. 
1851 zu Roanne, f 1. Juli 1923 zu Paris, 1888 
Assistent, 1895 Konservator am Louvre, 
Schuler von Cesar Franck, machte sich seit 
1880 als Komponist bekannt mit einer 
Konzertouverture, einem Eleison fur Soli, 
Chor und Orchester (1890), der sinfo- 
nischen Dichtung Merlin C enchanteur , dem 
Musikdrama Cldopatra (eigene Dichtung), 
Musik zu A. France's Noces corin- 
thiennes. Auch betatigte er sich schriftstelle- 
risch mit Souvenirs (1884) und Musiciens, 
pontes etphilosophes(i8&7), iibersetzte Bruch- 
stiicke Wagnerscher Schriften ins Franzo- 
sische, den Text von Beethovens Elegischem 
Gesang ins Lateinische (!) und bearbeitete 
Berlioz' Romeo und Julia vierhandig fur 
Klavier. 

Benoit (spr. bonua), Peter Leonard Leo- 
pold, * 17. Aug. 1834 zu Harlebeke (West- 
Flandern), j 8. Marz 1901 in Antwerpen, 
185 1 — 55 Schuler des Briisseler Konserva- 
toriums, schrieb Musiken zu flamischen Dra- 
men sowie eine kleine Oper fur das Park- 
theater, wurde 1856 Kapellmeister dieses 
Theaters und errang 1857 mit der Kantate 
Die Totung Abels den groBen Staatspreis 
(Prix de Rome). Das staatliche Stipendium 
benutzte er zu umfassenden Studienreisen 
in Deutschland (Leipzig, Dresden, Munchen, 



152 



Bentzon — Berberich. 



Berlin), von wo aus er an die Akademie zu 
Brussel eine Schrift sandte: TJi-cole de musi- 
que flamande et son avenir. 1861 ging er nach 
Paris, um seine Oper Erlkonig zur Auffiih- 
rung zu bringen, die vom Theatre lyrique 
zwar angenommen, aber nicht inszeniert 
wurde; wahrend der Zeit des Wartens diri- 
gierte er die Bouffes-Parisiens. Nach Brussel 
zuruckgekehrt, fiihrte er hier eine solenne 
Messe auf, welche groBen Eindruck machte 
und fur B. groBe Hoffnungen weckte. 
B. war mit Leib und Seele Flame, d. h. Ger- 
mane, und wirkte im Sinne des innigsten 
geistigen Anschlusses an Deutschland in 
seiner Stellung als Direktor der Fldmischen 
Musikschule (seit 1897 Kgl. Konservatorium) 
zu Antwerpen, die er seit 1867 innehatte. 
1880 wurde B. korrespondierendes, 1882 or- 
dentliches Mitglied der Briisseler Akademie. 
Die wichtigsten Kompositionen B.s sind 
auBer den genannten: ein Tedeum (1863), 
Requiem (1863), Klavierkonzert, Flotenkon- 
zert; die flamischen Opern Bet dorp in't ge- 
bergle,Isa(i86y)undPompe'ja(i8()6);dieflami- 
schenOratorien Lucifer ( 1 866) und De Schelde ; 
Drama CAm<i',religi6ses Drama furSoli, Chore, 
Orgel, Celli, Basse und Orchester; De Oorlog 
(Der Krieg, Kantate fur Doppelchor, Soli 
und verstarktes Orchester); ein Kinder-Ora- 
torium; Die Schnitler (Chorsinfonie); Musik 
zu Charlotte Corday ; Musik zu E. van Goe- 
thems Schauspiel Willem de Zwijger (1876), 
Vlaanderens Kunstroem (Rubens- Kantate fur 
Doppelchor und Orchester 1877), Antwerpen 
(fur Tripel-Mannerchor 1877), Joncfrou Ka- 
thelijne (Szene fur Altsolo und Orchester), 
Muse der Geschiedenis (Chor und Orchester 
1880), Hucbald (Baritonsolo, Harfe, Chor 
und Orchester 1880), Triomphmarsch (fur die 
Ausstellung 1880), De Rijn (Oratorium fur 
Doppelchor und Orchester 1889), Sagen en 
Balladen fur Klavier, Liefde in't leven (Lie- 
der), Liefdedrama (dgl.), Motetten mit Orgel 
usw. Seine Schriften sind: De Vlaamsche 
Muziekschool van Antwerpen (1873), Vin- 
stitution de Festivals en Belgique (1874), 
Verhandeling over de nationale Toonkunde 
(2 Bde., 1875 — 77)> De Muzikale Opvoeding 
en Opleiding in Belgie, Het droombeeld eener 
Muzikale Wereldkunst, De Oorsprong van het 
Cosmopolitisme in de Muziek (1876), Over 
Schijn en Blijk in onze Muzikale Vlaamsche 
Beweging, Onze Muzikale Beweging op drama- 
tisch Gebied, Een koninklijk Vlaamsch Kon- 
servatorium te Antwerpen, Onze Nederland- 
sche Muzikale Eenheid, Brieven over Noord- 
Nederland sowie viele Beitrage in den Zei- 
tungen Vlaamsche Kunslbode, Eendracht, 
Guide Musical und in den Sitzungsberichten 
der Briisseler Akademie. Vgl. Const. Stof- 
fels, P. B. (1001). 

Bentzon, J or gen, jungdanischer Kom- 
ponist, Neffe des Dichters Holger Drach- 
mann, * 14. Febr. 1897 in Kopenhagen, wo 
er als Ministerialbeamter lebt; in der Musik 
Schuler von Carl Nielsen und des Leipziger 
Konservatoriums. Werke: Streichtrio; drei 
Streichquartette op. 3 und 6; Sonatine fur 
Flote, Klarinette und Fagott op. 7; Preludio 



■batetico op. 11 fur Streichquartett; Intermezzo 
'sspressivo fur Bliiserquintett: Solostucke lut 
Klarinette und Engl. Horn (Etude Fhapscdi- 
qite op. in); Variazioni intenolti fur Klari- 
nette, Fagott, Violine, Viola und Violoncell 
op. 12; Konzertouverture; Chorlieder u. a. 

Benvenuti, Tommaso ,* 4. Febr. 1838 zu 
Cavarzese (Venetien), f im Marz 1906 in Rom, 
brachte eine Reihe Opern in Italien zur Auf- 
fuhrung (Valenza Candiano, Mantua 1856, 
Adriana Lecouvreur, Mailand 1857, Gugliel- 
mo Shakespeare, Parma 1861, La slella di To- 
ledo, Mailand 1864, 27 Falconiere, Venedig 
1878, Beatrice di Suevia, das. 1890, Le Ba- 
ruffe chiozzole, Florenz 1895). 

Berardi, Angelo, Kirchenkapellmeister 
zu Viterbo, spater zu Spoleto (1681), Schuler 
von Marco Scacchi, 1687 Kanonikus zu 
Viterbo und 1693 Kapellmeister der Basilika 
Santa Maria in Trastevere, war ein hervor- 
ragenderTheoretiker ( Ragionamenti musicali, 
1681, Documenti armonici, 1687; Miscellanea, 
musicale, 1689; Arcani musicali 1690; II 
perche musicale ovvero Staffetla armonica, 
1693). Von seinen Kompositionen sind er- 
halten: eine6st.Messe (1669), eine sst.Toten- 
messe (1663), 2 — 5st. Motetten (1669), 3st. 
Salmi concertaii (1668), 4st. Vesperpsalmen 
( T 675)> 3-6st. Vesperpsalmen (1682) und 
Musiche da camera 2 — 4 v. (1689). 

Berber, Felix, ausgezeichneter Geiger, 
* 11. Marz 1 87 1 zu Jena, Schuler des Dresd- 
ner und Leipziger Konservatoriums (Brods- 
ky), 1889 in London, 1891 — 96 Konzert- 
meister in Magdeburg, 1896 — 1898 in Chem- 
nitz, 1898 — 1902 Konzertmeister am Ge- 
wandhausorchester in Leipzig, 1904 Violin- 
lehrer an der Kgl. Akademie der Tonkunst 
zu Miinclien, 1907 als Nachfolger Heer- 
manns am Hochschen Konservatorium zu 
Frankfurt a. M., 1908 Nachfolger Marteaus 
am Konservatorium zu Genf und Fuhrer 
eines Streichquartetts, 1912 aber wieder 
als Privatlehrer, seit 1920 Prof, an der 
Akademie der Tonkunst in Munchen und 
wieder Primarius eines Streichquartetts 
(B., Huber, Hartl, Hegar; jetzt B., Milly B. 
[B.s Gattin], Hartl, Kohler). 

Berberich, Ludwig, * 23. Febr. 1882 in 
Biburg, studiertc in Freising, 1907 zum 
Priester geweiht und 2 % Jahre in Ruh- 
polding Kaplan; dann an der Regensburger 
Kirchenmusikschule bei Haberl, 1910 — 12 
Schuler der Munchener Akademie (Gluth, 
Maier), 1910 — 16 Chordirigent der Burger- 
saalkirche, seit 1919 als Nachfolger von Eug. 
Wohrle Leiter des Domchors an der Mun- 
chener Frauenkirche. Seit 1921 halt er 
Vorlesungen fiber Kirchenmusik an der 
theologischen Fakultat der Universitat, 
zugleich an der Akademie der Tonkunst. 
Er war Mitbegriinder der Kirchenmusikal. 
Zeitschrift Sursum corda (nach Jahresfrist 
eingegangen) und hat zahlreiche Aufsatze 
zur Hebung des kflnstlerischen Niveaus der 
Kirchenmusik geschrieben. Werke: Messe 
Gdur fur Chor, Streicher, 3H6r>.erundOrgel; 
Messe F dur a cappella; Requiem F moll; 
zahlreiche Motetten u. a. 



Berbiguier — Berg. 



153 



Berbiguier (spr. -big'je), Benoit Tran- 
quille, * 21. Dez. 1782 zu Caderousse (Vau- 
cluse), ")" 20. Jan. 1838 zu Pontlevois bei 
Blois; vortrefflicher Flotist, Schuler von 
Wunderlich am Pariser Konservatorium, 
181 3 — 18 1 5 Soldat, seitdem privatisierend 
als Komponist, schrieb eine Reihe von 
Werken fur Flote (10 Konzerte, 7 Hefte 
Sonaten usw.). Vgl. J. Brosset, Silhouettes 
musicales du BUsois (1907). 

Berceuse (franzosisch, spr. Bos'), Wiegen- 
lied. 

Berchem (Berghem), Jachet de,wahr- 
scheinlich gebiirtig aus Berchem bei Ant- 
werpen, 1555 Organist des Herzogs von 
Ferrara. Mit vollem Namen bezeichnet 
haben wir nur drei Druckwerke : 5 st. Madri- 
gale 1546, 4st. Madrigale 1555 [1556] und 
Libro l° — 3 del Capriccio 4 v. (93 Stanzen 
aus Ariosts Orlando furioso, 1561). Doch 
sind von ihm auch die Messen Mors et for- 
tuna (in Scottos Lib. I missarum 1544) und 
Aliro non I il mio amor und Deus miser catur 
nostri (beide in Gardanos VI missae v. J. 
1547) und wahrscheinlich die in Sammel- 
werken und Manuskripten nur mit Jachet 
bezeichneten Madrigale, wahrend die Mo- 
tetten dem mit ihm gleichzeitigen Jachet 
de Mantua (Gallicus) zuzuschreiben sind 
(vgl. Jachet), der ausschlieBlich Kirchen- 
komponist war. Vgl. Monatshefte fur 
Musikgeschichte 1889 Nr. 8—9 und Haberls 
Kirchenmusikal. Jahrbuch 1891. Vgl. auch 
Buus. 

Berend, Fritz, * 10. Marz 1889 zu Han- 
nover, wo er das Gymnasium absolvierte, 
studierte 1907 ff. in Miinchen zuerst Jura, 
dann Philosophic und Musikwissenschaft 
(Kroyer, Sandberger, Lipps, Wolfflin usw.) 
und promovierte 1913 mit einer Studie iiber 
Nik. Ad. Strungk zum Dr. phil. (Hannover 
1913). Seine praktisch musikalische Ausbil- 
dung erhielt er durch Blume und Lutter in 
Hannover und Jos. Schmid, Schmid-Lindner 
und an der Kgl. Akademie (Klose, Mottl, 
Schmid-Lindner) in Miinchen. Er war erst 
in Freiburg i. Br., dann (1920) in Kaisers- 
lautern als Kapellmeister tatig, dann am 
Stadt. Schauspielhaus in Hagen i. W., jetzt 
Opernleiter am Stadttheater Osnabruck, und 
ist als Liederkomponist hervorgetreten. 

Berens, Hermann, * 7. April 1826 zu 
Hamburg, f 9. Mai 1880 zu Stockholm; Sohn 
des als Flotist und Komponist fur Flote be- 
kannt gewordenen Militarmusikdirektors 
Karl B. (* 1801, t 1857 zu Hamburg), 
zuerst Schiiler seines Vaters, dann Reissigers 
in Dresden, lebte nach einer Kunstreise mit 
der Alboni einige Zeit in seiner Vaterstadt, 
ging 1847 nach Stockholm, wo er sich um 
das Musikleben durch Einrichtung von Kam- 
mermusiken usw. verdient machte, wurde 
1849 Musikdirektor zu Orebro, i860 Kapell- 
meister am Mindretheater in Stockholm, 
spater Hofkapellmeister, Kompositionslehrer 
an der Akademie, zum Professor ernannt 
und ordentliches Mitglied der Akademie. 
B. komponierte eine Musik zu Kodros, eine 
Oper Violetta, sowie drei erfolgreiche Ope- 



retten: Ein Sommernachtstraum, Lully und 
Quinault und Riccardo, auch einige Klavier- 
und Kammermusikwerke. Am bekanntesten 
ist B. durch seine Neueste Schule der Ge- 
laufigkeit (vortreffliche Klavieretiiden, op. 
61) geworden. 

Beresowski, Maxim Sosontowitsch,*i745 
zu Goiuchow (Gouv. Tschernigow), | 1777, 
Schuler von Padre Martini in Bologna, 
brachte in Livorno eine Oper Demofonte 
mit Erfolg zur Auffuhrung, fand aber in 
seiner Heimat trotz bedeutender Begabung 
und ernsten Strebens keine Anerkennung 
und endete durch Selbstmord. Vgl. N. A. 
Lebedew, B. und Bortnjanski als Kirchen- 
komponisten (Petersburg 1882, russisch). 



Beretta, Giovanni Battista, 



24. 



Febr. 1819 zu Verona, f 28. April 1876 zu 
Mailand, anfanglich reicher Kunstliebhaber, 
spater nach Verlust seines Vermogens einige 
Zeit Direktor des Konservatoriums (Liceo 
musicale) zu Bologna, zuletzt in Mailand an 
der Fortsetzung des von Americo Barberi 
begonnenen groBen Musiklexikons arbeitend, 
das er indes nur bis G fordern konnte (Dizio- 
nario artistico scientifico storico-tecnologico 
musicale, i86g — 72J. 

Berg, Adam, beruhmter Musikdrucker 
und Verleger in Miinchen um 1567—99, 
zuletzt assoziiert- mit Nicolaus H ein rich 
(Heinricus), der von 1600 ab allein firmierte. 
Bei B. erschien das Prachtwerk Patrocinium 
Musices (12 Bande, 1573 — 98), von dem sie- 
ben Bande (I— V, VII, VIII) ausschlieBlich 
Kirchenwerke von Orlandus Lassus enthal- 
ten; zwei (IX und XII) solche von Fr. di 
Sale, je eins solche von L. Daser (VI), Bl. 
Amon (X) und Caesar de Zaccharijs (XI). 

Berg, Alban, * 9. Febr. 1885 zu Wien 
als Sohn eines Niirnberger Kaufmanns, er- 
hielt den ersten Klavierunterricht im Eltern- 
haus, blieb aber in der Komposition bis 
zum 19. Jahr Autodidakt. Nach Ab- 
solvierung der Matura war er zwei Jahre 
Beamter der Wiener Statthalterei, nahm 
aber daneben Theorie-Unterricht bei Arnold 
Schonberg, dessen engstem F r eundeskreis 
er mit Webern seitdem angehort; seit 191 1 
in Wien Komponist und Lehrer fur Theorie 
und Komposition im Sinne Schonbergs, 
Kommentator von dessen Werken und Vor- 
tragsmeister an dem von Schonberg gegrun- 
deten und geleiteten Verein fur musikalische 
Privatauffuhrungen; Mitarbeiter und seit 
Herbst 1920 kurze Zeit Redakteur der 
Musikbldtter des Anbruchs. Seit 1925 ist er 
Vorstandsmitglied der osterreichischen Sek- 
tion der Intern. Gesellsch. fiir Neue Musik. 
Bei aller Freiheit und Auflosung des Melo- 
dischen und Harmonischen halt er an einer 
immer erkennbaren und • kontrollierbaren 
gegliederten Form fest. Werke : Sonate fur 
Klavier op. I, 1908 ; 4 Lieder (Hebbel und 
Mombert) op. 2, 1908/9; Streichquartett 
op. 3, 1909/10; 5 Gesange mit Orchester op. 
4 (P. Altenberg), 1912; 4 Stiicke fur 
Klarinette und Klavier op. 5, 1913; 3 Or- 
chesterstucke — Prdludium, Reigen, Marsch 
op. 6, 1914. Von seiner Oper Wozzick (nach 



154 



Berg — Berger. 



Biichner, vollendet 1922), die ahnlich dem 
Doktor Faust von Busoni dramatische 
und rein nmsikalische Form zu vereinen 
sucht, wurden drei Bruchstiicke T924 beim 
Tonkiinstlerfest in Frankfurt aufgefiihrt, 
das ganze Werk Berlin 1926 (Staatsoper). 
Weitere Werke: Kammerkonzert fur Geige 
und Klavier mit 13 Blasern (1924/25); 
Lyrische Suite fur Streichquartett (1926). 
Vgl. R.H.Gail, A.B.; audi E. Stein, 
A. B., im Chesterian Nr. 26. 

Berg, Johann vom, beruhmter Musik- 
drucker und Verleger, * zu Gent, liefi sich 
in Niirnberg nieder, wo er sicli um 1550 mit 
Ulrich Neuber assoziierte (er nannte sich 
auf den Biichertiteln meist Johannes Mon- 
tanus). B. starb 1563. Seine Offizin 
iibernahm Dietrich Gerlach (Garlatzenus) 
und trat in die Firma ein; 1567 schied 
Neuber aus und firmierte fortan wie auch 
Gerlach allein. Nach dem Tode Gerlachs 
(1572) erscheinen die Offizinen wieder ver- 
eint. Vgl. Gerlach. 

Berg, Konrad Mathias, * 27. April 1785 
zu Kolmar (ElsaB), Violinschiiler von Franzl 
in Mannheim, danach (1806 — 07) Schuler 
des Pariser Konservatoriums, f 13. Dez. 1852 
in StraBburg, wo er sich 1808 als Klavier- 
lehrer niedergelassen hatte. Er schrieb 
Klavierwerke (3 Konzerte, Sonaten, Varia- 
tionen, 10 Klaviertrios usw., auch Vier- 
handiges), 4 Streichquartette usw. und einen 
Aperpu historique sur tetat de la mitsique 
d Strasbourg pendant les 50 demieres annees 
(1840), sowie Ideen zu einer rationellen Lehr- 
methode fiir Musiklehrev uberhaupt mit be- 
sonderer Anwendung auf das Klavier spiel mit 
einem Vorworte von Gottfried Weber (in 
dessen Cdcilia [1826]). 

Berg, Natanael, schwedischer Kompo- 
nist, * 9. Febr. 1879 zu Stockholm, studierte 
1897 — 1900 Gesang am dortigen Konserva- 
torium und Komposition in Deutschland, 
Frankreich und Osterreich. Er war Vor- 
sitzender des Vereins schwedischer Kom- 
ponisten seit dessen Griindung (1918 — 1925) 
und ist einer der hervorragendsten jiingeren 
schwedischen Komponisten. Werke: Opern: 
Leila (Stockholm 1910); Josua (unvollendet). 
Ballettpantomimen : Alfvoma (Feen); Stock- 
holm 1914; Sensitiva, 1919; Hertiginnans 
friare (Die Freier der Herzogin), 1920. 
Sinfonische Dichtungen : Traumgewalten , 
1911; A lies endet, was o entstehei, 1913; Varde 
ljus\ (Fiat lux \); Arstidema {Die Jahres- 
zeiten, 1916); Makter (Mdchte), 1917; Pezzo 
sinfonico, 1918; Sinfonia delle passioni, 1922. 
Bailaden fiir Gesang und Orchester: Saul 
und David, 1907; Eros' 1 vrede (Eros' Zorn) 
1907; Predikaren (Der Prediger), 191 1; 
Die badenden Kinder, 1918. Fiir Soli, Chor 
und Orchester: Mannen och kvinnan (Der 
Mann und das Weib), 1911; Israels lovsang 
(Israels Lobgesang), 1915; Violinkonzert ; 
Klavierquintett B moll, 19 17; Streichquar- 
tett, 1919; Serenade fiir Violine und Or- 
chester 1923 ; Das Hohelied fiir Soli.JChor und 
Orchester, 1925 ; Gesange mit Orchester, 
1926; Oper Engelbrekt (unvollendet). 



Bergamasca (Bergamaskertanz); Zet- 
tel fragt im Sommemachtstraum den Herzog, 
ob er einen bergamaskischen Tanz zu sehen 
wunsche ? Der Tanz war also offenbar 
schon um 1600 in England bekannt. Berga- 
masken mit Text finden sich z. B. in Azza- 
juolos Villote del Fiore im 3. Buch (1569). 
In den Tanzsammlungen des 16. Jahr- 
hunderts findet sich keine B. ; doch tritt 
die typische Melodic der B. in den mono- 
dischen und konzertierenden Instrumental- 
werken des 17. Jahrhunderts bald ans Licht, 
etwa bei Sal. Rossi (1622): 




In dieser Art mag die B. am SchluB von 
Shakespeare's Sommemachtstraum ausge- 
sehen haben. S. Scheidt schrieb eine humo- 
ristisch-obstinate Kanzone ad imitat. Berga- 
mas. angl. ( !), aber ohne Basso ostinato (1621 
Paduana usw.). Im 19. Jahrh. tragt die B. 
jedoch einen ganz anderen Charakter: sie 
ist, ahnlich der Tarantella, ein e / 8 Prestissi- 
mo mit Betonung des zweiten Taktteils. 
Vgl. P. Nettl, Die B. (ZfMW. V, 6; 1923). 

Bergamo (Stadt). Vgl. A. Alessandri, 
Biografie di scrittori e artisti musicali ber- 
gamaschi (1875), A. Mazzi, Regesto ...la 
Cappellamusicale nella Basilica cittadina di S. 
Ma Magg. . . . dal 144s (in: C. Scotti, // pio 
Istituto musicale Donizetti a Bergamo, 1901). 

Bergen (Stadt). Vgl. H. Wiers- Jensen, 
Billeder fra Bergens aeldste tealerhisiorie 
(1922). 

Bergenson, Aron Viktor, * 2. Okt. 1848 
zu Varnhem (Schweden), t 18. Mai 1914 in 
Stockholm, Schuler von Hermann Berens, 
seit 1885 Theorielehrer am Stockholmer 
Konservatorium (1912 Professor), schrieb 
Harmonildra (1899, 3- Auflage 1910), Musik- 
lara (1903), Kyrkotonartemas praktiska an- 
vdndning (1906), gab auch Klaviersachen 
und Lieder heraus. 

Berger, Francesco, Pianist und Kom- 
ponist, * 10. Juni 1834 in London von italie- 
nischen Eltern, studierte Komposition in 
Triest bei Luigi Ricci, Klavier bei Karl 
Lickl, spater in Leipzig Klavier bei Mosche- 
les und Plaidy, Harmonie bei Moritz Haupt- 
mann. Klavierlehrer an der R.A.M. und 
derGuildhallSchoolofM.,27 JahrelangEhren- 
Sekretar der Philh. Society. Werke: Ou- 
vertiire und Buhnenmusik zu The Lighthouse 
und zu The Frozen Deep (zwei von Charles 
Dickens und seinem Kreis 1856 — 57 aufge- 
fiihrte Stiicke); iiber 100 Klavierstiicke; 
gegen 100 Lieder, Duette, Terzette, Chore auf 
englische, deutsche, franzosische oder italie- 
nische Texte. Verfasser von Reminiscences, 
Impressions and Anecdotes, von Musical Ex- 
pressions, Phrases and Sentences und eines 
Musical Vocabulary in 4 Languages (1922). 

Berger, Ludwig, * 18. April 1777 und 
f 16. Febr. 1839 zu Berlin; Sohn eines Archi- 
tekten, wuchs in Templin und Frankfurt 
a. O. auf, studierte 1799 zu Berlin bei J. A. 
Giirrlich Harmonie und Kontrapunkt, reiste 



Berger — Bergkreyen. 



155 



1801 nach Dresden, um J. G. Naumanns 
Schiiler zu werden, fand ihn aber soeben 
gestorben. Seinem Andenken widmete er 
eine Trauerkantate. 1804 ging er mit M. 
Clementi als dessen Schiiler nach Peters- 
burg und befreundete sich dort mit Al. 
Klengel und J. Field. Nachdem er in 
Petersburg nach kurzem ehelichen Gliick 
mit der Sangerin Wilhelmine Karges Frau 
und Kind zugleich verloren hatte, ging er 
18 12 nach Stockholm und von da zu Cle- 
menti nach London, wo er J.B.Cramer 
kennen lernte. 18 15 kehrte er nach Berlin 
zuriick und wirkte dort bis zu seinem 
Tode als hochverehrter Lehrer (Schiiler: 
Mendelssohn, Taubert, Henselt, Fanny Hen- 
sel, H. Kiister usw.). B. gab viele vor- 
treffliche Klavierwerke heraus (Sonaten 
op. 1, 6, 7, 9, 10, 15, 18; Etiiden op. 12 u. a., 
die Etiiden in neuer Ausgabe von K. 
Reinecke, die Etiiden op. 22 neu heraus- 
gegeben von X. Scharwenka), sowie elf 
Liederhefte (u. a. die Miillerlieder op. 11), 
Mannerquartette, Kantaten usw. ; seine Zeit- 
genossen schatzten ihn am hochsten als 
Liederkomponisten. 18 19 grundete er mit 
B. Klein, G. Reichardt und L. Rellstab die 
jiingere Liedertafel. Vgl. L. Rellstab, 
L. B. 1846; Luise Leven, Mendelssohn als 
Lyriker (Frankfurter Dissertation 1926). 
Ein zweiter Ludwig B., in Karlsruhe tatig 
und ebenfalls Komponist von Liedern ge- 
falliger Haltung mit Gitarrenbegleitung, 
ist mit dem Berliner B. nicht zu verwechseln. 

Berger, Wilhelm, * 9. Aug. 1861 zu 
Boston, f 16. Jan. 191 1 zu Jena (in der 
Klinik); Kind deutscher Eltern, welche 
schon 1862 nach Bremen iibersiedelten, 
1878 — 84 auf der Kgl. Hochschule zu Berlin 
Schiiler Fr. Kiels und Rudorffs, war langere 
Jahre (seit 1888) Lehrer am Klindworth- 
Scharwenka-Konservatorium und seit 1903 
Hofkapellmeister in Meiningen, 1903 Kgl. 
preuBischer Professor und Mitglied der Kgl. 
Akademie der Kiinste. B. schrieb Lieder, 
von denen einige groBe Verbreitung fanden, 
Frauenchore mit und ohne Begleitung, 
Mannerchore, Klavierstiicke, eine Suite fur 
Klavier, Klaviersonate Hdur op.j6, 3Violin- 
sonaten, ein Klavierquintett F moll op. 95, 
ein Klavierquartett A dur, ein Klaviertrio 
G moll op. 94, Streichtrio G moll op. 69, 
ein Streichquintett E moll (1898 vom Ver- 
ein Beethovenhaus preisgekront); Gesang 
der Geister iiber den Wassern op. 55, Die 
Tauben op. 83, An die grofien Toten op. 85, 
Totenlanz op. 86 und Sonnenhymnus (mit 
Baritonsolo) op. 106 fur Chor und Or- 
chester, Meine Gottin op. 72 fur Mannerchor 
und Orchester (preisgekront), zwei Sinfonien 
(op. ji B dur und op. 80 H moll) und das 
Chorwerk mit Soli und Orchester Eupho- 
rion op. 74 (nach Goethes Faust II.Teil); 
Variationen und Fuge fur Orchester op. 97 
und 3 Balladen fur Bariton mit Orchester. 
Ein Verzeichnis samtlicher gedruckter Werke 
und Bearbeitungen B.s gab 1920 W. Alt- 
mann heraus. 

Bergerette, der Basse Dance verwandter 



Tanz des 16. Jahrhunderts, meist im "/s" 
Takt; vgl. ein Beispiel von 155 1 (Susato): 




Berggreen, Andreas Peter, * 2. Marz 
1801 und J 9. Nov. 1880 zu Kopenhagen, 
studierte zuerst Rechtswissenschaft, ging 
dann zur Musik iiber und wurde 1838 
Organist der Trinitatiskirche, 1843 Gesang- 
lehrer an der Metropolitanschule in Kopen- 
hagen und 1859 Gesanginspektor der offent- 
lichen Lehranstalten. 1829 schrieb er Musik 
zu Ohlenschlagers Vermahlungskantate, 
spater eine Oper Billedet og Busten (1832) 
und Musik zu mehreren Dramen Ohlen- 
schlagers, auch Klavierstiicke und Lieder. 
B. edierte eine elfbandige Sammlung 
Volkslieder verschiedener Nationen (Folke- 
sange og Melodier, 2. Auflage 1864), redigierte 
i836ff. eine Musikzeitung Musikalsk Tidende 
und schrieb die Biographie Chr. F.E.Weyses 
(1875). Vgl. Skou, A. P.B. (1896). 

Bergh, Rudolph, * 22. Sept. 1859 zu 
Kopenhagen, ")" 7. Dez. 1924 in Davos, stu- 
dierte in Kopenhagen Zoologie, habilitierte 
sich 1885 an der Universitat und erlangte 
einen Lehrauftrag; wurde Mitglied der 
danischen und der bohmischen Akademien 
der Wissenschaften, hat aber daneben fort- 
gesetzt musikalische Studien getrieben, bil- 
dete sich theoretisch bei Orla Rosenhoff in 
Kopenhagen, spater in Berlin bei H. v. 
Herzogenberg und H. van Eyken. 1903 gab 
er seine Universitatsstellung auf und siedelte 
nach Berlin iiber; lebte dann in Godesberg 
bei Bonn, seit 1919 wieder . in Kopen- 
hagen. 1922 Direktionsmitglied des dortigen 
Konservatoriums. AuBer zwei- und vier- 
handigen Klavierstiicken sowie zirka 150 
Liedern fiir eine Singstimme und Klavier 
sind im Druck erschienen: Streichquartett 
op. 10, Violinsonate op. 20, gernischte Chore 
a cappella op. 33, Frauenchore op. 37, Re- 
quiem fiir Werlher op. 32 fiir gemischten 
Chor, Altsolo und Orchester und Geister 
der Windstille op. 38 fiir gemischten Chor, 
Alt- und Tenorsolo und Orchester. Auch 
als Schriftsteller ist er hervorgetreten (Mu- 
siken i det 19. Aarhd. usw.). 

Bergiron du Fort-Michon [de Brion], 
Nicolas Antoine, * 1690 und f 1768 zu 
Lyon, grundete 1713 zu Lyon die Aca- 
demie des Beaux-Arts, eine Konzertgesell- 
schaft, welche 60 Jahre bestand, und jede 
Woche ein Konzert gab (Chor und Orchester). 
B. schrieb selbst Vokal- und Instrum'ental- 
werke fiir diese Akademie und war 1739 
auch Mitdirektor und Kapellmeister der 
Lyoner Oper. 

Bergkreyen (Bergreigen), urspriinglich 
weltliche Lieder und zwar, wie der Name 
andeutet, Tanzlieder, denen aber in der 



156 



Bergmann — Beringer. 



Reformationszeit geistliche Texte tinter- 
gelegt wurden. Es erschienen Sammlungen 
weltlicher und gcistlicher B. (aber ohne die 
Melodien) 1531, 1533 [1574], 1537 « n d *547- 
Der Name deutet auf den Beruf der Berg- 
leute hin, wie der Titel des 3. Teiles von 
Daubmanns B. (1547 [1574]) zu bestatigen 
scheint: Etzhche schone Bergreyen von 
Schneeberg, Annaberg, Marienberg, Freiberg 
und St. Joachimsthal. Sdchsische Bergreyhen 
gab 1839 — 1840 Moritz Doring heraus, 
Bergreien aus dem 16. Jahrhundert O. 
Schade (1854) und Meier (1892). Vgl. 
J. N. Vogl, Aus der Teufe (2. Auflage 1856) 
and Kurt Hennig, Die geistliche Kontra- 
faktur im Jahrhundert der Reformation 
(Halle 1909). 

Bergmann, Karl, *i82i zu Ebersbach 
in Sachsen, j 16. Aug. 1876 zu Neuyork, 
Violoncellist und Dirigent, Schiiler von 
Zimmermann in Zittau und Hesse in Breslau, 
ging 1850 nach den Vereinigten Staaten als 
Mitglied des wandernden Orchesters „Ger- 
mania", dessen Dirigent er nach wenigen 
Monaten wurde und bis zu dessen Auflosung 
(1854) blieb. 1855 trat er in das Philhar- 
monische Orchester zu Neuyork, dessen 
Konzerte er zunachst alternierend mit Th. 
Eisfeld, seit 1862 bis zu seinem Tode aber 
allein leitete. B. dirigierte audi mehrere 
Jahre den deutschen Mannergesangverein 
Arion zu Neuyork und hatte grofie person- 
liche Verdienste um die Verbreitung musi- 
kalischer Kultur in den Vereinigten Staaten. 
Als Komponist ist er nur mit wenigen 
Orchesterstucken hervorgetreten. 

Bergmans, Paul Jean Etienne Char- 
les Marie, belgischer Musikschriftsteller, 
* 23. Eebr. 1S68 zu Gent, studierte am 
dortigen Konservatorium und privat bei 
Waelput, 1887 Dr. phil. an der Genter 
Universitat, 1892 Bibliotheksassistent, 1919 
Oberbibliothekar; 1912 Dozent fur Musik, 
1919 a.o. Professor; 1900 Mitglied der Bel- 
gischen Akademie der Archaologie, 191 3 
der Kgl. Belgischen Akademie; Theater- 
und Musikkritiker der Flandre liberate in 
Gent; Mitarbeiter verschiedener Zeitschrif- 
ten und Verfasser zahlreicher Monographien, 
die, dem Umfang nach klein, auOerst reich 
in der Dokumentierung und untadelig in der 
wissenschaftlichen Genauigkeit sind. Ge- 
nannt seien: P.J.Leblan, carillonneur de 
la ville de Gand au XVIII" siecle (Gent 
1884); H. Waelput (1886); Varietes musico- 
logiques (3 Reihen 1891, 1901, 1920); La vie 
musicale gantoise au XVIII" si dele (1897); 
L''Organiste des archiducs Albert et Isabelle: 
Peter Philips (Gent 1903); Les Musiciens 
de Courirai et du Courtraisis (191 2); Notice 
sur Fl. van Duyse (Brussel 1919); Bio- 
graphie v'on Corn. Verdonck (1919); Henry 
Vieuxtemps (Turnhout 1920); Le baron 
Limnander de Nieuwenhove (Brussel 1920); 
Quatorze letlres inidiles du comp. Philippe 
de Monte (1921); Tielman Susato (Antwerpen 
1923); Notice sur le chevalier X. van Elewyck 
(1925); De Vhistoire de la musique (1927); 
Les origines beiges de Beethoven (1927) u. a. 



Bergner, Wilhelm, Organist, * 4. Nov. 
1837 und f 9. Juni 1907 zu Riga, war 
Schiiler seines Vaters (Organist an St. 
Petri), spater des Domorganisten Agthe in 
Riga und Kiihmstedts in Eisenach, wurde 
zunachst Musikiehrer an einem Pensionat 
in Livland, 1861 Organist der englischen 
Kirche zu Riga, 1868 — 1906 Domorganist 
daselbst. B. hob die Musikverhaltnisse Rigas 
durch Grundung des Bachvereins und Dom- 
chors, auch veranlafite er den Bau der groCen 
Orgel im Dom (von Walcker 1882 — 83). 

Bergonzi, Carlo, * 1686, t 1747, vor- 
ziiglicher Geigenbauer zu Cremona, Ant. 
Stradivaris bedeutendster Schiiler. Minder 
bedeutend waren sein Sohn Michelangelo 
und seine beiden Enkel Nicolo undCarloB. 

Bergquist, J.Victor, * 18. Mai 1877 zu 
St. Peter (Minn.), Schiiler von F. Grunicke, 
X. Scharwenka, \V. Berger in Berlin und 
Al. Guilmant in Paris, Orgelvirtuose und 
Komponist, 1905 — 08 in St. Peter, bis 191 2 
in Minneapolis, seitdem Organist in Rode 
Island (PL). Er schrieb: ein verbreitetes 
Oratorium Golgatha (1906), eine Weihnachts- 
und eine Reformationskantate, 3 Orgel- 
sonaten, Chore usw. 

Bergson, Michael, Komponist und Pia- 
nist, * im Mai 1820 zu Warschau, j 9. Marz 
1898 zu Shepherds Bush (London), Schiiler 
von Friedricb Schneider in Dessau, ging 
1846 nach Italien (Oper Luisa di Monifort, 
Florenz 1847), lebte mehrere Jahre zu Berlin 
und Leipzig und liefi sich sodann in Paris 
nieder (Operette Qui va a la chasse perd sa 
place 1859). 1863 wurde er Lehrer am 
Konservatorium zu Genf und bald darauf 
dessen Direktor, siedelte aber einige Jahre 
spater als Privatlehrer nach London iiber. 
B. schrieb viele Etuden und Charakter- 
stiicke fur Klavier, auch ein Klavierkonzert 
usw. Eine Oper Salvator Rosa blieb un- 
aufgefuhrt. 

Bergt, Adolf, * 1822 zu Altenburg, 
f 29. Aug. 1862 zu Chemnitz (durch Selbst- 
mord), war ein hochbegabter Musikcr, be- 
sonders auf dem Gebiete der Komposition 
fur Klavier (Sonaten, Charakterstucke). 

Bergt, Christian Gottlob August, 
* 17. Juni 1772 zu Oderan bei Freiberg, von 
1802 bis zu seinem Tode 10. Febr. 1837 
Organist zu Bautzen, zugleich Seminar- 
musiklehrer und Dirigent des Singvereins. 
B. komponierte ein Passionsoratorium, Te- 
deum, Kantaten und andere Kirchensachen, 
sowie Sinfonien, Quartette, Trios, Klavier- 
variationen, mehrere Opern, Duette, Bal- 
laden und kleinere Lieder, auch schrieb er 
Briefwechsel eines alten und jungen Schul- 
meisiers iiber allerhand Musikalisches (1838, 
herausgegeben von C. G. Hering, enthalt 
auch eine Biographie B.s). 

Beringer, Karl, * 29. Nov. 1866 zu Lauf- 
fen a. N., Schiiler des Stuttgarter Konser- 
vatoriums (Sam. de Lange), nach Studien- 
aufenthalten in Italien und Paris Garnison- 
organist in Ulm, wo er historische Orgel- 
konzerte veranstaltete, die ihn als einen 
ausgezeichneten Virtuosen zur Anerkennung 



Beringer — Berlin. 



157 



gebracht haben (auch besonders als Reger- 
Spieler). 

Beringer, Oskar, Pianist, * 14. Juli 1844 
zu Furtwangen in Baden, j 21. Februar 1922 
in London, Schuler von Moscheles in Leipzig 
und Tausig in Berlin, lebte seit 1871 in 
London, wo er eine Akademie fur hoheres 
Klavierspiel eroffnete, die bis 1897 bestand, 
und wurde 1885 Klavierlehrer an der Royal 
Academy of Music (1900 dsren Ehrenmit- 
glied). B. komponierte besonders instruktive 
Klaviersachen (hervorzuheben : Tdgliche tech- 
-nische Studien), auch ein Klavierkonzert, 
Lieder usw. Seine Lehrerfahrungen legte er 
nieder in 50 Years Experience of Pianoforte 
Teaching and Playing (1907). 

de Beriot (spr. do berjo), Charles Au- 
guste, ausgezeichneter Violinist, * 20. Febr. 
1802 zu Lowen, f 8. April 1870 in Briissel, 
-war als Violinist in der Hauptsache Auto- 
didakt, aber solid musikalisch geschult durch 
seinen Vormund, den Musiklehrer Tiby zu 
Lowen. Als er 1821 vor Viotti spielte, war er 
schon ein selbstandiger Kiinstler und trat 
nur kurze Zeit in das Konservatorium als 
Schuler Baillots ein. Sein erstes Auftreten in 
Paris gewann ihm das Feld, und er konnte 
nun gleich eine erfolgreiche Konzertreise nach 
England machen und wurde zum ersten Solo- 
violinisten des Konigs der Niederlande er- 
nannt mit einem Gehalt von 2000 Fl. Die 
Revolution 1830 schnitt dicse Einnahme- 
quelle ab, und B. war genotigt, wieder zu 
reisen, diesmal mit Maria Garcia- Mali- 
bran (s. d.), die seine Gattin wurde, aber 
schon 1836 starb. Die nachsten Jahre trat 
B. nicht offentlich auf, erst 1840 machte er 
wieder eine Kunstreise nach Deutschland. 
1843 wurde er 1. Violinlehrer am Briisseler 
Konservatorium, muBte aber 1852 wegen 
eines Augenleidens seinen Abschied neh- 
men. Zu seinen Schulern zahlen Vieux- 
temps und Prume. 1858 erblindete er vollig 
und wurde obendrein am linken Arm ge- 
lahmt. Seine Hauptwerke sind: 10 Violin- 
konzerte, eine Violinschule in drei Teilen 
(1858), 4 Klaviertrios, mehrere Sonaten fur 
Klavier und Violine (mit Osborne, Thalberg 
u. a.), 12 Variationenwerke und viele Etiiden 
fur Violine (Ecole transcendentale de Violon). 
Vgl. E. Heron- Allen, De fidiculis opus- 
cula VI (1894 A Contribution towards an accu- 
rate Biography of de B. and Malibran). 

de B£riot (spr. d'J berjo), Charles- Wil- 
frid, Sohn vonCh. A. deB., *I2. Febr. 1833 
in Paris, j" 22. Okt. 1914 in Sceaux du Gati- 
nais, lebte in Paris als geachteter Pianist und 
Komponist (Opiras sans paroles fur Klavier 
und Violine; drei Klavierkonzerte ; sinfo- 
nischeDichtung Fernand Cortes', Ouvertiiren; 
Saptett; zwei Klavierquartette; Klaviertrio; 
Sonate fur Flote und Klavier; Methode cVac- 
compagnement [mit seinem Vater zusammen 
verfaBt]). 

Berlijn (spr. -lein), Anton, * 2. Mai 1817 
und f 16. Jan. 1870 zu Amsterdam; Schuler 
von Ludwig Erk, komponierte 9 Opern, 7 
Ballette, ein Oratorium Moses, Sinfonien 
usw. und vieles kleinere, ist aber uber Hol- 



land hinaus wenig bekannt geworden. Vgl. 
C. Bohm Nachruf an A.B. (Amsterdam 
o. J.). 

Berlin, Johann Daniel, * 1710 zu Me- 
mel, j 1775 zu Drontheim, vortrefflicher Or- 
gelvirtuose, kam 1730 von Kopenhagen als 
Stadtmusikdirektor und Organist am Dom 
(1737) nach Drontheim; schrieb Elementare 
Musiklehre 1742, Anleitung zur Tonometrie 
fTemperaturberechnung) 1767. 
.•(Berlin. Uber die Musikgeschichte Ber- 
lins schrieben: K. v. Ledebur, Tonkiinst- 
lerlexikon Berlins (1861), R. von Lilien- 
cron, Berlin und die deutsche Musik (Deut- 
sche Rundschau 1889), Curt Sachs,. Musik- 
geschichte der Stadt Berlin bis zum Jahre 1800 
(1909), Louis Schneider, Geschichte der 
Oper und des Kgl. Opernhauses in Berlin 
(1852), Curt Sachs, Musik und Oper 
am kurbrandenburgischen Hof (Berlin 
1910); Alfr. Ebert, Attilio Ariosti in Berlin 
16Q7 — 1703 (Bonner Dissert. 1906), L.Oden- 
dahl, Fr. H. Himmel. Bemerkungen zur 
Geschichte der Berliner Oper um die Wende 
des 18. und jo. Jahrhunderts (1917); A. G. 
Brachvogel, Geschichte des Kgl. Theaters zu 
Berlin, 2 Bde. (1877/78); C. Schaffer u. 
C. Hartmann, Die Kgl. Theater in Berlin 
1786— 1885 (1886); J. Kapp, Almanack 
der Berliner Staatsoper 1919 — 1925 (1926); 
F. Jacobsohn, Hans Gregors Komische 
Oper 1905 — 11; O. Weddigen, Geschichte 
der B.er Theater (1899); G. Thou ret, Musik 
am preuflischen Hof im 18. Jahrhundert 
(Hohenzollern-Jahrbuch 1897) und andere 
Spezialstudien(vgl.Thouret) ;A.WeiCmann, 
B. als Musikstadt [1740 — 1911] (1911); Hans 
Miiller, Die Kgl. Akademie der Kiinst-e zu 
B. 1696— 1896 (1896); W. Langhans, 
Die Kgl. Hochschule fur Musik (1873), 
Aug. ReiBmann, Die Kgl. Hochschule fur 
Musik in Berlin (1876), P. Einbeck, Zur 
Geschichte des Kgl. Domchors zu Berlin(iSg^) ; 
H. Lichtenstein, Zur Geschichte der Sing- 
akademie in Berlin (1843); Martin Blu in- 
ner, Geschichte der Berliner Singakademie 
(1891), H. Kawerau, Die Sekularfeier der 
Singakademie zu Berlin (1891); A. N. Har- 
zen- Miiller, Musikalisches und Musiker 
aus dem Liederverein Berlin 1829 (1899); 
(Krause), Festschrift zur 75. Jahrfeier des 
Erkschen Gesangvereins f. gemischten Chor 
(1927); W. Altmann, Chronik des Berliner 
Philharmonischen Orchesters 1882 — 1901 
(1902); derselbe, Zur Geschichte der preu- 
fiischen Hofkonzerte (Musik 1904) ; R. Stern- 
f eld, Chronik des Philharmonischen Chors in 
B. zu seinem 2$jdhrigen Bestehen (1907); H. 
Kuhlo, Geschichte der Zelterschen Liederlafel 
von 1809 — 1909 (1909); E. E. Taubert, Fest- 
schrift zur Feier des 6ojdhrigen Bestehens 
des Sternschen Konservatoriums d. Musik 
(1910); Max Schipke, Gesangsunterricht in 
den Schulen von Berlin 1800 — 1873 (Musik- 
padagogische Blatter 1913); M. Schipke, 
Festschrift zur Feier des 100 jdhrigen Be- 
stehens des St. Ak. Inst, fur Kirchenmusik 
in B. (1922). S. auch die Schriften von Lud- 
wig Rellstab (vgl. die Biographie). 



158 



Berliner Liederbuch — Berlioz. 



Berliner [Glogauer] Liederbuch, s. 

Liederbucher. 

Berliner Schule (im 18. Jahrhundert), s. 
d. f. und Birnstiel. Man spricht von einer 
konservativen B. Sch. oder Norddeutschen 
Schule im 18. Jahrhundert, besonders im 
Gegensatz zu der neuen Stilrichtung der 
Mannheimer oder Siiddeutschen Schule. 

Berlinische Oden und Lieder, bekannte 
von Marpurg redigierte und bei G. J. 
Breitkopf in Leipzig 1756 — 63 in drei Tei- 
len erschienene, fur den damaligen' Tiefstand 
der ,,rationalistischen" Liedkomposition cha- 
rakteristische Liedersammlung (Komponi- 
sten: Marpurg, Ph. E. Bach, Kirnberger, K. 
H. Graun, Schale, Agricola, Nichelmann, 
Sack, Rackemann, Janitsch, Quantz, Krau- 
se, Roth, Seyfarth). Auch die Sammlung 
Gellerts Oden und Lieder (1759 bei Breitkopf) 
redigierte Marpurg (Komponisten nicht ge- 
nannt). 

Berlioz (spr. -lios), Hector, *n.Dez. 
1803 zu la Cote St. Andre (Isere), j 8. Marz 
1869 in Paris, Sohn eines Arztes und selbst 
zum Mediziner bestimmt, ging 1826 g-g-n 
den Willen der Eltern von der Universitat 
zum Konservatorium iiber (Schuler Le- 
sueurs und Reichas) und mufite, da der 
Vater ihm jede Unterstutzung versagte, sich 
einige Monate als Chorist am Theater des 
Gymnase dramatique seinen Unterhalt ver- 
dienen. Eine Messe mit Orchester, zuerst 
aufgefuhrt in der Rochuskirche (1825), die 
Ouvertiiren Waverley und Les francs-juges , 
die Huit scenes de Faust (1828), ein Heft 
Lieder (Melodies irlandaises, 1829J und die 
Symphonie fantastique (1830) waren bereits 
geschrieben und dem Publikum vorgjfuhrt, 
als B. 1830 mit der Kantate Sardanapale den 
Romerpreis errang. Wahrend des Studien- 
aufenthaltes in Italien entstanden: die Ou- 
vertiiren zu Konig Lear und zu Rob Roy 
und die sinfonische Dichtung mit Gesang 
Lelio ou.Le retour a la vie (1831, Fortsetzung 
der Symphonie fantastique). Zugleich be- 
tatigte sich B. als g ustreicher Schriftsteller 
durch musikalische Feuilletons im Corsaire 
(seit 1823), im Correspondant (seit 1829), 
in der Revue europienne (1832), dem Courier 
de I' Europe, und dem Journal des Debats 
(seit 1835; e i ne Weine Auswahl gab Andre 
Hallays heraus [1903]) und seit 1834 
in der neug g.'undcten Gazette musicale 
de Paris, so durch Wort und Tat bemuht, 
ein neues Stilprinzip zur Herrschaft zu 
bringen, das der Programm-Musik. In 
Deutschland schloB sich ihm seit 1847 
Franz Liszt an, indem er B.s Ideen in 
selbstandigjr Weise sich zu eig?n machte. 
1843, x %4-5 und 18.54 besuchte B. Deutsch- 
land, 1845 — 46 Osterreich, 1847 RuBland, 
wo er in den bedeutendsten Sta:lten seine 
Werke vorfiihrte und, wenn auch oft hef- 
tigen Widerspruch, jedenfalls iiberall leb- 
haftes Interesse weckte. Vergjblich er- 
hoffte er eine Anstellung als Ko.npositions- 
lehrer am Konservatorium; nur zum Kon- 
servator der Bibliothek wurde er 1839 er- 
nannt (1852 Bibliothekar) und blieb in dieser 



Stellung bis zu seinem Tode. B. ist bei Leb- 
zeiten in Paris nicht durchgedrungen; erst 
Jahrzehnte nach seinem Tode fanden seine 
Bestrebungenauch inFrankreich wachsenden 
Anhang. Er ist einer der groBen Pioniere 
und Vertreter der neuromantischen Musik; 
einer der originellsten Musiker aller Zeiten 
und ein Anreger hochsten Ranges, wenn 
es ihm selber auch nicht gelungen ist, den 
Widerspruch zu uberwinden, der zwischen 
seinem „Programm" und der festg?haltenen 
Sinfonieform besteht. Er hat packende sin- 
fonische Einzelbilder geschaffen, die er durch 
sein,,Erinnerungsmotiv > 'allerdingsg-;istreich 
verbindet. Eins seiner groBten Verdienste ist 
die bewuBte Ausbeutung der Klangfarben der 
Orchesterinstrumente fur die Charakteristik 
des Ausdrucks in seinen eigenen Komposi- 
tionen und in seinem Traite ^instrumen- 
tation (nebst Anhang Le chef d'orchestre 
und Les nouveaux instruments o. J. [1844], 
deutsch als Die Kunst der Instrumentierung 
von J. A. Leibrock 1843, franzosisch und 
deutsch von J. C. Grunbaum, o. J., desgl. 
deutsch von A.Dorffel 1864, spanisch von 
Camps y Soler). AuBer den schon ge- 
nannten Kompositionen B.s sind noch 
besonders hervorzuhebsn: die imposante 
und mit den monstrosesten Mitteln ar- 
beitende Grande messe des morts (fur die , 
Bsisetzung des Generals Damremont im 
Invalidendom 1837), Harold en Italie (Sin- 
f onie mit konzertierender Bratsch", urspriing- 
lich fur Pag mini bestimmt, 1834), Romeo 
et Juliette (Sinfonie mit Soli und Choren, 
1839), das dreichdrig-i Te Deum mit Or- 
chester und Orgel, eins seiner schonsten, 
ausg glichensten, harmonischsten Werke; 
die kom. Op^rn Benvenuto Cellini (1838), 
Beatrice et Benedict (1862 in Baden-Baden), 
die Oper Les Troyens (1856 — 59), die dra- 
matische Legende La Damnation de Faust 
(1846), die in romanischen Landern haufig 
auch als Op?r aufg :fiihrt wird ; die biblische 
Trilogie L enfance du Christ (1. Le songe 
d'-h erode; 2. La fuite en Egypte [zuerst 
unter dem Ps udonym Pierre Ducre auf- 
gefuhrt]; 3. V arrivee a Sais), die groBe 
Symphonie funibre et triomphale (zur Ein- 
weihung der Si g-ssaule 1840) fur groBcs 
Blasorchester und Chor ( Streichorchester ad 
libitum spater g -schrieben), Le 5 mat, zur 
Feier von Napol ons Todestag (BaB, Chore 
und Orchester), Le carnaval romain (Ouver- 
tiire iiber Thernen aus Benvenuto Cellini), 
Les nuits d'ite (Gesang: mit Orchester) 
usw. Eine kritische Gesamtausgabe der 
Werke B.s, revidiert von Ch. Malherbe und 
F. Weingartner, erschien bsi Breitkopf & 
.Hartel in Leipzig (Partitur, auch Stimmen 
'und Klavierauszug x , 18 Bde. ; die Opern 
fehlen); auch sind die Hauptorchesterwerke 
in Eulenburgs Kleine Partiturausgabe auf- 
,g?nommen. Die durch Goist und Witz 
ausg^zsichneten Sehriften B.s sind: Voyage 
musical en Allemagne et en Italie (1844, 
2 Bde.), Soirees de Corchestre (1853), Gro- 
tesques de la musique (1859), A travers 
chants (1863) u. a., in deutscher Obersetzung 



Bermudo — Bernard. 



159 



von R. Pohl (Gesamtausgabe 1864, 4 Bde.). 
Eine neue deutsche Gesamtausgabe brach- 
ten Breitkopf & Hartel (1903 ff., 10 Bde., 
iibersetzt von Elly Ellds, G. Savic und D. 
Schultz). Nach seinem Tode erschienen 
MSmoires (1870, 2. Aufl. 1876, 2 Bde., 
deutsch von Hans Scholz, Munchen 1914), 
sowie die Correspondance inddite (1878 mit 
biogr. Notizen von Daniel Bernard) und 
Lettres intimes, herausgegeben von Gounod 
(1882). Briefe B.s an die Fiirstin Wittgen- 
stein gab La Mara 1903 heraus. J. Tiersot 
hat auch 2 Bde. Briefe B.s (Les annSes 
romanttques; Le musicien errant) heraus- 
gegsben: iiber diese Ausgabe vgl. J.-G. 
Prod'homme in Zeitschrift der IMG. (Juli 
1907). Eine Neubearbaitung der Instru- 
mentationslehre auf moderner Grundlage ver- 
suchte C. Frhr. von Schwerin (1901, 2. Auf- 
lage 1902); fur die Breitkopf & Hartelsche 
Gesamtausgabe der Werke besorgte Felix 
Weingartner eine Neuredaktion (Ober- 
setzung von W. Niemann und Detlev 
Schultz 1904), eine Neuausgabe des Werks 
durch Richard StrauB brachte 1905 die 
Edition Peters, ein Supplement, unter dem 
Titel Die Technik des modernen Orchesters, 
Ch. M. Widor (1905, deutsch von H. Rie- 
mann). Das bedeutendste und genaueste 
Werk iiber B. ist Ad. Boschots Histoire 
d'un romantique (3 Bde.: La jeunesse d'un 
romantique, 1906; Un romantique sous 
Louis-Philippe, 1908; Le cripuscule d'un 
romantique, 1913 [1920]). Vgl. auch W. R. 
Griepenkerl, Ritter Berlioz in Braun- 
schweig (1843); Fr. Liszt, B.und seine Ha- 
roldsinfonie 1855 (Ges. Werke IV); Ad. Jul- 
lien, H. B. (1888, bedeutendes Werk; 1882 
schon eine Skizze gleichen Titels); Edm. 
Hippeau, B., I'homme et I' 'artiste (1883 — 85 
3 Bde.), ders., B. et son temps (1892); G. 
Brautigam, H. B. aus den Erinnerungen 
von E. Legouvi (deutsch, 1898); J. G. Prod'- 
homme, Le cycle B. (1898) und H. B. 
(1905, deutsch von L. Frankenstein 1906); 
J. Tiersot, H. B. el la societe de son temps 
(1903) ; KatharinaF.Boult, B.sLife as written 
by himself in his Letters and Memoirs (1903); 
R. Louis, H.B. (1904); Allr. Ernst, L' csuvre 
dramalique de H. B. (1884); P.-M. Masson, 
B. (1923 inZ.es maiires de la musique) ; Arthur 
Coquard, B. (in Musiciens ceUbres); R. 
Pohl, H. B., Studien und Erinnerungen 
(1884); O. Liining, H. B. (Zurich, 1893 bis 
1894, 81. — 82. Neujahrsstuck der Allg.MG.) 
und Scheurleer, Twee Titanen der ig. 
Eeuw, B. en Wiertz (1877); Jul. Kapp, 
Berlioz (Berlin 1917 [1922]). 

Bermudo, Juan, spanischer Minorit zu 
Ecija (Andalusien), Verfasser eines theore- 
tischen Werkes Declaracion de Instruments, 
llamado Arte tripharia, das in 5 Biichern 
1549 — 55 in Osuna erschien. Das Tripharia 
bezieht sich auf die Dreiteilung der Musik- 
instrumente in naturliche (naturales, d. h. 
Singstimmen), kunstliche (artificiales, d. h. 
ganz mechanische de toque = Saiteninstru- 
mente) und die sozusagen zwischen diesen 
beiden in der Mitte stehenden Blasinstru- 



mente (de ayre) einschlieBlich der Orgel. 
Das 1549 erschienene erste Buch enthalt nur 
die einleitende allgemeine Musiklehre. Vgl. 
O. Kinkeldey, Orgel und Klavier S. 10 ff. 

Bern. Vgl. Bronnimann, Der Zinkenist 
und Musikdirektor Joh. Ulr. Sulzberger und 
die Pflege derMusik in Bern in derzweiten Hdlf- 
te des ij.Jahrhunderts (Berner Dissert. 1920). 

Bernabei, Ercole, * ca. 1620 zu Capra- 
rola(Kirchenstaat), f Ende 1687 in Munchen ; 
Schiiler von Benevoli, 1653—65 Organist an 
San Luigi de' Francesi, von Juli 1665 bis 
Marz 1667 Kapellmeister am Lateran, dann 
wieder an der Kirche San Luigi de' Francesi, 
1672 Nachfolger Benevolis an der Peters- 
kirche, 1674 Nachfolger Kerlls als Hof- 
kapellmeister und kurfurstlicher Rat zu 
Munchen. B. gehort als Kirchen- wie als 
Kantaten-Komponist der Romischen Schu- 
le an; er steht Carissimi nahe. AuBer fiinf 
in Munchen aufgefuhrten Opern (erhalten 
nur zwei Textbiicher) schrieb er hauptsach- 
lich Kirchenwerke : Messen, Psalmen, Te- 
deum usw. zu 4 — 8 Stimmen, aber auch 
viele Kammerkantaten ; doch ist da von nur 
wenig handschriftlich erhalten. Gedruckt 
wurden nur Motetten fur 5 Singstimmen, 
2 Violinen und BaB (1691) und 3st. Madri- 
gale (Concerto madrigalesco 1669). Vgl. R. 
Casimiri, E. B. maestro delta Cappella mu- 
sicale al Laterano (1920). Eine Biographie 
B.s schrieb R. de Rensis : E. B. (Rom 1920). 

Bernabei, Giuseppe Antonio, Sohnvon 
Ercole B., * 1649 zu Rom, j 9. Marz 1732 in 
Munchen, 1688 Nachfolger seines Vaters 
als bayrischer Hof kapellmeister, schrieb 15 
Opern, von denen die Partituren grofiten- 
teils erhalten sind, auch gediegene und fur 
ihre Zeit etwas altmodische Messen, Magni- 
ficat, Motetten, Hymnen usw. (6 Missae 
breves 4 V. mit Instr. 1710). 

Bernacchi (spr. nakki), Antonio, * im 
(getauft 23.) Juni 1685 und | im Marz 1756 
zu Bologna ; beriihmter Kastrat, Schiiler von 
Pistocchi. 1701 zogihn Kurfiirst Johann Wil- 
helm v. d. Pfalz nach Dvisseldorf, 1716 — 17 
sang er in London, danach zu Munchen 
(1726) und Wien und wurde 1729 von Han- 
del als der Sanger, der damals den groBten 
Ruf genoB, aufs neue fur London engagiert 
(an Stelle von Senesino). 1736 ging er nach 
Bologna zuriick und griindete dort eine Ge- 
sangschule. Vgl. Mannstein. Einige kirchliche 
Kompositionen sind handschriftlich erhalten. 

Bernard (spr. bernar), Emery, * zu Or- 
leans, gab eine Gesangsmethode heraus (Me- 
thode pour apprendre a chanter en musique 
i54i, 1561, 1570). 

Bernard (spr. bernar), Emile, * 28. Nov. 
1843 zu Marseille, j 11. Sept. 1902 zu Paris, 
Schiiler von Reber undMarmontel amPariser 
Konservatorium, Orgelvirtuos, 1889 mit dem 
Preise Chartier (fur Kammermusik) ausge- 
zeichnet, geschatzter Komponist von Kam- 
mermjisikwerken (Violinsonate, Cellosonate, 
Streichquartett, Trio op. 30, Suite fur Pf. und 
V., Divertissement fur 10 Blasinstrumente), 
schrieb auch zwei Orgelsuiten, zwei Kanta- 
ten, ein Violinkonzert op. sg, mehrere Or- 



160 



Bernard — Bernen 



chestersuiten, eine Phantasie op. 31 fur Kla- 
vier und Orchester usw. 

Bernard, Moritz, Pianist und Kompo- 
nist, * 1794 in Kurland, f 9. Mai 1871 in Pe- 
tersburg, Schiiler von Field und HaBler in 
Moskau, Kapellmeister des Grafen Potocki 
in Moskau, siedelte 1822 nach Petersburg 
fiber und eroffnete 1829 einen Musikverlag. 
1840 grfindete er die langere Zeit bestehende 
Musikzeitschrift Der Nuvellist. 1885 gingen 
alle Ausgaben der Firma B. in Besitz von 
P. Jfirgenson in Moskau fiber. — B. 
schrieb eine Oper Olga die Waise oder Die 
Tochter des Verbannten (Petersburg 1845), 
Klavierstficke und Lieder, veroffentlichte 
Die Lieder des russischen Volkes und V en- 
fant pianiste. 

Bernard!, Bartolommeo, Violinist, * zu 
Bologna, j 1732 als Kapellmeister zu Kopen- 
hagen nach mehr als 30jahriger Wirksam- 
keit daselbst, wird zwar von Scheibe (Krit. 
Musicus S. 759) sehr absprechend beurteilt, 
gait aber s. Z. fur einen vortrefflichen Kom- 
ponisten (auch zwei Opern Libussa [Prag 
1703], 27 Gige fortunato [Kop. 1705]). In 
Druck: erschienen 12 Triosonaten op. 1 (Bo- 
logna 1692), 10 dgl. op. 2 (das. 1696), 12 So- 
naten a V. c. B. c. op. 3 (Amsterdam). Auch 
druckte Roger 6 Sonates ou Concerts d 4 — 6 
von B., Torelli u. a. 

Bernard!, Francesco, u nter dem Namen 
Senesino weltberuhmter Kastrat, * 1680 
zu Siena, war zuerst in Dresden engagiert, 
von wo ihn Handel 1720 ffir London gewann; 
1729 uberwarf er sich mit Handel (vgl. Ber- 
nacchi) und ging zu Bononcini fiber. 1739 
kehrte er nach Italien zurfick. 

Bernard!, Gian Giuseppe, * 15. Sept. 
1865 in Venedig, studierte Jura, bildete sich 
aber dann am Konservatorium zu Venedig 
zum Musiker, wurde Kontrapunktlehrer an 
derselben Anstalt und fibernahm zugleich 
die Vortrage fiber Geschichte und Asthetik 
der Musik. Auch begrfindete er einen Ver- 
ein ffir alte Musik (Accademia Nazionale di 
musica antica). B. verfaBte fur die Samm- 
lung Hoepli Handbucher der Harmonielehre 
und des Kontrapunkts, auch erschienen 
viele seiner Vortrage im Druck. Als Kom- 
ponist trat er mit Klavierstucken, Violin- 
stficken und Liedern hervor; auch einer Kin- 
derkomodie 27 vecchio e la morte und einer 
Caecilien-Kantate fur FrCh., Streicher, Orgel 
und Harfen. 

Bernardi, Steffano, *zu Verona, um 
161 5 — 27 Domkapellmeister zu Verona und 
Mitglied der dortigen Accademia Filarmoni- 
ca, 1628 als Domkapellmeister nach Salzburg 
berufen, j wahrscheinlich 1638, gab heraus 
zwei Bfichcr 8st. Messen (1616, 1638), 4 — 5st. 
Messen (1615), 4st. Motetten (1613 mit 6 So- 
naten, 2. Aufl. 1623), 8st. Psalmen mit B.C. 
(1624 u. m.), 4st. Psalmen (1613 u. m.), En- 
comia sacra 2 — 4 v . (1654), drei Bficher 
6st. Madrigale (Concerti academici 6 v. e. B.c. 
161 5 mit 8 Sonaten, 2. Buch 1616, 3. Buch 
1624 con alcune sonatej, 3 Bficher 5 st. Ma- 
drigale ( . . . 1616, 1622, eine Auswahl des 
2. und 3. Buchs zu 6 Stimmen bearbcitet als 



Concerti sacri scielti 1621) und zwei Bficher 
2 — 3 st. Madrigaletti con alcune Sonate a 3 
(1621,1627). Auch als Instrumentalkomponist 
nimmt B. eine bedeutsame Stellung ein. Vgl. 
Salzburger Chronik 1899 Nr. 11— 12 (H. 
Spies). 

Bernasconi, Andrea, * 1706 zu Mar- 
seille (Sohn eines franzosischen Offiziers ita- 
lienischer Abstammung), j 29. Jan. 1784 in 
Mfinchen, wo er 1753 Vizekapellmeister und 
1755 Hofkapellmeister wurde, schrieb ffir 
Wien, Venedig, Turin, Bayreuth und Mfin- 
chen 21 Opern, ein Oratorium sowie eine 
Menge Messen, Motetten, Magnificat usw., 
auch Sinfonien, wovon ein groBer Teil hand- 
schriftlich erhalten ist; gedruckt wurde 
nichts. Seine Tochter Antonia war eine 
geschatzte Opernsangerin (1764 die erste 
Alceste [Gluck] in Wien, 1770 die erste 
Aspasia in Mozarts Mitridate in Mailand. Vgl. 
E. WeiB, A.B.als Opernkomponist (Mun- 
chener Dissertation 1923). 

Berneker, Konstanz, * 31. Okt. 1844 zu 
Darkehmen (OstpreuBen), j 9. Juni 1906 in 
Konigsberg, Schfiler des akademischen Insti- 
tuts fur Kirchenmusik und der Komposi- 
tionsabteilung der Kgl. Akademie zu Berlin, 
war zuerst Dirigent von Mannergesangver- 
einen in Berlin, wurde 1872 Dirigent der 
Singakademie zu Konigsberg, bald darauf 
Domorganist, 1886 Nachfolger Louis Koh- 
lers als Musikreferent der Hartungschen Zei- 
tung, 1895 Lektor an der Universitat. 1885 
erhielt er den Titel Kgl. Musikdirektor. 
Gleichzeitig war B. Kompositionslehrer am 
Konservatorium. B. war ffir seine Zeit be- 
sonders auf dem Gebiete der Komposition 
ffir Chor und Orchester bedeutend (Schillers 
Sieges fest 1871 ffir Mannerchor, Soli und Or- 
chester, Das hohe Lied 1875, Oratorium 
Judith 1877, Hero und Leander, Mila, das 
Haidekind [191 1 instrumentiert von P. 
Scheinpflug], Lowenbraut, Kronungskantate, 
Chore zur Braut von Messina), schrieb auch 
Psalmen, Motetten, Chorlieder und Lieder. 
Vgl. O. Laudien, K. B. (1909) und Konrad 
Burdach, Zur Geschichte und Asthetik der 
modernen Musik (Deutsche Revue 1907, 
Nov. bis Dez. ; biographische Studie fiber B.). 
1907 wurde in Konigsberg eine B. -Gesell- 
schaft begrfindet zwecks Herausgabe seiner 
Werke. 

Berner, Friedrich Wilhelm, * 16. Mai 
1780 und I 9. Mai 1827 zu Breslau; Nach- 
folger seines Vaters J oh. Georg B. als Or- 
ganist an St. Elisabeth, daneben Musikleh- 
rer am Seminar und spater Direktor des 
Kgl. Akademischen Instituts fur Kirchen- 
musik, war ein vorzuglichcr Organist (Leh- 
rer von Ernst Kohler und Ad. Hesse, be- 
freundet mit C. M. von Weber) und respek- 
tabler Komponist (besonders Kirchensachen ; 
vieles ungedruckt). Schrieb Grundregeln 
des Gesanges (181 5), Theorie der Choral- 
Zwischenspiele (1819), Lehre von der musi- 
kalischen Interpunktion (1821). Vgl. J. G. 
Hientsch, F. W. B. (1829). 

Berners, Lord (Gerald Tyrwhitt), 
englischer Komponist, * 18. Sept. 1883 zu 



Bernhard — Bernoulli. 



161 



Apley Park, Bridgnorth, trat 1909 in den 
diplomatischen Dienst ein, 1909 — 11 in Kon- 
stantinopel, 191 1 — 19 in Rom; in der Musik 
hauptsachlich Autodidakt, studierte eine 
Zeitiang Instrumentation bei Strawinsky 
und Casella. Seine Schreibweise ist manch- 
mal sehr verwickelt, manchmal von verwe- 
genster Simplizitat. Er hat etwas eigen- 
willige Wege in der Musik eingeschlagen und 
schreitet von kaustischem Zynismus zur 
witzigen Parodie, von scheinbarer Lyrik zur 
verbliiffendsten Karikatur, von der harm- 
losen Narrheit zum beiBenden Sarkasmus; 
seine eigentliche Devise ist das epater le bour- 
geois. Oper: Le Carrosse du Saint-Sacrement 
1923 ; Ballett The Triumph of Neptune (Dia- 
ghilew's Russ. Ballett 1926); Fantaisie Es- 
pagnole fur Orchester; 3 Stucke (Chinoiserie, 
Valse Sentimentale, Kasatchok); Fragments 
Psychologiques (Haired, Laughter, A Sigh) 
fur Klavier; The Goldfish fur Klavier; Drei 
Trauermarsche (For a Statesman, a Canary, 
a Rich A unt) ; Valses bourgeoises vierhandig 
^Salzburg 1923); Liederalbum auf deutschen 
Text; drei Lieder auf englischen Text; drei 
Chansons auf franzosischen Text; Dialogue 
between Tom Filuter and his Man, by Ned 
the Dog-Stealer. 

Bernhard, August, * 15. Jan. 1852 in 
Petersburg, ")" 1908 in Dresden, studierte 
Jura und besuchte gleichzeitig das Peters- 
burger Konservatorium (1872 — 78), Ko Ex- 
position bei Johannsen und Rimsky-Korssa- 
iow. Seit 1878 Professor, von 1884 — 88 
Inspektor, von 1898 — 1905 endlich Direktor 
<les Petersburger Konservatoriums. Er uber- 
setzte viele Opern (Rimsky-Korssakow) und 
Liedertexte aus dem Russischen ins Deutsche. 

Bernhard,Christoph, * 1627 zu Danzig, 
"t 14. Nov. 1692 in Dresden, Schuler von 
■Christoph Werner und Paul Siefert in 
Danzig und H. Schutz in Dresden, wo er 
1649 Kapellsanger und 1655 Vizekapell- 
meister wurde (der Kurfurst sandte ihn 
zweimal zu vveiteren Studien unter Carissimi 
nach Rom), war, durch Intrigen italienischer 
Hofsanger zeitweilig verdrangt, 1664 — 74 
Kantor an der Jacobikirche zu Hamburg, 
dann aber wieder in Dresden als Musik- 
lehrer der Prinzen und Vizekapellmeister, 
1681 Kapellmeister, 1688 pensioniert. B. 
war einer der gediegensten deutschen Meister 
«des 17. Jahrhunderts. Gedruckt wurden: 
Geistliche Harmonien (1665), ein Begrabnis- 
;gesang fur Joh. Rist (1667) und Prudentia 
Prudentiana (Hymnen, 1669); seine theore- 
tischen Schriften blieben wie die Mehrzahl 
seiner Kompositionen Manuskript. Einige 
Kantaten gab Max Seiffert im 6. Band 
■der DdT . (zusammen mit solchen von M. 
Weckmann) heraus. Vgl. Jos. M. Muller- 
Blattau, Die Kompositionslehre Heinrich 
.Schutzens in der Fassung seines Schiilers 
>Chr. B. (Leipzig 1926); Herm. Rausch- 
ning, Musihgesch. der Stadt Danzig (1926). 

BernhardvonClairvaux(spr. klerwo), der 
Heilige, *io9izuFontainesinBurgund,|20. 
Aug. 1 1 5 3 als Abt von Clairvaux, trat 1 1 12 in 
■den Zisterzienserorden und wurde 1115 der 

Riemann, Musik-Lexlkon. 11. Aufl. 



erste Abt von Clairvaux; schrieb einen ein- 
leitenden Brief De correctione antiphonarii 
zu der unter seiner Autoritat verfaBten 
Praefatio seu tractatus in Antiphonarium 
Cister ■ dense (Leipzig 1517 gedruckt als Isa- 
goge in musicam melliflui doctoris Sancti Bern- 
hardt, auch 1686 in Hommeys Supplementum 
patrum). Ein Tonale in dialogischer Form 
ist ebenfalls nur unter seiner Autoritat ver- 
faBt (abgedruckt bei Gerbert, Scriptores II). 
Bernier (spr. bernje), Nicolas, *28. Juni 
1664 zu Mantes, f 8. Juli (nach Titon du Tillet 
Suppl. 1743 ; Brenetverzeichnet 5. Sept.) 1734 
zu Paris, exzellierte als Chorknabe zu Mantes, 
wurde 1694 Kapellmeister in Chartres, 1698 
an St. Germain zu Auxerre und 1704 Nach- 
folger M.-A. Charpentiers als Musikmeister 
der Ste. Chapelle zu Paris und behielt diese 
Stelle bis 1726; 1723 wurde er einer der vier 
Unterkapellmeister der Kapelle. Seine ge- 
druckten Werke sind : 7 Biicher Kantaten zu 
1 bis 2 St. mit Continuo, zum Teil mit Ritor- 
nellen (1703—23; B., J.-B. Morin und Cle- 
rambault sind die ersten franzosischen Kan- 
taten- Komponisten) ; 3 Biicher 1 — 3 st. Mo- 
te tten mit Klavier (1703, 1713; dasdritteer- 
schien nach seinem Tode 1741). Dramatische 
Divertissements fur die Nuits de Sceaux 
blieben Ms. Einzelgesange von B. finden 
sich in den Ballardschen Sammlungen der 
Airs sSrieux et a boire. B. war auch der 
Heifer des Regenten Philipp II. von Or- 
leans bei seinen Kompositionsliebhabereien 
(Motetten, Opern). Vgl. M. Brenet, Les 
musiciens de la Ste. Chapelle, S. 537 ft. 

Berno, seit 1008 Abt des Klosters Rei- 
chenau (daher Augiensis), wohin er aus 
dem Kloster Prum kam, 1 7. Juni 1048; 
schrieb auBer vielen nicht musikalischen 
Werken einen Tonarius mit Vorwort (Pro- 
logus, anlehnend an Hucbalds Institutio har- 
monica); ferner: De varia psalmorum atque 
cantuum modulatione und De consona tono- 
rum diversitale, abgedruckt in Mignes Patro- 
logie und bei Gerbert, Script. II ; Trithemius 
nennt noch einen Traktat: De instrumentis 
musicalibus. Vgl. die Monographic fiber Bernos 
Tonsystem von W. Brambach (1881). 

Bernoulli (spr. -nuji), Daniel, * 9. Febr. 
1700 zu Groningen, 1 17. Marz 178 1 als Pro- 
fessor der Naturwissenschaften in Basel, 
schrieb wichtige Abhandlungen uber Aku- 
stik. 

Bernoulli (spr. nuji), Eduard, * 6. Nov. 
1867 und | 18. April 1927 zu Basel, promo- 
vierte 1896 in Leipzig zum Dr. phil. mit der 
Arbeit Die Choralnotenschrift bei Hymnen und 
Sequenzen im spateren Mittelalter (in er- 
weiterter Gestalt im Buchhandel 1898), 
redigierte die Neuausgabe von Heinr. Alberts 
Arien (DdT. Band 12 — 13, mit Vorwort von 
H. Kretzschmar) und gab mit G. Holz und 
Franz Saran die Jenaer Liederhandschrift 
mit TJbertragung in moderne Notenschrift 
heraus (1901). 1908 habilitierte er sich als 
Dozent an der Universitat Zurich mit der 
Studie A us Liederbiichern der Humanisten- 
zeit (1910), 1921 wurde er zum Titular- 
professor ernannt. Von weiteren Arbeiten 

11 



162 



Bernoulli — Bertalotti. 



sind anzufiiliren Oratorientexle Hdndels 
(1905), Hector Berlioz als Asthetiker der 
Klangfarben (1909, Antrittsvorlesung), Neu- 
druck von M. Pratorius' Syntagma musicum 
III [1620] (1916), Neuausgabe von L. 
Eulers Tentamen novae theoriae musicae 
(Band I von Eulers opp. omnia, 1926) und 
Faksimile-Ausgabe von Attaingnants Tabu- 
laturen von Tanzen und Chansons v. J. 1530 
und 1 531 (1914, 4 Bande und Kommentar 
von B. [5. Band]). 

Bernoulli (spr. nuji), Jacques, Neffe von 
Daniel B., * 17. Okt. 1759 zu Basel, f 3. Juli 
1 7 89 als Professor derNaturwissenschaften zu 
Petersburg, schrieb u. a. einen Essai theo- 
rique sur les vibrations des plaques vibrantes 
(1787), welcher auf Chladnis Studien Ein- 
fluB hatte. 

Bernoulli (sp. nuji), Johann, * 27. Juli 
1677 und j 2. Jan. 1747 zu Basel als Pro- 
fessor der Naturwissenschaften, schrieb 
wertvolle Abhandlungen iiber Akustik. 

Bernsdorf, Eduard, * 25. Marz 1825 zu 
Dessau, f 27. Juni 1901 zu Leipzig, Schuler 
von Fr. Schneider in Dessau und A. B. 
Marx in Berlin, Musiklehrer und Kritiker 
(in den Signalen) in Leipzig, gab das 1854 
von J. Schladebach begonnene Universal- 
lexikon der Tonkunst (3 Bande, 1856 — 61, 
Nachtrag 1865) zu Ende heraus. 

Berauth, Julius von, * 8. Aug. 1830 
zu Rees (Rheinprovinz), j 24. Dez. 1902 zu 
Hamburg, studierte die Rechte, genoB da- 
neben aber in Berlin Musikunterricht von 
Taubert und Dehn und ging, nachdem er 
bereits zwei Jahre Referendar zu Wesel ge- 
wcsen, 1854 an das Konscrvatorium nach 
Leipzig. 1857 griindete er dort den Verein 
Aufschwung, 1854 denDilett.anten-Orcheste.r- 
verein, dirigierte zeitweilig die Euterpe, 
die Singakademie (Nachfolger von Rietz) 
und den Mannergesangverein. 1863 stu- 
dierte er noch in London bei Garcia Gesang, 
leitete aufs neue mehrere Jahre die Euterpe- 
konzerte in erfolgreichster Weise und ging 
1868 nach Hamburg als Dirigent der Phil- 
harmonischen Konzerte und der Sing- 
akademie. 1878 Kgl. preuBischer Professor. 
1895 trat er von seinen Stellungen zuriick 
und beschrankte sich auf die Leitung des 
1873 von ihm begriindeten Konservatoriums. 

Bernstein, Nikolai Dawidowitsch, 
* 7. Aug. 1876 in Mitau (Kurland), Musik- 
rezensent und Verfasser von Broschiiren und 
Aufsatzen iiber Glinka, Tschaikowsky, A. 
Rubinstein (1911, Reclam), Rufilands The- 
ater und Musik zur Zeit Peters des GroBen 
usw., Begriinder des Instituts fur musika- 
lische Volksaufkliirung in Petersburg (1921, 
jetzt staatliches Musiktechnikum). 

Berr, Friedrich, beriihmter Klarinetten- 
und Fagottvirtuose, * 17. April 1794 zu 
Mannheim, | 24. Sept. 1838 zu Paris; zuerst 
Militarmusiker in verschiedenen franzosi- 
schen Regimen tern, sodann 183 1 Klari- 
nettenlehrer am Konscrvatorium zu Paris, 

1832 Soloklarinettist der Kgl. Kapelle, 

1833 erster Klarinettist am Theatre italien, 
1836 Direktor der neuen Militarmusik- 



schule. Er schrieb: Traite complet de la 
clarinette a 14 clefs (1836) und De la necessite 
de reconstituer sur de nouvelles bases le 
gymnase de la musiquc militaire (1838). 

Berr, Jose, * 29. Dez. 1874 zu Regens- 
burg, Schuler der Munchener Kgl. Akademie 
der Tonkunst (Rheinberger, Thuille, Keller- 
mann), wurde nach mehrjahriger Tatigkeit 
als Korrepetitor und Kapellmeister an ver- 
schiedenen Theatern 1901 an die Musik- 
akademie in Zurich berufen, wo er 19 13 ein 
eigenes, von ihm geleitetes Jose Berr-Kon- 
servatorium griindete; begabter Komponist: 
Mannerchore, Liederzyklus [Gottfried Keller] 
fur 4 Singstimmen und Klavier, Klavier- 
sachen, Mimodrama Francesca (St. Gallon 
1901); musikalische Komodie Der tote Gasi 
(Basel 1923); ein dramatisches Gedicht mit 
Ballett Vasikarana-Pdna (Der Lebenslrank), 
1924; Tanzpantomime Der weifie Tamer 
(Zurich 1926). 

Berrsche (eigentlich Losch, genannt B.), 
Alexander, * 3. April 1883 zu Kaisers- 
lautern, wahrend seiner Gymnasialzeit in 
Hochst a. M. Schuler des Riemannschulers 
Linder (Klavier, Theorie) und des Frank- 
furter Konzertmeisters Willy Post (V.); 
studierte seit 1902 Jura in Miinchen. 
1903 — 06 daneben Theorie- und Klavier- 
schiiler von Max Reger. Seit 1907 ist cr 
als Kritiker in Zeitungen und Zeitschriften 
musikschriftstellerisch tatig, seit 1912 Kon- 
zertkritiker der Munchener Zeitung. Er ist 
von Anfang an besonders fur Pfitzner und 
Reger eingetreten; auch als Kammermusik- 
spieler und Licdbegleiter. Schriften: Kurzc 
Einfuhrwtg in den Arm en Heinrich Pfitzner s. 
(1910); Hans Pfitzner und die absolute 
Musik (Vorwort zum Werkkatalog Pfitzners, 
Miinchen 1919). 

Berfali, Antonio, * im Marz 1605 in Ve- 
rona, 1 1. April 1669 in Wien, seit 1637 Hof- 
musikus in Wien, 1649 Hofkapellmeister 
als Nachfolger Valentinis. Bereits in den 
Jahren 1631 — 46 wurden in Wien Kantaten. 
von ihm aufgefuhrt, spater aber die Opern; 
Teti und Niobe (beide Mantua 1652), 
Vinganno £amore (Rcgensburg 1653, Text 
von Ben. Ferrari [Text erhalten]), La festa 
dell' aria e deW acqua, II re Geiidoro (1659), 
Gli amori di Apollo (1660), // Giro crescents 
(1661, erhalten), Operetta per la nascita 
dell' imperatrice Eleonora (1664, erhalten), 
L'Alcindo (Wien 1665, Prolog von Draghi; 
nur Prolog erhalten), Cibele ed Atti (1666), 
La contesa de' numi (1667; die Musik fur 
das Reiterballett darin von J.H. Schmel- 
zer [gcdruckt]) und die Oratorien: Maria 
Magclalena (1663), Oratorio sacro (dgl.) und 
La strage degC innocenti (1665), audi Messen, 
Motetten usw. (samtlich Manuskript). Vgl. 
Ch. Laroche, A.B. als Opern- und Ora- 
torienkomponist (Wiener Diss. 1919, un- 
gedruckt). 

Bertalotti, Angelo, * 1665 in Bologna, 
studierte 1687 — 90 in Rom, lebte iibrigens 
in Bologna als hochangesehener Gesang- 
lehrer, 1703 Mitglied der Accademia F Har- 
monica. Schrieb: Regole utilissime per 



Bertati 



Bertin. 



apprendere li canii fermo e figurato (1698, 
1706 u. m.), auch gab cr jo Solfeggi a 



Fr. X. Haberl, 2. Auflage, if 

Bertati, Giovanni, * 10. Juli 1735 zu 
Martellago, f 181 5 zu Venedig, bedeutender 
Dichter von Operntexten (Cimarosas Heim- 
liche EheJ, der unter anderem auch das 
Vorbild fur da Pontes Libretto des Don 
Giovanni geliefert hat. Vgl. Albert Schatz, 
G. B., Vierteljahrsschrift iiir MW. V, 1889, 
S. 2 3 1 f f ; V . R o 1 a n d i , II liorettista del M atri- 
monio segre.to: G. B. (Triest 1926). 

Berte, Heinrich (Henry), * 8. Mai 1857 
zu Galgocz (Ungarn), f 25. Aug. 1924 zu 
Perchtoldsdorf, Komponist von Balletten 
(Die goldene Mdrchenwelt Wien 1893, Amor 
auf Reisen Wien 1895, Der Karneval in Ve- 
nedig Wien 1900, Automatenzauber Wien 

1901 Amor im Kiinstlerheim Berlin 1905), der 
Oper Die Schneeflocke Prag 1896, der Ope- 
retten Der neue Biirgermeister Wien 1904, 
Die Millionenbraut Miinchen 1905, Der 
schone Gardist Breslau 1907, Der kleine 
Chevalier Dresden 1907, Der Glucksnarr 
Wien 1909, Kreolenblut Hamburg 191 1, Der 
Mdrchenprinz Hannover 1914. 1916 stellte 
er aus Schubertschen Melodien die Operette 
Das Dreimdderlhaus zusammen. B. lebte 
in Wien. Sein Bruder Emil B., * 3. Jan. 
1856 in Galg6cz, ist Musikverleger in Wien; 
dessen Sohn Emil, * 6. Dez. 1898, Schuler 
von Schreker und Franz Schmidt, ist 
Operettenkomponist. 

Berteau (Berteaud, Berthau) (spr. -to), 
Martin, dererste namhafte franzosische Vio- 
loncellist, *zu Valenciennes, "[" 1756 zu Paris, 
der Lehrer von Cupis, Janson und des alteren 
Duport. Von seinen Kompositionen sind 
Violinsonaten mit B. c. op. 2 erhalten. Ein 
Nachkomme ist wohl Gabriel B., von dem 
ca. 1800 ein Cellokonzert E dur gedruckt 
wurde. ^_, 

Bertelin (spr. bertolang), Albert, * 26. 
Juli 1872 zu Paris, studierte am Konservato- 
rium bei Th. Dubois und Ch.-M. Widor sowie 
bei R. Pugno (Klavier) und erhielt 1902 den 
2. Rompreis. Als Komponist ist B. ein ge- 
wandter Harmoniker und Kontrapunktiker. 
Werke: Lieder; Podmes fur Gesang und Or- 
chester; Choral fur Orchester (1902); Hymne 
funibre fur Orchester (1917, ms.); Klavier- 
stiicke; Sonaten fur V. und Klavier und fur 
Vc. und Klavier; Klavierquintett A dur 

1902 (ms.); Klaviertrio A moll (ms.); Kla- 
vierquartett C moll; Offert. fur Orgel: 
Victimae paschali laudes; 6 Offertorien fur 
Orgel iiber gregorianische Themen; Sahun- 
tala, eine indische Legende, preisgekront; 
Joliza, 3akt. Oper (rumanische Legende), 
1912; Oratorium: Sub Umbra Cruris, 1917 
und 4 Motetten fur Chor, Orchester und 
Orgel In Nalivitate Domini, 1922, die in 
St. Eustache aufgefiihrt wurden. 

Bertelmann, Jan Georg, * 21. Jan. 1782 
und f 25. Jan. 1854 zu Amsterdam, Schuler 
des blinden Orgelvirtuosen D. Brachthuijzer, 
hochgeschatzter Lehrer (Stumpff und R. Hoi 
sind seine Schuler) und bemerkenswerter 



Komponist; es erschienen von ihm : ein Re- 
quiem, eine Messe, ein Streichquartett, Vio- 
lin- und Klavierkompositionen. Manuskript 
blieben verschiedene Kantaten, Violinetuden, 
Klarinettenkonzerte , KontrabaBkonzerte 
usw., sowie eine Harmonielehre. 

Bertelsmann, Karl August, * 1811 zu 
Giitersloh, j 20. Nov. 1861 in Amsterdam; 
Schuler von Rinck in Darmstadt, dann 
Gesanglehrer am Seminar zu Soest, zuletzt 
in Amsterdam, wo er auch 1839 die Leitung 
der neugegriindeten Eutonia iibernahm. 
1853 dirigierte er das Musikfest zu Arnheim. 
Schrieb Mannerchorlieder, auch Klavier- 
lieder und Klavierstiicke. 

Berten, Walter, * 23. Aug. 1902 als Sohn 
eines niederrheinischen Fabrikanten, in Koln 
Schuler von Hermann Unger (Komposition) 
und Ernst Biicken (Musikwissenschaft), 
Griinder und Leiter der Gesellschaft fur Neue 
Musik inM.-Gladbach (1923) ; er lebt in Koln. 
Werke: A cappella-Musik; Sonatine fur 
Klavier; Streichquartett; Satzfolge fur Fl. 
und Fag.; Erste Liedfolge fur Singstimme, 
Fl,, Va., BaBklar. (Kammermusikfest Koln 
1925); Zweite Liedfolge fur Singstimme und 
Kl. ; Hochzeitslied u. a. Dissertation Zum 
V ariationsstil Max Regers; viele Aufsatze in 
Zeitschriften und Zeitungen. 

Berthaume (spr. bert5m), Isidore, Vio- 
linist, * 1752 zu Paris, "j" 20. Marz 1802 in 
Petersburg; trat schon 1761 im Concert 
spirituel auf, wurde 1774 erster Violinist 
an der GroBen Oper, 1783 Dirigent der 
Concerts spirituels, 1788 Violinist in der 
Komischen Oper, verlieB in der Schreckens- 
zeit der Revolution Paris und ging zuerst 
an den Hof zu Eutin, spilter als Solo- 
violinist der kaiserlichen Privatkapelle nach 
Petersburg. B. gab Violinsonaten (op. 4, 7 
und Dans le style de Lolli), ein Violinkonzert 
(1787) und zwei Konzertanten fur 2 Violinen 
(op. 6) heraus. 

Berthold, Hermann, Bruder von K. Fr. 
Th.B., *I4. Aprili8i9inDresden,f in Breslau 
20.Marz 1879, Organist, spater Kantor an St. 
Bernardin in Breslau, komponierte geistliche 
Gesange, Orchester- und Klavierstiicke. 

Berthold, K. Fr.Theodor, * 18. Dez. 1815 
und j 28. April 1882 zu Dresden, Schuler von 
Joh. Schneider und J. Otto, lebte 1840—64 
inRuBland; in Petersburg griindete er den 
St. Annenverein (fur Oratorien). 1864 wurde 
er Nachfolger Joh. Schneiders als Hoforganist 
in Dresden. B. war ein solider Komponist 
(Missa solemnis, Oratorium Petrus, Sinfonien 
usw.); er schrieb: Die Fabrikation musika- 
lischer Instrumente . . . im Vogtlande (mit M. 
Furstenau, 1876).^ 

Bertin (spr. -tang), Louise Angelique, 
Komponistin, Dichterin und Malerin, * 15. 
Febr. 1805 zu les Roches bei Bidvre, t 26. 
April 1877 in Paris, schrieb die kom. Oper 
Le loup garou, die Opern Guy Mannering, 
Faust und, Esmeralda (Notre Dame de Paris), 
von denen die letzte auch in Miinchen ge- 
geben wurde, sowie Lieder, Chorsachen, 
Streichquartette, ein Trio usw., wovon 
einiges im Druck erschien. 

11* 



164 



Bertin de la Doue — de Bertrand. 



Bertin de la Doue, T. . . ., * ca. 16S0 in 
Paris, lea. 1745, Hausmusiklehrer der Prin- 
zessianen von Orleans und Organist der Thea- 
tinerkirche zu Paris, seit 17 14 Violinist und 
Cembalist der GroBen Oper, brachte 17 1 5 — 19 
fiinf Opern zur Auffiihrung (Alcine, Cas- 
sandre [mit Bouvard], Diomdde, Ajax, Le 
jugement de Paris) ; ein Ballett (Les plaisirs 
de la campagne), gab auch drei Hefte Trios 
fur 2 Violinen und BaB heraus, redigierte 
fur Ballard eine Reihe Bande der Airs 
serieux et a boire (1736 — 45) und schrieb 
auch einige Kirchenmusikwerke. 

Bertini, Abbate Giuseppe, * 1756 zu 
Palermo, dort Kgl. Kapellmeister, gab 1814 
in Palermo heraus : Dizionario storico critico 
degli scritiori di musica. B. lebte noch 1847. 

Bertini, Benoit Auguste, * 5. Juni 
1780 zu Lyon, 1793 Schuler von Clementi 
in London, lebte zeitweilig in Paris, Ncapel 
und wieder in London als Klavierlehrer 
(Todesjahr nicht bekannt); gab 1830 heraus: 
Phonological System for Acquiring Extra- 
ordinary Facility on all Musical Instruments 
as well as in Singing, sowie fruher zu Paris 
(1812): Stigtnatographie, on fart d'ecrire 
avec des points, suivi de la melographie, usw. 

Bertini, Domenico, * 26. Juni 1829 zu 
Lucca, J 7. Sept. 1890 zu Florenz, Schuler 
der Musikschule zu Lucca (Giov. Pacini), 
1857 Kapellmeister und Direktor der Musik- 
schule zu Massa Carrara, siedelte 1862 nach 
Florenz iiber, wo er als Dirigent der Societa 
Cherubini und Musikreferent sich bekannt 
machte. Von seinen Kompositionen er- 
schienen einige Gesangssachen, Bruchstiicke 
aus zwei nicht gegebenen Opern und ein 
Harmoniesystem : Compendia de' principii 
di musica secondo un nuovo sistema (1866). 

Bertini, Henri, (B. le jeune), jiingerer 
Bruder und Schuler von B. A. B., * 28. Okt. 
1798 zu London, j 1. Okt. 1876 zu Meylan 
bei Grenoble; kam mit sechs Jahren 
nach Paris, wo er, abgesehen von seinen 
Konzertreisen, meist lebte. 1859 zog 
er sich auf seine Villa in Meylan 
zuruck. Seine Kompositionen sind aus- 
schlieBlich Klavierwerke oder Werke mit 
Klavier (Trios, Quartette, Sextette, Nonette 
und auch eine Klavierschule Methode com- 
pute et progressive de piano). Seine Etiiden 
sind allgemein verbreitete wertvolle Schul- 
werke und zeichnen sich durch Melodiositat 
und feine Harmonik bei groBer technischer 
Nutzliclikeit aus, besonders op. 100, 2g und 
32 (in dieser Reihenfolge vorbereitend fur 
Czernys op. 2gg; Phrasierungsausgabe von 
H. Riemann); 50 ausgewahlte Etiiden gab 
G. Buonamici heraus. B. iibertrug auch 
Bachs Wohltemp. Klavier fur Klavier zu vier 
Handen. 

Bertoldo, Sper' in Dio, * ca. 1530 zu 
Modena, |ca. 1590 alsDomorganist zu Padua, 
gab heraus 2 Biicher 5st. Madrigale (1561, 
1562) sowie Toccale, Ricercari et Canzoni 
(1591) und Canzoni francesi intavolate per 
sonar d' 'or gano (ebenfalls 1591). Zwei Ricer- 
cari sind in Band III von Torchis Arte mus. 
in Italia neugedruckt. 



Berton (spr. bertong), Henri, natur- 
licher Sohn von Henri M. B., * 3. Mai 1784 
zu Paris, j 19. Juli 1832, 1821 — 27 Pro- 
fessor des Elementargesangs am Konservato- 
rium,hat gleichfalls einige Opern geschrieben. 
Vgl. M. D. Raoul Rochette, Notice sur 
la vie et les ouvrages de H. B. (1832). 

Berton (spr. bertong), Henri Montan, 
Sohn von Pierre M. B., * 17. Sept. 1767 und 
f 22. April 1844 zu Paris; beliebter Opern- 
komponist, 1795 Harmonieprofessor an dem 
neuerrichteten Konservatorium, 1807 Ka- 
pellmeister der Italienischen Oper, 1809 
Chef du Chant der GroBen Oper, 1815 Mit- 
glied der Akademie, 18 16 Kompositions- 
professor am Konservatorium. AuBer 48 
Opern, von denen Montana et Stephanie 
(1799), Le delire (1799), Les promesses de 
mariage und Aline (1803) hervorzuheben 
sind, und 4 Balletten komponierte er auch 
5 Oratorien, Kantaten usw., die in den 
Concerts spirituels zur Auffiihrung ge- 
langten, und schrieb De la musique mecanique 
et philosophique (1826), Epitre A un celebre 
compositeur [Boieldieu] (1829) und einen 
Traite d'harmonie (1814). 

Berton (spr. bertong), Pierre Montan, 
* 7. Jan. 1727 zu Maubert-Fontaines (Arden- 
nes), J 14. Mai 1780 zu Paris; war zuerstBaB- 
sanger an der Oper zu Paris und Marseille, 
1748 Konzertdirigent zu Bordeaux und iiber- 
nahm 1759 die Direktion der GroBen Oper zu 
Paris. B. hat groBe Verdienste urn die Auf- 
fiihrung der Werke Glucks. Auch hat cr selbst 
mehrere Opern geschrieben und Lullysche 
Opern neu arrangiert. 

Bertoni, Ferdinando Giuseppe, * 15. 
Aug. 1725 auf der Insel bei Said (Gardasee), 
"j" 1. Dez. 1813 in Desenzano; ward 1752 
erster Organist an der Markuskirche zu 
Venedig, 1757 zugleich Direktor des Kon- 
servatoriums de' Mendicanti, 1785 Nach- 
folger Galuppis als erster Kapellmeister an 
San Marco bis nach 1797 und zog sich dann 
in den Ruhestand nach Desenzano zuruck. 
B. schrieb viele Kirchenmusikwerke und 15 
Oratorien, 48 Opern von 1746 — 89 (Orfeo 
1776, gedruckt 1783), auch Instrumental- 
werke (6 Klaviersonaten op. 9 und 6 Streich- 
quartette op. 2 gedruckt) sowie Kantaten. 
Vgl. Caffi I, S.4i9ff. sowie G. Bustico 
(in: Illuslrazione Bresciana 1909 und 1911 
sowie in Musica d'oggi, Juli 1927). 

Bertram, Georg, * 27. April 18S4 zu 
Berlin, Schuler von Ernst Jedliczka (Kla- 
vier), Hans Pfitzner (Dirigieren), Philipp 
Riifer (Komposition), 1903 — 1920 Lehrer der 
ersten Klavierklassen am Sternschen Kon- 
servatorium und vorzuglicher Pianist (Tour- 
nee mit dem russischen KontrabaBvirtuosen 
Kussewitzky) in Berlin, der besondere Er- 
folge als Mozart- und Chopinspieler erntete. 

de Bertrand, Antoine, franzosischer 
Komponist, * um 1545 zu Fontanges (Can- 
tal), schrieb 7 Biicher 4st. Chansons: Les 
Amours de P. de Ronsard (2 Bde., 1576 
[1578, 1587]), Sonets chrestiens (2 Bde., 
1580), Chansons (3 Bde., 1578 1587]). Er 
fallt unter seinen franzosischen Zeitgenossen 



Bertrand — Besch. 



165 



tlurch die Kuhnheit der Harmonie (Chro- 
matik) auf. Neuausgaben gab H. Expert 
in seinen Monuments (Amours: Bde. 4, 5, 6; 
3. Buch der Chansons: Bd. 7). 

Bertrand (spr. bertrang) , Jean-Gust ave, 
* 24. Dez. 1834 zu Vaugirard bei Paris, 
1 1880 zu Paris, gelehrter Schriftsteller, 
Musikreferent, sowie Feuilletonist verschie- 
dener Pariser Zeitungen, gab heraus: His- 
toire ecdesiastique de Porgue (1859); Essai 
sur la musique dans fantiquite; Les origines 
de I'harmonie (1866); De la reforme des 
etudes du chant an Conservatoire (187 1) und 
Les nationaliles musicales etudiees dans le 
(frame lyrique (1872). 

Bertrand, Marcel, * . . . . 1883 zu Paris, 
Neffe des Direktors der Pariser Oper, Eugene 
B., Komponist der Opern: Ghislaine (Paris, 
Op. com. 1908), Les Heures del' Amour (Monte 
Carlo 1911), LaTerre quimeurt (Rouen 1914), 
Sainte Odile (Paris, Op. com. 1923). 

Berutti, Arturo, argentinischer Kom- 
ponist, *27.Marzi862 zu San Juan; stu- 
dierte in Leipzig bei Reinecke und Jadas- 
sohn und ging dann nach Paris und Mai- 
land, um mit der Opernkomposition ver- 
traut zu werden. 1896 kehrte er nach 
Buenos Aires zuruck, und seit dieser Zeit 
zeigen seine Werke den EinfluB der Balladen 
und Lieder seiner Heimat. Werke : Vendetta, 
3akt., Vercelli 1892; Evangelina, Mailand 
1893; Tarrass bulba 4akt., Turin 1895; 
Pampa 1897, seine erste Oper mit nationalem 
Charakter, mit groBem Erfolg aufgefuhrt in 
Buenos Aires; Jupanki, 3akt., 1899, mit 
einem Stoff aus der Volkssage der Inka; 
Khryse", 4akt., auf eigenen Text, Buenos 
Aires 1902; Horrida Nox, 2akt., 1905; 
Gli Eroi, 1910; Stiicke fur Klavier und fur 
Violine mit Klavier. 

Berutti, Pablo M., argentinischer Kom- 
ponist, * 1887 in San Juan, studierte in 
Leipzig bei Jadassohn; war Dirigent der 
argentinischen Nat. Militar-Schule fiirMusik 
und ist jetzt Inspektor der Militarmusik und 
Leiter eines von ihm gegriindeten Konser- 
vatoriums in Buenos Aires. Oper: Cocha- 
bamba 3akt. (gedruckt bei Oretti, Buenos 
Aires); Messe; Trauermarsch; Klavierstiicke. 

Berwald, Astrid, * 8. Sept. 1886 zu 
Stockholm, Tochter von Hjalmar B., Schii- 
lerin von Rich. Andersson (Stockholm) und 
von Dohnanyi an der Kgl. Hochschule in 
Berlin, lebt als Klavierlehrerin und tiichtige 
Pianistin in Stockholm. 

Berwald, Franz Adolf, * 23. Juni 1796 
und ■)" 2. April 1868 in Stockholm als Di- 
rektor des Konservatoriums ; schrieb wert- 
volle Sinfonien und Kammermusikwerke (ge- 
druckt die Sinfonien in G moll, C dur [singu- 
liire] und Es dur, 4 Klaviertrios [Es dur, 
F moll, D moll, C dur] , 2 Streichquartette 
[Es dur, A moll], 2 Klavierquintette [op. 5 
Cmoll, op. 6 A dur], Cellosonate op. 7 Bdur), 
auch eine Oper Estrella de Soria (Stockholm 
1862, Partitur herausgegeben v. d. Musika- 
liska Konstforeningen, Bruchstucke 1898 zur 
Eroffnung des neuen Opernhauses in Stock- 
holm wieder aufgefuhrt). Ausfiihrliches fiber 



die Familie B. gibt Norlinds Allmdnt Musik- 
lexikon (Stockholm 1913 — 16 und 1927). 
Vgl. auch A. Hillmann, Franz B. (1920). 

Berwald, Hjalmar, * 1848 in Od bei 
Wien, wurde zuerst zum Pianisten gebildet, 
ging jedoch mit 16 Jahren zum technischen 
und mathematischen Lehrberuf fiber und 
lebt seit langerem in Stockholm ; er verof f ent- 
lichte in vorgeriickterem Alter Lieder; ein 
Klaviertrio, eine Violinsonate u.a. bliebenMs. 

Berwald, Johann Friedrich, Vetter 
von Franz B., * 4. Dez. 1787 und f 26. Aug. 
1861 in Stockholm, Sohn des Fagottisten, 
spater Violinisten Georg Johann B., reiste 
jung als Violinvirtuose, wurde 181 5 Konzert- 
meister und 1823 als Nachfolger du Puys 
Hofkapellmeister in Stockholm. Von seinen 
Kompositionen erschienen bereits von I794( !) 
an eine Reihe Streichquartette, ein Streich- 
quintett, Violinsonaten, Violinkonzerte, auch 
Orchesterwerke, Kantaten und franzosische 
Romanzen im Druck. Drei Tochter B.s 
waren Sangerinnen (Fredrika, Julia Mat- 
hilda, Hedvig Eleonora). 

Berwald, William Henry, * 26. Dez. 
1864 in Schwerin, 1883 — 87 Schiiler von 
Rheinberger in Miinchen, 1887/88 von FaiBt 
in Stuttgart; wurde 1889 Direktor des Philh. 
Vereins in Libau (RuBland) und kam 1892 
nach Amerika, als Lehrer fur Komposition 
und Klavier am Coll. of Fine Arts der Univer- 
sitat zu Syrakus (Nachfolger von Goetschi- 
us), wo er bis heute tatig ist. Er ist ein 
fruchtbarer Komponist, besonders von wirk- 
samen Anthems. Werke -.73 Klavierstiicke; 36 
Lieder ; 7 Duette ; 1 3 gemischte Chore ; 1 1 An- 
themsfiirFrauenchor, igfurMannerchor; 106 
fur gemischten Chor; 10 Kantaten; 2 Sonaten 
fur Violine und Klavier; 2 Romanzen fur 
Violoncell und Klavier; unveroffentlichtes 
Klavierquintett ; Klaviertrio , dramatische 
Ouverture und eine zweite Ouvertiire 
Walthari. 

Besard (spr. bosar) (Besardus), Jean- 
Baptiste, * um 1567 zu Besancon (Veson- 
tinus), Dr. jur., Lautenspieler und Kompo- 
nist fur die Laute, gab heraus: Thesaurus 
harmonious (Koln 1603, schlechte Arrange- 
ments fur Laute), Novus partus (Augsburg 
1617, desgl.) und Isagoge in artem testudina- 
riam (d. i. Griindlicher Unterricht usw., Augs- 
burg 1617). Vgl. Aug. Casta n, Note sur 
J. B. B. (MSmoires de la Soc. a" Emulation du 
Doubs, tome I; 1876); L. de la Laurencie, 
Les luthistes Bocquet, Francisque et B. (Rev. 
de musicologie, 1926); auch Chilesotti. 

Besch, Otto, * 14. Febr. 1885 zu Neu- 
hausen bei Konigsberg (Ostpr.), studierte 
zunachst Theologie, dann Musik bei O. Fie- 
bach in Konigsberg und bei Ph. Rufer und 
E. Humperdinck in Berlin. Er lebt als Kom- 
ponist, Lehrer und Kritiker in Konigsberg. 
Er schrieb Orchesterwerke: Ouverture E. T. 
A. Hoffmann, 1920; Kammermusik : Streich- 
quartett in einem Satz Mitsommerlied, Kla- 
viertrio Suite aus Ostpreuflen; Sonate fur 
Klavier in einem Satz; Suite fur Streich- 
quartett; MusikaJ. Vorspruch zu einem 
Schauspiel (f. Orchester); einakt. Oper 



166 



Beschnitt — Best. 



Ninclla (Korigsberg 1926); Buch: Engelbert 
Humperdinck (1914). 

Beschnitt, Johannes, * 30. April 1825 
zu Bockau in Schlesien. j 24. Juli 1880 zu 
Stettin; besuchte 1842 das Lehrcrseminar in 
Breslau und 1844 — 45 das dortige Kgl. In- 
stitutfur Kirchenmusik, wurde 1848 Kantor 
der katliolischen Schule zu Stettin und diri- 
gierte einen. Mannergesangverein. Kompo- 
nist beliebter Mannerchore (Mein Schifflein 
treibt inmitten, Ossianj usw. 

Besekirski, Wassili Wassiljewitsch, 

* 26. Jan. 1835 in Moskau, bedeutender Gei- 
ger, Schiller Leonards in Briissel, langjahri- 
ger Leiter der Violinklassen der Moskauer 
Philharmonischen Musikschule; veroffent- 
Jichte Kompositionen fur sein Instrument, 
Bearbeitungen klassischer Werke, Kadenzen 
zu Geigcnkonzerten, auch Memoir en (Peters- 
burg 1910). 

Besler, Samuel, "'15.Dez.1574 zu Brieg; 
Organist an St. Berniiardin und Lehrer an 
der Heiligengeistschule zu Breslau, wo cr 
19. Juli 1625 an der Pest starb. Eine Reihe 
kirchlicher Kompositionen (Passionsgesange, 
Weihnachtslieder, Tischgebete usw.) sind 
1602 — 24 in Druc'k erschienen. Auch gab B. 
diePassionsmusikvonScandelliheraus(i6i2). 

Besler, Simon, Bruder von Samuel B., 

* 27. Aug. 1583 zu Brieg, f 12. Juli 1633 zu 
Breslau, war zuerst Kantor in Striegau, urn. 
1610 — 20 Kantor an S. Maria Magdalena zu 
Breslau und dann Kantor und Hofmusikus 
zu Liegnitz; nur eine kleine Zahl einzeln ge- 
druckter 4 — 6st. Gesange ist erhalten. 

Besly, Maurice, englischer Diligent und 
Komponist, * 28. Jan. 1888 zu Normanby in 
Yorkshire, studierte 1910—12 a.m. Leipziger 
Konservatorium bei Teichmuller (Klavier), 
Schreck und Krehl (Komposition) und bei 
Ernest Ansermet (Dirigieren) ; 1910 — 12 Or- 
ganist an der englischen Kirche zu Leipzig, 
7912 — 14 assistent-music-rnaster an Ton- 
bridge School; 1919, nach clem Kriege, Orga- 
nist am Queen's-Coll. zu Oxford, 1920 Diri- 
gent des Oxforder Orchesters; erstes Auf- 
treten in London 1922; 1924 cincr der Diri- 
genten des schottischen Orchesters. Er gab 
das Queen's College Hymn Book heraus. 
Werke: Ouverturc und Buhnenmusik zum 
Kaufmann von Venedig; Qrchester-Imprcs- 
sion Misi in the Valley; Orchester-Suite Chel- 
sea China,-. Orchester-Bearbeituug von Bacbs 
Trio in C moll und von zwei Choralvorspie- 
3en; A Time with Disguises fur Violine und 
Klavier; Nocturne fiir Violine und Klavier; 
Orgel-Ubertragung von Strawinskys Feuer- 
vogel; Phaedra, Szene fiir Sopran und Or- 
chester; The Shepherds heard an Angel fiir 
Sopran, Chor und englisches Horn; 4 Poems 
fur Gesang und Klavier; Liedcr; Anthems 
und Motetten. 

Besozzi, Aiessandro, bcriihmtcr Oboe- 
virtuose, * ca. 1700 zu Parma, j 1775 zu 
Turin, 1731 an der Hofkapelle zu Turin ange- 
stellt, spater Kammervirtuos und Direktor 
der Instrumentalmusik. feierte auf ausge- 
dehnten Konzertreisen zum Teil mit seinen 
Briidern Girolamo (| 1786) und Antonio 



(| 17S1) Triumphc, gab auch zahlreiclie Kam- 
mermusikwerke heraus (Triosonaten op. 1 — 5 
toils fiir 2 V. und B.C., teils fiir 2FI. [Ob.] und 
BaB, auch Soli fiir Flote [Oboe] und B.C.). 
Ein Sohn. von Antonio B., Carlo, war 1755 
bis 1792 im Dresdener Hoforchester als Obo- 
ist angestellt; Antonio und Carlo waren 
unter Jommelli auch im Stuttgarter Or- 
chester tatig. Von Carlo sind 24 Sonaten fiir 
2 Oboen, 2 Corni und Fagott erhalten, auch 
hat er Oboekonzerte geschrieben. 

Bessel, Wassili Wassiljewitsch, * 25. 
April 1843 in Petersburg, j 25. April 1907 in 
Zurich, absolvierte 1865 das Petersburger 
Konservatorium, eroffnete 1869 mit seinem 
Bruder Iwan eine Musikalienhandlung W. 
Bessel & Co. in Petersburg, 1871 eine Noten- 
druckerei. 1872 — jj gab er die Wochen- 
schrift Das Musikblatt heraus, 1885 — 89 die 
Musikalische Rundschau. Die Firma Bessel 
verlegte Werke der bedeutendsten russischen 
Autoren (Tschaikowsky, A. Rubinstein, Cui, 
der ganze Mussorgsky, Rimsky-Korssakow). 
W. Bessel war Vorsitzender der Gesellschaft 
russischer Musikverleger und Musikalien- 
hdndler. Er schrieb Erinnerungen an Tschai- 
kowsky. Seit 1920 wird der Verlag von sei- 
nen Sohnen, Wassili und Alexander B., in 
Paris weitergefiihrt. Vgl. N. Findeisen, 
W. W. B., Abri/3 einer offentlichen musikali- 
schen Tdtigkeit (Petersburg 1909). 

Besseler, Heinrich, * 2. April 1900 zn 
Horde bei Dortmund, absolvierte das stadti- 
sche Gymnasium Diisseldorf, studierte seit 
191 8 zunachstMathematik und Naturwisscn- 
schaften, dann Musikwissenschaft in Frei- 
burg (Gurlitt), Wien (Adler, Fischer), Got- 
tingen (Ludwig); war 1922 — 23 Assistent am 
musikwissenschaftlichen Seminar Freiburg, 
wo er 1923 promovierte (Beitrdge ziw Siilge- 
schichte der deutschen Suite im ij.Jahrhmidert); 
1925 Privatdoz. in Freiburg; 1928 a. o. Prof, 
in Heidelberg. Schrieb: Studien zur Musik 
des Miitelallers: I. Neue Quellen des 14. und 
beginnenden 25. Jahrhunderts (Archiv f. MW. 
1925); II. Die Motette von Franko von Kohl 
bisPhilipp von Vilry (ib. 1927); III. Die 
dltesten italienischen Trecentislen (1928); Er- 
lautemngen zu einer V orfilhrung ausgewdhller 
Musik des spdten Mittelaltcrs (Bericht fiber 
die Freiburger Orgcltagung 1926) ; Von Dufay 
bis Josquin (Ztschr. f. MW. 1928); Problems 
der niedcrldndischen Musik (Deutsche Viertei- 
jahrsschrift f. Literat.-Wiss. und Geistes- 
gesch. 1928); Gnmdfragen des musikalischen 
Jidrens ( J ahrbuch Peters 192?;; Grundfragen 
der Musikdsthetik (ib. 1926). Eine Gesamt- 
ausgabe der Werke G. Dufays fiir diePubii- 
kationsabteilung der Deutschen Musik-Ge- 
sellschaft ist in Vorbereitung (Bd. 1: 1928). 

Bessonow, Peter Alexejewitsch, vor- 
dienter russischer Kirchenmusikschriftstel- 
ler, * 1828, j 1898 in Kiew. Seine Arbeiten 
erschienen hauptsachlich in russischen kir- 
cheiiwissenschaftlichen Zeitschriften. 

Best, William Thomas, * 13. Aug. 1826 
zu Carlisle, j 10. Mai 1897 zu Liverpool, be- 
deutender Orgelvirtuose, zuerst 1840 Orga- 
nist an Pembroke Chapel in Liverpool, 1847 



Bestandig — Beyer. 



167 



an der Blindenkirche und 1848 bei der Phil- 
harmonischen Gesellschaft, 1853 zu London 
an der beriihmten Panoptikum-Orgel und 
der Martinskirche, 1854 an Lincoln's Inn 
Chapel und 1855 an St. Martin's in the Fields 
und St. George's Hall zu Liverpool (bis 
1894); aufierdem war er dort noch Organist 
der Musical Society (1868) und Philharmonic 
Society (1872). Bereits 1896 wurde in Ge- 
orge's Hall seine Biiste aufgestellt. Aufier 
Anthems und andern Kirchenkompositi- 
onen hat er besonders Fugen, Sonaten und 
andere Orgel- und Klavierstiicke, auch zwei 
Quverturen herausgegeben. Seine Haupt- 
werke sind aber: The Modern School for the 
Organ (1853) und The Art of Organ Playing 
(1870). In den letzten Jahren redigierte B. 
eilie groBe Sammlung klassischer und mo- 
derner Orgelwerke (Caecilia) fur den Verlag 
von Augener in London. 

Bestandig, Otto, * 21. Febr. 1835 zu 
Striegau (Schlesien), j im Februar 1917 in 
Wandsbek (Hamburg), Schuler von C. Mett- 
ner, Freudenberg und Mosewius in Breslau, 
lebte seit 1858 in Hamburg, wo er den Kon- 
zertverein und ein eigenes Musikinstitut be- 
griindete und die Wandsbeker Musikgesell- 
schaft leitete (zuletzt im Ruhestand zu 
Wandsbek bei Hamburg). 1879 wurde er zum 
Kgl. Musikdirektor ernannt. Sein Oratorium 
Der Tod Baldurs wurde mehrfach aufge- 
fuhrt, in Druck erschienen ein Quartett fiir 
Violine, Cello, Klavier und Harmonium, 
Lieder und Klavierstiicke und Die unent- 
behrlichen Hilfswissenschaften beim Klavier- 
unterricht (1872, 3 Teile). 
Bettlerleier, s. Vielle. 
Bettleroper, s. Ballad-Opera. 
Betz, Franz, * 19. Marz 1835 zu Mainz, 
f 11. Aug. 1900 zu Berlin, hervorragender 
Buhnensanger (Bariton), 1856 — 59 an den 
Biihnen zu Hannover, Altenburg, Gera, 
Bernburg, Kothen und Rostock, seitdem am 
Kgl. Opernhause zu Berlin, wo er zuerst 
1859 als Don Carlos in Ernani auftrat. 1897 
trat er in Ruhestand. B. war einer der besten 
Wagnersanger; in Miinchen 1868 kreierte er 
den Hans Sachs, in Bayreuth 1876 den 
Wotan. Seine Frau, Johanne geb. Dii- 
ringer, war eine ausgezeichnete Koloratur- 
sangerin, * 1837, J 25. JuliiQo6 in Schreiber- 
hau, Tochter des Lortzing-Biographen Phi- 
lipp Jakob Diiringer (1853 — 70 Direktor des 
Kgl. Schauspielhauses in Berlin). 

Beurhusius, Friedrich, Konrektor zu 
Dortmund, schrieb Erotematum musicae 
libri duo (Niirnberg 15 51 u. 6.) und Musicae 
rudimenta (Dortmund 1581). 

Beuron (Benediktinerkloster) in Sigma- 
ringen, cine der angesehensten musikwisscn- 
schaftliclien Arbeitsstatten der Benedik- 
tiner, im 11. Jahrhundert fiir regulierte Au- 
gustiner Chorherren begriindet, 1803 aufge- 
hoben, 1862 als Benediktinerkloster eroff- 
net, 1875 wieder aufgehoben, 1887 wieder 
eroffnet, ist besonders beruhmt durch seine 
Chorgesangschule. Vgl. Johner, Gregor Mo- 
litor, Raphael Molitor, Ernst von Werra 
und Wilh. Meyer; auch H. von Lassaulx, 



B. und die Kirchenmusik (1863 — I 9 I 3)> 
StraBb. Caecilia 191 3. 

Bevin, El way, 1575 — 84 Chorvikar an 
der Kathedrale zu Wells, 1589 Organist der 
Kathedrale zu Bristol, 1605 auBerordent- 
liches Mitglied der Chapel Royal, verlor an- 
geblich 1637 beide Stellungen, weil er Katho- 
lik war. Ein Service von B. ist in Barnards 
Selected Church Musick und Boyces Cathe- 
dral Music gedruckt; einige Anthems sind 
handschriftlich erhalten. Auch ein 20st. 
Gesang Hark jolly shepherds ist wahrschein- 
lich von ihm. Er schrieb eine wertvolle 
Brief e and Short Instruction of the Art of 
Musicke (163 1 ). 

Bewerunge, Heinrich, * 7. Dez. 1862 in 
Letmathe (Westfalen), f 2. Dez. 1923 zu 
Maynooth, wahrend seiner Universitats- 
studien in Wiirzburg Schuler der dortigen 
Kgl. Musikschule, 1885 Priester, besuchte 
noch die Kirchenmusikschule zu Regens- 
burg und wurde 1888 als Professor der Kir- 
chenmusik an das St. Patrick's College zu 
Maynooth (Irland) berufen. 1914 wurde er 
zum Professor der Musik an der irischen 
National-Universitatzu Dublin ernannt. 1916 
wurde er als Deutscher abgesetzt (Nachfolger 
Dr. Kitson, Organist der Christ-Church zu 
Dublin) und zog in die rheinische Heimat 
(Koln), kehrte aber nach Kriegsende wieder 
nach Irland zuriick. B. gab Motetten von 
Palestrina fiir 5st. Mannerchor arrangiert 
heraus (1898), war 1891 — 93 Herausgeber der 
Lyra Ecclesiastica {Monthly Bulletin of the 
Irish Society of St. Caecilia), lieferte wert- 
volle Beitrage fiir die Musica sacra (Regens- 
burg), den Gregoriusboten, Haberls Kir- 
chenmusikalisches Jahrbuch, den Irish Ec- 
clesiastical Record usw. und schrieb Die vati- 
kanische Choralausgabe (1906 — 07, 2 Teile, 
auch englisch und franzosisch), auch iiber- 
setzte er Riemanns Katechismus der Musik- 
dsthetik und Vereinfachte Harmonielehre ins 
Englische. 

Bexfield, William Richard, * 27. April 
1824 zu Norwich, ")" 29. Okt. 1853 zu Lon- 
don, Organist zu Boston (Lincolnshire), 1846 
Baccalaureus der Musik zu Oxford, 1849 
Organist anSt. Helen's zu London, 1869MUS. 
Dr. zu Cambridge. Sein Oratorium Israel 
Restored wurde in London mehrmals aufge- 
fiihrt; im Druck erschienen Orgelfugen und 
Anthems. 

Beyer, Ferdinand, *25.Juli 1803 in 
Querfurt, t 14. Mai 1863 zu Mainz, Kompo- 
nist von Salonstiicken, Arrangements und 
Potpourris fiir Klavier. 

Beyer, Gustav, * 19. Marz 1843 zu Tha- 
lebra bei Sondershausen, Organist zu Aken 
a. d. Elbe, Komponist (Hornkonzert, Fa- 
gottkonzert, Trompetenkonzert, Ouvertiire, 
geistliche und weltliche Gesange, Orgel- und 
Klaviersachen) . 

Beyer, Joh. Samuel, * 1669 zu Gotha, 
f 9. Mai 1.744 in Karlsbad, 1697 Kantor zu 
Freiberg i. Sa., 1722 zu WeiBenfels und 
1728 wieder als Musikdirektor zu Frei- 
berg, gab heraus: Primae lineae musicae 
vocalis (Elementargesangschule, 1703) sowie 



168 



Beyer — Bianchi. 



Musikalischer Vorrat neu variierter Fest- 
choralgesdnge usw. (1716) und Geistlich-niusi- 
kalische Seelenfreude, bestehend aus J2 Konzert- 
arien usw. (1724). Vgl. Winterfeld, Zar 
Geschichte heiliger Tonkunst. 

Beyer, Karl Wilhelm Ernst, *27.Juli 
1856 zu Bremen, | 27. Aug. 1914 zu Dresden, 
1877 ff. Schuler des Leipziger Konservatori- 
ums (Piutti, E. Fr. Richter, Klesse), war 
sodann Klavierlehrer am Kaiserl. Musik- 
institut in Charkow (Sudrufiland), weiterhin 
am Hochschen Konservatorium zu Frank- 
furt a. M. und zuletzt an mehreren Musik- 
instituten in Dresden, auch Gesanglehrer am 
Kgl. Gymnasium. B. verfaBte eine russische 
Ausgabe von BuBlers Harmonielehre (Char- 
kow 1886). B. war einer der ersten, welche 
H. Riemanns Phrasierungslehre annahmen 
und verbreiteten, hat auch Aufsatze fur ver- 
schiedene Musikzeitungen geschrieben (Kir- 
chenchor, Monatschrift fur Gottesdienst und 
kirchliche Kunst, Sangerhalle). 

Beyer, Rudolf, * 14. Febr. 1828 zu Wil- 
then bei Bautzen, j - 22. Jan. 1853 zu Dres- 
den, Komponist und geschatzter Privat- 
musiklehrer, 1840 Schuler von Weinlig und 
Hauptmann, spater auch am Konservato- 
rium in Leipzig, schrieb hubsche Lieder, 
Kammermusikwerke, Musik zu Otto Lud- 
wigs Makkabder usw. 

Beyle, Marie Henri, s. Stendhal. 

Beyschlag, Adolf, * 22. Marz 1845 zu 
Frankfurt a. M., f 22. Marz 1914 zu Mainz, 
absolvierte in Frankfurt die hohere Ge- 
werbeschule, Schuler von Vincenz Lachner 
in Mannheim, war 1868 — 80 Theaterkapell- 
meister in Trier und Koln und als Konzert- 
dirigent in Mainz und Frankfurt a. M. 
tatig, siedelte hierauf als Dirigent der 
Philharmonischen Gesellschaft nach Belfast 
uber, vertrat eine Zeitlang Charles Halle in 
Manchester und ubernahm dann die Leitung 
der Philharmonischen Gesellschaft und der 
Subskriptionskonzerte in Leeds. Seit 1902 
lebte B. in Berlin. 1907 wurde er zum Kgl. 
Professor ernannt. Als Komponist trat er 
mit Liedern, vierhandigen Tanzen fur Kla- 
vier in Kanonform und Arrangements auf. 
Er schrieb: Die Ornamentik der Musik 
(Leipzig 1908). 

Bezecny (spr. besetzni), Anton, Bruder 
von Jos. B., *2j.Mai 1837 in Prag, studierte 
dort die Rechte (1864 Dr. jur.), Verwaltungs- 
beamter der k. k. Staatsbahnen, 1886 bis zu 
seiner Pensionierung 1 907 Generalsekretar der 
KaiserFerdinand-Nordbahn, k. k. Regierungs- 
rat, Komponist gefalliger Klaviersachen im 
besseren Salonstil. 

Bezecny (spr. besetzni), Emil, ein Sohn 
von Josef B., * 16. Febr. 1868 zu Prag, stu- 
dierte die Rechte und Musik unter Slav- 
kowsky (Klavier) und Guido Adler (Kompo- 
sition, Musikgeschichte) und ist seit 1896 
Professor an der Lehrerinnenbildungsanstalt 
an der Deutschen Musik-Akademie zu Prag; 
Komponist von Klaviersachen, Liedern, einer 
Violinsonate, auch eines Requiems (gedruckt) 
und Mitherausgeber von H. Isaaks Chorale 



Constantinwu und des Jak. Gallus Opus mu- 
sicum in den DTO (s. Denkmaler). Schrieb: 
Repetitorium der Musikgeschichte (tschech. 
1912). 

Bezecny (spr. besetzni), Josef [von], 
* 1829 in Prag, t 1904 in Wien, Sohn des 
musikverstandigen langjahrigen Direktors 
des Prager Blindeninstituts, in der Musik 
dessen Schuler, trat friih als Pianist mit Er- 
folg auf, wandte sich aber der Beamtenlauf- 
bahn zu und stieg zum Wirklichen Geheimeu 
Rat, Exzellenz, wurde geadelt und war zu- 
letzt im Nebenamt zwolf Jahre General- 
direktor der k. k. Hoftheater. 

Bial, Rudolf, * 26. Aug. 1834 zu Habel- 
schwerdt (Schlesien), f 23. Nov. 1881 zu Neu- 
york, war Orchestergeiger in Breslau, machtc 
mit seinem Bruder, dem Pianisten Karl B., 
(* 14. Juli 1833, J 20. Dez. 1892 zu Steglitz 
bei Berlin), eine Konzertreise nach Afrika 
und Australien, lieB sich dann in Berlin nie- 
der, zuerst als Dirigent der Krollschen Ka- 
pelle, wurde 1864 Kapellmeister des Wall- 
nertheaters, das viele amiisante Possen und 
Operetten von ihm brachte, spater Pachter 
von Krolls Etablissement in Berlin und war 
zuletzt (1878) Konzertunternehmer in Neu- 
york. 

Bianchi (spr. bianki), Charitas Bianca 
(eigentlich Bertha Schwarz), Biihnensan- 
gerin (hoher Sopran), * 28. Jan. 1858 zu 
Heidelberg, ausgebildet von Musikdirektor 
Wilczek in Heidelberg und von Frau Viar- 
dot- Garcia in Paris auf Kosten Bern, Polli- 
nis, der sie einige Jahre vor seinem Tode 
(1897) heiratete. Sie debiitierte 1873 zu 
Karlsruhe als Barbchen im Figaro, sang fur 
Pollinis Rechnung in London, nahm aber 
1876 Engagement zu Mannheim, danach zu 
Karlsruhe und 1880 zu Wien. Seit 1902 war 
sie Lehrerin an der Miinchener Akademie der 
Tonkunst, jctzt am Salzburger Mozarteum; 
1925 Professor. 

Bianchi (spr. bianki), Francesco, ^1752 
zuCremona, 1 27. Nov. 1810 zu Hammersmith 
(London) durch Selbstmord; kam 1775 nach 
Paris als Cembalist am Theatre italien, 1778 
nachFlorenz,wurdei783Vizekapellmeisteram 
Dom zu Mailand, 1785 — 91 zweiter Organist 
an der Markuskirche zu Venedig, 1791 als 
ungeeignet abgesetzt, 1792 aber durch Ein- 
fluB vonGonnern wiederberufen. 1792 ging 
er als Kapellmeister an das King's Theatre 
nach London, war 1797 — 1801 Opernkapell- 
meister in Dublin und heiratete 1800 die 
SangerinMiB Jackson. Bis 1795 gabernoch 
jahrlich eine neue Oper heraus (im ganzen 
1773 — 1808 56italienischeund i4franzosische 
Opern. Es ist freilich fraglich, ob die 1804 bis 
1807 in Paris aufgefiihrten 12 franzosischen 
Opern von ihm, von Antonio B., oder einem 
anderen Komponisten namens B. herstam- 
men). Ein theoretischer Traktat von ihm 
blieb Manuskript. Zu B.s Schulern zahlt H, 
R. Bishop. 

Bianchi (spr. bianki), Giovanni, * zu 
Ferrara, gab 1697 bei Rosati in Modena 12 
Triosonaten o-p. 1 (2 V. und B. c.) heraus, 



Bianchi — Bibliotheken. 



169 



die von Roger in Amsterdam nachgedruckt 
wurden. 

Bianchi (spr. bianki), Valentine, ge- 
feierte Biihnensangerin (Sopran von groBer 
Hohe und Tiefe), * 1839 in Wilna, f 28. Febr. 
1884 i n Candau (Kurland), ausgebildet am 
Pariser Konservatorium, debiitierte 1855 zu 
Frankfurt a. M. und Berlin, war sodann enga- 
giertzu Schwerin(i855 — 61), Stettin, Peters- 
burg (1862 — 65) und Moskau (bis 1867), wah- 
rend dieser Zeit und auch noch in den nachst- 
folgenden Jahren vielfach Gastspiele gebend 
und konzertierend. 1865 heiratete sie den 
Oberforster von Fabian und zog sich 1870 
ins Privatleben zuruck. 

Biarent, Adolphe, *n.Okt. 1871 zu 
Frasnes-lez-Gosselies, | 4. Febr. 1916 zu 
" Mont-sur-Marchiennes, studierte Musik in 
Briissel und Gent, Rompreistrager 1901; 
Lehrer fur Harmonie und Kontrapunkt an 
der Musikschule zu Charleroi. Werke: Or- 
chester: Conle £ Orient, Suite; Trenmer, sin- 
fonische Dichtung; Ligende de V amour et de 
la mort; Rapsodie wallonne; Poime heroique; 
Klavierquintett ; Sonate fur Violoncell und 
Klavier; Nocturne fur Gesangstimme, Kla- 
vier, Harmonium, Harfe, Horn; Klavier- 
stiicke; Lieder. 

Bibelregal hieB im 16. — 18. Jahrhundert 
eine kleine wie ein Buch zusammenlegbare 
Orgel mit Zungenstimmen. 

Biber, Aloys, * 1804 in Ellingen, f 13. 
Dez. 1858 in Miinchen, angesehener Piano- 
fortefabrikant. 

Biber, Heinrich Ignaz Franz [von], 
* 12. Aug. 1644 zu Wartenberg in Bohmen, 
I 3. Mai 1704 zu Salzburg; Violinvirtuose, 
erst Musiker am Olmiitzer Bischofshof (bis 
1670), seit 1673 am Hofe des Fiirsterzbischofs 
von Salzburg, 1680 Vizekapellmeister, 1684 
Kapellmeister und TrucbseB, 1690 von Kai- 
ser Leopold I. geadelt, gab heraus: Sonatas 
tarn aris quam aulis servientes (Kirchen- und 
Kammersonaten, 1676), Mensa sonora seu 
Musica instrumentalis (1680, mehrst. So- 
naten), Violinsonaten mit Continuo (1681, 
Neuausgabe als Bd. V. 2 der DTO, mit aus- 
gearb. Begleitung von Jos. Labor), Fidici- 
nium sacro-profanum (12 4 — 5st. Sonaten [in 
Zurich erhalten] ca. 1682 — 87), Harmonia 
artificioso-ariosa (7 Partiten a 3 [teils 2 Vio- 
linen, teils Violine und Viola, teils 2 Violes 
d^amour, mit Continuo] mit komplizierter 
Anwendung der Scordatura und Haufung 
doppelgriffigen Spiels) und ein Buch Ves- 
pern und Litaneien mit Instrumentenbeglei- 
tung (1693). Bd. XII 2 der DTO brachte 
noch 16 (bisher unbekannte) Violinsonaten, 
die sogenannten Passions-Sonaten, heraus- 
gegeben von Erwin Luntz nach dem auto- 
graphen Dedikationsexemplar, mit bib- 
lischen Bildern als Vignetten (vgl. aber dazu 
Ztschr. d. IMG. VIII, 12 [Max Schneider]; 
Ausgabe fur den praktischen Gebrauch von 
R. Reitz). Eine Messe C dur (S. Henrici) v. 
J. 1 701 brachte G. Adler in Bd. 49 (XXV, 1) 
der DTO; ein Requiem ebenda in Bd. 59 
(XXX, i)< Handschriftlich sind 2 Requi- 
ems, 4St. Offertorien u. a. erhalten. Eine 



groBere Anzahl handschriftlicher Suiten- 
werke, teilweise mit Anwendung der Scor- 
datura, findet sich im St. Mauritius-Archiv 
in Kremsier. Auch brachte B. auBer einer 
Reihe von Schuldramen drei Buhnenwerke- 
Chi la dura la vince (Salzburg 1681, Ms. er- 
halten), Alessandro in Pietra (1689) und 
Uossequio di Salisburgo (das. 1699) zur Auf- 
fiihrung. B. gehort zu den bedeutendsten 
Iiistrumentalmusikern seiner Zeit, der italie- 
nische Anregungen in einer sehr deutschen 
und personlichen Weise verarbeitet hat. 
Vgl. Const. Schneider, F.H.von B. als 
Opernkomponist (AfMW. VIII, 3, 1927); 
Paul Nettl, H.F.B.von Bibe.rn (Su- 
detendeutsche ' Lebensbilder I, 1926). Von 
einem Augustinus (!) B. Salisburgensis 
enthalt ein Tabulaturbuch der Leipziger 
Stadtbibliothek eine mit 168 1 datierte sechs- 
satzige Suite in D fur Klavier. 

Biberach. Vgl. B. einst und jetzt. Fest- 
schrift zum 24. Liederfest des schwdbischen 
Sdngerbundes in B. (1895). 

Bibl, Rudolf, * 6. Jan. 1832 und t 2. 
Aug. 1902 zu Wien, erhielt den ersten Kla- 
vier- und Orgelunterricht von seinem Vater 
(Andreas B., * 8. April 1807 in Wien, J 30. 
April 1878, tiichtiger Organist) und studierte 
spater Komposition bei S. Sechter. 1850 
wurde er Organist an St. Peter, 1859 am 
Stefansdom, 1863 Hof organist, 1897 Hof- 
kapellmeister, daneben war er seit 1891 Mu- 
siklehrer an der Lehrerbildungsanstalt. B. 
war nicht nur ein ausgezeichneter Organist, 
sondern auch ein sehr respektabler Kompo- 
nist: Praludien und Fugen fur Orgel, Orgel- 
sonate op. 74 D moll (1895), Orgelkonzert 
mit Orchester op. 68 (1891), Orgelschule op. 
Si (1897), Gradualien, Offertorien, 4 Instru- 
mentalmessen op. 53, 58, 67, 88, eine a cap- 
pella-Messe op. 82, zwei Requiem C moll op. 
yg und D moll op. 84, eine Violinsonate op. 
42, Klaviersachen, sowie Arrangements fur 
Harmonium. 

Bibliotheca liturgica, s. Frere. 

Bibliothek der schonen Wissenschaf- 
ten und freien Kiinste, Leipzig, Dyk 1757 
bis 1765, 12 Bde., begriindet von Fr. Nico- 
lai und Moses Mendelssohn (vom 5. Bande 
ab von Chr. Fel.WeiBe redigiert),unter dem 
Titel Neue Bibliothek der schonen Wissen- 
schaften und freien Kiinste weitergefuhrt 1765 
bis 1806. 88 Bde.), enthalt wertvolle Auf- 
satze iiber Musik (z. B. im 11. — 12. Bd. 
J. Ad. Scheibes groBe Abhandlung uber 
das Rezitativ) sowie viele Anzeigen und Bc- 
sprechungen musikalischer Biicher und Kom- 
positionen. Ein Verzeichnis der Mitarbeiter 
gab Wetzel (1842). 

Bibliotheken, m u s i k a 1 i s c h e. Ein wesent- 
liches Hemmnis der musikwissenschaftlichen 
Studien bildete bis in die neueste Zeit der 
Umstand, daB keine Nachschlagewerke exi- 
stierten, aus welchen die Fundorte seltener 
Musikwerke zu ersehen waren. Es ist das per- 
sonliche Verdienst vor allem Rob. Eitners 
hier einen AnstoB zum Besseren gegeben zu 
haben, zunachst durch seine freilich noch 
sehr sparlichen Xotizen iiber deutsche Mu- 



170 



Bibliotheken. 



sikbibliotheken in den Monatsheften fiir 
Musikgeschichte (1872 ff.), weitcr aber durch 
die Angaben der Fundorte in seiner Biblio- 
graphic der Musiksammelwerke des 16. und 
ly. Jahrhunderts (1877), m viclen Spezial- 
arbeiten in den Monatsheften und in seinem 
Quellen-Lexihon (1S99 — 1904). Besonders 
bahnte das letztere cine griindliche Wand- 
lung an, wenn audi leider seine Angaben 
keineswegs durchweg verlaBlich sind. Eine 
allgemeine Aufnahme der erhaltenen Hand- 
schriften und Drucke alterer Musik und 
musiktheoretischer Werkc riickt aber durch 
die gegenwartige Zentralisation der musik- 
wissenschaftlichen Arbeiten in den Denk- 
malerkommissionen und den musikwissen- 
schaftlichen Instituten der Universitaten 
ernstlich naher, wenn auch an eine ge- 
druckte allgemeine musikalische Biblio- 
graphie noch niclit zu denken ist. N~ur 
wenige Bibliotheken haben bisher Katalogc, 
aus denen der Musikforscher ohne grofie 
Umstandlichkeit ersehen kann, was an 
Musikwcrken oder Werken iiber Musik vor- 
handen ist. Erst in allerneuester Zeit sind 
eine groficre Zahl Spezialkataloge der Musik- 
bestande groSer Bibliotheken gednickt wor- 
den. Die foigende Ubcrsicht orientiert 
cinigermaBen iiber das bis jetzt zugangliche 
Material: Augsburg, Stadtbibliothek (H. 
M. Schletterer, Behage der Monatshefte 
liirMG. 187S), Berlin, Kgl. Hausbibliothek 
(Thouret 1895), daselbst Graues Kloster 
(H. Bellermann, Schulprogramm 1856), 
daselbst J oachimsthalsches Gymnasium (Mo- 
natshefte 1884, Beilage), daselbst v. Thulc- 
meiers Musikaliensammlung (dgl. 189S — 99); 
em Katalog der sehr reichen Musikabteilung 
der Preufiischen Staatsbibliothek steht leider 
noch aus; die 1906 ins Leben gerufene 
Deutsche Musiksammhtng bei dev Kgl. Bi- 
bliothek (Bsgrimder Prof. Dr. W. Altmann) 
ist von Anfang an als Erganzung der alien 
Musiksammlung der Preufiischen Staats- 
bibliothek gedacht, wurde 191 3 mit ihr ver- 
einigt und 1914 auch raumlich mit ihr zu- 
sammen aufgestellt; Brandenburg, Ka- 
tharinenkirche (Taglichsbeck, Schulpro- 
gramm 1857), Breslau, Stadtbibliothek, 
Universitatsbibliothek usw. (Emil Bohn 
1883 [Drucke] und 1890 [Handschriften]), 
Brieg, Gymnasialbibliothck (jetzt in Bres- 
lau, Monatsh. 1897 Beilage), Charlotten- 
burg, Kaiserin- Augusta- Gymnasium (P. 
Meier, Der alter e Notenschatz usw. o. J.), 
Danzig, Stadtbibliothek (Dehn, hand- 
schriftlich a. d. Berliner Bibliothek; Katalog 
der musikalischen Handschriften von O. 
Giinther 1910), Darmstadt (Walther 
1874 und Monatsh. 18S8 Beiiage), Dresden, 
Kgl. Bibliothek (E i t n e r und K a cl e , Monats- 
hefte 1890 Beilage) — von der sehr reichen 
Kg!. Privatmusikaliensammlung, jetzt ebeii- 
falls in der offentlichen Bibliothek, existiert 
nur ein summarisclier Katalog von A. 
R e i c h e r t ;E 1 b i n g , Stadtbibliothek (L. N e u- 
bauer 1893 — 94): Flensburg. Gymnasium 
(E. Pratorius 1906), Frankfurt a. M., 
Gymnasialbibliothck und Peterskircrie (Is- 



rael 1872; Carl SuB (P. Epstein), Kirchliche 
Musikhandschriften des iy. und 18. Jahrhun- 
derts in der Stadtbibliothek, 1927); Freiberg 
i. S., Gymnasialbibliothck (Kade, Monats- 
hefte 1888 Beilage), Gottingen, Univer- 
sitatsbibliothek (Quantz, Monatshefte 1883 
Beilage), Grimma, Landesschule [jetzt in 
derDresdener offenti. Bibliothek] (Petersen, 
Schulprogramm 1861), Hamburg, Staats- 
und Universitats-Bibiiothek (sehr reich an 
Musikalien; handschr. sorgfaltiger Katalog 
von A. von Dommer), Heilbronn, Gym- 
nasialbibl. (Mayser, Alter Musikschatz 
1893), Jena, Universitatsbibl. (Allg. M.- 
Ztg. 1828), Kassel, Landesbibliothek (Is- 
rael 1881), Koln, W. Heyers (1926/27 auf- 
gelostes) musikhistorisches Museum (vgl. 
Heyer; sehr reich an Autographen; Katalogc 
von Georg Kinsky), Konigsbcrg, Kgl. 
and Universitatsbibl. (Josef Miiller 1870), 
Leipzig, Musik-Bibliothek Peters (Emil 
Vogel 1894; Rud. Schwartz 1. Bd. 1910), 
daselbst "Stadtbibl. (C.F.Becker 1843 
[Biichersammlung Beckers]; neuer hand- 
schriftl. Katalog der Beckcrschen Stiftung; 
auBerdem Beckers Katalog der Gesang- und 
Choralbiicher 1845), Musik- Archiv der Tho- 
masschule zu Leipzig (Kirchenmusik der 
Thomaskantoren, Bach-Autographen, Instru- 
mentalmusik des 18. Jahrhunderts), Lieg- 
nitz, Ritterakademie (Pfudel, Schulpro- 
gramm 1876 — 78 und Monatsh. 1886 Boil.), 
Liibeck, Stadtbibl. (Stiehl 1893), Mann- 
heim, Theater- Archiv (Walter 1899, 2 
Bdc.), Miinchen, Staatsbibl. (Maier 1879, 
MusikMss. vor 1700; fur die spateren Hand- 
schriften und die auBerst zahlreichen Drucke 
fehlt ein Spezialkatalog), JMiinster, Bisc